[Aus dem Leben eines Versagers] - German Gothic Board

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Aus dem Leben eines Versagers

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geschrieben von: White_Fang

Ich finde ja, dass wir dem Alltag, dem ganz Gewöhnlichem, viel zu wenig Bedeutung schenken. Die wenigen kurzen Augenblicke, die wirklich etwas Besonderes sind, mögen unser Leben rechtfertigen, bereichern und erträglich machen. Aber unserer Leben ist dennoch unser Alltag, und unser Alltag ist unser Leben.
Ich weiß nicht ob es hier Menschen gibt, die mehr als zwei Seiten Text verstehen, oder überhaupt lesen wollen. Ich weiß nicht, aber bezweifle, dass es auch nur einen Menschen gibt, der sich für mein Geschriebenes interessiert. Aber die Tatsache, dass ich nicht zur Kenntnis genommen werden, oder nicht verstanden werde, hat mich noch nie davon abgehalten, dass zu sagen was ich meine sagen zu wollen. Der Wahrheit zu liebe muss ich auch sagen, dass ich ein furchtbar egoistischer Mensch bin. Ich tue die Dinge die ich eben tue, nur um meinet wegen. Ob ich andere Menschen langweile oder unterhalte, verstimme oder beglücke, dass alles hat keinen Platz in meinen Interessensphären. Mir ist klar, dass mich ein solches Verhalten, und vor allem die Tatsache, dass ich meinen Egoismus offen zugeben, als sympathischen Mitmenschen disqualifiziert, aber im Grunde genommen, kann doch niemand etwas dafür, dass man so ist, wie man eben ist. Die Frage ist nicht wer man ist, sondern ob man zu sich selbst steht, und dadurch zwangsläufig ein sehr einsames Leben führt, oder ob man Kompromisse bereit ist einzugehen. Kompromisse eingehen bedeutet jene Teile von sich selbst zu verleugnen, die zu individuell sind, als dass sie andere Menschen verstehen könnten. Es ist nicht angenehm, keine Freunde zu haben, keine Gleichgesinnten zu kennen, noch nie verliebt gewesen zu sein, keine Vorbilder, keine Vertrauten – nichts zu besitzen aus sich selbst. Aber ich habe mich vor sehr langer Zeit für dieses Leben entschieden. Ich bin unfähig Kompromisse einzugehen. Sie führen bei mir zu Neurosen, zu Borderline, zu SVV, zu Gewalt gegen mich oder andere, Hass, Aggressionen und vielem mehr.
Manchmal kommt mir das Leben wie ein endlose Finsternis vor. Nur ab und zu wird die Finsternis durchbrochen, von unendlich kurzen Blitzen. So kurz dass man nie sicher ist, ob sie wirklich waren oder nur Einbildung. Aber dennoch sind sie so hell, dass sie die Leiden des Lebens rechtfertigen.
Nun soll dies Alles keine Heischerei um Mitleid oder Verständnis sein. Sich zu beklagen, in Selbstmitleid zu baden und sich in die Rolle des Opfers zu drängen, dass ist wider meiner Natur. Niemand ist Schuld daran, dass das Leben so ist wie es ist. Und ich weiß, dass es viele Menschen gibt, deren Probleme ungleich größer sind. Es ist nur ein dummer Zufall – Persönliches Pech – das ich, ich bin. Und ich kämpfe lieber, anstatt jammervoll unterzugehen. Ich bin da, wie ein Husky auf einem Trail durch Alaska. Mein Leben besteht darin Zentner schwere Lasten über erstarrte, tote Materie zu ziehen. Die Arbeit ist anstrengend und überaus qualvoll, aber es gibt kein größeres Glück, als im Geschirr zu sterben.
Dieses Leben ist eben Alltag, und ich möchten dem Alltag endlich seine wohlverdiente Aufmerksamkeit schenken. Und ich gedenke dies zu tun, in dem ich den Verlauf eines ganz normalen Samstagabend schildere. Ein Abend wie hundert andere auch, ohne Besonderheiten, ohne Höhenpunkte oder Ereignisse die meinen Erfahrungsschatz oder mein Bewusstsein erweitern.



geschrieben von: White_Fang

„Ich verbrachte den gesamten Samstagnachmittag lesend oder leise vor mich hin dösend, in irgendwelchen Bäumen. Zum einen, weil es in dem schattigen Blätterdach eines großen Baumes angenehm kühl ist und ich sicher sein kann niemanden zu begegnen, zum anderen weil ich gerne die Anwesenheit der Natur spüre.
Die stille und geheimnisvolle, beinahe metaphysische Atmung des Waldes, die frische Luft und die rege Lebendigkeit die sich überall zeigt. Es bedarf einer gewissen Vertrautheit mit der Natur um das alles wahrzunehmen. Selten aber bringt diese Affinität auch Unannehmlichkeiten mit sich. Einmal bin ich auf einem Baum eingeschlafen, verlor das Gleichgewicht und stürzte sechs Meter in die Tiefe. Der Waldboden ist zwar sehr weich, aber ich zog mir dennoch einige Knochenbrüche und Verstauchungen zu. Entsprechend mühvoll war mein Rückmarsch, von fast drei Kilometer.
Das Buch das ich heute las, hieß „Junkie, Bekenntnisse eines unbekehrten Rauschgiftsüchtigen“ von William S. Burroughs. Ein sehr interessanter Mensch, der mich zugleich abstößt und fasziniert. Abgestoßen von seiner offen homosexuellen Promiskuität, seiner begrenzten Selbstreflexion und den halbwissenschaftlichen und irrsinnigen Vorstellungen in die er sich gerne verrennt, und angezogen von seiner Unkonventionalität, der klaren Konsequenz seines Handelns und vor allem der kalten und gleichgültigen Betrachtungsweise seines Lebens.
Dummerweise ist meine Stimmungslage immer sehr labil und alternierend. Ich neige dazu die Atmosphäre eines Buches, eines Filmes oder irgendetwas mit dem ich mich gerade beschäftige, aufzusaugen, wie ein ausgetrockneter Schwamm. Ich saugte also die Stimmung Burroughs sechs Stunden lang auf, machte die paranoidschizophrene Selbst- und Fremdwahrnehmung Burroughs zu meinen eigenen. Meine Stimmung war also gedrückt, melancholisch und aggressiv. Eine Stimmung in der sich gut nachdenken und schreiben, aber schlecht Leben lässt.
Entsprechend groß war meine Lust auf eine Hochzeitsfeier einer Nachbarin zu gehen. Ich wusste, dass ich es dort nicht lange aushalten werde, aber ich hatte keine andere Wahl. Ich hatte es meiner Mutter schließlich versprochen.
Aus einem, für mein Verständnis, vollkommen irrsinnigem Verlangen heraus versucht meine Mutter mich zu sozialisieren. Sie zwingt mich regelmäßig an gesellschaftlichen Ereignissen teilzunehmen, was ein häufiger Streitpunkt zwischen ist. So war es auch diesmal. Wir hatten uns am Freitag gestritten und da ich diese infantile Art der Diskussion noch nie ausstehen konnte, bin ich einfach abgehauen. Ich verbrachte die Nacht im Freien, genauso wie den gesamten Samstagnachmittag. Das tue ich übrigens öfters, wenn die Witterung es erlaubt. Jedenfalls entschloss ich mich etwa gegen sieben Uhr abends nach Hause zu gehen.
Ich betrat die Wohnung, kein Wort der Begrüßung, dass hatte ich auch nicht erwartet.
Schließlich meinte sie: „Ich glaube ich werde nicht auf die Feier gehen. Ich habe irgendwie keine Lust mehr“.
Mir war natürlich klar was sie damit bezweckte. Sie wollte, dass ich mich entschuldigte. Aber ich dachte nicht daran, darauf einzugehen. Kommentarlos holte ich ihr Hochzeitsgeschenk hervor und fragte: „Soll ich sagen, dass dir nicht gut wäre, oder dass du keine Lust hast?“ Mein Verhalten musste sie wohl etwas ärgern, schließlich meinte sie: „Du könntest dich ruhig entschuldigen“
„Stimmt. Das könnte ich“
„Ich habe es nicht verdient so behandelt zu werden“. Gut, meine letzten Worte am Freitag („Leck mich doch“) waren wohl etwas unangemessen. Aber es war eine Affekthandlung. Ich war mir keiner Schuld bewusst und der Überzeugung im Recht zu sein. Sie hatte natürlich auch Recht. Ich habe schon vor langer Zeit aufgehört daran zu glauben, das es so etwas wie Recht und Unrecht gibt. Nur der Standpunkt ist ein anderer. Ihr Standpunkt ist die Sorge, dass ich mich zu sehr isolieren würde. Mein Standpunkt war die Sorge, dass ich mich zu sehr assimilieren würde. „ Ich habe es nicht verdient, deinen Willen aufgezwungen zu

.....Fortsetzung......



geschrieben von: White_Fang

bekommen.“ War schließlich meine Antwort. Damit war eigentlich alles gesagt und der Streit beendet. Ein sauberer Waffenstillstand, bis zum nächsten Scharmützel. Wir gingen zur Hochzeitsfeier.
Dort angetroffen erblickte ich genau jene Art von Menschen die ich erwartete hatte und so typisch sind für ein Kaff wie dieses. Ältere, über vierzig Jährige gesetzte Leute, deren Weltbild mit meinem ungefähr so viele Gemeinsamkeiten hatte wie das von George W. Bush und Saddam Hussein. Typischer Generationen- und Kulturkonflikt, so alt wie die Menschheit selbst. Ich wusste dass ich ihnen unrecht tat, wenn ich in ihnen eine Bande Lobotomisierter sah. Sie waren schließlich nicht das Problem. Ich war das Problem. Vermutlich wirkten sie auf mich, genauso wie vierzig Jährige vor dreißig Jahren auf sie wirkten und wie ich in zwanzig Jahren auch erscheinen werde. Dennoch hatte ich im Moment nur Aversion gegen diese Gesellschaft übrig.
Ich holte mir eine Bitter-Lemon. Eigentlich mag ich das Zeug nicht, aber auf der Verpackung stand, dass es Chininhaltig wäre. Mir war zwar nicht ganz klar warum in Bitter-Lemon ein Alkaloid gegen das Malariafieber enthalten sein sollte, aber ich dachte mir das es in meiner Situation genau das richtig wäre. Chinin gab man Menschen die Agonie in lagen, um ihr leiden etwas zu linder oder um ihnen Hoffnung zu machen. Ich trank sowieso nur etwas, damit ich meine Konzentration auf etwas lenke könnte.
Ich saß da, wie der Außenseiter der ich war - also standesgemäß - und meine Mutter blickte mich sorgenvoll und mitleidig an. Mitleid ist etwas was ich zutiefst verabscheue, und es bereite mir ein Gefühl körperlicher Übelkeit. Mir wurde schließlich so schlecht, dass ich nichts essen konnte ohne die berechtigten Befürchtung vomieren zu müssen.
Die Tatsache, dass ich nichts essen wollte, vergrößerte meine Aussätzigkeit noch. Am Anfang machte ich mir noch die Mühe auf die Frage zu Antworten warum ich denn nichts esse. Gegen Ende tat ich einfach so, als wäre ich taub.
Für mich ist das Essen was persönliches und privates. Ich werde nie verstehen, warum die Menschen aus der Nahrungsaufnahme ein gesellschaftliches Großereignis machen. Vermutlich entwicklungsgeschichtliche Gründe. Jedenfalls müsste man dann aber auch so konsequent sein und aus dem Scheißen ein gesellschaftliches Großereignis machen, dem alten Rome gleich, als es nur Gemeinschaftsplumpsklos gab und man zwischen drücken und pfurtzen über Politik und Philosophie redete.
Typisch für eine Gesellschaft die nur Schönes sehen will - die glaubt das Handeln keine Konsequenzen hätte. Man trink Coca-Cola Light, und isst Fettersatz, weil man Geschmack will, aber keine Kalorien. Man spannt sich Elektroden um den Bauch, weil man Schlank und Gesund sein will, aber jegliche sportliche Betätigung ablehnt. Zigaretten Light, neue Wunderdiäten, Intelligenz steigernde Musik, Sekten, Schönheitsoperationen, Centbeträge die man irgendwelchen Wohltätigen Vereinen spendet und all die anderen Dinge von denen man genau weiß, dass sie zu rein gar nichts führen, die höchsten das rudimentäre Gewissen beruhigen und helfen an der Wahnvorstellung festzuhalten, es gäbe nur Schönes, Gutes und Positives und einen einfachen Weg ohne jede Mühe und Anstrengung ein glückliches und erfolgreiches Leben zu führen.
Ich betrachte einen älteren Herren, der aussah wie ein gutmütiger Großvater, wie er versuchte heimlich auf das Dekollete meiner Cousine zu blicken, als mir irgend so ein Typ mit weinerlich, hysterischer Stimme klar zu machen versuchte, dass sich eine Biene auf meinem Arm niedergelassen hatte. Das kleine Insekt avancierte mich explosionsartig zum Gegenstand allgemeinem Interesse. Ich nahm es vorsichtig auf meine Hand und sah es mir aus der Nähe an, während eine Frau neben mir das Weite suchte. Ich mag Insekten sehr, kollektive agierende Insekten wie Ameisen und Bienen besonders. Das kleine Tierchen war auf die Coca-Cola Pfütze scharf, die sich auf dem Tisch ausbreitete. Mit dem Zucker wollte sie vermutlich den Nachwuchs versorgen, oder vielleicht hatte sie einfach nur Durst. Sie flog von meiner Hand herab und delektierte sich an der süßen Köstlichkeit. BLATSCH. Eine Sekunde


....Lesen sie nur weiter....



geschrieben von: White_Fang

später klebte die Biene – ich hatte sie Maya getauft – an der Handinnenseite des weinerlichen Typen. Voller Stolz und Selbstzufriedenheit hob er den zerquetschten und zuckenden Leib hervor und zeigt ihn wie eine Jagdtrophäe allen Anwesenden, die anerkennende Ausrufe und Interjektionen von sich gaben. „Gestorben in Ausübung seiner Pflicht“ – war mein lakonisches Nachwort, das auch prompt für breites Gelächter sorgte und für mich das Signal war hier endlich abzuhauen.
Ich hatte meiner Mutter vorher erzählt ich würde mich mit Freunden treffen und ins Kino gehen. Das war natürlich gelogen, aber es machte sie glücklich zu sehen dass ich mich mit Gleichaltrigen traf. Zumindest hatte ich wirklich vor ins Kino gehen. Allerdings musste ich ihr versprechen danach wieder zurück zu kommen. Da ich nicht vor hatte in den nächsten fünf Stunden wieder aufzutauchen war mir das eigentlich auch egal.
Mein Abgang war eigentlich mehr eine Flucht. Ich war nur noch von dem Verlangen getrieben einen Ort zu finden an dem ich endlich alleine sein konnte. Dummerweise waren diese Hochzeitfeierlichkeiten direkt unserem Haus gegenüber. Ich musst also den Schein wahren und mit dem Auto irgendwo hin fahren.
Ich fuhr eine Zeitlang umher bis ich das Gefühl hatte weit genug weg zu sein. Dann parkte ich irgendwo und sackte in mir zusammen. Ich glaube ungefähr zwanzig Minuten habe ich mich nicht gerührt. Ich existierte einfach nur und atmete. Ich dachte an nichts, fühlte nichts, sah und hörte nichts – ich war einfach nur leer, gleich einer ausgebrannten Batterie.
Als mir klar wurde, wo genau ich war, bewaffnete ich mich mit Discman und meinem Buch und ging zu einen kleinem öffentlichen See, an dem ich Tagsüber oft schwimme.
Der See war überfüllt mit Menschen. Ich wollte allein und nur für mich sein, und es gibt keinen Ort, der besser dafür geeignet ist alleine zu sein, als einen der mit vergnügungssüchtigen Menschenscharen überfüllt ist. In diesen Menschenmassen, war ich nur ein anonymes Gesicht unter Dutzenden. Ich kam mir so alleine wie in einer Wüste vor.
Ich glaube ich könnte hier umfallen und einfach sterben ohne das es irgendeiner Menschseele auffallen würde. Man würde mich erst dann wahrnehmen, wenn mein Leichnam einen ekelerregenden Fäulnisgestank von sich geben würde, und ich somit eine olfaktorischer Belästigung wäre und den Badespaß trügen würde.
Der See verströmte eine kühle Briese und frische Luft. Früher war ich oft des Nachts dort gewesen. Ich habe im Mondlicht, oder im Schein einer Laterne gelesen, nachdacht oder geschrieben. Die Wasseroberfläche war im Dunkel pechschwarz, nur der Mond oder die Sterne spiegelten sich darauf. Es war ein unergründliches Schwarz, wie die Iris eines schönen Mädchens, wie der Äther des nächtlichen Himmel oder gleich einer unendlichen, friedlichen Gleichgültigkeit. Eines Tages, bzw. eines Nachts, kamen einige Anwohner zu mir, um mir freundlichdistanziert, aber bestimmt mitzuteilen, dass meine „nächtlichen Aktivitäten“ hier unerwünscht wären. Was genau sie mit „nächtlichen Aktivitäten“ meinten, ist mir bis heute nicht ganz klar, jedenfalls machte ich ihnen weniger freundlichdistanziert, aber bestimmt klar, dass sie mich mal konnten. Der Eklat endete mit einem Anruf bei der Polizei. Die staatlich Exekutive machte mir schließlich, freundlichdistanziert aber bestimmt klar, dass es für „alle Beteiligten“ – womit er jeden außer mich meinte – das beste wäre, wenn ich einfach gehen würde. Seit diesem Vorfall war ich Nachts nicht mehr dort gewesen. Der Ort stank nach Mensch und ich wäre mir ständig beobachtet vorgekommen. Was vermutlich auch gestimmt hätte.
Jetzt mitten im Tumult, war es aber genau jener Rückzugsort den ich so dringend benötigte. Ich war von der Masse ignoriert, die Masse war von mir ignoriert. Lediglich einige andere Außenseiter oder ganz wenige Badegäste begafften mich einige Augenblicke lang. Aber das störte mich nicht weiter.
Ich lass mein Buch und hörte meine Musik. Das erste Lied hieß „Isolation“ ich schmunzelte kurz über diese Ironie.

....Alle Achtung. Sie sind schon verdammt weit....



geschrieben von: White_Fang

Irgendwann begann ich mich zu fragen, ob ich genau so ein Versager werden würde wie mein Vater. Ob ich auch mein Leben lang vor jeder Verantwortung fliehen werden, nomadisch ohne einen Bezugspunkt einfach so dahin vegetiere, und eine ganze Reihe fauler, nutzloser Bastarde zeugen werden. Ich blieb mir selbst eine Antwort schuldig.
Nach zwei Stunden entschied ich mich zu gehen um endlich meinen Kinofilm zu sehen. Es war ungefähr viertel nach zehn.
Auf dem Rückweg zu meinem Wagen entdeckte ich eine Gruppen von Jugendlichen, also Menschen meines Alters. Ausnahmslos männlich, martialisch und betrunken. Man musste nicht empathisch um zu merken das diese Typen auf eine Schlägerei aus waren. Schlägerei ist das falsche Wort. Eine gute Schlägerei ist unpersönlich, fair und objektiv, wie ein Sport. Man prügelt so lange aufeinander ein bis der Andere aufgibt oder man selbst aufgibt, das macht keinen Unterschied. Anschließend kann man ein Bier zusammen trinken. Wenn man sich mit einem Menschen gut schlagen kann, kann man auch gut mit ihm erzählen. Man hat dann eine gewisse seelische Gemeinsamkeit, die zeitlich begrenzt wird durch die Wirkung der Endorphine, des Adrenalins, des Schmerzes und der Aufregung. Klingt das alles ab, trennt man sich wieder. Eine Art One-Night-Stand.
Mit diesen Menschen konnte man nicht reden. Sie erinnerten mich irgendwie an diesen weinerlichen Typen, der Maya zerquetschte. Bloß wird es diesmal keine Biene sein, sondern irgendeine arme Seele, die schwach ist und keinerlei Selbstvertrauen hat und das Pech hat zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein. Diese Typen würden sich sogar damit zufrieden geben ein Kind zusammenschlagen, würden auf seinen zuckenden, weinen Köper wie auf einer Jagdtrophäe blicken und eine Woge aus Stolz und Selbstzufriedenheit würde sie durchfluten. Ein kurzer Rausch der ihre erbärmliche Existenz rechtfertigt – zumindest für den Augenblick.
Vielleicht irre ich mich auch, und dies Ansammlung ist ganz friedfertig. Aber meine Menschenkenntnis warnte mich trotzdem. Es macht auch keinen Unterschied, wenn nicht hier, dann passiert es irgendwo sonst.
Ich jedenfalls, bin schon lange keine schwache, kleine Seele mehr. Ich entlehrte meine Hosentaschen, von meinen Buch und meinem Discman, da sie sehr sperrig waren, schränkten sie meine Agilität ein, und nahm alles in eine Hand, damit ich es schnell fallen lassen konnte. Die andere Hand umschloss ein Messer, dass ich für Situationen wie diese bei mir trug. Allerdings ging ich nicht davon aus, dass ich behelligt werden würde. Falsche Vorstellung brauchte ich mir auch gar nicht erst zu machen: Trotz aller Vorbereitungen und einer gewissen Kampferfahrung könnten sie mir jeden Funken Lebendigkeit aus dem Leib prügeln, allen wegen ihrer Masse. Aber trotzdem: Es ist zum Großteil eine Frage der Körpersprache, ob man sich als Opfer präsentiert.
Ob ich mich nun irrte, und langsam paranoid werde oder nicht, es kam zu keinem Zwischenfall.
Ich stieg in meinen Wagen und fuhr zum Kino. Ungefähr eine Stunde zu früh kam ich an und kaufte die Karte. Das Entree war riesig und fast menschenleer. Aber eben nur fast. In einem Raum mit vielen Menschen, kann man leicht alleine sein, in einem Raum mit wenigen ist an Privatsphäre gar nicht zu denken. Unverzüglich steuerte die Toilette an und sperrte mich in eine Kabine ein. (Anmerkung des Autor: Eine Zustandsbeschreibung der sanitären Anlagen erspare ich dem Leser) Ich wartete solange, bis ich davon ausgehen konnte, dass sich der Raum weitgehend gefüllt hatte und ich endlich meine Ruhe hätte. So war es dann auch. Ich verbrachte noch etwas Zeit mit dem Lesen eines Magazins, dass dort rumlag. Obwohl ich es zweimal lass, war mir nicht klar um was eigentlich darin ging. Irgendwann schaute ich mir dann den Film. Ein typischer Hollywoodfilm: Man lacht ein wenige, man weint wenig und mit der Sekunde in der Abspann gezeigt wird, hat man alles wesentliche vergessen. Ein heitere, unbeschwerter Film eben. Und wie ein trockener Schwamm, zog ich mich voll mit dieser heiteren und unbeschwerten Stimmung.

....Wenn sie es bis dahin geschafft haben, packen sie auch noch den Rest.....



geschrieben von: White_Fang

Ich spürte, wie langsam meine Lebendigkeit zurückkehrte. Es ist, als würde man aus einem traumlosen Schlaf erwachen. Man registriert zwar alles was um einen herum geschieht, aber nichts dringt zum Bewusstsein. Erst allmählich wird einem klar, wer man ist und wo man ist. Das Licht schien wieder heller, die Menschen wieder freundlicher und das Leben schöner. Eine Stimmung in der sich schlecht nachdenken und schreiben, aber gut Leben lässt.
Ich fuhr zurück zur Hochzeitsfeier, aß wie ein ausgehungerter Löwe, trank ein paar Bier, bekam einen angenehmen Schwips und erzählte. Von dem Film, von meinen erfundenen Freunden von einem erfundenen Abend. Nach einer gewissen Zeit, war die gesamte Meute um mich versammelt, und hörte meinen Ausführungen zu, die ich mir aus den Finger saugte. Ich hätte auch erzählen könne, ich wäre von Außerirdischen entführt und vergewaltig worden, sie hätten alles geglaubt. Meine Mutter meinte, dass ich ihr so schon viel besser gefalle. Die Menschen wollen einfach belogen werden. Für sie gibt es nur Schönes.
Irgendwann ging ich dann schlafen.“


P.S.: Wie gesagt, dass ist meine Würdigung des Alltags. Ich glaube nicht, dass es jemand gelesen hat, geschweige denn verstanden oder interessiert.
Der Samstagabend wurde nicht linear erzählt, ich habe auch Assoziationen und Gedankengänge eingebaut die ich zu der Zeit hatte. Alle Assoziationen und Gedankengänge konnte ich natürlich nennen, dazu müsste ich wohl einen Roman schreiben. Ein Roman über einen normalen Samstagabend ist nicht gerade sehr erquicklich.



geschrieben von: sorrowfulness

hi, also ich hab alles in ruhe durchgelesen und glaub nicht das ich der einzige bin oder sein werde...

ich bin aber leider nicht gut in ratschlägen, aber ich würd gerne mal wissen was du so machst auser z.b. lesen...
gehst du zur schule oder hast nen job oder suchst du einen...


cya Niblet



geschrieben von: Heimdall

Hi

Habs auch komplett durchgelesen.
Sehr schöner Text! Du hast Talent zum Schreiben (imo).

Dein Alltag ist weitaus interessanter als der eines "normalen" Menschen.

Ich hoffe dass du bald einen "gleichgesinnten" triffst (falls möglich).



geschrieben von: xandie

Ebenfalls komplett durchgelesen ..

Du schreibst gut, so realistisch und gleichzeitig versunken in Gedanken .. Man kann die Atmosphäre förmlich spüren. Den Roman würde ich jedenfalls kaufen.



geschrieben von: Mahsheed

Hm ... ich beschäftige mich mit der Überlegung, ob du wirklich angenommen hast, niemand würde deine "Kurzgeschichte" lesen ... Dem Leser wurde immerhin soviel Aufmerksamkeit entgegen gebracht, dass er höflich von Beitrag zu Beitrag geleitet wurde.

Angesichts deiner Vorstellung, Außenseiter zu sein, frage ich mich, welche Rolle mir als Leser dieser Worte zukommt. Womit habe ich es verdient, eingeweiht zu werden ... Möglich wäre, dass angenommen wurde, auf verständige oder zumindest wertschätzende Ohren zu treffen, gleich jedoch wieder ausgeschlossen mit der betonten Annahme, dass dies ohnehin niemand lesen würde.

Wäre ich so jemand, der auf der Hochzeitsfeier gewesen und deinen fantasiereichen Erzählungen ebenfalls gespannt zugehört hätte, wäre dir ohnehin in meiner Gegenwart schlecht geworden.

Nun, vielleicht hast du einmal ähnliche Enttäuschungen erfahren, denn die scheint ein Misantroph doch gemacht zu haben, wahrscheinlich haben wir unterschiedliche Konsequenzen daraus gezogen ...

Ich lausche gerne Menschen, die begeistert, fasziniert, voller Hingabe von ihren wie auch immer wahrgenommenen Genüssen, Erlebnissen berichten, denn sie füllen einen Raum mit Wärme, zumindest denjenigen im meinem Magen. Deine Faszination ist dieser verwandt, auch wenn sie ganz unterschiedlich ist, denn mit einer großen Leidenschaftlichkeit scheinst du den Ekel zu genießen, das Zurückgezogenleben, die Verachtung und die Geheimnisse, die du nur mit dir selbst teilen scheinst.

Komisch an mir selbst finde ich den Gedanken, dass ich dein Buch wahrscheinlich nicht kaufen würde, wenngleich ich hier deine Worte schnell und interessiert, sogar oder natürlich Anteilnahme versuchend gelesen habe ... Vielleicht, weil du ehrlich bist ... Weil du mir als Außenstehenden klar machen kannst, dass ich nichts anderes bin als ein weiterer Teil dieser verachteten menschlichen Gesellschaft. Vielleicht hättest du mir deutlich gemacht, dass ich mitlesen darf, damit ich zahle, um deinen Gedankengang, den du als egoistisch bezeichnest, zu nähren. Dabei wärest du zumindest ehrlich ... Wo doch ein jeder ein Buch schreibt, und sicherlich nicht mehr oder weniger für dessen Leser empfindet, als die Hoffnung, dass sie es zu Hauf konsumieren. "Die Menschen wollen belogen werden". Vielleicht wollen sie sich zumindest die Illusion erhalten, dass sich nicht die gesamte Welt um nur einen egoistischen Gedanken dreht. Vielleicht können sie viel besser überleben, wenn sie daran glauben können, dass Wohlwollen um sie existiert, statt der vielen Aasgeier, die ihnen in jedem Augenblick nur nach dem Wohle trachten, um das eigene zu bereichern.

Vielleicht, um zu meinem eigentlichen Gedanken zu kommen, hast du dir einreden müssen, dass keiner diese Gedanken liest, damit du sie überhaupt formulieren könntest frei von einer Welle dich überkommender Abneigung vor den gierigen Augen deiner Leserschaft.

Nein, ich denke nicht, dass du dich selbstredend mit deiner Ehrlichkeit in fremden Augen zu einem unsympathischen Menschen machst. Vielleicht ist es wirklich so, dass sich Menschen gern belügen wollen, damit es ihnen besser geht. Und diese Art der Schilderungen zeigt ihnen wohl einen anderen Teil des Bildes, was sich für sie als Wahrheit offenbart, und zwar den kleinen verschollenen Zipfel in der linken unteren Ecke des Bildrandes, den sie leidenschaftlich gern übersehen ... Eine Psychologin begründete das damit, dass es diesen verdrängenden (übersehenden, sich belügenden) Menschen besser geht, sie leiden weniger an Depressionen, selbst, wenn sie sich eines großen Stückes Wahrheit berauben.



geschrieben von: Der_Philosoph

Nun ich kann mich nur allen Vorschreibern anschließen, besonders den Ausführungen von Mansheed.
Ehrlich gesagt bringst du eine gewisse Atmosphäre und Denkweise einem näher, die einen sofort umdenken lässt!
Auch wenn ich zum Teil ähnliche Ansichten habe, ich muss sagen, deine Art ist einzigartig, dein Ausdruck echt schon romanreif.
Ich glaube zwar nicht, dass du einen Roman schreiben willst, du willst nur leben, für dich, ehrlich, wahr. Du bettelst nicht, du bist nicht verängstigt, du nimmst alles natürlich und normal hin, sehr beeindruckend, das trifft man selten heute!
Nun, wie gesagt, ich glaube, deinen Roman würde ich nur lesen/kaufen, um im Grunde mir etwas zu Gemüte zu führen, was mich, (wenn ich so drauf wäre), befriedigt, in dem Sinne, dass ich jetzt eine Leidesgeschichte o.ä. lese oder irgendetwas in diesem Sinne. Genauso wie die Hunderttausenden, die jeden Tag vor ihren Talkshows sitzen.
Doch das Gute daran ist, dass dies bei dir nicht möglich ist, denn du schilderst trocken, normal und mit einer leichten Verachtung die Ironie des (gesellschaftlichen) Lebens und den Menschen, wie sie sich verstecken, hinter ihren Masken (hier kommt mir das Bild des Maskenballes im Mittelalter gerade in den Kopf!).

*fehler* *wird editiert* *...*



geschrieben von: EdEnS-fAlL

hör auf mich zu siezen!



geschrieben von: Blooddragon

endlich jemand dem es in einem punkt wie mir geht: ich kann genau wie du die Stimmung in mich aufsaugen wie ein Schwamm. Ich weiß nicht ob ich nur einfach eine gute Vorstellungsgabe hbae, aber jedenfalls geht es mir genau so wie dir wenn ich ein Buch lese, bei Filmen aber nciht immer so, weil ich mir das ganze ned selbst vorstellen kann. Ansonsten wirkt dein Samstag auf jeden Fall irgendwie erholsamer und spannender als mein typischer ferien abend wenn nichts besonders anliegt.



geschrieben von: smerles

Muss dich ebenfalls enttäuschen, habs gelesen...

Ich finde es... weiß nicht. Finde gerade nicht die passenden Worte zu meinen Gedanken und Gefühlen beim Lesen... *grübel*



geschrieben von: damned

ich denke den eckel an dieser gesellschfat teilen ne menge leut aber du sagst selbst von dir das du in der lagen bist die leute zum zuhören zu bewegen also probier doch einfach mal anstatt lügengeschichten zu erzählen den leuten andere dinge zum denken zu geben das das ein leidiges thema is ist mir bekannt und das zu allem ein ausgleich da sein muss hat sich in meinem leben auch bestätigt aber ich denke man kann die leute zum denken bekommen ! allerdings bleibt der pöbel immer dumm nur der einzelne wir auf einen eigehen !

naja das is mein senf dazu !

P.S.: Sehr gut geschrieben stimmung kam echt rüber !
Danke war ne bereicherung an einem deiner tage teilzunehmen



geschrieben von: Thayet

Ich hab es auch gelesen, und finde den Text sehr gut. Du beobachtest deine Welt genau und treffend und kannst es dann auch noch in die passenden Worte fassen.
In vielen deiner Worte habe ich auch meine Ansichten wiedergefunden.

Thayet



geschrieben von: Grabtänzerin

Also....ich weiß, dieser Thread ist schon Jahre alt und eigentlich schon garnicht mehr aktuell, aber ich wollte trotzdem noch schreiben, dass er einer der ersten Texte war, die ich hier gelesen habe und dass ich ihn wirklich hervorragend geschrieben finde. Ich würde sagen, dass liegt daran, dass ich mich so gut mit ihm identifizieren kann und er mir wirklich aus der Seele spricht. Danke.





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