ich schreibe (wie viele von euch) gedichte und andere texte und bin schon des öfteren auf die frage gestossen: besteht ein unterschied zwischen dem "schreiben im stillen kämmerlein" - also für sich selbst, um gefühle und gedanken auszudrücken - und dem veröffentlichen im netz oder in gedruckter form? sollte - von der aussenseite gesehen - alles veröffentlicht werden dürfen, auch "anstössiges", "geschmackloses" etc. (stichwort: zensur) bzw. sollte - aus sicht des autors - jedes für die öffentlichkeit bestimmte erzeugnis auch ohne weiteres veröffentlicht werden? muss ich als autor mir überlegen, welche wirkungen meine kunst auf andere hat, ob "positiver" oder "negativer" art? muss ich mich evtl. in selbstzensur üben?
was meint ihr?
aramantis
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... widme ich mit dem gefühl der tiefsten bescheidenheit diese verseuchten blüten
charles baudelaire - die blumen des bösen
geschrieben von: KainsKind
Hallo Armantis,
ich finde es gibt sehr wohl einen Unterschied zwischen "für sich selbst schreiben" und "für andere schreiben". Ich bin immer der Ansicht jeder Mensch ist in seinen Grenzen völlig frei. Es ist sein Recht in seinen Grenzen so zu agieren und zu denken wie und was er will. Nur darf er nicht ohne dessen Erlaubnis die Grenzen zu einem Anderen überschreiten. Anstößiges, Geschmackloses kann immer beleidigend sein und eine Beleidigung ist auch ein Überschreiten seiner eigenen Grenze. Demnach ist Selbstzensur angebracht. Diese Zensur vernünftig zu führen ist allerdings nicht leicht da man nicht nur Harmloses und Liebevolles veröffentlichen will.
Es ist deine Pflicht dir zu überlegen wie deine Kunst auf andere wirkt. Das betrifft zum einen Beleidigungen und zum anderen auch Positives aller Art. Denn auch wenn du jemanden erfreust verlässt du deine Grenzen und bist dem anderen gegenüber verantwortlich für das was du schreibst, sagst und tust. Letzteres trifft nur selten zu aber ein Beispiel wäre ein Liebesgedicht für einen Menschen der einen Anderen liebt. Du beschwörst in ihm vielleicht einen Gewissenskonflik.
Das ist soweit meine Meinung dazu ich hoffe es hilft dir.
Gehab dich wohl
KainsKind
geschrieben von: ToterEngel
Hi,
Also ich denke doch mal das das jedem selbst überlassen ist was man ins Netz stellt und damit halt für andere Öffentlich macht oder eben nicht.Ich selbst habe auch viele Gedichte schrieben die ich für MICH geschrieben habe und nur für mich.Also wie gesagt das ist denke ich jedem selbst überlassen.
Carpe Noctem
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...schwarze schwingen tragen den schmerz durch die nacht...
geschrieben von: Sonnenritter
aber was is mit gedichten, die man für sich selbst schreibt, wo man keine selbstzensur übt (hab ich nie gemacht und werd ich auch nie http://www.nachtwelten.de/ubb/tongue.gif ), und sich dann irgendwann doch nach ner zeit entscheidet, sie zu veröffentlichen??
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Suddenly.. Life has a new meaning
geschrieben von: aramantis
habt dank für eure meinungen und anmerkungen...
zur verdeutlichung: ich meinte nicht, dass ich mich namentlich an eine person wende und dieses dann veröffentliche; das schliesse ich von vornherein aus; es geht um - was evtl. gemeinte personen angeht - "allgemeine" texte, was gedanken oder gefühle angeht aber eben u.u. um sehr deutliche...
@KainsKind
ja, das ist eben genau die zu treffende entscheidung: die selbstzensur "vernünftig" zu führen...wann ist die grenze eines anderen überschritten? potentiell doch schon, sobald ich einen text veröffentliche, denn ich muss ja immer damit rechnen, dass es mindestens einen leser gibt, der anstoss nehmen könnte. so gesehen müsste jede kunst verboten/von aussen bzw. - was meine eigene angeht - von mir selbst zensiert werden. und ich gebe dir recht, was "positive" texte angeht, muss man zunächst die gleichen überlegungen anstellen.
@ToterEngel & Sonnenritter
die sachen, die ich ausschliesslich für mich schreibe sind nicht betroffen, und diese zensiere ich auch nicht - und wenn ich mich dann doch für eine veröffentlichung entscheide, stehe ich vor dem ausgangsproblem.
bleiben also wohl zwei extrempositionen festzuhalten:
1) sobald "das werk" der öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde, ist der autor jeglicher verantwortung enthoben, was es u.u. bei anderen bewirkt - ob "positiv" oder "negativ"
2) der autor ist bzgl. jeder veröffentlichten zeile zu jedem zeitpunkt voll verantwortlich für alles, was sich daraus bei anderen ergibt.
ich bin ratlos...nur noch ein gedanke: wenn punkt 2) zutrifft, müsste ein nicht unerheblicher teil der musiktexte "unserer" szene sofort verboten werden...
seid gegrüsst
aramantis
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charles baudelaire - die blumen des bösen
[Dieser Beitrag wurde von aramantis am 07. Oktober 2001 editiert.]
geschrieben von: aramantis
hallo beteigeuze,
ja, ich lese sehr gerne gedichte, z.zt. die der deutschen romantik.
es geht mir hier aber nicht um eine qualitätsdiskussion, weder was meine texte noch die anderer angeht. das wäre ein anderer thread...
beste grüsse
aramantis
geschrieben von: KainsKind
also ich lese auch sehr gerne Gedichte!
@beteigeuze
du schreibst, das sich Gedichte unglaublich einfach schreiben???? Vielleicht hast du eine besondere Ader. Mir ist das noch nicht so vorgekommen.
@aramantis
Ich bin für Lösung 2, daher ist der Autor verantwortlich für seine Texte! Ich weiß nicht genau auf welche Texte du dich beziehst aber ich glaube auch die finden eine Rechtfertigung in Lösung 2. Die einzigen Texte die rausfallen sind Antisemitische. Das sind zumindest jetzt die einzigen die mir einfallen. Vielleicht zitierst du ein paar Zeilen dann weiß ich genau was du meinst.
Gruß
KainsKind
geschrieben von: Sonnenritter
<BLOCKQUOTE><font size="1" face="Verdana, Arial">Zitat:</font><HR>Original erstellt von KainsKind: also ich lese auch sehr gerne Gedichte!
@beteigeuze
du schreibst, das sich Gedichte unglaublich einfach schreiben???? Vielleicht hast du eine besondere Ader. Mir ist das noch nicht so vorgekommen.
Gruß
KainsKind[/quote]
naja, kommt auch auf die situation an, in der man schreibt bzw. warum man schreibt.
manchmal fliesst das bei mir runter, da könnt ich n buch an einem tag schreiben. manchmal aber brauch ich für eine zeile Tage. kommt eben druff an http://www.nachtwelten.de/ubb/smile.gif
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Suddenly.. Life has a new meaning
geschrieben von: DuNkelHeRz
ich schreib zwar nicht direkt gedichte...
aber ich schreib seit ein , zwei jahren ein buch....
im moment fehlt mir dazu leider einfach die zeit...
vileciht werd ich mal ein stück ins Board setzten...
wenn ichs soweit überarbeitet hab, das man es lesen kann...
ich fnag andauernd an zu verbessern und merk, das es immer größer wird...
ich bruach nur ein stück weiterzuschreiben, dann kommen wieder neu ideen und ich fang an die story auszubauen...
ich ahb jetzt schon kanpp 250 seiten, das ist nicht mal die hälfte, dabei sollte es anfangs mehr eine kurzgeschichte werden...
mal sehen wann ich wieder dazu komme...
DuNkelHeRz
geschrieben von: KainsKind
@ beteigeuze
das was du jetzt schreibst finde ich schon wesentlich besser. Jetzt verstehe ich auch was du oben gemeint hast und kann dir nur beipflichten was die "Methode" Gedichte zu schreiben angeht. Das mit der "besonderen Ader" war nicht ironisch gemeint sondern eher wie du es im Folgenden "den Dichtern mit Namen" zugestehst.
Gruß
KainsKind
geschrieben von: aramantis
jetzt ist die diskussion (nach meinem eindruck) etwas aus dem ruder gegangen... :-)
es ist sicher interessant, über die bedingungen kreativen schaffens sich auszutauschen...
...was ich anstossen wollte, ist jedoch etwas anderes: es gibt ja die (ellenlange) diskussion über medienwirkungen - filme, bücher, musik; mein anliegen war nun folgendes: ausgehend von meiner eigenen (sehr bescheidenen und in ihrer verbreitung sehr viel kleineren dimension) kunstproduktion darüber zu diskutieren: verantwortung des künstlers eben....
wenn ich den anspruch an mich als künstler/autor/filmemacher etc. habe, mich grundsätzlich in der darstellung von gedanken/gefühlen nicht zu beschränken (stichwort: selbstzensur), muss ich dann nicht auch an diesen wirkzusammenhang denken?
@beteigeuze: doch nochmal konkret nachgefragt, weil ich diesen kleinen satz interessant fand: meintest du, es ist feige, eigene gedichte zu veröffentlichen, die man selbst für schlecht hält?