Da bei mir selbst die Gabe zu poetischen und lyrischen Ergüssen recht milde ausgefallen ist, erfreue ich mich lieber an den Gedichten anderer, die etwas mehr Talent ihr eigen nennen können.
So entdeckte ich letztens beim Durchblättern meines Deutschbuches (jaaa, Schulbücher haben doch ein paar Schätze zu bieten ;) ein, wie ich finde, sehr schönes Gedicht von Gottfried Benn .... Ich mußte es einfach hier posten ... :)
Durch so viele Formen geschritten
durch Ich und Wir und Du,
doch alles blieb erlitten
durch die ewige Frage: wozu ?
Das ist eine Kinderfrage.
Dir wurde erst spät bewußt,
es gibt nur eines: ertrage
- ob Sinne, ob Sucht, ob Sage –
dein fernbestimmtes: Du mußt.
Ob Rosen, ob Schnee, ob Meere,
was alles erblühte, verblich,
es gibt nur zwei Dinge: die Leere
und das gezeichnete Ich.
geschrieben von: Josie
Hallo Kalima!
Ich finde das Gedicht auch sehr gut.
Ebenfalls finde ich, daß es gut in ein Schulbuch passt, denn es beschreibt ja den Zwang, den man in der Schule hat alles zu lernen und das es im Grunde keinen anderen Weg gibt, als tatsächlich die Zeit dort zu ertragen.
*findet das ein wenig traurig...*
Andererseits zieht sich ja diese Schleife etwas tun zu müßen durch das ganze Leben. Der lebenslängliche Druck sozusagen. http://www.nachtwelten.de/ubb/wink.gif
Als ich deinen Text entdeckte und du meintest, du hättest das Gedicht in einem Deutschbuch gefunden, mußte ich an ein anderes Gedicht denken, das ebenfalls aus einem Deutschbuch stammt, bzw. aus einem Deutsch-Lesebuch.
Es ist von Kurt Tucholsky und heißt
Augen in der Großstadt
Wenn du zur Arbeit gehst
am frühen Morgen,
wenn du am Bahnhof stehst
mit deinen Sorgen:
da zeigt die Stadt
dir asphaltglatt
im Menschentrichter
Millionen Gesichter:
Zwei fremde Augen, ein kurzer Blick,
die braue, Pupille, die Lider -
Was war das? vielleicht dein Lebensglück... vorbei, verweht, nie wieder.
Du gehst dein Leben lang
auf tausend Straßen;
du siehst auf deinem Gang,
die dich vergaßen.
Ein Auge winkt,
die Seele klingt;
du hast's gefunden,
nur für Sekunden...
Zwei fremde Augen, ein kurzer Blick,
die Braue, Pupille, die Lider,
was war das? kein Mensch dreht die Zeit zurück... Vorbei, verweht, nie wieder.
Du mußt auf deinem Gang
durch Städte wandern;
siehst einen Pulsschlag lang
den fremden Andern.
Es kann ein Feind sein,
es kann ein Freund sein,
es kann im Kampfe dein
Genosse sein.
Es sieht hinüber
und zieht vorüber...
Zwei fremde Augen, ein kurzer Blick,
die Braue, Pupillen, die Lider.
Was war das?
Von der großen Menschheit ein Stück! Vorbei, verweht, nie wieder.
Dieses Stück hat mir auf Anhieb gefallen, als ich es das erste Mal las, weil es auf eine schöne Art die Weise beschreibt, wie Menschen sich heute begegnen und wie sie reagieren.
Der Mund eines Mädchens,
das lange im Schilf gelegen hatte,
sah so angeknabbert aus.
Als man die Brust aufbrach, war die Speißeröhre so löcherig.
Schließlich in einer Laube unter dem Zwerchfell, fand man ein Nest von jungen Ratten.
Ein kleines Schwesterchen lag tod.
Die anderen lebten von Leber und Niere,
tranken das kalte Blut und hatten
hier eine schöne Jugend verlebt.
Und schön und schnell kam auch ihr Tod:
Man warf sie allesamt ins Wasser.
Ach, wie die kleinen Schnauzen quietschten!
Gottfried Benn
geschrieben von: flamingtears
Der Panther
Im Jardin des Plantes, Paris
Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, daß er nichts mehr hält.
Ihm ist, also ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tuasend Stäben keine Welt.
Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte
in der betäubt ein großer Wille steht.
Nur manchmal schciebt der Vorhang der Pupille sich lautlos auf - Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille -
und hört im Herzen auf zu sein.
(von Rainer Maria Rilke)
dies ist eines meiner lieblingsgedichte, ich musste es hier einfach posten ...
geschrieben von: Mac
@flamingtears: Du kannst hier alles Lyrische oder mit Lyrik in Zusammenhangstehendes posten!