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geschrieben von: Sternenstaub

Wish

ich tu' was du verlangst hab' keine Angst
ich lass' dich nicht allein denn uns gehört die Welt
wir können alles sein...

(Franka Potente & Thomas D.- “Wish”)

Babsi steht vor dem runden Spiegel im Bad und tuscht ihre Wimpern. Dabei ist sie heute sehr unkonzentriert. Eigentlich war sie immer eine Meisterin des Make-ups...eine Eyeliner- Künstlerin und Kajal- Königin. Make-up ist Babsi sehr wichtig, denn es gehört zu ihrer Lebenseinstellung. Da Babsi sich als waschechte böse Punkerin sieht, muss sie auch wirklich schwarz und provokant geschminkt sein. Normalerweise gelingt es ihr perfekt. Doch heute sind ihre Gedanken ganz woanders. Babsi verfehlt sie ihre Wimpern beim Tuschen, ohne es zu merken...Schwarze Streifen schmücken Babsis Wangen...
Babsi zwirbelt an einer grünen Haarsträhne. Die Haare hat sich Babsi mühevoll gefärbt. Mit Anti-Fußpilz-Mittel, damit sie auch wirklich herrlich grün werden. Zwar brennt nun Babsis Kopfhaut und ihre Hände sind mit roten Pusteln bedeckt. Aber Punk sein ist alles. Und Babsi bringt gerne Opfer für ihre Lebenseinstellung. Außerdem passt diese Farbe sehr gut zu ihren grünen Augen. Und zu ihrem grünen T-shirt mit Ché Guevara- Abbild. Babsi liebt den Ché. Immerhin war der auch Kommunist und gut aussehen tut er auch noch. Und den Kommunismus hat der in Cuba voll populär gemacht!
Babsi liebt es, aufzufallen! Einmal landete sie im Krankenhaus, weil sie versuchte, sich ihr kleines hübsches Näschen mit einer Nähnadel zu piercen. Infolge dessen bekam sie eine saftige Blutvergiftung und hütete drei Wochen lang das Bett.
Doch Babsi gibt nicht auf. Alle sollen sehen, wie sehr sie gegen die spießige Gesellschaft protestiert. Und aus Protest wird Babsi ab morgen drei Tage lang die Schule schwänzen und stattdessen mit Roland an die Nordsee fahren. Deswegen ist morgen Babsis großer Tag. Wer braucht schon die Schule? Und Abitur brauchten überzeugte Kommunistinnen wie Babsi schon gar nicht. Was zählt, ist doch eh die handwerkliche Arbeit und alle Menschen sind gleich. Babsi ist egal, ob sie Abitur bekommt. Sie ist doch erst in der zehnten Klasse. Zwar hat sie keine Ahnung, was sie später machen möchte, aber sie hat ja noch Zeit. Und morgen fährt sie mit Roland an den Wannsee nach Berlin. Zum Wasser. Eigentlich mag Babsi kein Wasser. Richtige Punkerinnen mögen kein Wasser und waschen sich nicht gerne, um zu zeigen, wie herrlich anders sie doch sind. Doch Roland will unbedingt mit Babsi ans Wasser. Und Berlin ist drei Autostunden von Babsis Stadt weg....drei Autostunden mit Rolands lauter Technomusik und Rolands warmer Hand auf ihrem Knie. Fahrräder nehmen sie auch mit, weil Roland auch noch eine Fahrradtour machen will. Und Babsi will Roland gefallen.
Babsi will unbedingt ein paar Tage mit Roland allein sein. Zwar kennt sie ihn nur eine Woche, aber sie liebt ihn schon wie verrückt. Und sie wünscht sich nichts sehnlicher, als mit ihm wegzufahren und mit ihm zu schlafen. Denn richtige Punkerinnen haben auch ab und zu wilde Alkoholexzesse und coolen Sex. Das gehört einfach dazu. Und Babsi hatte noch nie so richtigen Sex. Doch jetzt ist die Gelegenheit da..
Babsi steht immer noch vor dem Spiegel und auf ihren Wangen sind immer noch schwarze Streifen. Endlich bemerkt sie ihr Make-up-Malheur und flucht ganz laut. Richtige Punkerinnen müssen auch laut und derb fluchen können.
Da Babsi kein Wasser mag, versucht sie, die Streifen mit einem Stückchen Klopapier zu beseitigen. Durch das eifrige Reiben wird Babsis Haut rot und fängt an, eklig zu brennen. Babsi wirft das Klopapierstück ins Waschbecken und bohrt noch ein Loch in ihre zerfetzte schwarze Strumpfhose. Gelöcherte Strumpfhosen findet Babsi ganz wunderprächtig...und Roland mag die Strumpfhosen auch. Immerhin hat er sie letzte Woche nur wegen ihrer Strumpfhose angesprochen. Sie lief ganz allein durch die Stadt und auf einmal hielt Roland neben ihr, kurbelte das Fenster herunter und schrie „ Ey, Puppe! Soll ich Dir ne neue Strumpfhose kaufen??“ Babsi streckte ihm die Zunge raus und lächelte. “Nööööhööö...lass mal Ich hab genug. “
„Willsu mitfahren?“ Roland machte die Beifahrertür auf und Babsi schwang ihre Beine mit den Lochstrumpfhosen hinein...
Babsi fühlte sich sofort wohl in Rolands rotem VW Polo. Roland redete viel. Über Autotuning, tiefergelegte Karren, das Polieren und Waschen. Babsi konnte zwar nicht viel dazu sagen, aber sie hörte Roland gerne zu. Er hatte eine angenehme, tiefe Stimme. Babsi fand diese Stimme von Anfang an sehr sexy. Und auch jetzt laufen ihr kleine Schauer über den Rücken wenn sie an den morgigen Tag denkt. Babsi verlässt das Bad, schnürt ihre Stiefel fest und dreht die Musik auf volle Lautstärke...Sie hat richtig tolle Laune. Nur noch einmal schlafen, dann ist der Tag da. Ihre Mutter ist mit ihrem Stiefvater für ein paar Tage weggefahren, also fällt es eh keinem auf, wenn Babsi die Schule schwänzt.
Babsi tänzelt völlig happy durch ihr Zimmer. Und nachts kann sie vor lauter Aufregung gar nicht schlafen. Sie träumt von Roland und blättert alte Mädchenzeitschriften durch...dafür ist Babsi zwar schon zu alt, doch will sie wissen, wie Sex geht...immerhin ist Roland schon fast dreißig und hat ganz viel Erfahrung. Ein bisschen mulmig ist Babsi schon zumute...
Endlich ist der große Tag da und Roland holt Babsi ab. Wie üblich kurbelt er das Fenster herunter, sagt „Hallo Püppchen“ und gibt ihr einen Kuss auf den Mund. Dann steigt er aus, um Babsis Fahrrad auf den Gepäckträger am Autodach zu laden. Babsi grinst ihn nur selig an. Sie ist ein wenig müde, immerhin ist sie schon seit vier Uhr morgens auf den Beinen, um sich richtig zu stylen. Sie trägt einen zerfetzten grünen Rock und ein rotes T- Shirt mit der Aufschrift „I am so evil“ . Babsi kommt sich heute richtig toll vor. Heute hat sie sich ausnahmsweise gewaschen, denn sie will das Roland heute Nacht ihr gehört.
Sie fahren los. Aus Rolands Boxen kracht laute Musik. Der Beat lässt die Sitze vibrieren. Eigentlich mag Babsi keinen Hardcore - Techno mit 180 BpM aber was solls? Immerhin ist Roland da. „Hach, Roland ist schon lecker“, denkt Babsi verträumt und sieht ihn an. Roland hat kurze blonde Haare, die ein bisschen ungewaschen aussehen und einen Bierbauch. Seine Turnschuhe sind von Nike, die hat er sich mühevoll bei Ebay ersteigert. Roland liebt Ebay und wenn er nicht gerade seinen alten VW aufmotzt, hängt er den ganzen Tag vor dem PC. Babsi denkt dass ihr Roland Informatiker sei...aber genau weiß sie es nicht und es ist ihr auch egal. Hauptsache, der Roland hat ganz hübsche blaue Augen...
Die Autositze wackeln immer noch von der lauten Musik. Roland reicht Babsi eine Bierdose: „Hier, Baby, trink was...“ Babsi greift fröhlich zu. Eigentlich mag sie ja kein Bier aber es ist unheimlich cool, Mit dem Roland hier zu sitzen und zu trinken.
Langsam bewegt sich Rolands Hand in Richtung Babsis Knie. Babsi freut sich schon auf die Nacht im Hotelzimmer. Das Zimmer hat Roland gebucht. Roland ist toll! Babsi versucht, ihren Kopf im Takt der Musik zu bewegen und bohrt erneut an ihrer Strumpfhose.
Während der Fahrt reden sie kaum. Nur manchmal erzählt Roland etwas von seine Auto. Er hat grüne Bodenbeleuchtung eingebaut und will die Sitze noch mit weißem Leder beziehen, damit sie auch richtig schön schick aussehen. Und tiefer gelegt ist die Karre auch noch, so tiefgelegt, dass Babsi manchmal seltsame Geräusche vernimmt. Aber Roland findet das geil, mit der Karre über die Autobahn zu kratzen.
Langsam wird Babsi langweilig und sie fängt an, den schwarzen Nagellack von ihren Fingernägeln zu popeln. Babsi mag schwarzen Nagellack, denn schwarzer Nagellack ist böse! Und unheimlich cool!
Endlich kommen Babsi und Roland in Berlin am See an und beziehen das Hotelzimmer. Babsi ist schon ganz nervös und würde am Liebsten sofort mit Roland schlafen. Sie fängt an, seine Wampe zu streicheln. Es fühlt sich irgendwie wabbelig an und außerdem erregt das den Roland kein bisschen...irgendwie wehrt er sich sogar! Roland möchte erst eine Fahrradtour machen: „Ey Baby, lass uns erst Rad fahren, ja? Das trainiert die Beinmuskulatur! Den Rest gibt’s später!“ Babsi grinst durch die Gegend und lässt sich von Roland einen Kuss geben. Irgendwie ist sie auf einmal genervt von ihm. Wenn es drauf ankommt, will der komischerweise nicht!
Sie radeln am See entlang. Babsi ist irgendwie gelangweilt. Sie hat sich das Ganze viel schöner vorgestellt. Außerdem tun ihr vom Radeln die Beine weh. Und Roland redet kaum mut ihr.



geschrieben von: Sternenstaub

Wahrscheinlich sind seine Gedanken wieder bei seinem Auto.
Auf einmal spürt Babsi, wie die Luft aus dem Hinterreifen ihres Fahrrads entweicht. Sie kreischt ein bisschen, um Roland darauf aufmerksam zu machen. Endlich sieht er sie an und betätigt die Bremse seines Fahrrads: „Hey Baby, reg dich doch nich so auf! Is doch nur ein kaputter Reifen. Ich kann dich auch zum Motel tragen, ey!“ Doch Babsi hört ihm nicht zu. Vollkommen genervt schreit sie ihn an: „Du blöder Proll, ich hab eh keinen Bock auf deine Fahrradtour!!!“ Dabei fuchtelt sie so wild mit den Armen, dass sie völlig das Gleichgewicht verliert und im Schlamm am Straßenrand landet. Ronald muss lachen und Babsi sieht ihn böse an. Jetzt ist ihr böses Outfit völlig hinüber und Schlamm klebt auch in ihren frischgefärbten Haaren. Babsi ist entrüstet über Rolands verhalten. Sie schmeißt ihr Fahrrad noch mal kräftig auf die Erde und rennt einfach los. Soll der Scheiß- Autoprolet ihr doch gestohlen bleiben, wenn er sie so dumm auslacht! Sie rennt und rennt. Hinter sich hört sie verzweifelte „Babyy, komm zurück!“- Rufe, doch sie dreht sich nicht um. Wozu auch? Sie wird schon einen besseren Kerl finden, einen, der genauso böse ist, wie sie- und mit dem sie nicht im getunten Auto fahren muss. Nun will Babsi einen, der wie Ché aussieht. Und keinen blonden und kurzhaarigen Proll mit Wampe. Jawohl!! Und Sex wird sie sicher noch bekommen...vielleicht sogar mit einem, der Ché ähnlich sieht. Der Ché war zu seinen Zeiten bestimmt ein supercooler Lover.
Mittlerweile ist der See auch weit weg. Umso besser. Babsi mag eh kein Wasser. Wozu braucht man denn Wasser? Jetzt hatte sie sich extra für den Roland gewaschen und der war trotzdem doof zu ihr!
Mittlerweile regnet es, und Babsis Fersen sind von ihren coolen Stiefeln total wund. Es wird Zeit, per Anhalter zu fahren. Trampen findet Babsi auch sehr cool. Sie stellt sich an den Straßenrand. Dort fällt ihr ein, dass ihre gesamten Sachen noch im Hotelzimmer sind. Aber das ist ihr egal. Böse Mädchen kommen auch ohne ihre Sachen aus. Ist eh viel cooler so! Und Regen findet Babsi auch toll. Dann klatschen Babsis grüne Haare ihr so lustig ins Gesicht. Und es sieht bestimmt sexy aus, wie ihre Strumpfhose an ihren Beinen klebt!
Nun steht sie da und hält den Daumen zur Seite...Sie ist schon klatschnass und weiß nicht wo sie hinfahren wird. Es ist ihr aber auch egal. Bösen Mädchen ist eben alles egal. Und böse Mädchen passen eben nicht zu doofen Autoproleten...



geschrieben von: DBT

Also ich find deine Geschichte wirklich nicht schlecht, aber jede Zeile erinnert mich an die Claudy666 Story nur eben als Babsi und Punkerin...*g*

DBT



geschrieben von: soLost

interessant ! selbst verfasst ?

liebe grüsse



geschrieben von: Paladin

Musste auch die ganze Zeit an Claudy denken.

Gibt es da noch Fortsetzungen?

MfG Arne



geschrieben von: Haevion

*lässt seinen Kunstledermantel arrogant im Wind wehen, und guckt auch böse* ;)

Eine schöne Geschichte Sterni. Die hat's verdient zu gewinnen, auch, weil das Ende nicht klischeehaft ist. :)



geschrieben von: Schattenwesen

Gefällt mir gut.
Kleines, du hast's einfach drauf!!:)



geschrieben von: Sternenstaub

danke ... *lächel*
Fortsetzung? Wäre überlegenswert :) Ich denke darüber nach :)

Liebe Grüsse und Haevi ...du biat nicht söo böse wie Du tust ! :q



geschrieben von: Sleeples_angel

Interessante und gut geschriebene Geschichte. Hut ab!



geschrieben von: Nope

Find die Geschichte echt super, erinnert mal wieder an die süße Claudy und ihr Hamster Vergiftung :D
Danke!





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