Sanft blickst Du herab von finstern Himmeln.
Die runde Gestalt, die Du zutage legst,
mit der Du hell ein jedes Haus und jeden Hof bestrahlst.
Die Sterne, die Dich umschweben,
stehen da wie ein Spiegelbild Deiner
aus Millionen der Kilometer weit entfernt.
Nichts als Deine wunderschön natürliche Form,
Deine Macht und Deine Schatten,
will ich sehen von hier, aus meinem Fenster.
Du versprichst mir Nähe,
verheißt mir Kraft.
Bist stark, ich kann Dich sehen, Du mir helfen.
Dein Schein, so rein und klar,
so ehrlich und bestimmt,
strahlt auf in meinem Herzen und lässt es erblühn.
Du Göttin der Nacht, die ich liebe,
steh still, bleib da, damit ich Dich sehen kann.
Denn Du bist die Einzige, die ewig Treue mir gewährt.
Still steht sie da, im Schatten der Nacht. Blickt sich um, verstohlen, unbeholfen. Sie fürchtet sich nicht vor der Dunkelheit, vor den Schatten, die stetig hinter ihr auflodern... wie die Flammen Tausender von Lichtern auf der Ruhestätte ihres Großvaters. Nur gewaltiger. Höher, breiter... nur größer, eben. Sie blickt sich um, sie hört Geräusche. Leise, kaum wahrnehmbare Laute, die sich in der Finsternis verlieren, die die schwarze Nacht ausnahmslos verschluckt. Sie sieht in den Himmel, um Sterne zu suchen, doch durch den undurchschaubaren Nebel ist nichts zu erkennen. Die Straßenlaternen sind bereits erloschen, und sie steht immernoch da, auf dem kleinen Platz, um Ruhe zu finden. Sie zieht die klare Nachtluft in ihre Lungen und lässt sie dort wirken. Sie sucht die Stille, der sie sich hingeben kann, fühlt sich unbeobachtet. Viel zu spät ist es, als dass noch Leben in den engen Gassen der kleinen Stadt zu vermuten wäre. Oft begibt sie sich zum Friedhof und setzt sich in den Kies. Sie genießt die Ruhe, die dieser unheilverheißend anmaßende Ort auszustrahlen vermag. Sie legt sich flach auf den Boden und sucht den Mond. Luna. Die Göttin der Nacht. Sie fühlt sich wohl unter ihrem Schein, die Wolken sind fortgezogen. Sie räkelt sich in den Schatten der Grabsteine, die sie umgeben. Sie ist glücklich. Zum ersten Mal seit Langem ist sie glücklich. Und froh. Froh, einen Ort gefunden zu haben, an dem sie glücklich sein kann, denn sie glaubt an das Schicksal. Nicht an tragische Tode, die man hätte zu verhindern wissen. Sie glaubt an die Stille, an ihre Macht. Sie weiß, dass keiner umsonst stirbt und sie ahnt, dass den Tod keiner erleidet. Oft kommt sie hierher. Wenn es ihr schlecht geht. Wenn sie den Beistand der Seelen braucht, die hier stets präsent sind. Seit Jahrhunderten hier weilen und denen Körper gehörten, die sie liebten oder verabscheuten. Die sie brauchten oder loswerden wollten. Und es letzten Endes vollbracht haben. Sie haben ihr letztes Ziel, den Tod, erreicht. Sie wurden berufen und sind den Schreien gefolgt. Und nun sind sie glücklich, für den Rest ihrer Tage...
------------------ ...and when you finally touch the light they send you back into the night...
geschrieben von: Armitage
Ohhhh...fein!
Eine Hommage an unsere schöne Luna!
Vortrefflich, ich erlaube mir, es zu kopieren um es in meinem persönlichen Lieblingtextordner zu bunkern...wenn es Dich nicht stört...
------------------ ...and when you finally touch the light they send you back into the night...
geschrieben von: Mordors verlorener Sohn
@ machtküsse
in der tat ein sehr schöner text.
nach dem ganzen tages-stress ist ein besuch im kabinett der dunklen poesie fast so etwas wie urlaub; und du trägst dazu bei...
weiter so...
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...ein Ring, sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden...