[Spiegel der Seele] - German Gothic Board

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Spiegel der Seele

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geschrieben von: La Voisin

Trümmerfeld

Ich blicke in den Spiegel und sehe meine Augen.
Einst haben diese Augen gelebt.
Damals erschuf Ich das Paradies in mir,
der Liebe baute Ich einen Palast und sie zog mit Freuden ein.
Der Würde ein schlichtes Haus mit Garten, genau wie sie es verlangte.
Das Glück erhielt ein großes Stück Land, das es mit seinem Geschick in einen blühenden Park verwandelte.
Alles umgab Ich mit hohen Mauern.
Einzig die Vernunft blieb ausgesperrt, immer wieder pochte sie ans Tor, doch Ich blieb taub.
Ich hatte nicht damit gerechnet, dass der Angriff so plötzlich kommen würde.
Das Glück wollte sich verstecken und wurde im selben Augenblick von einer Granate zerfetzt.
Die Würde lag gekrümmt am Boden, während Soldaten mit schweren Stiefeln auf Sie eintraten.
Die Liebe trafen sie mitten ins Herz, sie verreckte in ihrem Blut.
Ich humpel über ein Trümmerfeld, das Erbe meiner Vergangenheit, der widerlich süße Leichendunst dringt in meine Nase.
Langsam sehne Ich die Nacht herbei, damit sich die Dunkelheit schützend über die Verwüstung legt.



geschrieben von: La Voisin

Eiskristalle

Es schneit, alles Leben wird darunter erstickt, alles gewesene getötet, Erinnerungen zerstört.
Sie erstarren in der Bewegung.
Ein Windhauch vermag die frostklirrende Bild zu zerbrechen,
wie Glas.
Zurück bleibt der leere Raum in mir und die Scherben der Vergangenheit,
dunkel und kalt.
Fast unhörbar ruft mich der Frühling zu sich:
" Warum kommst Du nicht? "
Ich antworte, dass ich Angst habe auf die Scherben zu treten wenn ich weitergehe.
Doch der Frühling sagt:
" Auch diese Wunden werden heilen, Du mußt weitergehen"
Mutig durchschreite ich das Trümmerfeld meiner Seele.
Ich schneide mir die Füße blutig,
doch der Schmerz tut gut,
Ich fühle dass ich lebe.
Vielleicht bist Du ja der Frühling?



geschrieben von: La Voisin

Liebe

Als Ich Dir das erste mal gesagt habe, dass Ich Dich Liebe,
gab ich Dir damit das versprechen den Weg des Lebens mit Dir zu gehen bis ans Ende.
In guten wie in schlechten Zeiten.
Du hast Dich immer beklagt, dass Ich deine teueren Geschenke nicht zu schätzen weiß.
Ich hätte sie zu schätzen gewußt, hättest Du mir das teuerste Geschenk gemacht:
Deine Liebe.
Doch so haben sie keinen Wert für mich.
Stets lag ein dunkler Schatten hinter Dir, doch Ich wollte dem nicht nachspüren, aus Angst dass unser Glück zerbricht.
Heute weiß ich, dass es schon immer zerbrochen war, achtlos tanzten wir über die Scherben hinweg.
Bis Du nicht mehr tanzen konntest.
Deine letzten Worte waren:
" Bitte verzeih mir, aber ich habe Dich nie geliebt"
Dann fuhrst Du mit Deinem Rollstuhl davon.



geschrieben von: La Voisin

Am Grund

Wenn man versucht, seine Seele zu ergründen, ist es, als sei man an der Oberfläche eines Sturmgepeitschten, klaren Wassers.
Man kann durch die Wellen erkennen, dass noch etwas in der Tiefe verborgen liegt, schemenhaft und verschwommen.
Wie die großen, dunklen Steine am Boden des Sees.
Um zu erfahren, was es ist, kann man nur hinabtauchen, es bleibt keine andere Wahl.
Der Weg zum Grund wird von erlebtem gesäumt, das bewegunglos im See schwimmt, wie Wasserleichen.
Die Starren Augen sehen einen aus aufgedunsenen Gesichtern an.
Doch man tauche immer tiefer, bis der Druck des Wassers schließlich so stark auf einem lastet, dass er den Atem abschnürt.
Also muß muß vor dem Ziel wieder umkehren, um nicht an sich selbst zu ersticken.
Es bleibt nur die Hoffnung, dass das leben lange genug ist, um zu sich zu finden,...



geschrieben von: La Voisin

Ware Mensch

Habt Ihr schon gehört?
Es werden seit neuestem auch Menschen verkauft.
Es gibt sie im Supermarkt.
In einer Styroporschale, eingeschweißt in Frischhaltefolie.
Garantiert nackt und völlig neu.
Zum lächerlich niedrigen Preis von 99 cent.
Ihr könnt sie gleich mit nach Hause nehmen.
Doch beeilt Euch, der Andrang ist groß!
Und bitte lest vor Inbetriebnahme die Gebrauchsanweisung genau,
damit euer Menschenroboter auch einwandfrei funktioniert.
Sollte es jedoch Probleme geben, ist der Umtausch nicht ausgeschlossen.
Wobei bei diesem Schnäppchenpreis zu überlegen bleibt, ob man Ihn nicht einfach wegwirft und sich einen neuen kauft,...



geschrieben von: La Voisin

Begräbnis

Mit weinschwerem Kopf trete Ich aus dem Wirtshaus.
Es regnet, der Boden ist in einen matschigen Brei verwandelt.
Das schwarz der Nacht geht unmerklich in ein dunkles Grau über.
Auf dem Heimweg muß Ich am Friedhof vorbei.
Dort sind zwei Totengräber am Werk und heben ein Kindergrab aus.
Ich frage Sie wer denn gestorben ist, doch sie zucken nur mit triefenden Schultern, um zwei sei das Begräbnis, auch Ich bin eingeladen, wie jeder hier im Dorf, sagen sie.
Gut, Ich kann also noch bis mittag schlafen, dann mache ich mich langsam zurecht.
Ich weiß noch immer nicht wen sie beerdigen wollen.
Bei der Trauerfeier angekommen kann mir auch Niemand genaues sagen.
Es macht den Anschein, als werde ein entfernter Verwandter bestattet.
Die einen sagen es ist die Liebe, die anderen es ist die Wahrheit, wieder andere es ist die Hoffnung oder die Würde.
Ein weisser Kindersarg wird zu Grabe gelassen, doch niemand scheint wirklich betroffen.
Es wird bei der Predigt aufgeregt getuschelt.
Jeder ist froh, dass es nun vorüber ist und er sich die nassen Sachen im Lokal beim Leichenschmaus trocknen kann.
Außer der schwarzen Kleidung erinnert nichts dort an ein Begräbnis.
Es gibt reichlich guten Braten, Bier, Wein und Schnaps, wie bei einer Hochzeit.
Die Stimmung wird von Glas zu Glas ausgelassener und die Paare beginnen zu tanzen.
Es scheint keinen Verlust betrauern zu geben.
Einzig eine Frau steht weinend in der Ecke.
Ich gehe hin und frage sie nach dem Toten.
Sie antwortet mir, der Sinn des Lebens habe soeben dem Tod sein ja- wort gegeben.



geschrieben von: La Voisin

Ich male den Mond,...

So wie Ich ihn damals sah
als ich mit Dir im Gras lag,...

Der Heuduft meine Nase umwehte.
Die Bäume leise im Wind raschelten.
und dieses Strahlen von ihm ausging.

Ich fühlte mich geborgen und in Deiner Umarmung gewärmt.

jetzt sehe ich aus dem Fenster und sehe ihn:
Kälte trifft auf Kälte.
Er strahlt nicht mehr.
scheint nur leichenblass durch mein Fenster.
Und so male Ich Ihn in meine Seele.
Ohne Schimmer, ohne Glanz.
Als weiße Scheibe auf schwarzem Grund.
Als Zeichen der Warnung.
Den selben Fehler nicht noch einmal zu machen.



geschrieben von: La Voisin

Dein Kind

Begraben unter dem Sediment der Jahre
liegt ein Kind im Dunkel.
Darf nicht weinen.
Darf nicht lachen.
Nur manchmal in der Nacht.
Dann siehst Du im Traum Dein Kinde,
wie es die Hand aussteckt und weint.
- Aber viel zu selten lacht.





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