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Meinungsbildung

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geschrieben von: SchlafenderMond

Kennt ihr dieses Gefühl, als ob man zusammengeflickt wäre, aus Gedankenfetzen und Ansichten des Umfeldes, vollgestopft mit Gedanken anderer und überflutet durch Informationen äusserer Einflüsse.
Wo finde ich mich selber in diesem ganzen Chaos ?
Ich habe Vieles gelesen und gehört und zu oft musste ich aus eigener Überzeugung Ansichten übernehmen, die ich als wahr empfand.
Ich bin damit so vollgestopft, dass ich mich selber zu verlieren glaube.
Um es auf den Punkt zu bringen, es interessiert mich die Frage, wie man zu einer Persönlichkeit wird, wie ich mir aus dieser Masse an "vorgekauten" Gedanken, die ich in mir trage, meine eigene Meinung bilden kann.
Wenn ich hier im Forum Beiträge von gewissen Benutzern lese, dann sieht es für mich so aus, als ob diese User einen "Durchblick" hätten, den ich noch suche.
Ich habe das Gefühl, irgendwie einspurig zu denken, anstatt mich auch manchmal ausserhalb des Rahmens zu bewegen.
Der Spruch, "Geboren werden wir als Orginale, sterben werden wir als Kopie" gab mir zusätzlich zu denken.
Dieser Thread soll nicht der Abhandlung meines Problems dienen, sondern dem allgemeinen Problem der "Meinungsbildung".

Es erscheint mir selber merkwürdig danach zu fragen, wie man sich seine eigene Meinung bilden kann, aber für mich ist es keine Selbstverständlichkeit "frei" von fremden Einflüssen denken zu können.



geschrieben von: Menedemos

Man kann natürlich ein alternatives Denk- und Lebensmodell auswählen und übernehmen. Aber oft tauscht man dann nur das eine Schema durch ein anderes aus.
Man kann aber auch möglichst kritisch alles hinterfragen, was man selber denkt und was andere denken und nach inneren Widersprüchen fahnden.

Die eigene Logik ist im Grunde das einzig autonome, was wir haben. Nur dadurch sind wir fähig, eigene Gedanken zu schöpfen.

Aber ein gemütliches Leben hat man nicht, wenn man alles hinterfragt. Ich z.B. bin immer ein Querdenker gewesen (ohne daß ich mir jetzt hiermit selbst zuschreiben wollte, ich hätte den von dir angesprochenen "Durchblick). Ich weiß nur, daß ich mir damit sehr viele Probleme bereitet habe. Aber ich mache mir diese Probleme auch weiterhin, ich kann gar nicht anders, das ist wohl auch eine Frage der Persönlichkeit.



geschrieben von: Trauerwesen

Hm, ich denke, den kann man gar nicht entkommen, oder wie habe ich mir einen Menschen vorzustellen ohne jegliche Sozialisation? Ich denke sehr wohl, dass die Sozialisation da eine entscheidene rolle spielt, und wir aber ohne diese vllt gar nicht abwägen können, quasi ohne erfahrung keine meinung bilden können, weil wir keine ahnung haben oder sonst was.



geschrieben von: Montrose

Könnte es sein, daß Persönlichkeit und Meinungsbildung zwei verschiedene Dinge sind?



geschrieben von: cocrea

"Es gibt die Wirklichkeit, und an der ist nicht zu rütteln. Wahrheit aber, nämlich in Worten ausgedrückte Meinungen über das Wirkliche, gibt es unzählige, und jede ist ebenso richtig wie sie falsch ist." Hermann Hesse

Wenige sind imstande, von den Vorurteilen der Umgebung abweichende Meinungen gelassen auszusprechen; die meisten sind sogar unfähig, überhaupt zu solchen Meinungen zu gelangen. Albert Einstein

Welch eine triste Epoche, in der es leichter ist, ein Atom zu zertrümmern als ein vorgefasste Meinung (Vorurteil). Albert Einstein (1879 – 1955), Physiker

Die Diktatur hat einen neuen Namen: Political Correctness. Sie ist die Herrschaft der Minderheit über die Mehrheit. Die Minderheit der Political Correctness terrorisiert mit ihrem einseitig erklärten Tugendkanon, erstickt in Deutschland die Meinungsfreiheit."
die ersten Sätze aus dem Vorwort von Klaus J. Groths »Die Diktatur der Guten. Political Correctness«

Die totale Öffentlichkeit bewirkt den Tod der Kritik und ihre Transformation in Erregungsproduktionen auf dem eng gewordenen Markt der Aufmerksamkeitsquoten.
Peter Sloterdijk (bezüglich des kryptototalitären Meinungsklimas der neunziger Jahre)

Die freie Rede ist zum halsbrecherischen Risiko geworden. Martin Walser
(re overkill-Methoden gegen Andersdenkende)

"Es ist immer die Nichtübereinstimmung mit etwas Herrschendem, was dich zwingt, aus deinem Gesamtbestand das Mögliche auszuwählen. Jeder Teilnehmer am jeweiligen Diskurs lernt ganz von selbst, was gerade und wie es gesagt werden darf. Der Diskurs ist der andauernde TÜV, der das Zugelassene etikettiert und den Rest tabuisiert. (... ) Ich hätte in jedem Jahr Gründe finden können, warum ich mich nicht der freien Rede anvertrauen kann, obwohl ich nichts lieber möchte als das. Zur Zeit also ist es der Tugendterror der Political Correctness, der freie Rede zum halsbrecherischen Risiko macht."
Martin Walser, eine niederdrückende Erkenntnis über Gewissen und Öffentlichkeit

"Hätte ich das unendlich ideologisierte Meinungsklima in Westdeutschland besser gekannt, hätte ich meine Haltung anders formuliert, jedoch ohne sie inhaltlich zu ändern." Steffen Heitmann

Der einzige Mensch, der sich vernünftig benimmt, ist mein Schneider. Er nimmt jedes mal neu Maß, wenn er mich trifft, während alle anderen immer die alten Maßstäbe anlegen in der Meinung, sie passten auch heute noch.
George Bernhard Shaw

Sachkenntnis stört bei der politischen Meinungsbíldung. angeblich von Norbert Blüm

Wer seine Meinung nie zurückzieht, liebt sich selbst mehr als die Wahrheit. Joseph Joubert, franz. Moralist 1754 – 1824

Es gibt zuwenig ZIVILCOURAGE, die meisten verbergen ihre wirkliche Meinung. Konrad Adenauer

Mein Herr, ich teile Ihre Meinung nicht, aber ich würde mein Leben dafür einsetzen, dass Sie sie äußern dürfen. Voltaire

Vögel fängt man mit Pfeifen, die ihre Stimmen nachahmen, und Menschen, indem man das sagt, was ihrer eigenen Meinung am nächsten kommt. Samuel Butler

Der Mensch hält besonders gern Meinungen für richtig, zu denen er ohne besondere geistige Anstrengungen gekommen ist. Manfred Rommel

Jeder hat das Recht auf seine eigene Meinung, aber er hat keinen Anspruch darauf, dass andere sie teilen. Manfred Rommel

Von der Natur aus gibt es weder Gutes noch Böses. Diesen Unterschied hat die menschliche Meinung gemacht. Setus Empiricus, gr. Philosoph, 2. Jhd. n. Chr.

Seine Meinung zu ändern, erfordert manchmal mehr Mut, als bei seiner Ansicht zu verharren. Christian Friedrich Hebbel

Menschen fragen nach deiner Meinung, aber sie wollen nur dein Lob. William Somerset Maugham

Man muss die Menschen nicht nach ihren Meinungen beurteilen,
sondern nach dem, was diese Meinungen aus ihnen machen.
Georg Christoph. Lichtenberg

Fast unser gesamtes Wissen verdanken wir nicht denen, die zustimmten, sondern denen, die anderer Meinung waren. Charles Caleb Colton, englischer Geistlicher, Schriftsteller und Weinhändler

gumo, cocrea



geschrieben von: Selian

Zitat:
Original geschrieben von Montrose
Könnte es sein, daß Persönlichkeit und Meinungsbildung zwei verschiedene Dinge sind?

Zwei verschiedene Dinge sind es. Aber die Persönlichkeit nimmt Einfluß auf die Meinungsbildung.



geschrieben von: Thalmos

Zitat:
Original geschrieben von SchlafenderMond
Kennt ihr dieses Gefühl, als ob man zusammengeflickt wäre, aus Gedankenfetzen und Ansichten des Umfeldes, vollgestopft mit Gedanken anderer und überflutet durch Informationen äusserer Einflüsse.
Wo finde ich mich selber in diesem ganzen Chaos ?
Ich habe Vieles gelesen und gehört und zu oft musste ich aus eigener Überzeugung Ansichten übernehmen, die ich als wahr empfand.
Ich bin damit so vollgestopft, dass ich mich selber zu verlieren glaube.



Du bist so was von nicht alleine mit diesem Problem...
Mir kommt es langsam so vor als ob jede Meinung die es gibt schon existiert, man pickt sie sich raus und denkt "jetzt habe ich meinen Weg gefunden", um dann festzustellen nur jemanden in seiner Denkweise zu kopieren. Ich bewundere wirklich Leute die noch eigene Gedanken fassen können.



geschrieben von: Jazzie

Zitat:
Original geschrieben von Selian
Zwei verschiedene Dinge sind es. Aber die Persönlichkeit nimmt Einfluß auf die Meinungsbildung.


Ich denke eher, dass unsere Meinung, unsere Persönlichkeit ausmacht! Denn hätten wir keine Meinung, hätten wir keine Persönlichkeit!

@SchlafenderMond: Auch ich habe mich darüber Gedanken gemacht, es hat mir viele schlaflose Nächte bereitet, bin jedoch am Ende zum Ergebnis gekommen, dass der beste Weg (für mich) is, dass man sich entweder eine eigene Meinung bildet, bevor man die der anderen gehört hat, oder sich die Meinung der anderen anhört, sich des durch den Kopf gehen lässt, sich wie Thalmos gesagt hat, sich die beste rauspickt, ABER diese Meinung weiter "ausfeilt" und seine eigene Gedanken da mit einbringt bzw. bevor man gedankenlos einfach eine Meinung kopiert, über diese noch eine eigene Meinung macht ....

ich weiß des klingt bissel verwirrend, aber ich hoffe es haben mich wenigstens einige verstanden!

Am wichtigsten erscheint mir jedoch, dass man einsieht, wenn man mal mit der Meinung/Einstellung falsch liegt!



geschrieben von: Montrose

@Selian. Genau so rum hab ich mir das gedacht: Persönlichkeit ermöglicht überhaupt erst, sich eine eigene Meinung anzueignen. Sich Meinungen zu bilden bedeutet meines Erachtens aber noch nicht, daß man an Persönlichkeit gewinnt.

@all. Ziel kann es ja nicht sein, unbedingt eine noch nie gedachte Ansicht zu vertreten. In manchen Dingen wie zum Beispiel "Die Sonne geht im Osten auf" wäre es einfach albern, eine andere, eben falsche Ansicht zu vertreten.



geschrieben von: Vinter

Salut,

meiner Meinung nach besteht eine Persoenlichkeit (und damit deren Meinungen und Ansichten, denn diese fuszen auf dem Charakter) einzig und allein aus aeuszeren Einfluessen.
Es gibt kein "ich", das ich suchen koennte, es hat nie eines gegeben, woher denn auch?
Gut, die Instinkte, mag nun jemand meinen, aber diese ergeben kein "ich", denn die besitzt die komplette Rasse Mensch.
Sobald du aufnahmefaehig bist, beginnt sich mMn auf der Basis dieser Instinkte eine Erfahrungs- und damit Meinungswelt aufzubauen, jede auf der anderen fuszend. Spaeter wird die dann ins Unterbewusstsein verschoben und fuellt dieses, dient somit als Basis fuer jede weitere Ueberlegung, aber ein absolutes "ich" hat es nie gegeben.
Von daher macht es wohl keinen Sinn, sich darueber den Kopf zu zerbrechen - nach dieser Logik tust du das sowieso nur, weil ein Einfluss aus der Auszenwelt dich dazu bringt, und du dich schlieszlich sowieso nur in eine andere indoktrinierte Richtung verbiegen koenntest.
Aber spielt das ueberhaupt eine Rolle? Solange man in der Illusion lebt, eine eigene Meinung bilden zu koennen (und beim Nachdenken stoeszt man bei weitem nciht an deren Grenzen), unterscheidet sich das in keinem Punkt von einer moeglichen Realitaet, in der das wirklich zutraefe.

Grusz,
Vinter

PS: Kein Anspruch auf jedwede Richtigkeit, sind nur Ueberlegungen.



geschrieben von: LaChatte

"Gute" Meinungsbildung zeichnet sich doch dadurch aus, dass bekannte, banale Tatsachen in eine neue und spannende Beziehung zueinander gesetzt werden - unverhoffte Gebiete verknüpft werden - dass die Masse an Informationen neu strukturiert wird.

Zitat:
Es gibt kein "ich", das ich suchen koennte, es hat nie eines gegeben, woher denn auch?


Da bezeichnest du dich selbst als "ich" , und dann behauptest du, das gäb es nicht? DAS ist nun wirklich originell - wie kannst du das begründen?;)



geschrieben von: Vinter

> Da bezeichnest du dich selbst als "ich" , und dann behauptest du, das gäb es nicht?
> DAS ist nun wirklich originell - wie kannst du das begründen?;)

Warum passiert sowas immer nur mir? Schon bloed, wenn man im einen Satz ein Wort umdefiniert und es dann im naechsten andersherum verwendet...
Ich meinte natuerlich ein "absolutes" Ich, das unter den Fremdeinfluessen zu finden waere...

Selbst-, aeh, "ich"-lose Gruesze,
Vinter



geschrieben von: Raul

Im großen und ganzen stimme ich Vinter zu.

Man selbst ist ein schrecklich großer Haufen an äußeren Einflüssen, die sich alle irgendwie beeinflussen, unterschiedlich gewichtet werden - ernster genommen werden als andere und so weiter. Dieser von SchlafenderMond angesprochene Brei stellt dann das ICH dar. - Weil dieser Brei einmalig ist. Hinzu kommen einige biologische Faktoren, aber mit der Meinungsbildung haben sie mMn nicht viel zu tun. Korrigiert mich, wenn ich da falsch liege. ;)

Zitat:
SchlafenderMond

Wenn ich hier im Forum Beiträge von gewissen Benutzern lese, dann sieht es für mich so aus, als ob diese User einen "Durchblick" hätten, den ich noch suche.



Das ist mMn etwas anderes. Diesen Leuten gelingt es halt, äußere Informationen halbwegs zu sortieren und vielleicht besser als du und ich zu erfassen. Vielleicht liegt es auch an größerer Erfahrung (Alter), vielleicht werden wir diesen "Durchblick" nie bekommen, aber es hat nichts damit zu tun eigene, neue Gedanken zu haben, (was in unserer Gesellschaft kaum möglich ist) sondern vielmehr die bereits vorhandenen Ideen zu sortieren und richtig zu verstehen und möglichst gut zu bewerten.
Wenn ich zum Beispiel cocrea nehme, sie (oder er ?) schreibt häufig Unmengen an Zitaten. Würdest du sagen sie hat keine Meinung, weil sie die Gedanken die andere bereits hatten wiederholt? Ich würde es nicht sagen, ich habe vielmehr große Achtung vor ihrem Wissen und der Fähigkeit immer passendes Wissen parat zu haben.



geschrieben von: LaChatte

Da wünsche ich mir doch glatt eine präzise Definition, was denn unter "absolutem Ich" bzw "relativem (?) Ich" zu verstehen sei... zur Meinungsbildung gehört doch auch, dass man genau weiss, wovon man spricht...

Denn ich meine, dass es so etwas wie ein "Ich" durchaus gibt...:)



geschrieben von: Trauerwesen

Zitat:
Original geschrieben von LaChatte
"Gute" Meinungsbildung zeichnet sich doch dadurch aus, dass bekannte, banale Tatsachen in eine neue und spannende Beziehung zueinander gesetzt werden - unverhoffte Gebiete verknüpft werden - dass die Masse an Informationen neu strukturiert wird.






ich finde, das ist es! denn man bekommt nun einmal andere meinungen mit, kann sich dem nicht nicht entziehen, sucht sich das beste raus, überdenkt dies und spinnt es weiter. quasi hat jeder irgendwie eine mischmeinung aus verschiedenen anderen, weil man andere erfahrungen etc hat.

einfach eine meinung zu übernehmen ist falsch, und über das nachdenken wird die eigene bzw andere beeinflusst. man kann z.b. dinge kennen und aufnehmen, aber dann dennoch überzeugt werden mit argumenten.

quasi beruht meinungsbildung auf anderen meinung, die durchdacht und weiternetwickelt werden bzw abgepasst mit dem, was man schon kennt.



geschrieben von: Vinter

Hi.

> Da wünsche ich mir doch glatt eine präzise Definition, was denn unter "absolutem Ich"
> bzw "relativem (?) Ich" zu verstehen sei... zur Meinungsbildung gehört doch auch, dass
> man genau weiss, wovon man spricht...

Oh je, ich verstricke mich hier in Begriffe, von denen ich ehrlichgesagt nicht weisz, ob sie schon einmal anders definiert wurden. Aber ich sah keine andere (kurze) Moeglichkeit, das was ich meinte, zu beschreiben.

Mit "absolutes Ich" bezeichnete ich ein "Geistwesen", das immer praesent waere, und das eigentlich nur durch die mannigefaltigen Erfahrungen innerhalb eines Menschenlebens verschuett gegangen sei - eben genau das, wonach der Eroeffner des Threads sucht, die Quintessenz seiner selbst, sozusagen. "Absolut", weil es mein Duden u.a als "durch nichts beeintraechtigt, gestoert, eingeschraenkt" und "rein, beziehungslos" definiert.
Dieses Konzept ("Seele"?) halte ich fuer nicht einleuchtend, meiner Meinung nach besteht das, was ich als "ich" bezeichne, nur aus den Einfluessen seiner Umgebung und ein paar mehr oder weniger abgestumpften Instinkten, mehr nicht. Es waere also nichts vorhanden, das man beim Wegraeumen dieser Dinge finden koennte. Das waere das, was du als "relatives Ich" bezeichnest, wobei der Ausdruck nicht so wirklich passt, man koennte ihn hoechstens als "sich auf seine Umwelt beziehendes Ich" interpretieren.

(Puh, als "praezise" kann man das nun wirklich nicht bezeichnen... aber was soll's, ich nehme an, du verstehst, was ich meinte.)

> Denn ich meine, dass es so etwas wie ein "Ich" durchaus gibt...:)

Es kommt darauf an, wie du dieses Ich definierst. Wie schon gesagt, meiner Meinung nach bildet sich ein Ich eben erst durch Einfluesse der Umwelt, daran glaube ich durchaus :) Aber an ein unveraenderliches, immerwaehrendes Ich, das in der Tiefe meiner Selbst schlummern sollte, daran kann ich wiederum nicht glauben.

Konfuse Gruesze,
Vinter



geschrieben von: LaChatte

Das ist jetzt aber sehr schön definiert, danke!:)

Zitat:
Aber an ein unveraenderliches, immerwaehrendes Ich, das in der Tiefe meiner Selbst schlummern sollte, daran kann ich wiederum nicht glauben.


Ich habe einige Erfahrungen gemacht, die mich sehr stark an dieses Absolute Ich (Höheres Selbst) glauben machen - zeitlos, aber doch nicht unveränderlich.

Und es wird nicht alles von der Umgebung geprägt - Untersuchungen zeigen, dass schon Babys im Mutterleib deutlich unterschiedliche Temperamente haben, und das ist etwas, was einfach da ist und sich auch praktisch nie ändert...



geschrieben von: Vinter

Moin.

> Ich habe einige Erfahrungen gemacht, die mich sehr stark an dieses Absolute Ich
> (Höheres Selbst) glauben machen - zeitlos, aber doch nicht unveränderlich.

Das ist eben der Punkt, an dem sich jede Diskussion ueber dieses Thema zwangslaeufig aufhaengen muss. Denn wenn keine entsprechenden Erfahrungen zugrunde liegen und folglich die Meinung anders aussieht (*grinst*), kann kein Austausch von Argumenten stattfinden, es geht letztlich immer ums "Glauben".
Mir fehlen ebenjene Erfahrungen vollkommen, ich habe nichts erlebt, was in irgendeiner Weise auf ein hoeheres Selbst hindeuten wuerde. Mag sein, dass das andere getan haben, man hoert oft davon, aber als Argument laesst sich eine persoenliche Erfahrung oder nicht-Erfahrung schlecht anfuehren.

> Und es wird nicht alles von der Umgebung geprägt - Untersuchungen zeigen, dass
> schon Babys im Mutterleib deutlich unterschiedliche Temperamente haben, und das ist
> etwas, was einfach da ist und sich auch praktisch nie ändert...

Hm, solche Studien sind mir nicht bekannt, aber auch keine, die gegenteiliges aussagen wuerden, um ehrlich zu sein, obwohl es die (wie bei jeder Studie) wahrschenlich gibt. Eine Quellen- und Untersuchungsdiskussion kann ich also hierzu eher schlecht bestreiten :) Naja, mag sein, dass zukuenftige Generationen solche Streitpunkte wie Vererbung von Charaktereigenschaften einmal komplett aufschluesseln koennen, momentan haengen wir uns ja noch am reinen Kopieren von Lebewesen auf.

Grusz,
Vinter



geschrieben von: Montrose

Wer gegen den Strom schwimmt, zahlt einen Preis (Ablehnung, Einsamkeit). Wer sich seine eigene Meinung bilden will, zahlt einen Preis (Kopfschmerzen, viel Zeit geht drauf). Deshalb sage ich ja auch: es ist eine Frage des persönlichen Willens. Entweder ich will Unabhängigkeit und Wahrheit, und zahl dann auch den Preis dafür. Oder ich laß es bleiben. So einfach ist das. Diese Frage "huch, wo ist mein ich" stinkt nach einer faulen Ausrede.
Und nochmals: Meinungen sind dann okay, wenn sie zutreffend sind. Mit seiner Meinung nur deshalb vom main-stream abzuweichen, weil es halt so chic ist, larifarihuchdidelei so gönz gönz önters zu söin öls tü önteren .... warum dann nicht einfach nackt über den Marktplatz flitzen. Das erfüllt den gleichen Zweck noch besser. Man muß genausowenig eine eigene Meinung haben wie man auf den Mount Everest klettern muß. Dem einen machts halt Spaß, sich das Leben schwer zu machen, dem anderen nicht. So einfach ist das.

"Höheres Selbst". Jaja, sicher doch. Und mein Arsch pfeift Arien.

Aus "Vor die Hunde gehen" von Dan Kavanagh:

Detektiv: Sie ist eine Süchtige.
Gutsbesitzer: Ach, im Grunde ist sie ein ganz nettes Mädchen. Jeder hat doch einen guten Kern.
Detektiv: Warum, verdammt nochmal, geben sich die Leute soviel Mühe, ihren guten Kern unter soviel Scheiße zu verbergen?




geschrieben von: cocrea

Zitat:
Original geschrieben von LaChatte
Da wünsche ich mir doch glatt eine präzise Definition, was denn unter "absolutem Ich" bzw "relativem (?) Ich" zu verstehen sei... zur Meinungsbildung gehört doch auch, dass man genau weiss, wovon man spricht...
Denn ich meine, dass es so etwas wie ein "Ich" durchaus gibt...:)




Lt. Hirnforscher Gerhard Roth besteht das menschliche Bewusstsein aus ca. 10 Ichs (relative ICHs), die im Hinblick auf das, was als geistig gesund gilt, auf ein erlebtes ICH zusammenfallen. Der sog. Gesunde fragt allerdings per se nicht tief, hakt in der sicher scheinenden Oberfläche(lichkeit) nicht nach und merkt auch nichts von seinen eigenen Sektoren / Aspekten.

Gelingendes Leben schließt die Last mit ein.

Der Hirnforscher Roth sagt dazu: Der Leidensdruck bedingt den Bewusstwerdungsprozess - und die daraus folgenden konkreten Massnahmen gehorchen einer evolutionär fließenden Aufbau.

Der Bewusstwerdungsprozess vom Impuls zur Handlung (= innere-äußere Emanzipierung) verläuft von innen (unbewusst) nach aussen (bewusst), von unten (Individuum) nach oben (Kollektiv, mainstream).
a) 1. diffuses/deutliches Gefühl - der Mensch leidet
b) dann folgt Rationalisierung, Analyse = Verstehen, Denken
c) dann ein 2. Gefühl = Herz, leidenschaftlich getragene ´unbewusste´ Vor-Entscheidung
d) dann erst folgt die Handlung (1-2 Sek später nach der Hirnentscheidung) = konkrete Massnahmen.

e) Später erfolgt evtl. die Einsicht, dass ich zu mancher Tat/Entscheidung //hier Meinungsbildung// weder befähigt war noch sie bewusst wollte, dass sie nicht Ausdruck meiner vermeintlichen FREIHEIT, sondern eben UNFREIHEIT war, was mir einzugestehen das mir kollektiv vermittelte System der Verleugnung verhindert.


Das Bauchgefühl ist m.E. die 1. Form von Intuition (selbstbezogen),
das Herzgefühl die 2. Form der Intuition (andere einbeziehend), das Kopfgefühl ist die 3. Form der Intuition (transzendierend-immanent),
alle drei zusammen können einem die AHAs, die Wendepunkte im Leben, bescheren.


Wer seiner Intuition folgt, läuft nie Gefahr, seinen Weg zu verlieren.
Hans Kruppa

Was wirklich zählt, ist Intuition. Albert Einstein

Freiheit ist ein Kaugummibegriff geworden, an jedem Schlagbaum versteht man etwas anderes darunter. Oskar Kokoschka

Wer an die Freiheit des menschlichen Willens glaubt, hat nie geliebt und nie gehasst. Marie von Ebner-Eschenbach

Freiheit - eines der kostbarsten Güter der Einbildungskraft.
Ambrose Bierce

Freiheit wird einem nicht gegeben, man muss sie sich nehmen.
Meret Oppenheim

Freiheit kann gar nichts anderes heißen als seiner innersten Natur sklavisch folgen zu dürfen. Rahel Varnhagen von Ense


salve cocrea



geschrieben von: LaChatte

Zitat:
Denn wenn keine entsprechenden Erfahrungen zugrunde liegen und folglich die Meinung anders aussieht (*grinst*), kann kein Austausch von Argumenten stattfinden, es geht letztlich immer ums "Glauben".


Hm. Es gibt durchaus Übungen, die solche Erfahrungen vermitteln können. Nur, ist die Frage - willst du dich darauf einlassen und sie ausprobieren? Wagst du es, zu riskieren, deine jetzige Meinung als nicht vollständig, als erweiterungsfähig zu erkennen?

Zitat:
Warum, verdammt nochmal, geben sich die Leute soviel Mühe, ihren guten Kern unter soviel Scheiße zu verbergen?


Das frage ich mich auch immer wieder...



geschrieben von: Demon17

Intelligenz entsteht aus Widerspruch, nur dieser zwingt zum selbstständigen Denken. Aber ich meine jetzt nicht diesen anerzogenen Widerspruch des Bildungssystems. man kann fast Allem und Allen widersprechen, möglichst direkt und mit eigenen Worten. Aber sei vorsichtig, das macht unbeliebt.


think twice its magic


demon17



geschrieben von: LaChatte

Zitat:
Original geschrieben von Demon17
man kann fast Allem und Allen widersprechen, möglichst direkt und mit eigenen Worten. Aber sei vorsichtig, das macht unbeliebt.



Die allermeisten Leute merken zum Glück auf die längere Frist, ob man ihnen ihre Lebensbasis absprechen möchte (das macht unbeliebt, weils Angst macht) oder ob man tatsächlich einfach nur die Welt besser verstehen will - das stützt und macht zuverlässig.



geschrieben von: Vinter

Hi,

> Hm. Es gibt durchaus Übungen, die solche Erfahrungen vermitteln können. Nur, ist die
> Frage - willst du dich darauf einlassen und sie ausprobieren? Wagst du es, zu
> riskieren, deine jetzige Meinung als nicht vollständig, als erweiterungsfähig zu
> erkennen?

Als solche erkenne ich sie jetzt auch schon, was allein daraus resultieren muss, dass ich nicht allumfassend bin, sondern nur ein armer kleiner Mesch. Ich schrieb ja oben, ich haette keinen Anspruch auf Korrektheit, sondern diese Dinge sind nur Ueberlegungen, die ich mir aufgrund von Erlebnissen zusammengestueckelt habe. Insofern bin ich gern bereit, anderes anzuerkennen, wenn es sich als richtiger als mein momentanes Weltbild herausstellen sollte.
Auf was spielst du also an?

Grusz,
Vinter



geschrieben von: LaChatte

Zitat:
Original geschrieben von Vinter
Als solche erkenne ich sie jetzt auch schon, was allein daraus resultieren muss, dass ich nicht allumfassend bin, sondern nur ein armer kleiner Mesch.


Ich spiele darauf an, dass ich diese Sicht nicht teilen kann - und dass ich überzeugt bin, dass du nach neuen Erfahrungen, die du machen kannst (wenn du willst) auch erkennen wirst, dass im Menschen doch irgend etwas "allumfassendes" drin ist...

Aber wenn du gerne Anderes lernst, nun, dann ist es ja gut...





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