Er hält das Buch in seinen Händen. Es ist blau, auf seiner
Vorderseite sind Blümchen und Tierbilder aufgeklebt.
"Tagebuch" steht darauf. Er kann das Wort nur ahnen, die
Tinte ist verlaufen, verlaufen durch das Wasser das er selbst
noch vor Minuten in diesem Haus verspritzt hat. Die Blümchen
auf dem Buch sind Rußbedeckt, so wie der Boden, die Wände,
das ganze Zimmer.
Er öffnet das Buch. Es fällt ihm schwer mit den dicken
Handschuhen die er trägt. Die Seiten sind vergilbt, durch-
nässt, vieles ist unlesbar. Er sieht sich um. Der Rauch hängt
noch immer im Raum, auch wenn er nur noch schwach ist.
Kein Vergleich mehr mit der schwarzen Finsternis die ihn
und seine Kameraden zuvor noch eingehüllt hatte.
Eingehüllt wie die Angst die sie in solchen Momenten immer
haben. Jetzt herrscht Stille... unterbrochen nur durch
seine eigenen Atemzüge, das saugende Geräusch des
Lungenautomaten an seiner Maske.
"Wir haben nichts mehr gefunden, das wäre dann geschafft
für heute". Die Stimme seines Kameraden reißt ihn aus
seinen Gedanken. Sie klingt verzerrt durch die Maske,
er kann nicht sagen wer mit ihm spricht.
Sie sehen alle gleich aus mit ihren Helmen, Feuerwehr-
uniformen und den Luftflaschen auf dem Rücken.
Und unter den Masken sieht man nur die Augen.
Nichts gefunden - das heißt niemand war mehr im Haus.
Sie müssen keinen Körper ins Freie tragen. Diesmal...
Geschafft für heute. Sie haben gewonnen. Wie immer
bisher... oft hat er sich schon gefragt was wäre wenn
er das Spiel verliert. Wer würde um ihn trauern?
Seine Eltern, seine Kameraden.
Aber sonst? Und nach ein paar Jahren? Eine von vielen
vergessenen Seelen...
Sie verlassen das Haus. Draußen scheint die Sonne. Er
liebt diese Momente in denen sie die Finsternis verlassen
und ans Licht schreiten. Vor dem Haus stehen viele
Menschen, wie immer bei solchen Einsätzen.
Ganz vorne ein Mädchen mit seinen Eltern. Sie wohnten
in dem Haus. Das Buch gehört ihr. Was sie ihm wohl
anvertraut hat? Ihre Träume und Hoffnungen?
Träume und Hoffnungen. Er hatte auch viele davon.
Die meisten sind längst tot...
Er läuft auf sie zu und gibt ihr das Buch. Sie drückt
seine Hand, hält seinen Arm fest. Sie macht sich ganz
dreckig dabei. Er ist genauso rußverschmiert wie das Buch.
Sie schaut zu ihm hoch. Ihr Gesicht ist ganz rot vom
Weinen.
Die Tränen die über seine Wangen laufen sieht sie nicht.
Unter der Maske sieht sie nur seine Augen.
Traurige Augen...
geschrieben von: Drown Together
ich finds schööön
geschrieben von: Haevion
Wunderschön.
geschrieben von: Carcas999
*seufz*
ja,wirklich wunderschön...was der Tag so alles bringen mag...danke
geschrieben von: ange gardien
Danke!
Die traurigen Augen schauen inzwischen schon ein
bisschen fröhlicher in die Welt...
geschrieben von: Fragilesoul
Es ist wunderschön! Du kannst die Stimmung wirklich sehr lebendig wiedergeben.
geschrieben von: Legionas
schön geschrieben
Bloody
greets
Samiel
geschrieben von: ange gardien
Dankeschön!
Freut mich das es euch gefällt.
geschrieben von: Nathanael
Das hast du schön geschrieben.
Feuerwehrmann zu sein ist ein sehr gefährlicher Job.
Ich glaube du hast diesem Mädchen eine sehr große freude bereitet und gleichzeitig gezeigt das du ein sehr einfühlsamer Mensch bist.
Nath
geschrieben von: shadow of death
ich glaube, sie hat nur so schrecklich arg geweint, weil sie glaubte, ihre Erinnerung und ihre Gedanken verloren zu haben... Aber du hast sie ihr wieder gebracht
Danke =)
geschrieben von: shadow of death
ich glaube sie hat nur so schrecklich arg geweint, weil sie glaubte, dass ihre Vergangenheit und ihre Gedanken verbrannt seien. Aber du hast sie ihr ja wieder gegeben
Danke =)
geschrieben von: ange gardien
Heute Morgen habe ich das kleine Mädchen beim Einkaufen mit seiner Mutter gesehen. Ich habe mir lange überlegt ob ich sie ansprechen soll, aber sie sah gerade so fröhlich aus, da wollte ich keine alten Wunden wieder aufreissen. Schön das es ihr gut geht.
geschrieben von: ashipisburning
Zitat:Original geschrieben von Nathanael und gleichzeitig gezeigt das du ein sehr einfühlsamer Mensch bist.
Was man auch daran sieht, wie du reagiert oder eben nicht reagiert hast, als du da Mädchen in der Stadt wiedergesehen hast.
Ich hab's eben erst gelesen und dein Text ist wunderschön. Danke dafür.
Liebe Grüße
ashipisburning
geschrieben von: Mavors
Es gibt Momente, in denen glaube ich an den Menschen und an wahre Gefühle. Danke.
geschrieben von: Darket
@ange
Der Text erinnert mich an ein Erlebnis, das eine sehr enge Freundin von mir kürzlich durchmachen musste, allerdings auf der "anderen Seite". Alles weg, u.a. auch das von Dir angesprochene Tagebuch, ich glaub ich werd ihr mal den Link hier schicken :)