German Gothic Board
Nachtwelten | Gothic Board | Gothic Chat | Boardarchive |
Zitat:
Original geschrieben von Dorniel
Schoperhauer nimmt an, dass der Mensch von zwei Grundtrieben, Egoismus und Bosheit geleitet wird. Aus diesen beiden Grundtrieben wird dann das Leid des Lebens hervorgerufen.
Zitat:
"Das menschliche Leben und Handeln ist nicht von der Vernunft, sondern von übermächtigen Bedürfnissen und von einem ziellosen und unbändigen Willen geleitet. Vor allem im Geschlechtstrieb wird dies deutlich."
Zitat:
"Die Quelle dieses unstillbaren Lebensdurstes entspringt aus Bedürfnis, also aus Mangel, also aus Leiden. Somit ist jede Lebensgeschichte eine Leidensgeschichte, hervorgerufen durch letztendlich unerfüllbare Wünsche."
Zitat:
"Egoismus und Bosheit können nur vom intuitiven Gefühl des Mitleids, dem dritten Grundtrieb, gemildert werden. Die im Menschen angelegte Fähigkeit zum Mitleid führt nämlich vom Willen weg und ist somit das einzige Fundament der Moral."
Zitat:
"Wirkliche Überwindung des Leidens gelingt nur auf zweierlei Weise: einerseits durch das Schaffen und Genießen des reinen zweckfreien Kunstwerks und anderseits durch die Verneinung des Willens zum Leben".
Zitat:
"Wärend der Kunstgenuss aber nur von kurzer Dauer ist, stellt die Absage an den Lebenswillen den einzig möglichen Weg dar, dem Kreislauf des Leidens endgültig zu entkommen. Die Verneinung des Lebenswillens äußert sich im Erreichen einer inneren und äußeren Ruhe, die sich in der Bedürfnislosigkeit und Leidenschaftslosigkeit einstellt, ähnlich der Haltung des buddhisistischen Asketen."
Zitat:
Erstmal frage ich mich, wie Bosheit ein Grundtrieb sein soll?
Bosheit hat für denjenigen, der boshaft ist wohl immer einen Sinn, ein Motiv, sei es der Wille boshaft sein zu wollen, Schadenfreude oder sonstiges Motiv...
Da Bosheit immer durch ein Motiv bedingt ist, muss es auch egoistisch sein. Also könnte man Bosheit in dem Modell meiner Meinung nach kürzen.
Zitat:
Original geschrieben von Dorniel
[...]
"Wirkliche Überwindung des Leidens gelingt nur auf zweierlei Weise: einerseits durch das Schaffen und Genießen des reinen zweckfreien Kunstwerks und anderseits durch die Verneinung des Willens zum Leben".
"Wärend der Kunstgenuss aber nur von kurzer Dauer ist, stellt die Absage an den Lebenswillen den einzig möglichen Weg dar, dem Kreislauf des Leidens endgültig zu entkommen. Die Verneinung des Lebenswillens äußert sich im Erreichen einer inneren und äußeren Ruhe, die sich in der Bedürfnislosigkeit und Leidenschaftslosigkeit einstellt, ähnlich der Haltung des buddhisistischen Asketen."
[...]
Zitat:
Auszug aus Dorniels Beitrag vom 22-02-2004 um 01:40 Uhr (1. Beitrag des Threads):
"Das menschliche Leben und Handeln ist nicht von der Vernunft, sondern von übermächtigen Bedürfnissen und von einem ziellosen und unbändigen Willen geleitet. Vor allem im Geschlechtstrieb wird dies deutlich."
"Die Quelle dieses unstillbaren Lebensdurstes entspringt aus Bedürfnis, also aus Mangel, also aus Leiden. Somit ist jede Lebensgeschichte eine Leidensgeschichte, hervorgerufen durch letztendlich unerfüllbare Wünsche."
"Egoismus und Bosheit können nur vom intuitiven Gefühl des Mitleids, dem dritten Grundtrieb, gemildert werden. Die im Menschen angelegte Fähigkeit zum Mitleid führt nämlich vom Willen weg und ist somit das einzige Fundament der Moral."
"Wirkliche Überwindung des Leidens gelingt nur auf zweierlei Weise: einerseits durch das Schaffen und Genießen des reinen zweckfreien Kunstwerks und anderseits durch die Verneinung des Willens zum Leben".
"Wärend der Kunstgenuss aber nur von kurzer Dauer ist, stellt die Absage an den Lebenswillen den einzig möglichen Weg dar, dem Kreislauf des Leidens endgültig zu entkommen. Die Verneinung des Lebenswillens äußert sich im Erreichen einer inneren und äußeren Ruhe, die sich in der Bedürfnislosigkeit und Leidenschaftslosigkeit einstellt, ähnlich der Haltung des buddhisistischen Asketen."
Zunächst einmal ist Bosheit der Trieb, Unrecht zu tun, d.h. anderen Schaden zuzufügen. Schopenhauer unterscheidet Grundtriebe in moralischer Hinsicht. Zwischen Bosheit und Egoismus gibt es einen Unterschied, den Schopenhauer deutlich macht. Ich finde Schopenhauers Einteilung klar und gut nachvollziehbar.Zitat:
Dorniel: Erstmal frage ich mich, wie Bosheit ein Grundtrieb sein soll?
Bosheit ist eine charakterliche Beschaffenheit und als solche nicht durch ein Motiv bedingt, sondern korrespondiert vielmehr mit entsprechenden Motiven. Bosheiten (böse Taten) allerdings können durch Motive (Absichten, anderen zu schaden) bedingt sein. Alle Taten sind durch Motive bedingt, jedoch deshalb nicht sogleich egoistisch. Böse Taten, aber auch Taten aus Barmherzigkeit liegen keine egoistischen Motive zugrunde. Erstere sind nämlich auf fremdes Wehe, letztere auf fremdes Wohl gerichtet.Zitat:
Dorniel: Da Bosheit immer durch ein Motiv bedingt ist, muss es auch egoistisch sein.
Keinesfalls. Bosheit ist nicht Egoismus. Wir unterscheiden das sehr wohl.Zitat:
Dorniel: Also könnte man Bosheit in dem Modell meiner Meinung nach kürzen.
Eben nicht. Die Basis ist sehr verschieden und besteht in einer unterschiedlichen Erkenntnisfähigkeit. Der gute Mensch erkennt im andern intuitiv sich selbst. Der böse Mensch ist dazu (noch) nicht imstande, weil er zu tief im Irrtum verhaftet ist.Zitat:
Dorniel: Es besteht die gleiche Basis für positive sowie negative Grundtriebe wie ist das möglich?
Er spricht jedenfalls von "intuitiver Erkenntnis". Dabei geht man m.A.n. nicht um ein Objekt herum und betrachtet es von außen und mit Distanz, sondern identifiziert sich mit ihm, wird zu ihm, ist es – und fühlt und erkennt als es. Es ist eine liebevolle Art zu erkennen, finde ich. Und Schopenhauer ist wohl der Ansicht, dass die meisten Menschen zu dieser Art von Erkenntnis (noch) nicht in der Lage sind.Zitat:
Dorniel: Er klammert Vernunft in seinem Modell gänzlich aus.
Hat Schopenhauer überhaupt eine Schrift oder ein Kapitel mit diesem Namen verfasst? Oder handelt es sich dabei etwa um den Titel eines Buches, das ein anderer verfaßt hat mit der Absicht, die Welt von seinen Gedanken über Schopenhauers Lebenswerk in Kenntnis zu setzen?Zitat:
Dorniel: In seinem Text: Ethik des Mitleids…
Bringe bitte ein Zitat als Nachweis dieser Behauptung.Zitat:
Dorniel: Schopenhauer erklärt gerade, dass Mitleid nur durch den Egoismus bzw. Egozentrismus, den er gerade verschrien hat, möglich ist.
Das möchte ich bezweifeln.Zitat:
Dorniel: Mitleid benötigt Moralvorstellungen…
Was ist am Egoismus und am Leiden so gut?Zitat:
Dorniel: Bzw. was ist am Egoismus und Leiden allgemein denn so schlimm?
Je schwerer das Leiden um so größer das Glück? Welches Glück ist schweres Leid wert? Was ist überhaupt Glück?Zitat:
Dorniel: "Not ist nötig", erklärt Nietzsche und ich denke, da ist etwas dran. Reduziere dein Leiden und du reduzierst dein Glück.
Aus der Einsicht, dass dies zu aller Wesen Wohl ist.Zitat:
Dorniel: Zudem würde ich gerne Wissen woraus sein Motiv entspringt ins Nirwana zu wollen, wenn nicht aus Egoismus.
Schopenhauer versteht (soweit ich weiß und in meinen Worten ausgedrückt) unter Moral eine innere Verbundenheit [des Menschen] mit anderen Lebewesen und eine Bereitschaft und Entschlossenheit, ihnen in der Not beizustehen. Die Absicht, andere vor Leid zu bewahren, macht moralisches (tugendhaftes/gutes) Verhalten aus.Zitat:
Odessa: … wie kann Mitleid ein Fundament für sowas wie Moral sein, wo allein schon der Moralbegriff von Mensch zu Mensch, von Kulturkreis zu Kulturkreis und von Zeitalter zu Zeitalter durchaus verschieden ist/war?
Egoismus ist m.W. die feste Überzeugung, ein bestimmtes (und kein anderes) Lebewesen zu sein, woraus sich die Absicht ergibt, stets nur dessen Wohl (und nicht dem anderer) zu dienen. Mitleid mit anderen empfindet jedoch nur, wer sie (auch) ist. Darum schließen sich Egoismus und Moral gegenseitig aus. Entweder ich handle in dem Bewusstsein, (auch) ein anderer zu sein – oder nicht.Zitat:
Odessa: Die Fähigkeit Mitleid zu empfinden hat für mich auch nichts mit dem Mildern von Egoismus zu tun, im Gegenteil sind oftmals die Gründe für Mitleid ego-istisch entstanden: jemand leidet mit einem Kranken nur deshalb mit, weil er selbst diese Krankheit kennt und sich an sein eigenes Leid erinnert. Ein anderer Kranker mit anderer Krankheit läßt ihn kalt.
Ich wüßte nicht, dass Schopenhauer gepredigt hat, eine idealistische Welt "anzustreben". Er schreibt, dass der Mensch sich entscheiden kann, den Willen zu verneinen und diese Entscheidung den Weg zur Überwindung der Welt bahnt. Schopenhauer lehnt es ausdrücklich ab, als Philosoph die Menschen mit Ge- und Verboten zu beglücken.Zitat:
Cagliostro: Eine idealistische Welt ist weder realistisch noch anstrebbar. … Denn es sind die Konflikte und Widersprüche, die uns auf Trab halten… Man muss aber wissen, dass man immer Sklave der Richtung ist, die man dann einschlägt, es gibt keinen dritten Weg. … Schopenhauer und einige andere Philosophen haben dies wohl geglaubt, … man sitzt zuhause an seinem knisternden Kamin, trinkt ein, zwei Gläser Sherry und man ist voll für das Gute. … Nein, so funktioniert das nicht.
Man muss nicht "überleben wollen" und auch nicht zurückschlagen, wenn man einsichtig ist. Das Zurückschlagen setzt den Glauben "ich = Person" voraus. Es ist jedoch nicht zwingend notwendig, dies zu glauben. Wenn kein "ich" (mehr) da ist, kann auch keins verletzt werden. Ich bin das Leid, und mit mir endet das Leid. Zumindest Schopenhauers Philosophie bzw. Ethik wird darum keineswegs "über den Haufen geworfen".Zitat:
Cagliostro: Wenn man für das ist, was man als Gut bezeichnen will (subjektive Auslegung), dann muss man zwar nicht bereit sein, eins auf die Fresse zu kriegen, aber doch damit zu rechnen. … Und wenn man überleben will, muss man vielleicht zurückschlagen. … Dies wirft aber alle Sozialethik, Philosophie und dergleichen über den Haufen, einfach weil das Leben so ist, wie es ist
Zitat:
Nach Schopenhauer ist Liebe Mitleid
Zitat:
Original geschrieben von Dorniel
Was haltet ihr von Schopenhauers Theorie über die Ethik des Mitleid? Was findet ihr an seiner Philosophie positiv, wo liegen seine Fehler?
...
Erstmal frage ich mich, wie Bosheit ein Grundtrieb sein soll?
Bosheit hat für denjenigen, der boshaft ist wohl immer einen Sinn, ein Motiv, sei es der Wille boshaft sein zu wollen, Schadenfreude oder sonstiges Motiv...
Da Bosheit immer durch ein Motiv bedingt ist, muss es auch egoistisch sein. Also könnte man Bosheit in dem Modell meiner Meinung nach kürzen.
Es besteht die gleiche Basis für positive sowie negative Grundtriebe wie ist das möglich?
Er klammert Vernunft in seinem Modell gänzlich aus. Man weiß zwar nicht genau was Schopenhauer unter Vernunft verstand, aber ich gehe jetzt mal davon aus, dass er sich auf Kants Definition bezogen hat, weil Kant einer der wenigen Philosophen war, die er schätzte oder zumindest akzeptierte. Danach wäre sein Konzept aber Produkt der Vernunft. Die Vernunft gebraucht er in dem Moment des Erkennens und Entscheidens. Er entscheidet und das kann nur "im Rahmen des Entscheidens geschehen", welcher nach Kant die Vernunft wäre.
Deshalb ist es nicht ok die Vernunft nicht zu betrachten bzw. sie ausklammern zu wollen.
Zitat:
Nächster Kritikpunkt: In seinem Text: Ethik des Mitleids, sagt er, dass man die Grenze zwischen leiden sehen und leiden überschreitet, so dass zwischen ihnen kein Unterschied ist. Das setze voraus, dass man sich mit dem anderen identifiziert habe und die Schranke zwischen Ich und nicht Ich überwunden ist. Nur dann werde die Angelegenheit das anderen, sein Bedürfnis, seine Not, sein Leiden unmittelbar zum Eigenem.
Schopenhauer erklärt gerade, dass Mitleid nur durch den Egoismus bzw. Egozentrismus, den er gerade verschrien hat, möglich ist. Seine Theorien sind daher nicht mit einander kompatibel.
Seiner Meinung nach ist das Mitleid ein Grundtrieb des Menschen, also wie Egoismus und Bosheit ein Instinkt des Menschen. Jedoch ist Mitleid stark durch das Empirische bedingt. Mitleid benötigt Moralvorstellungen, welche wiederum keinesfalls instinktiv sind, sondern wie schon erwähnt, erfahren werden müssen.
(Ich bin sicher das hierzu noch Kritik an mir kommen wird,manch einer wird sagen:"Aber Hunde jaulen doch auch mit wenn ihrem Herrchen etwas zugestoßen ist".Dazu muss ich sagen, dass ich mir nicht anmaße zu behaupten, dass Tiere kein Moral besäßen.)
Was ich mich auch noch frage: Was ist sein Motiv dem Lebenswillen zu entsagen? Bzw. was ist am Egoismus und Leiden allgemein denn so schlimm? (Möchte nicht falsch verstanden werden. Das "allgemein", hat schon seinen Sinn).
Zitat:
"Not ist nötig", erklärt Nietzsche und ich denke, da ist etwas dran. Reduziere dein Leiden und du reduzierst dein Glück.
Zudem würde ich gerne Wissen woraus sein Motiv entspringt ins Nirwana zu wollen, wenn nicht aus Egoismus.(Mir ist klar, dass Schopenhauer mit Egoismus einen besonders überspitzten Egoismus meinen könnte, dann ergibt sich allerdings das Relativitätsproblem.)
Das ist es was mir vorerst an negativen einfällt, ich werde später noch ergänzen.
Positiv ist er natürlich für die moderne Psychologie gewesen, denn durch ihn wurde das Unterbewusstsein entdeckt. Sein Erfolg ist das "Es", dass Freud aufgegriffen hat. Ich finde auch gut, dass er versucht die Triebe im Zaum zu halten, versucht dem ständigen haben wollen einen Riegel vorzuschieben. Letztendlich will er sogar dem Menschsein entfliehen in meinen Augen, da ich Egoismus und Macht der menschlichen Essenz zuordne. Besitzlosigkeit finde ich im Sinne des sich Definierens auch als anstrebenswert.