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Moribundus

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geschrieben von: nuuna


Moribundus
„Blutige Ballade“


Es kriecht der Wahnsinn, süßlich und dunstig schwelgt des Niedergangs Geruch,
Umfangend kitzelt das Parfum der Agonie die Nase wie zart gewirktes Schleiertuch,
Vergiftet die Sinne, gärt, ist die stinkende Persiflage einer Blütenpracht.
Tot duftend, verfault, vermodert - umgebracht.

Doch dies Gespinst zerfließt in Wohlgefallen und berauscht die Kreaturen der Nacht,
Süßlich, dunstig duftet der Moder und der Blutdurst des Nosferatus wird entfacht.
Letaler Hunger, fatale Begierde, die in den Tiefen seiner Eingeweide ruht,
Treibt die Lust zu Töten und es schwellt das Verlangen, das Verlangen nach Blut.

Jene ruhelose Seele flieht dem Grab, sucht die feuchten Katakomben zu verlassen,
Durchstreift die schlafende Stadt, wandelt einsam, wandelt begierig in den dunklen Gassen.
Winde stöhnen. Letzte Fensterläden schließen sich. Nichts stört der Bleichgestalt Flanieren
Durch die Sterblichkeit jener Auserwählten, die am Verhängnis seines Bisses krepieren.

Der Himmel grollt. Blitze erhellen das Lustspiel des Getiers, das gierige Treiben der Maden,
Und rot leuchtende Augen verraten die Leichenfledderer durch die Nebelschwaden.
Empor wandert des nächt` gen Pilgers Blick. Empor zu des grollenden Himmels Angesicht,
Alsbald ein jungfräulicher Tropfen die fahle Stirn benetzt und kühlende Feuchte verspricht.

Schreie zu Trabanten, tritt der Bemäntelte aus der gassengewölbten Endlichkeit hervor,
Das Auge gekniffen, als versichere er sich des Nachtgestirns, starrt er sinnend empor.
Wahrhaftig. Getreuer Freund und doch - so wandelbar ist sein Weg durch der Sterne Gedicht
Wahrhaftig. Tief schaut die Vernunft und das Dunkel ersäuft in des kalten Mondes Licht.

Die Nebel schrecken, denn ungeduldig rumoren Wolken und das Siegel der Stille zerbricht.
Gespenstisch zeigt sich der Himmel und erste zaghafte Tropfen benetzen das bleiche Gesicht,
Neugierig spalieren die Ruinen der Stadt, als könnten die Gemäuer mit tausend Augen sehn,
Als wachten sie über die ruhelosen Seelen, als hätten die Wände Ohren, begierig zu versteh`n.

Winde säuseln und in den Falten seines Rocks vertreibt sich das Rinnsal der Tropfen die Zeit,
Doch das Plätschern versiegt und nur der Widerhall seiner Schritte gibt ihm nun noch Geleit.
Geleit durch die Gassen, die Finsternis, das Flüstern und die gebeugten Arkaden der Alleen,
Plötzlich jedoch verstummen seine Schritte, unverhofft, erstarrt bleibt er steh` n...

Gebannt, wie versteinert ist sein Blick, der allein vor dem Antlitz des Morgenlichts erschauert
Gebannt von einem Wesen, drüben, zu Füßen der exzentrischen Weide, die den See betrauert,
Schweigen erdrückt ihn und allmächtig breitet die Stille ihr Tuch über die Poesie der Nacht,
Selbst das Rinnsal der Tropfen erstirbt doch von neuem ist sein Blutdurst entfacht.

Entschlossen nähert er sich dem Bänklein zu den Füßen der Weide, die sich im Winde wiegt,
Berauscht vom Fluche fleischlicher Schwäche, der todbringend Reue und Schmerz besiegt,
Beherrscht von wachsender Begierde und gelähmt vom krankenden Verhängnis der Ewigkeit,
Offenbart sich die Silhouette eines Mädchens, drüben, zu Füßen der Weide in der Dunkelheit.

Was trieb ein Kind an den Busen der Nacht, wer ließ sie verschmähen den Schlummertrank
Und führte sie hinaus, hinaus zu der Weide, die sich weise neigt über das Kind auf der Bank?
Wer schuf diese verbotene Blume und pflanzte sie in den öden Garten seines Niemandslandes
Oder war sie das Tausendschön seiner Phantasie, die teuflische Gespielin seines Verstandes?

Bald ist Stille. Totenstille, als hielte sich der Same des Entsetzens in jenen Wänden versteckt
Bald scheint alles vergessen. Ertrunken im Nichts, bis selbst der Schritte Widerhall verebbt,
Bald kitzelt ihn unwiderstehlich, so gänzlich verlockend, so rein, die süßeste Niedertracht,
Denn unwiderstehlich duftet ihr Haar, so lieblich hat ihr Odeur ihn um den Verstand gebracht
.
Bald gleicht die Stadt einer leeren Wiege aus Stein und aus den bunten Pfützen der Trostlosigkeit,
Dem Spiegelglas der bröckelnden Vergangenheit, gähnt ungeniert all die verronnene Zeit.
Doch Stille ist. Schweigen, als hätte das Tosen des Windes den Grund zu heulen verloren.
Selbst der Mond scheint bestürzt, als sei ihm das Grinsen zu einer gräßlichen Fratze gefroren.

Sogar der Regen, der die Nebel reuelos zu Boden gedrückt, verzieht sich nun beschämt.
Ehrfurcht steckt in aller Natur und im Nacken des Mädchens, wie erstarrt und gelähmt,
Steht der Graf im wallenden Rock und betrachtet jene, die zu Füßen der Weide kauert,
Zu Füßen der alten Weide die der Stille wundert und den See betrauert.

Nichts könnte schlecht sein, nicht Stille, nicht Trug, nicht die falsche Wirklichkeit der Nacht;
Wie befreiend schmunzelt das Jetzt, wenn es im Fieberwahn dieses Zauberspiels lacht...
Doch allmächtig die Ironie, von Geisterhand ist plötzlich des Mädchens Lockenpracht bewegt
Und das Auge der Seele, es weint um das innere Selbst, denn von neuem ist `s blutige Dürsten geregt...

Lüstern, denn wie transparent scheint der Hauch, der ihre zarte Kehle bedeckt
Und unaufhörlich pulsiert es, das junge Blut, der Lebenssaft der so warm, so süß noch schmeckt,
Bevor der letzte Tropfen aufgesogen, bevor ihm die Agonie aus glasigen Augen entgegenlacht,
Bevor ihr Leib erkaltet, verfault, vermodert - umgebracht.

In ihrem Schatten weilend, an ihrem Bilde kümmernd, lebt er die schändliche Phantasie,
Nur einmal, nur ein einziges Mal berühren, nur ein einziges Mal schmecken will er sie
Und im fahlen Mondlicht erhoben, gleißt zitternd seine Hand, blutleer, ausgemergelt – kalt.
Blutleer, bleich und mit Wahn beringt berührt er des Mädchens feingliedrige Gestalt.



Da schaut sie auf. Verschleiert von Tränen und umflossen von wuchernder Traurigkeit,
So begegnet ihr Blick dem seinen und er schreckt vor der Tiefe, die aus ihren Augen schreit.
Da spricht er: „Still, still, trockne deiner Tränen Flut, es wohnt auf Erden des Weinens genug.
Still, still, fürchte nicht die Nacht, spotte ihren Geistern, alles - ist nur ein Teufelsspuk..“

Und gar zauberhaft verirrt sich, ein Lächeln auf ihren Lippen und gebietet ihm zu bleiben,
Zu den Füßen der Neugier, jener Weide, die den See betrauert mit blöde hängenden Zweigen.
Gebietet ihm zu weilen, an ihrer Seite, im Funkeln der Sterne, am Busen der Nacht
Um dem Spiel der Käferschar zu lauschen, welches zirpend im Schaukeln des Holzes erwacht.

Von Tränen noch glänzend ist das Funkeln ihrer Augen, so lieblich, so klar, so hell wie der Tag
Jenes Strahlen, daß er einst sah, als still sein Leben schwand und er in eines Engels Armen lag.
Dieses wundervolle Strahlen spürte er, als ihm Blut und Leben wichen aus den erbleichenden Wangen
Und seine Seele sich krümmte, nicht lebend, nicht tot – im Nirgends des Irgendwos gefangen.

Nichts könnte schlecht sein, nicht Tod, nicht Leben, nicht Nirgendwo, noch Nichts,
Denn wie befreiend schmunzelt das Jetzt im Lichte ihres himmlischen Angesichts
Nichts könnte schlecht sein, denn fern ist das Grauen, lang ist die Nacht noch nicht vorbei
Und es wundert gar zaghaft durch die Wolken der Mond, wundert der stillen Tändelei.

Wundert, und folgt jenem nächtigen Schauspiel, dem es nicht mangelt an des Grafen Zärtlichkeit
Wundert, denn schuldbeschmierte Hände, sündig behaftet mit dem Blute der Ewigkeit
Wäscht er nun in reuenden Tränen, weinend weilend an unschuldiger Brust;
Weinend weilend würgt er an den Tränen und es verblassen Blutdurst und mordgelüstende Fleischeslust.

Weinend weilend in den Armen jenes Engels, starrt er sie an mit schmerzverzerrten Augen,
Denn sie spricht von jenem Leben, welches nimmersatt der Tod gedachte ihm zu rauben,
Spricht von jenem Moribundus, der sterben dahintrieb zu empfangen die ewige, ewige Nacht
Von jenem Moribundus, dem der letzte Morgen graute, da ihn der Untod hervorgebracht.

Die Nebel schrecken und es wundert gar zaghaft der Himmel als der nächtige Zauber zerbricht
Der lodernde Morgen ist` s, der durch den Spukesschleier der Wolken den Tag verspricht;
Doch es spielt ein Lächeln auf dem bleichen Antlitz, bevor es endlich zu Staub zerfällt
Und die ruhelose Seele im Winde verweht, während die Sonne die Ruinen der Stadt erhellt.

Es zuckte der Wahnsinn, tot duftend, verfault, vermodert - umgebracht
Umfangend und berauschen vergiftete sein Parfum die Kreaturen der Nacht
So begab es sich einst zu Füßen der Weide, die still sich noch immer im Flüstern der Trauer wiegt,
Während die Asche der Vergebung im Winde verfliegt...

Februar 2000





geschrieben von: Crature

Jene ruhelose Seele flieht dem Grab, sucht die feuchten Katakomben zu verlassen,
Durchstreift die schlafende Stadt, wandelt einsam, wandelt begierig in den dunklen Gassen.
Winde stöhnen. Letzte Fensterläden schließen sich. Nichts stört der Bleichgestalt Flanieren

hey nunna ,0258,ich mach mich jetzt auch mal auf den weg...


nette themen-wahl ( ausdrücklich nicht ironisch gemeint, ) aber da ich jetzt gleich los muss konnte ich deinen text noch nicht ganz lesen ( hol ich morgen nach ) bis zum 5 kapitel hatts mir schonmal sehr gut gefallen
bis dann ...

*diekutteschwingundweggefliegt*



geschrieben von: SON

Lang ist der Weg der Erkentnis, bekannt kommt mir der Stil vor und doch wilkommen in dem faulen Katakomben



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Stück für Stück zerteilt bin ich doch eins...





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