Ein liebliches Klingen verschönert die Nacht
vor der Spieluhr sitzt ein kleines Kind
die Tür in dem Zimmer, sie wurde geschlossen
ein Hauch schlug sie zu, vom nächtlichen Wind
Die Tür wird geöffnet, der Vater tritt ein
mit grimmigem Blicke stampft er durch den Raum
er greift nach dem Sohne, er schlägt ihn und schreit
die Spieluhr klingt weiter, sie hält sich in Zaum
Das Blut des geschundenen Kindes fällt nieder
der Vater befriedigt, lässt ab von dem Sohn
hinaus geht er wieder mit lachenden Augen
das Kind hört die Spieluhr nur noch monoton
Die Spieluhr war Zeuge, hat alles gesehen
die Spieluhr, die Spieluhr, als Zeuge der Zeit
das blutende Kindlein, es kann nicht mehr stehen
nur tönende Klänge von Tränen und Leid
Da plötzlich die Türe, der Vater kommt wieder
er prügelt besessen, schenkt seelige Qual
das Kind schliesst die Augen im Tönen der Spieluhr
sie spielt für den Jungen ein letztes Mal
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Black_Darkness
geschrieben von: AngelofNight
Dieses Gedicht stimmt einen wirklich nachdenklich und traurig. Wirklich sehr gelungen.
Dunkle Grüße
AngelofNight
geschrieben von: Blackadder
Das ist wirklich enorm, sehr plastisch.
Man kriegt eine richtige Gänsehaut, ziemlich eindringlich geschildert.
Und leider ist es auch noch so unglaublich realistisch...
Insbesondere der harmlose Anfang mit dem dramatischen Schluss...*schauder*
Beste Wünsche,
BLACKADDER
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Auf jede Frage dieser Welt findet man die Antwort in einem Buch.
In omnibus requiem quaesivi et nusquam inveni nisi in angulo cum libro.
geschrieben von: Blutengel
Wirklich gut!Spricht mir aus der Seele!
geschrieben von: dornroserich
Hi, Lars!
Kannst Du mir den Satz: "schenkt seelige Qual" erklären? Zynismus?
Und sonst: Kennst Du Goethes Erlkönig?
(und außerdem, gar nicht maßgeblich und bitte als schulmeisterliche Bemerkung zu entschuldigen, aber für weiteres Dichten vielleicht nicht unklug: Lies Dir Deinen Text mal laut vor, Du wirst merken, wo etwas zu ändern wäre, um ihn noch wirkungsvoller zu machen)
Sonst: viel Spaß weiterhin beim Schreiben! Mir macht das Lesen solcher Texte viel Vergnügen!
geschrieben von: Crysania
Die Spieluhr,
wie Musik. Zeitlos. Unvergänglich.
Die Welt um sie herrum verändert sich,
Dinge geschehen, und das Lied spielt weiter.
Ob der Vater nun wiederkehrt oder nicht.
Ob der kleine Junge die Spieluhr betrachtet,
ist für sie unwichtig. Sie spielt weiter.
Einfach so. Für mich ein Vergleich mit dem Leben irgendwie.
Es geht immer weiter,
auch wenn du morgens nicht mehr auf dem Platz
im Bus sitzt, dann sitzt da bald jemand anders .. der Bus fährt weiter ..
<seufz>
schwarze grüße
Cry
geschrieben von: dornroserich
Liebe Cry,
Welche Melodie hatte Deine Spieluhr? Such sie mal, vielleicht: Der Mond ist aufgegangen... Denk an den entsetzlichen Moment, in dem die aufgezogene Uhr nur die letzten Zungen anreißt, der metallische Klang vergeht, die Melodie sich auflöst in einzelne Töne und dann Stille ist - und du nicht eingeschlummert bist nach dreimaligem Höhren des schlichten Lieds, wach daliegst und horchst in das letzte Geräusch, nur noch dein Atmen, vielleicht schlagen Äste des Haselstrauchs an das schwarze Fenster, vielleicht plappert Nachbars Fernseher, und kalt bleiben die Füße unter der Decke, in die du ganz dich zusammengezogen hast, damit dich niemand entdecke. Noch einmal an der Schnur ziehen und wagen, nicht einzuschlafen beim Summen der Worte, die du vergessen wolltest mit der letzten Strophe?
geschrieben von: Crysania
lieber dornroserich,
meine spieluhr .. du fragst nach meiner spieluhr .. <seufz> ich hab sie immernoch und sie hat ein lied gespielt .. nur ich weiß nicht wies heißt .. ganz manchmal hol ich sie noch aus dem schrank, wenn ich nachts nicht schlafen kann .. dann zieh ich sie auf und versuche zwanghaft einzuschlafen bevor sie aufgehört hat das 3te mal zu spielen .. <seufz>
Menschen sind eben doch Verdrängungskünstler,
am besten lässt sichs doch einschlafen wenn man alles verdrängt was tagsüber das leben belastet und versucht zu schlafen, oder ?
Cry
geschrieben von: dornroserich
Liebe Cry!
Ja, den Tag zu verdrängen hilft... ich stelle mir dann oft riesige Tempel und Paläste vor, das läßt mich meistens einschlafen. Nur nicht an etwas Schönes denken, das macht mich traurig und unglücklich...
Alles Gute, bis bald!
geschrieben von: Crysania
dornroserich,
wo wir gerade bei verdrängen sind,
kann es denn nicht auch sein dass der vater in diesem text jegliche väterliche gefühle verdrängt hat solange bis sie für immer fort waren ? oder wie könnte er es sonst fertig bringen sein eigenes kind blutig zu schlagen und zu töten ?
ich frage mich doch was veranlasst menschen soetwas grausiges zu tun ??? was veranlasst ELTERN ihre KINDER zu misshandeln..
eine verständnislose
cry
geschrieben von: dornroserich
Liebe Cry,
da bin ich genauso fassungslos wie Du... und genauso ratlos. Leider.