[Versuch 2] - German Gothic Board

German Gothic Board

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Seiten:1 2



Versuch 2

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geschrieben von: Kildare

Kritik: http://www.nachtwelten.de/vB/showth...&threadid=39299

There must be sense in this.
Master, break me,
I can't do it myself,
but I'm longing for
my backbone to crack.
What a beautyfull sound.
I don't want to stand anymore.
Why can't I lay down and sleep,
letting go
what makes me mourning,
grieving.
Master, hear me,
release me,
many of the beloved have gone before,
let me join them.
May they blame me,
I'm too tired to wait,
I will miss my station to get out of this,
if I'm staying.
And staying means to go from
station to station,
without finish,
round and round.
Master, break me,
Ican't do it myself.
Master kill me,
before the madness takes over
and I become normal.



geschrieben von: Kildare

Don't say: Yes.
Don't say: You know that You're unfair.
For I am not,
when Your eyes shine,
when Your whole body is telling me to touch,
when You're smiling as if my fingertips would contain
some weird sort of drug.
I've never been invited that much.
Legends tell You:
Don't allow the vampire to come into Your house.
Though don't allow me to lay my hands on You,
for I might not take them off before dawn
and finally cover You
with my ashes.



geschrieben von: Kildare

Scheiterhaufen
Ich habe eifrig Holz zusammen getragen,
in Schriften und Zitaten,
in Sprüchen und Doktrinen.
Es brennt nun gut
ob des Funkelns deiner Augen.
Mit freudigen Gesten werfe ich
Blatt um Blatt ins Feuer,
huste im Rauch
und sehe mein Rom brennen,
Zentrum meines Wissens und Glaubens.
Was brauch' ich Wissen?
Was Glauben?
Dein Lächeln reicht mir als Ikone,
ein Heiligenbild dein Angesicht.
Und was muss ich denn mehr wissen,
als das es dich gibt?



geschrieben von: Kildare

Tell me I'm fine

Tell me I'm fine.
Tell me I'm beautifull.
The night is lonely
and I need the warmth of a human being.
I need hands on my body,
I need some noise in my chamber,
where the shadows hunt me
till dawn.
Tell me I'm fine.
Tell me I'm sane.
The shadows whisper
fairytales of flesh to me.
I won't listen.
I feel so cold
when they touch me,
finally,
like my mother used to
when I was younger.
Tell me I'm fine.
Tell me I'm not lonely.
There is noone near me,
noone who undestands my feelings,
my fears,
the horror of the hunting shadows.
Nobody except me hears the dark lullaby,
the night is singing,
on and on.
Tell me I'm fine.
You don't have to understand me.
You don't have to love me.
Just,
help me make it through the night.



geschrieben von: Kildare

Die Tage schleppen sich
hell und zäh wie Honig dahin.
Die Nächte sind weit ausgedehnt
in ihrer neondurchbrochenen Schwärze.
Stunde folgt Stunde,
hindämmernd über Papier,
der Fluchttür,
in eine Welt,
in der ich nicht auf dich warte.
Ich bin ganz hohl von diesem Warten,
ein Resonanzkörper,
nicht mehr fähig
selbst zu klingen.
Träge döse ich,
argwöhnisch den Wecker betrachtend,
der mich gewiss um Minuten betrügt,
die längst vergangen sein müssten.
An Fingern und Zehen zähle ich Sekunden ab,
Schritte hallen in leeren Räumen,
von einer Wand zur anderen trägt es mich,
als würde ich die Wohnung nach dir absuchen.
Aber du bist nicht hier.
Also zurück zur Fluchttür,
hinter die Mauer aus Vergessen.
Wann kommst du mich holen?



geschrieben von: Kildare

Meer

Auf und ab schwappten gegen weiße,
mondbeschienene Felsen Wellen,
seelenverschlingend blau,
dunkel wie der Zweifel.
Murmelnd brandete das Meer gegen den kalten Stein,
gurgelnd verlief sich das Wasser in Fugen und Rillen
und sprühte silberne Schaumkronen aus der Finsternis herauf.
Lichter tanzten über die sich kräuselnde Flut,
Spiegelungen und Widerspiegelungen,
zahllos wie Sterne,
glichen sie einer Stickerei auf samtenem Mantel.
Und wenn die See ein Mantel wäre,
wen würde sie kleiden?



geschrieben von: Kildare

Salome
ein Versuch Sneaky gewidmet

Unter ihren Schilden zermalmt, liegen meine Knochen,
sie, die Soldaten meines Vater-Liebsten,
haben mir das Rückrat zerbrochen,
wie sie auch mein Fleisch zertraten mit ihren Füßen.

Um deinen Kopf, Johannes, gab ich mein Leben.
Gestorben bin ich, Dir einen Kuss zu geben.

Dein Haupt ruht still in einer Silberschale,
auf deinen Lippen glänzt der meinen Rot,
du hast mich abgewiesen - viele Male.
Nun, oh Geliebter, sind wir beide tot.

Um deinen Kopf, Johannes, hab' ich mich verschenkt
und Leib wie Seele mir in einer Tat verrenkt.

Der Mann der Mutter hat dich eingefangen,
Prophet von so profaner Schönheit,
meine Gunst sucht' er seit Jahren zu erlangen,
gegen ihn, nicht gegen dich, war ich gefeit.

Um deinen Kopf, Johannes, hab' ich alles vergessen.
Von dir bin ich im Leben und im Tod besessen.

Seit ich im Kerker dich erblickte,
so getreu deinem Schreiner-Götzen
musste ich, was mich so entzückte
auch um jeden Preis besitzen.

Um deinen Kopf, Johannes, musst' ich tanzen mit den Schleiern
und mit meiner Mutter Liebsten diese dunkle Nacht durchfeiern.

Du hast mich nicht angesehen,
nie ein gutes Wort gehabt für mich.
Ich verging vor bangem Sehnen,
denn, du Narr, ich liebte dich.

Um deinen Kopf, Johannes, gab ich alles andere auf.
Nur ein Stück von Dir zu haben, nahm ich jede Schuld in Kauf.

Meiner Mutter Mann hab' ich gefesselt
mit meinem eigenen, weißen Leib,
wie ein Hund hat er gebettelt,
doch in Gedanken war ich längst dein Weib.

Um deinen Kopf, Johannes, hab' ich ihn belogen und getäuscht.
Mit meinen eigenen Gliedern hab' ich um dich gefeilscht.

Für einen Blick schenkt' er mir dein Leben,
so bist du endlich mein gewesen,
doch dein Herz konnte er nicht geben,
in deinen toten Augen konnt' ich's lesen.

Um deinen Kopf, Johannes. fiel mein schwarzes Haar
und deine blauen Lippen schmeckten wunderbar.

Unter ihren Schilden zerrieben,
mich die Soldaten auf meines Vaters Wort.
Noch im Sterben bist du mein geblieben,
denn schließlich waren wir vereint an diesem Ort.



geschrieben von: Kildare

Blatt um Blatt löst sich aus dem Kalender.
Das Jahr wird ausgehaucht.
Golden, scharlachrot, schmutzig braun
weht es über die Wege.
Vergangen die Zeit der Pläne
- Erntetage.
Jetzt bringen wir die Erträge
unserer Taten nach Hause,
lagern ein Lächeln für den Winter ein
- und ein zweites.
Es wird kalt werden.
Türen schließen sich,
Lichter werden schmal
in Häuser eingepfercht.
Einsamkeit wird akzeptiertes Massenleiden
und Menthol das Allheilmittel
gegen Schnupfen und Seelenpein.



geschrieben von: Kildare

Die Knochensammlerin

Mein einziges Lieb hab ich gehen lassen
und hinter der Hecke wartet der Tod.
Mein Auskommen hab' ich bei den Gestorbenen,
mein Einkommen liegt bei den Verzweifelten.
Singsang,
so sitz' ich jeden Tag bei der Brücke
und spähe ins Land.
Da kommen die meinen zu Hauf,
so bleichen Angesichts,
auf dass ich ihnen Heim leuchte zum Abend.
Kommt nur herein, meine Täubchen.
Ich koch' euch ein Süppchen zu Nacht.
Ich deck' eure Gebeine im Schlaf
und vertreibe mit knöcherner Hand
den Morgen von euren Lidern.



geschrieben von: Kildare

Wiedervereinigung

Wie Nacht und Tag, wie Sturm und Stille
waren wir zwei Seiten von demselben Ding.
Wir sind zerbrochen, es war unser Wille,
getrennt zu sein, so weit es ging.

Wie Licht und Schatten, wie Tiefe und Höhe
konnten wir die andere nie gänzlich lassen.
Vergeblich war all unsere Mühe,
umsonst unser Toben und unser Hassen.

Heute fangen wir neu an
und beschreiten unsere alten Pfade,
wieder zwei an einem Strang,
Oben und Unten in dem Rade.



geschrieben von: Kildare

Wo das Meer zu Ende ist

Das Meer hat kein Ende
es fängt nur an,
blaue Säume, Fluten an Fluten
kennt es keine Grenzen.

Die See ist unendlich,
bitter und salzig,
spült sie Treibgut
und Algen an, in brackigen Wellen.

Wo das Meer zu Ende ist,
ist die Hoffnung begraben,
gleich neben der Seele,
an der Linie des Horizonts.



geschrieben von: Kildare

Past times - Repeating

We reaped the fruits
we sowed last year.
They tasted sweet,
but bitter was the night,
cold and rain fell down,
like tears or blood
-salt in my wounds-
We reaped the fruits
we sowed last year.
Like silver was the seed,
how dark is
what grew out of it.
I put my hope into the earth,
willingly offered my calm
to raise a plant,
that might defy
time and bad weather.
But what I finally found
was nothing
but a bush,
protected only by the circumstances,
bearing sweet berries,
tainted with poison.



geschrieben von: Kildare

Some trees

They grew as neighbours
competing about water and light
digging their roots deeper into the black earth

First only few leaves touched,
but finally their branches formed
a roof for silent meetings,
though one could not be cut down
without destroying the other.

Some trees,
huddled togehter,
bound to each other
more truly then humans




geschrieben von: Kildare

Abschied

Geh' hinaus, wo die Sterne glühen.
Geh' hinaus, wo die Winde wehn.
Ich werde dich nicht halten.

Such' dir einen anderen Platz.
Such' dir einen anderen Schatz.
Ich werde dich nicht rufen.

Finde dein Glück in fremden Augen.
Finde in fremdem Herzen deinen Glauben.
Ich werde nicht weinen.

Vergiss unsere gemeinsamen Stunden.
Vergiss, was uns einst hat verbunden.
Ich werde dich nicht erinnern.

Leb' wohl mit ungewissen Freuden.
Leb' wohl mit ungewissen Leiden.
Ich werde fern von dir bleiben.



geschrieben von: Kildare

False gods

We' re praying trustfully,
raising our voices and heart's wishes
up to the eternal throne
of an uncertain entity.
We're hoping again and again
that our lifes would change
in the instant of a wonder,
no matter what kind of
miracle that would be.

False gods
our desires drive us
certain into madness,
burning our possibillities
on the altar of their own purposes.




geschrieben von: Kildare

Falscher Gott

Dem falschen Gott hänge ich an,
nicht einem Kalbe sondern einem Mann,
aus Fleisch und Blut, nicht reinem Gold,
dass ich was Besseres finden sollt,
zu dessen Füßen ich mein Flehn
erheben könnt in Himmelshöhn.

Mein Götze ist nicht kaltes Erz
er hat ein allzu weiches Herz,
des Güte ist für mich wie Gift,
wo Sanftmut hier auf Sehnsucht trifft.
Und Gleichmut mehr als Liebe brennt,
wenn mein Mund seinen Kuss erkennt.

Das Beten steckt mir in der Kehle
und der Schrecken in der Seele,
wenn sein Angesicht vor mir steht
und der Tag zur Nacht vergeht.
Denn wie soll ich mich bezwingen,
meine Finger nicht an seine zu bringen?

Sauer wird es mir so dann,
fasst er seinerseits mich an.
Denn auch wenn der Kopf verneint,
ist der Körper gern vereint.
Doch ich weiß im Morgenlicht,
zählt die Tat des Abends nicht.

Damit er nicht im Sonnenschein
jede Umarmung muss bereuen,
beherrsche ich mich doch alsbald,
werde klug und werde kalt,
und seh' zu, dass ich verschwinde,
eh er seine Sinne fände.









geschrieben von: Kildare

Nein.
wir brauchen nicht
des anderen Bild in unserem Spiegel.

Niemals
vermissen wir ein Angesicht,
das nicht unser eigenes ist.

Nicht in diesem Leben
sind wir einander bestimmt.
Und auf das nächste gibt es kein Hoffen.



geschrieben von: Kildare

Nachtmahr

Märchen schreiben sich im Dunkeln,
warten auf die stille Stunde,
wenn das Auge sehend sucht,
was der Tag ihm nicht gezeigt hat.

Nachtmahr,
Pferd mit Feueratem,
Wärme bringst du mehr als Schrecken
kalten Herzen und Händen.



geschrieben von: Kildare

Fremder Worte Wahrheit
zweifle ich nicht an.
Glaube hällt zu jeder Zeit
mich in einem süßen Wahn.

Lüge, rette mich in Gnaden.
Lüge, schütze mich vor Schaden.

Fremder Münder Zeugnis
wehrt mein Geist nicht ab,
anderer Zungen Gleichnis,
trau ich bis zum Grab.

Lüge, wenn du's ehrlich meinst.
Lüge, wenn du wahr erscheinst.

Ich mag gar nicht wissen,
was man mir erzählt,
weil's mich bis auf's Kissen
nächtens weiter quält.

Lüge mir ruhig ins Gesicht.
Lüge, ich bemerk es nicht.

Mit mir kann man alles machen,
so lang die Geschichte stimmt.
Ich muss über mich selber lachen,
die nicht mal die Liebsten kennt.

Lüge, schlimmer kann's nicht werden.
Lüge, eígen bin ich ihr auf Erden.













geschrieben von: Kildare

Fremder,
willst Du mir eine Zigarette anzünden,
damit ich ein bisschen Tod
in meine Lungen saugen kann?

Komm, schenk' noch mal ein.
Auf dem Boden des Glases
konnte ich schon fast Zeichen erkennen.

Fremder, blinzele nicht so,
das ist nur Rauch
und roter Lippenstift.
der hartnäckig am Filter klebt.

Magst Du tanzen?
Willst Du über Geländer balancieren?
Mir ist heut alles eins.
Ich geh' nicht mehr nach Haus.

Komm, gib mr Deine Hand,
die warm ist
und feucht vor Aufregung.

Ich möcht' durch die Stadt streifen,
den Mond anheulen,
alte, anrüchige Lieder singen.
Singst Du mit?

Nein, Du hast
ganz andere Dinge im Kopf.
Schade.
Ich küsse nicht auf den Mund.




geschrieben von: Kildare

Spiegelfechtereien

Auf! Meinem Bildnis nach,
hinein in spiegelnde Flächen
zu ungeahnten Schwächen
und neuem Ungemach,
folgt meinem Schattenriss,
schillernde Eitelkeiten
ich will Euch nur geleiten
in diese Finsterniss.

Wir spenden selber Licht,
jeder nach seinem Dünkel,
erhellen jeden Winkel,
doch sehen wir uns nicht.
Schein dient nur der Erscheinung,
uns kümmern keine Flecken,
Blindheit birgt keine Schrecken,
besteht nur unsere Meinung.

Wir suchen in fremden Augen
nur unser eigenes Angesicht,
was fremder Blick zu uns spricht,
berührt nicht unseren Glauben.
In dessen Mitte stehen wir
Abgötter einer neuen Zeit,
die Welt ist für uns himmelweit,
es gibt kein jetzt und hier.

In unseren Herzen wächst nicht Trauer
noch Liebe oder echter Hass
wir halten alles recht für Spaß,
kein Ding ist wohl für uns von Dauer,
der Teufel hat uns aufgegeben,
denn leer sind wir von Böse und Gut
gerechter und auch falscher Wut
und somit auch von allem Leben.

Wir sind nur unsere Spiegelbilder,
ein Abglanz unserer müden Seelen,
der Leidenschaften, die uns fehlen,
selbst Lachen mach den Mund nicht milder,
der zu allem redet und doch schweigt,
der unserem Geist den Weg bereitet,
damit er unser Heil bestreitet
und unser Ruhm zum Himmel steigt.

Sünde und Vergebung sind uns eins,
nur für Schale werkt das Maul,
der Kern ist ohnehin schon faul,
und somit jenseits eines Keims,
der unserem Herzen könnte nützen.
In uns ruht keine Wahrheit,
wir suchen nicht nach Klarheit,
wir wollen das Bild beschützen.

Uns ist nur unser Abbild kostbar,
gleichgültig, was dahinter steht,
egal, was dafür noch vergeht,
denn eines ist uns völlig klar,
wenn unsere Maske endlich fällt,
die Welt unsere Gesichter erkennt,
man unsere Namen recht benennt,
und das Spiegelkabinett zerschellt,
bleiben auch von uns nur Splitter,
Schatten goldner Glanzgestalten
Spiegeltrümmer ganz zerspalten,
schwarz und klein und bitter.



geschrieben von: Kildare

Glassplitter,
eingefasst in Silbernadeln,feine Spitzen
zwischen Menschen,
schneiden schmale rote Linien
in verwundbare Seelen.

Glassplitter,
Eisfragmente prickeln
halb schmelzend
auf zu kalter Haut,
wie ein Kuss auf blauen Lippen.

Was haben wir
nur zerbrochen,
dass es nun
unentwegt und beständig
Glassplitter regnet?




geschrieben von: Kildare

Nimm Dir ein Herz,
mein Herz vielleicht,
ich brauche es nicht,
diesen Wunden Klumpen Fleisch,
überzogen von taubem Narbengewebe.

Nimm Dir mein Herz,
ich will's Dir in Schleifen binden,
in eherne Bande schlagen,
wenn Du es nur aus meiner Brust reisst
und es und mich trennst.

Ich hab' nicht das Herz
mir dasselbe aus dem Leib zu schneiden
und doch wäre ich glücklich,
wüsst ich, dass es in Spiritus schwimmend
Deine Kommode ziert.

Nimm Dir mein Herz,
ich verzichte gerne darauf,
ohnehin ist es schon lange
zu Dir übergelaufen
und verrät mich mit jedem Schlag
denn es liebt Dich.




geschrieben von: Kildare

Schatten bluten nicht
ich bin ein Schatten meiner selbst
warum also quillt es mit rot unter den Händen hervor,
fliesst mir mein Leben davon
pulsierend, warm, rostig, salzig.

Aus schwarz-grau abgetragenem Gelebtsein,
tropft es verräterisch auf den Boden,
sprudelt unaufhaltsam aus meinen Adern,
dem Geflecht, das längst vertrocknet sein sollte
und bildet dunkle Lachen.




geschrieben von: Kildare

Meerjungfrauentage branden in die Gegenwart
angefüllt mit salzigem Wasser
und schmerzenden Schritten,
die blutige Fußspuren auf Sand zurücklassen.

Meerjungfrauensingsang in den Ohren,
ein Lied von fernen Ufern prägt sich in die Seele,
Sehnsucht nach den Zauberreichen der See
und mondlichtklaren Stimmen.

Meerjungfrauenbedauern, über verschenkte Leben
klagt keine Mädchenstimme,
und selbst der blindwütigsten Treue
steht der Himmel nicht offen.

Meerjungfrauen haben keine Seele.



geschrieben von: Kildare

Tango - mortale

Eröffnung, Hände aneindander,
das Kinn erhoben und den Blick
starr gradeaus.

Die ersten Schritte, Widerstand
und Erliegen, ein Umkreisen,
Fallenlassen, gefangen werden.

Aufschlag. Der Boden ist glatt
und glänzend,
Erheben. Position. Und von vorne.

Schritt, das klacken von Absätzen,
fließender Stoff,
und schmerzende Knochen.

Haltung. Der ganze Reigen lebt
nur von einem aufrechten Rücken,
und einer unbewegten Miene.

Lieber, ich möchte die Tanzschuhe
ausziehen,
und barfuss gehen.



geschrieben von: Kildare

Fremde Frau

Ich kenne die Dame nicht,
will nichts von Drahtseilakten wissen,
die man auf Ballen balancierend
um langer Beine willen aufführt.

So eitel bin ich nie gewesen.

Und dann der Schal,die Tasche und die Lippen,
in einer Farbe, rot wie Mohn und Morgensonne,
ein süßer Duft weht so vor ihr her,
eine Standarte aus Kardamon im Abenwind.

Das ist die eine Sorte Mädchen.

Sie gurrt die Worte, die sie sprechen möchte,
sie wispert, flüstert um den Mann wie Seide,
obwohl ihr großer, waidwunder Blick
viel mehr als jedes Wort aussagt.

So müssen Rehe aussehen, kurz vorm Blattschuss.

Ich sehe wohl die Arbeit,
die in so viel kunstvoller Verpackung steckt,
die bei jedem Schritt rachelt und verspricht,
dass das Beste erst nach dem Auspacken kommt.

Er steht wie Holz und Eisen, gerade und spröde.

Ich will doch von gar nichst wissen,
geht schneller die Straße entlang,
schmiegt euch in Hauseingänge
oder nehmt euch ein Taxi.

Sie hat den Kopf gleich einer Taube geneigt.

Gelebte Abende blitzen wie Sterne
vor seinem dunklen Mantel meinem Geist auf.
Und ich habe plötzlich Mitleid
mit dem kunstvoll künstlichen Weibstück.

Geh' heim, die Nacht ist halb verschenkt.

So blutrot waren meine Lippen auch,
gleichsam unsicher mein Schritt,
auf Schuhen, die dazu gemacht sind,
dass ein zweiter Arm die Seite stützt.

Ich habe gelernt selbst zu stehen.

Ich leide also mit ihr,
durchlebe noch einmal Abende voll Hoffnungen,
die vergangen und vertrocknet sind,
und schmecke es bitter auf der Zunge.

Du bist kein Mädchen mehr, mein Mädchen.



geschrieben von: Kildare

Manöver

Vorwärts, rückwärts, seitwärts, ran
wieder schreite ich in Kreisen,
die ich nicht begreifen kann,
um mir selber zu beweisen,
dass ich einen Weg finde,
dass ich endlich begründe,
warum mir bis jetzt nichts gelang.

Käfigfrau, ich drehe eine Runde,
zwischen großen, grauen Stangen,
Stunde reiht sich hinter Stunde,
Lied um Lied ist mir vergangen,
bis selbst Worte im Hals stecken,
eigne Stimmen mich erschrecken,
wie eine alte, ziehende Wunde.

Ich hab keinen Willen im Leibe,
kein Ziel treibt meinen Schritt,
doch lenkt, dass ich nicht verbleibe,
tiefe Unruh' meinen Tritt.
Was ich suche, weiß ich nicht mehr,
nur ein Verlangen ist mein Begehr,
ein Funke, der Schatten vertreibe.

Ein Funke schlägt gewaltige Flammen.
Ein Feuer kann haushoch erblühen.
Ein Brand genügt Helden zu verdammen.
Nur mich lässt nichts erglühen.
Meine Seele, die bleibt kalt und klamm,
mein Gemüt macht keine Sache warm,
meine Teile hält kein Band zusammen.

Vorwärts, nur vorwärts, wer zurück sieht,
verliert den Verstand und die Liebste.
Ich starre zurück, wo sich das Weltbild verzieht,
denn mein Verstand ist schon der trübste.
Was man nicht hat, kann man nicht missen,
ich stolpere weiter auf wackligen Füßen,
ein Gespenst, das vor Geistern flieht.



geschrieben von: Kildare

Komm, leg' den Kopf hin,
wir werden schon zusammen
durch die Nacht kommen
bis zum Tagesbeginn.

Meine Hände sind zu klein,
meine Schultern zu schmal,
aber dieses eine Mal
will ich für Dich da sein.

Das Fenster nur muss ich schließen,
vor dem alte Bekannte warten
unten in einem dunklen Garten,
wo die Bäche des Vergessens fließen.

Nicht heute, dich nicht
schreie ich hinaus
für dich kein Leichenschmaus
und mir ein Lebenslicht.

Du bist kalt in der Nachtluft,
und ich kann dich nicht wärmen,
du weilst in eigenen Fernen,
zwischen dir und mir eine Kluft.

Geh' nicht so weit fort,
und bleib vom Fenster weg,
von jedem brüchigen Steg
und manchem bösen Wort.

Geh' nicht so weit fort,
du hörst nich mein Zagen,
ich kann dir nicht folgen
an diesen schattigen Ort.

Bleib ein bisschen in der Nähe,
damit ich dich höre,
mich deinem Schatten verschwöre,
wenn ich dich schon nicht verstehe.

Also werde ich geduldig sein,
während du am Rand balancierst,
während du allein frierst,
in blassem Lampenschein.

Aber bitte, komm wieder...



geschrieben von: Kildare

Eine von hundert

Ich bin nur eine von hundert,
kein Einzelexemplar,
sondern solide Massenware,
die es im Dutzend billiger gibt.

Aber du bist trotzdem anders.

Ich bin nur eine von hundert,
so ein Durchschnittsmädchen
mit ganz gewöhnlichen Wünschen
und einem grauen Leben.

Aber du bist trotzdem anders.

Ich bin nur eine von hundert,
ein Schicksal unter vielen,
ein Stern am Nachthimmel,
Lichtpunkt, nicht Sonnenfeuer.

Aber du bist trotzdem anders.

Ich bin nur eine von hundert.
Und mehr wollte ich nie sein.
Die Welt wird sich nicht ändern,
solche wie ich finden sich immer.

Aber du bist trotzdem anders.

Ich bin nur eine von hundert
und du bist einer von Millionen,
ich kann die Welt nicht ändern
und du bist die Welt.

Aber ich bin trotzdem anders.

Du bist einer von Millionen,
in denen hundert untergehen,
mit all ihren kleinen Träumen
an deinen scheitern.



geschrieben von: Kildare

Reise mit Hund

Da stehen wir nun,
der Köter Sehnsucht und ich
auf einem staubigen Weg
vom Dreck in den Dreck.

Er horcht nicht,
weil sein Name keiner ist
und während er mich umschnüffelt,
stolpere ich über seine Füße.

Ich falle auf meine - immer.
Das räudige Vieh, von Jahren abgenutzt,
schaut nur schief in mein Gesicht,
Schnauze vor Nase, ich atme Hundegestank.

Also wieder aufrappeln,
die Hände mit dem Straßenmuster
klopfend über die Hosen reiben,
kopfschüttelnd, Flüche murmelnd.

Ich pfeipfe dem Biest,
es folgt mir ohnehin,
da hab' ich es lieber im Blick.
"Komm, Köter. Am Ende gibt's einen Knochen."

Es wendet sich nach mir um,
ich spreche ja selten mit ihm
und leckt seine trockenen Leftzen,
auf mich starrend - bis unter die Haut.



geschrieben von: Kildare

Phönix - vor dem Brennen

Ich kann schon spüren
wie meine Flügelspitzen knistern
von der Wut kommender Flammen.
Morgenrote Schwingen,
wie schön werdet ihr brennen?
Wird es zischen,
wenn die Federn verglühen?
Und schmerzen,
wenn das Feuer dann endlich
meinen wolkennahen Leib greift
und ihn zum Gegenpart der Erde,
meinem Geburtsrecht, wandelt?

Aus Asche bin ich gemacht.

Grau ist das Rot meines Kleides,
grau ist der Glanz meiner Augen,
grau der Tag meiner Wiedergeburt.



geschrieben von: Kildare

Teetasse,
am Boden milchiges Braun
in dem noch Zucker schwimmt,
steht sie verlassen auf dem Tisch,
auf den eine schmale Hand sie stellte.

Teetasse,
Gefäß für die Wärme zwischen uns,
an der ich mich fest halten konnte,
die du umklammert hast,
den Blick starr zur Seite.

Teetasse,
deine, sie ist stehen geblieben,
nachdem du schon lange gegangen bist
-und ich küsse ihren Rand,
bevor ich sie abwasche.



geschrieben von: Kildare

Don't lean on me,
cause I want to spread wings
of fire and brimstone
to burn my world.

I will inflame Your's,
so be wise,
stay away from me
and the hell in my heart.

I would love to
hold You in my arms
for hours and hours,
till You've faded to dust.

I would die to
see You smile at me
with that certain look
of true confidence.

Darling, I'm burning,
sparkling, crackling
in my inner purgatory
so far from heaven.

Angel, fly away,
don't get rusty,
don't get dirty,
near a lost soul.

I want to become clean,
snowwhite, pure,slim
and sharp like a razor's edge,
reduced to the necessities.

I'm aiming high,
above clouds and a blue sky,
where birds raise sweet voices,
towards cold freedom

and calm love.

"Freedom is just another word for nothing left to lose." Janis Joplin



geschrieben von: Kildare

Kündigungsschreiben

Ich kündige:
deinen regenblauen Augen,
deinem messerschmalen Mund,
deiner scharfen Zunge,
deinen Brauenbögen,
die wie Federstriche
deine weiße Stirn begrenzen.

Ich kündige
meine Zuneigung zu Dir auf,
meine Haut trennt sich
von deinen langfingrigen Händen
und mein Blick vom Adlerschwung
deiner Nase, kein Zittern mehr,
das sich nach deinen Lippen reckt,
um Worte herunterzustürzen wie einen
ersehnten Schierlingsbecher.

Ich kündige
meine Herzensbindung auf,
wegen nicht nach allgemeiner Sitte
erbrachter Leistung.
Verstehst du nun?
Ich kündige.
Vielleicht begreifst du:
ich warte nicht auf Anpassung
und Erfüllung.
Ich trete vom Angebot zurück.
Ich lehne den Gegenantrag ab.

Ganz profan, in Laienworten:
Ich will nicht mehr.
Werte es paralel:
Du bist wieder allein.



geschrieben von: Kildare

Tango mortale II - Totentanz

Den Kopf erhoben
wie ein stolzes Pferd
der spanischen Hofreitschule,
drehe ich meine Runde,
tänzelnd an der Pflichtenkandarre,
ein Brauereigaul,
der das Vollblut mimt.

Voll Blut und voller Leben,
mit kapriziösen Sprüngen,
setzte ich lachend
über mein eignes Lügengatter,
schlage Kapriolen für's Publikum,
beuge mein Haupt der Menge
und verschweige einfach.

Verschweige einfach,
was niemand hören will
und ich nicht sagen kann,
leeres Land, Tundra in mir,
sibirische Kälte, Permafrost,
der selbst Tränen erstarren lässt
und Gefrierbrand, der die Seele frisst.

Totentanz einer bleichen Frau,
Bewegung in müden Knochen,
die einfach nicht zusammenfallen,
ungebrochen - Schädelgrinsen
und eine Hand, die sich streckt,
eine zweite zu umfassen,
die keinen Unterschied spürt.

Tanz mit mir auf dem Dachfirst,
schlafwandle mit mir auf Drahtseilen,
und wenn es Mitternacht schlägt,
verschmelze ich meinen Schatten mit deinem,
bleibe noch bis zum Morgen,
denn auf mich wartet niemand
in verlassenen Räumen in fremden Städten.

Geisterreigen, Irrlichterleuchten
in müden Augen - falsche Versprechen
von Freude und Zuversicht.
Schritte, Kreise, Pirouetten
einer blassen Ballerina
auf halb verrotteter Bühne,
die im Scheinwerferkreis steht.

Licht an - blendet den Rest aus.



geschrieben von: Kildare

Heimat

Ein altes Lied, zu oft gehört,
dessen schmachtende Geigen
sich Bogensehne um Katzendarm
in mein Herz schneiden.

Sehnsucht nach schwarzer Erde.

Ein blauer Himmel spannt sich
viel zu weit über die Stadt
und ich möchte so gern
an einem anderen Ort stehn.

Sehnsucht nach Brandungsrauschen.

Eine vertraute Melodie klingt
mir bis in die Füße
und meine Knie knicken im Takt.
Ich beuge mich Tönen.

Sehnsucht nach faltigen Gesichtern.

Honig duftet im Tee,
der Löffel dreht eigene Kreise
und ich schütte Milch nach,
die Gemüt und Gebräu sanft färbt.

Sehnsucht - und ich wage nicht, zu sagen wonach.



geschrieben von: Kildare

Wie große Krähen
sitzen Wünsche in den Bäumen
und werfen Schatten vor den Himmel.
Raben, die ihre scharfen Schnäbel
in dumpfe Seelenruhe schlagen,
sind diese Träume schwarze Vögel
mit klugen Augen, deren Blick
wie gute Klinge schneidet.

Sie ziehen nicht nach Süden,
wenn der Frost sie beißt,
sie bleiben in den kahlen Ästen
morscher Lebensbäume hocken
und nähren sich vom As
vergangener Kindertage,
das süß gereift ist über Jahre.

Nekrophil sind diese Wünsche,
die verliebt auf Kadavern hocken,
die von den Plänen heller Tage übrig sind
und schöner werden,
je mehr sie verrotten.
Ebenso totenliebend ist das Herz,
das diesen dunklen Wanderern Heimat bietet
und ihre Nahrung ist und hütet.



geschrieben von: Kildare

Es stand der Erdbeermond über der See,
und an den Strand murmelte die Flut
ein altes Lied von lang versunkenem Weh,
am Himmel leuchtete es rot.

Blutmond über dem Meer.

Zu anderer Zeit hätte unter diesem Zeichen
ich meine Hand in deine nicht gelegt,
aus Furcht vor dem Gestirn, dem bleichen,
dessen Macht ja Fluten selbst bewegt.

Blutmond über dem Meer.

Ich habe es gesehen und gedacht,
"Ein Omen gibt es nicht in diesen Tagen",
mich umgewandt zu dir, gelacht,
um einmal mehr die Probe auf das Glück zu wagen.

Blutmond über dem Meer.

So fanden Münder sich, nicht Herzen,
und Körper einten sich statt Seelen.
Ich übte mich in wunderlichen Scherzen,
und beteuerte, mir würde gar nichts fehlen.

Blutmond über dem Meer.

In Salz wusch bald darauf ich meinen Leib,
das steckt in Tränen und in Wellen,
suchte mit jedem möglichen Zeitvertreib,
mir das stille Leiden zu vergellen.

Blutmond über dem Meer.

Ich habe viele Tage nun gesehen,
viel Licht seit dieser einen Nacht
und buntes Leben im Vorübergehen,
nur wirklich glücklich hat’s mich nicht gemacht.

Blutmond über dem Meer.

Nun suchen am dunklen Himmel
meine Augen jenen Silberschild,
wie in jedem Menschengetümmel
sie ersehnen nur dein Bild.

Blutmond über dem Meer.

Der Mond steht über der Stadt so hell,
mit mir geht nur mein Schatten,
-die Straßen sind gespenstisch still-
einen Traum ruhig zu bestatten.

Blutmond über der See.

Ich flüstere es dem fahlen Licht,
es soll’s der See erzählen,
geliebt hab’ ich Nacht, Sterne, Gischt
und Menschen, die mich quälen.

Blutmond über der See

Dem roten Mond sei es geklagt
Und wohl gelobt, hier soll’s auch enden.
Du hast mir einmal „Nein gesagt.“,
lassen wir’s dabei bewenden.

Blutmond über der See.

Und wenn ich wieder bin am Meer,
den Wellensingsang rauschend in den Ohren
will ich nichts wünschen mehr,
noch klagen was ich verloren.

Blutmond über der See.

Ich hab’s ja über uns gesehen,
ich hab’s gehört in Wasser und in Wind,
ich wollte nur damals nicht verstehen,
dass alte Ängste inneres Wissen sind.



geschrieben von: Kildare

Bilanz (Versuch 2)

Das bin ich nun also geworden,
die berühmte, erhbare Frau,
jene verlässliche Dame grau in grau,
die lebt wie halb gestorben.

Wie alte Kleider hab' ich mein Verlangen
abgelegt und zu einem besseren Zweck
in die Sammlung gegeben - nun ist es weg.
Doch die Träume sind nicht vergangen.

Mir graut vor ihren abwesenden Blicken
und jenem freundlichen Vertrauen,
auf das Familien bei ältlichen Tanten bauen,
die über Sahnetorten entzücken.

Es begann mit jener stillen Freundlichkeit,
die sich meinen Worten sturr verschloss,
so dass ich sie in Kaffee und Milch vergoss.
Da dachte ich nicht an Verständlichkeit.

Keks um Plätzchen schuf sich so ein Bild,
dass einen häuslichen Drachen zeigte
und von striktem Altjungferntum zeugte,
dass sich gegegnsätzlich zur Mädchenschaft verhält.

Ich bin nun der Vorzimmerfelsen,
geschlechtlos und gefühllos wie ein Stein,
erkoren das Mädchen für alles zu sein,
und ich kann mich davon nicht lösen.

Nur hinter meinen gedeckten Alltagsfarben,
schwelt ein hinterhältiger Brand,
eine wachsende Sehnsucht nach Neuland,
nach kuchenfreien Liebesgaben.



geschrieben von: Kildare

Tigeraugen

Was goldene Spuren trägt,
dass wird nach großen Katzen benannt.
Löwenmähnen sind so helle Locken,
Leopardenflecken kann das Wasser haben,
wenn das Licht es durch die Blätter sprenkelt
und dann gibt es deine Tigeraugen.

Die sind grün und braun und golden-golden,
wenn man nur lange genug hinein sieht.
Wie Schilf und untiefer See liegt dieser Blick
so ruhig in deinen Zügen,
dass man versinken kann wie in trüben Tümpeln,
wenn man achtlos genug ist, ihm offen zu begegnen.

Schräge Katzenaugen zeichnen dein Gesicht,
die Bernsteinfunken sprühen,
wenn du lachst und der Schalk darin tanzt.
Sphinx, weisst du eigentlich, wie schön du bist?
Welche Rätsel hütet wohl dein mildes Lächeln?
Welche Fragen stellst du kühnen Geistern?

Tigeraugen hast du, die gelassen strahlen
und gefangen nehmen, was sie berühren.
Flüssiger Honig ist dein Blick, süß und warm,
der einem im Gedächtnis klebt
und die Erinnerung an sommerflirrende Luft weckt.
Mit einem Mal riecht es nach Flieder und Akazien.

Tiger, Tiger, wie leise sind deine Pfoten?
Wie samten sind deine Schritte,
die sich in Herzen schleichen?
Zwielicht bricht sich schattenspielend
in deinen Raubtieraugen und es blitzt
golden, golden.



geschrieben von: Kildare

Manchmal – ein anderer Morgen


Guten Morgen, mein Herz, die Sonne scheint
Schon durch die mattblauen Vorhänge,
mein Veilchenäugiges Liebchen,
es ist jetzt Zeit,
dass Du Dich aufmachst.

Ich winke noch an der Türe.

Und dann beziehe ich die weißen Betten grau
Und nehm’ die Vorhänge herunter,
um sie lang auszuwaschen, bis sie taubenfarben werden,
und alles Klare aufweicht, ausweicht,
aus diesem Zimmer.

Die Stirn senkt sich in die Kissen.

Guten Morgen, mein Herz, es ist hell auf den Straßen
Und in den Gassengiebeln
Nisten die Schwalben und Spatzen.
Es ist noch fast, als das ich Schritte höre
Auf dem alten Pflaster.

Und ich lausche noch einmal.

Dann ist es Zeit zu singen, aus ganzer Kehle,
und mit den alten Laken und Fetzen
Deinen Geruch aus dem Raum zu fegen,
Stück um Stück,
die Fenster mit Spiritus blank zu polieren
und raschelndem Zeitungspapier.

Hübsch wird das werden.

Guten Morgen, mein Herz – wo immer Du aufwachst,
seit Du ausgezogen bist, aus meinem Leben
und meinem Herzen.



geschrieben von: Kildare

Fremder Wind - von Norden

Wir stellen das Segel auf,
eine Freiheitsflagge über der endlosen See,
und lehnen unser Vertrauen in fremden Wind
- von Norden.

Es wird kalt auf dem Meer,
das ist kein Ort für zarte Hände
und Worte zerstreuen sich in salziger Luft
- von Norden.

Der Bug frisst sich durch die Wellen,
ein Pfad aus blauer Seide und Diamantborte,
der Sehnsucht führt wie Wasser
- nach Norden.

Nach Norden ziehen, von wo Vögel fliehn
und in Kristallpalästen hausen anstelle von Luftschlössern,
wo Eis und Kälte Regentschaft halten
in schmelzender Eintracht.



geschrieben von: Kildare

Ehrliche Schnitte

Lass mich Dir ein Messer leihen,
dass Du anstelle von Worten und Bildern
benutzen kannst, damit Du mich wenigstens
bluten siehst.

Ehrliche Schnitte anstatt falscher Beteuerungen.

12 Zoll Edelstahl könnten Deine Haut
viel besser ritzen als mein Spott
und ich würde Deinen Körper liebend
gern mit einem Muster überziehen.

Ehrliche Schnitte anstatt kleiner Lügen.

Komm, tu mir wenigstens richtig weh,
dass ich zum Arzt gehen kann,
um mich flicken zu lassen an all den Stellen,
die schon jetzt schmerzen.

Ehrliche Schnitte anstatt trügerischer Hoffnung.

Ich möchte Dich aufschneiden und bluten lassen,
so wie ich nach innen weg das Gefühl habe,
zu verbluten in pulsenden Strömen,
jedesmal wieder, wenn Du das falsche sagst.

Erhliche Schnitte anstatt fahler Versprechen.

Hier, nimm, solche Klingen eignen sich
ganz trefflich für Tiere und Menschen
und dann nur noch ein bisschen Mut, ein Schritt nach vorn
und es ist endlich vorbei.

Ehrliche Schnitte anstatt trostloser Zukunft.

Ich würde Dich häuten wollen, abziehen wie einen Hasen,
in langen Streifen diese blasse Haut
von Deinem Körper trennen und Dich
zucken sehen, wie ich jedesmal zusammenzucke. Innerlich.

Ehrliche Schnitte anstatt milder Freundlichkeit.

Sei mein Prinz - bring mich um. Das nennt man Gnadenstoß
wenn die arme Rosinante keinen Schritt mehr
weiter laufen kann. Das zerbrochene Steckenpferd.
Es ist vorbei mit Ritterspielen. Aber Dir bleibt das Küchenmesser.

Ehrliche Schnitte anstatt aufgesetzter Besorgnis.

"Für das Messer braucht es Helden - und ich kann nicht feige sein." Subway to Sally, Das Messer



geschrieben von: Kildare

Noh - Masken
(Kagome)

Sie leiht sich ein Gesicht,
um ihres nicht zu verlieren
und dieser spitze Fuchskopf passt
hervorragend zu einer spitzen Zunge.

Sie nimmt die Freiheit eines anderen Lebens,
das unter dicken Seidenschichten liegt
und dessen leise Füße gewaltige Schleppen
durch fremder Menschen Träume schleifen.

Trostfrau, Geistergefährtin, Nachtalp -
Dunkle Augen in zu tiefen Höhlen,
blasse Hände in raschelnden Ärmeln
verbergen zu gut Gedanken und Klingen.

Zweischneidig sind Wünsche,
die sich tief in Ängste und Hoffnungen prägen,
ungespiegelt auf einem Gesicht,
dass nur das zeigt, was dieser Moment wählt.

Rituelle Kerbungen, fest gelegte Züge, einstudierte Gesten,
jeder Schritt folgt einem alten Muster,
dass man nicht durchbrechen kann
und das Ende ist genauso unabwendbar.

Die Füchsin, der Dämon, die Jungfrau, der Held
sie alle spielen ihre Rolle bis zum Schluss,
man kann nur selten wählen und wechseln,
gewiss niemals zum Besseren.

Sie trägt ihr Fuchsgesicht mit Würde
und jenem bitteren Stolz, der ihrem Fach zu eigen ist,
das Schattenweib, das alte Leben, die Rückkehrende,
ohne einen Platz im Licht, aber mit festem Anker im Leben.

Das Gesicht ist gewählt - und der Weg ist entschieden.



geschrieben von: Kildare

Versprechen - Regentänze

Noch ist es nicht Zeit, in die Wüste umzusiedeln
und dort allein in Gluthitze die Tage zu beschließen.
Noch malen meine Füße Muster in den warmen Sand
und trommeln wie Regen auf heißem Wellblech,

- Schritt um Schritt in wilden Tänzen.

Noch kann ich mein Haar wie einen Federschmuck tragen,
schwer im Nacken und den Kopf gerade haltend.
Noch reißen meine Hände andere Körper mit
in einen Strudel aus Drehungen und Kapriolen

- Schritt um Schritt in wilden Tänzen.

Wir werden den Regen zwingen mit unseren Beinen
und über schrille Rufe Brücken in den Himmel bauen.
Wir werden die Wolken leer trinken in unserer Gier
von etwas Höherem erfüllt zu werden.

- Verlangen nach windgebeugten Leibern.

Wir schreiben ein Versprechen in die Luft mit unseren Händen,
wir singen einen Eid auf unseren Durst,
dass wir tanzen werden bis es regnet
und unsere salzig nasse Haut sich kühlt

- in dem ersehnten Schauer.



geschrieben von: Kildare

Drachenschwanz

Hälst du auch brav die Balance?
Du tanzt auf dem Drachenschwanz
und zum Heiligen Georg fehlt dir mehr Glaube
als mir das Feuer zum geschuppten Untier.

Man hält uns so leicht für Hügel,
wenn wir zusammengeringelt schlafen
und unser ruhiger Atem das Gras nur
wie Windhauch erzittern lässt.

Hast du schon einmal, Eingepanzerter,
einen echten Drachen gesehen?
Eine Kreatur gemacht aus Gold und Flammen,
ein übellauniger Phönix ist das.

Lass mich dich einhüllen in Rot und Hitze,
dass dir die Haare verglühen
und du lernst, nicht mehr herumzustochern
in anderer Leute Bett und Hort.

Du dachtest, die Echse am Schwanz zu ziehen.
Nun meinereiner wirft nichts ab,
um Menschenkinder zu verwirren.
Für diese Lehre will ich Dir, mein Mal aufdrücken.

Was ich dir in die Haut gebrannt,
wirst hoffentlich du nimmermehr vergessen.
Ein Held wird nur wer einen Drachen tötet.
Asche trägt keine Titel.



geschrieben von: Kildare

Alte Segel flattern wie die Fahnen
lang vergangner Reiche im salzigen Wind
und der Hafen liegt leer und verlassen,
wo die Schiffe träumen.

Und dort wo einst der Steg sich in die See fraß,
zeugen nur noch die Zähne verotteter Planken
von Abenteuern einer anderen Zeit,
während das Holz dem Wasser entgegen siecht.

Die Möwen singen noch immer im blauen Himmel
ihr Spottlied auf Wellen und Wracks
und weiterhin brandet das zornige Meer an die Küste
und sucht beharrlich seinen Pfad durch die Wälle.

Die Häuser sind unbewohnt, die Gärten verwildert,
kein Nachbar hütet mehr seinen Zaun
und wie leere Augenhölen teilen die Fenster die Mauern
und blicken anklagend auf die zerfurchten Straßen.

Ich hab dir einen Ring gekauft vor einigen Jahren,
du findest ihn dort im seichten Wasser,
wo im nassen Sand dein Name stand,
den der Ozean zusammen mit meiner Sehnsucht fortnahm.



geschrieben von: Kildare

Beinahe heiter

So sitzen wir an den Kaffeehaustischen,
kippen uns Zucker in die Tassen,
dass man um die schwarze Brühe weinen möchte,
und lachen.

Damit die Hände nicht so leer bleiben,
werden die Zigaretten entzündet,
die dann in wilden Gesten
wie trunkene Glühwürmchen um uns schwirren.

Wir erzählen Anekdoten, grinsen koffeinselig,
räuspern uns, starren auf die Straße,
und versuchen, unbeschwert zu sein,
wenigstens für einen Abend.

Und für ein paar Stunden vergessen wir,
die leere Wohnung und das leere Konto,
den lügenden Liebhaber und die lieben Verwandten
und sind eins in fröhlicher Heuchelei.

Wir zwinkern uns zu wie Lausbuben,
die über denselben Scherz lachen,
obwohl wir weinen könnten,
aber nicht heute.

Denn heute haben wir uns vorgenommen,
ein bisschen uns selbst zu feiern,
im Großstadtgeplänkel unterzugehen,
für einen Abend - beinahe heiter.



geschrieben von: Kildare

Salzversprechen

Und wenn du dann doch einmal weinst,
will ich dir die Tränen von den Wangen lecken
und zu deinen Füßen einschlafen,
damit das Monster unter dem Bett nicht herauskommt.

Wenn mir nur nicht längst klar wäre,
dass es hier nur zwei Ungeheuer gibt.

Gib' mir nur einen Tropfen und ich bleibe
bis nach dem Morgengrauen. Für ein paar Körner Salz
Und etwas Wasser bloß aus deinen Augen
zahl ich dir gern in roter Münze zurück.

Ich möchte dir so gern etwas geloben,
doch wir sind über die Kinderreime hinaus.

So investiere ich in Schweigen
lasse mich in leeren Küssen auszahlen
und verwahre wie eine Bank das Geheimnis,
dass du bloß ein Schluchtzen entfernt bist von mir.





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