[Das Versprechen] - German Gothic Board

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Das Versprechen

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geschrieben von: Carcas999

Nach längerer Zeit komme ich nun mal dazu diese kurzen Gedanken hier zu "veröffentlichen". Danke nochmals an alle die daran mitgeholfen haben.



Langsam ging ich den von Bäumen gesäumten Weg entlang. Die Erde war festgetrampelt von den vielen Kindern die hier schon lang gelaufen sein mussten. Mit jedem Schritt nahm ich meine Umgebung deutlicher wahr, das leise Knistern der braunen Blätter die im letzten Winter gefallen waren, der morgendliche Nebel der noch im Gras hing, eine Amsel die im Ast über mir ihr Lied erklingen ließ.
Ich kniete nieder und pflückte ein kleines Veilchen, dessen Duft mich fast zu erschlagen schien.
Alles kam wieder, wie eine Flut brachen die alten Bilder über mich herein und mein Herz pochte immer lauter und schneller. Dann setzte ich den ersten Fuß in den grobkörnigen Sand neben dem Weg. Mein Schuh sank ein wenig darin ein bis ich weiterging und mich zum ersten Mal umschaute anstatt die kleine Blüte in meiner Hand anzustarren als könne sie mich retten, mir helfen mein Versprechen einzulösen.
Hier war ich nun, an dem Ort an dem all meine Erinnerung wohnte.
Oft hatte ich früher den ganzen Tag hier verbracht, egal ob es kalt oder warm war. Und ich war so glücklich… Wie lang ist es her?
Es schienen Jahrhunderte zwischen heute und damals zu liegen und doch war ich wieder hier, an meinem alten Spielplatz, meinem!
Ich setzte mich auf die Schaukel und schloss die Augen.

* Die Hände umklammern die Eisenkette. Meine Beine strecken sich. „Mama, schau mal, ich kann fliegen!“ Der Wind weht sanft durch mein zerzaustes Haar.
„Schubs mich noch mal an!“ *

Ich schlug die Augen wieder auf und wunderte mich über die Stille. So früh am Morgen wirkte dieser Ort wie ausgestorben. So kannte ich ihn gar nicht. Als ich hier war, war immer alles voller Kinder aus der Nachbarschaft und ihren Müttern. Mein kleiner Bruder der im Kinderwagen schrie. Nie zuvor kam mir das Zwitschern der Vögel so laut und unangenehm vor.
Warum ich ausgerechnet diesen Tag gewählt hatte wusste ich nicht, aber ich hatte dir das Versprechen gegeben und nun war es an der Zeit es einzulösen. „Sollte es dir schlecht gehen kehre zu unserem Lieblingsplatz zurück, dort werde ich auf dich warten“, war das letzte was du zu mir sagtest bevor du mir für mir den Rücken zugewendet hattest.
Ich schloss die Augen erneut.

* „Mein Sandkuchen ist aber größer als deiner!“
„Dafür schmeckt meiner besser“
„Stimmt gar nicht!!“
„Wohl! Mama, willst du mal probieren? Hab ich für dich gebacken!“
Ich nehme das Förmchen, es ist so schön knallrot, rot ist meine Lieblingsfarbe, und laufe zu Mama. Sie möchte meinen Kuchen doch nicht. Meine Lippen verziehen sich und ich beginne zu weinen.
Da kommst du angelaufen, eine Blume in deiner Hand. „Für dich!!“ Ich vergesse den Kuchen, meine Tränen, meine Mama und drehe mich um. Meine Augen werden größer und ich nehme die Blume. „Die riecht aber gut!“ *

Es war das erste Veilchen an das ich mich erinnern konnte. Wie schön es doch war Erinnerungen zu haben. Damals, als ich noch alles entdecken wollte, angefüllt mit Wissensdurst und Lebendigkeit in den großen runden Augen. Und hier an diesem verlassenen Ort mit der hölzernen Schaukel und dem etwas windschiefen Klettergerüst sah ich…dass ich lebte mit Leib und Seele und dass ich die Welt liebte. Leider hatte die Sehnsucht nach etwas perfektem mich blind gemacht für dass, was perfekter nicht hätte sein können
Das erkannte ich erst jetzt. Dafür kostete ich diesem Moment umso mehr aus, tief atmete ich den süßlich-milden Geruch des Frühlings ein.
Unerwarteterweise ging es mir gut. Eigentlich nicht die Vorraussetzung um mein Versprechen einzulösen, aber es musste getan werden. Die ersten Sonnenstrahlen dieses Morgens berührten warm meine Wangen, es war als wolle die Welt versäumtes nachholen und mir all ihre Schönheit auf einmal zeigen.
Ich schaukelte weiter, auf dich wartend und mit einem Lächeln im Gesicht…

…bis ich den Strick um meinen Hals legte und dir folgte…





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