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Wie ein Leben seinen Sinn verlor.

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geschrieben von: DBT

Nachdem ich heute den freien Tag in meiner Kellerwohnung verbrachte, entschloss ich kurzerhand mich aufs Rad zu schwingen und einmal in die Sadt zu fahren, ich wollte zur Tankstelle, mir zwei kleine Eisbecherchen kaufen und mich danach an den Weiher setzen um diese genüsslich zu lecken, und den schönen Sommerabend ausklingen zu lassen. Ich saß da nun auf einer Parkbank und war vertieft in Gedanken, als plötzlich eine alte Dame mich fragte ob da noch ein Plätzchen frei wäre. Ein wenig genervt sagte ich ja, denn eigentlich wollte ich alleine sein, mit mir und meinen Gedanken! Sie begann zu erzählen...über den Tag, nichts besonderes. Ich schenkte dem nicht viel Beachtung, doch als sie sagte "Wie schön wäre es jetzt nochmal 1938 zu haben, dann wäre mein geliebter Mann noch bei mir und wir hätten den Sommer gemeinsam genießen können!" wurde ich hellhörig. Ich fragte sie was denn mit ihrem Mann sei und sie wurde ein wenig weinerlich... Er ist im Krieg ums Leben gekommen und sie erfuhr es erst ein Jahrzehnt später. Sie erzählte von ihrem Leben, wie es damals war und wie sehr sie sich gewünscht hat, es würde nicht wahr sein... Ich bot ihr mein zweites Haägen Dazs an und sie freute sich darüber!
Ich begann ihr von mir zu erzählen, wie unglücklich ich bin und wie sehr ich mir eine Wende erhoffe, wie sehr ich an mir selbst zweifle, wie sehr ich mich eigentlich verachte und wie sehr ich den Tag herbeisehne, an dem ich hier weg kann, wieder leben kann... Mich überkam ein Redeschwall, hatte das Gefühl ich hätte seit Tagen kein Wort mehr gesprochen und müsste jetzt einfach nur reden, über alles was mich bedrückte...
Warum ich das tat weiß ich nicht, vielleicht weil sie so eine warme Oma war, diesen eigenen Duft an sich hatte, vielleicht weil ich keine Oma mehr habe und sie mir doch so fehlte...
Wir saßen bald 2 Stunden da am Weiher und sie erzählte mir ihre halbe Lebensgeschichte, sie erzählte über ihren Garten, ihre Tochter die ihren Vater nie kennengelernt hatte, darüber das sie nach dem Tod ihres Mannes nicht mehr leben wollte, keinen Sinn mehr im Leben fand... Und so ergänzten sich meine und ihre Gedanken und wir sprachen uns gegenseitig Mut zu...
"Nach so einem Gespräch kann man gleich besser schlafen!" waren die Worte die sie zum gehen animierten.
Ich bedankte mich für das Lächeln, welches sie auf mein Gesicht zauberte und auch sie bedankte sich in einer zaghaften Umarmung für das Gespräch und für das so tolle Eis...
"Glaube fest an dich Liebe Liane und geh deinen Weg, manchmal sind es die kleinen Dinge die von soviel Bedeutung sind...!"

Ich werde mich bemühen....

DBT



geschrieben von: Blackinside

Was für eine schöne Begebenheit - solche Begegnungen machen das Leben aus. Wie gut, daß Ihr füreinander Zeit hattet, wie freundlich von Dir, das hier aufzuschreiben.

Gute Nacht!



geschrieben von: Desgesanderflic

Ein schönes Erlebnis, es macht deutlich das wir alle Menschen sind, mit unserer Trauer unserer Hoffnung und allem was zum Leben gehört. Leider wird das heute sehr oft vergessen wenn ein anderer Mensch nicht in das eigene Schema für "sinnvolle" Menschen passt. Danke das du uns an deinem Erlebnis teilhaben lässt.



geschrieben von: Hyzenthlay

Ich finde, das ist wirklich ein schönes Erlebnis. Ich finde es auch toll, dass ihr euch einander tatsächlich so öffnen und euch dadurch auch so gegenseitig helfen konntet. :)

~ Hyzenthlay



geschrieben von: roddy

Einer der Momente, die das Leben lebenswert machen, die (für mich) das Leben ausmachen.

Schön, dass du dein Erlebnis mit uns geteilt hast. Danke!



geschrieben von: ange gardien

Zitat:
Original geschrieben von Desgesanderflic
Ein schönes Erlebnis, es macht deutlich das wir alle Menschen sind, mit unserer Trauer unserer Hoffnung und allem was zum Leben gehört. Leider wird das heute sehr oft vergessen wenn ein anderer Mensch nicht in das eigene Schema für "sinnvolle" Menschen passt. Danke das du uns an deinem Erlebnis teilhaben lässt.


Gestern gab es bei uns ein starkes Gewitter. Bei so einem Wetter stöbere ich gerne bei mir auf dem Dachboden rum, während der Regen auf das Dachfenster prasselt. Dabei habe ich wieder das alte Fotoalbum meiner Großeltern durchgeblättert, die beide schon lange tot sind. Ein Bild darin fasziniert mich immer wieder. Auf ihm ist eine wunderschöne junge Frau zu sehen - meine Oma.
In meiner Erinnerung kenne ich sie nur als Oma - die beste Oma auf der Welt.
Es ist eine Schande wie unsere Gesellschaft mit unseren Alten umgeht. Zu oft vergessen wir das es Menschen sind die auch mal jung waren, Träume und Hoffnungen hatten die oft nicht erfüllt wurden, weil sie in einer viel schwereren Zeit lebten als wir.
Und auch wir werden irgendwann alt sein und ihnen auf ihrem Weg folgen.

@ Darkblacktears: Wirklich sehr schön geschrieben. Danke.



geschrieben von: Desgesanderflic

*nickt*



geschrieben von: mathisschwester

..........ich denke, ich werde meine liebe oma morgen mal wieder anrufen und ihr sagen, wie lieb ich sie hab....

danke, liane....





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