[Der fiktive Tod] - German Gothic Board

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Der fiktive Tod

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geschrieben von: Darket

Ich laufe die Straße entlang, ich will eigentlich nur ein bißchen Knabberzeug für einen gemütlichen Fernsehabend besorgen. Ich erwäge noch, ob ich heute Nacht weggehen sollte, habe aber irgendwie Angst davor, Angst davor bestimmten Menschen zu begegnen oder sie nur zu sehen. Ich denke darüber nach, es gibt Dinge und Menschen, die zu sehen ich derzeit weder ertragen will noch kann. Menschen an denen mir so viel liegt und die mir dennoch so wehtun, ohne es eigentlich wirklich zu wollen. Zwischen diesen Gedanken blitzt plötzlich ein weiterer auf, einer, der mir so dämlich erscheint, dass ich ihn zu verdrängen suche, dennoch vergeblich. Was wäre, wenn ich tot wäre? Ich habe eigentlich noch nie an das Leben nach dem Tod geglaubt, für mich ist er das Ende, der Gedanke, der mich immer fasziniert hat, war der an diejenigen, die zurückbleiben. Aber noch nie habe ich an diejenigen gedacht, die nach mir zurückbleiben. Diejenigen, die mich lieben, mich gernhaben und meine Gesellschaft schätzen. Der Gedanke verfolgt mich immerweiter, vor meinem inneren Auge erscheinen Bilder meiner eigenen Beerdigung, von Menschen, die von mir Abschied nehmen wollen, die trauern, die weinen. Ich überlege ob das ein selbstsüchtig ist und komme zu dem Schluss, dass es wohl so sein muss, aber das kümmert mich nicht, irgendwie baut diese Überlegung mein in den letzten Wochen arg gebeuteltes Selbstbewusstsein wieder auf, dennoch ist sie mir fast schon peinlich. Ich kann kaum etwas dagegen tun, die Bilder fluten mein Gehirn und mit ihnen kommt eine Melancholie, die ich bisher nicht wieder abschütteln konnte. Das Gefühl mich selbst nicht mehr zu kennen, das ich seit Wochen mit mir herumschleppe wird unerträglich stark. Laufe wirklich ich diese sonnige vor Leben pulsierende Straße entlang? Habe ich wirklich nur das Ziel eine profane Tüte Kartoffelchips zu kaufen? Hat es einen Sinn, dass mir die wirrsten gedanken im Kopf herumspuken? Ist das alles nur die Folge der totalen, emotionalen Selbstaufgabe, die ich in letzter Zeit pflege?
Ich weiß nicht was es bedeutet, aber ich spüre ganz deutlich, dass ich nicht mehr kann, ich habe nicht mehr die Kraft das Leben, das ich in letzter Zeit geführt habe so weiterzuführen. Es hatte Licht und Schatten und wenn der Schatten auch bei weitem überwog habe ich es genossen, aber ich spüre, dass es vorbei ist, dass ich einfach nicht mehr kann, selbst wenn ich wollte. Ich muss etwas verändern, sonst gehe ich emotional zu Grunde, ich weiß nur noch nicht was es sein wird.



geschrieben von: Haevion

Wenn Du's gefunden hast, sage mir bitte bescheid, damit ich es auch mal ausprobieren kann. :) Ich bin für alles offen.

Die Melancholie ist ein Geschenk. Halte sie bei der Stange, aber entblöße Dich nicht zu sehr vor ihr... Necke sie ab und an ein wenig, und Du wirst ein gutes Verhältnis zu ihr haben.



geschrieben von: Darket

Ich suche lieber Haevion, aber ob ich finde steht in den Sternen, ich bin derzeit eher pessimistisch, obwohl das wohl immer so ist. Ich habe nichteinmal eine Vorstellung davon wonach ich ausschau halten muss. Irgendwie kommen im Leben öfter Punkte, an denen sich etwas verändert, aber ich habe bisher noch nie so deutlich den Zeitpunkt einer Veränderung wahrgenommen. Normaler Weise glaube ich nicht an diese Momente, in denen es einfach klick macht und einem schlagartig irgendwas bewusst wird, aber hier war es wirklich so. Das was mir viele gute Freunde seit langem gepredigt haben, hat mit einem mal Einzug in mein Hirn gehalten und obwohl ich nicht genau weiß ob ich es will, weiß ich, dass es richtig ist.



geschrieben von: Winterlicht

hmmm...ich weiß nicht, ob ich mich dem Thema so öffnen kann, da es mir in der letzten Zeit eigentlich konstant "gut" geht, d.h., es
gibt Veränderungen, die negativ sind, aber auch einige, die mich bestärken, neues von mir abverlangen, die ich versuche zu bewältigen (wenn vielleicht auch nicht ohne Hilfe) und auf deren Ergebnisse ich dann ein kleines bißchen stolz sein darf.

Ich kanns Dir nur aus vergangenen Erfahrungen beantworten: Jeder hatte schlechte und gute Phasen und ich schliesse mich Odessa an: Lass Dich nicht unterkriegen oder "verschwende" Dich an die falschen Menschen.

Jeder ist einzigartig und nach einem Tief folgt ein Hoch, wenn auch vielleicht nur Schritt für Schritt, aber es wird!
Auch ich habe mir sogar schon mal Gedanken über den Tod gemacht, aber das hatte eher mit der Absicherung für meine Partnerin und die Erben zu tun... ab einem gewissen Alter muß man einfach damit rechnen, ungewollt aus dem Leben gerissen zu werden.

Ich habe sogar schon festgelegt, wie mein Grabstein aussehen soll und was für Musik man bei der Beerdigung spielen möge....

Laß es Dir gesagt sein, egal ob man krank ist oder einfach eine schlechte Phase durchmacht, es gibt immer mal Situationen im Leben, da denkt man: Was mache ich hier eigentlich? Warum leben die Menschen um mich herum so weiter, als wäre nichts geschehen? Wie können sie nur? Und doch...es geht weiter und man selbst entscheidet, ob man sich dafür oder dagegen entscheidet.

Ich plädiere stark für: Dafür!!! Ich hätte immer das Gefühl, es wartet noch etwas auf mich...und das will ich nicht verpassen... :)



geschrieben von: Darket

Ich danke Euch beiden für eure lieben Worte. Das was Ihr mir sagt, versuche ich mir selbst seit Wochen einzuhämmern, ich hatte irgendwie in den aller seltensten Fällen echtes Verständnis für Leute, die in ihren Emotionen so aufgehen, geradezu schwimmen, wie ich es immer genannt habe, aber inzwischen merke ich was es bedeutet...



geschrieben von: Winterlicht

*einfachmalknuddel* und vor allem off-topic: *Nen Chip klau*!*crunch*:D

Übrigens hatte ich mir damals auch so ein bißchen ausgemalt, wer wohl an meinem Grab stehen würde und wie derjenige reagieren würde...wer würde weinen?...und es machte mich traurig, meine alten Eltern da stehen zu sehen, meinen Bruder und seine Familie und natürlich meine Partnerin und meine Freunde... es berührte mich stark!

Ein Buddelkastenfreund und Ex-Nachbarsjunge verlor ganz plötzlich und unerwartet seinen Vater. Ich habe einen totalen Weinkrampf bei der Beerdigung bekommen. Sah mich an seiner Stelle und fand es furchtbar, daß sein Vater ihm gar nichts mehr mitteilen konnte, wie es bei einem erahnten Tod vielleicht noch gegangen wäre. Wie wäre ich damit umgegangen? Hier überrollten mich meine Emotionen stark.

Und ich habe festgestellt, daß ich mittlerweile mehr Emotionen zulasse. Ich bin jetzt näher am Wasser gebaut, ggf. sogar aufgrund dieser Erfahrung am Grab seines Vaters. Der Tod ist einfach so endgültig für mich. Ich weiß nicht, ob ich an ein Leben danach wirklich glauben kann. An die Erlösung schon; das berühmte weiße Licht, die Wärme im Moment des Todes: Alles wird leicht und einfach, Schmerzen vergehen...man gleitet hinüber...der letzte Moment im Leben eines Menschen...?!



geschrieben von: Christophe

Liebe Darket. Auch ich habe schon oft an den Tod gedacht und welche Gründe es überhaupt noch gibt weiter zu machen und möchte dir meine Gedanken schildern.

Man lebt so vor sich hin. Eigentlich hat man keinen Grund sich zu beschweren, den man hat ja zu Essen, man hat ja Kleidung und man lebt in einem Land, in dem es den Menschen strukturell gut geht und wenn man mal ne Tüte Chips braucht, kann man ja in den Laden um die Ecke.

Man blickt auf die Straßen und sieht die ganzen Leute, wie sie sich trotz allem zufrieden wiegen in Ihrem Leben. Doch das bestärkt einen nur in seiner eigenen Tieflage. Was bleibt ist die Leere. Die Frage nach dem Sinn, die Frage nach dem warum, die Frage nach dem „was mache ich hier überhaupt“ und „warum mache ich mir überhaupt solche Gedanken? Die Anderen tun das ja bestimmt auch nicht und sind ja bestimmt deswegen so glücklich „.

Doch diese Gedanken gehören einfach zu mir, genauso wie es bei dir ist. Und Ich könnte mir nicht mehr in den Spiegel schauen, wenn ich einfach so vor mich her leben würde, so wie diese vielen ignoranten Menschen, die so was einfach nicht verstehen, wie ich oft denke.

Wenn es meinen Eltern (wie es bei mir ist), überhaupt mal auffällt und ich von Ihnen gefragt werde, warum ich so deprimiert schaue, dann verstehen sie mich einfach nicht. Wenn ich dann den Fehler mache und mit Ihnen über meine Probleme und Gedanken rede, muss ich mir immer wieder Dinge anhören wie: „Ach du spinnst doch, Was hast du den für Probleme, denk doch mal an die Menschen, die nicht zu essen haben, denen es wirklich schlecht geht. Das was du brauchst ist richtig harte Arbeit. Die Menschen, die wirklich hart arbeiten kommen gar nicht auf solche Gedanken.“

Und wenn ich das dann höre, kann ich ihnen auch nicht wirklich widersprechen. Ich bin ja froh in einem Land zu sein, wo ich all diese Dinge habe, doch es ändert nichts an der eigenen inneren Leere und der Verzweiflung, dass das Leben so monoton enden wird, wie es begonnen hat und momentan ist.

Alles was bleibt sind nur Fragen, doch keine Antworten. Angeregt werden diese Gedanken bei mir vor allem durch schlechte Erfahrungen mit Menschen, schulischen Problemen und sonstigen Dingen.

Auch ich verzweifle oft an dem Gedanken, dass sich in meinem Leben nichts Entscheidendes oder Bedeutendes ändern wird und ich sinnlos sterbe, wie ich gelebt habe. Die einzigen Freuden, die man hat scheinen Dinge zu sein, wie ein Fernsehabend, ein Kinobesuch … , die einen vielleicht kurze Zeit zufrieden stellen, einen nach Ihrem Ende aber wieder allein lassen in seiner Traurigkeit.

Ich möchte dir vor allem sagen, dass es Menschen gibt, die genauso denken, wie du und dass du nicht alleine bist.

Auch ich bin noch zu keiner Lösung gekommen, aber der Tod ist kein Ausweg und wenn wir Pech haben ist danach wirklich nichts mehr und wir haben unsere einzige Chance verspielt irgendwie unser Glück zu finden oder irgendein Glück. Man sollte zudem die Leute nicht traurig machen, mit dem eigenen Tod, nur um sich irgendwie besser zu fühlen.

Bedenke, dass wenn du tot wärest und es danach nichts mehr gäbe du sowieso nichts davon hättest, da danach ja auch jeglicher Denkprozess zu Ende wäre. Wenn es jedoch etwas gäbe hättest du nur Schulgefühle oder hättest zumindest Menschen, die dich lieben in Trauer (für ihr ganzes Leben) hinterlassen.
Es scheinen vielleicht nicht viele zu sein, aber nicht die Masse ist in dem Fall entscheidend, sondern die Qualität, auch wenn sie einen oft auch nicht richtig verstehen.

Du bist nicht allein Darket, auch wenn es im alltäglichen unter den ganzen „bunten“Menschen so scheint. Man muss eben Menschen finden, die einen zumindest halbwegs verstehen. Leider habe ich in meinem Leben noch nicht viele solche Menschen gefunden, bei denen ich glaubte verstanden zu werden und bei denen Ich das tue zweifle ich auch sehr stark, aber gebe die Hoffnung (noch) nicht auf.

Man sagt ja oft „geteiltes Leid ist halbes Leid“ und es stimmt sicherlich. Alleine, als ich deinen Hilfeschrei gelesen habe, habe ich mich bereits etwas verstanden gefühlt. Ich danke dir.



geschrieben von: Darket

Zitat:
Liebe Darket

Erstmal kleine Korrektur: Hinter das "Liebe" gehört noch nen r ;)

Zitat:
denk doch mal an die Menschen, die nicht zu essen haben, denen es wirklich schlecht geht

Das ist einer dieser Sätze, die ich nie im Leben nachvollziehen werden kann. Es wird immer Menschen geben, denen es dreckiger geht als mir, nimmt mir das die Rechtfertigung mich scheiße zu fühlen? Muss ich mich dafür schämen, dass ich mich nicht wohl fühle? Das ist doch Blödsinn.


Zitat:
aber der Tod ist kein Ausweg

Nein, ist er definitiv nicht, das habe ich nicht behauptet, mich hat der Gedanke an das Danach fasziniert, ohne dabei an ein Leben danach zu denken.


Zitat:
deinen Hilfeschrei

Sorry, aber was fürn Ding? :D



geschrieben von: Christophe

Lieber Darket (Hab mich verlesen, tut mir leid)

"denk doch mal an die Menschen, die nicht zu essen haben, denen es wirklich schlecht geht" ist ein Spruch, den ich immer wieder von meinen Eltern hören muss. Es ändert "natürlich" nichts an seiner schlechten Laune. Ich wollte damit nur ausdrücken, dass es eben viele Menschen gibt (wie zum Beispiel die Eltern), die eben nicht verstehen, dass ein solcher Satz einem nicht hilft, im Gegenteil.

Das mit dem Hilfeschrei habe ich vielleicht zu drastisch ausgeführt, tschuldigung.



geschrieben von: Darket

Dieser Satz ist nicht nur nicht hilfreich, er ist blödsinnig, weil es nunmal immer LEute gibt, die gerne meine Probleme hätten, aber deswegen muss ich mich nicht vor irgendjemandem dafür rechtfertigen, dass es mir nicht gut geht, kleineres Leid ist nicht das gleiche wie garkein Leid.
Ich habe ne gute Freundin, die sich öfter Vorwürfe macht, weil sie Probleme mit ihren Eltern oder in ihrem Job hat, was dazu führt, dass es ihr schlecht geht. Sie meint auch, dass ihre Probleme lächerlich wirken im Gegensatz zu anderen, und ich habe lange gebraucht um ihr klarzumachen, dass sie sich nicht dafür schämen muss und seitdem fühlt sie sich trotz allem wohler.



geschrieben von: Darket

Ich glaube allerdings, dass man ohne selbst mal Leid erlebt zu haben, und sei es verhältnismäßig noch so unbedeutend, das (größere) Leid anderer garnicht begreifen zu können. Ich wehre mich gegen diesen Satz deshalb, weil man sich darüber leicht selbst vernachlässigt und er leicht impliziert, dass man kein Recht dazu hat sich schlecht zu fühlen. Als es mir eine Zeit lang dreckig ging, wusste ich genau, dass meine kleinen, hausgemachten Problemchen im Verhältnis eher unbedeutend waren, aber für mich waren sie präsent und ich habe darunter gelitten (und tue is manchmal immernoch), nenne es selbstsüchtig, aber in solchen Situationen bin ich mir selbst der nächste und bin dadurch nichtmal in der Lage anderen wirkungsvoll helfen zu können.





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