German Gothic Board
Nachtwelten | Gothic Board | Gothic Chat | Boardarchive |
Zitat:
Original geschrieben von Tolkien: Zunächst einmal sagt das Gewissen eines jeden Menschen: Tue das Gute und meide das Böse. Das kommt bei allen Menschen vor. Gut und Böse überhaupt zu leugnen, nur weil es manchmal schwer ist, sie genauer zu bestimmen, ist eine gedankenlose Leugnung des Gewissens und deshalb Unsinn.
Zitat:
"Gut" hat etwas mit der Wirklichkeit zu tun. Wenn ich einem Freund, der mit geholfen hat, statt zu danken einen Fußtritt versetze, dann ist das nicht deshalb böse und gemein, weil Herr xy das nun mal für böse hält, sondern weil es nicht vereinbar ist mit der Würde und den Rechten der menschlichen Person.
Zitat:
Sowas wie "Gut" uns "Böse" gibt es nicht, es gibt nur jede Menge mehr oder weniger deutliche Gegensätze zwischen denen man wählen kann, oder auch nicht,
Zitat:
Den kategorischen Imperativ halte ich als eine "gute" Ethik für falsch, weil er die Bedürfnisse vieler Menschen filtert und sich mehr für eine Gesetzesvorlage eignet, eine moralische Ethik, aber nicht für ein Grundsatz nach dem der einzelne Mensch handeln soll.
Zitat:
Original geschrieben von Dschinny
Da diese beiden Dinge bei allen Menschen subjektiv also verschieden sind, kann das Gewissen auf keinen Fall als Barometer für objektives Gut/Böse benutzt werden.
Zitat:
Original geschrieben von Fichu
Nun ja. Die Würde und die Rechte des Menschen hängen damit zusammen, was Menschen gut oder schlecht finden. Wenn du sagst, dass es "etwas mit der Wirklichkeit zu tun hat", klingt das so, als ob irgendwo festgeschrieben steht, was gut ist, unabhängig von den Menschen. Das scheint mir aber kein guter Ansatz zu sein. Ich will damit natürlich nicht sagen, dass "gut" für jede/n das ist, was ihm/ihr grade passt. So eine Auffassung konsequent und praktisch zu vertreten wäre (s. o.) krank/nicht normal/verrückt/außerhalb des Rahmens der praktischen Vernunft. Moralische Prinzipien sind weder völlig beliebig, noch stehen sie in irgendeinem metaphysischen Buch auf ewig fest. Sie sind Ausdruck der menschlichen Natur/Lebensform. Damit unterliegen sie in ähnlicher Weise einer Normiertheit wie die Sprache: Die "wahren Bedeutungen" der Wörter stehen nicht irgendwo fest, die Bedeutungen ergeben sich aus dem Gebrauch. Dieser Gebrauch ist nicht beliebig von jedem/-r Sprachbenutzer/in veränderbar (bzw. mit einer Person, die das täte, könnten wir uns nicht mehr verständigen; sie wäre für uns ebenso verrückt wie die oben erwähnten extremen moralischen Relativisten). Bestimmte Bereiche der Sprache sind veränderlicher als andere; ich würde moralische Prinzipien mit dem "harten Kern" (etwa so in Richtung mathematische/logische Sätze) vergleichen, der sich nur sehr langsam, kaum merklich und niemals komplett "in einem Rutsch" ändert.
Dass alle Kulturen in moralischen Grundsetzen weitgehend übereinstimmen, liegt nicht daran, dass es eine menschenunabhängige metaphysische Gutheit gibt, sondern daran, dass wir alle Menschen sind.
Entsprechend meine Antwort auf das, was du zu Sklaverei usw. und zur Aufgabe der Ethik sagst.
Zitat:
Original geschrieben von Seperaude
Man braucht eine Moral, ein unbedingtes Handlungsgesetz, dass für alle gilt um die Mittel für diese vermeintlich "guten" Induviduellen Zwecke einzuschrenken. Wenn so ein Imperativ existiert, dann ist der nihilismus nichtig. Der Imperativ wäre nicht Teil der objektiven Realität, denn er Befindet sich nur in unserem Kopf. Der kategorische Imperativ ließe sich aus der objaktiven Realität herleiten und wenn man keine logischen Fehler begeht, wenn z.B. Kant keine logischen Fehler beging, dann wäre dieser Imperativ eine universelle Wahrheit (was sich allerdings vermutlich nie 100%-tig beweißen ließe).
Zitat:
Original geschrieben von Tolkien
Aber schon deinen ersten Satz würde ich genau umkehren: Die Rechte eine Menschen hängen nicht davon ab, was Menschen für gut oder schlecht halten, sondern umgekehrt: Was wir für gut oder schlecht halten sollen, hängt von der Würde und den Rechten des Menschen ab.
Zitat:
Original geschrieben von Behemoth
Ganz kurz nur zu einem Punk, welcher passenderweise morgen in meiner Philo-Prüfung auch ein Thema ist: das Gewissen.
Es gibt da natürlich zig Ideen, schon seit der Antike und sehr häufig wird das Gewisen als etwas nicht zu leugnendes und seit jeher Ich-bestimmendes Dargestellt. Haben ja schon paar hier gesagt.
Für mich fühlt sich aber die Gegenseite sinniger an. Das Gewissen ist eine künstliche Bezeichnung, die empirische nicht nachgewisen werden kann. Das es dieses Gefühl aber trotzdem gibt, bestreitet trotzdem niemand. Ein "schlechtes" Gewissen ist nichts weiter (ohne es abzuwerten) als ein Gefühl von Drohenden Sanktionen. Zum einen natürlich Sanktionen gegen sich oder andere, von einem dazu bemächtigen Apparat. Das können der Staat, ein Lehrer oder die Eltern sein. Zum anderen aber auch Sanktionen, welche man gegen sich selbst verhängt. Der Extremfall wäre der Selbstmord.
Also geht dem Gefühl vom Gewissen ersteimal das Wissen um eine mögliche Sanktion voraus. Also kann da etwas doch nicht stimmen.
Zitat:
Wieso war denn damals die Mehrheit "für" die Sklavenhaltung und heue nicht mehr? Ist Dein Bodensatz also nicht fix, sondern variable? - was auch zu einer variablen Moral führen würde.
Zitat:
Original geschrieben von Fichu
Das hat sich dadurch geändert, dass eben irgendwann irgendwo Menschen an die Macht kamen, die moralisch weniger schlecht waren, und die haben dann durchgesetzt (falsch: dem jahrhundertelangen Durchsetzungsprozess einen Schub versetzt), dass sowas inzwischen zum guten Ton gehört.
Und meine "Philosophie" hier ist sowas von gut rasiert ;) ...
Zitat:
Original geschrieben von Fichu
... keine Bibelstunden ...
Zitat:
Das hat sich dadurch geändert, dass eben irgendwann irgendwo Menschen an die Macht kamen, die moralisch weniger schlecht waren, und die haben dann durchgesetzt (falsch: dem jahrhundertelangen Durchsetzungsprozess einen Schub versetzt), dass sowas inzwischen zum guten Ton gehört.
Zitat:
Solche Praktiken waren jedoch nicht immer in Gebrauch wie man in der Geschichte sieht... und werden auch heute noch nicht überall praktiziert.
Zitat:
Moralisch "schlecht" ist der Sklavenhandeln ja nur mit der von mir beschriebenen Praktik.
Zitat:
Wenn Sklavenhandel herrscht dann können wir annehmen, dass diese Praktik bei den Menschen oder zumindest bei den herrschenden Menschen fehlt... deutet das Fehlen einer Praktik nun auf eine schechtere Moral hin oder nicht?
Zitat:
Immerhin beschert und die von mir beschriebene Praktik einen Nachteil (allein auf Effizienz bezogen).
Zitat:
Wenn Sklavenhandel herrscht dann können wir annehmen, dass diese Praktik bei den Menschen oder zumindest bei den herrschenden Menschen fehlt... deutet das Fehlen einer Praktik nun auf eine schechtere Moral hin oder nicht?
Zitat:
Nein. Und es würde bedeuten, dass keine Moral existiert.
Zitat:
Na ja, das ist eine empirische Frage. Wenn du mit einberechnest, dass es vielen Menschen schlechter ginge, weil sie entweder versklavt werden oder Träger und Nutznießer eines moralisch schlechten Systems sind, könnte man die Effizienz bestreiten (das würde ich im Übrigen auch tun).
Zitat:
Wenn Sklavenhandel herrscht dann können wir annehmen, dass diese Praktik bei den Menschen oder zumindest bei den herrschenden Menschen fehlt...
Zitat:
deutet das Fehlen einer Praktik nun auf eine schechtere Moral hin oder nicht?
Zitat:
Welche Praktiken muss eine Moral denn nun einschliessen? Wie will man das festlegen?
Zitat:
Für dich bedeutet das moralisch schlechtes Handeln, für mich bedeutet es eine Änderung der moralischen Werte. Moralisch schlecht wird es erst, wenn die Gesellschaft Schaden nimmt.
Zitat:
Ich meine sowas wie z. B.: enttäuscht sein, wenn man betrogen wird; jemandem dankbar sein; jemanden für eine Verfehlung tadeln; Anerkennung zeigen, wenn jemand sich für etwas Gutes eingesetzt hat; mit sich hadern, wenn man jemandem Schaden zugefügt hat ...
Zitat:
aber Moral ist für uns nicht optierbar. Und deshalb kann ich nicht sagen, dass die Sklavenhalter mal eben eine andere Moral hatten, sondern ich muss, wenn ich ehrlich bin, sagen: sie haben moralisch schlecht gehandelt. [/B]
Zitat:
Auch du bist ein Mensch, und folglich bist auch du nicht in der Lage, die Moral grundlegend zu revidieren, wenn du eine neue Erkenntnis über Nützlichkeiten für die Gesellschaft erlangst.
Zitat:
Wenn ich aber versuche objektiv zu sein muss ich doch sagen, dass ein solches Resultat aus meiner Sicht der Moral entspringt...
Zitat:
wie sollte ich denn gegenüber einem Sklavenhalter argumentieren für den die "Mitleids-Praktik" eine leere Begrifflichkeit ist?
Zitat:
Andere Praktiken kennt er natürlich (Enttäuschung wenn betrogen etc...), er kennt also die Moral. Er ist einfach zu egozentrisch um die Bedeutung der Praktiken für andere Menschen zu erkennen.
Zitat:
wenn eine ganze Gesellschaft zu egozentrisch wird um Praktiken im Bezug auf andere Menschen nachvollziehen zu können, hat das dann noch etwas mit Moral zu tun insofern es die Werte auf diese Weise festlegt?
Zitat:
Sollte eigentlich schon stimmen, sonst wirst du mich schon darauf aufmerksam machen...
Zitat:
in der Sonne liegen und Windsurfen
Zitat:
Und genau das ist meiner Auffassung nach nicht richtig. Zunächst einmal argumentiere ich immer unter der Annahme von Ursache und Wirkung. Moralische Beurteilungen haben also immer ihre Ursache und wirken sich dann auf Denkweisen und eben auch auf Handlungen aus.
Zitat:
Moralisch handeln ist eben nicht mehr und weniger als das "richtige" zu tun.
Zitat:
Original geschrieben von Fichu
Ich sagte "hängt zusammen". Wenn es der Fall wäre, dass wir Menschen (z. B.) Schmerzen toll finden und Annerkennung verabscheuen würden, dann würden auch unsere Rechte anders aussehen. Ich verweigere mich einer Diskussion darüber, was logisch früher ist (Rechte vs. Für-gut-oder-schlecht-Halten). Meiner Meinung sind Rechte ein Ausdruck dieser Präferenzen.
(Und wenn ich "gesellschaftlich" oder "menschlich" sage, dann meine ich eher sowas wie Schmerzempfinden als sowas wie Wer-wem-die-Tür-aufhält.) [/B]
Zitat:
Original geschrieben von Behemoth
@Tolkien
Das sage nicht nur ich, so schlau bin ich leider doch nicht, so das es alleine meine Idee gewesen wäre, sondern auch noch gleichzeitig alle Philosophen mit einem mehr oder minder mechanischen Weltbild.
Zitat:
Sittliche Erkentniss / Einsicht oder moralischer Bodensatz sind immer so Schlagworte bei denen ich mich schwert tue. Denn sie appelieren an etwas nicht ursächlich nachweisbares und ich bin ein fester Anhänger der Kausalitätsidee. Liebe beispielsweise ist keine rationale kausale Erklärung für moralische Handlungen.
So weit geht nichteinmal der christliche Glaube.
Zitat:
Ich kann nur wieder das Gegenbeispiel bringen: es gibt zig Menschen, die in einer solchen Situation nicht helfen würden. Haben diese dann kein Gewissen, oder unterscheidet sich das Gewissen von Person zu Person? Wenn ja, wieso ist das so? Und ist es unabänderlich? Lieben diese Menschen dann wohl nicht? Haben sie nicht den Wert ihrer selbst und ihrer Würde erkannt? Da würde ich mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen wollen.
So kommt man eher ins straucheln als zu vernünftigen Ansätzen.
Zitat:
Original geschrieben von LaChatte
Ist denn Moral etwas, das unabhängig von Menschen existiert, oder ist Moral etwas menschengemachtes, das sich ändert, wenn sich die Umstände ändern?
die Begriffe davon, was Moral sei, haben sich im Laufe der Zeit ja immer wieder verändert...einst galt eine Frau als unmoralisch, wenn ein Rock so kurz war, dass er ihren Knöchel zeigte.
Zitat:
Sein Moralempfinden ist defekt, das ist seine Krankheit
Zitat:
Original geschrieben von Behemoth
btw: Wo ichs eben seh: (u txt) Chesterton ist ja relativ unbekannt :) Auch selten ein Zitat von ihm zu sehen.