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Hartz-IV-Reform

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geschrieben von: decay73

Zitat:
Das Alternativprogramm der CSU (wenn ich mich recht entsinne) zu Hartz-IV stand unter dem Slogan "Fördern und Fordern".

Sagt das nicht immer der Schröder?

Nur wenn immer nur gefordert wird, anstatt auch mal zu fördern, dann nimmt es irgendwann halt auch keiner mehr ernst...

Mir geht so langsam diese ganze Reformerei auf den Keks. Nicht weil ich grundsätzlich was gegen die Reformen habe, sondern weil sie nicht durchdacht sind. Diejenigen, die sie machen wissen anscheinend selbst nicht, was für Konsequenzen sie haben.

Auslöffeln müssen die Suppe eh meist die, die kaum noch eine haben.

Wenigstens werden die Psychoonkel demnächst zu tun bekommen und können sich schon mal in Bezug auf Vereinsamung, Depression und Nutzlosigkeit weiterbilden.



geschrieben von: decay73

Zitat:
Wer wirklich Sorgen hat und ums Überleben kämpfen muß, hat keine Zeit für Depressionen - stammt nicht von mir, sondern von einem unserer Psychologen. Und irgendwie wird der es ja wohl beurteilen können, nach 18 Jahren Berufserfahrung...


Na der hat Sorgen...:rolleyes:

Also wenn der Seelenklempner, den ich demnächst aufsuchen werde, mir soetwas sagen würde, würde ich ihn wahlweise einen Kopf kürzer machen, Vierteilen, durch den Fleischwolf drehen bzw. wenn ich etwas freundlicher drauf bin ihm die Niederlegung seines Berufes nahelegen, oder mich einfach nur über seine Blödsinnigkeiten schlapp lachen.
Auch ein Psychologe mit 18 Jahren Berufserfahrung kann ein Depp sein. Wahrscheinlich ist es dann doch besser, mich mit meiner Wand zu unterhalten bevor ich mir sowas anhören muß.

Aber wenigstens hab ich dann gelacht...

Vielleicht sollten wir aber auch einfach mal dafür Sorge tragen, daß alle irgendwie um ihr Überleben kämpfen. Dann gibts wenigstens keine Depressionen mehr...



geschrieben von: White_Fang

Wir Deutsche sind eben ein Volk von Defätisten und Pessimisten.
Es liegt nicht an der Reformern, dass die Reformen in Deutschland nicht greifen. Es ist einfach so, dass bei jeder Reform ein so großes Spektrum an Interessengruppen zu beachten ist, dass nichts Effektives entwickelt werden kann.
Häufig, auch bei Hartz - IV, wird nachgebessert wider besseren Wissens, um die Menschen damit zufrieden zu stellen.


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Da wird diskutiert von Leuten, die teilweise selbst nicht mal betroffen sind (Gewerkschafter = Spitzenverdiener die KEINEN CENT in die "Pflichtversicherung" einzahl(t)en, Politiker = dito, Selbständige = dito).
---

Na ja, ich würde sagen, dass das nicht zwangsläufig etwas negatives sein muss. Gerade von solchen Menschen die nicht direkt betroffen sind kann man eine gewisse Objektivität erwarten.
Jedoch wenn sich diese Menschen in die Diskussionen nur deshalb einmischen um sich selbst zu profilieren, werden sie schnell Populistisch.

Unsere Momentanen ökonomischen Probleme, sind meines Erachtens nur Symptome unseres politischen Desinteresses.
Laut statistischen Angaben, die ich im Kopf habe (Habe es im Radio gehört), vermeiden circa 40% aller Bundesbürger bewusst politische Informationen.
Das heißt, wenn Nachrichten laufen, wird umgeschaltet oder weitergeblätter bei den Zeitungen. (Das heißt nicht dass sich die anderen 60% selbständig informieren)
Bei Demonstationen wird groß mit Worten gewetter "Wird sind das Volk". Aber Fakt scheint doch zu sein, dass sich "das Volk" kaum wirklich für die Politik seines Staates interessiert, sondern sich nur das Individium für seine monetäre Situation.
Das war nicht immer so. Blickt man in die Geschichte der BRD, war das Land lange Zeit stark politisiert. Leider haben wir diese Fähigkeit verloren.
Demokratie funktioniert aber nur dann effektiv, wenn es eine Kompromiss- und Opferbereitschaft gibt, innerhalb des Volkes gibt. Davon sind wir aber noch weit entfernt.

Und wie Odessa schon richtig bemerkte, müssen Arbeitslose Menschen, weder unproduktiv noch unausgelastet sein, wenn ihnen der Sinn danach steht.

@Decay

Zitat:
Original geschrieben von decay73
Auch ein Psychologe mit 18 Jahren Berufserfahrung kann ein Depp sein. Wahrscheinlich ist es dann doch besser, mich mit meiner Wand zu unterhalten bevor ich mir sowas anhören muß.
[...]
Vielleicht sollten wir aber auch einfach mal dafür Sorge tragen, daß alle irgendwie um ihr Überleben kämpfen. Dann gibts wenigstens keine Depressionen mehr...


Ganz unrichtig ist der Auspruch nicht. Depressionen sind mittlerweile die dritthäuffigste Krankheitserscheinung - Tendenz ist stark steigend.
Depressionen treten vornehmlich in Gebieten mit hohen Lebensstandarts auf, und gehört damit, ähnlich wie Fettleibigkeit oder Allergien, zu den Zivilisations- bzw. Wohlstandskrankheiten.
Bei Menschen in unzivilisierten Gebieten, niedrigen bis existenzbedrohenden Lebensstandarts gibt es deutlich weniger Depressionen.



geschrieben von: neptunia

... HAHAHA ... ich würde mich jetzt wirklich gerne dazu äußern, wenn ich nicht gerade krampfhaft meine nächste miete reinschuften müßte ... nur soviel ohne irgendwas gelesen zu haben ... mir schmeckt meine marmelade auf dem brot besser, wenn ich sie mir verdient habe ... also ich mir und nicht ihr mir ... aber sobald ich ein bißchen luft habe, lasse ich mich aus ... schnallt euch schon mal an ...



geschrieben von: Apex

Nun was viele hier vergessen ist dass, die ehemalige Arbeitslosenhilfe, welche sich am vorherigen Gehalt orientierte nicht unbedingt dazu gedacht war jemanden nur am Leben zu erhalten, sondern wirklich um den Wohlstand desjenigen zu sichern. Das bisherige Modell sicherte wirklich den Mittelstand welcher zwischen Ober- und Unterschicht steht und damit unser System. Die Hartz IV-Reform sorgt nun dafür, dass Menschen schneller in die finanzielle Unterschicht abrutschen, und das sehr zu Lasten der Mittelschicht. Wenn jetzt Soziologen Armenaufstände von unzufriedenen Bürgern vorhersagen halte ich das für eine ernstzunehmende Warnung.

Auch scheint sich die Anzahl derer zu mehren die sagen, dass sie jetzt lieber Schwarz arbeiten gehen würden als sich arbeitslos zu melden. Ich hate da letztens eine interessante Schätzung in einer Wirtschaftssendung (ich glaube auf MDR) gesehen in der man mit Millionenschäden für den Steuerzahler rechnet, von der ansteigenden Kriminalität ganz zu schweigen...auch net schlecht.

Und was daran so gut sein soll, einer Bevölkerung in Zeiten der lahmenden Inlandsnachfrage Kaufkraft zu nehmen muß man mir nochmal erklären.

Zitat:
Wer wirklich Sorgen hat und ums Überleben kämpfen muß, hat keine Zeit für Depressionen


Lieber ein Staat voller depressiver Menschen, als ein Staat in dem ich ums Überleben kämpfen muß.



geschrieben von: Apex

Zitat:
Aber ich finde es schon ziemlich anmassend, wenn die Montagsdemonstrierer & Co. sich mit solchen wirklich armen Menschen "gleichstellen", indem sie tönen von wegen "wir haben bald nix mehr", wir leiden blablabla.


Zustimmung, deswegen gehe ich auch net hin. Trotzdem empfinde ich die Reform bei der derzeitigen Lage als nicht richtig, bzw. nicht durchdacht.



geschrieben von: decay73

Zitat:
Original geschrieben von Odessa

Vielleicht solltest Du dann aber vorher nochmal genau lesen WAS ich schrieb. Und was der Psychologe - den ich als sehr fürsorglichen und kompetenten Chef schätze - damit ausdrückte:

"Wer wirklich ums ÜBERLEBEN KÄMPFT, hat keine Zeit für Depressionen".


Jup, genau das habe ich verstanden und daraufhin seine Kompetenz angezweifelt bzw. die Behauptung aufgestellt, daß er ein Depp ist. Und genau dazu stehe ich auch weiterhin, denn:
Zitat:
Medizinische Tatsache ist, dass ein Mensch, der unter Druck steht und dem das "Wasser bis zum Hals steht", tatsächlich enorme Kräfte freisetzt. Wenn also jemand wirklich kämpfen muss, weil er sonst binnen einer Woche seine Wohnung verlieren würde oder verhungern würde - dann hat dieser Mensch unter Garantie KEINE Zeit für Krankheitssymptome (neu auftretende Symptome, müsste ich genauer formulieren), sondern er wird alles leisten bis zur Grenze seiner Kraft - er wird kämpfen.

Eben. Am besten alle soweit unter Druck setzen, daß die keine Chance mehr haben, Symptome zu entwickeln.
Und danach kippt er dann halt um. Na Prost.
Wäre es nicht besser, die Symptome im Vorfeld zu bekämpfen? Bevor es zum Äußersten kommt?
(Daß viele von Depression reden, wo eigentlich keine ist, ist mir dabei durchaus bewußt).
Oder gar nicht erst Möglichkeiten herausfordern, in denen es du Despressionen kommt, obwohl jemand noch gar nicht bis zum Äußersten gegangen ist?
Oder bezweifelt besagter Arzt etwa, daß es auch durch ein permanentes Gefühl der Nutzlosigkeit, 'nicht mehr gebraucht werdens' und Ausgegrenztheit, die Angst vor Verarmung und Entwürdigung zu Depression und zu damit verbundener Antriebslosigkeit kommen kann?
Aber der ist ja selbst schuld. Er könnte ja anders...wirklich?

Zitat:
Und White fang hat es - lese ich gerade "re" - auch treffend ausgedrückt: Depressionen sind in den Ländern, wo die Menschen täglich um ihre Handvoll Reis kämpfen müssen (die also WIRKLICH leiden und Probleme haben) so gut wie nicht bekannt.

Im Sinne von Apex: Tolle Alternative, ehrlich! :rolleyes:



geschrieben von: rainraven

@ Move over Kate:

es gibt z.B. Ausbildungen, die ich mit 30 einfach nicht mehr machen kann, weil sie da nur Jüngere nehmen und mich nicht mehr einstellen würden. ("...gesucht werden junge Leute bis 26")Da kan ich nicht von "wollen" reden. Aus mir Diplombiologin kann man nicht einfach einen Gärtner oder Beamten mehr machen, fürchte ich.

@ Aaraen: Wenn Dir dein Kind oder Partner das Wichtgste ist und es Dir weiterhin egal ist, ob Du Freunde verlierst oder neue gewinnst, dann siehst DU das so.
Aber den Spruch "Freunde findet man überall" finde ich persönlich schon scheiße, weil meine lieben Menschen hier nicht durch andere ersetzbar und mein Lebenssinn sind. Ich will sie nicht durch andere eintauschen. Gefühle kann man sich nicht aussuchen, die kamen halt einfach mal.
Und ich nehme schon in Kauf, eine nicht sonderlich erfüllende oder tolle Tätigkeit zum Geldverdienst auszuüben, aber sie darf mich nicht kaputtmachen. Ich weiß nicht, ob ich es durchstehe, noch dreißig Jahre jeden Abend weinend und total depressiv heimzukommen, mich wie Dreck und total dumm zu fühlen, mich beschimpfen und fertigmachen lassen zu müssen, schlechte Arbeit abzuliefern, weil ich mich vor lauter Vorwürfen und Druck gar nicht mehr konzentrieren kann und auch noch meinen Partner zu verärgern, weil ich ständig schlecht drauf bin und nur das Thema "Job" anspreche. Ich schlafe schlecht, habe Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Magenschmerzen und keinen Appetit mehr, fühle mich erschöpft und bin nervös und breche ständig in Tränen aus. So kann ich doch nicht arbeiten, geschweige denn leben/existieren.
Das kann es doch echt nicht sein.
Das ist nicht einfach "Jammern und Nichtstun". Manche Leute sind halt einfach zu schwach oder zu labil, mit allem zurechtzukommen.



geschrieben von: 2378

Zitat:

Ich weiß nicht, ob ich es durchstehe, noch dreißig Jahre jeden Abend weinend und total depressiv heimzukommen, mich wie Dreck und total dumm zu fühlen, mich beschimpfen und fertigmachen lassen zu müssen, schlechte Arbeit abzuliefern, weil ich mich vor lauter Vorwürfen und Druck gar nicht mehr konzentrieren kann und auch noch meinen Partner zu verärgern, weil ich ständig schlecht drauf bin und nur das Thema "Job" anspreche. Ich schlafe schlecht, habe Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Magenschmerzen und keinen Appetit mehr, fühle mich erschöpft und bin nervös und breche ständig in Tränen aus. So kann ich doch nicht arbeiten, geschweige denn leben/existieren.
Das kann es doch echt nicht sein.
Das ist nicht einfach "Jammern und Nichtstun". Manche Leute sind halt einfach zu schwach oder zu labil, mit allem zurechtzukommen.


Und mir ist jetzt klar, warum meiner Mutter es peinlich ist, dass sie manisch-depressiv mit schizophrenen phasen ist - wenn sie sich dann mit solchen Aussagen konfrontieren bzw vergleichen lassen darf.
Als Gegenbeispiel:
Die Frau konnte ihren Job nicht mehr ausüben (hatte ein Kind, dass 14 Jahre lang dauernde Theraphien brauchte damit es nicht behindert ist), hat sich ehrenamtlich engagiert usw.
Dazu ist schon fast nachgewiesen, dass diese Krankheit bei uns in der Familie liegt und leider vererbt wird - und sie hat mehr als Jahre dagegen angekämpft und versucht alles zu machen, damit es eben nicht so aussieht und schämt sich heute noch, dass sie leider nicht mehr arbeiten gehen kann...

Zitat:

Aber den Spruch "Freunde findet man überall" finde ich persönlich schon scheiße, weil meine lieben Menschen hier nicht durch andere ersetzbar und mein Lebenssinn sind. Ich will sie nicht durch andere eintauschen. Gefühle kann man sich nicht aussuchen, die kamen halt einfach mal.


Freunde findet man überall, man soll aber nicht sie ersetzen...
Wieso kann man nicht alte Freundschaften auf Distanz pflegen - wenn es gute Freunde sind, geht das schon gut - schließlich gibt es heute Internet, Telefon usw.
Wenn man aber nur vor Ort sucht, dann hat man geringere Chancen was zu finden und dann ist es schon fast egal wie alt man ist.


Zitat:

Zitat:
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Und White fang hat es - lese ich gerade "re" - auch treffend ausgedrückt: Depressionen sind in den Ländern, wo die Menschen täglich um ihre Handvoll Reis kämpfen müssen (die also WIRKLICH leiden und Probleme haben) so gut wie nicht bekannt.
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Im Sinne von Apex: Tolle Alternative, ehrlich!


Nein, keine Alternative, soweit kommt es in Deutschland nicht, bloß jammern auf hohem Niveau.
Entschuldigung, wieso jammern hier fast sie hätten kein Essen mehr und es wurde nachgewiesen, dass sie immer noch genug haben werden - was kein Essen ist sollte man mal in Afrika nachfragen...

Nein, es soll nicht soweit kommen, aber nutzvolle Tätigkeiten kann auch jeder arbeitslose finden, dann soll er sich sozial erstmal engagieren - kommt schonmal besser als nur den Leuten auf der Tasche zu liegen und bei Leuten die deine Unterlagen durchschauen auch viel besser an als 3 Jahre nichtstun...

In dem Sinne
2378



geschrieben von: Move over Kate

@rainraven

Hm, das mit der Altersgrenze... Ein Freund von mir hat mit 30 vom ewigen Architekturstudenten auf Altenpfleger umgeschult. Ohne Probleme. Die Altershöchstgrenzen für die Einstellungen ins Beamtenverhältnis auf Widerruf (zwecks Ausbildung) sind fast überall gekippt worden...

Dein Problem wird eher die Überqualifikation sein. Aber andererseits: Ich führe gerade das Einstellungsverfahren für Nachwuchskräfte in einer Verwaltung durch - zwei für den mittleren, zwei für den gehobenen Dienst (Na, Odessa, klingelt's? Der Herr Kübler war mal sowas wie mein Arbeitgeber... *g*") . Und ich hab unter anderem zwei Dipl-Ing. (Architektur), einen Dipl.-Geographen und eine Lehrerin unter den Bewerbern... Tja, in miesen Zeiten drängt's in die Verwaltung...

Also von daher bringt das Lamentieren nix. Und ehrlich: Warum denkst Du als Diplom-Biologin nicht mal darüber nach, dich selbständig zu machen? Die Kompetenzen eines Gärtners solltest Du ruck-zuck drauf haben - und dann wär's an der Zeit für die eigene Firma. Warum soll eine Biologin keine Landschaftgärtnerei oder so führen können? Dazu bedarf es in deinem Fall des Mutes und nicht des Könnens. Das wirst Du haben oder dir sehr schnell aneignen können.

In diesem Sinne: Glück auf!



geschrieben von: decay73

Zitat:
Original geschrieben von 2378
Nein, keine Alternative, soweit kommt es in Deutschland nicht, bloß jammern auf hohem Niveau.
Entschuldigung, wieso jammern hier fast sie hätten kein Essen mehr und es wurde nachgewiesen, dass sie immer noch genug haben werden - was kein Essen ist sollte man mal in Afrika nachfragen...


Natürlich jammern wir auf einem hohen Niveau, und vor allem die auf einem verdammt hohen Niveau, die den Arsch voll Geld haben.

Der Rentner im Altenheim jammert nur darüber, daß er sich jetzt erst mal überlegen muß, wie er von seinem um 1/3 gekürzten Taschengeld seine tägliche Zeitung behalten kann (und nein, er bekommt eben nicht alles von der Heimleitung und geht schon jetzt mit seinen Batterien für das Hörgerät sparsam um).
Zitat des Rentners T.: "Ich möchte gerne, dass mir das wie bisher noch ein bisschen erhalten bleibt, dass ich mich, wenn schon nicht als Schnellläufer, aber doch als Leser betätigen kann. Ich möchte gern lesen."
Sind das die unberechtigten Klagen eines Jammerlappens?

Essen bekommt er natürlich noch - keine Frage. Aber ist das nach einem langen (Arbeits-)Leben schon alles, was er noch erwarten darf?

Auch ich kann mich nicht beschweren. Ich jammer nicht einmal darüber, daß von dem Bruttogehalt ca. 50% weg sind. Das bezahle ich nämlich gerne -so lange nicht allzu verschwenderisch damit umgegangen wird- und was mich interessiert, ist das Nettogehalt. Und das ist absolut ausreichend und auch die 10 EURO Praxisgebühr zahle ich anstandslos (nicht mal mit einem dummen Kommentar), denn ich kann es mir leisten.
Nur es ist besser, wenn ich nicht darüber nachdenke, was in 10 Jahren mit mir ist. Daß ich dann noch arbeiten gehen kann, ist unwahrscheinlich. Und dann? Ich gehe davon aus, daß mir bis dahin auch das für die Riesterrente angesparte Geld genommen wird und ich ebenfalls auf Sozialhilfeniveau leben werde. Die EU-Rente scheint mir da auch langfristig nicht sicher zu sein. Jetzt Geld auf die Seite legen, damit es mir später wieder genommen werden kann? Es fällt mir schwer, darin einen Sinn zu sehen.

Was mir aber wirklich höllisch auf die Nerven geht ist, wenn alles auf dem Rücken der eh schon Armen ausgetragen wird. Andere Berufgruppen haben teilweiswe zweistellige Wachtumsraten. Wie soll das der arme Rentner im Altenheim denn kapieren?

Mir scheint mit Harz-IV ist es ähnlich wie mit der Gesundheitsreform: Wenig durchdacht, die Konsequenzen nicht ausreichend beachtet und am Ende ist klar, wem es wieder genommen wird.



geschrieben von: 2378

Als Gegenbeispiel zu dem Renter der andere der so dumm war und vorgesorgt hat...
Der Staat hat ihm vorgerechnet wie lange er mit dem Geld klarkommen muss, dass er davon alleine sein Altenheim zahlen muss und danach hat er weniger übrig also die Leute die vom Staat ihr Taschengeld bekomme.
Er hat zu den höhren Berufsgruppe gehört - sein Leben lang alles eingezahlt und das ist der Lohn im Alter - wer von beiden darf jetzt lauter jammern?

Es wird eben nicht alles auf dem Rücken der Armen ausgetragen (klingt aber besser, gelle) - sondern auf den Rücken aller.
Der Akademiker der brav alle seine Abgaben - über 50% an den Staat abträgt - der hat mehr eingezahlt wir aber nicht mehr rausbekommen und darf darüber nicht jammern - aber der Sozialhilfeempfänger darf darüber jammern, schließlich gibt der böse Staat ihm nicht mehr das ganze Geld was ihm angeblich zusteht (die Gesellschafts zahlt es ja gerne).

Ich durfte von 790 Euro an den Staat pro Monat 170 Euro abgeben und von dem Rest musste ich eben leben können - Anspruch habe ich auf gar nichts - jemand der komplettes Bafäg bekommt, hat mehr Geld am Schluß als ich - wo ist das bitte fair und wieso darf der Bafögempfänger mehr jammern?

Altersgrenze - dann muss man mal sich umschauen und 30 ist noch kein Alter... - selbst in der Informatikbranche hat man da noch teilweise Chancen.... - also wird man als Diplombiologin auch eine Chance haben - notfalls eben selbstständig machen - umsatteln fortbilden, in Deutschland verbietet es dir keiner...



geschrieben von: decay73

Zitat:
Original geschrieben von 2378
wer von beiden darf jetzt lauter jammern?

Darum gings mir in dem Beispiel gar nicht. Und dem Rentner ging es auch nicht darum zu jammern.
Es geht darum, ob ein Rentner (egal welcher!) auch im Altenheim noch ein klein wenig Anspruch auf ein Minimum an kulturellem Leben (und sei es nur die tägliche Zeitungslektüre oder einen Kaffe mit seinen Heimgenossen) hat, oder nicht. Daß die Rente weg ist, wenn ein Altenheim zu bezahlen ist, leuchtet mir ja ein, denn die Dinger sind verdammt teuer. Wie ein ehemaliger Bauarbeiter sah er mir jedenfalls auch nicht aus.
Momentan wird das aber anscheinend schwierig und es bleibt das Anstarren seiner 4 Wände. Das kann es doch nicht sein, oder (das Taschengeld bekommt übrigens jeder Insasse eine Altenheims, dem von seiner Rente nichts bleibt und es beläuft sich jetzt nach der Kürzung auf knapp 90EURO, wovon er aber eine ganze Menge zu bezahlen hat, wie z.B. die teuren Batterien für sein Hörgerät, Telefon, Porto, Reparatur von Klamotten und Schuhen, den Kaffe beim Ausflug, Praxisgebühr, Medikamentenzuzahlung, etc. Da bleibt nicht viel mehr als nichts.)?
Jedenfalls um das Schlimmste zu verhindern und den Rentnern dort noch etwas Leben zu gönnen wäre ich gerne bereit noch etwas mehr an Steuern und Abgaben zu bezahlen (alternativ könnte der Staat ja auch etwas mehr auf sein Geld aufpassen).

Zitat:
Ich durfte von 790 Euro an den Staat pro Monat 170 Euro abgeben und von dem Rest musste ich eben leben können - Anspruch habe ich auf gar nichts - jemand der komplettes Bafäg bekommt, hat mehr Geld am Schluß als ich - wo ist das bitte fair und wieso darf der Bafögempfänger mehr jammern?

Darf er das? Keine Ahnung. Möchtest du nun einen Vergleich? Hmm, laß mal überlgen (auch wenn es mir widerstrebt, jetzt schon wieder solche Vergleiche anzustellen, wer was hatte, und was nicht)...ich habe seinerzeit teilweise DM0, teilweise DM50 Komma Zwieback BaföG bekommen, als mein Bruder auch gleichzeitig studiert hat, etwas mehr, als er fertig war, etwas habe ich an der Hochschule gearbeitet und den Rest haben meine Eltern bezahlt.
Insgesamt hatte ich jedenfalls sicher nie nicht mehr als DM800, aber das hat gereicht, wenn man für DM150 in einem Kellerzimmer wohnt. Und gejammert habe ich eigentlich nur, wenn das BaföG-
Amt wieder zu lahm war und mich in Schwierigkeiten gebracht hat. Irgendwann wollte ich ja auch fertig werden, was dem Geldbeutel meiner Eltern und dem des Staates sicher angenehm war.
Aber das ist ein anderes Thema.



geschrieben von: TheTurningPoint

Zitat:
Original geschrieben von Odessa
Medizinische Tatsache ist, dass ein Mensch, der unter Druck steht und dem das "Wasser bis zum Hals steht", tatsächlich enorme Kräfte freisetzt. Wenn also jemand wirklich kämpfen muss, weil er sonst binnen einer Woche seine Wohnung verlieren würde oder verhungern würde - dann hat dieser Mensch unter Garantie KEINE Zeit für Krankheitssymptome (neu auftretende Symptome, müsste ich genauer formulieren), sondern er wird alles leisten bis zur Grenze seiner Kraft - er wird kämpfen.
Ja, er wird kämpfen - notfalls mit der Waffe in der Hand. Darum werden ja auch von einigen Soziologen Aufruhr, Plünderungen und Bürgerkrieg vorausgesagt ... Wenn Ihr das alle so erstrebenswert findet - Ich tu's nicht !

Zitat:
... Menschen, die vielleicht immer noch arbeitslos sind, aber die nicht (mehr) unmittelbar vorm Abgrund stehen, deren Auskommen und Überleben gesichert ist (finanziell), die aber trotzdem noch "ins Ungewisse" blicken bzw. noch keinen/festen/sicheren Job (mehr) haben. DANN gibt es Depressionen, DANN gibt es Zusammenbrüche, DANN gibt es psychosomatische Probleme, durchaus.
Oft spielt eben die Zukunfts-Perspektive eine viel größere Rolle als die gegenwärtigen Lebensumstände. Wenn man eine optimistische Zukunfts-Perspektive hat, dann verkraftet man auch ein paar Entbehrungen und ist eher bereit, kräftig zuzupacken ohne gleich danach zu fragen, wieviel Kohle man denn dafür bekommt. Wenn man aber immer wieder zusehen muss, wie ein so reiches Land wie das Unsere von machtgierigen Konzernen und deren Politclowns zugrunde gerichtet wird, mag man dabei nicht auch noch mithelfen.

Es fehlt der Lichtblick, der Optimismus, das gemeinsame Ziel.
"Nur jemand, der gutgelaunt ist, kann gute Politik machen. Achtundsechziger sind immer übelgelaunt. Sie sehen überall nur das Schlechte und in der Love Parade blöden Konsum. Wie können sich Sauertöpfe wie die SPD-Führer Politiker schimpfen? Gerhard Schröder sollte in Berlin mitmachen."
(Rainer Langhans)

Zitat:
Und White fang hat es - lese ich gerade "re" - auch treffend ausgedrückt: Depressionen sind in den Ländern, wo die Menschen täglich um ihre Handvoll Reis kämpfen müssen (die also WIRKLICH leiden und Probleme haben) so gut wie nicht bekannt.
Ist ja auch irgendwie verständlich. Dort gibt es Tausende andere Ursachen, an denen die Leute vorher kaputtgehen ... :(



geschrieben von: 2378

Zitat:
Natürlich jammern wir auf einem hohen Niveau, und vor allem die auf einem verdammt hohen Niveau, die den Arsch voll Geld haben.


Das Gegenbeispiel vom reichen Renter war nur mal angebracht, weil du das davor gesagt hattest...

BEIDE müssen ihre Rente bekommen und haben einen vollen Anspruch darauf, schließlich haben sie dafür einbezahlt. Genauso ist es auch, dass alle die Arbeitslos werden einen Anspruch darauf haben, erstmal Arbeitslosengeld zu bekommen.
Schließlich zahlt man in eine VERSICHERUNG ein und da hat man auch Anspruch darauf was rauszubekommen... - leider werden die Gelder einfach nur komplett falsch verwaltet...

Der Anspruch ist aber nicht mehr da, wenn man Gelder haben will (Sozialhilfe usw) für die man nicht eingezahlt hat, sondern dass ist Geld, dass die Gemeinschaft bereitstellen muss. Wer das Geld bekommt, muss damit leben, dass damit eben Verpflichtungen usw verbunden sind.

800 DM kann man aber nicht mal mit 400 Euro mehr vergleichen - dass die Preise andere sind ist hier allen klar... (sonst kann ich ja als Gegenbeispiel mein Vater nennen, der noch für 100 Euro ein Zimmer inkl. Nebenkosten bekam - ich habe inkl. aller Nebenkosten für mein Zimmer 200 Euro bezahlt und darüber schon fast gejubelt - dass es so günstig ist).
Bafög z.B. ist etwas was von der Gemeinschaft mitgetragen wird und darüber sollte man einfach froh sein, wenn man es bekommt (das die Idee Bafög komplett unfair ist stellen wir mal zurück) - gibt aber genug die jammern darüber dass es zu wenig sei und davon könne man ja gar nicht leben usw... - also von 620 Euro kann man leben... das weiß ich.

Zitat:

Ja, er wird kämpfen - notfalls mit der Waffe in der Hand. Darum werden ja auch von einigen Soziologen Aufruhr, Plünderungen und Bürgerkrieg vorausgesagt ... Wenn Ihr das alle so erstrebenswert findet - Ich tu's nicht !


In Deutschland bestimmt nicht - dafür sind in allen Statistiken die Zahlen noch zu gut - ja es bekommen sogar manche Gruppen jetzt mehr Geld... - die Dummen dadrin sind wieder die, die vorgesorgt haben, aber auch die werden nicht plündern müssen usw... - das wird immer noch keiner müssen....

Zitat:

Es fehlt der Lichtblick, der Optimismus, das gemeinsame Ziel.


Irgendwie ein typisch deutsches Problem - bloß frage ich mich immer wieder, wie haben es nach dem 2. WK die Trümmerfrauen bloß geschafft und auch noch den Optimismus zu bekommen, den heute nicht mal mehr ein Arbeitsloser bekommen kann...
Übrings - wieso will man Harzt IV nicht als das ansehen (unausgegoren ist es auf jedenfall noch) und daran einfach arbeiten...



geschrieben von: decay73

Zitat:
Zitat:
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Natürlich jammern wir auf einem hohen Niveau, und vor allem die auf einem verdammt hohen Niveau, die den Arsch voll Geld haben.

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Das Gegenbeispiel vom reichen Renter war nur mal angebracht, weil du das davor gesagt hattest...



Damit meinte ich aber keine Rentner, sondern die, die in einem gutbezahlten Job arbeiten gehen und nicht das geringste Interesse der Gesellschaft gegenüber zeigen.

Zu dem Vergleich: ich hätte ihn sein lassen sollen. Denn genau solch eine blöde, unkonstruktive Antwort, wer es nun wann besser oder schlimmer hatte, habe ich erwartet.
Aber eigentlich will ich nicht mich gar nicht mit anderen vergleichen. Das bleibt nämlich meist albern. Und genau die jammern auch immer nur rum.
Zur Not jammern sie darüber, daß andere jammern; und sei es an Stellen, wo sie das gar nicht tun.

Du sagst es gibt keinen Anspruch auf Sozialhilfe? Dann muß ich das für diesen Staat grundlegende Solidar-Prinzip wohl völlig mißveratanden haben.

Wie auch immer, an dieser Stelle bedanke ich mich schon mal dafür, daß du jetzt schon für mich zahlst (obwohl ich noch arbeiten gehe) und dies vor allem auch in ein paar Jahren wirst machen müssen. :)



geschrieben von: aaraen

@rainraven

Aber den Spruch "Freunde findet man überall" finde ich persönlich schon scheiße, weil meine lieben Menschen hier nicht durch andere ersetzbar und mein Lebenssinn sind. Ich will sie nicht durch andere eintauschen.

Das habe ich auch nicht behauptet. Meine beste Freundin lebt schon seit 6 Jahen 400km weg. Sie ist noch immer meine beste Freundin. Das ist allerdings kein Hindernis neue Freunde anderswo zu finden.

Ich weiß nicht, ob ich es durchstehe, noch dreißig Jahre jeden Abend weinend und total depressiv heimzukommen, mich wie Dreck und total dumm zu fühlen, mich beschimpfen und fertigmachen lassen zu müssen, schlechte Arbeit abzuliefern, weil ich mich vor lauter Vorwürfen und Druck gar nicht mehr konzentrieren kann und auch noch meinen Partner zu verärgern, weil ich ständig schlecht drauf bin und nur das Thema "Job" anspreche. Ich schlafe schlecht, habe Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Magenschmerzen und keinen Appetit mehr, fühle mich erschöpft und bin nervös und breche ständig in Tränen aus. So kann ich doch nicht arbeiten, geschweige denn leben/existieren.

Vermutlich nicht. Musst Du auch nicht. Dir ist schon klar, dass es Arbeitrecht und sowas gibt? Aus dem Text erkenne ich keine Deteils und bin auch kein Fachmann. Aber ich würde dir raten Betriebsrat, Anwalt oder ähnliches zu konsultieren. Es gibt Gesetze und keiner muss auf sich rumtrampeln lassen. Das habe ich übrigens auch schon erlebt.
Zurück zum Thema: Du musst nicht Arbeiten! Du wirst in Deutschland niemals verhungern. Du wirst immer medizinisch versorgt werden. Du wirst Deine Kinder zur Schule schicken können und kannst sogar wenn Du willst kostenlos Kleidung und Essen bekommen. Du kannst weiterhing Bildung und Kultur geniessen (Bibliotheken sind kostenfrei) Ist das nicht gut? Und ganz ehlich: Ich habe kein Problem damit, meine Abgaben zu zahlen, damit das so bleibt. Aber genau da würde ich auch die Grenze ziehen. Wer, aus welchen Grund auch immer, selber gar nichts zu seinem Einkommen beitragen kann, kann eben mehr als das auch nicht erwarten. Damit sind wir schon sozialer als viele andere Staaten und das ist gut und richtig so.

Manche Leute sind halt einfach zu schwach oder zu labil, mit allem zurechtzukommen.
Hmmm...und deshalb haben sie Anspruch dass andere ihnen nicht nur das Überleben sondern auch den Wohlstand finanzieren?
Nein, ich glaube nicht.



geschrieben von: aaraen

Was dem Land fehlt sind eine ordentliche Versorgung der Senioren, eine umfassende Krankenversorgung, ausreichend Kindergärten und Krippenplätze und Arbeitsplätze und bestimmt noch etliches, was mit grad nicht einfällt. Aber all das hat mit Hartz IV nichts zu tun. Es gibt viele Baustellen und alle müssen angepackt werden. Und eines ist klar, wenn irgendwo Geld reingesteckt werden soll, muss es anderswo gespart werden.



geschrieben von: 2378

Menno man versteht mich gerne falsch oder ich drücke mich nicht deutlich genug aus.

Es ist ein Privileg was dieser Staat bietet - und zwar dass du Sozialhilfe bekommst. Du musst dafür nichts einzahlen, dank des Solidaritätsprinzipes machen es deine Mitbürger - alle anderen Versicherungen laufen auch nach dem Prinzip, aber da muss jeder noch was einzahlen um was rauszubekommen. Dieser Fall ist aber bei der Sozialhilfe nicht gegeben und das muss man als Privileg ansehen, dass einem in Deutschland zugestanden wird.

Ein Anspruch würde ich trotzdem nicht daraus machen - weil es eben etwas tolles ist, was dieser Staat bietet - aber wieso regen die Leute die auf Kosten der Gesellschaft eben dieses bekommen, sich darüber auf, dass sie davor erst zeigen müssen, dass sie Hilfe brauchen???

Zu dem Vergleich - sorry aber DM und Euro-Zeiten sind unterschiedlich und deswegen hinken sie immer sehr...

Eben mit Waffen auf die Straße gehen aber nicht arbeiten können - da würde dann noch weniger was stimmen.

Wie gesagt wer sein Leben lang gearbeitet hat bzw. immer schön in die Rente eingezahlt hat, der muss auf jedenfall weiter ausgezahlt werden - da darf man nicht daran kürzen sondern an den Leuten die eben noch arbeiten können!!!... und wer im Alter arbeitlos wird, der muss auch mehr unterstützt und notfalls davon direkt in die Rente gehen können.

Aber es kann nicht sein, dass bei immer längerer Lebenserwartung schon 30 jährige sagen es gibt keine Chancen für sie - Odessa hat doch schon gut gezeigt wieviel Zusagen sie auf ihre Bewerbungen bekommen hätte und ich glaube immer noch, dass viele so einen Job bekommen würden.

Gruß
2378



geschrieben von: Stonehenge

Zitat:
Original geschrieben von Odessa
----
genau hier liegt das Problem. Sorry, es ist eine Verschwendung von Ressourcen, wenn ein hoch qualifizierter Arzt im Supermarkt arbeiten muss, wo er Stress hat und sich kaputt macht...
-----

...sag ich doch. In diesem - mir bekannten Fall - ist es so, dass der Arzt natürlich ein Gehalt hat das sogar in Oberbayern zum Leben reichen würde (knappe 2.500 netto, also wirklich üppig für nen 28jhr. Single-Arzt).

Nur - der gute Mann braucht mehr Geld weil er seinen Vater unterstützt. Der wiederum lebt von keinen 600 Euro EU-Rente und hat das Studium seines Sohnes dadurch "mitgetragen", dass er ihn die ganze Zeit bei sich wohnen liess, unentgeltlich.

Der Sohnemann nun möchte dem Vater das alles - im besten Sinne - "heimzahlen", in dem er die 400 Euro, die er dazu verdient, seinem Vater jedes Monat überweist, plus nochmal 250 die ihm von seinem Gehalt "übrig bleiben" nach Bezahlung all seiner Festkosten.



He, da würde mir ja für Deinen Arzt einen recht bombastischer Vorschlag einfallen. Es hat sich doch hoffentlich schon bis Bayern herumgesprochen, daß hier in Ostdeutschland ein Ärztemangel sich abzeichnet. Bsp. hier in Chemnitz: Wartezeiten bei Hautarzt 1.5-2h mit Termin, auch mal 3h ohne Termin, Allgemeinarzt je nach Beliebtheit zwischen 0.5 (eher Arzt mit Hau-Ruck-mal schnell Antibiotika-Mentalität) und 3 Stunden, in Freiberg selbst mit Termin oft 3 Stunden.
In vielen Orten gehen die Ärzte straff aufs Rentenalter zu und suchen händeringend nach einem Nachfolger. Das wäre doch eine prima Möglichkeit für einen ungebundenen jungen Arzt mal der Abwanderung Richtung Westen gegenzusteuern und etwas Flexibilität in der anderen Richtung zu aktivieren. Die Mieten sind hier günstig, eine Wohnung mit 50m² bekommst Du für 350€ warm im Monat (und das ist nicht unsanierte Platte!), also müsste doch eine Arztpraxis genügend Einkommen abwerfen um sich selbst und dem Herrn Vater ein anständiges Auskommen zu ermöglichen ohne zusätzlich an der Käsetheke zu arbeiten (solche Arbeiten wird man hier über 165€ auch kaum nebenbei finden). Und nach so 10 Jahren hat er vielleicht sogar 100.000 für ein Einfamilienhaus zusammen.

Zum Thema Käseschneiden: Bedenken hätte ich weniger wegen der Arbeit an sich, sondern daß ein Arzt der 10 Stunden im Krankenhaus arbeitet auch eine gewisse körperliche Regeneration braucht, denn wenn sich aufgrund Müdigkeit Fehler in die ärztliche Arbeit einschleichen kann das für den Patienten sehr schwerwiegend enden.

Was die konkrete Umsetzung für Schwierigkeiten ergibt weiß ich natürlich nicht bis ins Detail, aber die Idee drängte sich mir hier geradezu auf.

Gruß
Stone



geschrieben von: Stonehenge

Zitat:
Original geschrieben von Odessa

Und wieso höre ich kein Wehklagen darüber, dass Leute, die pflichtversichert arbeiten hier, zwar 400 Euro (ich) für ihre Krankenversicherung jeden Monat abdrücken müssen, aber Brillen und Zahnersatz SELBER zahlen müssen...für was eine Sozialversicherung/KV, wenn ich ohnehin die Dinge, die ich brauche, selber löhnen muss? DAS ist ungerecht, aber da regt sich niemand auf drüber, verwundert mich. Und wieso höre ich kein Jammern darüber dass Blinden ihr Blindengeld gestrichen wird/werden soll? DAS ist asozial, das ist eine Schande für unser System.



Hattest Du nichtmal gesagt daß Du wenig verdienst? 400€ für Krankenversicherung, da schaffe ich (gesetzlich versichert bei 13.7%) noch nichtmal die Hälfte, und als Akademiker verdiene ich wirklich nicht schlecht, obwohl vom Brutto einiges abgeht. Die Beitragssätze unterscheiden sich doch so doll auch nicht in den verschiedenen KK. Zum Glück brauche ich noch keinen Zahnersatz, aber Füllungen sind auch schon teuer genug wenn man nicht gerade das Quecksilber nehmen will...

Mit dem Blindengeld gebe ich Dir recht, das und die geplante Abschaffung der kostenfreien Nutzung des ÖV für Behinderte ist eine Schweinerei. Einen Teil der jetzt einzusparen gewollten Kosten hat sich der Staat durch die unsinnige Privatisierung der Bahn noch selbst eingebrockt.

Gruß
Stone



geschrieben von: neptunia

alles angeschnallt?
dann hier mein ausführlicher kommentar ...

TEIL I

Zitat:
gr graulichter: "jeder job wird zumutbar" - was soll denn das heißen? ein job ist ein job und ist demnach zumutbar. irgendwer macht ihn jetzt und mutet ihn sich momentan zu. was dieser satz vielleicht sagen will: heute kannst du 150.000 euro im jahr verdienen und morgen lebst du auf 20 qm.


sehe ich genauso.
ich hab die seltsamsten jobs angenommen, wenn es notwendig war. und heute noch akzeptiere ich auch anstrengende aufträge von schlechtzahlenden kleinen kunden ohne mir einen zacken aus der krone zu brechen ... ich freu mich, wenn ich meine miete weiterhin zahlen kann ...

Zitat:
gr graulichter: im wesentlichen verständlich finde ich, dass man einem menschen sein leben am existenzminimum errechnen kann. jeder benötigt dazu die selbe höhe geld. das verdienstorientierte arbeitslosengeld diente wohl nur dazu, den lebensstandard aufrecht zu erhalten.


yes. natürlich jammert der arbeitslose akademiker wenn er genausoviel geld bekommt wie der arbeitslose treppenputzer. aber braucht man wirklich den verdienst eines hochdotierten akademikers um zu überleben? und warum soll die solidargesellschaft eben diesen lebensstandard bis zum sanktnimmerleinstag aufrecht erhalten?

Zitat:
dark_racer: Ein heute arbeitender Mensch wird dazu aufgefordert und angehalten, für seine Altersvorsorge privat vorzusorgen. Viele Leute tun dies durch Abschlüsse von Lebensversicherungen.


ja, ich halte das auch für einen gefährlichen punkt. lebensversicherungen sollten unantastbar sein, sofern man sie zweckgebunden an die rente abschließen könnte ...

Zitat:
dark_racer: Dieser Staat ist in meinen Augen nix mehr wert, da sich alles nur noch ums Geld dreht.


haha, der war gut ... aufwachen. alles dreht sich ums geld. worüber reden wir gerade?

Zitat:
any body: Auf Einzelschicksale wird vermutlich zukünftig bei Inkrafttreten der neuen Hartz IV Reform noch weniger Rücksicht genommen werden können, da die Kassen leer sind - wo also Geld herbekommen, wenn die Reservetöpfe der kurz-und mittelfristigen Vermögenswerte leer sind?


soziale rücksichtnahme, solidarität, gemeinschaftssinn ... alles wunderhübsch solange man es sich leisten kann ...

Zitat:
any body: Lebensversicherungen lassen sich noch am schwersten auflösen


nicht zu vergessen, daß es sich nicht lohnt, der betrag, den man dabei verliert, ist nicht unerheblich ... ich würde sowas einfach geldvernichtung nennen ...

Zitat:
turningpoint: Was ist denn nun wichtiger - Menschenleben (die du lapidar "Einzelschicksale" nennst) oder DAS SCHEISS GELD ?


huch, wie pathetisch.
geht es jetzt darum, einen staat mit seinen menschen zu organisiseren oder spielen wir "alle-ham-sich-lieb"?

Zitat:
turningpoint: Vermögenswerte entstehen garantiert nicht dadurch, dass du den Armen das Letzte das sie noch haben auch noch wegnimmst.


mein guter, das, was die armen haben, ist garnicht so wenig (ich rede nicht von den ausnahmen, den omis und so ...) ... ich kenne eine menge sozialhilfeempfänger, denen es besser geht als mir. unser land ist (noch) so reich, daß es den armen genug geben kann. und ein riesen fernseher, stereoanlage, mercedes und computer halte ich nicht unbedingt für lebensnotwendig. punkt.

Zitat:
turningpoint: Um zu (über-)leben, brauchen die Menschen zuallererst Nahrung, Wohnung, Kleidung, Kommunikation und medizinische Betreuung. Und wenn der Staat das mit den vorhandenen Mitteln nicht realisieren kann, dann sollte er sich mit seinen Forderungen zuerst an diejenigen wenden, die die Preise für Nahrung, Wohnung, Kleidung, Kommunikation und medizinische Betreuung künstlich in die Höhe treiben! ... Wenn die Mehrzahl der Leute nichts mehr hat und darum nichts mehr kaufen kann, woher soll da ein wirtschaftlicher Aufschwung kommen?


gähn.

Zitat:
miss pan: wie mein kollege neulich nach erhalt der vorberechnung seiner zu erwartenden rente meinte: "ich glaube, ich kaufe mir demnächst ein messingschild mit meinem namen und reserviere mir schon mal einen schönen platz unter der brücke."


hehe, aber ich denke nicht, daß es so schlimm kommen wird. nur vielleicht wird es nötig sein, auf den einen oder anderen kleinen luxus zu verzichten ...

Zitat:
2378: Ich denke manchmal wäre vieles einfacher wenn man ein neues System für die Politiker einführen würden.
Solange sie Abgeordnete sind bekommen sie wunder schöne Diäten - die dürften gerne sogar noch etwas höher sein, aber sobald sie nicht mehr das sind, sind sie normale ARbeitnehmer - ihre Rente ist also nicht gesichert und sie könnten genauso arbeitslos werden wie der Rest in Deutschland und dann würde man sich überlegen, ob man sowas einführt und auch wie weit man am Renten - und Krankenkassenesystem sparen will.


das ist ein interessanter gedanke. mir kommt es oft so vor, als gelte der satz "sie bemühten sich stets" für die von uns gewählten ... eine formulierung in arbeitszeignissen mit der bedeutung: "sie haben nichts zustande gebracht" ...

Zitat:
lachatte: der Mensch lebt nicht vom Brot allein...


oooch, aber immerhin ein anfang ...

Zitat:
decay: Ja, sollen sie das denn? Wo ist denn die Familie? Sie ist doch dafür da, für ihre Mitglieder einzuspringen, wenn nichts mehr geht.


bis auf einige familien-systeme in italien hat sich die gesellschaftsstruktur wohl sehr geändert ... familien sind mangelware, singles üblich ... außerdem kommt es mir seltsam vor, wenn die 75 jährige tochter immer noch aufkommen muß für ihre 100 jährige mutter ...

Zitat:
lachatte: denn wer statt 800 Euro 1000 Euro bekommt, wird die zusätzlichen 200 Euro mit grösster Wahrscheinlichkeit in Umlauf bringen...


oder in den urlaub auf mallorca investieren oder in den sparstrumpf stopfen ... geld perdu ... oops.

Zitat:
haevion: Im Übrigen sind es immer nur diejenigen, die wenig haben, die sich beschweren.


nööö, die, die wirklich wenig haben, sorgen sich darum genug zu bekommen. die, die grade genug oder ein bißchen mehr haben, lamentieren wie die sau ... aus angst, irgendjemand könnte ihnen etwas wegnehmen ...

Zitat:
decay: Das Land ist aus Trümmern auferstanden, weil niemand etwas hatte, alle mit nichts etwas entsprechend ihrer Möglichkeiten aufbauen wollten und es sowas wie Solidarität in der Gesellschaft gab. Und profitiert haben alle.


klar, und weil alle nicht darüber lamentiert haben, was man hnen vielleicht wegnehmen könnte, sondern einfach in die hände gespuckt haben ...

Zitat:
turningpoint: Die "Ich-AGs" sind doch auch nichts weiter als Schein-Selbständigkeit - ein Versuch, alle Kosten und Risiken auf den Arbeiter selbst abzuwälzen.


nein, das sind augenwischereien um arbeitslose scheinbar verschwinden zu lassen ... diese ich-ag's sind einfach eine andere form des arbeitslosengelds für ganz schlaue ... nur wenige zähe machen daraus wirklich was ...

Zitat:
2378: Arbeitslosengeld ist eine Versicherung und irgendwie weigert die sich immer mehr was auszuzahlen - Sozialhilfe ist eine Unterstützung vom Staat.


ja, damals, aber weil diese versicherung nicht zweckgebunden war, ist in den guten zeiten das geld für andere leistungen verpulvert worden. jetzt, wo man den überschuß gut gebrauchen könnte, isses weg.

Zitat:
2378: Ich denke aber auch, dass man Sozialhilfeempfänger gerade zu gemeinnütziger Arbeit usw gerne heranziehen sollen - und damit einen Anfang schafft - damit jeder für seine Leistung auch was zurückgibt...


ein wirklich schöner gedanke ... wie gesagt, ich kenn eine menge sozialhilfeempfänger ... leider sind die meisten davon überzeugt, daß es ihr recht sei, als parasiten zu leben ... ohne gegenleistung. und doch, das ist so. nur wenige ausnahmen ...

Zitat:
decay: Damit habe ich auch kein Problem.
Nur darf man dadurch nicht zu viel erwarten, da die meisten Sozialhilfeempfänger Kinder, Alte und Kranke sind. Die können/dürfen/sollten halt nicht arbeiten.


das stimmt nicht. abgesehen davon, die alten und kranken und die frauen und die versoffenen männer könnten schon wenigstens etwas leisten ... z.b. eine alte omi könnte ein/zweimal nachmittags auf kinder aufpassen ... es muß ja nicht immer gleich ein fulltimejob sein ...

Zitat:
demelza: so so, die 651 euro sollen reichen, ... und wo bau ich mir mein gemüse an? vernünftige lebensmittel, die den namen noch verdienen, kosten nämlich einen haufen geld, ... meine altersvorsorge kann ich vergessen. und wenn ich daran denke, daß ich jetzt schon allein-ernährerin für die familie ... wird mir ganz anders. ... wir könnten ja auch ein kind bekommen, dann zieht er es groß, während ich vollzeit arbeiten gehe - nur das dumme: eventuell muß ich mir einen neuen job suchen, weil mein alter arbeitsplatz gerade zur disposition steht...
... werden wir den sozialhilfeempfängern, die allgemein kein hohes ansehen haben, gleichgestellt, und dann noch mit einem kind. ...


demelza, das erste mal, daß hier jemand konkret wird. im moment scheinst du zurecht zu kommen. aber ich verstehe deine zukunftsangst.


und das ist ein mir sehr wichtiger punkt.
was wirklich bei hartz schief geht: es ist so wischiwaschi solange man davon nur redet. was wirklich wird kommt erst raus, wenn es dann wirklich läuft.
dieses "egal, ich werde schon von der solidar-gemeinschaft aufgefangen" - gefühl ist weg.


jetzt überspringe ich mal ein paar seiten ... ;)



geschrieben von: neptunia

TEIL II:

Zitat:
2378: BEIDE müssen ihre Rente bekommen und haben einen vollen Anspruch darauf, schließlich haben sie dafür einbezahlt. Genauso ist es auch, dass alle die Arbeitslos werden einen Anspruch darauf haben, erstmal Arbeitslosengeld zu bekommen.
Schließlich zahlt man in eine VERSICHERUNG ein und da hat man auch Anspruch darauf was rauszubekommen... - leider werden die Gelder einfach nur komplett falsch verwaltet...


meine worte ...

Zitat:
odessa: "Wer wirklich ums ÜBERLEBEN KÄMPFT, hat keine Zeit für Depressionen".


... und lamentieren ... hast du vergessen ;-)

Zitat:
odessa: TTP, und ich muss wieder "ganz simpel" fragen: Wenn Menschen dann tatsächlich fähig sind, mit der Waffe in der Hand ihr - vermeintliches - Recht auf "Ernährung durch andere" zu erkämpfen... warum können sie dann (schon Jahre zuvor, Monate zuvor?) nicht statt der Waffe einen Besen in die Hand nehmen und einen Putzjob annehmen, oder ihre Energie in einem 3-Schichten-Pflegejob rauslassen?


hehe, das wäre ja arbeit ..

Zitat:
2378: (dich zitiere ich wirklich gerne!) Es ist ein Privileg was dieser Staat bietet - und zwar dass du Sozialhilfe bekommst. Du musst dafür nichts einzahlen, dank des Solidaritätsprinzipes machen es deine Mitbürger - alle anderen Versicherungen laufen auch nach dem Prinzip, aber da muss jeder noch was einzahlen um was rauszubekommen. Dieser Fall ist aber bei der Sozialhilfe nicht gegeben und das muss man als Privileg ansehen, dass einem in Deutschland zugestanden wird.
Ein Anspruch würde ich trotzdem nicht daraus machen


eben, eben, eben, eben ...



gut. jetzt werde ich mal ein bißchen noch allgemein aus meinem nähkästchen plaudern:

ich arbeite sselbständig.
ich kümmere mich selber um aufträge.
ich bekomme weder urlaubs-, weihnachts- noch krankengeld (ok, das bekäme ich nach 4 oder 6 wochen).
ich zahle freiwillig in die renten- + arbeitslosenkasse.
meine zukunftsplanung bezieht sich auf die nächsten zwei monate, längerfristige planung ist bei dem job nicht machbar. manchmal muß ich mir wirklich den arsch aufreißen, klinken putzen, den mund fusselig reden, um einen neuen auftrag zu bekommen. manchmal sind es miese kleine schlechtbezahlte.
so what.
so isses eben.
aber:

ICH HABE KEINE LUST, DARÜBER ZU LAMENTIEREN.

ich trage mein scherflein zur solidargesellschaft bei.
und es ist auch ok für mich, wenn dabei ein paar nassauer sind.

zukunft?
tja, die ist auch für mich nicht sicher.
aber ich kann sehr wohl auf den kleinen luxus verzichten, wenn es eben grade nicht möglich ist.

ABER ICH MACHE NICHT DIE ANDEREN DAFÜR VERANTWORTLICH.

wenn nötig erhebe ich meinen arsch und mache auch minderwertige arbeit. und: das ist nicht tragisch! ich kann das durchaus aushalten, weil, wenn ich es nicht mache, würde jemand anderes es tun, und ich verspüre kein bedürfniss, mich über den dann zu stellen ...

arbeit ist arbeit ist arbeit.


und wie seltsam:
OBWOHL ich im rollstuhl sitze und eigentlich zu denen gehören könnte, die auf kosten der anderen leben, habe ich arbeit, verdiene mein eigenes brot, finanziere ein paar nassauer mit, und komme zurecht.

oh, und hab ich erwähnt, daß ich nicht lamentiere??
und ich würde nicht mal hier einen ton verlieren, wenn nicht die kommentare der andren manchmal so elendig realitätsfern wären.

hey ich freu mich, daß hier kapitalismus und nicht kommunismus ist... dann kann man wenigstens was tun und muß nicht nur auf bessere zeiten hoffen ...

schluß. aus. apfi. amen.



geschrieben von: decay73

@neptunia: Die Frage ist immer, ob man eine nicht so gute einfach akzeptiert und die Klappe hält, oder ob man versucht Alternativen aufzuzeigen.
So toll kann das jedenfalls auch alles nicht sein, denn sonst bräuchte sich Schröder um seine Wiederwahl keine Gedanken machen.

Die besten Ideen entstammen oft utopischen Gedanken und Spinnereien und ohne solche Veränderungen lebten wir wohl noch im Mittelalter.

Und wenn ich lamentieren würde, würde ich auch mal ein wenig über mich erzählen - aber ich werde den Teufel tun.

Übrigens:
Zitat:
soziale rücksichtnahme, solidarität, gemeinschaftssinn ... alles wunderhübsch solange man es sich leisten kann ...

Das hat am besten dann funktioniert, als man es sich eigentlich nicht leisten konnte, denn es hat nichts mit 'leisten können' zu tun.



geschrieben von: Apex

Zitat:
Ich rede hier immer noch von nicht arbeitswilligen "Arbeitslosen", die durch diese Reform endlich (was ja schon jetzt Erfolge zeigt) mal ein bisserl "Druck" kriegen


Klar ein netter Erfolg, aber was ist wenn alle Arbeitsstellen vergeben sind? Es ist ne Tatsache, dass es net genug Arbeit für alle gibt.
Gut, klar wenn man deutschlandweit einen Job sucht und keinerlei Ansprüche stellt wird man etwas finden, in Amerika ziehen inzwischen viele Menschen einfach den Arbeitsstellen hinterher, aber ist ein solch modernes Nomadentum wirklich erstrebenswert?

Zitat:
hey ich freu mich, daß hier kapitalismus und nicht kommunismus ist... dann kann man wenigstens was tun und muß nicht nur auf bessere zeiten hoffen ...


Ääääääääääääääääääh nee dazu sag ich jetzt nix, dass würde eh nur auf eine Grundsatzdiskussion hinauslaufen die OT is ;)



geschrieben von: Move over Kate

Sorry @ Stonehenge & Odessa, aber eure Lohn- und Lohnnebenkostendiskussion ist off topic und öde.

Vielleicht bringen wir als zusätzliche Variablen noch die Zusatzversorgungskasse (hübsches Privileg des öffentlichen Dienstes), deren Umlage, ihre (teilweise) Pauschalversteuerung durch den Arbeitgeber und vielleicht sogar noch eine lustige Entgeltumwandlung ins Spiel? *g* Das macht die Sache spannender. Und wenn wir uns dann noch über Sanierungsgelder unterhalten, ist alles perfekt.

[/zynism off]



geschrieben von: neptunia

also gut, lösungsvorschläge um an der maroden situation was zu ändern:


1. die mehrwertsteuer um 2 prozentpunkte erhöhen (also 18%).
funktioniert verhältnismäßig, niemand wird unverhältnismäßigmehr belastet ... tut weh, wäre aber eine mögichkeit um ein bißchen kohle reinzufahren und damit ein paar konjunktur-stärkende dingsen (sorry, das richtige wort fällt mir grade nicht ein) loszugeben ... im übrigen liegen wir im europäischen vergleich mit der mehrwertsteuer eh relativ weit unten ...

2. die sozialversicherungen (also, renten-, kranken- und arbeitslosenversicherung) zweckgebunden verwalten. hätte schon bei der kohl-regierung angeleiert werden müssen, aber besser jetzt als nie.

3. altersversorgungen ins leben rufen, die eben nicht wie lebensversicherungen verscherbelt werden müssen, z.b. eine betriebliche altersversicherung via unterstützungskasse ...

4. die allgemeine bereitschaft, auch bei einbußen (z.b. 40 stunden woche ohne lohnausgleich) nicht gleich tot umzufallen, sondern die eigene firma zu unterstützen (natürlich unter der voraussetzung, daß es eine gegenseitige loyalität gibt)

5. aktiengesellschaften spekulieren nicht nur auf schöden gewinn, sondern verzichten gegebenenfalls auf gewinnmöglichkeiten, wenn dann wenigstens arbeitsplätze erhalten werden.

6. die momentane gesetzeslage wird mal so richtig ausgemistet. keine komplizierten um-fünf-ecken-gesetze in der hinz und kunz nach lücken sucht, sondern eine übersichtliche struktur, die nachvollziehbar ist, auch wenn vielleicht dabei der eine oder andre kleinere nachteile haben könnte ...

viel spaß beim in-der-luft-zerreißen ...



geschrieben von: LaChatte

zum Zerreissen gibts da ja nicht viel...:)

Zitat:
1. die mehrwertsteuer um 2 prozentpunkte erhöhen (also 18%).


Man könnte unter anderem durch die Mehrwertsteuer bewusst gewisse Produkte bevorzugen und andere benachteiligen - so zum Beispiel bei Bio-Produktern die MWSt nicht erhöhen, bei stark verarbeitetem Convenience Food aber schon. das wär mal ein sinnvoller Beitrag an die Gesundheit, wenn Leute auf einmal aus Spargründen Bio-Produkte kaufen.

Zitat:
4. die allgemeine bereitschaft, auch bei einbußen (z.b. 40 stunden woche ohne lohnausgleich) nicht gleich tot umzufallen, sondern die eigene firma zu unterstützen (natürlich unter der voraussetzung, daß es eine gegenseitige loyalität gibt)


ich glaube, die meisten Menschen würden sich gern für ihre Firma einsetzen, wenn sie sähen, dass in guten Zeiten auch etwas zurück kommt.. das ist aber ein menschliches Problem, und nicht eines, das per Gesetz verwaltet werden kann. Und es gibt ja auch tatsächlich Firmen, wo sich Chef und Angestellte als Partner und nicht als Gegner betrachten.

Zitat:
5. aktiengesellschaften spekulieren nicht nur auf schöden gewinn, sondern verzichten gegebenenfalls auf gewinnmöglichkeiten, wenn dann wenigstens arbeitsplätze erhalten werden.


Dazu müssten sie wohl vom Gesetzgeber gezwungen werden, der leider allzu oft das nicht tut, um sich nicht womöglich Steuergelder entgehen zu lassen. Leider scheint es heute allgemein akzeptiert, die Gewinne zu privatisieren und die Kosten zu sozialisieren. Ich sehe es nicht wirklich ein, warum eine Firma, die mit gefährlichen Stoffen arbeitet, zwar gerne die Arbeitskraft eines Menschen für sich nutzt, aber dann nicht verpflichtet ist, die Kosten einer eventuellen Berufskrankheit vollumfänglich zu übernehmen, und diese Ausgaben dann der Gemeinschaft überlässt. Wenn schon privatisieren, dann bitte richtig - und nicht nur den Zuckerguss nehmen, das Verkohlte aber sein lassen.

Zitat:
6. die momentane gesetzeslage wird mal so richtig ausgemistet. keine komplizierten um-fünf-ecken-gesetze in der hinz und kunz nach lücken sucht, sondern eine übersichtliche struktur, die nachvollziehbar ist, auch wenn vielleicht dabei der eine oder andre kleinere nachteile haben könnte ...


Ja, das wär bitter nötig. EIN Amt, das alle Renten bezahlt - und alle gleich.



geschrieben von: LaChatte

Zitat:
Der, der etwas leistet, soll auch mehr haben wie der, der nix leistet.


Wenn du mir mal "leisten" definierst?

Sokrates, der Grieche vom Athener Forum, hat nichts geleistet ausser den ganzen Tag dumm zu schwatzen.

Die einzige "Leistung" von Telefonverkäufern ist, die Leute zu ärgern.

Die "Leistung" von Industrienahrungsherstellern ist es, nährwertlose Produkte schön zu verpacken und teuer zu verkaufen.

Die "Leistung" von Tabak- und Alkoholherstellern ist es, giftige Stoffe herzustellen und zu verkaufen.

von all diesen hier aufgezählten plädiere ich dafür, dass Sokrates den höchsten Lohn erhalten soll. Nicht wer 60 Stunden pro Woche Hektik verbreitet und sich einen Herzinfarkt züchtet, leistet am meisten - sondern der, der am meisten Mehrwert für die ganze Welt schafft.

Da gäbs noch viele, die man besser nach Hause schicken würde zum Nichts-Tun, und die Welt hätte gewonnen.:)



geschrieben von: LaChatte

Zitat:
Wenn Du Sokrates mehr schätzt als einen Arbeiter, der Dir die Strasse zu Deiner Wohnung gebaut hat - toll.


DAS hingegen hab ich nie gesagt. Bauarbeit ist sinnvolle Arbeit, wie Lehrer oder Bäcker oder Arzt (wobei beim letzteren schon wieder gewisse Zweifel angebracht sind). Aber ich mag es jedem gönnen, für sein Geld gar nichts zu tun, als eine sinnlose Arbeit...

Zitat:
Es geht dabei darum, das BESTEHENDE System (mit dem die meisten sehr zufrieden sind seit Jahrzehnten) zu ERHALTEN


Das bestehende System ist eine Geldvernichtungsmaschine mit oft kafkaesken Ausmassen. Willst du das wirklich behalten? Bis auf die Grundideen "jeder Mensch hat das Recht auf Essen, Kleidung, Wohnung" kann man locker alles streichen und ganz neu aufbauen.

Zitat:
Soll jeder selber entscheiden was er tun will (dito Nahrungsmittel), und somit tun auch die Tabakhersteller etwas "Gutes", nämlich für die, die diese Erzeugnisse konsumieren.


Jeder Raucher weiss, dass er sich nichts Gutes tut, indem er raucht. Es ist teuer, es stinkt und es ist giftig. Jeder Mensch (ich inklusive) muss blöd sein, so etwas zu tun.

Zitat:
Und vielleicht ist der 60-Std.-Arbeitende auch ein Manager, der mit diesen 60 STd. Arbeit in seiner Firma einigen Angestellten wie mir eine ARBEITSSTELLE bietet


Ist so ein Mensch nicht etwas schlecht organisiert, wenn er es unter 60 Stunden nicht schafft? Ich sag ja nicht, dass es nicht solche Phasen geben darf, aber wenns zum Dauerzustand wird, ist es ungesund. Und es ist ein Verhalten, das genauso wie der Clochard in völligem Bewusstsein die eigene Gesundheit ruiniert.

Zitat:
"Kulturelle Leistung" - es ist NICHT das, was mir meine Herztabletten bezahlt und meiner Tochter die Uni aufbaute.


Kultur ist das, was Menschen gesund halten kann - und eine Uni ist auch eine kulturelle Sache... Gerade den Sinn von Fächern wie Sprachforschung oder Soziologie ist häufig gar nicht leicht zu entdecken, oder Geschichte? Wie hilft uns Geshcichte, PHilosophie und Theologie unser Brot verdienen?



geschrieben von: 2378

Zitat:

Ist so ein Mensch nicht etwas schlecht organisiert, wenn er es unter 60 Stunden nicht schafft? Ich sag ja nicht, dass es nicht solche Phasen geben darf, aber wenns zum Dauerzustand wird, ist es ungesund. Und es ist ein Verhalten, das genauso wie der Clochard in völligem Bewusstsein die eigene Gesundheit ruiniert.


Ja, vielleicht könnte er noch weitere leute dazu einstellen - aber vielleicht stimmt dann der Gewinn nicht mehr - bist du dir eigentlich bewusst, was man in der Industrie bei leitende Führungskräften als Standart ansieht - und ja, dass ist nicht gesund deswegen gibt es oft auch Entspannungstrainigs usw.
Ganz eifnach gesagt - viele Köche können auch den Brei verderben...

Das Sozialsystem in Deutschland lädt zur Zeit die Leute zum Ausruhen auf der Hängematte schon fast ein - und wenn ich nochmal auf Odessa Zahlen mich berufe, kann und darf das nicht sein...

Vielleicht sollte man nochmal darüber nachdenken, dass der Mensch lernen sollte, dass er für sein Leben und sein Lebensunterhalt zuständig ist - langsam glaube ich, dass der Solidaritätsgedanke ein falsche Ansatz ist, wenn die Leute schon meinen ein Anrecht auf alles zu haben... und der Rest darf eben dafür schuften.

2378



geschrieben von: decay73

Ich glaub ich wander aus. Macht hier ja echt keinen Spaß mehr. Mißgunst, Neid, hauen und stechen, und der Soli-gedanke ist auch verpönt.
Immer nur gegeneinander anstatt miteinander.

Naja, werd mich mal umschauen...die Befürchtung, irgendwann um alles Betteln und auf Allmosen hoffen zu müssen, habe ich schon länger.
Die Diskussion hatte ich schon einmal mit einer (jetzt nicht mehr) Freundin, die das auch so machte und am Ende sagte: "Bei dir ist das ja was anderes...aber...".

Und wenn das selbst unter den Schwarzkitteln zum Standard wird, habe ich hier eigentlich nichts mehr zu suchen...


Von meiner Warte aus habe ich eigentlich nur noch Angst, und das kanns ja eigentlich auch nicht sein.

Krank bin ich schon, und die derzeitige Situation macht mich noch kränker.
Vielleicht sollte ich nach Jamaika gehen und mich den Rastafarians anschließen. Die sinid wenigstens glücklich...



geschrieben von: Suicide-Smurf

Miteinander funktioniert immer nur dann, wenn es einem alleine schlechter geht ;)

Deine Freundin hatte Recht. Du kannst noch so ein herzensguter Mensch sein, die anderen werden es nicht sein.


Zitat:
Und wenn das selbst unter den Schwarzkitteln zum Standard wird, habe ich hier eigentlich nichts mehr zu suchen...

Du solltest nich so viel Wert auf andere legen. Sie haben ja keine Ahnung...


*davonlauf*...



geschrieben von: 2378

Das Problem sind nicht die Leute, die das System kurzzeitig brauchen und nutzen - es sind die Leute, die es jahrelang nutzen und noch als normal ansehen... (es kotzt mich an, wenn man über das Sozialamt versucht für das Kind Markenklamotten zu beantragen - hallo wo sind wir da).

Würden jeder der es braucht es nutzen und der Rest wäre ehrlich, dann würde es auch klappen...

Die Zahlen von Odessa aus ihren einem Job sprachen da aber andere Zahlen und ich glaube nicht nur, dass es in München so ist...

Miteinander gerne - der Soligedanke scheint bloß nicht mehr zu klappen, weil es eben kein Miteinander ist, sondern auch die die es bekommen da sitzen und mehr und mehr haben wollen... - es soll eben dafür sorgen, dass man nicht verhungern, dass man ein Dach über den Kopf hat - aber den Lebensstandart muss man nicht halten (dafür haben wir unsere Arbeitslosengeldversicherung, die Zeit muss einfach reichen... - erst danach ist es ein Tragen von der Gesellschaft):

2378



geschrieben von: LaChatte

Zitat:
Ja, vielleicht könnte er noch weitere leute dazu einstellen - aber vielleicht stimmt dann der Gewinn nicht mehr - bist du dir eigentlich bewusst, was man in der Industrie bei leitende Führungskräften als Standart ansieht


"besser organisieren" muss längst nicht heissen, mehr Leute einzustellen - sondern als Verantwortlicher wirklich das Wichtige machen, Prioriäten setzen, Visionen entwickeln und umsetzen, und nicht ständig der Uhr hinterherhetzen. Lies mal Fredmund Maliks "führen leisten leben", dann merkst du, was ich meine. Und eine Gesellschaft, in der ein stressbedingter Herzinfarkt zum Statussymbol aufsteigen kann, muss ja krank sein:rolleyes:

Zitat:
Vielleicht sollte man nochmal darüber nachdenken, dass der Mensch lernen sollte, dass er für sein Leben und sein Lebensunterhalt zuständig ist - langsam glaube ich, dass der Solidaritätsgedanke ein falsche Ansatz ist, wenn die Leute schon meinen ein Anrecht auf alles zu haben... und der Rest darf eben dafür schuften.


Ich finde es einen guten Gedanken, dass Menschen Anrecht haben auf einen Grundlebensstandard, und zwar einen, der auch Kultur und KOmmunikation einschliesst, und nicht einer, der eben gerade vor dem Verhungern und Erfrieren schützt. Ich habe keine Mühe mit der Idee, durch meine Arbeit im Moment andere zu finanzieren - schliesslich wurde auch ich lange genug staatlich unterstützt. Ich hab nur Mühe, wenn ich sehe, wie die Gelder eingesetzt werden und in einem riesigen Verwaltungsapparat verschwinden, ohne den Menschen wirklich zugute zu kommen.

Und ob Solidarität wirklich funktioniert, zeigt sich eben gerade dann, wenn es auf einmal knapp wird... obwohl, wie in einem reichen Land wie Deutschland Knappheit herrschen kann, ist mir auch nicht ganz klar.



geschrieben von: Fubu 2004

Ich glaube auch ich wander aus. Hat hier eh kein Sinn mehr ...

MfG
Fubu 2004



geschrieben von: LaChatte

Odessa

gut, du hast es geschafft. Aber wie? Und kann es der Sinn eines Lebens sein, sich kaputtzuschuften, nur um irgendwem zu beweisen (wem?) dass man keine Hilfe braucht? Und ganz hast du auf staatliche Leistungen wohl auch nicht verzichtet... oder hast du eine Privatschule besucht, entsorgst deinen Müll privat und bewegst dich ausschliesslich auf selbstgebauten Privatstrassen fort? - Wohl kaum.

Zitat:
Denn in dieses Schlaraffenland folge ich Dir dann unbesehen, und das meine ich keinesfalls zynisch sondern im vollen Ernst.


Das glaub ich dir nun einfach nicht. Warum nimmst du denn nicht wenigstens eine besser bezahlte Stelle in der Privatwirtschaft an, oder warum beantragst du nicht endlich Sozialhilfe, wenn du als Sozialhilfebezügerin schon mehr verdienen würdest als jetzt? Du kannst ja immer noch ab und zu mit deinen Patienten Kaffee trinken gehen, wenn du mal Sozialhilfe beziehst, es hindert dich dann ja niemand daran, ehrenamtlich tätig zu werden.

Falls es dein Stolz ist, der dich dran hindert - ich erachte das als falschen Stolz.

Zitat:
Aber Du weisst es und ich auch, dass DU garantiert nicht wirst betteln müssen.


Ich hoffe es sehr, dass decay nicht wird betteln gehen müssen. Wenn er in der Schweiz wohnte, so käme er wohl nicht drum herum: Menschen, die in der Schweiz chronisch krank werden oder einen Unfall haben, MÜSSEN bei den Versicherungen betteln gehen, damit sie nur die ihnen zustehenden Versicherungsleistungen erhalten - sonst werden Auszahlungen "vergessen", oder es wird behauptet, es sei schon bezahlt worden, was noch nicht ist, und überhaupt ist der zuständige Sachbearbeiter nie da. Und wie gesagt: hier handelt es sich nicht um ein Almosen, sondern um einen belegbaren VersicherungsANSPRUCH.

Zitat:
"Ey man,...wenn ich arbeite ich arbeite für mich und meine joints, aber ich arbeite nicht für joint von anderem rastafariman, eeh, nicht böse sein man, aber das ist uncool - peace love und jetzt leg ich mich in die sonne, maaaan".... oder so ;-)


Vielleicht würden sie gern auch für andere was mitbauen - aber sie würden sich sicher nicht die Mühe geben, etwas anzupflanzen, damit die Behörden nach der Ernte die Hälfte als Steuer beschlagnahmen, das Ganze einpacken und ins Meer werfen, wo es einfach verdirbt.



geschrieben von: TheTurningPoint

Zitat:
Original geschrieben von neptunia
also gut, lösungsvorschläge um an der maroden situation was zu ändern:
...
viel spaß beim in-der-luft-zerreißen ...

Warum in der Luft zerreißen?
Ich stimme deinen Vorschlägen, mit den Ergänzungen von LaChatte, zu. Die sind um Einiges sinnvoller als der Mist, den andere Leute verzapfen, die dafür noch 800.000 Euro "Beratungshonorar" kassieren.



geschrieben von: TheTurningPoint

Zitat:
Original geschrieben von Odessa
Aber es kann eben NICHT normal sein (und das soll die Reform eigentlich ändern) dass jemand der das noch tut - sich selbst erhalten - derjenige ist, der schlechter dasteht als der der es nicht tut.
Ich wette darauf, dass die Hartz-IV-Reform daran nichts ändern wird, sondern dass dieses Unverhältnis dadurch nur noch verstärkt wird.

Zitat:
----
Falls es dein Stolz ist, der dich dran hindert - ich erachte das als falschen Stolz.
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Nein, ich erachte das als "SOZIALES VERHALTEN". Die Gemeinschaft nicht schädigen sondern IHR DIENEN. Wieder: der Grundgedanke einer Solidargemeinschaft.

Soziales Verhalten wäre, wenn nicht nur die Lasten, sondern auch die Gewinne mit der Gemeinschaft geteilt würden, wie von Neptunia vorgeschlagen. Erst dann würde sich Arbeit wieder lohnen.

Zitat:
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Vielleicht würden sie gern auch für andere was mitbauen - aber sie würden sich sicher nicht die Mühe geben, etwas anzupflanzen, damit die Behörden nach der Ernte die Hälfte als Steuer beschlagnahmen, das Ganze einpacken und ins Meer werfen, wo es einfach verdirbt.
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...und ich betrachte Rauschgiftdealer immer noch als Kriminelle und nicht als Typen, die ein Staat auch noch fördern sollte, sorry.

Die paar Kröten fallen doch gar nicht ins Gewicht im Vergleich zu dem, was die Pharmaindustrie vom Staat einkassiert.
Im Übrigen werden auch mehr als genug normale Lebensmittel vernichtet, nur um die Preise hochzutreiben.



geschrieben von: LaChatte

Zitat:
Du weisst sehr gut dass das jetzt reine Polemik ist ;-)....denn mit staatlicher Hilfe meinte ich, beim Thema bleibend, "finanzielle Hilfe" vom AA oder Sozialamt.


nein, es ist nicht reine Polemik. Du benutzt die Strasse ganz selbstverständlich und findest es auch ganz normal, dass Fürsorgeabhängige die Strasse, die sie ja auch nicht mehr mitfinanzieren, benutzen dürfen - oder dass sie Papierchen in die öffentlichen Abfallkübel schmeissen dürfen - oder dass sie ihre Kinder in die öffentliche Schule schicken dürfen. Das ist einfach "Sozialamt für alle" - und warum sollten wir das nicht auf andere Bereiche ebenso selbstverständlich ausdehnen? Gerade was die Schule betrifft, unterstützt der Staat Familien ganz gewaltig... eine Privatschule kostet so um die 1000 Euro im Monat, mindestens. Und der Staat wird wohl eher noch höhere Kosten haben. Warum dehnen wir dieses Prinzip nicht aus?

Zitat:
Wenn Du Dich damit gut fühlen würdest, wenn andere Deine Miete bezahlen und Dein Essen obwohl Du es selbst könntest!


Rein theoretisch hätte ich mit 16 Jahren arbeiten gehen können, die obligatorische Schulzeit war vorbei. Glücklicherweise unterstützten meine Eltern mich finanziell, sodass ich ein Studium machen konnte - und nein, ich fühlte mich nicht schlecht, obwohl ich durchaus hätte schon viel länger arbeiten gehen können.

Und falls hier irgend jemand das drängende Bedürfnis hat, meine Miete, mein Essen und sonst noch schöne Sachen zu bezahlen - ich nehms gern an. Nein, ich hab kein Problem damit. :)

Zitat:
Weil ich eben KEIN egoistischer Nassauer bin, der auf KOSTEN ANDERER sich einen schönen Lenz macht, ist das wirklich so schwer zu verstehen?


Andererseits magst du es niemandem gönnen, ein leichtes Leben zu haben. Ist das nicht auch eine Form von Egoismus - "wenn ich es schon schwer hab, sorg ich dafür, dass es die andern auch nicht besser haben"?

Zitat:
Die Gemeinschaft nicht schädigen sondern IHR DIENEN. Wieder: der Grundgedanke einer Solidargemeinschaft.


Der Grundgedanke der Solidargesellschaft heisst "geben und nehmen", und beides zu seiner Zeit. Und manchmal ist nehmen seliger als geben...



geschrieben von: neptunia

ich fühle mich unendlich geehrt, daß meine lösungsvorschläge offene ohren finden ... nur eins wundert mich. wenn es denn sinnvoll und einfach (?) ist:

warum tut es denn dann keiner?

kann doch nicht sein, daß ein so unpolitischer mensch wie ich intelligentere gedanken haben kann als die, die dafür bezahlt werden???

wo ist mein denkfehler??



geschrieben von: 2378

Zitat:

Der Grundgedanke der Solidargesellschaft heisst "geben und nehmen", und beides zu seiner Zeit. Und manchmal ist nehmen seliger als geben...



Und wenn alle so denken, dann funktioniert es eben nicht mehr - man sieht jetzt schon die Ansätze...



geschrieben von: LaChatte

Zitat:
leichtes Leben = Gut. Fein. Ja. Bin dafür. Aber NICHT, wenn andere dieses leichte Leben für Einige (und es wären eben nur die, die raffiniert genug sind und sich gut "durchschlawienern" können) erarbeiten müssen.


Also - dann doch gleich sofort ein leichtes Leben für alle. Gut, ich selbst habs in meinem chinesischen Sternzeichen, ich bin ein Winterbüffel. Und im Winter liegen die Büffel bekanntlich im Stall und ruhen sich aus. Aber pardon, bei mir ist es Schicksal, ich kann nichts ändern daran.:D

Und dann ginge der Reiz am Durchschlawinern verloren, behaupte ich mal. Und es gäbe viel Unglück weniger auf der Welt.

Und gerade die komplizierte Bürokratie verhindert auch, dass Leute ihr Geld in Anspruch nehmen - heute in einer Zeitung gelesen, dass man vermutet, dass es allein in Basel 6000 Personen gäbe, die ANSPRUCH hätten auf Fürsorgegelder, dies aber aus Scham nicht in Anspruch nähmen - die working poor, deren Lohn noch unterhalb des Satzes des Sozialamtes ist. Da wärs gerechter, wenn die ihr Geld einfach so bekämen, aufgrund der Steuerrechnung, dort sind wirklich alle Infos drauf - dass sie halt nicht "Steuern zahlen" sondern "Steuern bekommen", einfach weil es im Gesetz so festgelegt ist.



geschrieben von: decay73

Zitat:
Original geschrieben von LaChatte
Ich hoffe es sehr, dass decay nicht wird betteln gehen müssen. Wenn er in der Schweiz wohnte, so käme er wohl nicht drum herum: Menschen, die in der Schweiz chronisch krank werden oder einen Unfall haben, MÜSSEN bei den Versicherungen betteln gehen, damit sie nur die ihnen zustehenden Versicherungsleistungen erhalten - sonst werden Auszahlungen "vergessen", oder es wird behauptet, es sei schon bezahlt worden, was noch nicht ist, und überhaupt ist der zuständige Sachbearbeiter nie da. Und wie gesagt: hier handelt es sich nicht um ein Almosen, sondern um einen belegbaren VersicherungsANSPRUCH.

Naja, vielleicht mache ich ja mal ein Thema dazu auf, denn das würde jetzt zu arg oT werden...nur die Bettelei könnte man hier 'Widerspruchsverfahren' nennen, ohne dem oft auch nichts mehr geht. ;)



geschrieben von: TheTurningPoint

Zitat:
Original geschrieben von Odessa
leichtes Leben = Gut. Fein. Ja. Bin dafür. Aber NICHT, wenn andere dieses leichte Leben für Einige (und es wären eben nur die, die raffiniert genug sind und sich gut "durchschlawienern" können) erarbeiten müssen.
Mit dem "Bürgergeld"-Vorschlag von LaChatte und mir würden sich die Beträge, die Andere auf deine Kosten erschleichen können, stark in Grenzen halten ...
Apropos "durchschlawienern", mir ist erst heute so richtig bewusst geworden, dass der Herr Bundeskanzler Gerhard Schröder entgegen allgemeiner Politiker-Gewohnheit am liebsten im Volkswagen fährt, und dass der Herr Hartz zufällig im Vorstand der Volkswagen-AG sitzt ... Sollte uns das nicht zu denken geben?

Zitat:
TTP: wie gesagt, wir liegen soweit nicht auseinander. Du bist eher der "Idealist", der an das Gute in allen Menschen glaubt, und ich bin die schon etwas "des-illusionisierte" (ist das ein richtiges deutsches Wort?) die halt nicht dran glaubt, dass alle Menschen so ehrlich und gut sind wie wir sie gerne hätten.
Das siehst du etwas falsch. Ich denke überhaupt nicht in den Kategorien "Gut" und "Böse", und spätestens seit den gescheiterten Sozialismus-Experimenten glaube ich auch nicht daran, dass man die Menschen "besser machen" kann.
Meine Erfahrungen im Umgang mit Menschen bestätigen mir aber immer wieder, dass sie in ihrem Verhalten anderen Tieren sehr sehr ähnlich sind, auch wenn sie das nicht wahrhaben wollen. Und darum glaube ich fest daran, dass man Menschen, genauso wie man sie dazu treiben kann, gegen ihr eigenes Wohl zu handeln, auch dazu treiben kann, zu ihrem eigenen Wohl zu handeln (und dabei seine Kampflust ausleben kann und nicht einmal ein schlechtes Gewissen haben muss).



geschrieben von: TheTurningPoint

Zitat:
Original geschrieben von 2378
Und wenn alle so denken, dann funktioniert es eben nicht mehr - man sieht jetzt schon die Ansätze...
Stimmt.
Weil sich die Meisten zu wenig nehmen, haben Manche so viel, dass sie vor Dummheit nicht mehr wissen, was sie damit anfangen sollen, und schüren Kriege und andere destruktive Unternehmungen, um die ihnen überflüssigen Güter zu vernichten, nur damit sie sich kein Anderer nehmen kann. :(



geschrieben von: 2378

Zitat:

Stimmt.
Weil sich die Meisten zu wenig nehmen, haben Manche so viel, dass sie vor Dummheit nicht mehr wissen, was sie damit anfangen sollen, und schüren Kriege und andere destruktive Unternehmungen, um die ihnen überflüssigen Güter zu vernichten, nur damit sie sich kein Anderer nehmen kann.


Wir sollten mal in Deutschland bleiben und nein, da ist es nicht so - Hartz IV ist eine deutsche Idee - also bleiben wir damit in Deutschland und hier ist es nicht so...
Viel verdiener zahlen verdammt gut in den Staat ein und wenn die Leute kein Bock mehr zu arbeiten hätten - alla der Rest kann es ja machen... - dann sähe unser Staat noch ärmer aus.

Zu dem 2000 Euro Prinzip:
Also jeder soll die Summe bekommen und der, der es wagt nicht schwarz zu arbeiten soll auch noch die Summe abdrücken - woher soll der Staat bitte seine Einnahmen für Schulen, Autobahnen usw bekommen? Woher soll bitte der Staat seine Einnahmen für das Geld bekommen?
Ich glaube, dass Prinzip würde die Schwarzarbeit noch mehr fördern als unser jetziges System.

Schwarzarbeit - das ist übrigns unser Hauptproblem - es geht dem Staat dadurch soviel Geld, soviele Sozialabgaben durch die Lappen und dazu leben noch Menschen auf Staatskosten mit der zusätzlichen Einnahmequelle und fragen sich, wieso sie offiziel arbeiten sollen - ich denke da sollte man ansetzen in dem man arbeit endlcihw ieder günstiger macht...



geschrieben von: TheTurningPoint

Zitat:
Original geschrieben von 2378
Wir sollten mal in Deutschland bleiben und nein, da ist es nicht so - Hartz IV ist eine deutsche Idee - also bleiben wir damit in Deutschland und hier ist es nicht so...
Wenn deutsche Firmen Arbeitsplätze ins Ausland verlagern, dann ist das keine rein deutsche Angelegenheit mehr. Die erzeugten Güter können weder die Menschen im Ausland kaufen (die haben mit den ihnen gezahlten Hungerlöhnen keine Chance), noch können sie die Leute in Deutschland kaufen (die bekommen ja auch keinen Lohn, wenn sie arbeitslos sind). Wer also soll die produzierten Güter kaufen und nutzen? Sie gammeln nutzlos vor sich hin - wenn sie nicht von vornherein dazu gedacht sind, zu zerstören und zerstört zu werden (Waffen, Munition, Drogen, ...).

Zitat:
Viel verdiener zahlen verdammt gut in den Staat ein
Ach ja? Hast du genauere Zahlen, wieviel z.B. der Vorstand von Volkswagen, namentlich der Herr Hartz, in den Staat einzahlt (mit Staat meine ich nicht den Kanzler persönlich) oder wieviel der Herr Hartz von dem Geld an den Staat abführt, dass er für seine unausgegorenen Ideen erhält?
Hast du genauere Zahlen, wieviel die an Toll-Collect beteiligten Firmen in den Staat eingezahlt haben von dem Geld, dass sie bisher aus dem missslungenen Mautprojekt gescheffelt haben?



geschrieben von: decay73

Zitat:
Original geschrieben von Odessa
Dann mach das mal und gib mir Bescheid, wenn Du ein Land/System findest, wo Du - ohne etwas leisten zu müssen - die volle "Grundversorgung" auf Kosten anderer Menschen bekommst. Denn in dieses Schlaraffenland folge ich Dir dann unbesehen, und das meine ich keinesfalls zynisch sondern im vollen Ernst.

Natürlich wird man kaum ein Land finden, welches insgesamt mehr zu bieten hätte. Nur gibt es sicher einige Länder, in denen die Menschen insgesamt glücklicher und zufriedener sind.
Geld allein macht nicht glücklich und die gesellschaftliche Realität ist alles andere als glücklichmachend.
Ich bestreite ja nicht, daß Harz-IV insgesamt schlecht ist, auch bestreite ich nicht, daß es einem hier in Deutschland nicht an viel mangelt, wenns ums überleben geht.
Und daß es Faulpelze gibt, die versuchen das System auszunutzen bestreite ich auch nicht. Aber wenn einer in Florida ausreicht, um die halbe Bevölkerung in Mißkredit zu bringen und parallel dazu Schwarzarbeit und illegale Beschäftigung als quasi 'Kavaliersdelikt' angesehen wird, obwohl es Milliarden kostet, pro Jahr ca. 30 Mrd. Euro Steuergelder verschwendet werden, gesunde Unternehmen auf dem Rücken der Bevölkerung abschreiben und alles dafür tun, in D. keine Steuern und Abgaben bezahlen zu müssen, dann stimmen da einige Relationen nicht mehr. Das System ist insgesamt mehr als krank und ausbaden müssen es wieder andere.
Vielleicht hätte es ja schon für den Anfang gereicht, wenn mit offenen Karten gespielt worden wäre. Aber das hat die Regierung schon mal verpaßt, und die Opposition legt lieber gleich noch einen drauf, erklärt aber auch nicht viel mehr, während die Liberalen mit dem Slogan „Herz statt Harz“ Werbung machen. Ausgerechnet die.
Da muß man es ja mit der Angst zu tun bekommen.
Und Angst zieht sich mittlerweile durch die ganze Gesellschaft. Das kann nicht gesund sein.
Nicht nur, daß die Angst die Menschen krank macht, sie in Depressionen stürzt, auch alte Leute geben lieber den Löffel ab, als in ein Heim abgeschoben zu werden (obwohl die Heime so schlecht nun auch nicht sind), aber sie haben Angst, weil öffentlich nicht mehr rational diskutiert wird und weil immer und überall nur noch Zerrbilder publiziert werden, wie z.B. den immerfitten 70-jährigen, der noch alles kann, was er will. Über die Heime wird nur negativ berichtet. Kein Wunder, daß die Alten Angst bekommen.
Und genauso läuft es auch mit der Diskussion um die Harz-Gesetze. Da werden Einzelfälle so lange aufgebauscht, bis man zu der Meinung kommen muß, daß alles so sind, daß alle einfach nur faul sind, und daß es ja soooo einfach ist, einen Job zu bekommen...komischerweise bekommen manche aber einfach keinen mehr, selbst dann nicht, wenn sie sich weit unter ihrer Qualifikation um einen Job bemühen (btw.: was sollen denn die jetzigen Klofrauen und Straßenfeger arbeiten, wenn die ganzen Dr.‘s und Dipl.-Ings. ihnen schon diese Jobs vor der Nase weggenommen haben?).
Natürlich ist es auch nicht o.k., was der „Florida-Rolf“ gemacht hat, aber er hat auch nichts anderes gemacht, als geltende Gesetze ausgenutzt.
Aber da wird nun lieber über die Sozialfälle insgesamt hergezogen, anstatt solche Schlupflöcher einfach mal zu schließen.

Die ganze Diskussion ist mittlerweile eine reine Neiddiskussion. Und zwar nicht nur eine von unten nach oben, sondern auch von oben nach unten oder in der Horizontalen.
Die 'da unten' sind neidisch auf die 'da oben' weil die sich z.B. im Gesundheitssystem eine Versorgung deluxe leisten können, die da oben sind neidisch auf die da unten, weil die Leistungen bekommen, auch wenn sie nicht so viel in die Kassen eingezahlt haben und der Nachbar hat sowieso das bessere Auto.
Jeder achtet doch peinlichst genau darauf, daß da auch garantiert nicht jemand auch nur 50Cent zu viel bekommt. Und wenn doch ist das Geschrei groß und es werden scharfe Konsquenzen für alle gefordert.
Natürlich sind die Medien hier auch nicht ganz unschuldig. Dort wird ein Zerrbild vermittelt, was es so nicht gibt. Und so bekommen Arbeitslose einen Stempel verpaßt auf dem ganz pauschal steht: 'nutzlos, wertlos, dumm und faul', was auch hier zu sehen ist. Billige Meinungsmache und Polemik und auch hier wieder die Diskussion „Aber ich bekomme nur...die anderen bekommen...das darf einfach nicht sein“.
Und da frage ich mich doch, wo ich eigentlich lebe?
Ilo, und wenn du dir zu fein bist, Unterstützung zu beantragen und dir lieber deine Gesundheit ruinierst, kann ich dir auch nicht helfen. Volkswirtschaftlich sinnvoll kann das auch nicht sein.

Zitat:
...Wer spricht von Almosen und Betteln? Ich kann hier nicht auf Deine Antwort so eingehen wie ich möchte, weil dazu Deine private Situation angesprochen werden müsste und das tue ich hier nicht. Aber Du weisst es und ich auch, dass DU garantiert nicht wirst betteln müssen.

Natürlich niemand direkt. Aber so gelegentlich schimmert es dann doch durch und auch auf diesem Board habe ich schon sowas in der Art gelesen.
Abgesehen davon muß man hier tatsächlich nicht betteln, das nennt sich nur anders. Vieles wird nämlich erst nach Einlegung eines Widerspruchs bewilligt - und dann aber anstandlos und ohne weiteres Nachfragen und das, obwohl von vornherein klar ist, daß es dringend notwendig ist.
Und wenn einem ein Arzt vorwurfsvoll fragt "Aber Sie wissen doch, was das alles kostet?" bekommt man es schon eine mittelmäßige Krise. Wenn du z.B. (wie es einer Bekannten passiert ist) einen Rolli brauchst, kann es dir passieren, daß das alles 10 Mal geprüft ist, und nach 2 Monaten(!) hast du ihn dann vielleicht. Wenn man sich da nicht als Bittsteller vorkommen soll, weiß ich es auch nicht.
Alternativ könnte nämlich die KK auch sagen: 'O.k., da kann jemand nicht mehr laufen, der Arzt hat es nachgewiesen, also sehen wir schnell zu, daß der Mensch wieder nach draußen kommen und einkaufen fahren kann."
Und fast bin ich ja schon froh, daß das teure Medi bei mir nicht angeschlagen hat. Wenigstens habe ich jetzt nicht mehr regelmäßige Gewissensbisse. Die öffentliche Diskussion über diese Medi wurde im übrigen u.a. auch darüber geführt, ob es sich denn finanziell überhaupt lohnt...keine Rede davon, was es einem gesundheitlich bringt.

Es gibt viel zu tun, keine Frage, die Frage ist nur wie, und das wichtigst dabei ist –wie immer- die Leute auf dem Weg mitzunehmen. Und das wurde hier auf jeden Fall völlig vergessen.

Zitat:
"Ey man,...wenn ich arbeite ich arbeite für mich und meine joints, aber ich arbeite nicht für joint von anderem rastafariman, eeh, nicht böse sein man, aber das ist uncool - peace love und jetzt leg ich mich in die sonne, maaaan".... oder so ;-)

Ich glaube da verstehst du was falsch an dieser Kultur...



geschrieben von: 2378

Ich sprach nicht von den Vorständen sondern von den vielverdienern die aber noch locker unter den 100000 sind - die tragen verdammt viel:
Ein Beispiel von einem Jahresgehalt von 50000 Euro:
Lohnabrechnung für Zeitraum: Jahr 2004

Bruttogehalt: 50.000,00 EUR

kein 400-EUR-Job oder Minijob
Beschäftigungsort: Alte Länder
Steuerklasse: I
Kirchensteuersatz: 9.0%
Kinderfreibeträge: 0.0
Lohnsteuerfreibetrag/Monat: 0,00 EUR
kein Altersfreibetrag
allgemeine Lohnsteuertabelle

Steuerabzüge:
Lohnsteuer: -12.393,00 EUR
Solidaritätszuschlag: -681,61 EUR
Kirchensteuer: -1.115,36 EUR
-14.189,97 EUR

Sozialversicherungsabzüge (Arbeitnehmeranteile):
Krankenversicherung: -3.138,75 EUR
Pflegeversicherung: -355,72 EUR
Rentenversicherung: -4.875,00 EUR
Arbeitslosenversich.: -1.625,00 EUR
-9.994,47 EUR
________________
Nettogehalt: 25.815,56 EUR

Ich finde die zahlen verdammt viel ein (besonders mit Arbeitgeberanteil) und genau ab da ist das Problem, wenn die auch alle nicht arbeiten wollen - wo geht dann unser System hin oder die die noch etwas mehr verdienen so ca. 750000 oder so.
(soweit ich weiß, kann man auch erfahren wieviel Vorstände verdienen - man muss nur mal recherchieren)

Tja - wenn Geld nicht glücklich macht (gute Erkenntnis) wieso wollen dann die ganzen Empfänger aber noch mehr Geld vom Staat? Wenn nur eine Aufgabe glücklich macht, warum suchen die Leute sich dann nicht erstmal ehrenamtliche Betätigungen - kommt dazu bestimmt besser in den Lebensläufen an als wenn da steht - 15 Monate nichts gemacht... - die Möglichkeiten gibt es...

Stolz ist aber für den Menschen etwas wichtiges - solange man etwas macht ohne seinen Stolz zu verletzen hat man wenigstens in dem Sinne keine Probleme mit sich...

Medis... ich sehe bei meiner Mutter wie teuer die Präperate sind, aber auch, dass sie was bringen... - wenn Medikamente was bringen sollte man sie bezahlen und punkt...

Ich sehe aber auch, dass dank den neuen Volksportes Depressionen (und [ironie on] jeder Sozialhilfempfänger muss sie ja haben, weil es ihm sooo schlecht geht [ironie off]), dass Leute die ernsthaft daran erkranken (und eben genau deswegen viel Jahre nicht zum Arzt gehen (komm reis dich zusammen und jammer nicht...), man später es noch schlechter behandeln kann und ich finde, wenn jemand es 20 Jahre oder länger hat, dann sieht man da einen Unterschied zu dem anderen... (sorry da reagiere ich sehr empfindlich)





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