So, in irgendeinem Thread, ich weiß gar nicht mehr, wo es war, tauchte die Idee einer Gothic-Sitcom auf... gestern im Nachtleben hab ich die Idee mit Camouflage wieder ausgegraben und mal ein erster Brainstorming gemacht... und jetzt geht es endlich los!
GoSick - die schwarze Sitcom ------------------------------
...eine schwarze WG, irgendwo in Deutschland... und ihre Bewohner... Bilder der Hauptdarsteller - dank an Julya :) Malte & Judy Die Lady & Vicomte Armand w15 & Tomme Barney Azy(den Barney daneben bitte ignorieren - das vorherige Bild gilt!)
Name: w15 Aussehen: schwarzes Kleid, Pentagramm und Buffalos Job: Schülerin Favourite Music: HIM Hauptbeschäftigung: chatten
Sie heißt eigentlich Kathrin und hat mindestens ein Dutzend verschiedene Nicknames in diversen Chatforen, aber aufgrund der unzähligen Kontaktanzeigen, die sie im SonicSeducer, Orkus und Gothic-Magazine aufgegeben hat und die alle mit w, 15, sucht... beginnen, wird sie einfach nur w15 genannt.
Name: Tomme Aussehen: wie Guildo Horn in schwarz Job: arbeitet im Getränkemarkt Favourite Music: Joy Division Hauptbeschäftigung: lamentieren, das früher alles besser war
Tomme ist unglaublich alt, wie alt genau weiß keiner, aber schon über 30! Er hatte (nach eigenen Aussagen) früher selbst mal einen Club und unheimlich viel zu sagen gehabt in der Szene, aber das ist lange her. Jetzt bleibt ihm nichts als sein demütigender Job und die Erinnerungen an die guten alten Zeiten.
Name: Die Lady Aussehen: Unglaublich aufwendiges Styling, toupierte Haare, perfekt geschminkt, unbezahlbare Samtkleider, Fächer... Job: Verkäuferin in einem angesagten Szene-Laden Favourite Music: L'âme Immortelle Hauptbeschäftigung: Besser sein.
Bedarf keines weiteren Kommentares.
Name: Vicomte Armand Aussehen: Lange goldene lockige Haare, elegantes Samt, Vampir wie aus dem Bilderbuch Job: Grafik-Designer Favourite Music: Lacrimosa Hauptbeschäftigung: mit mäßigem Erfolg Frauen becircen
Versucht, den Lebenstil eines eleganten Vampirs zu perfektionieren.
Name: Malte Aussehen: kurze Rastas, Brille, Schottenrock, 'Never trust an Orc'-T-Shirt Job: Student Favourite Music: Subway to Sally Hauptbeschäftigung: Rollenspiele
Die anderen sind sich nicht einig, ob er eigentlich wirklich zur Szene gehört, da er die meiste Zeit mit Rollenspielen verbringt und nur sporadisch aus seinen Fantasie-Welten auftaucht.
Name: Judy Aussehen: schwarze Haare, an den Seiten abrasiert, Ringe unter den Augen, zerrissene Klamotten, 'Keine Macht für niemanden'-T-Shirt Job: Keinen. Favourite Music: Einstürzende Neubauten Hauptbeschäftigung: Zynisch sein, Fremdwörter mißbrauchen, Suizid
Sie ist intelligent. Sie ist intellektuell. Und sie ist unverstanden. Ein hartes Los.
Name: Azerlachymotharnoth666 (kurz Azy) Aussehen: 1,45m groß, aber böse! Eine schwarze Kutte und ein umgekehrtes Kreuz ist alles, was man von ihm sieht Job: macht eine Ausbildung als Metzger Favourite Music: Marylin Manson Hauptbeschäftigung: schwarze Messen
Er ist der böse Quoten-Satanist in der Serie. Ich als Drehbuchschreiber aus der Szene weiß ja, daß es so Leute in Wirklichkeit gar nicht gibt, aber mein Produzent hat mich dazu verpflichtet den mitreinzunehmen. Tut mir leid.
Name: Barney (Das Ding im Keller) Aussehen: Nosferatu Job: ??? Favourite Music: ??? Hauptbeschäftigung: ???
Barney lebt im Keller der WG. Er kommt fast nie hervor, sondern sitzt meist nur allein im Dunkeln. Ab und zu macht er beunruhigende Geräusche oder lugt mal aus der Kellertür hervor, um etwas unverständliches zu sagen und wieder zu verschwinden. Niemand weiß wo er herkommt oder was er eigentlich ist.
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Soweit mal die Vorstellung der Hauptdarsteller.
Einige Standards aus anderen Sitcoms mußten natürlich übernommen werden, zB die Lacher vom Band. Allerdings wurden diese ein wenig an die Zielgruppe angepasst:
[Laughter] - normales Gelächter
[evil Laughter] - böses gemeines Lachen
[satanic Laughter] - wirklich beunruhigendes böses gemeines Gelächter
[sadistic Laughter] - schadenfrohes 'Hähähä!'
[evil giggle] - hinterhältiges Hexengiggeln
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So, ich denke ich werde dann morgen mal den ersten Teil hier reinstellen und es dann in unregelmäßiger Abständen fortsetzen. Bitte tut mir zwei gefallen:
1. Nicht ungeduldig werden wenns mal länger nicht weitergeht, muß halt sehen wie ich die Zeit dafür finde.
2. Bitte posted nicht in diesen Thread rein, damit GoSick lesbar bleibt. Ich habe einen zweiten Thread für eure Kommentare, Ideen und Beschimpfungen aufmachen, da könnt ihr euch dann austoben: Comments on GoSick
Gruß, der fluchtraum
[Dieser Beitrag wurde von fluchtraum am 22. Januar 2002 editiert.]
[Dieser Beitrag wurde von fluchtraum am 22. Januar 2002 editiert.]
[Dieser Beitrag wurde von fluchtraum am 22. Januar 2002 editiert.]
geschrieben von: fluchtraum
Teil 1: Death is just the beginning
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Szenerie: Blick in ein großes (Wohn-)Zimmer in einem alten Jugendstil-Haus. In der rechten Wand die Haustüre. In der hinteren Wand zwei Duchrgänge, durch den rechten sieht man in ein Arbeitszimmer, wo ein Schreibtisch mit Computer steht. Durch den linken sieht man in die Küche. Zwischen den beiden Durchgängen ist eine massive Eisentüre (hinter der die Kellertreppe lauert).
An der linken Wand führt eine Treppe auf eine Gallerie, von der aus mehrere Türen zu den Zimmern im ersten Stock und eine Leiter auf den Dachboden führen.
In dem Wohnzimmer befindet eine gemütliche Sitzgruppe aus schwarzem Leder, ein Fernseher und eine Stereoanlage.
Alles (bis auf die Anlage und den Fernseher) ist ein wenig verstaubt und altmodisch.
In einem dieser Ledersessel also saß der Vicomte Armand und bemühte sich, nicht wie der Rest der Wohnung einzustauben. So sehr das Ambiente seinem erlesenen Geschmack zusagte, so sehr störten ihn doch die Staubflusen, die sich auf seinem edlen Samthemd ansammelten. Er würde dringend staubsaugen müssen, oder, besser noch, würde jemanden finden müssen, der für ihn saugte, denn eine derart profane Tätigkeit lies sich mit seinem sorgsam kultivierten (Un-)Lebenstil nun beim besten Willen nicht vereinbaren.
Das Leuten der Türglocke riß ihn aus seinen Gedanken. Die Glocke klang uralt, schaurig und von Wind und Wetter verstimmt. Sie war nagelneu, und Armand hat viel Geld dafür bezahlt, damit sie so klang. Er erhob sich - mißmutig den Staub abklopfend - und hob mißbilligend die Augenbraue, als es ein zweites Mal ungeduldig leutete.
Vor der Tür stand Judy - ein Anblick, der dem hohen ästhetischen Anspruch des Vicomte zwar keinesfalls genügte, aber dennoch, Dame ist Dame und so verbeugte der Vicomte sich höflich, und versuchte, ihr einen Handkuss zu geben. Im letzten Moment bemerkte er, daß dies keine wirklich gute Idee ist, wenn die Dame eine glühende Zigarette in der Hand hält.
Vicomte Armand: "Carpe noctem, mit wem habe ich die Ehre?"
Judy (zweifelnder Blick): "Ich komme wegen der Anzeige... bin ich hier richtig wegen der WG oder bin ich in ein Casting für 'Inteview with a Vampire' geraten?"
[Laughter]
Armand: "Ah, Madame beliebt zu scherzen!" (Lächelt affektiert, Judy verdreht die Augen)
"Sie sind hier ganz richtig, meine Liebe, ich suche in der Tat noch dunkle Mitbewohner für mein bescheidenes Domizil. Aber gestatten sie, daß ich mich vorstelle: Mein Name ist Vicomte Aramand." (Deutet erneut eine Verbeugung an und überreicht eine Visitenkarte.)
Judy: "Okay wenn ich V.A. sage? (ohne eine Antwort abzuwarten) Hi VA, ich bin Judy."
Nickt mal kurz, läßt den Vicomte enfach stehen, schaut sich um und läßt sich in einen der Sessel fallen, was eine beträchtliche Staubwolke produziert. (Anmerkung an die Technik: vielleicht könnten wir für die Staubwolke mal kurz mit dem Nebelwerfer reinpusten und dann [Laughter])
Während Armand noch versucht, einen möglichst stilvollen Weg zu finden, um seiner potentielle Mitbewohnerin zu verdeutlichen, daß sie nicht unbedingt den von ihm gesetzten Standards entspricht und es sich vielleicht besser noch mal überlegen sollte, ohne jedoch bei diesem Rauswurf unhöflich zu erscheinen, hat Judy sich weiter umgesehen und die Leiter auf den Dachboden entdeckt.
Judy (aus dem off, Geräusch wie Schlafsack ausgepackt wird. Achja, Judy hatte natürlich einen großen Rucksack dabei mit Isomatte oben draufgeschnallt. Habe ich Eingangs vergessen zu erwähnen, wenn nachher mein Assistent das Manuskript checkt, soll er das gefälligst einfügen): "Ich bleib erst mal hier wenn's für dich okay ist, V.A."
Aramand (halb resigniert und halb verärgert): "Gewiß, solange du deine Miete zahlst, kannst du gerne hier wohnen."
Judy: "Seit wann muß man in der Hölle Miete zahlen?!"
[Evil Laughter]
Judy:"Davon mal abgesehen, ich hab ehe kein Geld weil ich kein Job hab. Und bevor ich nun irgendwelche moralischen Grundsatzdiskussionen aufdoktriniert bekomme, möchte ich gleich anmerken, daß meine temporäre finanzielle Problematik nicht auf persönliches Versagen zu deduzieren ist, sondern nur symptomatisch ist für das kapitalistische System dieses ach so schönen Landes, welches trotz pseudosozialer Wirtschaftspolitik keine effiziente Subvention kreativ schaffendes Freigeister realisiert."
[Laghter]
(Ja, ich weiß daß das mit den Lachern vom Band albern ist aber mein Produzent besteht darauf. Jetzt werft mir meinetwegen vor ich wäre kommerziell aber von irgendwas muß ich ja leben, oder?! Ach, wißt ihr was, ich lasse die blöden Lacher erst mal weg und mein Assistent soll die dann später einfügen.)
Während Armand noch versucht, zu verstehen, was Judy von sich gab, fährt diese schon fort:
"Also du hast zwei Möglichkeiten, entweder schmeißt du mich raus, damit ich auf der Straße allein und elendig erfriere, wie ich es schon mein ganzes Leben tue, womit wieder mal bewiesen wäre, was für eine tolle hilfsbereite Familie die schwarze Szene doch ist, oder du läßt mich erstmal für lau hier wohnen und wartest einfach, bis ich irgendwann aufgeb und mir den Strick nehm."
(Erneutes Klingeln. Judy im off sich weiter am einrichten, Vicomte öffnet. In ein Rauchwolke gehüllt, tritt eine kleine schwarze Kapuzengestalt ein. Zweiter Einsatz der Nebelmaschine, die Anschaffung muß sich ja schließlich gelohnt haben.)
Tiefe böse Stimme: "Heil Satan! Mein Name ist Azerlachymotharnoth666, und ich werde hier wohnen! Habt irh irgendwelche Haustiere oder Jungfrauen?"
Armand(einen Schritt zurückweichend):"Hinfort, beseelter Staub!"
Azy(irritiert):"Was?"
Armand(in die Kamera):"Ach, in welch erbärmlich unpoetischen Zeiten wir doch Leben, nicht einmal die Zeilen des unsterblichen Baudelaire kennt jene gar zu düstere Gestalt. Mir deucht, ich muß deutlicher werde"
(zu Azy) "HAU AB, mit deinesgleichen wollen wir hier nichts zu tun haben! Hast du eigentlich eine Ahnung davon, wie lange ich gebraucht habe, um dieses Haus zu bekommen? Wie lange ich den Vermieter beruhigen mußte, daß wir nur ganz harmlose Leute sind und keine Friedhofsschänder? ICH WILL MIT SATANISTEN NICHTS ZU TUN HABEN!"
Azy(holt einen kleinen schwarzen Koffer aus seiner Kutte hervor) "Das... würde ich mir nochmal gut überlegen..." (öffnet den Koffer) "...mein Meister läßt ihnen dies hier senden."
(Vicomte bekommt große Augen und starrt noch bleicher als sonst in den Koffer. Die Kameraposition muß so sein, daß der Zuschauer nicht sieht, was in dem Koffer ist, wie bei Pulp Fiction. Damit können wir erstmal überspielen, daß ich momentan selbst noch keine Idee habe, was in dem Koffer ist.)
(Armand beeilt sich plötzlich, Azy einen Platz und einen Drink anzubieten) "Ähem, eh, das ist natürlich etwas anderes... seien sie herzlich willkommen, bleiben sie so lange sie möchten... wie war doch gleich ihr werter Name?"
"Azerlachymotharnoth666"
"Azetonwas?"
"Azerlachymotharnoth666... Azy für meine Freunde-"
"Gut, Azy, ich-"
"-aber ich habe keine Freunde. Mein Meister hat mir verboten, Freunde zu haben. Der Weg zu Satans macht und Glorie ist einsam und steinig."
Erneutes Klingeln an der Türe...
[-wird fortgesetzt-]
[Dieser Beitrag wurde von fluchtraum am 19. Januar 2002 editiert.]
geschrieben von: fluchtraum
Vor der Türe steht niemand, und exakt 0.284 Sekunden lang passiert nichts. Dann macht es ein wenig spektakuläres 'Plopp', und ein Pfeil trifft Armand in die Brust.
Diese Tatsache ist alleine deshalb nicht lethaler Natur, da die Spitze des Pfeiles aus einem weichen Schaumstoffball besteht. Die Verwendung des Wortes 'Spitze' ist daher, genaugenommen, unzutreffend und man müßte eigentlich von einer 'Stumpfe' sprechen.
Dementsprechend bleibt das erwartete Blutspritzen auch aus und lediglich eine Staubwolke wird von dem Armands Hemd aufgewirbelt. Dieser vergißt daraufhin mal seinen Lebensstil und sagt:
"Was-?"
In diesem Augenblick springt irgendwo aus einem Gebüsch Malte - den Bogen noch in der Hand, den Köcher auf dem Rücken, ein Schaumstoffschwert am Gürtel neben dem obligatorischen Dicebag, gekleidet in Schottenrock und Kettenhemd - und stakst zur Tür mit den Worten "HA, ein Langbogen macht 1W+4 Schaden und du trägst keine Rüstung. Im Ernstfall sind meine Pfeile mit Kukris vergiftet, dann hättest du jetzt keine Chance gehabt!"
(Drinnen....
...Azy horcht bei dem Wort 'Gift' kurz auf...
...Judy, die Maltes Ankunft durch das Dachfenster beobachtet hat, verdreht die Augen und murmelt: "Oh Gott, auch noch ein Rollenspinner!"...
...und irgendetwas rumpelt im Keller...)
"Aber," fährt Malte dem perplexen Armand gegenüber fort, "darf ich mich vorstellen? Mein Name ist Konadil Rebenstein, Bogenschütze im Dienste seiner Majestät Kaiser Hal und Veteran der Borbarad-Kriege."
Er salutiert zackig, was nur einen vertändnisslosen Blick von Armand zur Folge hat.
"...oder auch Santiago di Lorente, vom Clan der Tremere, 8. Generation..."
(Was nicht gerade dazu beiträgt, Armands Verständnislosigkeit zu reduzieren)
"...oder auch Silversnake, unabhängiger Runner aus dem Rhein-Rhur-Megaplex."
Es folgt ein etwa dreisekündiges Schweigen, in dem Armand etwa folgendes denkt:
'Meinertreu, was bedeutet nun dieses? Contenace, Vicomte, es gibt gewiss eine ganz natürliche Erklärug dafür...'
Während Malte etwa folgendes denkt:
'Oh, kein Rollenspieler? Aber ich könnte wetten, daß ist einer von den Ventrue, bei dem Outfit. Vorsicht, Santiago, der will dir eine Falle stellen. Oder? Nein, der hat echt keine Ahnung. Das ist gar kein Rollenspieler.
Oh.
Habe ich mich gerade unpassend benommen?'
"...oder auch Malte. Ja, ähm. Malte. Hallo."
Er hängt umständlich den Bogen auf den Rücken, um eine Hand zu Schütteln freizuhaben, welche Armand auch ergreift:
"Nun, mein Name ist Vicomte Armand, sei willkommen in meinem bescheidenen Domizil. Sind Sie Schauspieler?"
Malte (seufzend): "Naja, so in etwa..."
"Oh, exzellent, mein Wertester - unsere Familie hat seit jeher die Künste gefordert. Es wäre eine Ehre, dich hier als Mitbewohner begrüßen zu dürfen. Auch haben wir Verständnis für gewisse künstlerische Exzentritäten, nur muß ich dich bitten, im inneren des Hauses keinen Gebrauch vom Bogen zu machen."
"Cooool!"
Malte kommt herein, sieht Azy, und in der nächsten Sekunde sitzt er schon bei ihm an den Tisch mit den Worten:
"Hey, dich kenn ich doch, hast du nicht den Schwarzmagier auf dem NordwaldCon5 letztes Jahr gespielt? Nein?! Dann, warte laß mich überlegen, Lunas Calling 2, diese Frühjahr im Harz? Ich-"
Azy (frostig): "Mit derart albernen Spielen verschwende ich nicht meine Zeit, diese ist höhren Zielen geweiht."
Malte: "Was, auch kein Rollenspieler? Also, hey, du willst mir doch nicht erzählen daß du in real mit der Kutte rumrennst. So abgedreht bin ja nicht mal ich!"
Azy (stellt sich auf einen Stuhl, um Malte ins Gesicht schauen zu können): "Ich bin Azerlachymotharnoth666, ein Hohepriester vom Orden der Blutigen Nase Luzifers (TM), und niemand nennt mich 'abgedreht'!"
Das nicht schon in diesem Moment schlimmeres passierte, ist dem Eingreifen des Vicomte Armand zu verdanken, der inzwischen seine Fassung wiedergewonnen hat und dazwischen geht mit den Worten:
"Aber, aber, werte Freunde, es besteht doch keinerlei Veranlassung für einen derart heftigen Disput, schließlich sind wir doch alle Gentleman und wissen was sich gehört. Gerne können wir zu späterer Stunde diese Thematik diskutieren, aber gepflegt bei Kerzenlicht und einem Glas Rotwein, wie es sich geziemt.
In der Zwischenzeit schlage ich vor, daß ich den Herren ihre Gemächer zeige, so daß sie sich schon einmal einrichten können..."
Die drei gehen über die Treppe nach oben und verschwinden hinter einer Türe...
...währenddessen... weiteres Poltern hinter der eisernen Kellertüre... dann das Geräusch eines schweren Riegels, der zurückgeschoben wird... die Tür öffnet sich einen Spaltbreit, man hört schweres Atmen, dann werden zwei rotglühende Augen sichtbar... als sie sich davon überzeugt haben, daß das Wohnzimmer leer ist, schlurft eine Nosferatu-ähnliche Gestalt herein - hager, kahlköpfig, verkrümmt, klauenartige Hände, rot unterlaufene Augen, ein gehetzter Blick, ein alter Mantel aus schmutzigen Stoff, einen Knochen an einer Kette um den Hals und pinke Plüschpantoffeln an den Füßen. Vorsichtig macht er ein paar Schritte in den Raum hinein und sieht sich immer wieder um. Dann spricht er, mit leiser rauher Stimme, offenbar zu sich selbst: "Barney daheim... weiß wo die Spinnlein singen...ch-ch-ch..."
Er macht ein paar Schritte zu dem Tisch, wo noch immer Azys Koffer liegt... neugierig, mit gebleckten Zähnen und gierig zitternden Klauen öffnet der langsam den Koffer... (wieder so, daß die Zuschauer nicht hineinsehen können. Ich hatte heute morgen eine Idee, was drinnen ist, aber die Spannung soll noch ein wenig gewahrt bleiben.) ... blickt hinein...erschrocken weicht er zurück, schlägt instinktiv die Arme vor das Gesicht, beginnt zu wimmern "Nein, nein, nicht sie, nicht diese Grausamen, ohoh, armer Barney..."
Mit abgewandtem Blick schlägt er den Koffer zu, huscht zurück zur Kellertreppe...
"Barney geht zurück ins Dunkel, ohoh..." (hält sich den Kopf) "...zurück wo die Spinnlein singen, ohoh, armer Barney..."
Er schließt die schwere Eisentüre hinter sich, dann das Geräusch von mindestens fünf Riegeln, die diesmal vorgeschoben werden, dann nach unten verschwindende Schritte auf der Treppe.
Einen Moment ist es still in dem Haus. Der Koffer liegt rätselhaft und scheinbar unschuldig dar. Durch die noch immer offenstehende Haustüre weht ein kalter Wind herein.
Dann ein wütender Ausruf des Vicomte Armand aus dem off (erster Stock):
"Nein, wenn du schon Tiere schlachten möchtest, dann du das gefälligst in der Küche - aber ich will keine Sauerei auf meinem Teppich haben!"
Durch die offene Haustür tritt Tomme - wie Guildo Horn in schwarz, viel zu enge Lackhose und Rüschenhemd. Er bleibt stehen, bückt sich und hebt Maltes Pfeil auf, der noch immer dort liegt, betrachtet ihn eine Weile eingehend von allen Seiten und murmelt dann:
"Sowas hätte es zu meiner Zeit nicht gegeben - damals haben wir noch mit echten Pfeilen geschossen, aber diese ganzen Pseudos heutzutage..."
Er zuckt resignierend mit den Schultern und blickt sich um:
"Hallo, jemand da? Hier ist Tomme."
Keine Reaktion.
Oben tritt Malte aus seinem Zimmer auf die Gallerie und hängt einen Zettel von außen an seine Tür, ohne Tomme zu bemerken.
Dieser räuspert sich, dann:
"Carpe noctem, ich bin Tomme."
Malte, beiläufig ohne sich umzudrehen:
"Hi Tomme!"
...überfliegt nochmall murmelnd seinen Zettel:
"...Schutzkreis gegen böse Kreaturen... diese Schwelle nicht überschreiten... 12 Magiepunkte... Spielleitung fragen.. ja, gut..."
Er geht zurück in sein Zimmer ohne Tomme weiter zu beachten - dieser traurig...
"Seufz... ja, der Tomme..."
[- to be continued -]
[Dieser Beitrag wurde von fluchtraum am 20. Januar 2002 editiert.]
geschrieben von: fluchtraum
Tomme sieht sich weiter in dem leeren Wohnzimmer um, schaut dann mal in die Küche und öffnet den Kühlschrank in der Hoffnung auf Bier, findet dort jedoch leider außer einigen Dosen mit Sprühsahne nichts genießbares. Enttäuscht schlurft er zurück und wendet sich dem CD-Regal zu, muß jedoch feststellen, daß der Großteil der Alben aus den letzten Jahren stammt und ihm daher völlig unbekannt ist.
Während er noch vergeblich versucht, sich in der hier manifestierten Musikgeschichte zurechtzufinden, ist w15 inzwischen etwas schüchtern eingetreten.
"Entschuldigung... ich komme wegen der Anzeige..."
Tomme dreht sich um, und die beiden mustern sich. Zwischen ihnen liegen 4 Meter und 20 Jahre. (Also ein Jahr pro zwanzig Zentimeter.) Als w15 langsam registriert, was sie sieht, weiten sich ihre Augen vor erstaunen:
"Oh, ich wußte gar nicht daß es so alte Gothics gibt. Ich dachte wir bringen uns alle früher um."
"Und ich dachte, daß sei 'ne schwarze WG hier und kein Kindergarten."
w15 schiebt die Unterlippe schmollend vor - eine Mimik, die sie bis zu einer Manga-würdigen Perfektion getrieben hat, sie jedoch nicht unbedingt älter aussehen läßt.
"Aber ich kann nicht wieder nach Hause!" sagt sie und gibt sich dabei Mühe, möglichst düster und entschlossen auszusehen - eine Mimik, die noch fern von jeglicher Perfektion ist.
Von den Stimmen aufmerksam geworden, hat Vicomte Armand inzwischen seine Diskussion mit Azy vorübergehend beendet, tritt aus dessen Zimmer und schickt sich an, die Treppe hinunter zu schreiten, um die Neuankömmlinge zu begrüßen.
Armand liebte diese Treppe. Eine dekorative Treppe mit einem schweren Geländer aus dunklem Holz. Sie war wie geschaffen dafür, um von einem Vampir mit nachlässiger Eleganz heruntergeschritten zu kommen. Sie war perfekt für stilsichere Selbstinszenierungen. Wie konnte irgendein Vampir, der etwas auf sich hielt, in einem Haus ohne eine solche Treppe leben?
Während er die Stufen hinabschritt, wurde ihm bewußt, daß er nicht wußte, was er stilvolles sagen sollte. Äußerlich bewahrte er seine Selbstkontrolle perfekt. Innerlich verfluchte er sich selbst dafür, die Gelegenheit für einen wirklich effektvollen Auftritt verpatzt zu haben.
Aus w15s Sicht jedoch war der Auftritt perfekt. Sie wußte ja noch nicht so viel über die Szene weil sie noch nicht so lange dabei war, und hielt geheimnisvolles Schweigen für erotisch - ein Wort, über dessen Bedeutung sie sich auch nur vage im klaren war. Aber das Aussehen des Vicomte Armand tat sein übriges, um sie rot werden zu lassen.
Solcherart sozial und psychologisch verursacht, war Tomme der einzige, der bei der Sache war und Armand ansprach:
"Hi, ich bin Tomme... ich komme wegen der Anzeige-"
Das Stichwort 'Anzeige' löste etwas aus bei w15, und automatisch begann sie zu sprechen: "Ich, w15, mag Friedhöfe bei Mondschein, Rotwein und die Musik von HIM. Aber meine Seele ist alleine in der Nacht. Geht es dir genau so wie mir? Wo sind die anderen dunklen Seelen aus dem Raum xxxxx?"
Es folgte eine allgemeine Pause, welche drei irritierte Gehirne niederzuringen versuchte. Das stilsichere Gehirn des Vicomte Armand konnte sich zuerst gegen die Pause durchsetzen. Innerlich seufzend, beschloß er diese neuen Mitbewohner zu akzeptieren. Nicht, das sie das waren, was er erhofft hatte, aber sie waren ihm immer noch lieber als weitere Kapuzenträger mit Namen wie Keuchusten666.
"Nun, meine werten Freunde," (elegante Verbeugung, die ihn sofort in die Schublade 'Schwuchtel' von Tommes Gehirn beförderte), "ich bin außerordentlich erfreut, euch in meinem bescheidenen Domizil willkommen heißen zu dürfen. Mein Name ist Vicomte Armand. Mylady, habe die Ehre..."
Ohoh, schaltete sich sofort eine Warnmeldung in w15s Kopf ein, Ehre, das gibt nur Ärger wenn einer von Ehre spricht, da war doch dieser Thread letzten No- ihre Alarmglocke wurde sofort besänftigt und zum schweigen gebracht, als der Vicomte ihr einen perfekten Handkuß zukommem lies. Es war der erste ihres Lebens, und gewisse Wörter, über deren Bedeutung sie sich nur vage im klaren war, schien auf einmal akuter zu werden. w15 errötete weiter. Sie mußte das ernsthaft in den Griff kriegen. Jeder weiß, daß Gothis bleich wie Sellerie sind und nicht rot wie Tomaten.
Tomme: "Ja, der Tomme... Club DecaDance, war wahrscheinlich vor eurer Zeit..."
In diesem Moment: Auftritt - die Lady.
[- to be continued -]
[Dieser Beitrag wurde von fluchtraum am 21. Januar 2002 editiert.]
geschrieben von: fluchtraum
Endlich - endlich, wo er die Hoffnung schon nahezu aufegegeben hatte - erschien ein Wesen, das den hohen stilistischen Anforderungen des Vicomte Armand entsprach - und ein weibliches dazu. Sofort veranlasste eine speziell für solche Anlässe ausgebildete Gruppe von Gehirnzellen, daß gewisse Neuronen-Verbindungen zuwischen Auge und Gehirn des Vicomte gekappt wurden, wodurch w15 und Tomme völlig aus seiner Wahrnehmung verschwanden.
Achja, was war mit den beiden?
Nun, w15 war ebenfalls fasziniert und natürlich neidisch, um nicht zu sagen eifersüchtig... und in Tomme blieb nur das traurige Gefühl des DejaVu, das Gefühl, diese Situation schon tausendmal erlebt zu haben, in unzähligen Samstagabenden in irgendwelchen Clubs... zu sehen, wie zwei so zielgerichtet aufeinander zusteuerten, und genau zu wissen: Vergiß es, die beiden sind heute Abend nicht mehr ansprechbar, also laß es.
Er machte was er in solchen Situationen immer machte, obwohl es noch nie Sinn ergeben hatte: Er murmelte: "Ich geh mal Kaffee kochen..." und verkrümelte sich in die Küche.
Nun aber zurück zur Lady. Diese, wie ich bereits erwähnte, trat auf. Die Komplexität ihres Kleides mit all seinen raffinierten Falten, Rüschen, Spitzen und Dingen, für die wahrscheinlich höchstens die Schneider die korrekten Bezeichnungen kennen, hatte für einen unvoreingenommenen Beobachter etwas von den Segeln eines Dreimasters, und es war eine etwa eben so umständliche Prozedur, dieses Kleid anzuziehen, wie die Segel eines Dreimasters zu hissen. Diese ohnehine mißlungene Analogie war des weiteren völlig irrelevant, weil in der Gegenwart der Lady kein Beobachter lange genug unvoreingenommen blieb, um derart abstruse Vergleiche zu machen. Ich werde es mir daher ersparen, ihr kunstvoll geschminktes Gesicht mit einem Gemälde von Boticelli zu vergleichen, oder ihre kunstvoll toupierten Haare mit einer Hochzeitstorte, oder ihr reizendes Lächeln mit einem arroganten Lächeln.
"Milady, ich bin äußerst entzückt, euch hier in meinem bescheidenen Domizil begrüßen zu dürfen. Eure Schönheit zaubert einen Glanz in diesen Raum, der unvergleichlich ist und der uns hoffentlich nie mehr verlassen wird."
(Verbeugung & Handkuß. Vom Dachboden ein halblautes 'Ohgott, das Gesülze ist ja nicht zum aushalten', dann wird die Luke zugeschlagen. Tomme kocht Kaffe und denkt über die alten Zeiten nach, und an die Frauen von damals, ja, das waren noch Frauen!)
Die Lady hat in der Zwischenzeit die Begrüßung wohlwollend angenommen und verbirgt ihr Lächeln kokket hinter ihrem Fächer. Sie sieht sich ein wenig in der Wohnung um - überlegt - und - dann - ja - dann - dann - beschließt sie tatsächlich, daß dies gut genug für sie ist und sie einziehen wird, und ihre perfekten Lippen öffnen sich einen verführerischen Spalt weit, als sie zu sprechen beginnt, und als sie dafür Luft holt, geht eine kaum merkliche Bewegung durch die göttlichen Rundungen, die aufreizend unter dem Kleid verborgen liegen, und dann also nach diesem köstlichen Augenblick spricht sie und sagt:
"Jo mei, des is schoa rächt schee hier, i denk amol da bleib i a weil."
w15 muß natürlich die beinahe romantische Szene, die sich zwischen Vicomte Armand und der Lady anzubahnen drohte (ja, drohte!), mal wieder stören - was eigentlich so schlimm gar nicht wäre, den aus Eifersucht anderen dazwischenfunken scheint durchaus ein Mittel zu sein, um in der Szene anerkannt zu werden. Aber w15 war (natürlich) einfach nicht stilvoll genug. Denn sie sah die Lady einfach nur verständnislos an und sagte "Was?"
Die Lady atmete tief ein (was weitere interessante geologische Veränderungen in ihrem Ausschnitt zur Folge hatte, wie der Vicomte erfreut feststellte), stemmte die Hände in die Hüften, zog die Augenbraun hoch und sah w15 von oben herab an.
(Jahre später, als w15 sich an ihre erste Begegnung mit der Lady erinnerte, beschrieb sie ihr Gefühl in diesem Moment mit folgenden Worten: "Das ist, als bist du Skifahren und merkst, daß sich über dir ein Schneebrett löst, und du blickst hoch und siehst diese Lawine ganz klar über dir hängen, kalt, groß und wunderschön, und du merkst, wie sie scheinbar ganz langsam auf dich zukommt und weißt, daß du nichts machen kannst. Und dann denkst du einfach nur: Scheiße.")
"Hob i mit dir gschwätzt? Na, han i net, weil unserereins schwätzt fei ned mit jeder dahergelaufenen Dirn, und wenn's dazu noch so a scheißlich Kleid a hot... poah! Da han i beim Aldi scho schickeres gesehn, weischt!"
Die Lawine war da. Aber kein Bernhardiner mit Rumfässchen in Sicht. Wieder einmal war der Traum vom Dazugehören gründlich mit eleganten Stiefeln getreten worden.
w15 drehte sich um, damit niemand sah, daß ihr Tränen in die Augen schoßen. Aber dabei sah sie den PC, und sofort war sie gerettet.
Ohgott, sie war schon fast zwei Stunden offline! Sofort stürmte sie zum Rechner - zwei Stunden, wer weiß, was inzwischen alles passiert war. In einer geübten Bewegung flogen ihre Finger über die Tastatur und fuhren mehrere Chatfenster gleichzeitig hoch. Die Symbiose Mensch-Maschine war nahezu perfekt.
Und der Vicomte und die Lady endlich ungestört... zumindest vorübergehend.
[- to be continued -]
[Dieser Beitrag wurde von fluchtraum am 23. Januar 2002 editiert.]
geschrieben von: fluchtraum
(Anmerkung: Jetzt müßte der Vicomte Armand natürlich irgendwelchen pseudoromantischen Kitsch von sich geben, und dir Lady müßte schmachten. Aber ich habe kein Bock, dieses Gesülze zu schreiben, das soll mein Assistent nachher einfügen.) Das geht dann 3, 4 Minuten so, bis...
...die Türe von Maltes Zimmer öffnet sich, und Malte kommt heraus - nach wie vor in Kettenhemd, mit Bogen bewaffnet, mit einem ernsten Ausdruck im Gesicht und einem Brief in der Hand. Er stützt sich (nicht uneffektvoll, wie der Vicomte anerkennen muß) auf das Geländer der Galerie, blickt zu den beiden herab und spricht:
"Ich muß nun aufbrechen und eine Botschaft überbringen. Der Briefkasten ist etwa eine halbe Meile in nordöstlicher Richtung. Sollte ich nicht binnen des vierten Teils einer Stunde zurück sein, dann sendet einen Suchtrupp aus."
Mit entschlossenem Schritt stiefelt er die Treppe hinunter, geht zur Tür (der Vicomte lächelt nur uneindeutig, die Lady sieht mißbilligend auf Malte's unrasierte Beine), bleibt im Türrahmen nochmal stehen, dreht sich um, salutiert und brüllt: "LANG LEBE KAISER HAL!"
Dann läuft er los. Aber der plötzliche Schrei gibt der Lady endlich die ersehnte Gelegenheit, um mit einem milkazart gehauchten 'Ahh' in Ohnmacht zu fallen, wobei sie sich natürlich noch, wie es sich gehört, mit einer Hand an die Schläfe fasst.
Sie hatte sich deswegen extra eine Kamerea gekauft, denn vor dem Spiegel üben konnte sie es ja nicht, da man beim in-Ohnmacht-Fallen nunmal die Augen zerst verdreht und dann schließt und irgendwie mußte sie ja wissen, ob sie dabei eine gute Figur abgab.
Nun, Armand war sie sicherlich gut genug, denn er sprang gleich hinzu, um sie gentlemanlike aufzufangen und dabei auch etwas weniger gentlemanlike Körperkontakt herzustellen. Seine Selbstbeherrschung war eisern (und nicht nur die), aber innerlich machte er einen Freudensprung, dachte eine sehr unstilistisches 'Strike!' und verzieh Malte die Sache mit dem Pfeil.
Ferner hatte der Schrei folgende Folgen:
-Tomme verschüttete seine Tasse Kaffee, schaute mitleidig auf sein bekleckertes Hemd und sagte ohne viel Elan: "Och nee."
-w15 vertippte sich vor Schreck und kam auf die Returntaste. Sie hatte eigentlich gerade jemanden im Chat trösten wollen und wollte schreiben:
"Es wird garantiert alles schon wieder gut!"
Aber dadurch, daß sie zu früh auf Return kam, schickte sie nur "Es wird garantiert alles sch" ab.
Die Folgen davon am anderen Ende sind eine andere Geschichte, und ich möchste sie dem zartfühlenden Leser an dieser Stelle ersparen.
-Barney umklammerte im dunkeln seinen Kuschelkartoffelsack und wimmerte: "Oh, sie sind hiiiiiiier! Armer Barney..."
-Azy setzte Kaiser Hal auf die schwarze Liste seines Kultes
-Judy fühlte sich in ihrer Meinung über Liverollenspieler bestätigt: Männer mit Komplexen und Hormonüberschuß, die durch albernes Macho-Gehabe ihre intellektuelle Unterlegenheit kompensieren mußten. Die erneute Verifizierung ihrer Theorie machte sie auch nicht glücklicher, und sie beschloß, den anderen aus Rache so richtig intelektuell auf die Nerven zu gehen. Zu diesem Zwecke verlies sie den Dachboden, stapfte hinunter ins Wohnzimmer, setzte sich vor den Fernseher und schaltete Arte an. Der dort gerade laufende Bericht über das Schicksal mormonischer Bergarbeiter in Usbekistan und deren Einflüße auf das dortige Äquivalent von Kultur interessierte sie zwar kein Stück, aber das wußte sie selbst nicht. Sie glaubte wirklich daran, daß sie das interessant fand, und in dieser Selbsttäuschung gefangen, war sie auf unglückliche Weise glücklich, anspruchsvoller zu sein als die anderen. Demonstrativ zündete sie sich eine Kippe an und mißbrauchte ein Kristallglas des Vicomte (aus dem Nachlaß des Marquis de Sade und auf ebay ersteigert!) als Aschenbecher.
Der Vicomte ignorierte dies und säuselte derweil der Lady, die zwar längst wieder bei Bewußtsein, aber noch immer in seinem Arm war, etwas ins Ohr, daß es vielleicht an der Zeit sei, ihr Zimmer zu be- und sich gemeinsam mit ihm zurückzuziehen (und dich aus-, ergäznte er in Gedanken), und dies setzten sie auch in der und die Tat um, zumindest die ersten beiden Ziehereien.
Währenddessen, auf der Straße...
...Malte kam an einem dunklen Torbogen vorbei.
Im Torbogen stand jemand.
Er war groß.
Er trug schwarze Kapuze.
Am Gurt hing ein Stundenglas.
In der rechten Knochenhand eine Sense.
In der linken-
"Tolles Kostüm!", rief Malte im vorbeilaufen.
"DANKE", antwortete die Gestalt. Sie dachte einen Moment nach. "ABER WELCHES KOSTÜM?"
Doch Malte war längst weitergelaufen.
Die Gestalt zucke mit den Schultern - eine sehr beunruhigende Geste.
-in der linken die Tageszeitung mit den Wohnungsangeboten.
[- to be continued -]
(Anmerkung an meinen Assistenten: Setz dich bitte mal mit den Anwälten von Terry Pratchett in Verbindung und kläre, ob wir einen in Großbuchstaben sprechenden Gevatter Tod auftauchen lassen dürfen oder ob das eine Verletzung des Copyrights darstellt. Wenn es Probleme gibt, setze Pratchett auf die schwarze Liste.)
[Dieser Beitrag wurde von fluchtraum am 25. Januar 2002 editiert.]
geschrieben von: fluchtraum
...währenddessen, in der Wohnung. Etwas sickerte langsam in Tomme's Bewußtsein wie der Kaffee durch sein Hemd. Es war der Geruch von Zigarettenrauch, der sofort die bei ihm tief verankerten Schnorreflexe auslöste. Er schlurfte zurück ins Wohnzimmer und lies sich auf die Couch fallen, eine Hand müde zum Gruß hebend.
"Tomme..."
Judy blickte ihn an. Lassen Sie mich an dieser Stelle etwas zum Thema 'Datenkompression' sagen. Judys Blick enthielt folgende Informationen:
--Du bist nichts als ein erbärmlicher neurotischer alter Sack, mir intelektuell unterlegen, ein willenloses Opfer der kapitalistischen Konsumgesellschaft, du bis männlich oder wärst es gerne, trägst alberne Klamotten, hast keine Ahnung von Musik, kannst nicht sämtliche Texte der Neubauten auswendig, bist ein lästiger Schnorrer und hast Kaffeeflecken auf dem Hemd.--
Jedem anderen hätte ein solcher Blick sämtliches Selbstbewußtsein und jeden Funken Stolz geraubt, aber bei Tomme war da nicht mehr viel zu rauben und er war es gewöhnt, so betrachtet zu werden, deshalb bemerkte er es kaum und nahm sich einfach die Kippe, die Judy ihm in wortloser Verachtung hinhielt.
Eine Weile rauchten sie schweigend.
Unterdessen kam Azy wieder die Treppe herunter - eine für ihn nicht ganz leichte Tätigkeit, da er bei jedem Schritt über seine viel zu lange Kutte zu stolpern drohte - und wollte eigentlich in die Küche gehen, um sich auf die Suche nach einem viel zu großen Messer zu begeben. Doch auf halben Wege erblickte er w15... und das Schicksal versuchte stolpernderweise, seinen Lauf zu nehmen...
[-to be continued soon-]
geschrieben von: fluchtraum
(währenddessen, zur Erinnerung näherte sich eine weitaus bedrohlichere Gestalt dem Haus, die mit Azy nur die schwarze Kutte gemeinsam hatte...)
Nun, in der Theorie wußte Azy alles, was es über Jungfrauen und deren Opferung zu wissen gibt... aber irgendwie hatte seine Meister vergessen, ihm zu erklären, was davor kommt - was man machen muß, um die Jungfrau erstmal bis auf den Altar zzu bekommen. Auch mangelte es dem im Grunde schüchternen Azy überhaupt an der Fähigkeit, mit weiblichen Personen zu reden (was ja überhaupt erst einer der Gründe war, warum er sich dem Orden der blutigen Nase Luzifers (TM) angeschlossen hatte - na, wer von euch mitlesenden Satanisten erkennt sich darin wieder?) ... also eine derartige Situation war für ihn schlicht und einfach Neuland - das Land der sozialen Interaktion mit dem anderen Geschlecht.
Er fühlte sich unsicher. Und schwach. Er mochte das nicht.
Sie ist nur - ein Opfer, eine niedere Kreatur, nur Fleisch, versuchte er sich einzureden. Sein Geist wurde augenblicklich klar, böse und von einer dämonischen Kälte durchdrungen. Leider hielt dies seinen Körper nicht vom nervösen Zittern ab - nur gut, das die Kutte da so einiges Verbarg.
Anyway, keine Zeit für Sentimentalitäten... er mußte seinem Meister dienen und dafür mußte er sich zuerst Gewissheit über gewisse Grundvorrausstzungen schaffen. Er nahm all seinen Mut zusammen, schlich zu w15 und fragte:
"Ähm - bist - äh - du - ehrm- bi-bist du noch JjJungfrau?"
Das war genau die Gelegenheit, die Armand für seinen nächsten effektvollen Auftritt abgewartet hatte - und der Moment, in dem eine große Gestalt mit Sense sich zielstrebig der Haustür näherte, mit den Worten HIER BIN ICH RICHTIG auf den - naja, da wo mal die Lippe gewesen war.
[-to be continued -]
geschrieben von: fluchtraum
w15 dreht sich erfreut zu Azy um und lies ihren Chat mal einen Moment Chat sein:
"Oh, ich bin Wassermann, aber von Aszendent bin ich Jungfrau." In Azys Kopf: Aszendent - war das nicht dieser Hohepriester des Ordens aus Niedersachsen?
Er sagte: "Äh."
In diesem Moment, wie angekündigt: Auftritt des Vicomte Aramand, der mal kurz die Lady beiseite legt und die Treppe hinabdonnert, um Azy die Stirn zu bieten:
"Liederlicher Wurm, verblendeter Narr - ihr werdet eure schändlichen Intrigen nicht an jener Jungfer vollführen, welche Gast in meinem Hause ist!"
w15 schaute Armand irritiert an: "Er hat mich doch nur nach meinem Sternzeichen gefrag!" In Azys Kopf: Sie ist nicht nur Jungfrau, sie ist auch naiv - ein ideales Opfer. (So hatte man es ihm auf dem Wochenendseminar "Opfersuche und erquickliche Zerlegung für angehende Diener Satans" beigebracht. Der Orden der blutigen Nase Lucifers (TM) verdiente ein Schweinegeld mit solchen Seminaren.
Azy schaute am Vicomte herauf. Leise sprach er:
"Du hast drei Möglichkeiten: Entweder läßt du mich gewähren, und der Inhalt des Koffers könnte bald schon dir gehören. Oder du machst so weiter, dann kann ich gerne deinen Mitbewohnern zeigen, was in dem Koffer ist... und das willst du doch sicher nicht, oder?"
Kurze Gesprächspause. Nebenan murmelte Tomme, der das Gespräch halb mitgehört hatte: "Achja, ich bin Steinbock", bekam aber als Antwort von Judy nur ein 'Shhhhh!' und einen strafenden Blick, denn sie war ja gerade dabei, diese hochinteressante Reprtage zu sehen. Mormonische Bergarbeiter, also ich bitte Sie!
VA: "Werter Satanist, dies waren nur zwei Optionen, die ihr mir nanntet."
Azy: "Genau. Du hast nur diese zwei Möglichkeiten - also triff deine Wahl gut und trage die Folgen!"
VA: "Aber Eingangs spracht Ihr von drei Möglichkeiten!"
Azy: "Nein."
VA: "Doch!"
Azy: "Nein."
VA: "Doch!"
Azy: "Na schön. Tat ich."
VA (triumphierend): "A-ha!"
Azy: "Also-" (schreitet langsam zum Koffer, der noch immer auf dem Tisch liegt) "-so ihr nicht wollt, daß jeder erfährt, was in dem Koffer ist... hebt euch vonm dannen und laßt mich alleine mit der, äh, Wassermann mit Aszendent Steinbock."
Wahrscheinlich hätte dieser fruchtlose Dialog sich noch eine Weile hinziehen können, doch in diesem Moment öffnete sich oben die Tür des Gemachs der Lady einen Spaltbreit. (Selbst, wenn sie in einem Kuhstall nächtigen würde, würde sie es 'Gemach nennen.) Ein bestrapstes und nicht mehr jungfräuliches Bein rekelte sich einen Moment im Türspalt und schaute dabei auf die Uhr, und sirenenhaft lockte ihre Stimme: "Ho Ormändäle, wo bleibschst fei?"
"Nungut-", so der Vicomte daraufhin zu Azy, "du hast die Schlacht gewonnen, nicht aber den Krieg!"
Sprachs und stolzierte von dannen, zurück in die Arme der Lady. Hahnenkampf! w15 hatte irritiert zu- und von einem zum anden gesehen, ohne dem Dialog wirklich folgen zu können - wie der Zuschauer eines chinesischen Tennisspiels ohne Untertitel.
Aber wenn der Inhaltdes Koffers so brisant war... und den Vicomte derartig in Schwierigkeiten bringen konnte... Judys Neugier wuchs (sie war die einzige, die den Dialog wirklich verstanden hatte. Natürlich. Sie war immer die einzige, die alles versteht.)
Sie stand auf und ging langsam hinüber, bemerkte nicht, daß sie dabei mehrere Löcher ihre T-Shirts verlor. Sie kniete sich vor den Koffer... draußen fing es an zu regnen.... die Gestalt mit der Sense schritt auf die Türe zu und wurde dabei nass... bleich schien der Mond hinter einer Wolke hervor... langsam näherten sich Judys Finger dem Kofferdeckel... es blitzte... ein leises Wimmern dringt aus dem Keller, während w15 drei Fehlermeldungen zugleich auf dem Bildschirm sieht... Judys Finger nähern sich dem Koffer immer langsamer... die Sätze wechseln willkürlich im Tempus - schlechter Stil, schaurig, Donner und Blitz - es ist bedrohlich! In der Ferne kräht eine Kuckucksuhr. Wind hat laut gerauscht. Der Bus ist zu spät! Himmelsakra - die Spannung ist unerträglich!
[- to be continued -]
geschrieben von: fluchtraum
Langsam öffnete sie den Kofferdeckel. Das erwähnten wir bereits.
Sie blickte hinein!
Dann - genau dann - klopft es an der Tür - das dumpfe Pochen von Knochen auf altem Eichenholz. Haare von Anwesenden standen zu Mittelgebirgen empor.
Niemand wagte zu öffnen außer Judy, denn zum einen standen bei ihr nicht ganz so viele Haare zu Berge, da abrasiert, und zum anderen, da sie sich aus Prinzip keine Angst machen lies - und überhaupt, was sollte ihr noch Angst machen, nach dem was sie im Koffer gesehen hatte? Nein, sie fürchtete nicht mal den Tod selbst!
Das war auch gut so, denn genau der stand vor der Tür.
ICH BIN GEKOMMEN, sprach er,
"- um mich zu holen", sagte Judy gleichgültig. "Habe den Schock nicht überlebt, hm?" Sie schaute zurück zum Koffer.
Der Gevatter setzte ein zweites mal an:
ICH BIN GEKOMMEN, sprach er,
"-um mich in dein glorrrrreiches Reich zu führen!", quiekte Azy und fiel auf die Knie - das heißt, daß er auf die Knie fiel sah man aufgrund der Kutte nicht. Aber irgendwie wurde er einfach plötzlich noch ein Stück kleiner. ICH BIN GEKOMMEN, sprach der Gevatter, deutlicher lauter (hier symbolisiert durch fette Buchstaben),
"Ich weiß," seufzte Tomme resigniert "Du bist wegen mir her. In meinem Alter muß man wohl täglich damit rechnen." NEIN, donnerte der Tod und draußen fiel ein Eichhörnchen ohnmächtig vom Baum. Davon würde es noch seinen Enkeln erzählen!
ICH BIN WEGEN DER ANZEIGE IM WOHNUNGSMARKT HIER!
geschrieben von: Julya
da es nun mittlerweile so viele neue user in den nachtwelten gibt und ich diese geschichte damals so klasse fand (und ja immer noch heimlich auf die fortsetzung hoffe *zufluchtischiel*),möchte ich den thread mal hochschieben, damit auch die "neuen" in diesen literarischen hochgenuss kommen...
liebe grüße, besonders an fluchti
Julya
geschrieben von: fluchtraum
Liebe Pinguine!
Eine Fortsetzung der Sitcom wird für nicht notwendig erachtet.
Die reale Szene hat die Sitcom längst übertroffen.
Der Autor sieht jeden Tag so viele Sachen im Forum, die wesentlich klischeebeladener, lächerlicher und schwachsinniger sind, als eine Sitcom es je sein könnte.
Es tut mir leid. Wenn ihr was zu lachen sucht, werdet ihr es hier auch außerhalb der Sitcom reichlich finden.
Weiter Ausführungen spare ich mir an dieser Stelle, um nicht mit dem Finger auf Leute bzw. Threads zu zeigen.