[Thomas Ligotti] - German Gothic Board

German Gothic Board

sinistre Kultur
Gothic Forum & Gothic Chat
auf dem Portal von Nachtwelten

German Gothic Board Chat Gothic 500 - Topliste by nachtwelten

Nachtwelten | Gothic Board | Gothic Chat | Boardarchive





Seiten:1



Thomas Ligotti

(Klicke hier, um das Thema mit vollen Farben / Abbildungen zu betrachten)



geschrieben von: dyonor

hallo - gibt es hier außer mir noch irgend eine/n Ligotti-fan? würde mich gern über alte und neue sachen austauschen und etwas zu den neusten sachen hören, die bis jetzt nur auf englisch vorliegen ... kennt wer die website "The Art of GrimScribe" von Eddie M. Angerhuber und Thomas Wagner?
hoffentlich sehen wir uns ...
gruß an alle sendet

dyonor



geschrieben von: Eiselfe

ich hab "in einer fremden stadt, in einem fremden land" gelesen und das ziemlich gut gefunden, außerdem mal in "teatro grotesco" reingelesen...
über die nur auf englisch vorliegenden sachen kann ich dir auch nicht viel sagen, muß mich schließlich erst mal durch alle deutschen veröffentlichungen lesen ;)



geschrieben von: dyonor

dann viel spaß, und wir lesen uns!
unbedingt empfehlen kann ich "Das Alptraum-Netzwerk", erschienen in 999 ecemplaren in der feinen reihe "Grausame Städte" des Blitz-Verlages ... für Ligotti sehr lang, sehr "action"-intensiv und weit weniger verschlüsselt ... hat aber seinen ganz eigenen reiz durch seine darstellung der modernen arbeitswelt in der middle class der industriegesellschaft ... und durch die krasse philosophie - sehr schwarz!



geschrieben von: Lucifer_Sam

Ich kenne "Theatro Grottesko" und "In einer fremden Stadt". Habe beide als recht gute Bände in Erinnerung, mit teilweise herrlich verrückt-zwanghaften Gedankengängen; sehr schizo :D, wobei ich hinzufügen muß, daß man den Stories etwas Zeit geben muß; sie drängen sich einem nicht auf, Ligotti muß man ein Stück weit entgegenkommen (es hilft, wenn man von Haus aus schon strange drauf ist :rolleyes: ).
Fazit: Durchaus lesenswert. Anscheinend sind inzwischen einige weitere Werke von L. rausgekommen. Wird Zeit, mich wieder eingehender mit ihm zu beschäftigen...



geschrieben von: dyonor

Zitat:
Original geschrieben von Lucifer_Sam
Ich kenne "Theatro Grottesko" und "In einer fremden Stadt". Habe beide als recht gute Bände in Erinnerung, mit teilweise herrlich verrückt-zwanghaften Gedankengängen; sehr schizo :D, wobei ich hinzufügen muß, daß man den Stories etwas Zeit geben muß; sie drängen sich einem nicht auf, Ligotti muß man ein Stück weit entgegenkommen (es hilft, wenn man von Haus aus schon strange drauf ist :rolleyes: ).
Fazit: Durchaus lesenswert. Anscheinend sind inzwischen einige weitere Werke von L. rausgekommen. Wird Zeit, mich wieder eingehender mit ihm zu beschäftigen...




das ist wohl absolut richtig: strange drauf muss man sein und geduld mit den geschichten haben.
ja, "Das Alptraum-Netzwerk" lohnt sich unbedingt. außerdem findet sich die längere story "Das letzte Harlekin-Fest" in zwei verschiedenen Lovecraft-hommage-bänden: "Spur der Schatten" (Bastei) und "Die Saat des Cthulhu" (Festa).



geschrieben von: Odessa

Ich kenne bisher nur "In einer fremden Stadt..." - die Aversion hat mir das Buch geschenkt und ich bin ganz begeistert. Lovecraft "reloaded", sozusagen ;).


*Werbung für meinen besten Freund mach*: die Aversion schreibt Kurzgeschichten im Stile von Ligotti und wird diese wohl demnächst auch veröffentlichen, mit Glück im selben Verlag wie Ligotti, wenn ich das richtig im Kopf hab. Ich drück dem "Jungtalent" jedenfalls beide Daumen und hoffe, wir NW-user werden dann natürlich mit Gratis-Ausgaben beglückt;)



geschrieben von: Lucifer_Sam

@ Odessa: aber nur mit persönlicher Widmung! :D
Aber im ernst: ich liebe diese kleinen kranken Geschichten & empfinde großen Respekt für jeden, der sich seine eigene Phantasie noch nicht kaputt hat machen lassen. Ich hab früher (klingt furchtbar alt) auch ein bischen was geschrieben, aber krieg einfach nichts mehr auf die Reihe; vielleicht zuviel Realität abgekriegt... :(



geschrieben von: Odessa

Aber natürlich, ich habe mit der zukünftigen Berühmtheit gerade gesprochen und denke, das dürfte kein Problem sein...ein paar tausend Widmungen sollten schon drin sein, der Gute ist ja noch jung ;-)

("Klingt alt" - wie alt denn? *ich hoff auf weitere 35+Jahrgänge, unter all den Teenies hier fühle ich mich so...erwachsen *g*)



geschrieben von: Lucifer_Sam

@ Odessa: nein 24 ist noch nicht sooo alt. Aber wenn ich bedenke, daß mir vor ein paar Jahren noch richtig gute Sachen eingefallen sind und jetzt nicht mehr... böse Sache :( hoffentlich ändert sich das mal wieder.



geschrieben von: dyonor

@Lucifer_Sam: das kommt wieder - ich kenne diese trockenen phasen aus eigener erfahrung. bis jetzt ging's immer weiter, einfach abwarten. erzwingen lässt sich's nicht. poesie ist wie eine katze ... du bist ihr mensch, und manchmal erlaubt sie dir, sie zu streicheln. das ist dann eine gnade :-)

@Odessa: na, denn rechne mich zu deinem club getrost dazu. 35+ ist überhaupt kein thema *g*

lg dyonor



geschrieben von: Lucifer_Sam

@ dyonor: Tja... manche Idee schwebt schon am Horizont, aber wenn ich sie in etwas konkretes packen will, kommt keine Inspiration... Manchmal glaube ich, schon alles gesagt/geschrieben zu haben und nichts mehr übrig ist. Aber du hast wohl recht. Irgendwann kommt das Kätzchen wieder um die Ecke und miaut mich erwartungsvoll an :)



geschrieben von: die Aversion

Nachdem ich von Odessa dankenswerterweise auf diesen Thread aufmerksam gemacht worden bin (eine mentale Verbeugung vor Euch, Werte O.), komme ich natürlich nicht umhin, mich an ihm zu beteiligen. Als ich vor einigen Jahren "In einer fremden Stadt, in einem fremden Land" durch Zufall in die Hände bekam, war klar, dass Ligotti "mein" Autor ist, und in der Tat halte ich ihn auf dem Gebiet der düsteren Phantastik für unübertroffen. Ein Mark Samuels oder eine Monika Angerhuber (die Ligotti wirklich hervorragend übersetzt hat) mögen zweifelsohne ihre Qualitäten haben, doch zu erreichen vermögen sie ihn nicht, auch wenn sie sich ihm bemerkenswert nähern. Diese Atmosphäre des Verfalls, der Sinnlosigkeit, die Ligotti heraufbeschwört, lässt mich bei jedem Lesen seiner Werke schlicht sprachlos begeistert zurück...

Zwar sind "Teatro Grottesco" und "Das Alptraum-Netzwerk" immer noch grandios, doch halte ich "In einer fremden Stadt..." für die bisher gelungenste Anthologie, die ins Deutsche übersetzt worden ist und mit der nur "Grimscribe - His Lives and Works" gleichzieht. Leider sind die englischen Originalausgaben in Deutschland faktisch nicht zu kriegen...

Werte O.,
meine Kurzgeschichten mit denen Ligottis zu vergleichen, ehrt mich zweifellos, doch muss ich mir mit ebensolcher Sicherheit ein qualitatives Defizit attestieren, was die Ergebnisse meiner Schreibversuche betrifft. Ganz so unmittelbar steht die Veröffentlichung übrigens noch nicht bevor, zumal der Verlag noch gar nichts von seinem "Glück" weiß und der Reihenherausgeber nur mal unverbindlich angefragt hat, ob ich genügend Kurzgeschichten bereitstellen könnte, dass ein ganzer Band mit ihnen gefüllt werden könnte - das wird jedoch universitätsbedingt erst im Frühsommer der Fall sein und auch nur, wenn ich meine Gedichte dazunehme (was ich auch vorhabe). Allerdings scheuen sich viele Verleger aus ökonomischen Gründen, Gedichte in ihr Programm aufzunehmen, sodass ich mir gut vorstellen kann, mich an andere Verleger wenden zu müssen, die diese Kombination zu veröffentlichen willens sind. Mal schauen, wie sich alles entwickelt.


Seid vielmals gegrüßt,
Eure Aversion



geschrieben von: dyonor

Zitat:
Original geschrieben von die Aversion
Als ich vor einigen Jahren "In einer fremden Stadt, in einem fremden Land" durch Zufall in die Hände bekam, war klar, dass Ligotti "mein" Autor ist, und in der Tat halte ich ihn auf dem Gebiet der düsteren Phantastik für unübertroffen. Ein Mark Samuels oder eine Monika Angerhuber (die Ligotti wirklich hervorragend übersetzt hat) mögen zweifelsohne ihre Qualitäten haben, doch zu erreichen vermögen sie ihn nicht, auch wenn sie sich ihm bemerkenswert nähern. Diese Atmosphäre des Verfalls, der Sinnlosigkeit, die Ligotti heraufbeschwört, lässt mich bei jedem Lesen seiner Werke schlicht sprachlos begeistert zurück...

Zwar sind "Teatro Grottesco" und "Das Alptraum-Netzwerk" immer noch grandios, doch halte ich "In einer fremden Stadt..." für die bisher gelungenste Anthologie, die ins Deutsche übersetzt worden ist und mit der nur "Grimscribe - His Lives and Works" gleichzieht. Leider sind die englischen Originalausgaben in Deutschland faktisch nicht zu kriegen...



ich stimme dir in allen punkten zu. Ligotti ist unübertroffen - Eddie (also Monika) hat ihn mit sehr viel feeling übersetzt - Samuels oder sie selbst nähern sich ihm sehr, können ihn aber nicht erreichen; ich halte das schlechthin für unmöglich. bei Samuels spürt man ohnehin, dass auch noch andere autoren ihn lenken und leiten und darf gespannt auf die weitere entwicklung sein. und, ja, "In einer fremden Stadt" ist auch mein favorit unter den Ligotti-büchern auf deutsch. fordert am meisten heraus und verstört auf eine unbestimmte, um so verstörendene weise ...



geschrieben von: die Aversion

Hallo dyonor,

was Mark Samuels betrifft, möchte ich die These wagen, dass er von ähnlichen, wenn nicht den gleichen Autoren beeinflusst ist wie Ligotti: Einen Poe vermag man bei ihm genauso herauszulesen ("Die weißen Hände") wie einen Kafka ("Die Sackgasse") und hat damit bereits zwei von drei Autoren zusammen, von denen Ligotti selbst sich beeinflusst sieht - nur Thomas Bernhard fehlt noch. Der Unterschied zwischen Ligotti und Samuels ist wohl der, dass Ligotti seine Vorbilder zu einer homogenen Menge vermischt, während bei Samuels die einzelnen Autoren viel deutlicher herauszulesen sind.

Auch auf die Gefahr hin, ins Thema 'ligottieske Autoren' abzugleiten: Wie ist eigentlich der Roman (sein Titel ist mir just entfallen), den Monika geschrieben hat? Ich habe bisher nur eine Rezension zu ihm gelesen, als er mal bei ebay angeboten wurde, und er hört sich doch sehr nach Ligotti in Romanform an. Lohnt sich die Lektüre?

Und wie ist eigentlich Jeffrey Thomas? Als ich mir die Beschreibung zu "Punktown" durchgelesen habe, hatte ich sofort das Schlagwort "Ligotti-Epigone" im Kopf, auch wenn das jetzt böser klingt als es gemeint ist und vielmehr als Lob anzusehen ist. Wenigstens von der Beschreibung her klingt er sehr vielversprechend.

Sei vielmals gegrüßt,
Deine Aversion



geschrieben von: dyonor

hallo, die Aversion !

zustimm, was Mark Samuels betrifft. jetzt können wir hier ein fröhliches autorenraten veranstalten. ich fang mal an: "Die Suche nach Kruptos" ist wem nachempfunden? (nö, war nur ein scherz)

Eddies roman heißt "Das Verborgene". very ligotti-like, bis in die düsteren keller hinunter und auf den treppen hinab. lohnt sich aber, denke ich, rätselhafte figuren, schöner ton, obskures (berliner) milieu. also: ja.

Jeffrey Thomas habe ich nicht gelesen; besorg und dann meinung schreib ...

Ligotti-epigone zu sein ist wohl schwerer, als z. b. HPL nachzufolgen, aber wenn man's kann, ist es auch einiges niveauvoller als Cthulhu-pastiches ... insofern betrachte ich das auch eher als kompliment, berechtigung vorausgesetzt.

lg sendet

dyonor



geschrieben von: Simon Kernouc

Ligotti ist wirklich einer der besten lebenden Horrorautoren. Ich kenne niemanden, der auf nur wenigen Seiten eine so bizarre und bedrohliche Atmosphäre schaffen kann. Auch alles, was ich von Eddie M. Angerhuber kenne ist gut bis sehr gut, vor allem ihre von Ligotti beeinflussten Storys.

Es ist übrigens eine Schande, dass weder Ligotti noch Angerhuber in der Literaturszene große Beachtung erfahren. (Eine Schande für die Szene, nicht für die Autoren).



geschrieben von: dyonor

Zitat:
Original geschrieben von Simon Kernouc
Ligotti ist wirklich einer der besten lebenden Horrorautoren. Ich kenne niemanden, der auf nur wenigen Seiten eine so bizarre und bedrohliche Atmosphäre schaffen kann. Auch alles, was ich von Eddie M. Angerhuber kenne ist gut bis sehr gut, vor allem ihre von Ligotti beeinflussten Storys.

Es ist übrigens eine Schande, dass weder Ligotti noch Angerhuber in der Literaturszene große Beachtung erfahren. (Eine Schande für die Szene, nicht für die Autoren).



ja, da kann ich jetzt nur zustimmen, was sonst??
aber auch Kafka kannte zu lebzeiten nur ein kleines publikum, die leute lasen lieber Felix Dahn, denke ich. Ligotti hat noch alle chancen; obwohl die small press auch freiheit bietet, zu machen, was mensch will, und es sonst sein zu lassen ... publikumserfolg kann ein zwang werden. wenn der dichter halt auch so leben kann (ist ja immer der ewige zermürbende kreis zwischen kunst und brot).



geschrieben von: Simon Kernouc

Ich glaube Ligotti spekuliert gar nicht auf großen Erfolg.
Er scheint den kommerziellen Literaturbetrieb zu hassen, ansonsten würde er einige seiner Storys wohl kaum ein halbes Jahr v o r der Buchveröffentlichung ins Netz stellen.



geschrieben von: dyonor

ja, so sehe ich das auch. er gibt immer gern und reichlich, auch für sehr kleine small-press-projekte. riesenerfolg muss ja auch nicht sein: er ist gut, das weiß er, und wie schrieb doch einmal Jules Verne: "Wahrhafte Künstler legen mehr Wert auf ein vornehmes als auf ein zahlreiches Publikum."

Thomas Ligotti: Notebook of the Night (Exzerpte aus "Noctuary"), als hörbuch von Eddie und ihrem freund Thomas Wagner im Bärenklau-Verlag erschienen, lohnt sich übrigens ...





vBulletin Copyright ©2000 - 2003, Jelsoft Enterprises Limited.
vB Easy Archive Final








eXTReMe Tracker