[Über die Befreiung aus dem Menschenpark] - German Gothic Board

German Gothic Board

sinistre Kultur
Gothic Forum & Gothic Chat
auf dem Portal von Nachtwelten

German Gothic Board Chat Gothic 500 - Topliste by nachtwelten

Nachtwelten | Gothic Board | Gothic Chat | Boardarchive





Seiten:1



Über die Befreiung aus dem Menschenpark

(Klicke hier, um das Thema mit vollen Farben / Abbildungen zu betrachten)



geschrieben von: Utilitarist

Das Nachdenken über die Politik ist ein Nachdenken über die Regeln im Menschenpark. Der Humanismus ist die Züchtigung des Menschen durch sich selbst und seines Nächsten. Doch der Humanismus ist dem Untergang geweiht. Zu diesem Schluss kam bereits Peter Sloterdijk.

Der Humanismus liegt zwar im sterben, doch er kann und muss gerettet werden.

Aber nicht die Autorität, sondern die Befreiung jeglicher Autorität stellt die Lösung des humanitären Problems dar. An Stelle des Humanismus darf nicht eine Institution treten, der die Menschen zum Guten züchtet. Es benötigt einen neuen Humanismus, einen freiheitlichen Humanismus, der dem Menschen wieder die Möglichkeit gibt sich selbst und sich durch andere zu züchten.

Nur durch die Kultur kann der Humanismus gedeihen. Die Kultur und der Humanismus als Folge der Kultur und notwendige Essenz eines jeden Menschen entsteht jedoch nicht nur aus der reinen Existenz. Ihr ist eine Bedingungen vorausgesetzt, die sich auch bei Albert Schweitzer wiederfindet:

"Materielle und geistige Freiheit gehören innerlich zusammen. Die Kultur setzt Freie voraus. Nur von diesen kann sie gedacht und verwirklicht werden."

Damit also der Mensch als seiendes Wesen zur Kultur und mit der Kultur zum Humanismus gelangen kann, muss ihm eine materielle und geistige Freiheit gewährleistet werden, nur so kann der Humanismus in seiner höchsten Form entstehen. Doch wodurch wird diese Freiheit behindert?

"Kultur zu begreifen und für die Kultur zu wirken, hängt davon ab, dass er zugleich ein denkender und ein Freier ist. [...] Je mehr er selber in irgendeiner Weise von dem Kampf ums Dasein in Anspruch genommen ist, desto ausschliesslicher kommen in seinen Vernunftidealen Tendenzen auf eine Verbesserung seiner eigenen Daseinsberechtigung zu Worte."

Die kapitalistischen Verhältnisse, der staatliche Zwang und mit ihnen die negativen Auswirkungen auf den Menschen sind Ursache dieser Unfreiheit. Der Kapitalismus bewirkt erinerseits eine Motivationslosigkeit, ein Zwang zur Arbeit und mit ihr die Abwesenheit der Freizeit, in der sich die Menschen der Kultur widmen sollten, der "freundschaftstiftende Telekommunikation im Medium der Schrift", wie Sloterdijk Bücher nennt. Andererseits bewirkt dieser Zustand einen Egoismus, bedingt durch die Konkurrenz.

Nietzsche, der freilich kein Anarchist war, erkannte den widerspruch zwischen Staat und Kultur auch:

"Niemand kann schließlich mehr ausgeben, als er besitzt. Das gilt für Einzelpersonen; das gilt für das Volk. Wenn einer sich in der Hohen Politik, in der Landwirtschaft, im Handel, Parlamentarismus, in militärischen Interessen erschöpft - wenn einer diese Summe von Vernunft, Eifer, Willen und Gewalt über sich selber weggibt, die sein eigenes Ich ausmacht, wird er es nicht für andere Sachen haben. Kultur und der Staat - darüber sollte sich niemand täuschen - sind Gegner: der Kulturstaat ist lediglich eine moderne Idee. Das Eine lebt gegen das Andere, das Eine entwickelt sich auf Kosten des Anderen. Alle großen Kulturepochen sind Perioden des politischen Niedergangs. Was im kulturellen Sinn bedeutend ist, ist unpolitisch, ist sogar antipolitisch."

Wo also die politische Kraft des Staates am geringsten ist, dort gedeiht auch die kreative Kraft des Volkes am besten. Nicht also durch die Züchtigung der Menschen durch die Einwirkung eines Staates, sondern durch die Befreiung der Menschen von ihm gelangt der er zum Guten. Also kann nur die Zerstörung der herrschenden Verhältnisse den Humanismus wieder zu dem machen, was er eigentlich sein sollte.



geschrieben von: Harbinger13379

Ah! Schlüssige Argumentation führt zu einzig akzeptablen Ergebnis!



geschrieben von: femaleVampire

schöne argumentation, aber irgendwie fehlt mir da was.....was ist wenn die menschen aus diesem system gar nicht in die freiheit in dein neues system wollen??? was wenn sie gar nicht erkannt haben, dass sie eigentlich unfrei sind??

welcher vernünftig denkende mensch würde denn sein schönes leben im luxus gegen ein leben möglicherweise im wald eintauschen??? und an was für eine kultur denkst du bei deinen ausführungen??? haben die deutschen überhaupt eine kultur?? kultur verbinde ich damit, was typisch für diese eine art von menschen ist und was sie schon immer so gemacht haben......kannst mich gerne verbessern, falls das falsch sein sollte...... aber ich wüsste nicht, was die deutschen schon immer gemacht haben......es gab immer irgendwelche einflüsse oder vorbilder aus anderen ländern.......

die menschenheit jetzt, zu diesem zeitpunkt, in eine solche welt zu führen wie du sie erläuterst, wäre nicht gard vorteilhaft.....es würde eher zu einer anarchie führen, weil die menschen ihre neue freiheit aufs gröbste ausnutzen würden......



geschrieben von: Utilitarist

Zitat:
Original geschrieben von femaleVampire
schöne argumentation, aber irgendwie fehlt mir da was.....was ist wenn die menschen aus diesem system gar nicht in die freiheit in dein neues system wollen??? was wenn sie gar nicht erkannt haben, dass sie eigentlich unfrei sind??


Mit dieser Frage beschäftige ich mich nicht, denn es liegt schlicht nicht in meiner Hand über die Wünsche anderer Leute zu entscheiden.

Zitat:
welcher vernünftig denkende mensch würde denn sein schönes leben im luxus gegen ein leben möglicherweise im wald eintauschen???


Niemand und das müsste auch niemand, ausser natürlich Bonzen.

Zitat:
und an was für eine kultur denkst du bei deinen ausführungen??? haben die deutschen überhaupt eine kultur?? kultur verbinde ich damit, was typisch für diese eine art von menschen ist und was sie schon immer so gemacht haben......kannst mich gerne verbessern, falls das falsch sein sollte...... aber ich wüsste nicht, was die deutschen schon immer gemacht haben......es gab immer irgendwelche einflüsse oder vorbilder aus anderen ländern.......


Es gibt mehrere Verwendungsarten des Begriffes Kultur. Zum Einen kann sie als die Eigenarten von Menschen (oder Tieren) in der selben Gesellschaft, Epoche oder Region verstanden werden oder, wie in meinem Fall, als ursprünglicher Begriff der Pflege und Erweiterung der Gesammtheit der menschlichen Verhaltensweisen und Axiologien.

Zitat:
die menschenheit jetzt, zu diesem zeitpunkt, in eine solche welt zu führen wie du sie erläuterst, wäre nicht gard vorteilhaft.....es würde eher zu einer anarchie führen, weil die menschen ihre neue freiheit aufs gröbste ausnutzen würden......



Ich spreche explizit von einer Anarchie. Ich will niemanden irgendwo hin führen, wo er nicht hin will.



geschrieben von: Lesbia

Auch ich finde den Gedanken an Anarchie sher schön. Es gibt keine Grenzen, jeder ist frei. Sein eigener Herr.
Leider gibt es da aber ein großese Prob:
Es gab, gibt und wird imm schwarze Schafe geben, die jede kleinste Lücke ausnutzen um sich selbst Vorteile zu verschaffen und den anderen dadurch zu schaden. Wenn es nun gar keine richterähnliche Gewalt gibt, die so etwas zumindest bestraft...



geschrieben von: Utilitarist

Inwiefern Vorteile verschaffen?



geschrieben von: Lesbia

Naja, Diebstahl, Betrug, Mord. Die ganze Bandbreite eben.



geschrieben von: Utilitarist

Dies wird von privaten Sicherheitsfirmen bestraft.



geschrieben von: Apex

Wer hindert diese privaten Sicherheitsfirmen daran andere Menschen zu unterdrücken?

Was wenn eine Gruppe stärker ist als eine Sicherheitsfirma?

Auf welcher moralisch-ethisch Grundlage beruhen die Handlungen der privaten Sicherheitsfirmen?



geschrieben von: Utilitarist

Auf der Vertragsethik.



geschrieben von: Lesbia

Ganz genau, dass ist das Probelm.
Ohne Kontrolle kann kein Zusammenleben existieren. Das ist leider so. Und wenn es Kontrolle gibt, ist man eigentlich nicht wirklich frei. Die Kontrollöre sind auch nur Menschen.
Ich wünschte es wäre anders...
Wären wir Menschen nicht so blöd und würde jeder einfach gewisse Grenzen nicth überschreiten....



geschrieben von: Apex

Erklär mir das mal mit der Vertragsethik.



geschrieben von: Lesbia

Vertragsethik? Ach so...
Naja, es gibt ein ungeschriebenes Gesetz:
Jeder kann alles machen, so lange er andere dabei in keinster Weise beeinträchtigt. Halten sich alle daran, braucht es keine Kontrolle. Keiner kann den anderen unterdrücken. Alle sind frei.

Aber es wird immer Quärulaten geben.



geschrieben von: xxxzinixxx

Zitat:
Aber ich bin auch der Meinung, daß durch Förderung und Erhalt von vorhandener Kultur dem Gift des Kapitalismus entgegengewirkt werden kann. Die Taktik des Kapitalismus ist es, einen großen kulturellen Einheitsbrei zu schaffen, und individuelle Kultur wird bewußt vernichtet. Die Menschen auf der ganzen Welt werden also ihrer Vergangenheit beraubt und entwurzelt.

äh... wie jetzt??? ist das nicht genau das, was den anarchisten vorgeworfen wird? einen einheitsbrei heraufzubeschwören?
und sollte nicht jeder soviel kultur erhalten, wie er selbst meint, und nicht, wie andere ihm aufzwingen wollen? dieses ganze kulturgeseier geht mir manchmal echt auf den senkel! ich liebe kultur!!! aber wenn alle immer meinen alles mögliche innerhalb eines landes behalten und gegen andere einflüsse verteidigen zu müssen, dann gehen bei mir irgendwie immer die alarmglocken an!!!





vBulletin Copyright ©2000 - 2003, Jelsoft Enterprises Limited.
vB Easy Archive Final








eXTReMe Tracker