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Märchenwinter

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geschrieben von: magic caterpillar

In meinem Zimmer ist es dunkel, ein wenig kalt, die Kerzen auf der Fensterbank können den Raum ein wenig wärmen und das Licht angenehm dämpfen. Duftschwaden frisch gebrühten Kaffees durchschweben den Raum...
Es ist also langsam wieder Winter und auch Zeit für Märchen.

Liebe Leser, ich möchte gern von euch wissen, welche Märchen euch berühren konnten und was an ihnen so gefallen hat. Detailbeschreibungen würden mich natürlich erfreuen, weil sie die Märchen präsenter und für alle Leser nachempfindbar machen ließen... Ich hoffe, es macht euch Spaß!




geschrieben von: Trinity Goth

Es war einmal.....

hinter den sieben Bergen bei den sieben Zwergen...Schneewitchen...
Ihr erinnert euch??
Rot wie Blut, weiss wie Schnee und Schwarz wie Ebenholz....
Schneewittchen war immer mein Lieblingsmärchen und wird es wohl immer bleiben. Nicht nur das die Hauptdarstellerin meinem Schönheitsideal entspricht, ich finde auch die Geschichte sehr schön und nicht die Disney Variante, sondern das Orginal mit dem bösen Ende der Schwiegermutter in den glühenden Schuhe.

Gruss
Trinity Goth

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...Greater than the death of flesh is the death of hope, the death of dreams.....
G'Kar/Babylon 5
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Come to:
Trinity Goth's Dark World



geschrieben von: magic caterpillar

Oh ja, die Grimms haben´s mir natürlich auch angetan. Klar, sie waren ja auch meine Ziehväter, sozuschreiben.

Einige ihrer Stücke sind schaurig und abartig, wie beispielsweise das Märchen vom "eigensinnigen Kind", in dem ein Kind, das seinen Eltern nicht gehorchte, zur Strafe von dieser Erde genommen wurde und selbst im Grabe nicht Ruhe finden wollte, denn es streckte sein Ärmchen aus dem Grab. Daraufhin dichteten die Grimms seine Mutter zum Grabe hin, die dieses Ärmchen schlug, woraufhin es sich ein für alle Male in den Boden verzog...
"Der Räuberbräutigam" prägte bis heute mein Gefühl, mich in Nieschen und Höhlen wohl zu fühlen. Wenn ich schlecht einschlafen kann, dann stelle ich mir vor, ich läge in so einer Höhle, dürfte mich nicht rühren, um wie in diesem Märchen, von keinem der Räuber entdeckt und dann zerhackt zu werden.

Nun aber zu Märchen, die mir auf besondere Weise gefallen. Ich mag sehr gern Hauff-Märchen. Das schönste Hauff-Märchen ist für mich die Geschichte vom Zwerg Nase. Viele von euch werden es vielleicht kennen; einige nicht, deswegen erlaube ich mir, auch hier eine kurze Abhandlung widerzugeben:

Eine Mutter steht mit ihrem Jungen auf dem Wochenmarkt, als eine alte, verrunzelte Frau sich auf diesen Stand zubewegt und das feilgebotene Gemüse zur tropfenden Nase führt. Der Junge, gerade als Kind abgeschreckt von dieser Erscheinung, gemahnt die Alte auf eine wenig höfliche Art, dies zu unterlassen. Während die Alte gehässig in sich reinmurmelt, ist der Mutter das Verhalten ihres Sohnes peinlich und sie willigt ein, dass Jakob, so heißt ihr Sohn, der Alten tragen hilft. In ihrer Wohnung - wie könnte es anders sein - natürlich war es keine gewöhnliche Wohnung, sondern der unglaubliche Palast einer mächtigen Hexe - ließ die Alte Jakob sieben Jahre bei sich dienen, und zwar in der verwandelten Gestalt einen Meerschweinchens. Jakob lernte bei dieser Hexe, so sehr im alles doch wie ein Traum erschien, doch eines: die hohe Kunst des Kochens. Nach den sieben Jahren wird er wieder entzaubert, allerdings erhält er nicht mehr seine ursprüngliche Gestalt zurück, sondern wird zu einem kleinen, langbenasten und unansehlichem Zwerg. Seine Eltern erkennen ihn nicht mehr und verweisen ihn schimpfend des Hauses, als er sich seiner erworbenen Fähigkeit entsinnt: Er wird Koch am Palaste des Herzogs. Binnen kürzester Zeit wird sein Talent bemerkt, er wird der Koch höchster Priorität. Der gestrenge Herzog ist stolz und läd einen rivalisierenden Freund ein, dem er beweisen will, dass der besten Küche mächtig ist. In dieser Zeit kommt unglaubliche Arbeit auf Nase zu, weil er immerzu was anders kochen muss. Einmal sucht er sich seine Zutaten auf dem Markt zusammen, wozu auch Gänse gehören. Eine der Gänse ist eine Besondere. Sie spricht. Wie sich herausstellt, ist sie ebenfalls verwandelt und nicht in ihrer ursprünglichen Gestalt. Die beiden werden heimliche Freunde. Ein Gericht, das der höchsten der hohen Künste entsprechend sollte, kann nur mit einem sonderbaren Kraut gelingen, deren Seltenheit dem Zwerg zum Verhängnis wird. Das Gericht misslingt, der Kopf soll ab. Doch mit Hilfe der Gans Mimmi findet er diese Pflanze, die ihn auch schon im Hause der Hexe begegnete und nach welcher er aus dem siebenjährigem Schlaf erwachte. Beide können mit diesem Kraut entwandelt werden und den Hof des Herzoges verlassen.
Als Kind hatte mich dieses Märchen schon stark beeinflusst, ich hatte mir auch immer gewünscht, so einen vertrauten Freund unter den Tieren zu finden wie Jakob in seiner Gans.



geschrieben von: Sensus Moriendi

ein märchen das es mir sehr angetan hat ist 'die zwölf schwäne'... es ist glaube ich von hans christian andersen (könnte aber auch von den grimms sein)... es hat mich immer sehr berührt...

liebe grüße, sensus moriendi



geschrieben von: magic caterpillar

Grüß dich, Sensus Moriendi,

ich weiß leider nicht, was das für ein Märchen ist. Von den Grimms und von Andersen kenne ich Märchen über Schwäne, doch sie nennen sich anders... Hättest du Lust, das Märchen etwas zu beschreiben oder zumindest eine Stelle darin, an die du dich gern erinnerst?

Gruß, Magic



geschrieben von: dornrose

für so einen schönen winterabend mit viel leckerem tee, kann ich folgendes buch empfehlen: es gibt ein klitzkleines reclam-heftchen mit märchen, die charles perault zusammengetragen hat, sozusagen ein französischer-grimm-bruder.

z.b. darin..."die schlafende schöne im walde" http://www.nachtwelten.de/ubb/smile.gif

viele schöne lesestunden
wünscht dornrose



geschrieben von: dornrose

achja, ich vergaß noch etwas...ich finde es sehr interessant ein wenig durch die europäische märchenwelt zu spazieren, die gleichartigkeiten oder unterschiede festzustellen.

ich finde, das ist manchmal viel zu wenig bewußt.

dornrose



geschrieben von: magic caterpillar

@ Dornrose

Dein Name klingt sogar schon märchenhaft...

Worum geht es denn bei "Die schlafende Schöne im Walde" (sicherlich auch um eine Schöne, die im Walde schläft... http://www.nachtwelten.de/ubb/smile.gif) ?

Außer englischen, deutschen, russischen (und dererlei vielfältige Ex-Teilrepubliken) und arabischen Märchen kenne ich kaum welche. Mich spricht diese gefühlvolle, manchmal auch brutale Mystik, für deren Akzeptanz mir nun wohl jeder Pädagoge den Laufpass gäbe, an. Ich bin bin glücklich, dass ich die ganze Wahrheit von Schneewittchen, also auch das echte Ende erfahren konnte. Es hat mir keinen Schaden zugefügt (die vorhanden sind von allein gekommen http://www.nachtwelten.de/ubb/smile.gif). Ich konnte mir schon immer ein selbständiges Urteil darüber bilden, ob ich das Beschriebene gerecht oder ungerechtfertigt finden sollte. Die Grimms haben mich nicht dazu geführt, es richtig zu finden, wie oben im Beispiel angeführt, den Willen eines Kindes bis zum Tode zu brechen.

Es geht mir also gar nicht um die Kunstform Märchen, und was sich dahinter alles psychologisch verbergen mag, ich mag die seltsamen, entsetzlichen, kuriosen, ominösen Dinge, weil sie mich inspirieren.





geschrieben von: Blackadder

Ein "Märchen", das mich noch immer begeistern kann ist "Märchenmond" von Wolfgang Hohlbein, eines der wenigen Bücher dieses Autors, die ich wirklich gerne gelesen habe.
Kennen ja vielleicht noch einige andere, mir hat es sehr gut gefallen, weil er sich hier endlich einmal bemüht hat, einen Handlungsfaden zu spinnen, der nicht wie Flickwerk aneinandergereiht wird.
Kein "klassisches" Märchen, aber ein modernes... http://www.nachtwelten.de/ubb/biggrin.gif

Beste Wünsche,

BLACKADDER

P.S. Rotkäppchen mochte ich als Kind immer...aber nur die entschärfte Version ab 6 Jahren... http://www.nachtwelten.de/ubb/wink.gif http://www.nachtwelten.de/ubb/tongue.gif

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_________________________
Auf jede Frage dieser Welt findet man die Antwort in einem Buch.

In omnibus requiem quaesivi et nusquam inveni nisi in angulo cum libro.



geschrieben von: TotesLeben

Märchen, über dieses Thema hatte ich neulich ein sehr intressante Unterhaltung mit der Freundin meines Vaters.
Da wären zum ersten Andersens Märchen, wenn ich mich nicht total irre schrieb er unter anderem "das hässliche entlein" und "das mädchen mit den schwefelhölzern". Letztendlich erfuhr ich das Andersens Märchen KEINE Kindermärchen sind. Auch gibt es zahlreiche von den Gebrüdern Grimm gesammelte Märchen die ebenfalls NICHT für Kinder gedacht sind (ich denke da an ein bestimmtes in dem eine Frau einer Horde Räuber als Speise dient).
Vielmehr waren eben jene Märchen zur damaligen Zeit gedacht bestimmte "Lebensweiseheiten" rüber zu bringen. Jedes Märchen hat ein zentrales Thema, welches sich durch bestimmte Punkte (das rote Käppchen von Rotkäppchen, der Spieß der sieben Schwaben usw.) zeigt.
Es mag viele schöne geben, doch Märchen sind meiste keine Kindermärchen (selbst Hänsel und Grätel o.ä.)



geschrieben von: Fee

Mein Lieblingsmärchen war immer "Das Waldhäuschen" von den Gebrüdern Grimm. Meine Mutter hat es mir bestimmt ... wenn nicht noch öfter vorgelesen. Ich habe auch immer sehr gerne Sagen gelesen: vor allen Dingen von meiner Heimat Südthüringen, vllt sagt ja jmd. "Das blaue Feuer" etwas.

Meine sadistische Schwester hat sich von unserer Mutter immer "Das Mädchen mit den Schwefelhölzern" vorlesen lassen. Meine Mutter mußte dann immer weinen und das fand meine Schwester lustig, ist doch gemein oder?



geschrieben von: dornrose

einen guten abend wuensche ich,

nun "die schöne im schlafenden wald" ist einfach die deutsche übersetzung von dornröschen http://www.nachtwelten.de/ubb/smile.gif wie sollte es anders sein, im französischen "la belle au bois dormant". auch im englischen heißt das märchen ja sleeping beauty. die deutsche sprache ist in manchen fällen vielleicht doch blumiger, aber abgesehen davon unterscheiden sich die fassungen auch immer etwas.

die sieben schwäne hab ich auch immer gern gemocht, davon gab es mal eine wirklich melancholische verfilmung, das mädchen, das für ihre sieben brüder hemden aus nessel nähen muss, damit diese wieder ihre menschliche gestalt erlangen koennen...

und märchen als inspiration...nun in dieser beziehung hab ich immer die märchen von e.t.a. hoffmann gemocht, ...übrigens auch für erwachsene.

beste grüße
dornrose



geschrieben von: magic caterpillar

Guten Abend, euch allen,

Gerade habe ich mir eine Hörspielfassung von Oscar Wildes "Der selbstsüchtige Riese" angehört, wisst ihr wer sie spricht? Niemand geringeres als Klaus Kinski! Wunderschön und so traurig! Warum mag im Traurigen denn so viel Schönheit stecken? Das Märchen, im Übrigen auch ein Kunstmärchen, handelt von einem Riesen, dessen wunderschöner farbenfroher Garten von kleinen spielenden Kindern heimgesucht wird. Der Riese ist bald erzürnt darüber: "Mein Garten ist MEIN GARTEN!!!", vertreibt die Kinder und zäunt den Garten ein. Von dieser Zeit an bleibt der Garten leer, und auch die Farben der Blüten, Früchte und Vögel bleiben aus. Stattdessen halten Winter, Hagel, Nordwind und Frost Einzug und bewachen das weiß-ummantelte, tot-eingezäunte Land. Der Riese vermisst bald die Süße der Wärme und tief in seinem Herzen all das, was zuvor gewesen ist. Lange Zeit vergeht, der Zustand ändert sich nicht, als er in seinem Garten, ganz ungewöhnlicherweise, singende Vögel erblickt... Die Kinder sind durch den Zaun in den Garten gedrungen und spielen. Einer der Jungen lässt das Herz des Riesen besonders erweichen; klein und traurig möchte er auf einen Baum, doch ist er zu schwach und viel zu klein. Der Riese hilft ihm hinauf und erkennt im selben Augenblick seine eigene Selbstsüchgigkeit. Entschlossen hilft er ihm auf den Baum und reißt sodann die Zäune nieder. Der kleine Junge aber zeigt sich dankbar: Als der Riese gealtert ist und sehnsüchtig Tag für Tag an diesen Jungen denkt, erblickt er eines Tages denselben in seinem Wintergarten unter wieder demselben Baum, der nun weiß erblüht ist und silberne Früchte trägt. Erfreut läuft er auf ihn zu... Wahnsinnig vor Entsetzen nimmt er blutende Wundmale von zwei Nägeln an des kleinen Jungen Händen und Füßen wahr und brüllt seine Vergeltungswünsche in den Himmel. Doch der Junge antwortet verheißungsvoll: "Das sind die Wunden der Liebe." "Wer bist du?" haucht der Riese beinahe sprachlos.
Als die anderen Kinder den Garten betreten, liegt der Riese tot unter dem Baum, ganz bedeckt mit weißen Blüten.

Das Märchen ist sehr rührend. Obwohl die weißen Blüten und die silbernen Früchte den Weg zum Paradies weisen, in welches der Mann gelangt, bleibt die Traurigkeit beim Abschied und doch die Erkenntnis, dass alles gut geendet hat. Der Riese hat seine Selbstsüchtigkeit entlarvt, seine Liebe entdeckt und hat Frieden mit sich schließen können. Ich finde diejenige Szene besonders eindringlich, in welcher der Junge das aufgeführte Zitat spricht. Kinski betont es auf eine Weise, die beschreiben kann, was hier niemals darzustellen ist. Wirklich lohnenswert!

Gruß

Magic




geschrieben von: Nuitari

@TRINITY

wenn dir Schneewittchen so gefällt musst du unbedingt mal die Kurzgeschichte "Snow, Glass & Apples" von Neil Gaiman lesen, da wird Schneewittchen aus der Sicht der bösen Stiefmutter erzählt, mit einigen interessanten Wendungen was Schneewittchen und die Zwerge betrifft. Die Geschichte ist erschienen in seinem Buch "Smoke and Mirrors" oder auf deutsch "Die Messerkönigin".



geschrieben von: Nuitari

oh was ich vergessen habe...

meine Lieblingsmärchen waren immer zwei Stück von Hans Christian Andersen, und zwar "Die kleine Meerjungfrau" (kennt ja seit Arielle jeder, der Film in dem die Geschichte ganz verkorkts wird, besonders das schöne traurige Ende konnte Disney wohl keinem Kind zumuten... ;-) ) und "Die Schneekönigin".



geschrieben von: Nuitari

sorry erstmal für die vielen Einzelbeiträge, ich wurde hier vom Rechner vertrieben ;-)

http://images-eu.amazon.com/images/P/3480215599.03.MZZZZZZZ.jpg

Zur Geschichte der Schneekönigin:
Das Märchen handelt von zwei Kindern, Gerda und Kai, die beste Freunde sind. Eines Tages fliegt ein Splitter von einem bösen Spiegel in Kais Auge und bleibt stecken wodurch der Junge ganz bösartig wird. Dann gibt es noch die (ebenfalls böse aber wunderschöne) Schneekönigin, sie kommt in einem Schneesturm und entführt Kai.
Gerda macht sich nun auf die lange Suche nach ihrem Freund. Bei einer Hexe verliert sie für einige Zeit ihr Gedächnis, dann landet sie bei einer Räuberbande und noch ein paar anderen Wesen und Gestalten, bis sie endlich den Eispalast der Schneekönigin findet.

"Die Wände des Schlosses waren gebildet von dem treibenden Schnee und Fenster und Türen von den schneidenden Winden. Es waren über hundert Säle darin, alle wie sie der Schnee zusammenwehte. Der größte erstreckte sich mehrere Meilen lang. Das starke Nordlicht beleuchtete sie alle, und sie waren so groß, so leer, so eisig kalt und so glänzend!"

Gerda bringt Kai zum Weinen, dadurch löst sich der Splitter in seinem Auge und das Märchen hat (ausnahmsweise mal bei Andersen) ein gutes Ende.

Das ganze Märchen kann man lesen unter
Die Schneekönigin




geschrieben von: magic caterpillar

Liebe Liebhaber...

wenn ihr heute ein wenig Muße habt, so mögt ihr an der folgenden Zusammenfassung (was für eine Blasphemie, doch der Umfang dieses Märchens wäre zu erschlagend für dieses Board und natürlich auch für einen Thread, seht mir meine Bequemlichkeit diesbezüglich nach) Märchen Freude empfinden...

Es heißt "Ewige Jugend" und wurde von Victor Eftimiu geschrieben.

Es gab einmal einen wunderschönen Jüngling Sandomir, der hatte alles, was ihn hätte glücklich machen müssen: ein großes Reich, dass fast die ganze Welt ausmachte; seinem Volk erging es gut, es lebte wie im Paradies, das Land erstrahlte und erklang im Rausche der beständigen Feiern, und Sandomir hatte die schönste Frau, die die Welt hervorgebracht hatte, Margarinta.
Doch plagte ihn ein unergründlich Leid... Seine Eltern waren besorgt, lauter Heiler und Berater umkreisten den Jüngling und trachteten, sein Leiden aus der Welt zu schaffen. Niemand erkannte des Lösungs Rätsel als Sandomir selbst... Eines Tages kam er selber darauf, welche Bewandtnis es mit seinem sonderbaren Gebrechen hatte:
Eines Morgens, als er sein dunkles Haupt durchkämmte, gewahrte er einen langen, silbernen Faden... "Sein Gesicht verfärbte sich. Die Hände sanken ihm auf die Knie und sein Kopf auf die Schulter. Große Tränen liefen auf seinen Wangen hinab, zum erstenmal in seinem Leben weinte er... Sandomir wird alt! Sandomir wird sterben!"

Das halbe Königreich versprach er demjenigen, der ein Mittel dagegen finden könne, vergebens wollten ihm seine Hofleute von der Vergänglichkeit eines jeden Menschens berichten... Sandomir glaubte fest daran, anders beschaffen zu sein als andere: "Ich will die Jugend ohne Alter und Leben ohne Tod!"

Nach langer Suche und langer Trauer im Lande erschien eines Tages ein alter Mann, der keinen Lohn für seinen Rat wollte: "Von einer alten Zauberin habe ich erfahren, daß an der Grenze zwischen dem Land des Abendkönigs und dem Reich des Sonnenkaisers hohe Gebirge stehen, die Steine speien. In einem Tal zwischen diesen Bergen ist eine Höhle, die von einer Frau namens
Herz-der-Erde bewacht wird und von ihren zwölf Söhnen, den Fürsten der Ewigen Jugend. Inmitten dieser Höhle ist der wunderbare Brunnen, worin die Kräfte der Erde brodeln und sprudeln. Wer die entfesselten Stürme besiegt, der wird die ewige Jugend, das Leben ohne Tod gewinnen, wenn er dreimal ins verzauberte Wasser steigt..."
Fortsetzung folgt in einigen Minuten





geschrieben von: magic caterpillar

So, liebe Liebhaber lieblicher Lieblings- und anderer Märchen, hier die Fortsetzung...

Sandomir segnete den Alten freudetrunken, während Magarinta "Sei verflucht!" murmelte, ahnend, dass Sandomir schon am nächsten Morgen in die Ferne ziehen würde. Sandomir reiste viele Jahre, bis er das Gestein speiende Gebirge und dann auch die Höhle mit dem Brunnen erreichte...

Herz-der-Erde stand warnend vor ihm und sandte ihm all ihre zwölf bewaffneten Söhne entgegen. Sie bat Sandomir, umzukehren und warnte, ihn ansonsten wie all die anderen Fürsten, mit Hilfe des Brunnenwassers in Stein zu verwandeln. Und für wahr... überall standen steinernde Männer... Doch Sandomir gab nicht nach, und als ihn Herz-der-Erde ihre Hand mit dem tödlichen Brunnenwasser benetzte, um ihn alsdann damit in Stein zu verwandeln, schlug ihr Sandomir die Hand vom Arm. Nicht nur das, all ihre Söhne bezwang er in ihrem Kampf gegen ihn und tötete sie dabei.

"Froh stürzte er auf die Quelle zu, wo die Kräfte der Erde sprudelten; doch als er daneben stand, war die Höhle plötzlich von glänzendem Licht erfüllt, und das Wasser wurde still. Eine unvergleichliche Weise erklang, Harfen- und Flötentöne drangen von weither an sein Ohr, und eine strahlende Fee erschien vor dem Fürsten."

... um ihn noch einmal eindringlich davor zu warnen, diesen Schritt zu tun: "...Warum willst du der Erde den lebensnotwendigen Saft rauben, der die Wälder grünen und die Blumen erblühen lässt... Viele Blumen werden vor ihrer Zeit verdorren, viele Wesen werden ungeboren bleiben, wenn du für einen Augenblick den Lauf des Wassers aufhalten willst, um darin zu baden!" "Was kümmert es mich, ob die Bäume keine Früchte tragen oder die Blumen nicht blühen werden? Ich will die Jugend ohne Alter und das Leben ohne Tod!" Die Fee entfernte sich traurig lächelnd und verschwand so, wie sie gekommen war; die Klänge verstummten, das Licht erlosch, das Wasser brodelte auf. Sandomir warf seine Kleider ab und stieg dreimal in die wundertätigen Wellen...

Als er herauskam, war ihm, als würde Quecksilber durch seine Adern fließen, als wären seine Muskeln und Sehnen aus Stahl, so stark und voller Leben fühlte er sich."

Wie ein mildtätiger Sämann besprengte er die Häupter der steinernden Jünglinge mit dem Wasser, sodass sich diese wieder zu regen und zu leben begannen. Die entzauberten Fürsten schworen Sandomir ewige Treue und folgten ihm zu seinem Pferd... von dem nur noch ein haufen Knochen dort übrig geblieben war, wo er es doch... vor scheinbar nur kurzer Zeit... an einen Ast gebunden hatte.
Noch längst nichts ahnend, bittet Sandomir sein Gefolge, doch auch nach Hause zu ziehen, wo doch sicher die Lieben auf die Wiederkehrenden warten werden...

"Sandomir wanderte allein los, die Sehnsucht nach Margarinta und nach den Eltern brannte in seiner Seele. Jetzt, da er das Gewünschte besaß, tat es ihm leid, sein Haus verlassen zu haben. Er hätte doch lieber dort bleiben sollen, sich an der Jugend seiner Frau und am hellen Alter seiner Eltern zu erfreuen..."

Auf seinem sehr langen Weg vernahm er vertraute Vogelstimmen und nach großer Zeit des Wanderns die Sprache seiner Heimat... er fühlte sich wohl, nach einer Reise diese vertraute Sprache zu vernehmen... doch... sonderbar... "in der Rede und in der Tracht der Bewohner dieses Landes fand Sandomir einiges verändert. Ein Greis blickt ihn lange an und sagte endlich: "Oh, mein Junge, wie bewegt es mich, daß du in der Art der Großeltern sprichst! Wie ein Gelehrter vor hundert Jahren! Die Sprache vergilbter Chroniken!" Ganz verwirrt wusste Sandomir nicht, was der Alte wohl meinte, doch als er an seinem Schloss angekommen, sah, wie viel dicker die Stämme der Birken geworden waren, unter denen er als Kind immer spielte, begann er langsam, zu verstehen, dass seine Reise lange Zeit gedauert haben muss... Er erwartete, dass sein Volk anlässlich seiner Wiederkehr einen festlichen Empfang veranstalten würde, doch sein Herz krampfte sich vor Schmerz zusammen, als er vernahm, dass ihn keiner erkannte... Als er sich versuchte, zu erklären, antworteten einige Stimmen: " Oho, seit wann haben wir keinen Kaiser mehr! Das Geschlecht, von dem du sprichst, ist schon seit langer Zeit erloschen!" Ein Greis, der aus der Geschichte die Geschehnisse um Sandomir kannt, tadelte ihn väterlich für das Geschehene. Sandomir wollte noch immer nicht restlos verstehen und schrie aufgebracht, er sei ein Lügner und verlangte nach dem Thron seiner Eltern. Doch muss er erfahren, dass sie bereits den ewigen Schlaf schlafen...

"Und meine Margarinta?"
"Ja... Sie wartet noch auf dich. Sie wollte die Augen nicht schließen, ohne dich vorher noch einmal erblickt zu haben!"
Sandomir lief schnell, seine Gattin zu begrüßen. Von zwei Zofen begleitet, auf einen Krückstock gestützt, erschien eine gekrümmte Greisin, mit weißen, buschigen Brauen über den erloschenen Augen.
"Wo ist er? Wo? murmelte sie, wobei sie die welken Lippen kaum bewegte und mit den Händen nach ihm tastete. "

Eine Zofe stellte Sandomir Magarinta vor, und Sandomir wurde bleich wie wachs, denn er konnte nicht glauben, dass seine Braut, dieses wunderschöne, stolze Geschöpf diese vertrocknete Alte sein sollte, die sich von ihren zwei Begleiterinnen fast tragen ließ.

"Seit wann erwarte ich dich , mein Lieber, seit wann... Nur dir zuliebe habe ich auf dieser Erde so lange, einsame Jahre verweilt!"

Sie schloss ihren ewig Vermissten in die Arme, weinte sich aus, sank zu seinen Füßen nieder und zerfiel zu Asche. Sie hatte das Wiedersehen nicht überleben können.

Mit Margarinta war der letzte Mensch verschwunden, den Sandomir kannte und liebte. Der Turm, in dem er mit Margarinta so viele schöne Stunden verbrachte, war zu einer Ruine geworden, in der nun Eulen nisteten und seine einstigen Diener lagen auf dem Friedhof, der beständig größer wurde.

Sandomir fühlte sich einsam, verlassen, niedergeschlagen inmitten dieser Dinge, die von einer unwiederbringlich verlorenen Vergangenheit erzählten... Jahre mussten vergehen, bis er wieder einen Menschen, eienn Hund oder einen Baum lieb gewinnen konnte. Doch die Zeit blieb nicht still, die Freunde wurden alt, der Hund starb, der Baum verdorrte. Allein Sandomir blieb jung und unsterblich, zwischen den Ruinen, die sich um ihn häuften. Die Jahre verrannen, alles verrann, nur er blieb unverändert, immer einsamer, immer trauriger und bereuhte den Aufbruch aus dem Schloss... damals, vor diesem Bad im Wasser der Unsterblichkeit.

"Oh, könnte ich doch meine Augen für immer schließen! Ginge es doch einmal zu Ende!" Doch weder Klinge noch Gift, weder Feuer noch Wasser konnten seinem Leben ein Ende bereiten... Als einmal ein altes Weib in das Schloss kam, dem die rechte Hand fehlte.

"Kennst du mich noch, Sandomir?" fragte sie.
"Ja... Ich glaube, ja."
"Ich bin Herz-der-Erde! Du hast mir die Hand abgeschlagen und meine zwölf Söhne umgebracht, ich müsste dich deinen Qualen überlassen! Doch das Wasser des Lebens, das du uns gestohlen hast, fordert seine Rechte! Meine Herrin, die Fee, die am Rande der Quelle zu dir gesprochen hat, schickt mich her, damit ich dir die Erlösung bringe. Komm mit!"
"Sei gesegnet Alte, ich folge dir."
Gegen Abend gelangten sie in ein schwarzes Tal. Und was musste Sandomir dort sehen? Alle steinernden Fürsten, die er einst zum Leben erweckt und denen er damit die ewige Jugend geschenkt hatte, stiegen nachdenklich ins Tal hinab und verschwanden im Fluss des Todes. Jeder von ihnen hatte, zu Hause angekommen, etwas ähnliches erlebt wie Sandomir. Nun waren sie gekommen, um die Bürde des Lebens loszuwerden...

Sandomir stieg als letzter in die Fluten, und als ihn die Wellen umarmten, fühlte er ein grenzenloses Glücksgefühl in seiner Seele. Es war, als würden ihn ferne Stimmen locken, liebe Augen zärtlich betrachten, vertraute Gesichter ihm zulächeln, als würden alle, die ihn einst geliebt hatten, ihm offene Arme entgegenstrecken und ihn an ihre Brust ziehen....

Von dieser höchsten Seligkeit erfüllt, sank Sandomir in die Tiefe und wurde eins mit dem Wasser, mit der Erde und mit der Luft.

Und die Welt folgte ihrem Lauf, kraftvoll und heiter, ohne das Ende Sandomirs zu beklagen.






geschrieben von: magic caterpillar

Übrigens, liebe dornrose, habe ich nach dem von dir empfohlenene Charles Perrault Ausschau gehalten und ein ganz entzückendes, von einem russischen Maler illustriertes Buch gefunden "Zaubermärchen", im LeiV-Verlag erschienen. Hierin sind enthalten:

Blaubart
Die Fee
Riquet mit dem Schopf
Der kleine Däumling
Eselshaut.

Hm..., wirklich schön.

Liebe Grüße
magic



geschrieben von: dornrose

oh, sehr schön. ich lebe leider nur mit der reclam ausgabe. aber ich werde mal nachsehen, wie es sich mit der von dir, magic, beschriebenen ausgabe verhält.

sagt euch vielleicht maximilian dauthendey etwas? ich werde mal nachschauen, ob sich ein passend-zu-postender text findet.

zuerst aber will ich mal offline die summary der geschichte lesen...

dornrose

[Dieser Beitrag wurde von dornrose am 13. Dezember 2001 editiert.]



geschrieben von: magic caterpillar

Wie hat es dir gefallen?



geschrieben von: dornrose

nun war gelegenheit, die geschichte von der ewigen jugend zu lesen. ...sandomir und sein weg zur erkenntnis vom lauf des lebens...es ist wirklich wunderschön.
der autor scheint dir viel zu bedeuten @magic, ich hörte diesen namen schon einmal von dir. und nachdem ich noch ein wenig darüber nachdachte, hatte ich fast schon diese ahnung, dass es
"irgendwann" zur jahrhundertwende entstanden sein könnte. leider gibt es davon nichts mehr im buchhandel, aber die anstehenden freien tage sind eine gute gelegenheit für ein paar antiquariatsbesuche. meine wieder hervorgekramten kyrillischen sprachkenntnisse halfen mir auch nur wenig weiter.

überhaupt muss ich sagen, dass ich den thread sehr mag, weil ich schon einige anregungen fand, mal wieder in einigen geschichten zu blättern, gerade auch die sieben schwäne, die ich letztens in einer verfilmung sah, haben mich immer äußerst fasziniert. es ist so schön, kind zu sein, und gerade dass, sollte man später nicht vergessen.


zu diesem zwecke will ich eine neuerliche empfehlung anschließen. es ist nicht max dauthendey, wie oben geschrieben, weil ich mich einfach nicht entscheiden konnte. sondern eine empfehlung für e.t.a. hoffmann, der goldene topf...ein märchen aus der neuen zeit ...in zwölf vigilien...vom studenten anselmus, dem archivarius lindhorst und seiner tochter veronika.

gute nacht
dornrose




[Dieser Beitrag wurde von dornrose am 17. Dezember 2001 editiert.]



geschrieben von: magic caterpillar

Danke sehr, dornrose, einmal mehr hast du meinen hungrigen Wissensschatz erweitert mit einem traumhaften Märchen. Dessen Lesen mich künftig beschäftigen wird. Für alle, die sich hierfür interessieren mögen, sei eine Seite angegeben, auf der ihr dieses Märchen lesen könnt:
www.guttenberg.aol.de/etahoff/goldtopf/gtopf011.htm



geschrieben von: magic caterpillar

Leider wird Gutenberg nur mit einem t geschrieben, sodass der Link korrigierterweise folgendermaßen lautet:
www.gutenberg.aol.de/autoren/etahoff.htm

Ich hoffe, diesmal Fehler vermieden zu haben.



geschrieben von: dornrose

oh ja, natürlich, die gutenberg-seite. ich scheue mich ein wenig, bei literatur die links anzugeben. zugegeben gutenberg.aol ist die beste literaturdatenbank hinsichtlich vollständigkeit etc. in deutscher literatur und übersetzung (gibt es ja auch für die englischsprachige...)
ein guter einstieg ist es allemal, und für gewisse zwecke einfach praktisch.

...aber, so ein schönes gebundenes buch...das kann es nicht ersetzen...(und ist auch immer ein schönes weihnachtsgeschenk http://www.nachtwelten.de/ubb/smile.gif)

beste grüße
dornrose
...für etwas "inhaltliches" brauch in noch ein bißchen zeit...






geschrieben von: magic caterpillar

Ebenfalls war das längst nicht die ganze Antwort auf das von dir zuvor erstellte Posting... Eine ausführlichere Antwort werde ich dir ebenfalls widmen.

Ein Link ersetzt niemals ein Buch, das fiel mir wieder mal erneut auf, als ich auf die Seite geriet... doch war mein Interessendrang zu groß, und die Zeit, die es benötigte, deinem Hinweis in Buchformat nachzugehen, zu kurz.

Und auch für all jene, die sich zufälligerweise hierher bequemen sollten... kann dieser Link die Bildhaftigkeit wenigstens ansatzweise ersetzen, die ohne das Werk selbst nicht entstehen kann.

Bis bald,
magic



geschrieben von: dornrose

auch in diesem neuen jahr 2002 ist das winterwetter immer noch dazu angelegt, sich mit einer decke und einem warmen tee in die hinterste ecke des sofas zu verkriechen...also dann, auf ein neues! es gilt, noch die eine oder andere geschichte auszugraben...

...zuallererst: eine frage. leider ist es mir nicht gelungen, eine buch von victor eftimiu aufzutreiben, lieber magic, hast du da einen Tip für mich? möglicherweise gibt es ja auch eine sammlung von erzählungen, in der er vertreten ist...ich würde gern noch mehr von ihm kennen.


...um nocheinmal auf den goldenen topf des herrn hoffmann zurückzukommen...das erste mal habe ich dieses märchen als kind kennengelernt, mich wohl auch wenig gegruselt....später hab ich dann versucht, die dresdner umgebung nachzuvollziehen, was an sich nur noch sehr eingeschränkt möglich ist...und wiederum einige zeit später hab ich es dann noch einmal gelesen und wohl auch etwas von den unterschieden in der wahrnehmung bemerkt, die zwischen kindheit und erwachsensein liegen. im bücherschrank meiner eltern stand immer eine ausgabe der märchen von e.t.a.hoffmann...nun besitze ich sie selbst. als kind las ich vor allem „das märchen“ und erahnte wohl nur etwas von den zusammenhängen, die hier wirken und beschrieben werden, später war ich fast erstaunt, was ich alles nicht oder anders gesehen und gelesen habe.

märchen haben für mich immer ihre faszination behalten, egal ob nun die der gebrüder grimm, oder andere ...oder die später gelesenen, für erwachsene (und kinder). und ein paar meiner alten kinderbücher stehen daheim immer noch im regal.

und so will ich es auch heute nicht versäumen, eine märchen-empfehlung zu erwähnen...
habe mir also besagten tee gekocht, den cd-player eingeschaltet...ataraxia „suenos“, speziell „eleven“ und blättere ein wenig in den büchern...

allereirauh
...es war einmal ein könig, der hatte eine wunderschöne frau, doch diese starb. beim tode seiner frau musste der könig versprechen, im falle einer neuen heirat eine ebenso schöne frau auszusuchen. doch der könig war nicht zu einer neuen heirat zu bewegen, schließlich wurde er von seinen räten bedrängt und erkannte, dass nur seine tochter ebenso schön war wie ihre mutter. diese wollte er nun heiraten. sie überlegt nun, wie sie ihren vater von diesem wunsch abbringen könnte und sprach den folgenden wunsch: ...erst muß ich drei kleider haben, eins so golden wie die sonne, eins so silbern wie der mond und eins so glänzend wie die sterne, ferner verlange ich einen mantel von tausenderlei pelz und rauhwerk zusammengesetzt. sie dachte aber, dass dieser wunsch vollkommen unerfüllbar sei...

doch ihr wunsch wurde erfüllt und heimlich stand sie in der nacht vor ihrer hochzeit auf, zog sich den mantel aus allerlei rauhwerk an und verließ den palast...sie schläft nachts in einem wald, wird gefunden und muss von nun an in der küche eines anderen königreichs arbeiten...

nun begab es sich, dass der könig ein fest abhielt, und allerleirauh sagte dem koch, sie wolle gern hinaufgehen, um zuzusehen...nun hatte sie aber auch die drei wunderschönen kleider mitgenommen und so wurde sie beim ball für eine unbekannte königstochter gehalten...dies wiederholte sich noch zweimal...in der zwischenzeit kehrte sie aber immer wieder in die küche zurück, um für den könig die suppe zu kochen...und immer legte sie etwas mit hinein, einmal ihren goldenen ring...der könig, der alles ahnte, behielt den ring und steckte ihn allerleirauh beim 3. ball an den finger. sofort darauf befahl er seine suppe und allerleihrau mußte sich beeilen, so behielt sie ihr kleid an, zog nur den mantel darüber, in der eile vergaß sie auch, ihre haut vollständig mit ruß zu bedecken...
als der könig nun seine suppe gegessen und auf dem grunde eine goldene haspel gefunden hatte, da ließ er allerleirauh wieder zu sich rufen....und sah den ring an ihrem finger und während er ihre hand ergriff, löste sich der pelzmantel und ihre sternenkleid war zu sehen

...da heirateten die beiden und lebten glücklich bis an ihr lebensende.

...nun ja, das ende ist etwas kitschig...doch ich habe mich bei diesem märchen schon immer gefragt, wie groß die suppenterrinen in diesem königreich doch sein müssen, dass sogar spinnräder hineinpassen und warum das königreich des ersten königs so nah an den wald des anderen grenzt, das man nur einen tag laufen muss... http://www.nachtwelten.de/ubb/smile.gif


...und wenn es in eurer stadt ein puppentheater geben sollte, dass noch alte märchen spielt...dann geht einfach mal hin.

in diesem sinne
beste grüße
dornrose





geschrieben von: Nightingale

Endet dieser Thread, jetzt in einem Zwiegespraech?

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Sein oder nicht sein?
Das ist hier die Frage.



geschrieben von: dornrose

...wenn ich hier einmal für den gastgeber sprechen darf...

nein, so soll es keineswegs sein. mich würde es in jedem fall freuen, wenn sich noch mehr menschen hier einfänden.

beste grüße
dornrose



geschrieben von: Nightingale

Mein liebstes Märchen ist die "Die kleine Meerjungfrau" von Hans Christian Andersen.

Weiter oben im Thread wurde die Frage gestellt, von wem das Märchen "Die wilden Schwäne" stammt; Es ist ebenfalls von H.A. Andersen.

Sehr schön ist auch "Die weiße Schlange" und "Schneeweißchen und Rosenrot".
Beide Märchen sind von den Grimms.

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Sein oder nicht sein?
Das ist hier die Frage.



geschrieben von: magic caterpillar

Hallo Nightingale,

natürlich sind deine Worte willkommen, wir haben nie irgendwem verboten, hier mitzumachen... das Interesse an dieser Thematik ist sicherlich nicht riesig groß... Wenn jemand seine Gedanken hier einträgt, ist das doch, gerade für all die, die sich für dieses Thema interessieren, wunderbar!

Werte dornrose,

deine Antworten habe ich natürlich wieder mit großem Interesse gelesen und freue mich schon darauf, sie zu beantworten.

Alles Gute
magic




geschrieben von: Nightingale

@Magic ...
Da hast Du mich wohl falsch verstanden:
Mir ist es klar, dass mir hier niemand "verbieten" kann "mitzumachen".
(Das wäre ja wohl in einem Forum, ziemlich fehl am Platze.)

Wollte mich nur vergewissern, ob Ihr Eure
Zwiegespräche, eventuell auf persönliche E-Mails verlagern könntet.
Es ist nämlich äußerst nervig, diese in einem öffentlichen Thread zu lesen.

Bin selbstverständlich sicher, dass Du als fähiger Moderator mit einem offensichtlichen Hang zur Fairness, hierzu vollstes Verständnis hast. Nicht wahr?? ;-)

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Sein oder nicht sein?
Das ist hier die Frage.

[Dieser Beitrag wurde von Nightingale am 09. Januar 2002 editiert.]



geschrieben von: magic caterpillar

Nightingale,

dein zickiger Kommentar geht leider am Thema vorbei, dein voriger hat mir viel besser gefallen.

Gruß magic



geschrieben von: magic caterpillar

Ich habe nach kurzer Bedenkzeit beschlossen, dir hier in diesem Thread noch mal zu antworten, Nightingal...

Diese Antwort weicht natürlich etwas vom Thema ab, soll aber gleich wieder zurück führen und auch anderen Membern vergewissern, dass sie hier gern ihre Einträge tätigen können und auch gern sollen (!!!).

Natürlich kann und will ich niemanden etwas "verbieten"... Schade, dass du das gleich so wörtlich genommen hast... Dabei wollte ich damit nur ausdrücken, dass sich nun einmal dornrose und ich hier immer wieder einfinden und Interesse am Thema "Märchen" haben. Soweit wir uns, hierüber unterhalten, haben wir dieses Thema auch nicht verfehlt.

Jedem steht frei, wie häufig er in einem Thread postet. Wenn im Augenblick dornrose an diesem Thread Interesse findet und andere weniger Interesse daran finden, werde ich mich eben mit ihr und dornrose sich eben mit mir austauschen.

Wir unterhalten uns dabei strikt an das Thema "Märchen" gebunden und sind deshalb auch nicht dazu (der Geordnetheit halber) verpflichtet, uns per PM auszutauschen.

Dass wir zur Zeit allein sind, stört mich nicht, ich kann mich sehr gut mit einer Person unterhalten und lese zudem sehr gern solche am Thema interessierten und auf mich damit interessant wirkenden, durchdachten, wenig oberflächlichen Beiträge, wie dornrose sie erstellt.

Ich habe natürlich nichts dagegen, wenn solche Beiträge häufiger auch hier erschienen... aber jeder interessiert sich nun einmal für andere Dinge, deshalb bin ich über ein Fernbleiben nicht enttäuscht... Sicherlich aber angenehm überrascht, sollten sie sich auch hier einfinden...

Deshalb, und das habe ich und auch dornrose bereits zum Ausdruck gebracht, freue ich mich an jedem weiteren Member, der sich hier Gedanken machen will und an einer Unterhaltung innerhalb dieses Themas interessiert ist.

Wenn du das möchtest, und Interesse hast du ja bereits gezeigt, dann würde mich das freuen... Bitte aber fühle dich nicht durch irgendetwas angegriffen oder bevormundet, und bitte fasse diesen Thread als friedlich und harmonisch und außerdem sehr gastfreundschaftlich verlaufend auf...

Du bist herzlich willkommen!... Wenn du allerdings nicht magst und dich die Gedanken und Kommentare hierdrin eher abstoßen, dann ist es dir natürlich freigestellt, ob du woanders lieber verweilen möchtest.

Wenn du persönlich etwas gegen mich hast, kannst du mir gern auch deine Kritik in einer PM mitteilen, ich lerne gern dazu und gehe davon aus, dass ich etwas nicht beachtet habe, was du mir vielleicht aufzeigen könntest.

Gruß
magic




geschrieben von: Nightingale

@Magic
Warum sollte ich gegen Dich etwas haben?
Ich kenne Dich ja gar nicht.
Ich wollte Dich auch auf keinen Fall persönlich angreifen; Wenn es so rüberkam,
tuts mir leid. (Meine ich ernst.)

Also nichts für ungut.


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Sein oder nicht sein?
Das ist hier die Frage.



geschrieben von: dornrose

guten abend,
die letzten postings habe ich gelesen...vielleicht nur eines, ...ein grund, weshalb diese unterhaltung nicht per pm, etc. fortgeführt wurde, liegt sicher unter anderem darin, dass so die hoffnung ausdruck fand, hier doch weitere interessenten zu erblicken...auch wenn ich den austausch mit magic bisher sehr geschätzt habe.

um die hinwendung zum inhaltlichen ein wenig zu unterstützen...ein rätsel...wer kennt diese märchen und wer kann es vielleicht an dieser stelle weitererzählen?

"An dem großen Flusse, der eben von einem starken Regen geschwollen und übergetreten war, lag in seiner kleinen Hütte, müde von den Anstrengungen des Tages, der alte Fährmann und schlief. Mitten in der Nacht weckten ihn einige laute Stimmen; er hörte, daß Reisende übergesetzt sein wollten.

Als er vor die Tür hinaus trat...

...
...
...
Unvermutet fielen Goldstücke, wie aus der Luft, klingend auf die marmornen Platten, die nächsten Wanderer stürzten darüber her, um sich ihrer zu bemächtigen, einzeln wiederholte sich dies Wunder, und zwar bald hier und bald da. Man begreift wohl, daß die abziehenden Irrlichter sich hier nochmals eine Lust machten und das Gold aus den Gliedern des zusammengesunkenen Königs auf eine lustige Weise vergeudeten. Begierig lief das Volk noch eine Zeitlang hin und wider, drängte und zerriß sich, auch noch da keine Goldstücke mehr herabfielen. endlich verlief es sich allmählich, zog seine Straße, und bis auf den heutigen Tag wimmelt die Brücke von Wanderern, und der Tempel ist der besuchteste auf der ganzen Erde."

ein kleiner tip...um es zu finden, muß man gewissermaßen beim "altmeister" suchen.

viel spaß beim raten, wer auch immer es lesen möge...
dornrose



geschrieben von: Lu Diamond

Ich erweitere mal den schönen Märchenschatz hier um "Die Totenmette".

Es war einmal eine Frau, die dachte am Weihnachtsabend bei sich selbst, sie wollte am Weihnachtsmorgen in die Frühpredigt gehen, denn sie war eine eifrige Kirchgängerin. Also gab sie Kaffee heraus, um am Morgen einen warmen Schluck zu haben und nicht nüchtern in die Kirche zu müssen. Als sie aufwachte, schien der Mond ins Zimmer, aber als sie aufstand, um nach der Uhr zu sehen, war sie stehengeblieben, und der Zeiger wies auf halb zwölf. Da wußte sie nicht, wie es an der Zeit war und ging ans Fenster und schaute nach der Kirche hinüber. Dort sah sie Licht in allen Fenstern. Nun weckte sie das Mädchen uns ließ sie Kaffee kochen, während sie sich anzog, und dann nahm sie ihr Gebetbuch und ging zur Kirche. Es war ganz still auf der Straße, und sie sah keinen Menschen auf dem Weg. Als sie in die Kirche kam, setzte sie sich auf ihren gewohnten Platz, aber als sie sich umsah, kamen ihr all die Leute so bleich und wunderlich vor, gerade, als ob sie alle tot wären. Sie kannte niemand, aber manche meinte sie schon früher gesehen zu haben, doch sie konnte sich nicht entsinnen, wo. Als der Priester auf die Kanzel stieg, war es keiner von den Priestern in der Stadt, sondern ein großer, blasser Mann, der ihr auch bekannt vorkam. Er predigte sehr erbaulich und es war keine solche Unruhe und kein Husten und Räuspern, wie es sonst an Weihnachtsmorgen in der Frühpredigt zu sein pflegt. Es war so stille, daß man hätte eine Nadel fallen hören können, ja es war so stille, daß ihr ganz angst und bange wurde.
Als sie wieder zu singen anfingen, beugte sich eine Frau, die neben ihr saß, zu ihr und wisperte ihr ins Ohr: "Wirf den Mantel lose um dich und geh, denn wenn du wartest, bis es vorbei ist, so machen sie dir den Garaus. Das ist die Totenmette."
Da ängstigte sie sich sehr, denn als sie die Stimme hörte und zu der Frau hinüber sah, da erkannte sie sie; es war ihre Nachbarin, die seit langen Jahren tot war. Ihr Blut wurde zu Eis, so hatte sie Angst. Sie nahm den Mantel lose um sich, wie die Frau ihr gesagt hatte, und ging hinaus; aber es war ihr, als ob alle nach ihr griffen, und die Knie wankten ihr, und sie war fast auf den Kirchenboden niedergesunken. Als sie an die Treppe kam, packten die Toten schon ihren Mantel; sie ließ ihn los und eilte nach Hause, so rasch sie konnte. Gerade als sie in der Tür stand, schlug es ein Uhr, und wie sie hineinkam, war sie halbtot vor Angst. Am Morgen, als die Leute zur Kirche gingen, lag der Mantel auf der Treppe, aber er war in tausend Stücke zerrissen.




geschrieben von: Mahsheed

Der Kuhhirt und die Spinnerin

Es lebte einst ein junger Mann, der sein Auskommen damit verdiente, dass er die Kuh eines Bauern hütete.
Nun gilt dies gemeinhin nicht als eine Aufgabe, bei der sich besondere Anstrengung lohnt, aber der Hirte hatte seine Kuh sehr gern und deshalb führte er sie nur auf die saftigsten Wiesen und tat auch sonst alles, damit es ihr wohl erging. So kam es, dass ihr Fell weich und seidig wund ihre Flanken nicht dürr und knochig wie bei den anderen, sondern rund und wohlgenährt waren.

Eines Tages, als der junge Hirte die Kuh an eine Stelle geführt hatte, wo das Gras besonders saftig und wohlschmeckend war, kam die Kuh zu ihm herübergelaufen, stupste ihn sanft mit ihrer weichen Nase an und sprach:

"Du bist immer gut zu mir gewesen, lass mich dir dafür danken. Was hälst du davon, ein liebliches junges Mädchen zur Frau zu nehmen?"

"Ach, das täte ich von Herzen gern",
seufzte der junge Bursche,

"aber welches Mädchen will schon einen Kuhhirten zum Mann!"

"Das hängt von dir ab. Wenn du alles mir überlässt und keine Fragen stellst, will ich dir helfen, dein Glück zu finden",
versprach ihm die Kuh und trottete davon.

Als das nächste Mal der volle Mond am Himmel stand, weckte die Kuh den jungen Mann, der unter einer Weide lag und schlief.

"Wach auf! Heute ist der Siebenabend! Steig schnell auf meinen Rücken, damit ich dich zum Himmelsee tragen kann!"

"Der Siebenabend? Zum Himmelsee?",
fragte der Hirte verschlafen.
"Was soll ich denn da, und wie sollen wir denn dahin kommen?"

"Steig einfach auf und halte dich gut an meinen Hörnern fest, dann wird dir nichts passieren",
erwiderte die Kuh ungeduldig und scharrte mit den Hufen. Der junge Mann stieg auf und sogleich lief die Kuh los.

Der Wind pfiff ihm um die Ohren, so dass ihm ganz schwindelig wurde, und als er hinunter blickte, stellte er erschrocken fest, dass sie durch die Luft flogen.

"Hilfe, wo willst du denn mit mir hin,"
schrie er voller Angst.
"Zum Himmelsee, das habe ich dir doch schon gesagt. Und nun halte dich gut fest, denn gleich sind wir da",
beruhigte ihn die Kuh.

Und tatsächlich, kurze Zeit später waren sie an dem verzaubertem Ort angekommen. Der Hirte traute seinen Augen nicht, so schön war alles anzusehen. Die Schilfgräser am Ufer waren aus hauchdünnen Goldplättchen und die Blätter der Zypressenbäume, die aus grün geschliffenem Kristall waren, klingelten leise im Wind.
Staunend lief der junge Mann hinter der Kuh her.

"Beeil dich ein bisschen",
rief sie ihm zu,
"am Siebenabend kommen die Töchter des Himmelsfürsten stets hierher, um zu baden. Wir wollen sie nicht verpassen.!"

"Die Töchter des Himmelsfürsten?",
fragte der Hirte verwirrt.

Die Kuh schnaubte ärgerlich durch die Nase.
"Was glaubst du denn, warum du hier bist? Ich will dir helfen, das Herz der siebten Tochter des Himmelsfürsten, die übrigens auch die Hübscheste von allen ist, zu gewinnen. Sie wird die Spinnerin genannt, weil sie die Wolkenseide für die Himmelskönigin spinnt und die Näharbeiten der Mädchen auf der Erde überwacht. Gelangt es dir, sie zur Frau zu nehmen, erlangst du Unsterblichkeit."

"Aber wie soll mir denn das gelingen?",
rief der Bursche.
"Ich bin nur ein Bauerntölpel. Wieso sollte ein so edles Fräulein mich zum Mann haben wollen? Am besten wird sein, wir vergessen das Ganze und du bringst mich auf die Erde zurück!"

"Nicht so schnell, nicht so schnell",
beschwichtigte ihn die Kuh,
"es wird alles seinen Gang gehen, sei unbesorgt. Wenn du tust, was ich dir sage, kann gar nichts schief gehen. Also hör gut zu: Wenn du die Mädchen kommen siehst, versteckst du dich am Ufer. Das Mädchen mit den roten Kleidern ist die Spinnerin. Sobald alle ins Wasser gestiegen sind, stiehlst du ihre Kleider. Lass dich nicht beirren und gib sie ihr erst zurück, wenn sie dir versprochen hat, dich zu heiraten!"

Der Kuhhirte versprach, sich alles gut zu merken, und versteckte sich im Schilf. Schon bald hörte er das Lachen der jungen Mädchen, die ausgelassen am Ufer entlang liefen. Als sie an einer seichten Stelle angekommen waren, zogen sie ihre Kleider aus und stiegen ins Wasser.
Nachdem sie sich ein Stück vom Ufer entfernt hatten, kam der junge Mann aus seinem Versteck hervor, griff unter lautem Geschrei der Mädchen das Bündel mit den roten Kleidern und lief weg.
Eilig schwammen die sechs anderen Töchter des Himmelfürsten ans Ufer zurück, schlüpften in ihre Kleider und liefen davon.



geschrieben von: Mahsheed

(Fortsetzung ... )

"Gib mir sofort meine Kleider wieder, was fällt dir ein!",
rief die Siebte, die als einzige noch frierend im Wasser saß.

"Nur, wenn du mich heiratest.",
erwiderte er.

"Das wäre ja noch schöner",
rief das Mädchen ärgerlich,
"was sollte ich denn für einen Grund haben, so einen Rüpel wie dich zu heiraten. Du weißt wohl nicht, wen du vor dir hast!"

"Doch, du bist die siebte Tochter des Himmelsfürsten und wirst die Spinnerin genannt",
erwiderte der Kuhhirte,
"außerdem bist du wunderschön. Es tut mir Leid, dass du böse auf mich bist. Aber die Kuh hat gesagt, dass ich dir die Kleider wegnehmen soll."

"Das ist richtig",
warf die Kuh, die nun auch ans Ufer gekommen war, beschwichtigend ein,
"es ist meine Schuld, denn eigentlich hat dieser junge Mann sehr gute Manieren und, was noch wichtiger ist, ein gutes Herz. Er ist zwar arm, aber ich kann dir versichern, ds er dich immer lieb haben und immer an dich denken wird. Nimm ihm sein Handeln bitte nicht so übel."

Das junge Mädchen betracdhtete den Kuhhirten verstohlen und stellte fest, dass er ihr sehr gut gefiel. Auch hatten sie die Worte der Kuh milde gestimmt.

"Also gut",
willigte sie ein,
"aber jetzt will ich meine Kleider!"

Froh über ihre Zustimmung legte der junge Mann die Kleider auf einen Stein und wartete ein Stück abseits. Es dauerte nicht lange und das Mädchen kam zu ihm herüber gelaufen.

"Du musst mir alles von dir erzählen",
sagte sie, während sie ihr langes Haar mit einem seidenen Schal trocknete.

Der Kuhhirte führte sie zu einer kleinen Lichtung, auf der sie sich nieder setzten. Er nahm ihre Hände und erzählte ihr von sich und vom Leben unten auf der Erde und davon, wie glücklich er war, dass er sie gefunden hatte. So saßen die beiden, bis die Morgensonne alles in rotes Licht tauchte.

Als die Sonnenstrahlen die Lichtung erhellten, sprang das Mädchen eilig auf.

"Ich muss dich jetzt verlassen",
sagte sie traurig,
"mein Vater hat mir befohlen, neue Wolkenseide für meine Mutter zu spinnen, aber ich komme wieder!"

Und mit diesen Worten lief sie eilig davon.

"Bitte geh nicht!",
flehte der Kuhhirte und rannte hinter ihr her,
"wir haben uns doch erst kennen gelernt!"

"Ich weiß, mein Liebster"",
erwiderte das Mädchen, das mit Tränen in den Augen im Lauf inne gehalten hatte,
"aber es ist uns so bestimmt!"

Dann drehte sie sich um und verschwand zwischen den Nebelschwaden, die sich über die Lichtung gelegt hatten.

"Warte doch, lass mich nicht allein!"
rief ihr der junge Mann hinterhier und lief ihr nach.

"Du musst zurück bleiben" Mein Vater, der Himmelsfürst, duldet keinen Ungehorsam!",
rief das Mädchen ihm zu.

Doch als sie sah, dass er nicht stehen bleiben würde, löste sie voller Verzweiflung eine silberne Haarnadel aus ihrem Haar und zog damit einen Strich durch die Luft. Sogleich entstand eine Wand von funkelnden Sternen, die der junge Mann nicht durchdringen konnte, und es blieb ihm nichts anderes übrig, als weinend zurück zu bleiben, während seine Liebste zwischen den funkelnden Sternen verschwand.

So kommt es, dass der Kuhhirte und die Spinnerin am Himmel durch die Milchstraße, die von den Chinesen der silberne Fluss genannt wird, getrennt sind.

Nur einmal im Jahr, am siebten Tag des siebten Monts, erlaubt es der strenge Himmelsfürst, dass sie sich treffen. Dann fliegen alle Vögel hoch in den Himmel hinauf und bilden eine Brücke, damit die Spinnerin den silbernen Fluss überqueren und zu ihrem Liebsten kommen kann. Deshalb hört man an diesem Tag keinen Vogel zwitschern, so sehr man auch die Ohren spitzt.
Doch ihr Glück ist nur von kurzer Dauer, denn der Vater wacht genau darüber, dass seine Tochter zurück kehrt, sobald der Abendstern zu leuchten beginnt. Aus diesem Grund regnet es so häufig am Siebenabend. Es sind die Tränen der Liebenden, die als Regen zu Erde fallen.






Aus: Bibliothek der schönsten Märchen aus China. BETZ



geschrieben von: Mahsheed

Daher stammt sicher die Redewendung und der als ärgerliche Beschimpfung genutzte Ausdruck:

"du blöde Kuh!, duh!"




geschrieben von: dornrose

wie lang das her ist...
und ob noch jemand des rätsels lösung finden mag?

Zitat:
Original geschrieben von dornrose

um die hinwendung zum inhaltlichen ein wenig zu unterstützen...ein rätsel...wer kennt diese märchen und wer kann es vielleicht an dieser stelle weitererzählen?

"An dem großen Flusse, der eben von einem starken Regen geschwollen und übergetreten war, lag in seiner kleinen Hütte, müde von den Anstrengungen des Tages, der alte Fährmann und schlief. Mitten in der Nacht weckten ihn einige laute Stimmen; er hörte, daß Reisende übergesetzt sein wollten.

Als er vor die Tür hinaus trat...
...
ein kleiner tip...um es zu finden, muß man gewissermaßen beim "altmeister" suchen.

viel spaß beim raten, wer auch immer es lesen möge...
dornrose



dornrose, die letzten zwei postings lesend
@mahsheed :D ...und danke fürs ausgraben...



geschrieben von: Mahsheed

@ dornrose ...

:cool:


Und:

Ich habe die Lösung ...



geschrieben von: Mahsheed



Das Märchen
Johann Wolfgang von Goethe


An dem großen Flusse, der eben von einem starken Regen geschwollen und übergetreten war, lag in seiner kleinen Hütte müde von der Anstrengung des Tages, der alte Fährmann und schlief. Mitten in der Nacht weckten ihn einige laute Stimmen; er hörte, daß Reisende übergesetzt sein wollten.

Als er vor die Tür hinaus trat, sah er zwei große Irrlichter über dem angebundenen Kahne schweben, die ihm versicherten, daß sie große Eile hätten und schon an jenem Ufer zu sein wünschten. Der Alte säumte nicht, stieß ab und fuhr, mit seiner gewöhnlichen Geschicklichkeit, quer über den Strom, indes die Fremden in einer unbekannten sehr behenden Sprache gegeneinander zischten und mitunter in ein lautes Gelächter ausbrachen, indem sie bald auf den Rändern und Bänken, bald auf dem Boden des Kahns hin- und widerhüpften.

"Der Kahn schwankt!" rief der Alte, "und wenn ihr so unruhig seid, kann er umschlagen; setzt euch, ihr Lichter!"

Sie brachen über diese Zumutung in ein großes Gelächter aus, verspotteten den Alten und waren noch unruhiger als vorher. Er trug ihre Unarten mit Geduld, und stieß bald am jenseitigen Ufer an.


"Hier ist für Eure Mühe!" riefen die Reisenden, und es fielen indem sie sich schüttelten, viele glänzende Goldstücke in den feuchten Kahn.

"Ums Himmels willen, was macht ihr!" rief der Alte, "ihr bringt mich ins größte Unglück! Wäre ein Goldstück ins Wasser gefallen, so würde der Strom, der dies Metall nicht leiden kann, sich in entsetzliche Wellen erhoben, das Schiff und mich verschlungen haben, und wer weiß, wie es euch gegangen sein würde; nehmt euer Geld wieder zu euch!"

"Wir können nichts wieder zu uns nehmen, was wir abgeschüttelt haben," versetzten jene.

"So macht ihr mir noch die Mühe," sagte der Alte, indem er sich bückte und die Goldstücke in seine Mütze las, "daß ich sie zusammensuchen, ans Land tragen und vergraben muß."

Die Irrlichter waren aus dem Kahne gesprungen, und der Alte rief: "Wo bleibt nun mein Lohn?"

"Wer kein Gold nimmt, mag umsonst arbeiten!" riefen die Irrlichter.

"Ihr müßt wissen, daß man mich nur mit Früchten der Erde bezahlen kann."

"Mit Früchten der Erde? Wir verschmähen sie, und haben sie nie genossen."

"Und doch kann ich euch nicht loslassen, bis ihr mir versprecht, daß ihr mir drei Kohlhäupter, drei Artischocken und drei große Zwiebeln liefert."

Die Irrlichter wollten scherzend davonschlüpfen; allein sie fühlten sich auf eine unbegreifliche Weise an den Boden gefesselt; es war die unangenehmste Empfindung die sie jemals gehabt hatten. Sie versprachen seine Forderung nächstens zu befriedigen; er entließ sie und stieß ab.

Er war schon weit hinweg als sie ihm nachriefen: "Alter! hört Alter! wir haben das Wichtigste vergessen!"

Er war fort und hörte sie nicht. Er hatte sich an derselben Seite den Fluß hinab treiben lassen, wo er in einer gebirgigen Gegend, die das Wasser niemals erreichen konnte, das gefährliche Gold verscharren wollte. Dort fand er zwischen hohen Felsen eine ungeheure Kluft schüttete es hinein und fuhr nach seiner Hütte zurück.

In dieser Kluft befand sich die schöne grüne Schlange, die durch die herabklingende Münze aus ihrem Schlafe geweckt wurde. Sie ersah kaum die leuchtenden Scheiben, als sie solche auf der Stelle mit großer Begierde verschlang, und alle Stücke die sich in dem Gebüsch und zwischen den Felsritzen zerstreut hatten, sorgfältig aufsuchte.





geschrieben von: Mahsheed

Kaum waren sie verschlungen, so fühlte sie mit der angenehmsten Empfindung das Gold in ihren Eingeweiden schmelzen und sich durch ihren ganzen Körper ausbreiten, und zur größten Freude bemerkte sie, daß sie durchsichtig und leuchtend geworden war. Lange hatte man ihr schon versichert, daß diese Erscheinung möglich sei; weil sie aber zweifelhaft war, ob dieses Licht lange dauern könne, so trieb sie die Neugierde und der Wunsch, sich für die Zukunft sicherzustellen, aus dem Felsen heraus, um zu untersuchen, wer das schöne Gold hereingestreut haben könnte. Sie fand niemanden. Desto angenehmer war es ihr, sich selbst, da sie zwischen Kräutern und Gesträuchen hinkroch, und ihr anmutiges Licht, das sie durch das frische Grün verbreitete, zu bewundern. Alle Blätter schienen von Smaragd, alle Blumen auf das herrlichste verklärt. Vergebens durchstrich sie die einsame Wildnis, desto mehr aber wuchs ihre Hoffnung, als sie auf die Fläche kam und von weitem einen Glanz, der dem ihrigen ähnlich war, erblickte.

"Find' ich doch endlich meinesgleichen!" rief sie aus und eilte nach der Gegend zu.

Sie achtete nicht die Beschwerlichkeit durch Sumpf und Rohr zu kriechen; denn ob sie gleich auf trocknen Bergwiesen, in hohen Felsritzen am liebsten lebte, gewürzhafte Kräuter gerne genoß und mit zartem Tau und frischem Quellwasser ihren Durst gewöhnlich stillte, so hätte sie doch des lieben Goldes willen und in Hoffnung des herrlichen Lichtes alles unternommen, was man ihr auferlegte.


Sehr ermüdet gelangte sie endlich zu einem feuchten Ried, wo unsere beiden Irrlichter hin- und widerspielten. Sie schoß auf sie los, begrüßte sie, und freute sich so angenehme Herren von ihrer Verwandtschaft zu finden. Die Lichter strichen an ihr her, hüpften über sie weg und lachten nach ihrer Weise.

"Frau Muhme," sagten sie, "wenn Sie schon von der horizontalen Linie sind, so hat das doch nichts zu bedeuten; freilich sind wir nur von seiten des Scheins verwandt, denn sehen Sie nur (hier machten beide Flammen indem sie ihre ganze Breite aufopferten, sich so lang und spitz als möglich) wie schön uns Herren von der vertikalen Linie diese schlanke Länge kleidet; nehmen Sie's uns nicht übel, meine Freundin, welche Familie kann sich des rühmen? So lang es Irrlichter gibt, hat noch keins weder gesessen noch gelegen."

Die Schlange fühlte sich in der Gegenwart dieser Verwandten sehr unbehaglich, denn sie mochte den Kopf so hoch heben als sie wollte, so fühlte sie doch, daß sie ihn wieder zur Erde biegen mußte, um von der Stelle zu kommen, und hatte sie sich vorher im dunklen Hain außerordentlich wohlgefallen, so schien ihr Glanz in Gegenwart dieser Vettern sich jeden Augenblick zu vermindern, ja sie fürchtete, daß er endlich gar verlöschen werde.

In dieser Verlegenheit fragte sie eilig, ob die Herren ihr nicht etwa Nachricht geben könnten, wo das glänzende Gold herkomme, das vor kurzem in die Felskluft gefallen sei; sie vermute, es sei ein Goldregen, der unmittelbar vom Himmel träufle. Die Irrlichter lachten und schüttelten sich, und es sprangen eine große Menge Goldstücke um sie herum. Die Schlange fuhr schnell darnach sie zu verschlingen.

"Laßt es Euch schmecken, Frau Muhme," sagten die artigen Herren, "wir können noch mit mehr aufwarten."

Sie schüttelten sich noch einige Male mit großer Behendigkeit, so daß die Schlange kaum die kostbare Speise schnell genug hinunterbringen konnte. Sichtlich fing ihr Schein an zu wachsen, und sie leuchtete wirklich aufs herrlichste, indes die Irrlichter ziemlich mager und klein geworden waren, ohne jedoch von ihrer guten Laune das mindeste zu verlieren.

"Ich bin euch auf ewig verbunden," sagte die Schlange, nachdem sie von ihrer Mahlzeit wieder zu Atem gekommen war, "fordert von mir was ihr wollt; was in meinen Kräften ist, will ich euch leisten."

"Recht schön!" riefen die Irrlichter, "sage, wo wohnt die schöne Lilie? Führ uns so schnell als möglich zum Palaste und Garten der schönen Lilie, wir sterben vor Ungeduld, uns ihr zu Füßen zu werfen."

"Diesen Dienst," versetzte die Schlange mit einem tiefen Seufzer, "kann ich euch sogleich nicht leisten. Die schöne Lilie wohnt leider jenseit des Wassers."

"Jenseit des Wassers! Und wir lassen uns in dieser stürmischen Nacht übersetzen! Wie grausam ist der Fluß, der uns nun scheidet! Sollte es nicht möglich sein, den Alten wieder zu errufen?"

"Sie würden sich vergebens bemühen," versetzte die Schlange, "denn wenn Sie ihn auch selbst an dem diesseitigen Ufer anträfen, so würde er Sie nicht einnehmen; er darf jedermann herüber, niemand hinüber bringen."

"Da haben wir uns schön gebettet! Gibt es denn kein ander Mittel, über das Wasser zu kommen?"

"Noch einige, nur nicht in diesem Augenblick. Ich selbst kann die Herren übersetzen, aber erst in der Mittagsstunde."

"Das ist eine Zeit, in der wir nicht gerne reisen."

"So können Sie abends auf dem Schatten des Riesen hinüberfahren."

"Wie geht das zu?"




geschrieben von: Mahsheed


"Der große Riese, der nicht weit von hier wohnt, vermag mit seinem Körper nichts; seine Hände heben keinen Strohhalm, seine Schultern würden kein Reisbündel tragen; aber sein Schatten vermag viel, ja alles. Deswegen ist er beim Aufgang und Untergang der Sonne am mächtigsten, und so darf man sich abends nur auf den Nacken seines Schattens setzen, der Riese geht alsdann sachte gegen das Ufer zu und der Schatten bringt den Wanderer über das Wasser hinüber. Wollen Sie aber um Mittagszeit sich an jener Waldecke einfinden, wo das Gebüsch dicht ans Ufer stößt, so kann ich Sie übersetzen und der schönen Lilie vorstellen; scheuen Sie hingegen die Mittagshitze, so dürfen Sie nur gegen Abend in jener Felsenbucht den Riesen aufsuchen, der sich gewiß recht gefällig zeigen wird."

Mit einer leichten Verbeugung entfernten sich die jungen Herren, und die Schlange war zufrieden von ihnen loszukommen, teils um sich in ihrem eignen Lichte zu erfreuen, teils eine Neugierde zu befriedigen, von der sie schon lange auf eine sonderbare Weise gequält ward.

In den Felsklüften, in denen sie oft hin- und widerkroch, hatte sie an einem Orte eine seltsame Entdeckung gemacht. Denn ob sie gleich durch diese Abgründe ohne ein Licht zu kriechen genötiget war, so konnte sie doch durchs Gefühl die Gegenstände recht wohl unterscheiden. Nur unregelmäßige Naturprodukte war sie gewohnt überall zu finden; bald schlang sie sich zwischen den Zacken großer Kristalle hindurch, bald fühlte sie die Haken und Haare des gediegenen Silbers, und brachte ein und den andern Edelstein mit sich ans Licht hervor. Doch hatte sie zu ihrer großen Verwunderung in einem ringsum verschlossenen Felsen Gegenstände gefühlt, welche die bildende Hand des Menschen verrieten. Glatte Wände, an denen sie nicht aufsteigen konnte, scharfe regelmäßige Kanten, wohlgebildete Säulen, und, was ihr am sonderbarsten vorkam, menschliche Figuren, um die sie sich mehrmals geschlungen hatte, und die sie für Erz oder äußerst polierten Marmor halten mußte. Alle diese Erfahrungen wünschte sie noch zuletzt durch den Sinn des Auges zusammenzufassen und das, was sie nur mutmaßte, zu bestätigen. Sie glaubte sich nun fähig durch ihr eignes Licht dieses wunderbare unterirdische Gewölbe zu erleuchten, und hoffte auf einmal mit diesen sonderbaren Gegenständen völlig bekannt zu werden. Sie eilte und fand auf dem gewohnten Wege bald die Ritze, durch die sie in das Heiligtum zu schleichen pflegte.

Als sie sich am Orte befand, sah sie sich mit Neugier um, und obgleich ihr Schein alle Gegenstände der Rotunde nicht erleuchten konnte, so wurden ihr doch die nächsten deutlich genug. Mit Erstaunen und Ehrfurcht sah sie in eine glänzende Nische hinauf, in welcher das Bildnis eines ehrwürdigen Königs in lauterm Golde aufgestellt war. Dem Maß nach war die Bildsäule über Menschengröße, der Gestalt nach aber das Bildnis eher eines kleinen als eines großen Mannes. Sein wohlgebildeter Körper war mit einem einfachen Mantel umgeben, und ein Eichenkranz hielt seine Haare zusammen.

Kaum hatte die Schlange dieses ehrwürdige Bildnis angeblickt, als der König zu reden anfing und fragte: "Wo kommst du her?"

"Aus den Klüften," versetzte die Schlange, "in denen das Gold wohnt."

"Was ist herrlicher als Gold?" fragte der König.

"Das Licht," antwortete die Schlange.

"Was ist erquicklicher als Licht?" fragte jener.

"Das Gespräch," antwortete diese.

Sie hatte unter diesen Reden beiseite geschielt und in der nächsten Nische ein anderes herrliches Bild gesehen. In derselben saß ein silberner König, von langer und eher schmächtiger Gestalt; sein Körper war mit einem verzierten Gewande überdeckt, Krone, Gürtel und Zepter mit Edelsteinen geschmückt; er hatte die Heiterkeit des Stolzes in seinem Angesichte und schien eben reden zu wollen, als an der marmornen Wand eine Ader, die dunkelfarbig hindurchlief, auf einmal hell ward und ein angenehmes Licht durch den ganzen Tempel verbreitete. Bei diesem Lichte sah die Schlange den dritten König, der von Erz in mächtiger Gestalt dasaß, sich auf seine Keule lehnte, mit einem Lorbeerkranze geschmückt war, und eher einem Felsen als einem Menschen glich.




geschrieben von: Mahsheed

Sie wollte sich nach dem vierten umsehen, der in der größten Entfernung von ihr stand, aber die Mauer öffnete sich, indem die erleuchtete Ader wie ein Blitz zuckte und verschwand.

Ein Mann von mittlerer Größe, der heraustrat, zog die Aufmerksamkeit der Schlange auf sich. Er war als ein Bauer gekleidet und trug eine kleine Lampe in der Hand, in deren stille Flamme man gerne hineinsah, und die auf eine wunderbare Weise, ohne auch nur einen Schatten zu werfen, den ganzen Dom erhellte.

"Warum kommst du, da wir Licht haben?" fragte der goldene König.

"Ihr wißt, daß ich das Dunkle nicht erleuchten darf."

"Endigt sich mein Reich?" fragte der silberne König.

"Spät oder nie," versetzte der Alte.

Mit einer starken Stimme fing der eherne König an zu fragen: "Wann werde ich aufstehn?"

"Bald," versetzte der Alte.

"Mit wem soll ich mich verbinden?" fragte der König.

"Mit deinen ältern Brüdern," sagte der Alte.

"Was wird aus dem jüngsten werden?" fragte der König.

"Er wird sich setzen," sagte der Alte.

"Ich bin nicht müde," rief der vierte König mit einer rauhen stotternden Stimme.

Die Schlange war, indessen jene redeten, in dem Tempel leise herumgeschlichen, hatte alles betrachtet und besah nunmehr den vierten König in der Nähe. Er stand an eine Säule gelehnt, und seine ansehnliche Gestalt war eher schwerfällig als schön. Allein das Metall, woraus er gegossen war, konnte man nicht leicht unterscheiden. Genau betrachtet war es eine Mischung der drei Metalle, aus denen seine Brüder gebildet waren. Aber beim Gusse schienen diese Materien nicht recht zusammengeschmolzen zu sein; goldne und silberne Adern liefen unregelmäßig durch eine eherne Masse hindurch, und gaben dem Bilde ein unangenehmes Ansehn.

Indessen sagte der goldne König zum Manne: "Wie viel Geheimnisse weißt du?"

"Drei," versetzte der Alte.

"Welches ist das wichtigste?" fragte der silberne König.

"Das offenbare," versetzte der Alte.

"Willst du es auch uns eröffnen?" fragte der eherne.

"Sobald ich das vierte weiß," sagte der Alte.

"Was kümmert's mich!" murmelte der zusammengesetzte König vor sich hin.

"Ich weiß das vierte," sagte die Schlange, näherte sich dem Alten und zischte ihm etwas ins Ohr.

"Es ist an der Zeit!" rief der Alte mit gewaltiger Stimme. Der Tempel schallte wider, die metallenen Bildsäulen klangen, und in dem Augenblicke versank der Alte nach Westen und die Schlange nach Osten, und jedes durchstrich mit großer Schnelle die Klüfte der Felsen.

Alle Gänge, durch die der Alte hindurch wandelte, füllten sich hinter ihm sogleich mit Gold, denn seine Lampe hatte die wunderbare Eigenschaft, alle Steine in Gold, alles Holz in Silber, tote Tiere in Edelsteine zu verwandeln, und alle Metalle zu zernichten; diese Wirkung zu äußern mußte sie aber ganz allein leuchten. Wenn ein ander Licht neben ihr war, wirkte sie nur einen schönen hellen Schein, und alles Lebendige ward immer durch sie erquickt.

Der Alte trat in seine Hütte, die an dem Berge angebauet war, und fand sein Weib in der größten Betrübnis. Sie saß am Feuer und weinte und konnte sich nicht zufrieden geben.

"Wie unglücklich bin ich," rief sie aus, "wollt' ich dich heute doch nicht fortlassen!"

"Was gibt es denn?" fragte der Alte ganz ruhig.

"Kaum bist du weg," sagte sie mit Schluchzen, "so kommen zwei ungestüme Wanderer vor die Türe; unvorsichtig lasse ich sie herein, es schienen ein paar artige rechtliche Leute; sie waren in leichte Flammen gekleidet, man hätte sie für Irrlichter halten können: kaum sind sie im Hause, so fangen sie an, auf eine unverschämte Weise, mir mit Worten zu schmeicheln, und werden so zudringlich, daß ich mich schäme daran zu denken."

"Nun," versetzte der Mann lächelnd, "die Herren haben wohl gescherzt; denn deinem Alter nach sollten sie es wohl bei der allgemeinen Höflichkeit gelassen haben."

"Was Alter! Alter!" rief die Frau; "soll ich immer von meinem Alter hören? Wie alt bin ich denn? Gemeine Höflichkeit! Ich weiß doch was ich weiß. Und sieh dich nur um, wie die Wände aussehen; sieh nur die alten Steine, die ich seit hundert Jahren nicht mehr gesehen habe; alles Gold haben sie heruntergeleckt, du glaubst nicht mit welcher Behendigkeit, und sie versicherten immer, es schmecke viel besser als gemeines Gold. Als sie die Wände rein gefegt hatten, schienen sie sehr gutes Mutes, und gewiß, sie waren auch in kurzer Zeit sehr viel größer, breiter und glänzender geworden. Nun fingen sie ihren Mutwillen von neuem an, streichelten mich wieder, hießen mich ihre Königin, schüttelten sich und eine Menge Goldstücke sprangen herum; du siehst noch, wie sie dort unter der Bank leuchten; aber welch ein Unglück! Unser Mops fraß einige davon und sieh, da liegt er am Kamine tot; das arme Tier! Ich kann mich nicht zufrieden geben. Ich sah es erst, da sie fort waren, denn sonst hätte ich nicht versprochen, ihre Schuld beim Fährmann abzutragen."

"Was sind sie schuldig?" fragte der Alte.

"Drei Kohlhäupter," sagte die Frau, "drei Artischocken und drei Zwiebeln; wenn es Tag wird, habe ich versprochen, sie an den Fluß zu tragen."

"Du kannst ihnen den Gefallen tun," sagte der Alte; "denn sie werden uns gelegentlich auch wieder dienen."

"Ob sie uns dienen werden, weiß ich nicht, aber versprochen und beteuert haben sie es."

Indessen war das Feuer im Kamine zusammengebrannt, der Alte überzog die Kohlen mit vieler Asche, schaffte die leuchtenden Goldstücke beiseite, und nun leuchtete sein Lämpchen wieder allein, in dem schönsten Glanze, die Mauern überzogen sich mit Gold und der Mops war zu dem schönsten Onyx geworden, den man sich denken konnte. Die Abwechslung der braunen und schwarzen Farbe des kostbaren Gesteins machte ihn zum seltensten Kunstwerke.




geschrieben von: Mahsheed


"Nimm deinen Korb," sagte der Alte, "und stelle den Onyx hinein; alsdann nimm die drei Kohlhäupter, die drei Artischocken und die drei Zwiebeln, lege sie umher und trage sie zum Flusse. Gegen Mittag laß dich von der Schlange übersetzen und besuche die schöne Lilie, bring ihr den Onyx, sie wird ihn durch ihre Berührung lebendig machen, wie sie alles Lebendige durch ihre Berührung tötet; sie wird einen treuen Gefährten an ihm haben. Sage ihr, sie solle nicht trauern, ihre Erlösung sei nahe, das größte Unglück könne sie als das größte Glück betrachten, denn es sei an der Zeit."


Die Alte packte ihren Korb und machte sich, als es Tag war, auf den Weg. Die aufgehende Sonne schien hell über den Fluß herüber, der in der Ferne glänzte; das Weib ging mit langsamem Schritt, denn der Korb drückte sie aufs Haupt, und es war doch nicht der Onyx der so lastete. Alles Tote was sie trug fühlte sie nicht, vielmehr hob sich alsdann der Korb in die Höhe und schwebte über ihrem Haupte. Aber ein frisches Gemüs oder ein kleines lebendiges Tier zu tragen, war ihr äußerst beschwerlich.

Verdrießlich war sie eine Zeitlang hingegangen, als sie auf einmal, erschreckt, stille stand; denn sie hätte beinahe auf den Schatten des Riesen getreten, der sich über die Ebene bis zu ihr hin erstreckte. Und nun sah sie erst den gewaltigen Riesen, der sich im Fluß gebadet hatte, aus dem Wasser heraussteigen, und sie wußte nicht, wie sie ihm ausweichen sollte.


Sobald er sie gewahr ward, fing er an sie scherzhaft zu begrüßen, und die Hände seines Schattens griffen sogleich in den Korb. Mit Leichtigkeit und Geschicklichkeit nahmen sie ein Kohlhaupt, eine Artischocke und eine Zwiebel heraus und brachten sie dem Riesen zum Munde, der sodann weiter den Fluß hinauf ging und dem Weibe den Weg frei ließ.

Sie bedachte, ob sie nicht lieber zurückgehen und die fehlenden Stücke aus ihrem Garten wieder ersetzen sollte, und ging unter diesen Zweifeln immer weiter vorwärts, so daß sie bald an dem Ufer des Flusses ankam. Lange saß sie in Erwartung des Fährmanns, den sie endlich mit einem sonderbaren Reisenden herüberschiffen sah. Ein junger, edler, schöner Mann, den sie nicht genug ansehen konnte, stieg aus dem Kahne.

"Was bringt Ihr?" rief der Alte.

"Es ist das Gemüse, das Euch die Irrlichter schuldig sind," versetzte die Frau und wies ihre Ware hin.

Als der Alte von jeder Sorte nur zwei fand, ward er verdrießlich und versicherte, daß er sie nicht annehmen könne.

Die Frau bat ihn inständig, erzählte ihm, daß sie jetzt nicht nach Hause gehen könne und daß ihr die Last auf dem Wege, den sie vor sich habe, beschwerlich sei. Er blieb bei seiner abschläglichen Antwort, indem er ihr versicherte, daß es nicht einmal von ihm abhange.

"Was mir gebührt, muß ich neun Stunden zusammen lassen, und ich darf nichts annehmen, bis ich dem Fluß ein Dritteil übergeben habe." Nach vielem Hinundwiderreden versetzte endlich der Alte: "Es ist noch ein Mittel. Wenn Ihr Euch gegen den Fluß verbürgt und Euch als Schuldnerin bekennen wollt, so nehm' ich die sechs Stücke zu mir, es ist aber einige Gefahr dabei."

"Wenn ich mein Wort halte, so laufe ich doch keine Gefahr?"

"Nicht die geringste. Steckt Eure Hand in den Fluß," fuhr der Alte fort, "und versprecht, daß Ihr in vierundzwanzig Stunden die Schuld abtragen wollt."

Die Alte tat's, aber wie erschrak sie nicht, als sie ihre Hand kohlschwarz wieder aus dem Wasser zog. Sie schalt heftig auf den Alten, versicherte, daß ihre Hände immer das Schönste an ihr gewesen wären, und daß sie, ungeachtet der harten Arbeit, diese edlen Glieder weiß und zierlich zu erhalten gewußt habe. Sie besah die Hand mit großem Verdrusse und rief verzweiflungsvoll aus: "Das ist noch schlimmer! Ich sehe, sie ist gar geschwunden, sie ist viel kleiner als die andere."

"Jetzt scheint es nur so," sagte der Alte; "wenn Ihr aber nicht Wort haltet, kann es wahr werden. Die Hand wird nach und nach schwinden und endlich ganz verschwinden, ohne daß Ihr den Gebrauch derselben entbehrt. Ihr werdet alles damit verrichten können, nur daß sie niemand sehen wird."

"Ich wollte lieber, ich könnte sie nicht brauchen und man säh' mir's nicht an," sagte die Alte; "indessen hat das nichts zu bedeuten, ich werde mein Wort halten, um diese schwarze Haut und diese Sorge bald los zu werden."




geschrieben von: Mahsheed

Eilig nahm sie darauf den Korb, der sich von selbst über ihren Scheitel erhob und frei in die Höhe schwebte, und eilte dem jungen Manne nach, der sachte und in Gedanken am Ufer hinging. Seine herrliche Gestalt und sein sonderbarer Anzug hatten sich der Alten tief eingedruckt.

Seine Brust war mit einem glänzenden Harnisch bedeckt, durch den alle Teile seines schönen Leibes sich durchbewegten. Um seine Schultern hing ein Purpurmantel, um sein unbedecktes Haupt wallten braune Haare in schönen Locken; sein holdes Gesicht war den Strahlen der Sonne ausgesetzt, so wie seine schön gebauten Füße. Mit nackten Sohlen ging er gelassen über den heißen Sand hin, und ein tiefer Schmerz schien alle äußeren Eindrücke abzustumpfen.

Die gesprächige Alte suchte ihn zu einer Unterredung zu bringen, allein er gab ihr mit kurzen Worten wenig Bescheid so daß sie endlich, ungeachtet seiner schönen Augen, müde ward ihn immer vergebens anzureden, von ihm Abschied nahm und sagte: "Ihr geht mir zu langsam, mein Herr, ich darf den Augenblick nicht versäumen, um über die grüne Schlange den Fluß zu passieren und der schönen Lilie das vortreffliche Geschenk von meinem Manne zu überbringen."

Mit diesen Worten schritt sie eilends fort und ebenso schnell ermannte sich der schöne Jüngling und eilte ihr auf dem Fuße nach.

"Ihr geht zur schönen Lilie!" rief er aus, "da gehen wir einen Weg. Was ist das für ein Geschenk, das Ihr tragt?"

"Mein Herr," versetzte die Frau dagegen, "es ist nicht billig, nachdem Ihr meine Fragen so einsilbig abgelehnt habt, Euch mit solcher Lebhaftigkeit nach meinen Geheimnissen zu erkundigen. Wollt Ihr aber einen Tausch eingehen und mir Eure Schicksale erzählen, so will ich Euch nicht verbergen, wie es mit mir und meinem Geschenke steht."

Sie wurden bald einig; die Frau vertraute ihm ihre Verhältnisse, die Geschichte des Hundes, und ließ ihn dabei das wundervolle Geschenk betrachten.

Er hob sogleich das natürliche Kunstwerk aus dem Korbe und nahm den Mops, der sanft zu ruhen schien, in seine Arme.

"Glückliches Tier!" rief er aus, "du wirst von ihren Händen berührt, du wirst von ihr belebt werden, anstatt daß Lebendige vor ihr fliehen, um nicht ein trauriges Schicksal zu erfahren. Doch was sage ich traurig! ist es nicht viel betrübter und bänglicher durch ihre Gegenwart gelähmt zu werden, als es sein würde von ihrer Hand zu sterben! Sieh mich an, sagte er zu der Alten; in meinen Jahren, welch einen elenden Zustand muß ich erdulden. Diesen Harnisch, den ich mit Ehren im Kriege getragen, diesen Purpur, den ich durch eine weise Regierung zu verdienen suchte, hat mir das Schicksal gelassen, jenen als eine unnötige Last, diesen als eine unbedeutende Zierde. Krone, Zepter und Schwert sind hinweg, ich bin übrigens so nackt und bedürftig, als jeder andere Erdensohn, denn so unselig wirken ihre schönen blauen Augen, daß sie allen lebendigen Wesen ihre Kraft nehmen, und daß diejenigen, die ihre berührende Hand nicht tötet, sich in den Zustand lebendig wandelnder Schatten versetzt fühlen."

So fuhr er fort zu klagen und befriedigte die Neugierde der Alten keineswegs, welche nicht sowohl von seinem innern als von seinem äußern Zustande unterrichtet sein wollte. Sie erfuhr weder den Namen seines Vaters noch seines Königreichs. Er streichelte den harten Mops, den die Sonnenstrahlen und der warme Busen des Jünglings, als wenn er lebte, erwärmt hatten. Er fragte viel nach dem Mann mit der Lampe, nach den Wirkungen des heiligen Lichtes und schien sich davon für seinen traurigen Zustand künftig viel Gutes zu versprechen.




geschrieben von: Mahsheed



Unter diesen Gesprächen sahen sie von ferne den majestätischen Bogen der Brücke, der von einem Ufer zum andern hinüber reichte, im Glanz der Sonne auf das wunderbarste schimmern. Beide erstaunten, denn sie hatten dieses Gebäude noch nie so herrlich gesehen.

"Wie!" rief der Prinz; "war sie nicht schon schön genug, als sie vor unsern Augen wie von Jaspis und Prasem gebaut dastand? Muß man nicht fürchten sie zu betreten, da sie aus Smaragd, Chrysopras und Chrysolith mit der anmutigsten Mannigfaltigkeit zusammengesetzt erscheint?"

Beide wußten nicht die Veränderung, die mit der Schlange vorgegangen war: denn die Schlange war es, die sich jeden Mittag über den Fluß hinüber bäumte und in Gestalt einer kühnen Brücke dastand. Die Wanderer betraten sie mit Ehrfurcht und gingen schweigend hinüber.

Sie waren kaum am jenseitigen Ufer, als die Brücke sich zu schwingen und zu bewegen anfing, in kurzem die Oberfläche des Wassers berührte und die grüne Schlange in ihrer eigentümlichen Gestalt den Wanderern auf dem Lande nachgleitete. Beide hatten kaum für die Erlaubnis auf ihrem Rücken über den Fluß zu setzen gedankt, als sie bemerkten, daß außer ihnen dreien noch mehrere Personen in der Gesellschaft sein müßten, die sie jedoch mit ihren Augen nicht erblicken konnten.

Sie hörten neben sich ein Gezisch, dem die Schlange gleichfalls mit einem Gezisch antwortete, sie horchten auf und konnten endlich folgendes vernehmen: "Wir werden," sagten ein paar wechselnde Stimmen, "uns erst inkognito in dem Park der schönen Lilie umsehen, und ersuchen Euch, uns mit Anbruch der Nacht, sobald wir nur irgend präsentabel sind der vollkommenen Schönheit vorzustellen. An dem Rande des großen Sees werdet Ihr uns antreffen."

"Es bleibt dabei," antwortete die Schlange, und ein zischender Laut verlor sich in der Luft.

Unsere drei Wanderer beredeten sich nunmehr, in welcher Ordnung sie bei der Schönen vortreten wollten, denn so viel Personen auch um sie sein konnten, so durften sie doch nur einzeln kommen und gehen, wenn sie nicht empfindliche Schmerzen erdulden sollten.

Das Weib mit dem verwandelten Hunde im Korbe nahte sich zuerst dem Garten und suchte ihre Gönnerin auf, die leicht zu finden war, weil sie eben zur Harfe sang, die lieblichen Töne zeigten sich erst als Ringe auf der Oberfläche des stillen Sees, dann wie ein leichter Hauch setzten sie Gras und Büsche in Bewegung. Auf einem eingeschlossenen grünen Platze, in dem Schatten einer herrlichen Gruppe mannigfaltiger Bäume, saß sie und bezauberte beim ersten Anblick aufs neue die Augen, das Ohr und das Herz des Weibes, das sich ihr mit Entzücken näherte und bei sich selbst schwur, die Schöne sei während ihrer Abwesenheit nur immer schöner geworden Schon von weitem rief die gute Frau dem liebenswürdigsten Mädchen Gruß und Lob zu.

"Welch ein Glück Euch anzusehen welch einen Himmel verbreitet Eure Gegenwart um Euch her! Wie die Harfe so reizend in Eurem Schoße lehnt, wie Eure Arme sie so sanft umgeben, wie sie sich nach Eurer Brust zu sehnen scheint und wie sie unter der Berührung Eurer schlanken Finger so zärtlich klingt! Dreifach glücklicher Jüngling, der du ihren Platz einnehmen konntest!"

Unter diesen Worten war sie näher gekommen; die schöne Lilie schlug die Augen auf, ließ die Hände sinken und versetzte: "Betrübe mich nicht durch ein unzeitiges Lob, ich empfinde nur desto stärker mein Unglück. Sieh, hier zu meinen Fußen liegt der arme Kanarienvogel tot, der sonst meine Lieder auf das angenehmste begleitete, er war gewöhnt auf meiner Harfe zu sitzen, und sorgfältig abgerichtet mich nicht zu berühren; heute, indem ich vom Schlaf erquickt, ein ruhiges Morgenlied anstimme, und mein kleiner Sänger munterer als jemals seine harmonischen Töne hören läBt, schießt ein Habicht über meinem Haupte hin; das arme kleine Tier, erschrocken, flüchtet in meinen Busen und in dem Augenblick fühl' ich die letzten Zuckungen seines scheidenden Lebens. Zwar von meinem Blicke getroffen schleicht der Räuber dort ohnmächtig am Wasser hin, aber was kann mir seine Strafe helfen, mein Liebling ist tot, und sein Grab wird nur das traurige Gebüsch meines Gartens vermehren."

"Ermannt Euch, schöne Lilie!" rief die Frau, indem sie selbst eine Träne abtrocknete, welche ihr die Erzählung des unglücklichen Mädchens aus den Augen gelockt hatte, "nehmt Euch zusammen, mein Alter läßt Euch sagen, Ihr sollt Eure Trauer mäßigen, das größte Unglück als Vorbote des größten Glücks ansehen; denn es sei an der Zeit; und wahrhaftig, fuhr die Alte fort, es geht bunt in der Welt zu. Seht nur meine Hand wie sie schwarz geworden ist! Wahrhaftig sie ist schon um vieles kleiner, ich muß eilen, eh' sie gar verschwindet! Warum mußt' ich den Irrlichtern eine Gefälligkeit erzeigen, warum mußt' ich dem Riesen begegnen und warum meine Hand in den Fluß tauchen? Könnt Ihr mir nicht ein Kohlhaupt, eine Artischocke und eine Zwiebel geben? so bring ich sie dem Flusse und meine Hand ist weiß wie vorher, so daß ich sie fast neben die Eurige halten könnte."




geschrieben von: Mahsheed


"Kohlhäupter und Zwiebeln könntest du allenfalls noch finden: aber Artischocken suchest du vergebens. Alle Pflanzen in meinem großen Garten tragen weder Blüten noch Früchte; aber jedes Reis, das ich breche und auf das Grab eines Lieblings pflanze, grünt sogleich und schießt hoch auf. Alle diese Gruppen, diese Büsche, diese Haine habe ich leider wachsen sehen. Die Schirme dieser Pinien, die Obelisken dieser Zypressen, die Kolossen von Eichen und Buchen, alles waren kleine Reiser, als ein trauriges Denkmal von meiner Hand in einen sonst unfruchtbaren Boden gepflanzt."

Die Alte hatte auf diese Rede wenig acht gegeben und nur ihre Hand betrachtet, die in der Gegenwart der schönen Lilie immer schwärzer und von Minute zu Minute kleiner zu werden schien. Sie wollte ihren Korb nehmen und eben forteilen, als sie fühlte, daß sie das Beste vergessen hatte. Sie hub sogleich den verwandelten Hund heraus und setzte ihn nicht weit von der Schönen ins Gras.

"Mein Mann," sagte sie, "schickt Euch dieses Andenken, Ihr wißt, daß Ihr diesen Edelstein durch Eure Berührung beleben könnt. Das artige treue Tier wird Euch gewiß viel Freude machen, und die Betrübnis, daß ich ihn verliere, kann nur durch den Gedanken aufgeheitert werden, daß Ihr ihn besitzt."

Die schone Lilie sah das artige Tier mit Vergnügen und, wie es schien mit Verwunderung an.

"Es kommen viele Zeichen zusammen," sagte sie, "die mir einige Hoffnung einflößen aber ach! ist es nicht bloß ein Wahn unsrer Natur, daß wir dann, wenn vieles Unglück zusammentrifft, uns vorbilden das Beste sei nah.

Was helfen mir die vielen guten Zeichen
Des Vogels Tod, der Freundin schwarze Hand?
Der Mops von Edelstein, hat er wohl seinesgleichen?
Und hat ihn nicht die Lampe mir gesandt?

Entfernt vom süßen menschlichen Genusse
Bin ich doch mit dem Jammer nur vertraut
Ach! warum steht der Tempel nicht am Flusse!
Ach! warum ist die Brücke nicht gebaut!"


Ungeduldig hatte die gute Frau diesem Gesange zugehört, den die schöne Lilie mit den angenehmen Tönen ihrer Harfe begleitete und der jeden andern entzückt hätte. Eben wollte sie sich beurlauben, als sie durch die Ankunft der grünen Schlange abermals abgehalten wurde. Diese hatte die letzten Zeilen des Liedes gehört und sprach deshalb der schönen Lilie sogleich zuversichtlich Mut ein.

"Die Weissagung von der Brücke ist erfüllt!" rief sie aus, "fragt nur diese gute Frau wie herrlich der Bogen gegenwärtig erscheint. Was sonst undurchsichtiger Jaspis, was nur Prasem war, durch den das Licht höchstens auf den Kanten durchschimmerte, ist nun durchsichtiger Edelstein geworden. Kein Beryll ist so klar und kein Smaragd so schönfarbig."

"Ich wünsche Euch Glück dazu," sagte Lilie, "allein verzeihet mir, wenn ich die Weissagung noch nicht erfüllt glaube. Über den hohen Bogen Eurer Brücke können nur Fußgänger hinüber schreiten und es ist uns versprochen, daß Pferde und Wagen und Reisende aller Art zu gleicher Zeit über die Brücke herüber und hinüber wandern sollen. Ist nicht von den großen Pfeilern geweissagt, die aus dem Flusse selbst heraussteigen werden?"

Die Alte hatte ihre Augen immer auf die Hand geheftet, unterbrach hier das Gespräch und empfahl sich.

"Verweilt noch einen Augenblick," sagte die schöne Lilie, "und nehmt meinen armen Kanarienvogel mit. Bittet die Lampe, daß sie ihn in einen schönen Topas verwandle, ich will ihn durch meine Berührung beleben und er, mit Eurem guten Mops, soll mein bester Zeitvertreib sein; aber eilt was Ihr könnt, denn mit Sonnenuntergang ergreift unleidliche Fäulnis das arme Tier und zerreißt den schönen Zusammenhang seiner Gestalt auf ewig."

Die Alte legte den kleinen Leichnam zwischen zarte Blätter in den Korb und eilte davon.

"Wie dem auch sei," sagte die Schlange, indem sie das abgebrochene Gespräch fortsetzte, "der Tempel ist erbauet."

"Er steht aber noch nicht am Flusse," versetzte die Schöne.

"Noch ruht er in den Tiefen der Erde," sagte die Schlange; "ich habe die Könige gesehen und gesprochen."

"Aber wann werden sie aufstehn?" fragte Lilie.

Die Schlange versetzte: "Ich hörte die großen Worte im Tempel ertönen: es ist an der Zeit."

Eine angenehme Heiterkeit verbreitete sich über das Angesicht der Schönen.

"Höre ich doch," sagte sie, "die glücklichen Worte schon heute zum zweitenmal; wann wird der Tag kommen, an dem ich sie dreimal höre?"

Sie stand auf und sogleich trat ein reizendes Mädchen aus dem Gebüsch, das ihr die Harfe abnahm. Dieser folgte eine andre, die den elfenbeinernen geschnitzten Feldstuhl, worauf die Schöne gesessen hatte, zusammenschlug und das silberne Kissen unter den Arm nahm. Eine dritte, die einen großen, mit Perlen gestickten Sonnenschirm trug, zeigte sich darauf, erwartend, ob Lilie auf einem Spaziergange etwa ihrer bedürfe. Über allen Ausdruck schön und reizend waren diese drei Mädchen, und doch erhöhten sie nur die Schönheit der Lilie, indem sich jeder gestehen mußte, daß sie mit ihr gar nicht verglichen werden konnten.






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