Prolog
mein Herz brennt. Es kokelt, es lodert in den flammen deines Kamins. Dieses Stück Holz, Dieser Teil von mir. Herausgehackt und vertrocknet geb’ ich Dir etwas meiner Wärme bevor ich zu staubiger Asche zerfall. Nenn es ein Geschenk.
Für mich ist das eine Entschuldigung an Dich.
Eine Entschuldigung für die Dinge, die nie hätten sein sollen. Lass mich für dich noch einmal Brennen und dein Herz erwärmen...
Teil 1
Im Sommer stand ich immer im Flüsterstrom des Windes. Ich konnt’ dem Geflüster der Umwelt zuhören und auch meine Meinung in den Wind singen. Das Rascheln meiner Blätter sollte hierbei mein eigen Glück verkünden.
Eigentlich konnt’ ich immer recht zufrieden sein. Denn sie kümmerte sich immer um mich. Das sie mich entdeckt hat, war wohl das größte Geschenk was sie mir machen konnte.
Denn ich stehe hinter jenem Hang, der tief fällt. Vom Westen betrachtet, so würde man nur meine Baumkrone sehen und ich im Verborgenen bleiben.
Wagst Du dich aber über den Hügel hinaus und senkst deinen Blick auf mich. Siehst Du meine Größe, meine unscheinbare Stärke. Man könnte sagen ich bleibe dem flüchtigen Auge verborgen.
Früher war ich einsam, Früher gab es keine aufmerksamen Augen für mich.
Aber dann kam sie.
Sie pflegte mich.
Sie sah mich.
Sie kannte mich.
Wenn sie kam, dann hielt sie sich an mir fest. Suchte meinen Halt um an mir herunterzuklettern. Sie streichelte meine Blätter. Griff meine Äste. Liess mich mein Leben spüren. Am Boden angekommen legte sie sich jedes mal ins weiche Moos und rieb ihre sanften Fusssohlen an meiner Rinde. Man könnte sagen, sie wußte was ich brauche und ich wußte was Ihr Verlangen war.
Ich vermag gar nicht zu sagen, wie viele Sommer so ins Lande zogen. Aber sie kam jeden Sommer und jeden Sommer fühlte ich mich ein Stück lebendiger als es einen Baum wie mir zustand. Ich war glücklich bis die andere kam...
Nachdem meine Liebe an einem zu kurzen Sommerabend ging, kam die andere. Wer die andere war, wußte ich nicht. Aber sie kam und es wurde alles anders. Sie kam so plötzlich, so plötzlich, dass der Wind, die Tiere, das Moos verstummten. Wie ein Schlag sprang sie in meine Baumkrone. Ich hörte meine Äste knacken, meine Blätter rauschen, fallen und verschwinden. Der Schmerz durchfuhr mein Mark, er durchfuhr jede Knospe, Jedes verbleibende Blatt, jede Pore meines Grüns. Aber so schmerzlich dies war, so wurde mir eins bewusst. Das Gefühl von Leben durchfuhr mich wie noch nie zuvor. Es war ein Schlag mit dem Hammer auf meine Nerven. Malmend, aber fühlend. Vielleicht das letzte Mal an dieser Stelle. Aber das Gefühl ich kann es nicht vergessen, Es ist wie eine Sucht die mich durchfährt und verlässt. Die mich unter Strom setzt und mein Mark verätzt.
Mit jeder Ihrer ruppigen Bewegungen an mir, zog ich mein Mark zurück. Später, würde man mein Schlagholz betrachten, würde man sagen, dass dieser Baum unregelmäßige Ringe habe und dies auf ein seltsames Schicksal herrühre...
Teil 2
Es wird nun Winter und die Kälte umarmt mich auf ein Neues. Es ist schön, wenn die Winde aus anderen Richtungen flüstern als sonst. Sie verkünden was sich dort draußen zuträgt.
Und wenn ich mich manchmal selbst etwas vergesse, versuche ich den Hauch Ihrer Stimme in diesen Winden zu finden.
Doch diesmal finde ich nichts.
Ich finde nur die Einsamkeit, dessen Kälte mich umströmt und das letzte Grün aus mir heraushaucht.
Was bleibt ist eine Leere meiner Selbst, die ich leider zur Schau tragen muss. Meine Äste zeigen mein wahres knochiges Selbstbild, dass ich in mir trage.
Oh ich kann es nicht erwarten, bis der Schnee mich verdeckt und versteckt was ich bin.
Wenn eisige Winde herbei drehen,
fangen meine Gedanken an davon zu wehen
So flehe ich, dass dieser Sturm kommen mag.
Es ist diese zitternde Unsicherheit die ich nicht in meinem Blattwerk ertrag.
Lass mich stehen...
Geh
Du mein Gedanke, den ich nicht ertrag.
Geh