[zusammengeführt: Marquis de Sade] - German Gothic Board

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zusammengeführt: Marquis de Sade

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geschrieben von: Sadylike

Also ich bin mal vorsichtig bei dem Thema, aber interessieren tuts mich schon ...

Mein Freund hat sie gelesen und uralte quasi antike originale so wie ich das mitbekam im Regal. Ich hab nur ganz kurz reingelesen (mehr war magenmässig nicht drin *g*) und es ist mir unbegreiflich, wie jemand so etwas schreiben kann. Aber noch viel unbegreiflicher, wie jemand so etwas freiwillig lesen kann. Welche Beweggründe, einfach weil es scheinbar "kult" ist ? also bei dem noch dazu so detaillierten Beschreibungen dreht sich mir persönlich der Magen um...

Überhaupt, es gibt doch sicherlich Leute, die fühlen sich geneigt, irgendwas davon nachzuahmen.

Sady, deren Namen übrigens nichts mit einem gewissen Verfasser eines Buches zutun hat ...

*quietsch*

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... muss ich erst sterben, um zu leben ...

"Was ist das nur für eine Welt ?" - "Eine Welt ? Dieses ist keine Welt, mein Kind, es ist nicht mehr als ein Bilderbuch, wo sich jeder nur an Bildern orientiert und es egal scheint, was man zwischen den Zeilen liest, wenn man sich mal näher damit befasst ..."



geschrieben von: Dein_Heiland

Hehe, da bin ich ja mal gespannt, was Diodatis dir antworten wird, der ist da ja Experte. Liegt ihm sozusagen im Blut...

Ich selbst habe noch nicht allzu viel von D.A.F. de Sade gelesen, und das, was ich kenne, beschränkt sich auf die "jugendfreien" Teile eines Werkes. Aus diesen konnte ich jedoch erkennen, dass es sich bei ihm durchaus um einen in seiner dicherischen Finesse bedeutenden (wenn auch nicht den wichtigsten) Klassiker der französischen Literatur handelt. Zu den bekanntgewordenen Werken (ich nehmee an, du beziehst dich auf Justine und Sodom) kann ich allerdings nichts sagen.

Warum so etwas lesen?
Naja, wie du schon bemerkst, rührt das Interesse vieler sichlich von dem Kult her, der um die Werke gemacht wird und schon zu Lebzeiten des Marquis gemacht wurde. Und viele lesen seine Bücher wohl wirklich aus einem verderbten Kitzel heraus, oder weil sie ihre eigene Sexualität drin reflektiert sehen. Letztenlich muss man aber immer wieder betonen, dass de Sade einen ganz entscheidenden Einfluss auf jede moderne Literatur, zumindest die europäische, genommen hat, und deshalb lohnt es sich für den Interessierten sicherlich, einen Blick zu riskieren. Wie schon Baudelaire schrieb:
"Man muss immer auf de Sade zurückgreifen."




geschrieben von: Blackadder

Hm, subjektiv betrachtet finde ich aber, das es da heutzutage wesentlich schlimmere und drastischere Werke gibt, die einen noch grösseren Einfluss ausüben könnten und viel deutlicher zu Gewalthandlungen oder "perversem" Verhalten auffordern könnten...und letzten Endes gibt es immer Menschen, die krank genug sind um seltsame Dinge zu machen, wer verdreht genug ist braucht dazu kein Handbuch...man muss ja nur mal Fernsehen heutzutage...*jammer*

Beste Wünsche,

BLACKADDER

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_________________________
Auf jede Frage dieser Welt findet man die Antwort in einem Buch.

In omnibus requiem quaesivi et nusquam inveni nisi in angulo cum libro.



geschrieben von: Alyander

Meiner Meinung nach haben viele Leute deSade im Regal, weil:

"Muß man ja mal gelesen haben".

Weil: "Ist so schön hip verrucht. Und wenn nicht mehr hip verrucht, dann wenigstens hip geisteskrank (wahnsinniges Schenie und scho.)"

So ähnlich wie "jeder anständige" Grufti Baudelaire oder E.A.Poe im Schrank hat http://www.nachtwelten.de/ubb/rolleyes.gif

Will damit niemandem auf die Füße treten, der sich damit ernstlich und intensiv oder aufgrund persönlicher Bedeutung auseinandergesetzt hat. Das wäre was Anderes.
Aber immer noch nicht interessant für mich *schulternzuckt*. S/M-Geschichten denk' ich mir lieber eigene aus http://www.nachtwelten.de/ubb/biggrin.gif

Aly

p.s. Ja, Grundgütiger, auch ICH war wahrlich überrascht, nicht den Namen des Schwans unter dem ersten Antwort-Posting zu lesen!!! http://www.nachtwelten.de/ubb/rolleyes.gif



geschrieben von: Ginevra

hmpf....
also, ich hab deSade aus neugier gelesen, (die 120 tage von sodom)wie wohl die meisten, und da wo´s nicht eklig, brutal und wiederwärtig war, war´s extrem langweilig...brrr.
ich versteh den hype nicht, der darum gemacht wird/wurde. ich will alte französische literatur und ein "weltklasseklassiker" (<-- mein literaturkundelehrer doc mü mit augenzwinkern) nicht beleidigen und abwerten, wenn ich ihn mit neuzeitlicher literatuf vergleiche, aber in punkto ekel und grausamkeit kommt er "american psycho" recht nahe. und bei diesem werk besteht wohl eher die gefahr von nachahmungstätern.
und was sagt uns das? jedeoch epoche, jedes zeitalter hat so ihre "schockwerke" (eben deSade, oder auch Goethes "die leiden des jungen werther", nur mal als beispiel), die nachahmungstaten befürchten lassen, oder sogar hervorrufen. aber von späteren generationen wird das nur belächelt und mit nem winken abgetan.

also, nehmen wir die werke von deSade als das was sie sind: die kranken phantasien eines abgebrannten adligen, der laaaange zeit in der bastille verbracht hat...

*ginny*

ps: aly, aus deinem posting trifft die ironie und hat mir die tastur versaut! http://www.nachtwelten.de/ubb/wink.gif

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Ein neuer Tag - alles ist möglich!
Blutrot erweckt die Sonne das Leben - zu einem weiteren Spießrutenlauf mit dem Schicksal...



geschrieben von: fluchtraum

Ich persönlich habe mich durch die 'Justine' gequält, weil
a) man es halt gelesen haben muß
b) es mich in Bezug auf den Themenkomplex SM interessiert.
Er ist literaturhistorisch schon interessant, weil er eben einen ungeheuren Einfluß hatte... aber ansonsten neeee danke, hatte mich damals ziemlich runtergezogen. Übrigens auch alles andere als erotisch, diese extremen blutrünstigen vulgären Sachen... Erotik lebt von was anderem...

Für mich hat de Sade nichts mit dem zu tun, was wir heute als SM bezeichnen.
Ich hau jetzt einfach mal einen link hier rein zu einem Text auf der Datenschlag-Page. Scrolled mal ein wenig nach unten und schaut, was sie da zum Thema de Sade sagen... das unterschreibe ich so und spare mir jetzt weitere Ausführungen.

Gruß, der fluchtraum

[Dieser Beitrag wurde von fluchtraum am 06. März 2002 editiert.]



geschrieben von: Diodatis

Liebe Sadylike,

als direkter Nachfahre von D.A.F. de Sade, möchte ich auch ganz kurz mal ein paar Worte dazu an Dich verlieren.

Die eine Seite ist natürlich seine Bücher zu lesen (insbesondere die "Hundertzwanzig Tage von Sodom"). Ich selbst muss gestehen, dass ich weder dieses Buch komplett durchgängig durchlesen konnte, denn es ist selbst meiner Meinung nach, eines der menschenverachtensten Werke überhaupt, noch gehe ich mit den schriftlichen Auslebungen meines Vorfahrens konform.

Die andere Seite ist, irrtümliche Vorurteile zu beseitigen und damit auch eine andere Sichtweise auf diese Schriften zu erlangen. Zu keiner Zeit war es meinem Vorfahren möglich, jene beschriebenen Grausamkeiten tatsächlich auszulebén, da er die meiste Zeit seines Lebens (insgesamt 49 Jahre) im Gefängnis saß. All seine Bücher sind Zeugnisse seiner im Gefängnis entstandenen Psychose. Allein in Marsaille hat es einen nachgewiesenen Zwischenfall gegeben,bei dem er tatsächliche Anstalten machte, eine Dienerin unsittlich zu berühren. Doch selbst dafür spürte er die Konsequenzen.

Um D.A.F. de Sade und sein Denken wahrhaft nachvollziehen zu können, ist es meiner Meinung nach unbedingt erforderlich, auch die Biographien über ihn nachzulesen, in denen seine verzweigten Gefühlsstrukturen die am Ende zu diesen abscheulichen Resultaten führten, nachvollziehen und wahrhaft verstehen zu können. Hat man dies getan (es gibt in Deutschland 5 verschiedene Biographien, die sich damit seriös beschäftigen), kommt man unweigerlich am Ende zu dem Schluß, dass D.A.F. nicht nur der Wahnsinnige war, sondern gleichermaßen genial und durchaus gar nicht so monströs wie es in den Werken zuerst den Anschein hat. Von ihm stammt übrigens auch der weltweit bekannte Gedankensatz:"Manche Dinge und Personen sind so häßlich, dass sie darin schon wieder wunderschön sind und alles Schöne dagegen nur noch häßlich wirkt!" Verrückt, monströs oder weise erkannt?

Oft werde ich gefragt, ob sich diese "Ader" über die Jahrhunderte im Blut bewahrt hat. Dazu mag mit Schmunzeln folgendes gesagt sein: Die Familie de Sade stammt ursprünglich aus einer italienischen Region, die im 13. Jahrhundert eine solche reine Liebesgeschichte erfuhr, dass selbst heute noch eine weltberühmte italienische Oper von diesem Paar erzählt, dass in Italien gleich wie Romeo und Julia verehrt wird. D.A.F. war das genaue Gegenteil dazu, aus selber Familie stammend und ich - ich begnüge mich mit dem Erleben und nur vereinzelten, harmloseren Schriften, die aber auch in die selbe Richtung gehen. Und wer mich erlebt hat, hat noch nie gesagt: monströs, sondern eher: Niedlich! :-)))

Mit lieben grüßen durch die Nacht.
Swan de Sade




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Wir haben soviel Liebe in uns. Manchmal dürfen wir uns darin verschwenden und verschenken.



geschrieben von: Neurasthenio

Bei der ganzen Debatte um de Sade wird leider immer wieder vergessen, daß zentrale Teile seines Werkes sich mit philosophischen Überlegungen befassen: Kritik des menschlichen Wesens, metaphysischer Vorstellungen etc.

Von der "Erotik", die immer so im Vordergrund gesehen wird (na ja, nach der psychologischen Begriffsbildung des Sad(e)ismus auch nicht überraschend), mag man halten, was man will und auch da gibt es ja noch erträglichere Szenen und solche, in denen er völlig freidreht..
Aber einmal abgesehen davon, daß auch die Brisanz der Darstellung von "Perversionen" in seinem Werk heute sicherlich oftmals übertroffen worden ist, gibt es auch noch den Aspekt der Gedankenfreiheit, den es zu berücksichtigen gilt. Hierzu ein sehr schöner Essay von Simone de Beauvoir: "Soll man de Sade verbrennen."



geschrieben von: Christie

was de sade betrifft....es hat nichts mit s/m im weiteren sinne zu tun. sie beschreiben "sadistische" handlungen , die auf ihre art un weise erotisch sein können.

de sade hatte richtig erkannt, was viele leben oder lebten in seiner zeit.
auf seine art und weise hat es was moralisches mit einem suffisanten lächeln versehen.
es ist nur ein aufmerksam machen auf etwas was (leider) in jedem von und schlummert.
de sade macht die sucht des menschen nach möglichen sensationen so kultig..... der mensch ist einfach so gestrickt, das er sein meist tristes leben versucht mit dem was andere "erleben"
interessanter zu gestalten.

insbesondere ist de sade harmlos... american Psycho ist bei weitem schlimmer(z.B.)

"abgesehen davon richten wir unsere Augen nur auf dinge die bereits einen platz im bewusstsein einnehmen"



geschrieben von: Chi

Ich habe vier seiner Schmuddelwerke gelesen, ein Stück und seine Streitschrift. Desweiteren habe ich mir eine Monografie (zur eigenen Meinungsfindung da mit Bio's nicht objektiv genug sind) und eine Biografie gelesen.

Es ist schwer seine Bücher zu beurteilen wenn man sein Leben nicht kennt.
Wenn man seine Bücher ließt wirkt es doch komisch das der Sexualakt oft recht ungeschmückt und über eine viertel Seite daher kommt aber die Ausführungen gegen die PseudoMoral mit Hilfe vers. Themen wie Politik, Psychologie, Biologie und Erdkunde doch ganze Seiten einnehmen. Der Grund liegt darin das seine Werke ursprünglich viel schmaler mit Sexszenen bespikt waren, aber auf Wunsch der Verleger (sonst wären seine Werke nicht über eben diese Verleger erschienen) nachgepfeffert werden sollten. Gut, ich denke das war kein Problem für den Marquis.
Desweiteren kam seine Position auch auf die Staatsform an. Er hat lange in Gefängnissen und Irrenanstalten gesessen, aaaber er war auch Richter (ein zugegeben sehr fairer) nach seiner längsten Haftstrafe in der Bastille. Erst Gefahr für die Menscheit und dann Richter über deren Schicksal? Das beschreibt zB die Pseudomoral an der er oft anstoß gefunden hat.
Er war übrigends "natürlicher Mensch" nach Jean Jaques Rosseu und hat den Rosseuschen Gedanken weiter gedacht. Ich bewundere des Marquis ultrakalte Logik die benötigt wird um einen unbefangenen Standpunkt zu erlangen.
Lasst euch durch die Reden der Protagonisten in seinen Büchern nicht zu sehr ablenken. Wer wissen möchte was der Marquis wirklich gedacht hat und wie er sich eine perfekte Geschellschaft vorgestellt hat, kauft sich das Buch "Die Philosophie im Boudoir". Dort ist seine Streitschrift "Franzosen, noch eine kleine Anstrengung, wenn ihr Republikaner sein wollt"! zu lesen. Sicher, die Standpunkte die er dort vertritt sind krass und beinahe menschenverachtend, aber eben das ist meiner Meinung nach die menschliche Natur.
Ich gebe zu das die Werke des Marquis für einen kleingeistigen Menschen gefährlich sind. Ich, mit meinem heutigen Wissenstand und meiner Erziehung sehe und erkenne die Gründe für sein Denken und Handeln. Ich verstehe seine Meinung. Ein dummer Mensch nimmt sie vielleicht als gültige Wahrheit an da sie sehr klar erklärt und begründet wird. Ich muss selber zugeben nicht immer 100%ig mit seiner Meinung einherzugehen. Aber das war nie des Marquis Intension. Er wollte das die Menschen unbefangen von Religion, Politik, Heuchlerei selbstständig denken!!!

Ausserdem schliesse ich mich hier manchen Vorredner an. Er war nicht das Monster von dem manche so sehr überzeugt sind. Ich sehe ihn viel mehr als Beobachter und Katalysator.

Und das ist auch die Antwort die ich hier geben möchte!
Moral, Ansichten, Einstellung ist ein Gebilde aus Zeit, Erziehung, Politik, geografische Gegebenheit und persönliche Intelligenz. So ist hier und jetzt etwas schlecht was irgentwo anders auf der Welt gut ist. Wer hat denn nun recht?
Beispiel:
Vielweiberehe!
Im europ. Mittelalter Sünde.
In arabischen Ländern (auch zu mittelalterlichen Zeiten) Gang und Gebe und zählt zum guten Ton.
Im Mittelalter war viel mehr verwerflich als es das heute noch ist. Sind wir schlecht und verdorben oder nur fortgeschritten? Der mittelalterliche Mensch hätte die heutige Zeit als Sündenfuhl und krankmachend bezeichnet! Warum war nicht eben der Moment des mittelalterlichen Wissenstandes der richtige und für Menschheit gültige? Ihr seid freier erzogen und im Wissen gebildeter. Bezeichnet ihr euer Leben als Sündenfuhl? Wer weiß was in 300Jahren Gang und Gebe sein wird wo wir heute noch die Hände über den Kopf zusammen schlagen? Werden die zukünftigen Menschen uns und unsere heutige Einstellung nicht müde belächeln?
Kann man dann nicht alles auf einen gemeinsam Kern reduzieren und gucken was übrig bleibt? Das müsste doch dann die Essenz der Menscheheit sein nach der man leben kann.
Man kann nur versuchen sich nach besten Wissen und Gewissen durch die im Moment gültige Gesellschaft schlängeln.

Gut? Gut ist was die Allgemeinheit als Gut definiert!
Aber
Freigeist ist das einzigste was uns nach vorne treibt. Sich ohne Drang in der Gesellschaft zu bewegen heißt Stagnation. Empörende Handlungen haben die Menscheit oft nach vorne gebracht.
Der Marquis hat das erkannt!

Ich vergöttere ihn!

Ps.: Ich hoffe Diodatis ist noch aktiv. Würde mich gerne in einem tieferen Gespräch über den Marquis mit ihm verliehren :D



geschrieben von: troll23

Werke:

Die 120 Tage von Sodom,
Justine oder das Unglück der Tugend,
Juliette oder die Vorteile des Lasters,
Die Philosophie im Boudoir.

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Meine Frage an euch, wer kennt seine Bücher? Was haltet ihr davon und was haben sie euch gebracht?versteht ihr den hintergrund hinter seinen Taten,...
Ich lese gerade seine Bücher und bin zum teil sehr geschockt, ...


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hier ein Auszug eins seiner Bücher :

Justine oder das Unglück der Tugend

Marquis de Sade ist bekanntlich neben Leopold von Sacher-Masoch einer der beiden "Namensgeber" des "Sadomasochismus". Sein Hauptwerk beschreibt die Lebenswege zweier ungleicher Schwestern, der grundanständigen Justine und der lasterhaften Juliette. Im ersten Roman, der den Untertitel "oder die Nachteile der Tugend" trägt, wird "Die Geschichte der Justine" erzählt. Justine, fromm, ehrlich, tugendsam und hoffnungslos naiv gerät von einer mißlichen Lage in die nächste. So gut wie nie widerfährt ihr etwas Gutes, meist wird sie ausgenutzt, mißbraucht, gedemütigt, gefoltert etc.
All dies berichtet uns de Sade auf über 400 Seiten - 400 Seiten die zumeist aus Wiederholungen bestehen. Zwischen philosophischen Abhandlungen, in denen die Nicht-Existenz Gottes begründet, Eltern- und Kindermord gutgeheißen, die Tugend lächerlich gemacht und die persönliche Lust zum höchsten aller Güter erklärt wird, beschreibt der Marquis zahlreiche Sex- und Folterorgien. Letztere sind meist recht unappetitliche Aufzählungen von Analverkehr über Vergewaltigung, Kindesmißbrauch, grausamste Quälereien bis hin zu Verstümmlungen und Hinrichtungen. Und dies alles ist so altertümlich, unerotisch und langweilig geschrieben, daß auch noch das Lesen zur Qual wird... also ganz in de Sades Sinne.


Biographie:
Marquis de Sade



geschrieben von: rainraven

Ich habe das betreffende Werk "Justine" aus Neugier mal gelesen-besser gesagt, überflogen-denn ich fand es wirklich nur widerlich. Für mich hat das mit Kunst oder Literatur gar nichts zu tun. Und ich hab mich total gelangweilt und geekelt, und ich bin nun wirklich nicht prüde oder so.

Ich weiß nicht viel über Marquis de Sade, aber saß der nicht im Kerker oder anderswo gefangen und hat irgendwelche Psychosen oder Depressionen gehabt und dieses Buch zeigt nur, was für ein verklemmter und frustrierter Typ er war, der all das phantasiert hat, aber im richtigen Leben nicht mal eine Gefährtin hatte?

Wen ich da ganz falsch liege, dann nur, weil ich mich eigentlich nicht weiter mit ihm befaßt habe und das auch gar nicht vor habe...



geschrieben von: troll23

Nun ja werte seele du hast recht damit, siehe auch hp...
Da sieht man mal wieder, was es für Menschen gibt, und dann nehme man jemanden her,... der so ähnlich denkt,... und schwups haben sich 2 gefunden, den soviel ich rausbekommen habe, gehen seine Bücher ziemlich gut weg,...



geschrieben von: velvet

Ich besitze 4 Bücher von Ihm und eines über Ihn. Ich finde es ist eine Kunst so zu schreiben wie er auch wenn es für viele nichts weiter als Perversitäten sind oder als frühe Pornographie bezeichnet wird.



geschrieben von: troll23

ich hab nur 3 bücher von ihm..
das einzige was ich bewundere ist das er es geschrieben hat



geschrieben von: velvet

Man kann darüber ja unterschiedlicher Meinung sein. Aber wozu hast Du 3 Bücher, wenn Du es schockierend findest? Hättest Du da nicht nach dem ersten Buch aufhören können?



geschrieben von: troll23

eine gegenfrage, geschickt gekontert, ich finde sie faszienierend ja ... so wie ich auch andere bücher gut finde



geschrieben von: Lunar Light

Zitat:
Original geschrieben von troll23
Marquis de Sade ist bekanntlich neben Leopold von Sacher-Masoch einer der beiden "Namensgeber" des "Sadomasochismus".


wobei letzterer hingegen stil hat. "venus im pelz" ist ein gutes und großes werk, und durchaus angenehm und interessant zu lesen.
von marquis de sade hab ich wohl mal eine verfilmung gesehen, naja. bisher hat es mich nicht dazu veranlaßt, mich eingehender mit seinen literarischen ergüssen zu beschäftigen.



geschrieben von: velvet

@troll23

Liegt nicht darin die Kunst seines Schreibens? Dass es viele Menschen fasziniert was er schreibt auch wenn man mit Ihm nicht übereinstimmt? Faszination und Abschreckung zugleich.



geschrieben von: oskadis

Interessanter Thread.

de Sade ist eine sehr kontroverse Figur.

Ich habe Justine gelesen. Anfangs war ich angewidert, doch nach und nach hat mich dieses Buch in seinen Bann geschlagen.

Was de Sade da beschreibt sind sexuelle Abartigkeiten die es sehr wohl gibt und die historisch auch sehr wohl dokumentiert sind.

Nichtdestotrotz hat mich das Schicksal Justines fasziniert, denn sie verkörpert ein Ideal auf der einen Seite, auf der anderen aber ein Schicksal, das im echten Leben auch vorkommen kann (OK ihr Tod durch Blitzschlag ist schon irgendwie absurd, aber ich glaube das wollte de Sade auch so rüberbringen).

Nur eine Anmerkung noch: de Sades Bücher müssen aus dem Kontext seiner Zeit heraus gelesen werden und nicht mit heutigen Maßstäben gemessen weden. Nur so macht deren Lektüre Sinn.

Gruß

~Oskadis~



geschrieben von: troll23

Nun dieses buch erzählt alles was man heutzutage gar nicht in den Mund nehmen würde, aber doch still und leise fabriziert.,...



geschrieben von: velvet

Aber erstmal den Marquise verurteilen :D
Ich persönlich finde "Juliette"am Besten.



geschrieben von: Nirgal

Zitat:
Original geschrieben von rainraven
Ich weiß nicht viel über Marquis de Sade, aber saß der nicht im Kerker oder anderswo gefangen und hat irgendwelche Psychosen oder Depressionen gehabt und dieses Buch zeigt nur, was für ein verklemmter und frustrierter Typ er war, der all das phantasiert hat, aber im richtigen Leben nicht mal eine Gefährtin hatte?

Dann weißt Du wirklich nicht viel. :)
Sade hat einen Großteil seines Lebens in verschiedenen Gefängnissen verbracht, weil er unbequem war. Das einzige Geschehnis, das in sadistischer Hinsicht über das in der Oberschicht des ancien régime Übliche hinausgeht, ist eine Affäre mit einer Prostituierten und vergifteten Bonbons (ob die Anschuldigung korrekt war, ist unter Biographen und Historikern umstritten), die zu einer Verurteilung in Abwesenheit führte.
Verheiratet war er btw durchaus, und mW gibt es die Familie de Sade auch immer noch. Und als verklemmt würde ich ihn - nach allem, was bekannt ist - auch nicht beschreiben.
Übrigens war der "Bürger Sade" nach der Revolution eine Weile als Untersuchungsrichter tätig, bevor er wegen zu großer Milde aus dieser Tätigkeit entfernt wurde.

Tut mir ja leid, wenn die üblichen Vorurteilen vom einsamen und minderbemittelten Soziopathen, der nur durch Gewaltpornographie geil werden kann, nicht stimmen. :)

Zitat:
Original geschrieben von oskadis
Nur eine Anmerkung noch: de Sades Bücher müssen aus dem Kontext seiner Zeit heraus gelesen werden und nicht mit heutigen Maßstäben gemessen weden. Nur so macht deren Lektüre Sinn.

Nicht nur das: Die Bücher sind nicht als direkte Pornographie konzipiert (auf die sie heute leider oft reduziert werden), sondern der Sex'n'Crime darin ist vorrangig eine Illustration von Sades philosophischen und auch politischen Ideen.

Nirgal



geschrieben von: oskadis

@nirgal: stimme mit dir überein ;)



geschrieben von: Desengano

wusstet ihr, dass "Die 120 Tage von Sodom" verfilmt worden sind?? der inhalt wurde wohl etwas geändert.. aber die message sei die gleiche geblieben..

hat den mal jemand gesehen???


ps. hab kein bock dafür nen neuen thread im filmpalast aufzumachen.. aber wenn interesse besteht, kann ich das ja noch nachholen. :D



geschrieben von: Frightener

Hab den Film gesehen.
Ist von 1976 und wie jede künstlerische Umsetzung gefällt sie nicht jedem. Ist in einigen Ländern sogar komplett zensiert worden und bei uns eben als 18er-Version zu bekommen. Hab ihn allerdings noch nie irgendwo stehen sehen.
Mir persönlich gefällt die Umsetzung recht gut. Spiegelt zwar nicht die kompletten Auszüge aus dem Buch wieder, aber es reicht! Moderne Horror-Filme schocken mehr, für schwache Gemüter ist der Film allerdings auch nichts.
Hier mal zwei Links, für die, die's näher interessiert...
ofdb
imdb

Auch wenn man's vllt nicht so ganz vergleichen kann... aber Faust zu lesen und eine relativ moderne Umsetzung im Theater oder TV zu sehen... meine Meinung!



geschrieben von: Noctua

Hab den Film zweimal gesehen. Hab darüber eh mal einen thread im Filmpalast eröffnet. Ist aber schon etwas länger her.

Ja, was soll man zu dem Film sagen. Ist eben Geschmackssache und nix für schwache Nerven. Es geht eben um Folterung, Missbrauch, Sodomie (im Sinne von Analverkehr) und den Verzehr von Kot. An manchen Stellen ist der Film etwas trocken, aber durchaus empfehlenswert. Man muss ihn eben gesehen haben, um sich ein Bild machen zu können. Viele sind entsetzt darüber, anderen wird kotzübel und wieder andere finden's einfach nur lustig.
Werd ihn mir sicher noch ein paar Mal ansehen im Laufe der Zeit. Leicht zu verdauen ist er jedenfalls nicht.

De Sade mag ich sehr gerne. Lese gerade Justine zum zweiten Mal, weil es eines meiner Lieblingswerke ist. Mir gefällt es sehr gut, wie er mit bestimmten Themen umgeht, die in der Gesellschaft verpönt werden. Ich betrachte es als Kunst und sehe ihn nicht als pervers.
De Sade ist und bleibt unique ;)



geschrieben von: troll23

Nun hab heute diesen Film ebenfalls gesehen, da man in ihn der videoapotheke ebenfalls ausleihen kann, da werden die Bücher vor augen geführt, bzw das eine buch .. sehr detailirt., nichts für schwache nerven, aber ein thema was alle anspricht, aber viele sich darüber ausschweigen,,,....

ich weiss nicht was ich von ihm halten soll, er ist unübertroffen, und man lernt auch eingies für sich selbst



geschrieben von: Nirgal

Zitat:
Original geschrieben von Desengano
wusstet ihr, dass "Die 120 Tage von Sodom" verfilmt worden sind?? der inhalt wurde wohl etwas geändert.. aber die message sei die gleiche geblieben..

hat den mal jemand gesehen???


Ja, von Pasolini in den 70ern kurz vor seinem Tode. Die Geschichte wurde in die Republik von Salo (ein Staat unter Mussolinis Führung und von Hitlers Gnaden in Norditalien) verlegt, ansonsten ist das Setting ungefähr erhalten geblieben.
Tja, die Message... Pasolini hat in Interviews unterschiedliche Dinge über seine Intentionen beim Dreh und über die Verlegung der Story geäußert. (Und das in der Bastille geschriebene Original von Sade ist auch nur ein Fragment ohne weitere Erklärungen geblieben.)

Der Film sollte eigentlich in gutsortierten Videotheken zu haben sein - wie üblich in der P18- und Porno-Ecke. Für schwache Mägen ist er aber wirklich nichts.

Nirgal



geschrieben von: Oberfläche

Ich habe nur Justine gelesen und, mit Verlaub, fand es reichlich fad. Der Schreibstil fühlte sich für mich recht unbeholfen-kindisch an; das Erzähl-Schema knackt man nach den ersten drei Seiten und dann wird alles öde und gleichförmig. Höchstens als Stoff für einen billigen Hentai zu gebrauchen... ;)



geschrieben von: ave end

ich lese die hunderzwanzig tage von sodom, im moment das erste mal, auch justine habe ich angefangen.
die bilder die der marquis in seinem buch malt finde ich eher faszinierend und wenig abschreckend.
nachmachen würde ich sie trotzdem nicht.

weiss irgend jemand, ob die in den büchern beschriebenen geschichten in der realität (nicht von de sade selbst) begangen wurden?

mfg

ave end



geschrieben von: Katzenschatten

wenn dann als Nachahmung der beschriebenden Vorgänge, obwohl es ähnliches bestimmt schon vorher gab.



geschrieben von: paranoya

Nur ein kleiner Zusatz zum oben erwähnten Film:
es gibt Stimmen, die behaupten der auschlaggebende Faktor zum Auftragsmord an Pasolini sei eben diese Verfilmung gewesen.

S. auch hier:
http://de.wikipedia.org/wiki/Pier_Paolo_Pasolini



Und:
Der Marquis de Sade verstand sich selbst nicht als Pornograph sondern als Philosoph (zentrale Themen: Tod, Nächstenliebe, Atheismus, Materialismus, das Recht des Stärkeren etc.).
Ich empfehle in dem Zusammenhang auch die Beschäftigung mit dem Werk von Gerorges Bataille ("Die Geschichte des Auges").



geschrieben von: fraeulein grau

genau. alle reissen den armen marquis immer völlig aus dem sozio-kuturellen kontext. meiner meinung sind seine werke nichts als drastisch und etwas seltsam verpackte gesellschaftskritik.



geschrieben von: Katzenschatten

Vor allem weil es das Beschriebene in den 120 Tagen von Sodom in der Kirche, im Adel und auch sonst mehr oder weniger heimlich vertreten war.



geschrieben von: Cagliostro

Zitat:
Original geschrieben von Blackadder
Hm, subjektiv betrachtet finde ich aber, das es da heutzutage wesentlich schlimmere und drastischere Werke gibt, die einen noch grösseren Einfluss ausüben könnten und viel deutlicher zu Gewalthandlungen oder "perversem" Verhalten auffordern könnten...und letzten Endes gibt es immer Menschen, die krank genug sind um seltsame Dinge zu machen, wer verdreht genug ist braucht dazu kein Handbuch...man muss ja nur mal Fernsehen heutzutage...*jammer*

Beste Wünsche,

BLACKADDER

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Auf jede Frage dieser Welt findet man die Antwort in einem Buch.

In omnibus requiem quaesivi et nusquam inveni nisi in angulo cum libro.





Was ist wirklich pervers?
Wer legt dies fest?

Sicher, es gibt Normalität und Abweichung. Jedoch kann niemand genau sagen, auf welcher Seite der "Grenze" er steht.
Nun, ich denke dass andere Aspekte wichtig sind, weniger wer was wie mit wem macht.
Es gibt durchaus Werte im Leben, die sind unverrückbar.

Werte wie Freundschaft oder Liebe, Anständigkeit, Loyalität und dergleichen.
Das Fehlen solcher Eigenschaften würde ich als bedenklicher einstufen, als bestimmte Neigungen, für die einzelne Menschen im Regelfall nicht viel Können.





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