[Whispers of Aspiration] - German Gothic Board

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Seiten:1



Whispers of Aspiration

(Klicke hier, um das Thema mit vollen Farben / Abbildungen zu betrachten)



geschrieben von: Constanze

So, willkommen in meinem Garten, lest was ihr wollt, fühlt euch wie zu Hause und bitte kommentiert fleissig, mir ist Feedback unheimlich wichtig.

Kritik und Feedback könnt ihr hier reinschreiben:

Kritik zu meinen Gedichten

Nun wünsche ich euch viel Spass hier, poste wohl immer wieder mal was neues, also öfters reinschauen, wenn euch meine Gedichte gefallen.

So, genug geredet, los gehts!

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Verzweifelung in meinen Augen
Der Blick verschwommen, seh nichts mehr.
Die Tränen mir die Sicht versperren.
Doch was ich säh, wär es nicht wert.

Nicht wert von mir gesehn zu werden.
Nur Enttäuschend wär der Blick.
Bevor ich wegen Heute weine.
Lächle ich und schau zurück.

Versuche in dem Meer zu schwimmen
was meine Tränen da erschufen
nun ist es groß und schrecklich weit
und keiner da, der hört mein Rufen.

Doch das Meer, es teilte sich
Das Wasser sich von Salz abstieß.
In dem Wasser ich ertrank,
das Salze mich verdursten ließ.

So dämmer ich im nirgendwo
und suche noch nach einem Ziel.
Doch wo ich such, da wird mir klar
Darf hoffen, doch ich hoff zuviel.



geschrieben von: Constanze

so, und direkt noch ein zweites:

Should smile and laugh about the fact
That love is not eternal.
As so many poets wrote,
They were wrong, I’m learning.

I see the lovers passing by
And know, it’s not forever.
Cause someday it will be to late
No exception never.

Lost one day a stupid word
It’s yet impossible to find
Love back again although you seach
eyes wide open, you stay blind.

But I can’t laugh, about the fact
that Love is not forever.
Cause I was one of those who said,
I won’t leave you, never.

Although I did and now’s to late
To turn back time and start a new.
But the longer I seach for a new man of dreams
I realize, it can be only you.

And even though I try every day
To regain what I have lost long ago.
Beginning to see, the world’s going on
Not stopping and waiting, just going and go.

I try to stop it and know I can’t do,
To live in the past is not good.
You only see, what you’re wanting to see.
And not what you actually should.


für eventuelle Grammatikfehler entschuldige ich mich, entweder habe ich sie nicht bemerkt oder es ging vom Versmaß nicht anders und ich hab es als künstlerische Freiheit gewertet;)



geschrieben von: Constanze

So, wie würd Heinz Erhard sagen? Noch'n Gedicht!

Gedanken(Spruenge) zum Ursprung zurueck

Zeit ist relativ
Relativ nah
Die Blume vor mir
Zeit vergeht
Vergeht und kommt
Auf mich zu

Wahrscheinlich nah
Doch fern vielleicht
Das Wasser seicht
Still der See
Wellen schlagen
Immer neu, immer dieselben

Es kam was geht
Es geht was war
Zeit, Leben, Wasser, Luft
Trennung, Wiederstand und Leid
Was immer passiert
Es heilt die Zeit



geschrieben von: Constanze

Huch, und so schnell rutscht man zurück auf Seite 3.
Also schnell ein neues Gedicht posten, büddösööööhr:

Fern von dir
Doch so nah
Unerreichbar

Neben mir
Du bist da
Unnahbar

Ich lieg hier
Denk an dich
Liebe ist…
unsterblich


Link zur Kritik findet ihr ganz oben, würd mich freuen, wenn ihr da was schreibselt, bis dann mal



geschrieben von: Constanze

So, nach langer Abwesenheit vom Forum werd ich hier mal ein bissel Unkraut jäten und euch dabei mein erstes Sonnett vorstellen, ganz im Stile Shakespeares, zumindest, was die aufteilung angeht, also, bittesehr:

Ein Licht, ganz klein, kann Nacht erhellen
Ein winzger Stein kann morden
Ein Tropfen lässt das Meer anschwellen
Ein Vogel ruft den Morgen

Ein Blatt entscheidet Tod und Leben
Ein Schwerthieb wählt den Sieger
Ein winzges Zittern führt zum Beben
Ein Hauch reißt Bäume nieder

Ein Mann entscheidet, siegt sein Heer
Ein Wort nur startet Kriege
Ein Funke wird zum Flammenmeer
Ein Kuss nur entflammt Liebe

Vieles was nur klein erscheint
wird stärker noch, wenn es vereint


So, den Link zum Kommentieren findet ihr im ersten Post, hoffe euch gefällts und ihr schreibt alle schön was.



geschrieben von: Constanze

So,da ich grade mal ein wenig Zeit hab, hier mal ein paar, die noch in der Schublade vor sich hinschlummerten:

Dieses Gedicht hab ich mal ganz spontan für meinen Freund geschrieben, obwohl er sich für sowas eigentlich gar nicht interessiert, aber ihm gefiel es trotzdem:

Slowly but continually

Slowly a drop of water's running down
The window glass to disappear.

Slowly mist is coming up
Summoning to vanish.

Slowly snow is falling light
In the morning sun to melt.

Slowly clouds are hovering
Up there to evaporate.

Slowly your lips are touching mine
Forever there to stay.



geschrieben von: Constanze

So, dieses hier ist für mich sehr ungewöhnlich, da ich eigentlich fast immer reime, aber lest selbst:



Das Blut sprudelt über die Klinge
rinnt über ihren weißen Busen und sammelt sich im
Bauchnabel
Als dieser überläuft
versickert der Rest im feuchten Waldboden.
Hier wird sie niemand finden.

Über seine Hände fliesst Wasser
die letzten roten Schlieren schlängeln sich
über das weisse Porzellan
und verschwinden nach und nach im Abfluss.

Der Regen am Morgen wischt die Spuren der Gewalt fort
Unter einem nahen Busch schaut die Katze zu
wie rote Flecken auf wundersame Weise verschwinden.

Im Keller lässt die Waschmaschine die letzten
Tropfen roten Wassers im Ausguss verschwinden.
Die Katze setzt sich auf's Sofa, lässt sich von
ihrem Herrchen vertrauensvoll am Hals kraulen
und fängt leise an zu schnurren.



geschrieben von: Constanze

Und zu guter letzt eines, welches ich in einem Schreibkurs mal zu einem Ma(r)gritte(?)-Bild schreiben musste:

Sehnsucht nach Weite
Raus aus dem Jetzt
Sehnsucht nach Stille
Nicht mehr gehetzt

Sehnsucht nach Neuem
Entdecken die Welt
Sehnsucht nach Altem
Was früher gezählt

Sehnsucht nach mir
Unverwchselbar sein
Sehnsucht nach dir
Gehörst nur mir allein

Und ich sehne und suche
Bin süchtig nach...mir


So, Feedback zu allen wie immer über den Link im ersten Post.



geschrieben von: Constanze

Dieses Gedicht habe ich kurz nach dem Tod einer Freundin geschrieben, es ist ihrem Andenken gewidmet:

Für Maus(*29.08.’87 †09.04.’04)


Schöne Tage vergangener Jahre
Erinnerungen kehren zurück Schicht um Schicht
Das Leben es lebt und wir mittendrin
Doch das Leben beachtet dich nicht
mehr

Viele Pläne voller Hoffnung
Keine Wolken des Unheils versperren die Sicht
Die Zukunft liegt vor uns so klar und verlockend
Doch diese Zukunft gibt’s für dich nicht
mehr

Plötzliches Ende friedlichen Schlafes
Klirrendes Glas unter Sonnenlicht
Die Erde dreht weiter als wär’ nichts geschehen
Doch für dich dreht sich diese Erde nicht
mehr



geschrieben von: Constanze

9./10. November 1938

Lena lachte. Sie strahlte mich an. Ein Gesicht, welches ich lange nicht mehr so fröhlich gesehen hatte. Sie lachte gerne, war optimistisch und lächelte bei der kleinsten Kleinigkeit. Doch auch dieses Lächeln war selten geworden. Trotz allem liebte ich sie und ihr lachen. Sie war meine allerbeste Freundin.
Doch jetzt lachte sie, schaute mich strahlend an und hauchte mir ein „Danke“ entgegen. Die kleine Puppe, die ich ihr soeben geschenkt hatte, hielt sie fest mit ihren Händen umklammert. Es war keine Puppe, mit der kleine Mädchen spielen, sie war ja kein kleines Mädchen mehr, sondern 15, so wie ich.
Es war eine kleine Puppe aus Porzellan. Meine Grosstante hatte sie mal meiner Mutter geschenkt, als diese so alt war wie ich. Dann verlor sie diese Puppe und lange war sie verschwunden. Ich fand sie gestern auf dem Dachboden, als ich in den Büchern meines Grossvaters las, wie ich es öfters tue. Als ich sie meiner Mutter zeigte, fing sie an zu weinen. Ich hatte meine Mutter bis dahin noch nie weinen sehen. Sie war kein Mensch, der oft lachte, aber sie klagte nicht und weinen tat sie erst recht nicht. Doch an diesem Abend weinte sie. Sie nahm die Puppe in die Hand, lies sich auf einen kleinen Hocker neben dem Herd sinken und weinte. Dann strich sie der kleinen Gestalt über die Haare und zupfte das Kleid zurecht. Rot war es, das Kleid, mit winzigen schwarzen Blumen. Es muss einmal wunderschön gewesen sein, jetzt war der Stoff staubig und hatte hässliche Flecken, man musste genau hingucken, um die Blumen richtig zu erkennen. So viel hatte meine Mutter mit dieser Puppe erlebt, so viel hatte sie mir davon erzählt. Und jetzt lag sie in ihren Händen, die vom Spülen und putzen ganz rauh waren und nichts von ihrer damaligen Frische mehr übrig hatten, und die Tränen meiner Mutter fielen auf den stoff und spülten den Staub hinweg. Doch mit einem Mal sprang sie auf, wischte sich die Tränen aus den Augen und gab mir die Puppe zurück. „Die Zeit ist vorbei, wo man der Vergangenheit hinterhergetrauert hat, das Leben ist jetzt!“ Und sie drehte sich um und fing an, Kartoffeln für das Abendessen zu schälen.
„Möchtest du…“ begann ich zaghaft, doch sie unterbrach mich. „Nimm sie an dich, mach damit was du willst, aber lass mich sie nie mehr sehen.“
Dann lief ich zu Lena. Auch sie kannte die Puppe, weil ich ihr schon viel davon erzählt hatte. Aber sie freute sich nicht, sie starrte sie nur an und sagte: „Jetzt hat deine Mutter einen Grund sich zu freuen.“ Ich verstand nicht, was sie meinte und ich fragte sie, was los sei. Da erzählte sie mir, dass sie das Geschaft ihres Vaters zerstört hatten, einfach so. Sie kamen rein, morgens früh, bevor der Laden überhaupt geöffnet war. Ihr Vater war schon da, weil er das frische Gemüse in die Kisten vor der Theke umladen wollte. Dann ging die Tür auf, sie warfen alles um, zerstörten sämtliche Waren, zerschlugen die Scheiben, beschmierten Wände und Türen und verschwanden wieder. So schnell wie sie gekommen waren. Lena weinte jetzt auch, noch bitterlicher, als meine Mutter es vorher getan hatte. Dann hörte sie die Kirchturmuhr schlagen. „Oh, ich muss nach Hause!“ „Warum?“ , fragte ich. „Deine Mutter ist doch noch gar nicht von der Fabrik zurück?“ „Neue Auflagen!“ sagte sie und rannte fort.
Weil sie so aufgelöst wirkte, beschloss ich, ihr die Puppe zu schenken.

Sie schaute mich mit einem Gesicht voller Dankbarkeit an, dann begann das Lachen gequält zu wirken. „Danke“ sagte sie nochmal. „Ich werde versuchen, dass Kleid zu waschen und den Dreck von ihren Beinen abzubekommen. Du kannst mir helfen, wenn du willst.“ Sicher wollte ich, da kann ein junger Mann in Uniform um die Ecke gebogen. „Du“, sagte er, und deutete auf Lenas Mantel. „Warum bist du hier, scher dich fort!“ Lena sah ihn traurig und wütend zugleich an, rief mir ein fast geflüstertes „Tschüss“ zu und ging zügig fort. „Von solchem Gesindel solltest du dich fernhalten, junge Frau, die haben keinen Anstand und führen nichts Gutes im Schilde.“ Sagte der Uniformierte zu mir. „Aber Lena ist meine Freundin, meine allerbeste Freundin und ich lasse mir meine Freundschaften nicht verbieten, nicht von ihnen und von niemand anderem sonst!“ Dann rannte ich die paar Stufen zu unserer Haustür hoch, riss sie auf und warf sie laut wieder ins Schloss zurück. Ich nahm die Stufen in die erste Etage mit wenigen Schritten und stürmte in mein Zimmer und knallte die Tür hinter mir zu. Dann warf ich mich auf mein Bett und weinte. Lange, ich weiss nicht mehr wie lange, ich hatte kein Gefühl mehr von Zeit. Irgendwann kam meine Mutter, streichelte mir über mein Haar und stellte mir einen Teller mit Broten hin. Ich hatte den ganzen Tag noch nichts gegessen. Sie registrierte, dass es keinen Sinn hat, mit mir zu reden und lies mich alleine. Ich zeigte keine Reaktion, weder während ihrer Anwesenheit noch danach. Die Brote rührte ich nicht an. Ich hatte keinen Appetit.

Irgendwann wachte ich auf. Ich hatte keine Ahnung, wann ich eingeschlafen war, wie lange ich geschlafen hatte und wie spät es jetzt war. Ich schaute aus meinem Fenster, es war schon dunkel. Noch ein wenig schläfrig lies ich mich zurück auf die Bettkante sinken. Mein Blick fiel auf die Brote, die meine Mutter am Tag dahin gestellt hatte.Ich hatte keinen Appetit, aber mein Magen rebellierte. Also nahm ich eines und biss halbherzig hinein.
Auf einmal fiel ein Schuss. Das Brot war vergessen, ich warf es zurück auf den Teller, traf nicht, doch es war mir egal. Ich stürzte zum Fenster. Noch ein Schuss. Auf den Strassen liefen Menschen. Sie strömten aus ihren Häusern, dicht gefolgt von den Uniformierten.. Doch wurden sie eingeholt, schlug der Verfolger fest und hart mit dem Gewehrkolben zu oder fasste sie am Arm und zog sie grob mit sich. Ihre gelben Sterne leuchteten im Dunkel, es hätte ein Nachthimmel sein können, so viele Sterne sah ich, doch der Himmel ist wohl friedlicher. Viele der Schaufensterscheiben waren eingeschlagen. Auf den Türen prangten grosse Sterne und die Aufschrift „Jude!“ Manche der Geschäfte brannten. Ich musste an Lena denken. Wo war sie. Das Geshcäft ihres Vaters war einige Strassen weiter, ich konnte es von hier aus nicht sehen.
Ich warf meinen Mantel über die Schultern und rannte auf die Strasse. Meine Mutter stand im Hauseingang, geschützt durch die Schatten, die die Nacht warf und ihr Gesicht war eine Maske starren Entsetzens. Sie versuchte mich zurückzuhalten doch ich riss mich von ihr los und rannte die Strasse hinunter. Die Uniformen schrien mich an, ich sollte ins Haus zurückgehen, doch sie wagten nicht, mich anzufassen, ausserdem waren sie viel zu sehr mit ihrer Judenhatz beschäftigt um sich ernsthaft um mich zu kümmern.
Das Geschäft von Lenas Vater war dunkel. Sämtliche Fenster waren zerstört und das Wort „Jude“ prangte in riesigen Buchstaben über der Eingangstür. Die Tür neben dem Laden führte zu ihrer Wohnung über dem Geschäft. Die Tür stand auf, doch sowohl der Flur als auch die Fenster im ersten Stock waren dunkel. Ich hörte keinen Ton aus dem Treppenhaus und traute mich nicht, zu rufen.
Ich fing an zu weinen, ich hatte Angst um Lena, wo war sie? Verwirrt begann ich, die Strasse entlangzugehen, folgte dem Strom der Menschen, die entweder aus Panik in diese Richtung stürmten oder von den Uniformen gezwungen wurden. Als wir aus der Strasse traten, standen wir auf einer Kreuzung. Überall waren Menschen. Obwohl es hier nicht so eng war, wie in der Strasse, war es nicht wesentlich heller. Alles lag im Schatten der riesigen Synagoge. Menschen liefen hin und her und die Uniformen drängten alle in das riesige, ehrfurchtgebietende Bauwerk. Manche liefen freiwillig hinein, dachten sie doch, in der Synagoge wären sie sicher. Manche Menschen lagen auf den Strassen, überrannt von ihren eigenen Leidensgenossen oder erschlagen von einer Uniform.
Auf einmal wurden die Türen der Synagoge geschlossen, die Uniformen liessen die Türen krachend zufallen und verrriegelten sie von aussen. Es wurde still, keiner wusste, was als nächstes passieren würde, keiner wusste, was sie wollten. In der Synagoge hingegen wurde es laut, die Menschen gerieten in Panik und klopften wild gegen die Türen. Ich blieb stehen uns starrte wie gebannt auf das Schauspiel. Noch immer wurden Menschen aus den umliegenden Strassen getrieben, erschlagen, erschossen oder einfach zu einem grossen Pulk zusammengetrieben.
Einige der Uniformen entfernten sich und gingen zur Rückseite der Synagoge. Die Zeit schien stillzustehen. Für einen Moment war es still und man hörte nur noch die verzweifelten Schreie aus dem innern der Synagoge.
Plötzlich hob das Geschrei zu einem wahren geheule an, die Menschen darin schrien in Todesangst, doch das einzige, was ich tun konnte, war stehen und zuschauen. Ich war gefesselt von dem Anblick und selbst wenn ich etwas hätte tun können, was denn? Ausserdem würden mich die Uniformen daran hindern.
Auf einmal sah man oranges Licht aus den Fenstern der Synagoge fallen, flackernd und warm. Das Schreien der Menschen wurde unerträglich, ich wollte mir die Ohren zuhalten, doch ich hatte nicht die Kraft, meine Arme zu heben.
Ich weiss nicht, wie lange ich so dastand, irgendwann wurden die Schreie schwächer, es wurden weniger. Es wurde nochmal laut, als die Fenster barsten, so konnten die Stimmen ungehindert durch das Glas zu uns dringen. Man verstand keine einzelnen Worte oder Personen, alles war ein grosses Geschrei fast übertönt durch das Flackern der Flammen. Neben mir sank ein alter Mann auf die Knie und betete. Auch er hatte den gelben Stern auf der Brust. Ich hatte Mitleid mit ihn. Plötzlich hörte ich einen dumpfen Schlag und der Mann sank in sich zusammen. Die Uniform hängte sich ihr Gewehr wieder um und ging weiter.



geschrieben von: Constanze

Ich muss lange nur dort gestanden haben. Es wurde still auf der Kreuzung, die Schreie in der Synagoge verstummten, das Feuer wurde kleiner, ein widerlicher Gestank zog auf. Die Uniformen waren weitergezogen, man wusste wo sie waren, einfach den Schreien folgen. Ab und zu sah man Feuer aufleuchten zwischen den Häusern, die Rauchschwaden hoben sich ab vom Schwarzen Nachthimmel, nur erleuchtet von einem fahlen Mond, der anscheinend auch beschlossen hatte, wegzugucken und sein Licht kaum scheinen lies, es war nur eine schwache Lichtquelle, doch erleuchtet wurde dadurch nichts. Alles flackerte im Schein der Feuer, die die Nacht in ein ungewöhnliches Licht tauchten, es wirkte fast rot.
Die Menschen waren alle fort. Entweder von den Uniformen weggeschleppt oder zurückgeflohen in ihre Häuser oder einfach irgendwoanders hin, hauptsache weg.
Die, die zu schwach oder verletzt waren, lagen auf der Strasse, so gut wie tot. Sie unterschieden sich nicht von den zahlreichen Leichen, zwischen denen sie lagen.
Langsam realisierte ich, was geschehen war, was ich gesehen hatte, wo ich war.
Ich blickte um mich und sah in all diese leeren toten Augen um mich herum. Inzwischen konnte ich nicht mehr weinen, ich stand nur noch stumm da.
Ich setzte langsam einen Fuß vor den anderen, nicht sicher, ob meine Beine mich noch tragen würden. Es ging und so stolperte ich langsam vorwärts, vorbei an zahlreichen Scherben und zwischen unzähligen Leichen. Eine Frau rannte über die Strasse und versuchte, die Türen der Synagoge zu öffnen, die dem Feuer standgehalten hatten. Ich schaute weg, ich wollte nicht noch mehr Tote sehen.
Langsam näherte ich mich wieder der Strasse, in der ich wohnte. Auf einmal sah ich im Feuerschein etwas weisses glänzen, nur ganz klein und doch strahlte es hell im roten Licht des Feuers. Ich erkannte sofort, was es war. Schnell eilte ich hin und hob die kleine Puppe auf, das Porzellangesicht tapfer lächelnd und blütenweiss. Das Kleid voll mit Dreck, Ruß und Blut.
Dann sah ich Lena. Sie lag einige Meter weiter, zusammengekauert, ihr Mantel verdeckte vollständig ihren Körper und ihre langen braunen Haare flossen über das regennasse Pflaster und glänzten im Schein des Feuers. Ich rannte zu ihr, berührte sie an der Schulter, schüttelte sich und drehte sich schließlich um, so dass sie mit dem Gesicht zu mir lag. Über ihre Stirn lief eine dünne Linie aus getrocknetem Blut, ausgehend von ihrem Haaransatz, wo eine grosse Wunde den Platz ihrer hellen Haut eingenommen hatte und noch immer leicht blutete. Lena reagierte nicht mehr. Ihre Wange war kalt und es gelang mir nicht, sie in den Arm zu nehmen, so lag sie schwer und kalt in meinen Armen und heisse Tränen rannen über meine Wange und tropten auf ihr lebloses Gesicht, die Spuren von Blut und Dreck fortwischend. Ich nahm die Puppe, legte sie in ihre Hand und drückte diese sanft zu. Und im Schein des Feuers sah es fast so aus, als glitte ein letztes Lächeln über ihr Gesicht.





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