Dem Sonnenlicht entgegen,
durch die dunkle Nacht
Führt mich ein eisger Nebel,
den ich hab selbst gemacht
Von Kälte ich umgeben,
wie ein Mantels Schutz
Ist’s als würd ich leben,
das erste Mal bewusst
Auf Eis versuch zu wandern,
ohne Hilfe gar
Denk ich ans andre Ufer,
ist’s noch längst nicht wahr
Endlich angekommen,
kein Sonnenlicht wies scheint
War mein Weg vergebens,
die Frage wird beneint
Doch was war der Sinn,
den ich hab nicht verstanden
Der Sinn darin lag,
den schwiergen Weg zu fanden
An einem trostlosen Abend im Februar 2002
geschrieben von: Ophelia333
Arthur Rimbaud (1870), deutsche Übersetzung von Karl Klammer (1907):
OPHELIA
I.
Auf stiller, dunkler Flut, im Widerschein der Sterne,
geschmiegt in ihre Schleier, schwimmt Ophelia bleich,
sehr langsam, einer großen weißen Lilie gleich.
Jagdrufe hört man aus dem Wald verklingen ferne.
Schon mehr als tausend Jahre sind es,
daß sie, ein bleich Phantom, die schwarze Flut hinzieht,
und mehr als tausend Jahre flüstert schon sein Lied
ihr sanfter Wahnsinn in den Hauch des Abendwindes.
Die Lüfte küssen ihre Brüste sacht und bauschen
zu Blüten ihre Schleier, die das Wasser wiegt.
Es weint das Schilf, das sich auf ihre Schulter biegt.
Die Weiden über ihrer hohen Stirne rauschen.
Im Schlummer einer Erle weckt sie hin und wieder
Ein Nest, aus dem ein kleines Flügelflattern schlägt.
Die Wasserrosen seufzen, wenn sie sie bewegt.
Ein Weiheklang fällt von den goldnen Sternen nieder.
II.
Ophelia, bleiche Jungfrau, wie der Schnee so schön,
die du, ein Kind noch, starbst in Wassers tiefem Grunde:
weil dir von rauher Freiheit ihre leise Kunde
die Stürme gaben, die von Norwegs Gletschern wehn.
Weil fremd ein Föhn, der dir die Haare peitschte, kam
Und Wundermär in deinen Träumersinn getragen;
weil in dem Seufzerlaut der Bäume und im Klagen
der Nacht dein Herz die Stimme der Natur vernahm.
Weil wie ein ungeheures Röcheln deinen Sinn,
den süßen Kindersinn, des Meeres Schrei gebrochen;
weil schön und bleich ein Prinz, der nicht ein Wort gesprochen,
im Mai, ein armer Narr, dir saß zu deinen Knien.
Von Liebe träumtest du, von Freiheit, Seligkeit;
du gingst in ihnen auf wie leichter Schnee im Feuer.
Dein Wort erwürgten deiner Träume Ungeheuer.
Dein blaues Auge löschte die Unendlichkeit.
III.
Nun sagt der Dichter, daß im Schoß der Nacht du bleich
die Blumen, die du pflücktest, suchst, in deine Schleier
gehüllt, dahinziehst auf dem dunklen, stillen Weiher,
im Schein der Sterne, einer großen Lilie gleich.
zur information:
ophelia war die geliebte von hamlet und stürzte sich in die fluten, suizid.
das gedicht wurde im orginalen in französisch geschrieben, was verschiedene übersetzungen zulässt.
für mich eines der schönsten gedichte, in dem das hässliche nicht schöner hätte beschreiben werden können.