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Land der Träume

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geschrieben von: Mahsheed

The Poison Belt

Das ist mein ganz eigener Garten, den ich zu seinem Zuwachs bewässern möchte.
Ich bin selbst darauf gespannt, welch sonderbare Gewächse er nebeneinander gedeihen lassen wird.

Denn es wird ein natürwüchsiger Garten sein, in welchem das Wildkraut meines Unterbewusstseins gedeihen darf, anstatt entfernt zu werden.

Ehrlich gesagt möchte ich keine Kritik zu meinen Worten erhalten.

Stimmen werden von Unsportlichkeit reden.

Man möge dem zum Trotz verstehen, dass ich mir die Stimmung der Freiheit und Losgelöstheit erhalten will.

Zudem zähle ich diese gedankliche Tätigkeit in keiner Weise zu einer sportlichen.
Ich möchte mich der Illusion hingeben dürfen, die Disziplin des Schreibens für meine Fantasien beherrschen zu können und frei jeglichen Zwanges fremder Messlatten oder der Stellungnahme zu sein.

Allein ist mir wichtig, dass meine Gedanken mich selbst beglücken.

o°*O°*0°*O°*o°*O°*0°*O°*0°*O°*o°*O°*0°*O°


Die ersten Worte zu deiner Einweihung sind getan.
Dir zur Feier wähle ich eine Stück von
Mylène Farmer (Optimistique moi)
und klettere derweil auf einen Ast der dicken Eiche,
auf dem ich es mir gemütlich machen werde.

Das Lied klingt aus;
wird abgelöst vom anschwellenden Rauschen des kleinen Baches ...
Und ich werde anheben, mein erstes Märchen zu erzählen.

Einen ersten jungen Trieb in dieses Land der Wunder zu säen.



.~°~.~°~.~°~.~°~.~°~.~°~.~°~.~°~.~°~.~°~.





geschrieben von: Mahsheed

Die Nacht bringt es ans Licht




Es war einmal ein kleines Kind, das splitternackt und verlassen in einen Wald gesetzt wurde.
Jung war es noch an Jahren, lieblich und rein.
Hatte weder Tier noch Mensch böses je zu Leide gefügt.

So klein es auch war, wurde es doch schon kurz nach seiner Geburt aus dem Dorf, in dem es geboren wurde, verstoßen.
Die Bewohner des Dorfes hatten etwas sonderbares an dem Kind entdeckt, das sie sich nicht zu erklären vermochten;
die Haut des Kindes nämlich leuchtete Tag und Nacht blendend weiß und seine Augen waren so grellend grün wie junge Sprossen waldgrünsten Mooses.

Alsbald wurde gemunkelt, dass es sich bei diesem Mädchen um nichts anderes als um einen Wechselbalg handeln müsse.
Und eines Nachts, während sich der Schlaf schleierschwer über das Dorf senkte, liefen seine Mutter und einige ihrer Basen auf leisen, flinken Sohlen klammheimlich aus dem Dorf.
Den Korb mit dem Kinde darin mit sich tragend.

Im finsteren Walde, in dem es vor Wölfen, Allraunen und anderen Geisterwesen nur so wimmelte, würde das gerechte Schicksal mit dem Kinde so verfahren, wie es der Herrgott befiele.

So jung das Kind an Jahren zählte, bekam es von dem Treiben um sich mit, lag bald wach und still im Korbe, voll der unheimlichen Ahnung.
Unterwegs sah es zu seinen Basen hinauf, die es straffen Ganges mit sich führten.

Im dämmernden Lichte des Mondes erkannte es dieselben als schnell wetzende Totengerippe.
Schwarz waren ihre Zungen und hingen lang und speicheltriefend aus ihren keuchenden Mäulern.
Da ward es voller Angst und Bange.

Doch alsbald schon schaute es wundersam ermunternde Dinge. Kleine weiße Tauben auf dem Bäumen am Rande des Weges blinzelten dem Kinde zu.
Und am weiten Himmelszelt sah es, wie der Mond tröstende Worte mit seinem Wolkenmunde formte.
Und die Blumen am Rande jeder Böschung summten leise Wiegenlieder.

Tief dort, wo der Wald wie ein gieriges Ungeheuer seine Opfer fordert, haben sie den Korb gestellt, rieben sich die Hände und kehrten bei Morgengrauen ungesehen schattenhaft in ihr Dorf zurück.

Wider alles Erwartens aber blieb das kleine Kind unversehrt.
Über all die Jahre seiner Kindheit trat kein Tier ihm zu Leibe,
kein Dorn bohrte je seinen Stachel in seine Haut,
und keine Nessel wollte das Mädchen kratzen.
Die Beeren streckten sich ihm reif entgegen, die genießbaren Wurzeln schoben die Erde bei Seite, um besser von ihm gefunden zu werden.
Die Ufer der Bäche wurden zugänglicher und das Wasser süßer, sobald der Durst das Kind in seine Nähe trieb.

So wuchs es rasch heran und nichts hatte seiner Reinheit anhaben können.

Als eines Nachts im Traume eine Stimme ihm zusprach:

"Wie ergeht es dir nun, mein Kind?"

Wie selbstverständlich und so, als handelte es sich um keinen Traum hob es zu reden an:

"Das Leben hier ist so schön, wie es an keinem anderen Ort der Welt schöner sein könnte. Es ist wie ein Wunder."

"Mein liebes Mädchen, dich habe ich zu einem besonderen Menschen gemacht.
Deine Haut sollte weiß schimmern, weil sie so unbefleckt sein sollte wie das Gute in dir.
Deine Augen sollten grün leuchten wie der göttliche Funken, der dir inne wohnt,
wie die Erkenntnis, mit der du Wahrheit schauen kannst."

Das Mädchen wunderte sich und entgegnete mit gesenkter Stimme:
"Die Farbe meiner Haut und die Farbe meiner Augen sind gewesen, was meine Anverwandten mich auszusetzen gesinnte."

Es spürte eine warme Hand über ihren Kopf streicheln.
Dann wieder sprach die Stimme scheinbar wehmütig lächelnd:

"Die Dinge sind oft so anders als sie scheinen.
Das Gute ist mal dort, wo das Böse vermutet.
Das Böse lauert das ein ums andere Mal hinter den Türen scheinbar sittlicher Heime.
Wo manch einer versucht, Tod zu rufen, erwecke ich zu Leben.
Und säe Tod dort, wo sich manche Seele Leben erhofft.
Ich bin der Anfang und das Ende.
Das letzte Gericht am Ende der Welt."

"Wo bin ich?" fragte das Mädchen leise hauchend.

"Viele meiner kleinen Diener sollten dir den Frieden weisen.
Hast du ihre Zeichen vernommen?"

In freudiger Erinnerung versunken rief das Mädchen:

"Ja! Die Tauben, die Blumen, die Wolken und der Mond!"

"Ich habe sie dich zu mir bringen lassen.
Menschen deines Blutes wollten deinen Tod und brachten unvermutet Leben dir.
Das ich dir nun vergönne.
Hier und für alle Zeit."





geschrieben von: Mahsheed

Es ist spät geworden.
Meine Lider sind schwer.

Noch immer sitze ich auf einem Ast an den Stamm gelehnt und lasse die Gedanken durch meinen Kopf rinnen.

Der Boden meines Gartens bedeckt sich mit den ersten zarten Halmen.

Taraxacum Dens Leonis,
Centaurea Cyanus,
Papaver Rhoeas,
Orchis Maculata ...
(las ich auf meinem Ikea-Geschenkpapier ;) :) )

Noch im Licht des Mondes und der Sterne blinken müde die ersten Pflänzchen mit ihren im Nachtwind wankenden Köpfchen und träumen und schlafen wohl den Schlaf der Gerechten.

Die Musik ist längst gewechselt.

A Blaze Colour mit "An Addict of Time" lassen mich schwermütig werden und alte Gedanken widerwillig wie süßen Honig trinken.

Lässt mich an Vergangenes denken an einen amüsanten Austausch, ein aberwitziges Wortduell mit einer Freundin ...

Müde ist mein Lächeln geworden und wird sich erst im Verlaufe des nun folgenden, sinnenthobenen Briefes an sie weiteren Lebens erfrischen.
Ein kurzes Aufleben aber, dem ich zufrieden eine ruhige Nach folgen lassen werde.




geschrieben von: Mahsheed


Aschenputtel und die fehlende Taubenhilfe


(beliebige Szene)



Aschenputtel darf den Ball des Prinzen nicht besuchen.
Muss dafür manch` leidvoll´ Arbeit leisten.

Sortieret Stück für Stück der Linsen.
(Die guten ins Häubchen,
Die schlechten den Täubchen.)

Als das Fenster sich ihr entgegen neigt,
um ihr der Scheibe Klopfton näher zu bringen,
beschließt sie, das Pochen einzulassen ...

Ein seltsam Mann

- es muss wohl der Prinz sein; ein Ball klemmt unter linker Achselhöhle -

folgt den Tönen, die am Glas zuvor er erzeugt.

"Eingeladen bin ich worden,
so werd ich nun auch Worte morden!"


... steigt durch besagtes Fenster,

Denn scheinbar weil die Taubenhilfe nicht kam,
kommet nun im Gegenzuge er, die Blindenhilfe.
Und spricht ohne rechte Freude an bevorstehender Müh´:

"Was tun,
wenn doch die schlechten Linsen
and´re Farbe zwar, doch kein and´re Form bloß
zum Ertasten haben?"


Weise weißgefärbte Linsen
starren haltlos graugelocktes Mädchen an.
Entmutigt und entlustigt
also antwortet holder Prinz
geschickten Versuches raffinierter Ablenkung alsdann weiter:

"Warum seid Ihr so gealtert, gutes Kind?"

"Ach,"


sagte das Mädchen da.

"Es ist die Zeit, die viel zu schnell vergeht.
Es sind die Schuhe, die stets zu falschen Orten mich tragen.
Und auch die Sonne vergilbt mir nur den Tag.

Da bin ich gewelkt wie eine weiße Rose.
Und übrig ist meines verdörrten Körpers
vertrockneter Geist "


Da ureinst lösen aber
Puttels Asche trockenen Hirnes Zellen
die List durchschauend aus starrer Verklebung sich:
Urplötzelich empört umschwingend
ob der fehlend wahren Motivation solcher Befragung

"Oh, maulwurfsichtig´ Jüngling!
Was kannst du nur alles sehen
mit deiner Augen blinden Kraft!

- Ei !-

So wirst du nun auch niedrig Arbeit hier verdingen können!"


Sprachs und lässt

- zur Verstärkung nur -

tosender Hand
der Peitsche Riemen lautab die Luft zerteilen.

Der Blinde aber, unbeirrt,
durchbricht mit schwingendem Bass das Zischen und Pfeifen:

"Ich sehe weitaus mehr noch,
als Ihr in simplen Ermessen nur für möglich erdenkt:

Ihr tragt ja waschwassergemiedene Unterhosen an Euch,
die düsterer sind als der unbehelligste Winkel
meines verstorbenen Sohnes Gruft!

Und ein Geruch an Euch haftet,
der jedes auch noch so gesottene Käferlein
unter seinem Stein hervortreibt und es

- kaum geflohen -

schon krepieren lässt!"


Überlegen spitzen scharfkantig Lippen des Weißbelinsten sich.
Und seine Stirn legt die Falten eines Denkers sich beisammen:

Aus wissendem Munde kehren nun weitsichtig Zeilen:

"Das ist auch der Grund,
der mein feines Geruchsorgan mir selbst befehlen ließ,
mich zu Euch zu begeben."


Sein düsterer Bass nun wehmutig wird
zum süßen und bettelnden Seuseln
eines surrenden und gurrenden Soprans:

"Euer duftend Elexier lasst mich saugen!
Mich fangen!
Mich verschrauben!

Ich werde es hüten und als Waffe

- im Kriegsfalle nur -

gebrauchen!"


Hui!

Kaum sind seine Worte in den Raum gestoßen,
da schnaubt das doch so stolze Mädchen.

Schwefelschlieren quellen wolkendick aus ihren Nüstern.
Immer geschwinder und geschwinder
dreht die johlende Peitsche ihr Gelenk.

Sämtliche Lichtelein,
Kerzendochtelein
und Stöffelein
waren im Zimmerlein
nun schon entzweit ...

Kein Erbselein von Linselein zu trennen mehr.
In Kellerassels schlimmster Schwärze.
Pecherne Düsternis nun im trauten Heime.

Der Faule nun wohl weiß immer einen Weg,
missermutigender Arbeit sich entzuziehen.

Nicht umsonst ist blinder Prinz er ja geworden.





********************:rolleyes:
*:rolleyes:
:rolleyes: :rolleyes:*******:rolleyes: **** :rolleyes:
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geschrieben von: Mahsheed



Ich habe gerade beschlossen, einige sehr interessante Zitate Sir Arthur Conan Doyles (1859-1930)
wiederzugeben.

Die in wunderbar ummantelter Sprache ausdrücken, was ich selbst denke oder zumindest für bemerkenswert halte.



Glaubensweise

"Jeder von uns betet auf seine eigene Art. Meine Art zu beten besteht darin, alles hinzunehmen, was das Schicksal mir auferlegt, und zwar hoffnungsvoll. Die höchste Religion und die höchste Wissenschaft scheinen sich hier zu vereinigen."

(Interessante Ansicht, die in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts viele Geister bewegt haben mag.

Und der ich mich letztlich auch nicht entziehen kann, ohne genaue Erklärungen abgeben zu können, wie ich eine scheinbare Personifizierung Gottes (durch die Ansprache im Gebet) und die Gewissheit einer universellen Gottheit als eine Art übergeordnetes, allbegründendes Prinzip [und dieser Personifizierung eigentlich widersprechendes Äquivalent] vereinigen könnte.
)


Von der Wahrheit und der Wissenschaft

"Wenn wir jedoch bedenken, wie schwach das Licht ist, mit dem unsere Wissenschaft den unüberschaubaren Raum dieser Gesetze beleuchten kann, wie in allen Winkeln Irrtümer wie Irrlichter aufblitzen und uns für lange Zeit erblinden lassen können, so hieße es, die Augen freiwillig zu verschließen, wenn wir jedes unerwartete Ereignis kurzerhand und nur scheinbar skeptisch als Halluzination abtäten."


Halbwissen

"Die Respektlosigkeit der Halbgebildeten hat auf die Wissenschaft einen größeren Störeffekt als die Dummheit des Ignoranten."

(Oh ja.

Bei mir entsteht der Eindruck, dass wir derzeit von einer Flut solcher Halbwissenschaftlichkeiten überschwemmt werden.

Und dass der kritische Geist deshalb um so stärker gefordert ist, für sich selbst zu entscheiden, welcher Aussage er im Hinblick ihres Wahrheitsgehaltes Glauben schenken darf.
)


Ausgleichende Gerechtigkeit

"Ein einziger zeitlicher Moment hatte genügt, um aus Aristokrat, Kellner, Landstreicher und Hund das gleiche zu machen: inaktives, zerfallendes Protoplasma."


Der Apokalypse Zeitlichkeit

"Es ist nur ein zeitweiliger Rückfall ..."
"Die Pflanzenwelt [...] überlebt ..."
"Aus diesem Pflanzenleben, ob es sich nun in einem Teich oder im Marschland befindet, werden sich irgendwann mikroskopisch kleine Schnecken entwickeln, die die Pioniere jener gewaltigen Lebensarmee sein werden ..."
"Wenn sich erst einmal die niedrigste Form des Lebens etabliert hat, ist die Ankunft des Menschen so sicher, wie sich aus einer Eichel ein Baum entwickelt. Und der alte Zyklus beginnt von neuem."

(Interessante Vorstellung eines Jenigen, der sich Zeit nahm, über elementare Fragen nachzudenken.

Man bedenke, dass diese Gedanken in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts entstanden sind.
Heute weiß man um die besondere Resistenz von Insekten.)



Der universale Tod

"Wir sind gesunder als zuvor und genießen die Freuden des Lebens herzlicher; deswegen sind wir auch reicher als früher, selbst nachdem wir für die Anhebung dieser Lebensqualität einen hohen Preis in eine gemeinsame Kasse zahlen mussten."

(Hier wird aus der Perspektive der im Roman Überlebenden einer Katastrophe gesprochen.)





geschrieben von: Mahsheed



Und hier einige sehr schöne Gedankenfetzen und Zitate von Kay Nolte Smith (+1993)


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"Mit Respekt, ich gebe niemals Auskunft über meinen Namen, auch wenn schon viele mich danach gefragt haben."

"Sie sind nicht dumm. Sie sind nur unwissend."
"Unwissend sein, heißt nicht wissen.
Dumm sein heißt, nicht wissen wollen."

"Lass sie dich bewundern, aber lass sie nicht in dein Leben."

"Warum kann man sich, wenn man zu dem Schluss gekommen ist, dass gewisse Dinge gut und erstrebenswert sind, nicht zufrieden geben?"

"Wenn ich manchmal Männerkleider anziehe, dann nur, um zu zeigen, wie gleichgültig mir der hohle Schein ist, dem die Arglosen so leicht erliegen und den die Listigen zu nutzen wissen."

"Ich muss mich an seinem Gespräch und an seinem Witz erfreuen können. Ich muss seinen Mut und seine Zuverlässigkeit bewundern, etwas Reines in seiner Seele spüren können. Ich weiß nicht warum, aber so ist es nun einmal. Vielleicht haben mich die vielen Jahre im Dreck der Straßen gegen den Dreck des Geistes allergisch gemacht."

"Und was sollte er nun anfangen, ohne dieses Begehren nach ihr, das ihn wahnsinnig gemacht hat und zugleich am Leben erhalten hatte?"


Bedeutsamkeit des Augenblicks

"Was wollte sie damit sagen? Dass sie nicht wieder fortgehen würde? Daran durfte er nicht glauben. Das hatte sie schon einmal versprochen, und dann war sie doch gegangen. Er würde nicht darüber nachdenken, nicht fragen, was sie meinte. Er würde einfach den Augenblick leben."


Ästhetik

"Die moderne Muse wird erkennen, dass nicht alles in der Schöpfung nach menschlichem Ermessen schön ist, dass das Hässliche neben dem Schönen existiert, das Ungestaltete neben dem Anmutigen, das Groteske auf der Kehrseite des Erhabenen, das Böse mit dem Guten, der Schatten mit dem Licht."

"... das Reale resultiert aus der natürlichen Verbindung zweier Typen, des Erhabenen und des Grotesken, die sich im Drama überschneiden, wie sie sich im Leben und in der Schöpfung überschneiden. Denn die wahre Poesie, die vollkommene Poesie, ist die Harmonie der Gegensätze ... alles, was in der Natur ist, ist in der Kunst."


Perfektion

"Die Perfektion, meine Liebe, ist ein Ziel, dem man sich verschreiben kann, ohne es je zu erreichen."


Kommunikation

" ... jedes Mal wieder werde ich verblüfft sein, das ich das kann - dass ich die Bilder meiner Phantasie anderen mitteilen kann. Das ist eine Art der Kommunikation, die intimer ist als körperliche Vertraulichkeit, denn seinen Körper kann man geben, ohne sich hinzugeben, nicht aber die inneren Bilder."


Freiheit

"Sollte die Vergangenheit immer sakrosankt bleiben, wie diese hochmütigen alten Männer das haben wollten? Sollte man bis in alle Ewigkeit alles genauso machen, wie es bisher gemacht worden war? Die alten Männer hatten die Welt geschaffen, in die sie hineingeboren worden war, und ihr Werk war nicht gut."

" ... dem eigenen Sinn und dem eigenen Herzen zu folgen, anstatt immer nur der Tradition."

" ... es spielt keine Rolle, was andere denken. Wenn du der Überzeugung bist, richtig gehandelt zu haben, dann steh dazu."

"Sie nahmen ein Abenteuer auf sich, das nicht nur körperlich anstrengend war, sondern das sie sicher auch seelisch belastet hat." Sein Ton war weder kritisch noch anklagend, sondern völlig sachlich. "Warum haben Sie das getan?"
"Weil ich Gefängnisse jeder Art hasse, ob sie nun den Körper, die Seele oder den Geist gefangenhalten."


Warum wir sind

"Ich bin der Auffassung, dass Ideen und nicht Gewalt der Welt das Gesicht geben müssen."




geschrieben von: Mahsheed

Die Augenzeugin




Es gab eine Zeit, da lebten Wesen, die wir heute nur noch aus Märchen alter Tage kennen.
Da zählten Dinge ganz selbstverständlich belebt, denen wir heute Geist und Seele absprechen.

Dereinst wurde ich Zeugin einer sich ereignenden Begebenheit.

Inmitten einer sehr großen Gebirgslandschaft suchte sich ein Fluss seinen Weg durch die Pflanzennatur.

Wunderschön war sein Wasser, spiegelte es doch das Licht der Sonne und das Antlitz des Himmels wider; wurde seine unruhige Oberfläche doch von vielen nimmersatten Strudeln verziert.

Ausgeschlossen war jeder Zweifel an seiner Erhabenheit, seiner alleinigen Macht in diesem Reich. Dieses Reich, welches sich ihm zu Füßen legte und sich wie unterwürfig um seine Ufer schmiegte.
Er war ein sehr gestrenger Herrscher, der keine Gnade kannte und alles mit sich riss, was versuchte, Widerstand zu leisten.

Da herrschte er nun über sein Reich.
Und eigentlich hätte es ihm an nichts mangeln dürfen.
Wenn sich da nicht ein Gefühl der Leere in ihm Platz geschaffen hätte, das schwerer als Hunger in ihm rumorte und seine aufgebrachten Wellen noch missgelaunter an ufernahen Felswänden zerbersten ließ.

Meine Kleider hatten schon einige Spritzer des kalten Wellenwassers abbekommen.
Um an diesem Herbstabend nicht völlig durchnässt zu werden, entfernte ich mich etwas vom aufgebrachten Flussufer.

Als ich glaubte, meinen Augen nicht trauen zu können.
Am entgegenliegenden Ufer passierte etwas schreckliches, gegen das einzugreifen ich ohnmächtig gewesen wäre.

Da war dieser junge Mann, den ich schon vor einiger Zeit am anderen Ufer entlang spazieren sah.
Ich hatte mich nicht weiter um ihn gekümmert, wenngleich es nun doch seltsam war, dass hier in dieser menschenleeren Stille außer mir noch jemand seiner gedankenverlorenen Wege zog.

Während ich mich vom Ufer entfernte, musste er wohl dessen Nähe gesucht haben, um vielleicht Wasser zu schöpfen und sein Gesicht damit benetzen zu wollen.
Durch plötzliche erstickte Schreie wurde ich auf das Unfassbare aufmerksam.

Als ich mich erschreckt umdrehte, sah ich, wie die silbrigen, vermeintlich harmlos wirkenden Wirbelstrudel des Jünglings Hände und Füße erfassten und sich ihre gläsernen Tentakeln als unlösbare Schlingen um Arme, Beine und dann den gesamten Leib wanden, um ihn in spiralförmigen Bahnen hinab zu ziehen.

Wolllüstig toste und tobte der Fluss, riss den Schopf des Jünglings in dessen Nacken und zwang ihn somit tief in sein Inneres hinab, um nun seinen zur Unkenntlichkeit gereiften Hunger zu stillen.

Ein schauderlicher Anblick, der sich immer nur für wenige Momente meinem Sichtfeld offenbarte, wenn es dem Jüngling gelang, sein Gesicht aus den Wellen zu halten, um panisch nach Luft zu ringen.

Gefesselt, wie zu Eis erstarrt, folgte ich dem Trauerspiel.

Dabei muss mir entgangen sein, wie jenes Wesen,
das eigentlich nur in Meeren beheimatet ist,
am Ort des Geschehens auftauchte.

Dieses zwischen Luft und Wasser schwebende Nymphenwesen muss die Rufe des Ertrinkenden bis auf das weit entfernte Meer hinaus vernommen haben.

Qualvoll quollen blutige Tränen aus seinen tiefschwarzen Augen, um sich alsdann unbemerkt im Salzwassers zu verlieren.
Allemal jedoch ausreichend, um seinen Entschluss zu bestärken, den Ertrinkenden zu retten.

Sehr sehr schnell und sehr sehr weit, unter unmenschlichem Krafteinsatz muss es der Strömung entgegen geschwommen sein, um die Macht des Flusses,
um dessen unbändige Leidenschaft
und um die Ungnade wissend,
in die es unweigerlich fallen würde.

Es wagte zu hoffen, ihm dieses - doch nur dieses eine - Opfer zu entreißen, das noch immer weder tot noch lebendig zwischen zweierlei Welten schwankte.
Pfeilschnell stürmte es zum Diesseits Entschwindenden, wand sodann bemächtigend und doch liebevoll seine Schlangenflosse um den wie marionettenhaft pendelnden Leib,
versuchend, ihn über Wasser zu halten und zu erwärmen.
Nur war es bereits zu spät.
Es blieb ihm allein, letzten Lebensgruß mit ihm zu teilen.
Unaufhaltbar flossen die letzten Tropfen Menschenblut in den nimmersatten Schlund der Wassertiefe.

Der misstrauische Fluss spürte in den Tiefen seines Inneren neben der Wärme des entströmenden Blutes die des Nymphenherzens sich in seinem Reich verteilen.

Zornig beschloss er sich zu rächen und ließ, Gedanken an Einsamkeit vergessend, seine totbringenden Boten die Spur des Nymphenwesens aufnehmen.

Dunkel war der Kampf.
Der Fluss verlor sein leuchtendes Blau.
Stattdessen schimmerte er jetzt verhangen violett,
und die Gischt erschien mir schäumender denn je.

Schnell rannte ich weiter, dem Flusslauf folgend,
als ich später zwischen den Schuppen seiner rauen Wellenhaut zwei Körper hintereinander treiben sah.
Erst einige Zeit später verleibte sich der Herrscher seine Beute ein, um sie in den Abgründen seiner Nässe zu bergen.

Der Fluss glänzte nun wohlgenährt im Lichte des aufgehenden Mondes. Stolz und in seiner Macht bestätigt fühlte er sich und schien sich den welligen Bauch zu streichen.

Im geglätteten Wasser spiegelten sich sanft die Sterne.
Die schlafende Natur lag ihm wie zuvor, in die Schwärze der harmlosen Nacht gehüllt, zu Füßen, so als wäre sie einen Moment lang blind und taub gewesen.




geschrieben von: Mahsheed

Der Mund ist mir trocken geworden, so lange habe ich erzählt.

In meinem Garten ist nun die Dunkelheit angebrochen.

Es ist wunderschön hier, weil ich alles sehen kann, was ich möchte!

Es ist doch möglich, sich das Leben zu versüßen!
Man möge nur die Augen schließen.

Die Finsternis hat sich herabgesenkt und die wild wuchernden Grasfelder in Schwärze erstarren lassen.
Ich berausche mich an einem erfrischenden Getränk und werde zu

The Moon Lay Hidden Beneath a Cloud

auf diesen Wiesen tanzen.

Währenddessen hinterlasse ich hier noch ein Gedicht.
Ich denke, ich lasse es so ungeschliffen, wie es ist.




geschrieben von: Mahsheed


Kerze





Kerze

Dein Licht ist so warm!

Ich sehne mich so nach deiner heißen Nähe,

Dass ich mich zügeln muss,

Meine Hand nicht in deine

Flamme zu halten



Refrain:




Die Kälte...eines...Tränensees,

Des.......Eises......vom.....Polar,

Schneesterne..am..Fensterglas

Eiszapfen........ so.............klar.

Es..ist..so..kalt..als..stünde..ich

Nackt..in..dem..vereisten.. Wald.

Oh..Mutter..Feuer..wärme..mich,

Ich.....danke.....es.....dir.... bald!





Kerze,
Dein Licht ist so warm!
Den Schmerz spüre ich nicht.
Als meine Haut
Blasen schlägt,
Als meine Nase
Schmorenden Duft gewahrt.

Refrain

Kerze,
Dein Licht wird so hell,
Denn gut genährt will deine Feuerquelle sein!
Als meiner Hand Fleisch
Wie deines Körpers Wachs
Schmilzt und
Tropf für Tropf
An dir entlang rinnt.

Refrain

Kerze,
Oh Mutter des Lichts!
Nur Knochen ragen
Stück für Stück
Aus meinem Gelenk hervor.
Selbst die Nägel lässt du dir munden.
Doch warm ist mir noch immer nicht.





geschrieben von: Mahsheed





geschrieben von: Mahsheed





geschrieben von: Mahsheed

Du
........................Das Sehnen


http://trine.homedns.org/images/medium/diversikum/schwarz-weiss/fenster.jpg







Wie Phönix aus der Asche steig

Aus einsam tristem Kellerleben!

Steig auf!

Wenn sich die Sonne neigt,

Sollst du noch Sternenpracht erleben.




geschrieben von: Mahsheed

Erinnerung
an eine großartige Persönlichkeit

Mary Wigman



Das übergeordnete Warum

"Das Menschenopfer ist Sinnbild des Opfers, das jeder einzelne Mensch durch seinen Tod dem Leben bringen muss, auf dass es in seinem Fluss nicht gehemmt wird."


Das irdische Wie

"Kein leises Stöhnen, kein Jammern, kein schweres Anhusten, kein Atemzug, kein zärtlicher Ruf - Schweigen. Kalte Zugluft [...]

In ihrem Bett die kleingewordene, stille Gestalt [...]

Die Majestät des Todes hat sich über das vertraute Gesicht gebreitet, hat Krampf und Leiden ausgelöscht und es in unendliche Ferne enthoben. Weltenfern, unnahbar, unantastbar,
eisig. [...]

Das was bleibt, ist nun nicht mehr fassbar in einer menschlichen Gestalt, ist nur noch in mir selbst beschlossen, versenkt, lebendig als liebendes Erinnern."


"Die sieben Tänze des Lebens

Tanz der unerlösten Sehnsucht
Tanz der Liebe
Tanz der Lust
Tanz des Leides
Tanz des Dämons
Tanz des Todes
Tanz des Lebens"




geschrieben von: Mahsheed

Und hier noch ein Teil
aus dem poetischen Allmanach ...
damit die Sammlung hier fast vollständig wird ...

Ich brauche stets ein wenig Unkraut
in meinem Garten ...

Unkraut vergeht nämlich nicht.




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II.......(../....\
II......(..{......}
II.....(..{°°°°..}....
II.....(.{°..http://www.plaudersmilies.de/skull.gif..°}....
IIi.....(.{°°°°..}...
III.......\.\...../.....
.IIIi.......\ i^/....
..IIII





Gegen das Verdrängen von Wahrheiten



Modrig grüne Fliesen
erbrechen sich und sprießen
aus krummer, etwas dummer Wand heraus,
bewirten jede Rattenlaus.
Sie keimen,
ja summen langer- kurzerhand.
Uns zu beweisen,
Leben zu erzeugen, Hirne zu bereisen.
Selbst beim lautlos Vegetieren.
Wir sollten uns dem beugen!
Sie willkommen heißen!
Bewunderung erzeugen!
Die Aussage studieren!

Es applaudiert der Vorhang,
glotzt beifallklatschend keimig,
ganz siffig und weiß schleimig
in Ansätzen schon leimig.
Bestätigt diesen Vorgang.
Stolz zeigt sein Stoff den Schmelz,
unheimlich stark betätigt
mit grün bewachs´nem Pelz.

Und auch die Haare im Abfluss
stimmen ein mit Sangesgruß,
in diesen Chor der Wahrheiten,
Verkünderrohr von Klarheiten.
"Das ist das einzig Wahre!"
Denn auch schon sie verwesen,
an grünem Schleim genesen.
Blähen trübe Blasen,
und gleichen grünem Rasen
aus eitrig tropfend Nasen.

Das alles hat sehr tiefen Sinn:
Der Kreislauf bringt den Hauptgewinn.
Erde wird zu Erde,
selbst Rotz und Schimmelherde.

Toleranz bedeutet,
die Wahrheit zu ertragen.
Das Putzen unterdrücken,
Verdrängung zu vertagen.

+

Sarkastische Erinnerung an die Nichtarbeit träger Hauswirte in einem ehmalig von mir bewohnten Wohnheim




geschrieben von: Mahsheed


Geburtshelfer/Amme meiner Träume ...




http://www.beaty625.com/avatar/EAvatar.jpgs ist, als würde es Sterne regnen ...

Und auch diesmal schafft ihr es, meine Gedanken völlig an Euch zu binden und meine Konzentration wie Blut aus den Adern zu rauben.

Noch kenne ich nicht alle Farben der Kleider, in denen Ihr mir schreiben könntet.

Erreichen Euch meine Zeilen in roten oder gar lila Gewändern, so werdet Ihr meine Erregung wohlwollend gestatten, oder sie sogar teilen. Tragt Ihr an diesem Tag jedoch zufällig Blau oder gar Eisblau, so fürchte ich wahrscheinlich mit Recht, dass Frage oder Wunsch von mir missbilligt würden.

Denn wie Ihr bereits wisst, liebe ich Eitelkeit, wo sie mit Recht geschieht ... Inmitten all der Menschen, die sich in den Konventionen der allgemeinen Bescheidenheit suhlen, wie spudelnd und strahlend ist da ein einfacher Satz wie "Schau, wie schön ich bin!" ... Dieser Satz, knapp, kühl und mit Ernst und Recht gesagt, könnte mich eine ganze Nacht lang auf Knien rutschen lassen.

Welcher Künstler hat schon ein zufriedenes Leben führen dürfen ... (Und ich gehöre nicht zu jenen, die glauben, ein wahrer Künstler m ü s s e leiden. Zuallermindest nicht Hunger.)

In dem kleinen Glas, das ich Euch sende, befindet sich eine Flüssigkeit, welche ich selbst sehr schätze und Euch sogar mit eifriger Erregung überreiche ...

Dies um Euren Hunger zu befriedigen ...

Ich danke Euch (auch wenn es Euch erzürnt) für dieses reizvolle Kleidungsstück. Zwar verstehe ich nicht, warum Ihr wollt, dass ich es zerstöre, doch ich werde ohnehin den Teufel tun! Hüten werde ich es als das magisch behaftete Objekt, das es ist. Und das Schöne ist, Ihr könnt mich nicht daran hindern.

Und nun werde ich mich noch eine Weile in den Kosmos Eurer Lippen versenken.

Sie sagt, sie tut es nicht für mich und tut es doch. Und ich liebe das, weiss es zu schätzen, schätze es, will mehr davon und will, dass sie es weiß. Um mich vom Loben abzuhalten, muss sie mir entweder Zunge oder Augen nehmen...



In Röte schwimmend




geschrieben von: Mahsheed



Das folgende Gedicht widmete ich all jenen,
die von einem Sehnen erfüllt sind
und lebenslänglich warten ...

(Nebenher übrigens Current : Imperium V)



Magie

Nachtnicht steinfest erstarrt
Tagnein tränenlos hart
Wo seelenlos Atem nur saugt
Wird alles Lebendige still

Durch eiskalten Zug ausgelaugt
Kein Funke mehr lodern will.

Vom Boden erhebt sich die dunkle Gestalt
Betrachtet die Hände, scheint unzählbar alt.
Auf Knien fällt sie und heult in das Licht
"Warum erbarmst, warum nimmst du mich nicht!"

Wallend bricht Regen aufs Ödland hernieder,
Da öffnet sich himmelwärts grellblendend` Licht
"Welch Gnade! Seit Äonen weinst du nun wieder!"
Ruft laut und selbst klar er wie lange schon nicht.

Reuhevoll tapfer hebt er tragisch` Blick
Zwei Fenster gefüllt voll mit Blut
Geworfen den Kopf ins schluchzend` Genick.
Sein Jauchzen, sein Schrei tun ihm gut.

Gelockt vom weißen Gewitterblitzfeuer
Bebend, sein ganzer Körper erzittert,
Schwebt kraftlos das dunkle Ungeheuer
Dorthin, wo es letzte Erlösung erwittert.

Wo sich der graue Himmel öffnet, dort
Und wittert er den blitzenden Schein,
Will sein er immer und ewig fort;
Erhebt sich willens und strebet hinein.

Und da ...

Als wär sein Körper himmlisch` Zunder
Vor irdisch Augen ungelogen!
Geschieht alsdann ein seltsam Wunder,
Entsteht blutrot ein Regenbogen.





geschrieben von: Mahsheed



Einen weiteren Beitrag für meine Sammlung:
diesmal von


Klaus Kinski:

Demut


Und er ging durch seine Straßen und sah den Vögeln nach, wenn sie flogen und lachten - und er verstand ihren Flug - Und er lernte sich aufzuschwingen wie sie - und sein Gang wurde leicht - Und er sah die Hunde und die Katzen, und die Pferde, die schwere Lasten trugen - und er fühlte die Treue, die sie verschenkten, und ihre Demut auch, und er wusste, dass sie von Gott waren -
und als er die Bewegungen ihrer Seelen hörte, in jedem Gang und bei jedem Wetter, und als er sah, dass sie ertrugen und nicht sprechen wollten, - da besah er sich, und wollte so sein wie sie - und er ertrug so vieles und sprach nicht.

Und als er die Blumen sah, wie sie so viel würdig waren in ihrer Verlassenheit, und wie sie verschwendeten, was sie besaßen, ohne zu denken, was der Tod mit den Blüten macht - und die so lebten, sich hinzugeben ganz - da wollte auch er so einfach sein wie sie - und sich mit Sonne schmücken und hingehen, sich hinzuhalten als Glanz -

und als er die Menschen sah um sich, und die große Not, und die Geburt des Kindes und das Aushalten der langen Zeit, da ward er erschüttert von ihrem großen Mut und ihrer Sehnsucht nach Hoffnung, und da besann er sich auf das endlose Schicksal der Welt und verneigte sich tief und wollte ertragen mit ihnen.

Und als er das Werden und Sterben des Jahres erfuhr, wo alles sich fand und sich stellte zum Einklang, und als er alles begriff - da gab er sich hin, es durch sein Beispiel bewusst zu beschwören, dass es so bliebe, und dass es die anderen begriffen außer ihm, und dass die Augen nicht erschüttert würden, alles dies zu schaun - und er wusste, dass ihm nichts selbst gehört, gar nichts - un dass er das, was er erfahren hatte, weitergeben muss, und sich bemühen muss, neu zu erfahren, damit er weitergeben kann.




geschrieben von: Mahsheed



Irritierte Abendgedanken


Kleines Herz verstrahlst.
Leuchtest Adrinalin.
Lachst Plutonium.



Ich darf nicht.


Kann der Glut mich nicht entziehn
Winde mich mit flauem Magen

Flimmernde Plagegeister
des spiegelnden Massenrachens.

Genieße den sagenhaften Augenblick
die Sekunde
die Minute
die belebend freie Stunde

Süße Gewalt
Splitternde Qual und flammendes Meer

Da ist ein Garten voller violetter Fliederblümchen,
zwischen denen ich liege und den Himmel besehe.
Und die Wolken, die formen das Antlitz der Sonne,
die für mich scheint ...

Ich nehme und ich gebe.

Ich lache
Und ich weine.



Ich darf nicht.



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geschrieben von: Mahsheed



Der Todestraum



Und was mir einzig bleibt; dein sterbendbleicher Name.
Oh würd' er brennen doch! Brennt immer noch.





Schier endlos trieben wir auf den Weiten des Ozeans umher, an unseren letzten Lebenskräften zehrend, geschwächt und bis auf die Knochen ausgelaugt, kein Land und keine Chance auf Rettung in Sicht, nur angetrieben von dem letzten Gedanken, sie noch zu finden.

Zuerst sahen wir nur einen hellen Fleck dort auf dem ruhigem Wasser dieser dunkelschweren Nacht, und glaubten trotz unserer hoffenden Vermutung noch an ein Scheinbild, das uns unsere Schwäche trügerisch vorgaukeln würde. Doch als wir näher kamen, erkannten wir tatsächlich die Umrisse eines Antlitzes, vielleicht dieser Frau, die wir so lange schon suchten.

Es gelang uns nun, unmittelbar in ihre Nähe zu steuern, nur greifen konnten wir sie nicht.

Trotz der schweren Dunkelheit sahen wir ihr seidiges Haar auf dem Wasser treiben, ihr weißes Gesicht, seine mädchenhaften Zügen umspülend. Ihre Augen waren geöffnet, blickten starr und wissend in den sternenlosen Himmel. Und blau wie rare Rosen erblühen ihre geschwollenen Lippen, aus denen sich hin und wieder Blasen wie stumme Worte befreiten, und mir schien, als erklänge aus ihnen heraus eine Stimme in die Nacht, süß und voller Leidenschaft ... ihre Stimme.

Das Bild, welches sich uns bot, glich dem eines Traums.

Die Wellen versetzen dieses Gesicht in einen schwingenden Rhythmus. Leichte Vibrationen von Mondeshand veranlassten verschiedene Blumen, ich glaubte Rosen, Gänseblümchen, Hyazinthen, Narzissen erkennen zu können, die sich doch nicht zufällig um sie herum versammelt haben konnten, um sie herum zu treiben wie man es eigentlich nur von Insekten kennt, welche sich um eine besonders duftenden Blüte in Schwärmen zu sammeln pflegen.
Der Wasserbeute Pracht verwob sich in einem Augenblick wie unter Einfluss eines Magnetfeldes mit scheinbar festgelegten Abständen inmitten des rindenbraunen langen, sich im Wassertakt wellenden und wieder lösenden Haares.

Eine Rose floss mit einer kleinen Welle über das sicher weiche und kalte Antlitz, striff die blauen Wasseraugen mit einer ihrer Dornen und verfing sich zwischen ihren weißen Perlenzähnen. Dann entglitt sie den, wie kraftlosen Elfenbeinschnitzereien Wirkenden und gelangte mit dem nächsten Wasserfluss wieder in das offene Meer.

Langsam verendete der Blasen Quelle. Ihr Antlitz wurde mehr und mehr mit Wasser ummantelt. Bald entwich uns der Anblick wie ein uns alle ereilender, ferner Traum, versank tiefer und immer tiefer, bis wir es nur noch als einen weiß flackernden Fleck, der nun ganz in der Tiefe des Ozeans erschwand, erahnen konnten.

Und einer von uns ...

streckte die Arme nach ihrem Gesicht aus, als wolle er es fassen, um es dem drohenden Schweigen der Meeresgründe zu entreißen, um dann in dieser Haltung, mit ausgestreckten Armen und liebevollen Worten auf den Lippen, hinein in die Finsternis des Meeres zu tauchen.

Sein Entschluss war zwingend, und so stieg er über Bord und in die Tiefen hinab.

Sie war uns und auch ihm entglitten und mit ihr ihre und unsere Geheimnisse und all ihr Schmerz, für immer in ihrer Brust begraben.

Die Blumen aber trieben weiter dort, wo sich das wie unwirklich Erscheinende vollzog.

Irgendwann würden sie ihren Weg zum Strande finden, selbst, wenn es auch uns nie nie wieder gelingen sollte, heim zu kehren, als stumme Zeugen nicht zu bezwingender Wahrheit.




geschrieben von: Mahsheed

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Umnachtung


Sollt sein in einer lauen Nacht,
Wo Käuzchen schreit und Uhu lacht,
Dass ich mein Bett verlassen hatt
Müde war, des Lebens matt
Und ging derlang durch Mondes Schein
Tief, tiefer noch zum Wald hinein.

Dort nahm ich meine Hände dann,
Wie Krallen steif geballt,
Und hab so sehr ich können kann
Den Boden aufgekrallt.

Und später dann vor Morgengraun,
Da hab ich froh gelacht,
Konnt endlich in mein Grabe schaun
Hineingelegt, tief ausgehaucht
Die Augen zugemacht.

Wie habe ich das stets gebraucht,
Nur nie Ideen zu End gedacht.
Mein Bauch war frei
Mein Kopf war froh,
Und meine arme Seele floh,
Wohin, das war ihr einerlei,
Nur nimmermehr ein Wort
Und fort von diesem Ort.

(Mahsheed)






Etwas, was mir gefällt:


"Schau den Mond.
Sehr seltsam sieht er aus.
Wie eine Tote, die nach Toten sucht."



(Oscar Wilde)





geschrieben von: Mahsheed



Das Nachtkäuzchen


Ein kleines Käuzchen flatterte eines Nachts hernieder und setzte sich sehr zutraulich auf meine Schulter. Ich hoffte still, dass meine Schulter es tragen und keine meiner Laute oder Bewegungen es verschrecken würden. Leise sprach es mir ins Ohr, zwitscherte allerhand nächtliche Melodien. Schöne, warme, samtige Melodien. Wie es nur dazu kam, gerade in mein Ohr seine Reinlichkeit wie Brillanten hineinzurieseln. Ich fühlte mich gelähmt unter diesem wohltuendem Schauer nächtlicher Vogelgastlichkeit.

Viele Nächte vergingen wie im Flug und immer wieder erschien das Tier an meiner Seite. Es war, als wäre ich jedesmal, wenn mein kleiner Freund auf meiner Schulter landete und mit mir sprach, im Land meiner Wünsche. Sanft hauchte ich ihm zu jedem Abschied einen Kuss auf seinen Schnabel, strich behutsam über sein nachtfinsteres Gefieder.

Am Tage, wenn ich meinen Freund missen musste, gedachte ich seiner und bildete mir ein, seine fernen Rufe, weit hinter dem Waldrand verborgen, zu vernehmen.
So wurde mir auch der Tag zur traumhaften Nacht, und mein Leben schien einfach nur schön. Ich schwamm mit ihm, wie auf einer riesigen vollmondschwarzen Woge, einer Welle, die mich erfasste und der ich mich ergeben konnte wie dem Schicksal. Es war, als zeigte mir mein Freund den Sinn von Leben, eben, sich über einen solchen keine Gedanken zu machen, glücklich Wärme zu fühlen, zu leben. Es war nicht mehr, was ich zum Leben brauchte, mein Leben lebte sich von allein in meinem Traum, meinem Traum von ewiger Nacht.

Ich habe mir seither gewünscht, dass dieser Geschichte in keiner Weise dramatisch endet. Mag mir gar nicht vorstellen, dass diesem kleinen Wesen, was ich so sehr liebe, auch nur ein Federchen ausgerissen werden könnte oder meine Schultern einmal so kreis oder krank werden könnten, das kleine Gewicht erschütternd zu verunsichern und zu vertreiben, wünsche, dass mein Ohr immer hört und meine Zunge immer spricht.
Oh Zungen, ich mag sie ungespalten, und erhoffe mir die Kraft, das kleine Tier stets mit Stücken meines reinen Herzens nähren zu können, brillantenklar.

Der Morgen graut, ich strecke den Arm aus, um meinem Freund den Flug zu erleichtern. Es ist Tag geworden und Zeit zu fliegen und zu träumen. Am rotflammenden Himmel mit seinem tiefstehenden großen Feuerball sehe ich das Käuzchen auf den schwarzen Waldrand zufliegen, dabei scheint es so, als würde es im Fluge Funken sprühen, kleine brillantene Funken, die das Licht der aufgehenden Sonne in Sterne verwandeln.





geschrieben von: Mahsheed



Voller Liebe


In meiner zerrütteten Eintagswelt
ist plötzlich die Nacht zum Tage geworden.

Ich schaue in dein liebes Gesicht
wie in einen Sonnenschein,
lächle dich an und weiß:





Ich darf jetzt.


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geschrieben von: Mahsheed



Und wenn Sie meinen bemerkt zu haben, dass Wir uns nicht zu Worte melden, so irren Sie nicht ... Das ist durchaus gewollt, nur können Wir nicht Verantwortung dafür tragen, dass Sie außerstande sind, Unser Wesen zu erkennen und Ihre primitiven Ansprüche weiterhin an uns richten, als sei es selbstverständlich in jenem Rahmen zu denken, welcher Ihrem kleinen Geist in engen Bahnen zu sehen befielt.

Sie können reden und reden, aber gehen Sie nicht davon aus, dass deshalb für Uns Veranlassung bestünde, Ihrem Gefasel aus leerer Luft Beachtung zu schenken. Wir werden darauf nicht eingehen, und wenn Wir handeln werden, so bilden Sie sich ruhig ein, dass es aufgrund Ihrer Veranlassung geschehen ist ... Sicher gibt diese Art von Illusionen Wesen wie Ihnen den einzigen Auftrieb, der Ihrer armseligen Existenz Legitimation
verleiht, wenn auch nur vor Ihnen selbst erteilt, da Sie sonst mit Ihren belanglosen Worten keinerlei Ohr gewinnen würden.

Lassen Sie sich nur dies eine hier gesagt sein, denn es widert Uns an, Ihr Blut zu trinken!



(Das Überich und das Ich an die verdrängten Impulse des Es, befindlich im Unterbewusstsein, und ängstlich vertrieben im Angesicht von Erinnerungen an alte Konflikte, die an die Oberfläche zu streben drohen)






geschrieben von: Mahsheed



Es lebte vor einiger Zeit, eine Frau, die ich durch glückliche Umstände kennenlernen durfte. Sie war schon 92 Jahre alt aber messerscharf bei Verstand.

Die vielen Jahre verstärken die Eigenart und die Denkweise der Menschen, die sich wohl regelrecht eingeschliffen haben. So war es auch bei ihr, wenn sie sprach, wirkten ihre Sätze und Gedanken so abgerundet, so geschlossen, befriedigend vollständig ...

Wenn ich aus ihrer Tür ging, war ich immer glücklich. Fühlte mich gestärkt und hegte eine heimliche und euphorische Freude in meinem Herzen.

Sie war ein ganz besonderer Mensch. Ganz gottesfürchtig war sie, und sehr liebevoll und nachsichtig. Sie nahm Anteil an allem, was ihr andere Menschen mitteilten, verarbeitete es in ihren Gedanken so, als würde es sie selbst und persönlich betreffen. Ganz gewissenhaft war sie, ein sehr nachdenklicher Mensch. Ich mag sowas so sehr. Und sie hatte für alle ein liebes Wort übrig. Ich glaube, jeder der bei ihr war, hat sich hinterher ein bisschen besser gefühlt.


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Automatisch hat sie mit ihrer Art bewirken können, dass die Menschen ihr respektvoll entgegen traten und sich von den guten ihrer vorhandenen Seiten zeigten.

Ich habe ihr Aussehen bewundert und ihre Hände streichelnd nehmen dürfen. Sie hatte so weiche Hände! Es ist nicht zu beschreiben wie schön ich diese alten Hände gefunden habe! Noch nie haben mich andere Hände in dieser Art beeindruckt wie die ihren ...

Die Haut ihres Gesiches war ebenso besonders, ganz ganz weich und edel legte sie sich in zierliche, filigrane Falten, denen sie mittels Kraft ihrer Art zu formen befahl. Wenn sie erzählte, bildeten sich viele feine Hautbögen auf der Stirn, weil sie ihre Augenbrauen hoch geschoben hat über all das, worüber sie berichtete, denn ihre Augen haben so vieles beobachtet und sich darüber geweitet.

Ich weiß noch, dass sie ein schweres Leben hatte und öfters äußerte:

"Das Leben ist ein Kampf ..."

und

"Kälte, Dunkelheit und Einsamkeit waren schon immer meine Feinde ..."

Es war traurig, eine Frau, die so viel geben konnte, Glückliches verursacht hatte, wollte nicht mehr leben. Es lag, so denke ich, nicht an den Umständen, in welchen sie lebte. Es war das Leben an sich, ihre Sicht darüber.
Sie stand nicht mehr aus aus ihrem Bett, wenngleich sie noch laufen konnte und sie wollte sterben, und weil ihr Körper zu stark war, hat sie ihn in vollem Bewusstsein tot gehungert und gedurstet.

Das habe ich erfahren, als ich später zu ihr kommen wollte.

Anstatt zu trauern, hat sie mich gelehrt, dass es Wissen und Erklärungen für vieles gibt, was man einfach noch nicht verstehen und in meinem Alter wohl nur mit Trauer beantworten kann, was jedoch gar nicht traurig sondern sinnvoll und gut ist.

Und trotzdem sie so weise war, mag ich nicht hoffen, dass ihre Sicht der Dinge die einzig wahr bleibende ist. Vielleicht ist das Leben ein Kampf. Doch vielleicht ist das Kämpfen das einzige, was glücklich macht.






geschrieben von: Mahsheed

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Die Friedensrose
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"Ach wenn doch wieder Frieden wäre!",

sagte die rote Rose voller Sehnsucht
und schüttelte ihr dunkles Köpfchen
wie ein sich mausernder Sperling.
Es erschien mir, als ob es
winzige rote Tröpfchen purpurnen Blutes
aus seinem blätterndem Gefieder schütteln würde.

Als ich noch angestrengter hinsah, gewahrte ich,
dass es diese auf den leblosen Boden träufelte,
der nun wunderbarerweise fruchtbar wurde.

Ich sah noch mal zu ihr hin, und meinte,
mir den Schlaf aus den Augen wischen zu müssen,
denn sie wurde immer farbloser und farbloser.

Und als sie endlich hell wie Schnee war,
verwandelte sie sich in eine strahlend weiße Taube,
die sich immer höher und höher in die Lüfte begab
und zum Lichte strob.

Das Licht wurde wohl wach,
denn es begann nun mit seiner Leuchtkraft,
die Erde zu begatten, und sie begann zu blühen.

(Mahsheed 2003)






geschrieben von: Mahsheed

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Rosenmär vom zornigen Jüngling



Es war dereinst ein Jüngling,
und wollt´eine Rose brechen,
weil gut sie ihm so gefiel.
Da hat ihm die Rose dabei zur Wehr
die Finger ganz zerstochen.

Der Jüngling war voller Zornesnatur.
Und weil er wütend erbrannte,
brach er die Rose zur Rache.
Und hat den Blütenkopf ihr
mit den Füßen garstig zerstampft.
Dabei dann hat ihm eine Dorne
zu seinem Leid und zur ihrer Wehre nur,
mitten in sein Herz gestochen.
Helfen sollte ihm keiner;
alle schrie er nur des Verschwindens an.
So hat er viele Jahre gedarbt.
Und ward an seinem eignem Zorne versauert.

Bitter vergingen die Jahre,
und erst als der Herbst dann
graues Haar ihm vermachte,
hatte er den Herren um Erbarmen gebeten.
Da hat der Herr ihm
die Lippen auf das Herz gesetzt
und den Stachel ihm daraus gesogen.

Nun konnte der Greis entschlafen,
befreit vom finstrem Rachezorn
und mit dem ersten Lächeln,
das sein Antlitz je kannte.
Schön war er wie ein Kind.
Und der Herr hat ihm,
als er im schwarzen Sarge dar lag,
eine dornige Rose auf die Brust gelegt,
und die Dornen schmiegten sich sanft.

(Mahsheed 2003)




geschrieben von: Mahsheed



(namenlos)


Es lebte einst eine Frau, und es lebte einst ein Mann, denen wollte das Glück länge Zeit nicht hold sein, und so blieben sie so lange kinderlos, dass sie vergaßen, auf den erhofften Nachwuchs zu warten.
Die beiden hatten einen wunderbaren Garten mit Bäumen voller Früchte und Sträucher voller Beeren, denn vom Verkauf der reichen Ernte sicherten sie ihr Überleben und trösten sich mit der Freude an der Arbeit über das Ausbleiben der so sehr ersehnten Kinder hinweg.

Eines Tages trug es sich zu, als die beiden auf dem Basar ihre Früchte feil boten, dass ein altes armes, in völlig zerschlissenen Kleidern vermummtes Mütterlein auf sie zukam, aus einem der Tröge eine ihrer schwarzen süßen Datteln zwischen ihre Finger nahm und diese in die Sonne hielt, so als könne sie diese durch die Dattel hindurch deutlicher sehen. Dabei sprach sie mit fadendünner Stimme:
"Gebt mir einen Krug von diesen Datteln, und ihr werdet eine Knolle erhalten, mit welcher ihr eine prächtige Safranpflanze ziehen könnt."
Mann und Frau sahen sich an, wussten doch, dass der Wert einer Wurzel jenen der reifen, honigschweren Datteln längst nicht erreichte. Doch weil sie ein gutes Herz hatten und weil sie sahen, wie dürr und ärmlich die Alte war, ließen sie ihr zwei Körbe und zwei Tröge, und die Frau half der Alten beim Tragen.

Sie bedeckten die Knolle mit Erde und Wasser und überließen sie dem glänzenden Sonnengold.
Bald schon begann die Planze zu keimen, und bald wucherte und wucherte und wucherte sie. In wundersamer Weise wucherte sie riesengroß und verhalf den beiden Leuten zu großem Reichtum.

Einmal wollte der Mann in den Garten und mit freudiger Dankbarkeit die wundersame Pflanze gießen gehen, da sah er, dass sich ihre Blätter braun verfärbten ... Als er genauer hinsah, da erkannte er den Grund.
Es war ein dünner Rosenstrauch, der nun genau dort wachsen wollte, wo es die Safranplanze tat. Der Mann eilte, um seine Frau zu holen. Kaum wieder an der Pflanze, schlug er ihr den knospigen Rosenkopf ab ...
Da weinte die Frau um den Verlust der nun niemals erscheinenden Blüte. Sie hob sie vom Boden, und viele Tränen benetzten den weichen Knospensaum. So sprach sie zu ihrem Mann:
"Wenn wir doch kein Kind nun haben dürfen, so wollen wir die Rose so hegen, als wäre sie eines!"
und setzte die tränenglänzende Knospe auf den entköpften Stiel der Rosenpflanze.
Auch der Mann weinte mit ihr bitterlich über seine Tat:
"So sprichst du recht, denn was schon nützt all der Reichtum, ohne ein Kind bleiben doch wir im Herzen arm."

Und wie sie da standen, verwuchs die Rosenknospe vor ihren Augen wieder mit dem Stiel, wuchs und wuchs und wuchs. Und schon am nächsten Morgen brachen aus ihr zweierlei Rosenköpfe hervor ... Und am Abend noch desselben Tages, da war es vollbracht.

Da entstiegen der Rosenpflanze zweierlei Mädchen, doch beide waren sie am Kopfe untrennbar verbunden. Mann und Frau weinten vor Freude und Unfassbarkeit. Und auch die sonderbare Verwachsung wollte sie nicht stören, die beiden Mädchen wie ihr Augenlicht zu lieben.
Die einem links im Angesicht gegenüberstand, tauften sie Laleh und die ihnen rechts im Angesicht gegenüberstand, tauften sie Ladan.

Laleh und Ladan waren zwei so liebenswürdige, nette und kluge Mädchen, dass sie im Dorfe von den Leuten geliebt wurden. Denn das war die Nahrung der beiden Kinder; die Liebe und das Lächeln der Menschen um sie herum ließ sie niemals verhungern.

Frau und Mann waren glücklich und dankten ihrem Gott und gedachten der Frau, die wohl die Botin seines gesandten Schicksals gewesen sein musste.

Wo Laleh und Ladan auftauchten, da war das Glück in ihrer Nähe, da wo sie gingen, erblühten die Rosen in leuchtenden Farben und ein fröhliches Singen erklang aus den Kehlen der Vögel.

Doch Laleh und Ladan wurden mit den Jahren immer ernster und ruhiger. Obwohl sie wohl das engste Verhältnis zueinander hatten, das Geschwister haben können und trotzdem sie die liebsten Eltern hatten, die sie mehr liebten als ihr eigenes Leben, weinten Laleh und Laden jeden Tag und jede Nacht heimlich viele Tränen.

Der Grund war schier unerklärlicher Natur ...

Das Leben um sie wurde ruhiger und gleichzeitig lauter, die Zeit schien die bunte Pflanzenpracht in den matten Mantel auferlegter Bedeutungslosigkeit gefesselt zu halten. Die Gier hielt Einzug im Land und das beginnende Wissen, um das Überleben kämpfen zu müssen.
Das alls kannten Laleh und Ladan nicht, doch Tag für Tag, Woche für Woche und Jahr für Jahr vernahmen sie die Stimme der Gier deutlicher...
Blumen blieben plötzlich unbeacht, und das Land wurde von grauem, metallischen Nebel bedeckt. All der von Natur aus gegebene Reichtum, der den Menschen ohnehin beschieden war, zählte gar nicht mehr, und das Gute in den Herzen blieb von nun an ungesehen und die Stimmen der Vögel ungehört ... Stattdessen wurden Herzen zu mechanischen Pendeln, füllten sich mit schwarzen Dornen, die das Lachen und das Glück im Leben der Menschen verzehrten und den Keim dafür säten, dass plötzlich über die beiden Schwestern gelacht wurde oder man sie gar wegen des eigenwilligen Wachstums bedauerte.

Laleh und Ladan hungerten, denn keine Liebe außer die ihrer unermüdlichen Eltern konnte sie mehr erreichen ... Und langsam ergriffen schwarze Dornen auch von ihren Herzen Besitz.
Sie fühlten sich immer leerer, und Trauer bereitete sich in ihren Magen ein stachliges Nest.

Beide sehnten sich nach einem neuen Gut, das ihnen so kostbar erschien, wie einst ihren Eltern die Erfüllung ihres Kinderwunsches: Das Ansehen.

Ohne Ansehen würden sie niemals mehr Liebe und Geborgenheit bekommen. Und Liebe und Geborgenheit bekämen sie, so glaubten sie, nur durch liebende und begehrende Männer, die ihnen Kinder und Freude schenken würden. Doch dieses Ansehen war eine Ware geworden, die weitaus schwerer zu erwerben war als der Safran einer verzauberten Wunderpflanze.

Nur wenn jede für sich so schön wie eine Rose wäre und wenn jede so edel gelte, weil sie durch Fleiß und Klugheit bewiesen hätte, in einem angesehenem Beruf zu arbeiten, dann erst würde ihnen dieses Ansehen beschert werden können ...

Und plötzlich wurde ihr Wunsch nach Freiheit so groß, dass sie einander stritten, einander wohl noch liebten, aber hassten zugleich, und mit Tränen und Feuer in den Augen gegen harte Wände liefen oder den Kamm bei der gemeinsamen morgentlichen Pflege grob über die gemeinsame Kopfhaut rissen, bis diese blutete, um einander weh zu tun. So verzweifelt waren sie geworden und dünn und ausgezehrt vor schier unbändig gewachsenem Hunger.

Wenn sie es gekonnt hätten, so wären sie sich wenigstens in die Arme gefallen. Sie konnten nicht vor einander fliehen, und auch reden mussten sie miteinander, obwohl sie die Stimme der eigenen Schwester nicht mehr zu vernehmen wünschten.
Wo sie früher einander liebten und lachten, fielen nun nur noch ihre Tränen ... Und wo sie auf den Boden tropften, da verwandelten sie sich in weiße Rosenblätter.

Laleh und Ladan wollten lieber sterben, als dort zu leben, wo sie kein Glück und kein Lächeln mehr sahen und wo der Schlüssel das Ansehen war, das allein beides als einziges zurück bringen konnte.

Irdische Wege erkannten sie nicht und auch vom Glauben waren sie soweit abgekommen, dass sie bereit waren, den Pakt mit der Unterwelt zu schließen. Alles was sie noch hatten, waren dreierlei Dinge, so glaubten sie: Würde, Stolz und ihr Leben ...

Zum letzten Mal gemeinsam entschlossen, und blind für den Kummer ihrer wehklagenden Eltern, die vor Gram alt und krank geworden waren, klopften sie mit längst leerem Herzen am Tore des Schaitans und priesen an, was sie für das Ansehen bereit zu zahlen waren. Der Schaitan rieb sich die großen wulstigen Hände und befahl seinen Lakaien, Laleh und Ladan im Fackellicht vor vielerlei Augen ausleuchten zu lassen.

Auf einer großen Tribüne führte er sie vor... Und um sie herum erklang der hechelnde Wirbel gierender Trommeln. Wie ein Irrlicht schwänzelte er um ihre Beine, erschien mal neben der Wade der Einen alsdann neben der Wange der anderen. Zähnebleckend, schnüffelnd und immer wieder seine Hände reibend. Das Publikum zahlte gut und wollte nun sehen, was ihr Meister zu bieten hätte, denn eine Sensation war ihnen gewiss ...

Lahle und Ladan waren so leer; Lahle versuchte, vor dem Publikum zu lächeln und versteckte all die Angst, als ob sie diese gar nicht kannte und Ladan schaute weg und nagte an den Tränen, die ihr den Magen schmerzhaft verätzten. Beide wussten in dem Moment, dass sie einander liebten und beide wussten, dass sie den Tod der Schwester und die Trennung von der anderen nicht überstehen würden. Und sie wussten auch, dass es nun zu spät war...

Da war die Machete. Da war ein Schlag. Da waren weiße Rosenblätter am schwarzen Tribünenboden. Und nun ... Da waren sie plötzlich ganz rot ... So rot ... So unendlich rot ...

~~

Und im Garten des Mannes und der Frau, da wuchs wie zum Abschied ein Rosenbäumchen, das hatte nur eine Knospe, aus welcher zwei Blüten trieben, so weiß und schön wie das Licht.





geschrieben von: Mahsheed


Ihr ahnt nicht, von welcher Größe die Dauer ist, mit der ich schon immer den Blick in Eure Augenhöhlen ersucht habe. In ihren Tiefen aus Onyx habe ich das Glimmen desjenigen fernen Sterns entdeckt, von dessen Existenz stets meine Gewissheit zeugte. In mir wusste ich bereits durch die wichtigsten Windungen meines armen Hirns; und das schon seitdem das Licht der Welt in meine Dunkelheit einbrach, dass Ihr es seid, durch welche ich mit ihrer Verzweisamung erwachen würde, zu leben begönne, wo andere vom Sterben sprächen. Ich bin geboren zu sterben. Und hätte ich Euch nicht getroffen, wäre es mein trauriges Schicksal gewesen, ein elendes, langwieriges mottenhaftes Leben zu führen, unter einer Glocke gefangen, trotz der ewigen Sehnsucht nach Verschmelzung mit dem Licht von der Quelle der erblickten Glückseligkeit durch unüberwindbares Glas getrennt.

Lasst mich Euch berühren ...

Wie sacht möchten meine Finger über Eure hochmütigen Wangen streichen, fest wie Ebenholz, blass wie Elfenbein und trocken wie der Zunder, mit welchem Ihr das Feuer meines Herzens beim ersten Kuss vertilgt. Ich würde Euch so sacht auf meinen Armen halten, wenn ich Euch über die Schwelle trüge und in der ersten letzten Nacht mein Antlitz in eurem Haar versenken, um Euch mit dem kühlen Hauch zu erquicken, der Euren nimmersatten Hunger für den Moment eines brechenden Augenblicks erstarren ließe.

Oh anmutige Schönheit, wie sehr begehre ich den Körper, den Ihr unter schwarzen Hüllen verbergt. Wenn Ihr die Arme weit öffnet und mich an eure winterzarten Lippen presst, werden wir vereint unter Eurem schwarzen Cape im Nichts der unermesslichen Dunkelheit verschwinden, und jenen Stern erreichen, der in den Onyxhöhlen funkelt.



Mahsheed 2004




geschrieben von: Mahsheed

Ich kann es einfach nicht vergessen. Es liegt in der Luft, es liegt im Licht, es macht jeden Anblick aus. Wenn ich an dieser Ampel dort unweit der Post stehe, durchfährt es mich so grausam, das bedrohliche Wissen. Das Geräusch dieser Ampel soll sicherlich Blinden dienlich sein, jedoch klingt das Signal, schon beim Warten, wie das maschinengesteuerte Pumpen einer Überwachungsanlage. Ich erinnere mich, dass ich im Garten meiner Großmutter zum ersten Mal Geräusche dieser Art wahrnahm. Damals empfand ich es instinktiv als gefährlich; allein der Zaun, der Omas Garten vom Betriebsgelände trennte, allein der Anblick dieses langen, flachen, ebenmäßigen und toten grauen Hauses mit Fenstern ohne Einblick, machte mir Angst. Woher das kommt? Als ich meine Mutter zu einem Gebäude begleitete, in welchem sie unsere Wäsche heiß mangelte, gab es auch so einen Zaun. Einmal machte sich - war es mein Vater oder mein Bruder - einen Spaß daraus und erzählte mir, dass hinter dem Zaun der Teufel wohnen würde ... Es war gar nicht schwer, mich davon zu überzeugen. Ich hatte, wenn ich mich recht entsinne, immer Angst vor Teufeln ... Ich stellte mir den Teufel so vor, wie in dem alten Germanischen Kinder- und Hausmärchenbuch illustriert ... mit unförmigem, großen Kopf, mit schmalen schrägen und blitzenden Augen und diesem irrwitzigen Grinsen, was gar keines war, sondern nur die Vorfreude auf die nahende Ungnade, und mit langen beweglichen, nicht gerade schmalen Pranken, an deren Fingern überall lange spitze Krallen wuchsen. Erst als mich meine Oma beruhigte - und das tat sie immer wieder, denn immer wieder stellte ich Fragen zu diesem Gebäude und zu diesen Geräuschen - lernte ich, mit den Maschinenklängen zu leben. Später versuchte ich sogar, deren eigene Rhythmik auf Verwertbarkeit für eine besondere Form von Musik zu belauschen. Und heute trifft mich die Gleichmäßigkeit gesteuerter Klänge wieder an dieser Ampel. Wirkt bedrohlicher als je zuvor, auch ohne Zaun mit ungewissem Dahinter. Das ungewisse Gewisse liegt in der Luft, es ist zum Greifen nah und fließt in meinen Körper, ohne dass ich es kontrollieren oder aufhalten könnte. Die Ampel schaltet auf grün und das Geräusch, dass jetzt folgt, klingt, als wäre die Alarmanlage um den Reaktor in Gang gesetzt. Warum bin ich nur so ängstlich? Warum mache ich mir um solche Dinge sorgen? Ich war es doch, die sich bereits um die Inhaltsstoffe des Trinkwassers besorgte? Bin - ich - das, bin ich zwanghaft ängstlich, neurotisch oder ist es Realität? Wenn ich den täglich den ewig langen Radweg entlang fahre, sehe ich diese Landschaft. Ja, sie ist viel grüner und kräftiger als dort, wo ich noch vor kurzem zu Hause war ( ... Zu Hause ... ). Ich kann den Anblick nicht genießen, denn er erscheint mir synthetisch ... ja so, als wäre dieses Gras so grün, so kräftig und so hoch, weil es durch die strahlendes Uran und Plutonium, durch sogenannte Mox-Brennstäbe degenerierte. Ich sehe die Leute und denke, dass sie alle Totgeweihte sind. Am Schlimmsten treffe ich auf mein übles Bauchgefühl, wenn ich ihn sehe ... Den Mann, den ich ab und an, ganz in der Nähe meiner Wohngegend, über die grauen, heiß strahlenden Fußwege oder Zebrastreifen gehen sehe. Er ist ganz gelb. Er ist wirklich gelb, seine Haut hat die Farbe einer vertrockneten Zitrone, ist dabei aber so glänzend wie die Rinde eines reifen Goudas. Er ist dünn, so furchtbar dünn. Er läuft ganz steif und ohne sein Gesicht zu verziehen. Ein Auge richtet er starr vor sich hin, das andere Auge ist stets durch eine Mullbinde, die es ganz abdeckt, verklebt. Seine Nase übrigens auch. Es fehlt ihm das halbe Gesicht und er sieht aus, als hätte er dem Tod schon die Hand gegeben. Wie er so noch laufen kann, und was er fühlen mag, wie schrecklich das Leben noch für ihn sein muss, jetzt, da alle sehen können und müssen, dass er sterben wird. Trotz meines Mitgefühls leide ich schreckliche Angst, mir gruselt vor ihm. Ich stelle mir vor, dass er irgendwann mal einen Strahlenschutzanzug an hatte, der gerissen ist ... oder dass er gar keinen getragen hatte und genauso, wie vor wenigen Jahren, ein neunzehnjähriger Mann Opfer mangelnder Arbeitsschutzbedingungen wurde. Oder ... er lebte auch nur, genau so wie andere in diesem Ort, einfach nur vor sich hin und wurde Opfer der sich um das Werk vervielfacht erhöhten Krebsrate "... vor allem Krebs, der einfach plötzlich auftaucht, wo keiner weiß, woher er kommt ..." Und wo ich schon beim Wasser bin ... Das Wasser riecht! Es riecht ganz eigenartig. Ich mag das Bad nicht guten Gewissens betreten, so seltsam riecht dieses Wasser. Kein Reinigungsmittel und kein Duftwässerchen dieser Welt kann diesen Geruch übertünchen. Vor lauter Beklemmung bereite ich sogar Kaffee mit Wasser aus Trinkflaschen zu, damit ich nicht in Verlegenheit gerate, dieses Wasser zu trinken, was mir wie eine Riesenkloake erscheint ... Gleich als ich angekommen bin, und diesen Raum das allererste Mal betrat, habe ich diesen Geruch wahr genommen und habe erst vermutet, dass er der Vormieterin, die übrigens in jungem Alter verstorben ist, angehaftet haben mag, vielleicht eine seltsame Medizin ... ein bestimmtes Spray, eine Salbe vielleicht. Ich bin zurück gekehrt und habe den Geruch noch immer an den Händen wahr genommen, selbst Seife hat ihn nicht schnell entfernt. Aber keiner konnte ihn wahr nehmen, so wie ich ... Ist meine Nase nur besser als die anderer oder werde ich noch verrückt?

H., den 07.07.2004





geschrieben von: Mahsheed

Endlich ist der Himmel aufgebrochen, und es regnet!

Für die nächsten Stunden zumindest ist einer schwülen, feuchtigkeitsschwangeren Luft vorgebeugt. Ich genieße diese Zeit, atme auf, fühle, wie meine Hirnaktivitäten wieder in konzentrierteren Bahnen laufen, fühle, dass ich befreiter Luft holen kann.
Eine klitzekleine Euphorie wächst in mir, wenn ich aus dem Fenster sehe.

Der Himmel ist so derart grau, dass ich ihn gar nicht mehr sehe; hat sich hinter ein unerfassbares Knäul flauschiger Nebelfäden versteckt. Was für ein leuchtendes, waberndes Grau! und aus ihm heraus stürzen, dicht nebeneinander gepflanzt, dünne lange Kristallseile.

Die Straßen sind jetzt leer; es ist feierlich ruhig in der Stadt. Die letzten Capriofahrer mit ihren Bässen, die sämtilche Fenster erzittern lassen, sind in ihre Garagen gehuscht.

Und dann gehe ich auf Reisen ...

Arme P., du magst dieses Wetter überhaupt nicht, aber ich denke um so mehr an dich und weiß, dass du dich zumindestens für mich freust, da ich dieses Wetter liebe. Und genauso ist es, wenn mich die Hitze fast erdrückt, wenn ich glaube, dabei verrückt zu werden. Dann denke ich an dich, dass dir das Wetter gerade warm genug erscheint, und ich kann mich damit beruhigen und mein Unwohlsein mindern. Wir sind in dieser Art so unterschiedlich; denn in dem Land, aus dem du kommst, könnte ich nicht leben. Und du bist so oft so traurig hier, nicht wegen des Wetters, ich weiß ja. Was soll ich dir sagen? Ich kann dich so sehr verstehen, denn ich fühle mich ja auch zuweilen wie von einem anderen Stern, ganz sicher vom selben, von dem du stammst; nur wohne ich auf der sonnenabgewandten und du auf der sonnenzugewandten Seite. Dort, wo wir uns nicht nur guten Morgen und gute Nacht sagen.

H., den 08.07.2004




geschrieben von: Mahsheed





geschrieben von: Mahsheed


    Glaube nicht ´Wär´ich doch bloß nicht verreist.´
    Machst dir Vorwürfe, denn vielleicht eskalierte es deshalb hin zum Schlaf der Gerechten, zum Tal der ewigen Jagdgründe. Nein, es ist sicher so gekommen, wie es kommen musste. Das Ende war einfach für diesen Zeitpunkt bestimmt. Zeit zum Abschiednehmen existierte. Keiner hat allein gehen müssen. Es ist doch nur wie ein Einschlafen. Und die Erinnerungen bleiben lebendig.




geschrieben von: Mahsheed







geschrieben von: Mahsheed





geschrieben von: Mahsheed







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