[Spiegelscherben] - German Gothic Board

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Spiegelscherben

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geschrieben von: Traenenwind

Spiegelscherben

Lachend tanzt sie durch die Menschen
singt und wirft das Tambourin
Zu dem Klang der Totenmesse
gibt der Melodie sich hin

Kinderlachen säumt die Knie
Männerherzen rühmen sie
Doch sieht sie keinen jener Leute
tanzt zu stummer Synfonie

Keiner dieser Menschen sieht
wie sie innerlich zerbricht
alle sehen ihren Leib
niemand jemals ihr Gesicht

Tief geschlossen ihre Augen
bis die Melodie verklingt
und als all die Menschen schweigen
leis ihr eignes Lied sie singt

Ein Requiem in fremder Sprache
Niemand hört die Worte
Niemand spürt gar, wie er stirbt
Wie Leben weicht von diesem Orte

Endlich, als nun alles schweigt
Öffnet sie die klaren Augen
blickt mir ebenso in meine
Gold gerinnt zu hellen Trauben
- Tränen, die ihr Herz verlassen
in mein Auge nun gesäht
Ihre Hand ruht nun an meiner
Das Glas, es bricht! Ein Riss - zu spät...

31.05.02



geschrieben von: Traenenwind

Flammen

Heißer brennen diese Augen
als man jemals es gespürt
Starre Blicke - unvergänglich
als ein Herz nur sie berührt

Angst gebiert dem Auge Tränen
die ein niemand je begreift
da nie zuvor die Flamm' gesehen
und was am Herzensgrunde reift

Lachend brechen sich die Welten
bis Herz und Herz zu einem wird
Erstmals wird die Flamm' gesehen
Gebrannt ins Herz - Im Geist verirrt

12.06.02



geschrieben von: Traenenwind

Schrei

Nächtliches Sehnen
taumeln durch Traumwelten
sich überstürzende Farbsynfonien
zarte Kreise spinnend
in die Augen der Tänzerin

Aus ihrem Leben spricht
verlorenes Kinderlachen
und ungeweinte Tränen
Hand in Hand - im Traum entzweit
verbunden - sehnsuchtsvoll

Ein Schrei durchzuckt die Welt
reißt gewaltsam mich heraus
bezwingt der Augen Mattheit
Kreischende Stille - grelles Dunkel
Wo bist Du?

Ich habe Angst...

17.06.02



geschrieben von: Traenenwind

Trunken

Still steht nun die Tänzerin
ihr Blick auf einen Stein gesenkt
in welchen jene Mär geschrieben
die ihren Geist ins Irre lenkt.

Schon schwankt sie, als die Worte hallen,
ihren Geist im Wahn verdrehen,
in ihrem Herzen Feuer legen,
auf ihrer Stirne Perlen sähen.

"Des Flusses Rauschen ist sein Flüstern,
seine Stimme klingt im Wind!
Die Äste selbst sind seine Arme
die Heimat mir, die Zuflucht sind!"

Und ihr Lachen hallt im Winde,
ihre Augen glänzen im Mondenschein
Lachend springt sie über Klüfte
um ewig mit ihm eins zu sein.

26.06.02



geschrieben von: Traenenwind

Ein Sehnen

Das leise Zittern der Blätter im Wind
lässt stetig Sonnenflecken wallen
zeichnet Wellen ins nasse Gras

Mit dem Licht flackert Wärme
die von Wolkenduft verhüllt
stillen Glanz verbreitet

Himmelssilber strahlt herab
lässt mich den Abend missen
an dem gold'ne Sonne mich umringt

Ein Sonnenstrahl gerinnt zur Träne
die sacht im Auge leuchtet
allein im Glanze Deines Herzens
der sich in jeder Stunde spiegelt

04.07.02



geschrieben von: Traenenwind

Spiegelwelten

Wieder weint der Himmel Kristalle
die millionenfach die Welten spiegeln
selbstverliebt einander still betrachten

Einer gleicht dem andern
Gläsern, klar und strahlend
Und doch für immer brechend, fallend
vergehend in der Dämmerung

Unerreichbar scheint mir dies Schauspiel
Obgleich mein Herz Kulissen mimt
und mein Geist selbst die Bühne ist
auf der die Zeit im Tanz verbrennt

So gerinnen die Tropfen zur Glut
eh meine Hülle sie verbrennen
und mich in Ewigkeit verbannen
da jeder mir Dein Lächeln zeigt

06.07.02



geschrieben von: Traenenwind

Ein Tanz mit der Dämmerung

Ewig wiegt sie ihren Körper
zum Klang einer Melodie, die längst verstummt
in ihrem Herzen nunmehr wiederklingt

Schellenläuten schmiegt sich an sie
wenn Kreise ihre Hüften zeichnen
begleitet vom Groll der Wolken
die gramvoll niemals sie verstehn

Für immer fällt der Regen nieder
glänzt still in ihrem langen Haar
das strahlend ihr Gesicht umsäumt

Schweigend tanzt sie durch den Regen
ewig lächelnd - sehnsuchtsvoll
versunken in den Melodien
die einzig für ihr Herz gespielt

06.07.02



geschrieben von: Traenenwind

Auf der Galerie

Ein alter Raum mit sehnigen Wänden
Bilder ihres Tanzes an Fassaden gehängt
Erwürgt von der Fülle der Farben
die fremde Augen in sie gezeichnet.
Wolken werfen Schatten in die Galerie
in deren Kühle Sonnenglut erlischt
Wallende Tücher skizzieren Windhauch
Müde Hände lehnen an alten Spiegeln
deren Fläche halb erblindet ist.

Blicke suchen Spiegelung in Rissen
finden Verwirrung in reflektiertem Licht:
Ihr ruhendes Gesicht.
Tänzerinnen schlafen nicht!
Doch bleiben ihre Augen heut verschlossen
- auch wenn voll Unverständnis Mäuler raunen -
vor den reißenden Blicken der Masse
und ihr Tanz zerfließt im Spiegelriss

10.07.02



geschrieben von: Traenenwind

Heimwärts

Wie glühende Kohlen schneidet das Gras
ihre Füße, die zitternd Wege beschreiten
die durch den Morgentau zur Dämmerung führen

Ein Raunen geht durch Blätterspitzen:
Heimat ist nicht fern
Efeu umrankt die Schritte
wie ein Nebel, der den Morgen weist

Der Wolken leichtes Windspiel
hascht Mondenlicht noch spärlich
Bis die Lerche helle Lieder singt
die ihren Schritt begleiten:

Geduld nun, nur Geduld!
Dämmerung ist nicht weit
Bald wirst du ihn wiedersehn.






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