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Rohtenburg

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geschrieben von: end_raum

ROHTENBURG

Ein Film von Martin Weisz
Keri Russell, Thomas Kretschmann, Thomas Huber
Filmstart 9. März 2006
Länge: 88 Minuten

Die Amerikanerin Katie Armstrong (Keri Russell) schreibt an ihrer Abschlussarbeit in Kriminalpsychologie und begibt sich auf Spurensuche nach dem Menschenfresser Oliver Hartwin (Thomas Kretschmann), der sich mit Simon Grombek (Thomas Huber) verabredete, um ihn zu schlachten und zu verspeisen ...

Der Film basiert auf der wahren Geschichte von Armin Meiwes, dem "Kannibalen von Rotenburg", dessen Anwälte bis zuletzt versucht haben, diesen Film zu verhindern. Leider weiß ich nicht, ob es Meiwes Idee war, mit dieser Aktion Werbung für sich und diese Produktion zu machen, oder ob hier nur ein paar Anwälte eine Möglichkeit gewittert haben, Kohle und auf sich aufmerksam zu machen.

Hier noch einmal kurz die "wahre" Geschichte, beschreibt doch auch der Film in großen Teilen nur trocken die tatsächlichen Ereignisse:

Meiwes suchte über das Internet Kontakt zu Männern, die sich freiwillig von ihm töten lassen würden, um anschließend von ihm verspeist zu werden. Nach einigen Treffen, die nicht zu dem gewünschten Ergebnis führten, meldet sich im Februar 2001 der Diplom-Ingenieur Bernd Jürgen Armando Brandes. Meiwes hat inzwischen einen Raum des Gutshauses, das er nach dem Tod seiner Mutter alleine bewohnt, als Schlachtraum eingerichtet. Käfig, Bett, Fesseln, Heizkörper und eine schalldichte Isolierung, damit niemand die Schreie des freiwilligen Opfers hören kann.
Meiwes legt sehr viel Wert darauf, dass die Tötung nur mit Zustimmung des anschließend von ihm Getöteten vollzogen wird.

Brandes dröhnt sich mit Korn, Wick MediNait und billigen Schlafpillen zu, um sich den Penis abschneiden zu lassen, den Meiwes in der Pfanne verbrutzelt, weshalb die gemeinsame Mahlzeit wohl alles andere als lecker gerät. (Ich würde zu solch einem Anlass coole Drogen bevorzugen und nicht so einen Scheiß nehmen. Aber ich will mich ja auch nicht fressen lassen.)

Meiwes nimmt die Party mit einem Videorecorder auf, tötet den inzwischen schwanzlosen Brandes mit einem Messer und zerlegt ihn wie ein Schwein, um sein Fleisch in handlichen Portionen einzufrieren und sich ab und zu ein leckeres Mahl zu bereiten.

Armin Meiwes glaubt offenbar daran, durch das Verspeisen eines Menschen dessen Persönlichkeit aufnehmen zu können und mit ihm zu "verschmelzen".

Brandes dagegen hat auch schon gegenüber Strichern mehrfach seinen Wunsch geäußert, gebissen, verstümmelt und verspeist zu werden. Er möchte restlos verschwinden, sogar seine Knochen sollen zermahlen und vernichtet werden. Die Erinnerung an ihn soll ausgelöscht werden, was ihm in Anbetracht des aktuellen Medienrummels sicher nicht gelungen sein dürfte. So gesehen war er sicher ein bemitleidenswerter Blödian, der mit einem simplen Suizid sein Ziel eher hätte erreichen können. Kein Schwein würde ihm nachweinen und nicht einmal der Lokalanzeiger hätte eine Meldung zum Besten gegeben, wenn er sich geschickt unauffällig selbst entleibt hätte.
Vielleicht zeigt es aber auch nur, wie hilflos Erklärungsversuche sind, wie wenig nachvollziehbar solch skurrile Blüten menschlicher Begierden und Wünsche sind.

Doch nun zum Film.
Und der ist leider nicht erfreulicher als die wahre Geschichte.

Um es vorneweg zu sagen: Wer hofft, hier eine fette Produktion in der Art von "Das Schweigen der Lämmer" zu sehen (nur um mal einen Film zu nennen, der auch Obsessionen und Begierden kranker Arschlöcher visualisiert ), mit coolen Bildern und einer spannenden Handlung, wird bitter enttäuscht sein.
Obwohl alle Darsteller mehr schlecht als recht ihre Texte in englisch sprechen, würde kein Mensch darauf kommen, dass es sich überhaupt um eine amerikanische Produktion handelt, wirkt der Film doch so fürchterlich deutsch, wie man es nur aus beklemmend schweren, staubigen, pseudo-intellektuellen Autorenfilmen der 70er Jahre kennt.

Der Film versucht mit Rückblenden in die Kindheit der beiden Protagonisten, die immerhin sehr charmant im 50er Jahre-Stil gedreht sind, Erklärungen zu finden, ohne dass dies aber so recht gelingt. Selbst wenn es für Meiwes in seiner Jugend nicht ungewöhnlich war, an Hausschlachtungen von Tieren teilzunehmen, macht eine dominante Mutter noch keinen Kannibalen und auch wenn man durch das Tragen von kurzen Lederhosen zum Außenseiter wird, erklärt das noch nicht, warum sich zwei Menschen zu einer solch merkwürdigen Hochzeitsnacht zusammen finden.

Simon, der in einer festen Beziehung mir seinem Freund lebt, ist fasziniert von Kannibalen-Seiten und klemmt sich klammheimlich masturbierend vor seinen Computer. Und Katie (Man kann ja froh sein, dass es überhaupt mal eine Frau zu sehen gibt ;-) eiert irgendwie detektivisch durch die Handlung und bekommt schließlich gegen Ende des Filmes unnötig geheimnisvoll ein Videotape der Schlachtung zugespielt (jemand legt das Tape vor ihre Haustür und schickt ihr dazu eine Mail), um dann wie ein kleines Mädchen schluchzend vor der Glotze zu sitzen. Sie nimmt die Kassette aus dem Recorder und vernichtet das Band, womit man wohl zeigen will, wie widerlich und Ekel erregend sie die ganze Geschichte findet, was aber nicht erklärt, warum sie anfangs ein solch großes Interesse an dem Fall hat. (Nebenbei bemerkt finde ich so eine Zerstörungsaktion ziemlich unprofessionell von einer angehenden Kriminalpsychologin, selbst wenn man von einem Mädchen nicht erwarten kann, dass es sich das Teil x-mal anschaut.)

Es gelingt dem Film leider nicht, Erklärungen zu liefern und schöne Bilder gibt es auch nicht wirklich zu sehen.
Was bleibt, ist eine gewisse Ratlosigkeit und die Frage, was der Film uns sagen möchte.
Nicht dass ein Kinobesuch unbedingt die Riesenbotschaft im Angebot haben muss, das verlange ich ja gar nicht. Aber dann sollte es wenigstens Spaß machen, ihn anzuschauen.

Ein Dokumentarfilm zum Fall Meiwes, am besten mit Ausschnitten seiner Originalaufnahmen der Schlachtung, HAHAHA, hätte mich sicher mehr berührt.

So war das alles ein bisschen müde und vielleicht hat man sich wegen der Aktualität des Falles nicht getraut, die Geschichte mit frischen, stylischen Bildern zu erzählen.

Nach der Vorführung lief ich mit einem Kollegen ein paar Meter Richtung Stuttgarter Schlossplatz und sagte zu ihm: "Also Rock`n Roll war das nicht."
Woraufhin er erwiderte: "Schade, dass Meiwes Anwälte mit ihrem Wunsch, den Film zu verhindern, nicht durchgekommen sind."

Felix Flaucher 18+
www.glasklinge.com



geschrieben von: Mrs. Doe

Ich habe gestern beim Kinobesuch den Trailer zu dem Film sehen "dürfen", und ich fand's ganz ehrlich unter aller Sau.
Man muss nicht zwangsläufig jeden Scheißdreck verfilmen, um damit Geld zu machen oder Aufmerksamkeit zu erregen. Einfach nur ekelhaft.



geschrieben von: nathanel

Ich finde es auch ziemlich geschmacklos zu jedem mist einen Film zu drehen. ich hab ja nichts dagegen, wenn Filme über wahre begebenheiten gedreht werden, aber das ist wirklich das letzte. Man sollte auch etwas rücksicht auf die Angehörigen der Opfer und Täter denken.



geschrieben von: Kappabani

Mal als Aktualisierung: die Vorführung des Filmes ist in Deutschlabnd verboten. Meiwes ist mit seinem Anliegen durchgekommen. Begründung des Gerichts: Die Persönlichkeitsrechte des so genannten Kannibalen von Rotenburg wögen schwerer als die Kunst- und Filmfreiheit.
Ich staune das der überhaupt irgendwo lief, denn das Urteil wurde vor dem offiziellen Kinostart gefällt.

Das bei dem Film nur Rotz rauskommt wundert mich nicht. Leute die keine Meinung zu irgendwas haben fabrizieren auch keine Kunst oder werfen Kontroversen auf. Tja, einer von diesen Filmen die so tun als hätten sie eine Aussage aber bestenfalls halbherzig sind, so wie Saw - der zwar besser ist - da weniger Blut als der Trailer vermuten lies - als ich erwartet hatte aber weit davon entfernt ist ein guter oder Kontroverser Film zu sein da er, wie fast alle Filme dieser Art, nur an der Oberfläche herumkratz.



geschrieben von: Mutter

Ich finde, dass Meiwes sich nicht so aufregen sollte, dass über ihn ein Film gedreht wurde. Ich hätte den Film gerne gesehen, was aber jetzt nicht mehr möglich ist!
Der Typ wollte auch Rammstein verklagen, weil sie mit dem Song " Mein Teil" auf seine Tat aufmerksam gemacht haben...



geschrieben von: Kappabani

@ Mutter
Ich finde das schon korrekt. Das Aasgeier verhalten der Medien u. mancher Künstler - Rammstein - ist nicht besser als "Stalking" u. das möchtest du dir doch auch sparen oder. Der Meiwes hat genug damit zu schaffen das man ihn wegen vorsätzlichen Mordes verknacken will ur weil ein Wichser Anwalt sich aufplustern muß. Darüber sollten Künstler schreiben!
So'n billigen Spektakelscheiß kann jeder machen, dazu muß man sich nicht des Schicksals eines realen Menschen bedienen der noch lebt u. das Pech hat in einer Kultur zu leben die Menschen bevormundet u. ihn nicht versteht!
Meiwes hat sich, im Gegensatz zu Lady Di oder anderen Künstlern - nie der Presse bedient also sollen sie ihn in Ruhe lassen oder für ihn einstehen!



geschrieben von: christopher.W

Zum Verbot des Filmes ROHTENBURG
Oberlandesgericht Frankfurt
Vorsitzender Richter: Bodo Nordmeier

Jetzt lassen wir mal außer 8, dass der Film ein Ausflug in das dumpfe Land der Depressionen ist und die reißerische Promotion von vielen sicher als geschmacklos empfunden wird. Man mag hier den Kopf schütteln und mit dem Zeigefinger wedeln, aber es geht ja in dem Urteil offenbar nicht um die künstlerische oder moralische Bewertung eines Filmes.

Beschäftigen wir uns auch nicht damit, dass dieser Film möglicherweise den Verlauf der noch laufenden Verhandlungen hätte beeinflussen könnte. (Vergleichbar mit alten amerikanischen Filmen, in denen die Geschworenen in einen Raum eingeschlossen werden und keine Zeitungen lesen dürfen, um unbeeinflusst zu einer Entscheidung zu gelangen.) Dies wäre eine Begründung für ein Verbot, die ich noch einigermaßen nachvollziehen könnte. Aber auch das ist nicht der in dem Urteil angeführte Grund für das Verbot des Filmes.

Begründet wird das Verbot mir einer Verletzung der Persönlichkeitsrechte von Armin Meiwes. Es ist also die Frage, ob die Persönlichkeitsrechte eines Kannibalen höher zu bewerten sind, als die künstlerische Freiheit einer zugegebenermaßen umstrittenen Real-Horror-Produktion. Ist die Tat von Armin Meiwes nur eine Facette des Menschen hinter dem Kannibalen, die so wenig ins Gewicht fällt, dass Einschränkungen seiner Persönlichkeitsrechte aus gutem Grund keinesfalls in Kauf zu nehmen sind?

Hat ein Täter das Recht, dass seine (verabscheuenswürdige???) Tat nur in der Form präsentiert werden darf, die seine Zustimmung findet? Darf er darüber entscheiden, in welchem Licht seine Tat dargestellt werden darf, vielleicht sogar mit dem Ziel in der Bevölkerung ein tieferes Verständnis für seine Beweggründe und Handlungen zu wecken? Hat er sozusagen das Copyright auf seine Tat und darf sich aussuchen mit welcher Produktionsfirma er zusammenarbeiten möchte?
Wird Meiwes durch das Verbot des Filmes gar der Hohepriester der Kannibalen-Szene? Der neue religiöse Führer der Menschenfresser?

Meiner Meinung nach wird der Film Rohtenburg durch dieses Verbot unnötig aufgewertet und konsequenterweise müsste man beispielsweise auch jedem Serienmörder zugestehen, gegen die Verfilmung seiner Taten vorzugehen.

Berkowitz, Bernardo, Bianchi, Manson, Sutcliffe, um nur einige Namen von Menschen zu nennen, die eine lebenslängliche Haftstrafe verbüßen, weil sie durch ihre Taten das Recht verwirkt haben, “freie“ Mitglieder der menschlichen Gemeinschaft zu sein - sind auch in diesen Fällen die Persönlichkeitsrechte über die künstlerische Freiheit zu stellen? Müssten in der Konsequenz nicht grundsätzlich alle Filme verboten werden, die tatsächliche Ereignisse thematisieren, weil sich der oder die Täter auf den Schlips getreten fühlen?

Oder hat Daniel Kothenschulte von der Frankfurter Rundschau recht, wenn er schreibt: “Zensiert wird nicht die Filmkunst oder das Recht auf schlechten Geschmack, sondern eine Ausbeutung, an die wir uns beinahe schon gewöhnt haben. Auch sie kann eine Art von Kannibalismus sein.“

Ich kann mir nicht vorstellen, dass dieses Urteil Bestand haben wird.

Und na klar. Verklagen wir gleich auch noch Rammstein.

Als Schlachter bekommt Meiwes nun endlich (auch und erst recht durch dieses Urteil) die Aufmerksamkeit, die ihm in seinem Leben bisher wohl versagt geblieben ist.

Felix Flaucher 18+



geschrieben von: Fuck up Evil

Wahnsinn, einfach nur Wahnsinn . . .

hätte den Film gerne gesehen, aber ein Kannibale hat etwas dagegen.

:eek:



geschrieben von: Aza

Es mag sich krank anhören...
Aber: "KRANKE SCHEISSE" trifft es recht gut...
Ich werd ihn wohl irgendwann sehn, allerdings glaube ich, dass es kein sonderlich tiefgründiger, sozialkritischer Film ala "uhrwerk orange" sein wird.. sondern vom Niveau her ala "kleines Arschloch" von Walther Moers.. wohingegen er wenigstens lustig ist..



geschrieben von: Sirius

Komisch, das "Hannibal" damals erlaubt wurde :rolleyes:

Aber eigentlich will ich diesen Rohtenburg-Unsinn gar nicht sehen



geschrieben von: Iaito

Zitat:
Original geschrieben von Sirius
Komisch, das "Hannibal" damals erlaubt wurde :rolleyes:



Wieso komisch?
Hannibal kann sich ja nicht wehren, da es ihn nicht gibt.


Diese Bewertenden Ausdrücke wie "das Persönlichkeitsrecht eines >Kannibalen<" find ich total scheisse.
Und wenn er auch 20 Leute vernascht hätte, ist es sein Recht sich nicht
parodieren zu lassen.
Zumindest solange er noch lebt.
Eine Leiche hat das Recht auf Würde(welches dann von den hinterbliebenen in Anspruch genommen wird), aber keine Autobiographischen Marktrechte.



geschrieben von: Brixa

Der Film läuft ja nun im Kino (A. Meiwes hat den Rechtsstreit verloren), aber leider in meiner Gegend nicht. Ich habe schon von einigen Leuten, die ihn gesehen haben, Kritiken gehört - die ging von "Ich musste fast kotzen" über "Niveau- und talentfrei" bis hin zu "Der war mir zu krass". Das macht mich natürlich neugierig und ich würde mir gerne ein eigenes Bild von dem Film machen. Aber nun ja... werde wohl warten, bis er auf DVD erscheint.



geschrieben von: blue79

Bei uns läuft der auch nicht obwohl ich in mir eher zuhause als im Kino anschauen würde.
Zum einen kann ich pause drücken und zum anderen wegem Geld.
Intresieren tut er mich erhlich schon. Aber ja stimme zu wie bei Uhrwerk Orange wirds nicht werden.
Ich bild mir meine meinung wenn ich ihn gesehen habe. :cool:
Und Rammstein ich muss sagen das Lied hat was.:p
Auch wenn ich mir den anfang nicht anhören kann. Das geäuch der Messer tut mir schon weh. :) ( meinst ernst )



geschrieben von: Chisaiiremon

Der Film ist einfach nur Fail.
Bin Justizsekretärin und Kolleginnen von mir hatten genug mit dem zu tun und auch Zugriff auf die Akten, der Film hat fast nichts mit den wirklichen Geschehnissen zu tun, davon abgesehn dass er an sich auch noch schlecht ist :/
Wohn übrigens seit September auch in Rotenburg und war ihn quasi bzw das Haus schonma besuchen, makaber find ich, dass da jetzt ne Familie mit nem kleinen Kind drin wohnt :o



geschrieben von: Nix

Ich fand den Film nicht übel.
Bin aber zum Glück auch keine Justizsekretärin (fail) und wohne nicht in Rohtenburg (double+triple fail).
:D



geschrieben von: Chisaiiremon

Zitat:
Original geschrieben von Nix
Ich fand den Film nicht übel.
Bin aber zum Glück auch keine Justizsekretärin (fail) und wohne nicht in Rohtenburg (double+triple fail).
:D



Nunja, ich habs mir ja ausgesucht und mache das hier sehr gerne^^
In diesem Sinne wohl für mich Win :D





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