Hab gestern durch Zufall beim stöbern entdeckt das dieser großartige Regiseur, Schauspieler, Kameramann ect. wieder einen neuen Film gemacht hat. Na ja, neu.... Der Film ist von 2004 aber jetzt erst in Germany erschienen. Bis auf seine Werbespots und Kurzfilme hab ich alles von ihm.
Chronologisch: Tetsuo, the Iron Man Tetsuo II, Body Hammer Hiruko, the Goblin Tokyo Fist Gemini Bulett Ballett A Snake of June Vital
Insgesamt gibt es vier Filme von ihm auf germanisch. Shinya Tsukamoto spielt z.B. auch in Itshi the Killer mit. Seine Filme sind skuril, aufwühlend aber auch philosophisch. Wie er selbst sagt handeln seine Filme vom Menschen in Bezug zur Stadt und der Entfremdung des Körpers.
Zu vielen seiner Filme hat der geniale Chu Ishikawa die Musik gemacht die man getrost als Industrial bezeichnen kann. Allerdings nicht mit dem Industrial-Noise ala Tumor ect. zu vergleichen. Ishikawa geht eher in die Richtung Einstürzende Neubauten. Auf CD gibt es nur Japan Importe.
So, soll erst mal reichen.
Sonst noch jemand hier der Tsukamoto klasse findet?
geschrieben von: Normalus
Kenne den gar nicht, also als Schauspieler schon gesehen, aber sonst... Was wäre denn mal empfehlenswert anzuschauen ? Und sag jetzt nicht alle; ein, zwei Favoriten gibt es immer !
geschrieben von: Kappabani
Hi!
Tut mir leid wenn ich das sage aber bei Tsukamoto gibt es wirklich wenig Filme die gleich sind. Darüber hinaus entwickelt sich sein Werk. Nicht was die Qualität angeht, die ist schon seit dem ersten Film Top aber was die Inhalte angeht.
Ich werd einfach mal was zu allen Filmen erzählen und dann kannst du überlegen welches Thema die am meisten zusagt.
Ganz allgemein gesprochen ist Tsukamotos Art zu filmen perfektionierter Underground, sofern ein Typ der regelmäßig auf Internationalen Kino-Filmfestspielen gewinnt als Underground klassifizierbar ist.
Aber seine Filme haben immer den HAND-Kamera Charakter und sind durchweg eher surrealistisch bis verstörend von der Atmosphäre her. Ebenfalls ein fester Bestandteil von Tsukamotos Filmen ist die Musik von Chu Ishikawa die man am ehesten mit Einstürzende Neubauten vergleichen könnte. Nur für Hiruko hat Ishikawa nicht die Musik gemacht.
Die Schauspieler in Tsukamotos Filmen sind alle Top! Persönlich finde ich Tomoroh Taguchi bemerkenswert aber wie auch andere Arthouse Leute ala Jim Jarmush greift Tsukamoto immer gerne auf Leute zurück mit denen er schon gearbeitet hat - das betrifft die gesamte Produktion.
Ein generelles Thema das sich durch alle seine Filme zieht - bis auf Hiruko - ist der Mensch, sein Körper in Bezug zur Industrialisierung, Tot und sexualität heute.
So, jetzt zu den einzelnen Filmen:
Tetsuo, the Iron Man (1988 / Schwarz - Weis):
Ein Autofahrer(Tomoroh Taguchi) überfährt, weil er gerade mit seiner Freundin rummacht einen Mann(evt. Magier) der einen Fetisch für Metal hat. Das Paar wirft den verletzten Mann in einen Wald. Der Mann rächt sich dann indem er Taguchi langsam in ein Metalmonster verwandelt - inklusive drehendem Eisen-Bohrpimmel mit dem er dann seine Freundin - na ja....
Es entsteht ein Zweikampf zwischen den beiden mit viel seltsamer Metal-Magie und Stop-Motion Technik(Raketendüsen an den Füßen lassen die Männer über die Straße sausen). Es gibt ein paar recht blutige Szenen wie z.B. zum Anfang wo sich der Magier einen Eisenstab in den Oberschenkenkel bohrt. Auch gibt es immer wieder, hmm, ?Bewußtseins? Sequenzen die beim ersten mal vielleicht komisch wirken.
Wie eigentlich alle Filme von Tsukamoto (bis auf Hiruko) handelt Tetsuo von der Entmenschlichung, der Entfleischung der Japaner oder der Menschen generell - sie werden immer mehr zu Maschienen - und dem Platzmangel in Japanischen Städten. Es geht darum das der Mensch den Kontakt zu seinem Körper verliert.
Der Film gehört den den etwas hektirischen Filmen S.T.'s, soll aber nicht heisen das er so unerträglich hektisch ist wie moderne Hollywood Sachen. Die Story ist sehr komprimiert und beim ersten Mal gucken kann man schon den Faden verlieren eben weil vieles auch sehr surreal ist. Arthouse Fantasy!? :rolleyes: en Film gibt es, soweit ich weis ungekürzt, auf deutsch. Allerdings nur auf einer Double-Feature DVD mit einem anderen Film (nicht von Tsukamoto) die dann gleich etwa 20€ kostet - ein bischen viel wie ich finde.
Hiruko, the Goblin (1990 / Farbe):
Hiruko ist ein Fantasy/Horror Film der zur Abwechslung nicht von S.T.'s selbst geschrieben wurde sondern auf einem Roman beruht und handelt von einem Dämon (Hiruko) der eine Schule heimsucht in der von sechzig Jahren aus unbekannten Gründen ein Feuer ausbrach. Haufenweise Schüler verbrannten und die aufgehäuften Leichen waren geköpft. Damals hatte ein Junge auf dessen Rücken eingebrannte Gesichter waren die Sache beendet. Jahrzehnte später öffnet dann ein Wissenschaftler ein Tor und Hiruko kommt wieder frei.
Ein etwas tolpatschiger Wissenschaftler mit komischen Geräten und ein Schüler versuchen dem Spuk ein Ende zu setzen. Die Gesichter von Freuden des Schülers die sterben brennen sich als Relief auf dessen Rücken ein. Köpfe mit Spinnebeinen rennen herum und Blut fliest auch. Hiruko wird meist als S.T.'s schwächster Film und als nicht so tiefgründig bezeichnet aber sagt mir etwas anders. Ich vermute das mehr hinter der Geschichte mehr steht als wir als Europäer sehen oder verstehen können. Ich hab das Gefühl das da ein Bezug zu Geschenissen in der Japanischen Geschichte besteht - müsste man mal das Buch lesen, in dem steht sicher mehr.
Den Film gibt es auch auf deutsch und, wie vorher schon, soweit mir bekannt ungeschnitten.
Tetsuo II: Bodyhammer (1992 / Farbe):
Ist im Groben und ganzen eine Variation des erten Films. Nur diesmal gibt es eine Gruppe von Leuten die sich per Injektionspistole in Metalmenschen verwandeln wollen. Wie schon im ersten Teil können sich die Leute in Lebende Waffen verwandeln. Es wird viel geschossen.
In Wirklichkeit geht es aber um zwei Brüder dessen Vater ebenfalls ein Magier war und den Beiden Jungs die Fähigkeit der Verwandlung angehext hat. Einer von beiden vergisst das ganze und der andere sucht nach einer Methode diesen Verwandlungsprozess durch die Injektionspistole zu mechanisieren. Als Testobjekt nimmt er seinen Bruder der dann Stück für Stück an die Vergangenheit erinnert wird. Das Thema ist im Grunde das gleiche wie beim ersten Teil.
Diesen Film gibt es nicht auf deutsch und ich drücks mal vorsichtig aus; das deutsche Gericht hat etwas gegen diesen Film - rechtliche Mittel. :mad:
Tokyo Fist (1995 / Farbe):
Zwei Freunde beobachten als kleine Jungen wie ein Mädchen ermordet wird und schwören das sie Boxen lernen um dann in der Lage zu sein zu helfen. Einer von beiden bleibt diesem Schwur auch treu, der andere - Tsuda - beginnt die Sache zu vergessen und ein normales Leben zu führen. Eines Tages aber taucht der Freund wieder auf und bringt Tsudas Leben durcheinander er zum Boxen geht. Einige Boxereien sind recht blutig mit geschwollenen Augen ect.
Auch hier gibt es wieder das Thema der Stadt die den Menschen verschlingt. Häuserschluchten die alles einengen. Kampf ist ein sehr starkes Thema in diesem Film. Gegen was kann dann jeder für sich selbst finden. Das Thema Metal ist diesmal auf die Frau übertragen die sich mit Eisennadeln pierced.
Den Film gibt es auch nicht auf deutsch aber soweit ich weis hat der sonst keine Schwierigkeiten. :p
Bullet Ballet (1998 / Schwarz-Weis):
Die Freundin des Kaufmanns Goda erschiest sich. Goda macht sich auf die Suche nach der Person die seiner Freundin die Waffe verkauft hat und baut sich sogar selbst einen Revolver - gnubbeliges Teil. Goda gerät in Bandenkriege und hier wechselt der Fokus von Goda auf die Kids in Japan die emotional isoliert sind durch die japanische Kultur. Der surrealismus ist wieder weniger.
Auch diesen Film gibt es nicht auf deutsch.
Gemini (1999 / Farbe):
Gemini ist eine Variation von Tokyo Fist. Es geht um zwei Brüder die identische Zwillinge sind. Einer der Brüder taucht plötzlich auf, wirft seinen Bruder der eine Arztpraxis führt in einen Brunnenschacht und übernimmt sein Leben - und keiner merkts. Es gibt sehr surrealistische Szenen mit viel Ruhe. Auch hier spielt die Vergangenheit eine Große Rolle.
Der Film befasst sich darüber hinaus mit Klassenunterschieden der Japanischen Gesellschaft die sich aber leicht auch auf Europa übertragen lassen.
A Snake of June (2002 / Schwarz-Weis):
In diesem Film hat S.T. das Thema Sexualität mehr in den Vordergrund gerückt. Die Frau Rinko wird von einem Mann erpresst und muß im kurzen Kleid, ohne Unterwäsche durch die City laufen. Ihr Eheleben ist dagegen trist und ohne jegliche Erotik - Alltag eben. Durch die "Hardcore" Methode des Erpressers machen sich Rinko und ihr Mann auf die Suche nach ihrem Körper und ihren Gefühlen. Juni ist in Japan Regenzeit und steht für intensive Gefühle, während die Schlange ein Symbol für die inneren Prozesse der Frau sind.
Es gibt skurile Szenen mit Snuff-Film Motiv.
Der Film st wieder auf deutsch erschienen und ungekürzt.
Vital (2004 / Farbe):
Die Freundin eines Arztstudenten stribt und der Junge schnibbelt ihren Körper auseinander um nach ihrer Seele zu suchen. Soweit ich mitgekriegt habe geht es wieder um den Verlust des Bewußtseins zum Körper. Mehr kann ich noch nicht über den Film sagen da ich ihn zwar schon zuhause aber noch nicht gesehen habe. Hab mir nur das Bonusmaterial angeguckt.
Sieht aber wieder sehr gut aus - was ich nicht anders von Tsukamoto erwarte.
Auch dieser Film ist ganz neu auf dutsch erschienen und soweit ich weis auch ungekürzt.
Shinya Tsukamoto hat noch ein paar Werbespots gemacht - die ich nicht gesehen habe - und einen Kurzfilm der ein Vorlaäufer für Tetsuo, the Iron Man war, nur nicht ganz so gut gemacht. Ich hoffe ich konnte weiter helfen.
Viel Spaß beim gucken. :)
Danke für die Antwort. In dem Umfang wäre das doch gar nicht nötig gewesen. Ich werde erstmal nach einem der neueren Filme Ausschau halten, wahrscheinlich "A Snake of June" oder Gemini. Und dann sehen wir mal weiter...
geschrieben von: Kappabani
:)
Na ja, ich weis nicht weie ich sonst hätte antworten sollen ohne ungerecht zu werden.
Hab leider vergessen zu schreiben das Gemini auch nicht auf deutsch erschienen ist aber meistens bekomt man den für nicht viel Geld bei Online Mailordern wie bei Ron Chua oder auch bei Ebay für nicht viel Geld.
geschrieben von: Ward81
Also ich find den Regisseur auch absolut genial!
TETSUO The Iron man ist einfach nur mit dem wort tollwütig zu beschreiben; vor allem die Cyborg-Sex szene stellt so einiges in den schatten was ich bis dato gesehen hab. Der Film ist vorallem stilistisch perfekt; durch das schwarz weiß und dem glänzenden Make-up wirkt alles wie aus metall. Der Film ist definitiv ein erlebnis! MUSS man gesehen haben!!!
Die Fortsetung fand ich aber eher schwach und wirkte im vergleich zum Vorrgänger weniger originell, obwohl er ja hier sicherlich mehr geld hatte. Also es schien mir halt als wollte er sich einem größerem publikum anbiedern, vermutlich ist es nicht so gewesen aber der eindruck bleibt trotzdem...
SNAKE OF JUNE ist magisch Fotografiert; aber er ist auch das was man im allg. einen "Kunstfilm" bzw. Arthouse Streifen nennt-daher nur für den geduligen zuschauer der auch mal einen Film schauen kann bei dem es nicht so viel spannung gibt. Hiruko hab ich leider nur mal auf japanisch (ohne untertitel..) gesehen, aber die Stop-Motion Trickeffekte waren ziemlich beeindruckend und irgendwie kultig. Demnächst werd ich mir Vital anschauen können :)
Andere Filme von ihm kenn ich leider nicht, NOCH nicht...
geschrieben von: Kappabani
@ Ward81
Jop, der Typ macht einfach Monster Filme! :)
Hiruko ist ja nun auch auf deutsch zu haben und die Synchro ist ganz OK.
Ich hoffe meine kleine List und die Links helfen ein bischen. Bei Charmes bekommt man ein paar seiner Filme - nach Titeln oder seinem Namen suchen.
Tokyo Fist kann ich dir auch ans Herz legen, da sind ziemlich beeindruckende Szenen dabei.
Die Deutschen Fassungen sind generell ungeschnitten.
War Tsukamoto hier zu Lande noch eher Underground Ende der 90er so hat es der Import Remakedreck aus Hollywood geschafft die Aufmerksamkeit deutscher Vertriebe auf das Japanische Horror Kino zu lenken, wohl der einzig positive effekt.
Noch Mitte der 90er waren unsere Gerichte der Meinung das Body Hammer wegen Gewaltverherrlichung zu beschlagnahmen sei, um so mehr verwundert mich nun die Flut an deutschen Veröffentlichungen deren Synchro nicht immer gut ist.
(werd hier später weiter machen - muß zu Bett ;) )
geschrieben von: coma_black
Ich bin damals über die Tetsuo-Filme auf Tsukamoto aufmerksam geworden und seitdem begeistert - eine Art visuell hyperaktiver Cronenberg, der die Augen zum Schwitzen bringt.
Von dem bösen Film, den das Amtsgericht nicht verstanden hat, gibt es übrigens eine deutsch untertitelte DVD...
geschrieben von: Ardath Bey
Da würde ich auf ein Bootleg tippen oder das Urteil von 95/96 (weis ich nicht mehr genau) wurde aufgehoben.
In der Zeitschrift Jugend Medien Schutzreport kann man nachlesen was indiziert oder beschlagneahmt wurde.
Erfreuliche Neuigkeiten für alle Tsukamoto-Maniacs. Der dritte Teil der Cyberpunk-Kultreihe wird unter dem Titel Tetsuo: The Bullet Man 2010 erscheinen!
Man darf gespannt sein ..
geschrieben von: Ardath Bey
Oh. Herr Tsukamoto sheint ja richtig fleisig zu sein. Mal sehen ob er sich langsam übernimmt oder sein Niveau halten kann, was erfreulich wäre aber auch die Gefahr mit sich bringt das die Masse diesen Regiseur entdeckt und man dann damit genervt wird. :D
geschrieben von: Ardath Bey
So, Film gesehen aber leider hat mich dieser nicht vom Hocker gehauen. Irgendwie fehlte der Schneid.
Bullet Man guckt sich wie ein Aufguß von der Body Hammer Version mit tatsächlichen Bildzitaten 1:1 übernommen, ganz so als wollte da jemand seinen eigenen, europäischen Tetsuo: Body Hammer Film machen.
Dabei nutzt man die Möglichkeit der mir inzwischen zu tiefst verhassten Wackel-Kamera so das tatsächlich nichts mehr vom Bild übrig bleibt auser Geschmiere. Der Soundtrack von Chu Ishikawa ist allerdings wie gehabt großartig. Warum die Nine Inch nails da mitmischen müssen bleibt mir allerdings ein Rätsel.
Herr Tsukamoto selbst glänzt ebenfalls wieder durch das manische pulsieren hinter den Augen. Mithauptdarstellerin Akiko Monô ist auch hübsch.
Beim gucken konnte ich mich von dem Begriff Auftragsarbeit nicht befreien.