kommt in den totgeglaubten Garten!
lang nur lag ödland hinter den Toren
Das alte sei nun neu geboren!
ein Blütenmeer soll euch erwarten!
Es drängen zum Leben aller Geister Farben
die düstren, die grellen, die tosenden wilden
die hellren, die dunklern, die sanfteren milden
All solln sie als Augenweide euch laben!
All Rosen soll der Garten hier haben!
und wenn eine ihrer eurer Herz nun entzückt
oder misfallet, ist grausam missglückt
so zögert nicht lange, die Feder zu heben
schreibt nieder euer tiefsten Bewegen
und gebt die Gedanken dem Gärtner zurück
geschrieben von: rosenkind
Novembergedicht
Novembergrau im stillen Glase
ergießt der Bäume Schattenspiel
die Wolken ziehn durchs dunkle Grase
und Tränenseen liegen still
Es weht im Licht der trübe Spiegel
zerstreut mein Antlitz in den Wind
In Stücke brechen alle Siegel
das Tagesauge stumm und blind
Ein Rabenkreis steigt still empor
zerworfen ist das Nebelkleid
wo Sinn den Sinn des Seins verlor
sind Zeit um Zeiten nun entzweit
Die grauen Blüten toter Reben
erstreben nur die Ewigkeit
Des Rätsels letzter Worte Leben
verbirgt sich in Verschwiegenheit
Nur Schemen gleiten noch von Dannen
im Spiel aus fadem Zwillingslicht
sind alle Worte stumm gefangen
und dort am Ende steht kein Ich
November 2006
geschrieben von: rosenkind
Sommernachtstraum
Es wollt die schleierwebende Nacht
Ein holdes Gemache einst spinnen
Durch Fensterbögen trat in Pracht
Das Mondlicht auf die Zinnen
Der Wind lag still im Garten der Zeit
Verharrte auf weißem Balkone
Die Sterne gaben ihm das Geleit
Und stiegen zum silbernen Throne
Die Brunnen im Garten vergaßen das Rauschen
Geschwungene Wege führten sich fort
Die Blüten und Bäume versanken im Lauschen
Und aus den Fernen ertönte kein Wort
Ein Mädchen von reiner, edler Gestalt
Lief durch des weiten Schlosses Hallen
Ließ vor des Zaubers zarter Gewalt
Ihr goldenes Haar niederwallen
Geschwinde Füße trugen sie fort
Der Sehnsucht Weg sich zu bahnen
Es war dort ein ewig gemiedener Ort
Verborgen durch tausendes Mahnen
Die Schlüssel in zärtlichen Händen versanken
Die Türe weißdornige Rosen umranken
Die Nacht trat heran und hüllte sie ein
Sie drehte den Schlüssel und trat hinein
Ein liebliches Antlitz sich zu ihr gesellte
Ein Glitzern der Fremden Haare erhellte
Ein zweites Wesen, das ihrer so glich
Trat aus dem Mondlicht, das von ihr nun wich
Die Blicke sich trafen mit zitternden Beben
Und Träume aus Glanz um beide sich weben
Ein Mädchen das andere zaghaft berührte
Der Spiegel zu einem Wesen sie kürte
Sie sanken ins weiche Federgemache
Ein Flüstern ging um aus heimlicher Sprache
Die Schönheit der anderen beide sie band
So legte sich ein um die andere Hand
Das Mondlicht war längst von den Zinnen gewichen
Und fröhliches Reden begrüßte den Tag
Am Himmel waren die Sterne verblichen
Und Rauschen auf allen Brunnen nun lag
Die Wege waren hinfort geschritten
Die Schleier wurden vom Winde verweht
Das Leben hatte die Zeit zerschnitten
Und jedes Lauschen kam zu spät
Da fand man im Schlosse von Rosen durchdrungen
Im Zimmer, das bisher keiner betreten
Zwei Mädchen im Bette, leblos umschlungen
Und Hochzeitsschleier um beide zart wehten
geschrieben von: rosenkind
eigentlich wollte ich mit der Veröffentlichung der Gedichte warten, bis der Roman, zu dem sie gehören, fertig ist... aber nachdem das ewig dauern kann, ich derzeit nichts außerhalb des Romans produziere und ich den Thread mal wieder etwas weiter vorne haben möchte ...:
Das Rätsel I
Ein Samenkorn fiel einst zu Erden
Daraus 2 Keime sollten werden
Der ein des anderen Ebenmaß
Man Fremdes in den Zügen las
Im andern Antlitz sich verkehr’n
Was uns des Einen Züge lehr`n
Der eine drang zum Leben hin
Der zweite gab dem Tod den Sinn
Der eine konnt das Licht ergreifen
Der andre sollt ins Dunkel schweifen
Doch blieb ein Schatten auch im Lichte
Und in der Dunkelheit ein Schein
So fiel niemals die Welt zunichte
Geschaffen durchs Beisammensein
Der eine trug im Außen nun
Was des Andren innen war
Und des einen Innen nun
Im Bild des Bruders sich gebar
Sei jenem Tage ringen beide
Und suchen sich zugleich
Was ist von ihn’ im fremden Leibe
Und so entsteht das Reich
2 Namen gab man beiden Kindern
doch beide ihnen ungerecht
den wirklichen wird nur der finden,
der spinnt ihr alt’ Geflecht
Das Rätsel II
Ein Samenkorn fiel einst zu Erden
Daraus 2 Keime sollten werden
Der ein des anderen Ebenmaß
Man Fremdes in den Zügen las
Im andern Antlitz sich verkehr’n
Was uns des Einen Züge lehr`n
3 Jahre wuchsen beide Blüten
eh Segen konnt nicht mehr sie hüten
Der eine wuchs zum Leben hin
Den 2. rafft der Tod dahin
Vergangen war das Wissen lang
Im tiefster Seel’ des ein gefang
Doch aufgebrochen sucht er dann
Des alt’ Geheimnis wahren Klang
Das Siegel
Ein Siegel
weiß umspannt
verhüllt
es schweigt der Spiegel
Eisig liegt das ruhige Land
gesperrt durch bleiche Riegel
zwei Seen eisblau gläzend tief
verbergen stumm, was darin schlief
und längst vergang'ner Zeiten Zeilen
verschlüsselt ewig schon verweilen
geborgen tief im weißen Meer
in Eis und Schee
so fern und schwer
wer bricht das blanke Pergement?
was längst vertraut, er bald erkennt
Wärme glüht im tiefsten Innern
rot mal schon ein sanftes Schimmern
doch unverwandt und unerkannt
noch in Masken liegt verbannt
alles Ahnen, alles Kennen
Alles Wissen und Bennen
Wind weht sanftdurch schwarzes Stroh
Raben heben sich empor
übers weite Land zu fliegen
suchend nach des Winters Siegeln
geschrieben von: rosenkind
Das Haus (ein Spontangedicht)
Am Wald steht ein Haus
Das Haus, es ist mein
Kein Weg führt hinaus
Kein Weg führt hinein
Geschwärzt sind von Ruß
Die Wände der Zimmer
Die eisigen Gänge
Durchzieht ein Gewimmer
Von morschen Balken
rutschen die Ziegel
die Türen gesperrt
durch rostige Riegel
die Stühle, die Bänke
vom Staube verschmutzt
die Wiege im Zimmer
wurd’ lang nicht genutzt
von oben herab
sanft spinnen die Weben
ein jedes Begehren,
ein jegliches Leben
in Vasen stehen die
Blumen verwittert
Das letzte Fenster
Im Zimmer vergittert
So steht es das Haus
Am Waldrand allein
Ich find nicht heraus
Und niemand hinein
geschrieben von: rosenkind
heute mal ohne Titel
Die Farben sind nicht mehr zu halten
In bunt dreht sich, was schwarz einst war
Die Klänge, einst durch Räume schallten
Sind längst verklungen, nicht mehr da
Die Zeit, sie wandelt durch die Kreise
Die Menschen wandeln mit ihr mit
Und unaufhaltsam, schleichend leise
Sich wandelt auch das Weltgesicht
Das Wort, einst mit der Deutung gleich
Durch Farben, Formen, Werte schritt
Gekostet von dem Fremden, reich
Löste vom Sinn sich selbst gleich mit
Im Spiel mit der Vergänglichkeit
Starb vieles und ward neu geboren
Es scheint so hoffnungslos verloren
Die alte Unzertrennlichkeit
Manch Auge schon glaubt tot zu sehen
Die Hochkultur, die einst so hieß
Seitdem vom Wort der Geist entflohen
Und leere Hülsen hinterließ
Ein andrer leugnet stets den Wandel
Sieht durch die Augen tränenblind
In einem ungerechten Handel
Doch immer noch das eigne Kind
Es fehlt die Antwort, bleiben Fragen
Auf den Münder stumm geteilt
Wohin soll uns die Flügel tragen
Wenn von dem Alten nichts verweilt
Da tritt ein einzelner in die Runde
Und spricht „es ist noch nicht zu spät“
Denn was auch immer ist verloren
Was auch immer kommt und geht
Und schlägt es auch die tiefste Wunde
Was wirklich zählt, das ist der Bunde
Der heimlich hinter allem steht
geschrieben von: rosenkind
ich weiß nicht wieso, aber irgndwie endet fast jedes Gedicht, das ich in letzter Zeit schreibe, als Naturgedicht...
Ode an Gaia
Marmorglanz und Schattenspiele
Brunnenrauschen, Mondesstille
Spuren führ’n hinaus ins Nichts
Zart es lockt die Vilonie
Aus des Taues Nachtesfülle
Zu des Himmels hellsten Lichts
Spürst du nicht den Silberreigen?
Siehst du nicht des Himmels Volk?
Quellen sprudeln, Winde streicheln
will den Zauber um dich schmeicheln
Und das Spiel der goldnen Geigen
Flüstert leise zu dir „folg!“
Deine Augen, deine Sterne
Deine Haut, dein Firmament
Deine Seele, deine Flammen
Und dein ewig Feuer brennt!
Deines Lachens, deines Rauschens
Deiner Tiefen, deiner Meere
Deiner Lippen, deiner Quellen
Nichts ist, was ich mehr begehre!
Wie die Haine schimmern, scheinen
Wie der Mond im Wasser wiegt
Wie ein Zauber wandelnd, tanzend
Zwischen all den Dingen liegt
Und wie deine Hand ganz leise
Stumm an meiner Sehnsucht zieht
Schickt mich zu dir auf die Reise
Bis das Morgenrot verglüht
23.09.09
Blauer Mond
Blauer Mond und Silberflüstern
Tränenperlen
Schein der Zeit
Getrennt die Wege einsam wandern
Durch die Zeit, vereint, entzweit
Sind es heute Sonnenstrahlen
Die mich wärmen und erwecken?
Oder ists des Mondes Scheinen?
Das noch glänzt in allen Ecken?
Tiefe Brunnen, Hohe Himmel
Schmale Pfade, weite Flur
Blütenrauschen Schneegewimmel
Weit es lockt mich die Natur
Fragen schwingen und verklingen
Ungestillt vom Morgenduft
Ist es Leben, das ich sehe?
In der tiefen, kalten Gruft?
Nichts von Wissen, nur ein Ahnen
Bleibt vom Lebenstraum zurück
Und des blauen Mondes Bahnen
Erzähl’n Geschichten von den Ahnen
Und kehr’n niemals mehr zurück
02.10.09
Feuertanz
Rote Gewänder
flimmernde Bänder
schimmern und glühen
Funken versprühen
Gesichter verschweigen
Tanzen im Reigen
Aus Erden hervor
Zum Himmel empor
Glimmen im Dunkeln
Tiefrotes Funkeln
Durch Auen und Flur
Die ganze Natur
Nachtschwarz umkleidet
Langsam und schreitend
Hinaus in die Welt
Durch Wiesen und Feld
Wer weiß schon die Namen
Von allen die kamen
Geheim ist der Ort
Von Tageswelt fort
Wo Geister sich zeigen
Des still’ Volks zueigen
Und nie, was geschehen
Ein Mensch je sehen
03.10.09
geschrieben von: rosenkind
Brief an die Romantiker ein kleines Zeugnis einer Sehnsucht
Oh könnte ich wandern
Auf zeitlicher Flur
Oh führte ein Riff
Entlang jener Spur
Und trüge zu andern
Ufern mein Schiff
Wie seh ich sie glänzen
Die goldenen Bilder
Im Licht alter Bäume
Das Lächeln so Milder
Verloren in Tänzen
Sind all meine Träume
Warum? Sagt ihr Augen
Auf uralter Leinwand
Warum? sprecht ihr Münder
Im schillernden Einband
Kann Wunsch denn nicht taugen
Mich bringen zum Gründer?
Die Blume, die Blaue
Frohlockt meine Sinne
Doch ach, sie vergeht
Es schweigt ihre Stimme
Und nur ein Flüstern spricht mir noch laue
200 Jahre bist du zu spät
geschrieben von: rosenkind
mal ein Gedicht, das etwas aus der Reihe fällt, aber ich bin grade so herrlich inspirert worden, ich konnte nicht anders ;)
Mensch im Angebot
Meine Herren, Meine Damen
Kennen sie nicht auch die Dramen
Wenn die Menschen um sie meinen
mit dem Gedanken zu verstören
nicht nur ihnen zu gehören?
Nicht mal Doktrinen wirksam scheinen?
Selbstbestimmt, tag ein tag aus
Klatschen für Kritik Applaus
Ja, oh wahr das ist ein Graus
Doch nun führt ein Weg heraus!
Mit unser’n neuen Menschentypen
stromarm Niedriglohn betrieben!
Könnend ohne viel zu üben
Ja, Sie werden sie noch lieben!
Und ich kann es garantieren
Sie könn’ bei uns nur profitieren
Unsre Menschen funktionieren!
Ich darf’s kurz mal demonstrieren
Da: die neue Konstruktion!
Mit eingebauter stumpf-Funktion!
Anti- Individu’tion
Na, mal echt, wo gibt’s das schon!
Humankapitalsgebaren
Extra Kollektiverfahren
Super Qualitätsmerkmal:
Nicht geringste Denkensqual
Druck auf Knopf, er kauft wie Blöde!
Ackert selbst bei größter Öde!
Kritisch Eigensinnen - spröde!
Humanismus? – ach wie schnöde!
An den Unis, an den Besten!
Ließen wir’s Verfahren Testen
Schon die erste Gen’ration
Reinste Super Produktion!
Und eins sage ich heut morgen
Machen sie sich keine Sorgen!
Woll’n sie sich nen neuen borgen
Lässt er auch sich leicht entsorgen!
Na konnt ich Sie überzeugen?
Dann bloß keine Zeit vergeuden!
Auf und schnell den Stift gespitzt
Meine Herren, meine Damen
Schreiben sie hier Ihren Namen
Und die Sache ist geritzt!
mit einem Gruß an lizard, dem ich die Inspiration für diesen ironischen Erguß zu verdanken habe ;)