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Diäten, Schlankheitswahn und Magersucht - alles noch normal?

(Klicke hier, um das Thema mit vollen Farben / Abbildungen zu betrachten)



geschrieben von: Misericordia

Komischerweise habe ich mich gerade bei einem Kunstprojekt sehr intensiv mit den Themen Magerucht, Bulime und anderen Essstörungen beschäftigt und habe erst über die folgenden Internetrecherchen etwas über die scheinbare Omnipräsenz von Essstürungen erfahren. Mittlerweile sind schon einige Models an den Folgen ihrer Anorexie verstorben (jüngeres Bsp: das brasilianische Model Ana Nicole Reston, wurde mit ihrem Gewicht von kanpp 40 Kilo auf eine Größe von 1, 70m nur 18 Jahre alt), die Mädchen werden in Allgemeinen immer dünner, was nun auch die Einführung einer Hosengröße 32 (europäische Größe!) zur Folge haben wird, gleichzeitig wird der andere Teil der Gesellschaft krankhaft adipös durch eine Welt, die vor allem durch künstliche Aromen, Geschmacksverstärker und Schnellimbisse dominiert wird. Im Gegensatz dazu tummeln sich im Internet zahlreiche Pro-Ana-Foren(kurz und verniedlicht für Pro-Anorexia), welche den blutjungen Mädels zahlreiche Tipps geben, wie sie sich den nun am besten den Finger in den Hals stecken, um auch gründlich alles loszuwerden, oder wie sie ihre Magersucht am besten vor ihren Eltern verheimlichen. Zwar ist man auch hier bestrebt, das Vorkommen von diesen Magersuchtsverherrlichenden Seiten zu verringern, kämpft da aber nur einen eher vergeblichen Kampf.
Über diese Seiten bin ich eben auch über einige schockierende Zahlen gestolpert, die mich doch nachdenklich gestimmt haben, daher auch in diesem Rahmen die kleine Umfrage; demnach sind

- 5 Millionen Menschen in Deutschland essgestört
- 90% der weiblichen Teenager bestrebt abzunehmen
- 73% der Frauen der Meinung ein untergewichtiger Körper sei attraktiver als ein normalgewichtiger
- 99%(!) der Frauen nicht ganz zufrieden mit ihrer Figur
- 70-80% der Frauen ängstlich im Hinblick aus Satt-Essen, weil sie fürchten dick zu werden

Weiß nicht, wie das hier ander sehen, aber für mich war das doch teilweise schockierend.
Nun meine Frage: Gibt es hier einige, die sich darin wiederfinden können? Ich selbst müsste auch einigen der Punkte zustimmen, da ich selbst Übergewicht habe. Aber wie sieht es bei anderen, normalgewichtige Usern hier aus?
Und wie seht ihr diese Magersuchtsbewegung? Bloß ein kurzfristiger Trend, oder mehr als das?



geschrieben von: Kinch

Ich persönlich halte die Zahlen für absolut unglaubwürdig, und zwar jede.
Lediglich die Frage ob es 5 Millionen Essgestörte gibt, ist abhängig von der Definition einer Essstörung.
Magersucht ist ein langer Trend, und mitnichten eine kurzweilige Erscheinung. Dem zugrunde liegt eben das Bedürfnis des Menschen attraktiv sein zu wollen. Ich vermute schlicht ein Überbleibsel der Sexualselektion. Das Bestreben nach Attraktivität ist tief verankert im menschlichen Charakter, und davon ist wohl kein normaler Mensch befreit.
Es unterscheiden sich lediglich die Formen der Attraktivität. Eine schlanke Figur ist heute deshalb so populär, weil sie, dank der allgemeinen Überflussgesellschaft mit ihrer hohen Nahrungsdichte, selten geworden ist. Das Exklusive hat immer etwas anziehendes.
Allerdings ist auch festzustellen dass mittlerweile das Thema offensiver im öffentlichen Diskurs angegangen wird, und dadurch auch gemildert wird. Es gibt mittlerweile auch Gegenbewegungen.



geschrieben von: Misericordia

Nun die tatsächlichen Beweis für die Zahlen sind wohl kaum lieferbar, da es sich hier auch um recht vage Antworten handelt.

Und ja, das Streben nach schönheit und damit einhergehender Anerkennung durch andere ist wohl so alt wie die Menschheit selbst. Was jedoch die moderne Magersuchtsbewegung von anderen Schöhnheitstrends unterscheidet: Es wird ein Schönheitsideal glorfiziert, das in jeglichem Sinne gesundheitsschädlich ist. Es ist nahezu selbstzerstörerisch, Und das ist es, was es, wie ich denke, so bedenklich macht.



geschrieben von: Kinch

Gesundheitsschädliche Schönheitstrends sind keinesfalls ein Novum. Die weibliche Beschneidung ist teilweise ein solcher Schönheitstrend, das Verkrüppeln von Frauenfüßen in Asien, im Barok war es unschön sich zu waschen, stattdessen wurde giftes MakeUp aufgetragen, die hygienischen Folgen sind bekannt, das Korsett zerquetschte ganze Organe und und und
„Wer Schönsein will, muss leiden“ kommt nicht von ungefähr. Schönheit wurde schon immer bis ins Extrem getrieben, eine Notwendigkeit um Exklusivität zu erreichen, und Extreme sind im allgemeinen gesundheitsschädlich.
Neben dem Schlankheitstrend seinen Schönheitsoperationen und Stöckelschuhe als Gesundheitsschädliche Schönheitsideale angebracht.



geschrieben von: Misericordia

Nun mit dem barocken Schönheitstrend der Korsetts oder der Frauenbeschneidung, die ja immer noch in einigen Ländern praktizert wird, muss ich dir recht geben, so habe ich das bis jetzt nicht gesehen.
Ich finde dennoch, dass der Magersucht Trend aber noch weit härter ist als der von Stöckelschuhen. Schließich handelt es sich hier um die Glorifizierung einer Krankheit mit psychischen und physischen Folgen, die sogar zum Tode durch Verhungern oder durch ein zu schwaches Immunsystem führen kann. Ähnlich woe den Beschneidungen in Afrika, bei denen viele Mädchen verbluten. Ich finde es bloß so erschreckend, dass der Schönheitswahn in unseren Breitengraden so publik gemacht wird und es vor aller Augen verherrlicht wird. Dabei sollte man meinen, wir wären mittlerweile zivilisiert und müssten unsere Töchter nicht mehr in die Selbstzerstörung stürzen.



geschrieben von: Kinch

Ich denke man muss hier auch zwischen dem öffentlichen und privaten Schönheitsideal unterscheiden.
Nur weil es im Modelgeschäft üblich ist unternährte Frauen zu präsentieren, heißt das nicht, dass das auch als allgemeines Schönheitsideal gilt. Ich persönlich kenne niemanden der magersüchtige Frauen wirklich attraktiv findet, und erst recht niemand der mit so einer Person ihrer Krankheit wegen eine Beziehung eingehen möchte.
Ich glaube nur eine Minderheit findet so etwas tatsächlich schön.



geschrieben von: Tanfana

Ein ähnliches Thema gibts schon.
Dort wird auch rege darüber diskutiert;

http://www.nachtwelten.de/vB/showth...ighlight=Models

LG und frohe Ostern!



geschrieben von: Lord_Fallerton

Ich denke, es gilt hier auch der alte Spruch: "Ich glaube nur, was ich sehe". Und was sehen wir jeden Tag in der Werbung? Junge, erfolgreiche, durchtrainierte, schlanke Menschen. Die Annahme, nur Frauen seien von Essstörungen betroffen, ist übrigens falsch. Die Herren verstecken es nur besser oder rennenauf einmal ins Sportstudio, um mehr Muskeln als nötig.
Ein grosses Probelem schein zu sein, wie man sich selbst sieht. Ich kenne jemanden, der sehr schlank und durchtrainert ist, sich selbst aber als fett empfindet. Andere Menschen wiederum, die nachweislich 10kg mehr auf die Waage bringen, werden als schlank empfunden. Sieht man nur, was man glaubt?

Bundeszentrale für gesundheitlich Aufklärung, Thema Essstörungen
http://www.bzga-essstoerungen.de/

NW-Tread "mollig vs. schlank"
http://www.nachtwelten.de/vB/showth...&threadid=61107



geschrieben von: Sadujan

*sich mal oute* Ich versteck es nicht und geh auch nicht ins Sportstudio. Ich bin selbst Pro-Ana und das bedeutet nicht, dass man es völlig ins Extrem treiben muss. Klar gibt es auch Leute mit dem Wunsch, Ana bis ganz zum Ende zu führen, aber das sind die Wenigsten. Ich finde einen BMI von 15 oder 16 ganz ok, weils einfach gut aussieht. Auch bei Frauen finde ich es viel besser, wenn sie so zerbrechlich wirken und ein "untergewichtiger" Körper fühlt sich auch einfach besser an. So fies, wie die "magersüchtigen" Frauen auf den Fotos dargestellt werden, sieht es in Wirklichkeit auch einfach nicht aus. Da werden Licht und Perspektive absichtlich genutzt, um aus teilweise wirklich schönen Frauen wandelnde Skelette zu machen. Statt dessen sollte man mal wirklich einen Blick auf "untergewichtige" Models werfen, auf deren Fotos nicht ihr Gewicht, sondern irgendein Produkt im Vordergrund steht. Das kommt der Realität schon weitaus näher. Ich versteh die ganze Aufregung um Eßstörungen auch kein bisschen. Nur weil ein paar Menschen bereit sind, gesundheitliche Schäden für ihr Aussehen in Kauf zu nehmen und auch genug Willenskraft dafür aufbringen, ist es noch lange nicht ok, sie dafür anzuprangern. Es wird ja keiner gezwungen, seine Schönheit über seine Gesundheit zu stellen und nur, weil Vielen der Preis zu hoch ist, muss man doch nicht das Ergebnis in Abrede stellen. Man kann sich gern darüber beschweren, dass die körperlichen Schäden zu heftig sind, aber das Ergebnis ist unbestreitbar.
Bei Bulimie ist das anders. Beim Brechen bleiben die Kalorien und Nährstoffe im Körper und hinzu kommen die berüchtigten FAs. Effektiv nützt es also überhaupt nichts, sondern scheint mir im Gegenteil eher echt schädlich für das Gewicht zu sein. Bis auf eine Ausnahme waren alle Bulimiker, die ich bislang kennengelernt habe, deutlich an der oberen Grenze des "Normalgewichts" oder gar drüber. Es ist auch keine starke Willensleistung, FAs nachzugeben, es wieder auszubrechen und dann wieder FAs zu bekommen. Zwischen reiner Ana restriktiva und Bulimie ist ein meilenweiter Unterschied.
Was die Ausmaße angeht: ca. zwei Drittel aller Bundesbürger ist übergewichtig, der Rest zum allergrößten Teil "normalgewichtig". Anas sind schon eine deutliche Ausnahme, Pro-Anas, also solche, die sich bewusst gegen eine "Therapie" entscheiden, sind noch seltener. Man sollte sich mal lieber Gedanken darum machen, dass so viele unmündige Kinder heutzutage so dick sind, weil sie zu wenig Bewegung bekommen und mit Fast Food vollgestopft werden. Das ist nämlich ein echtes Problem.

Liebe Grüße
Sad



geschrieben von: Lord_Fallerton

Kinder lernen von Vorbildern, sprich: ihren Eltern. Warum müssen 9- bis 10-jährige Kinder Mittags Erwachenenpotionen Pizza essen? Weil sie Geld von ihren Eltern bekommen, weil die sich keine Gedanken machen mpssen, was die Kinder essen. Ungesunde Essgewohnheiten kann man anerziehen.
Andererseits sterben auch in Deutschland Kinder an freiwilliger Mangelernährung, nicht nur weit weg von uns. Aber wer will das schon hören.
Ich streichel übrigens nicht so gern über Rippen, das kann ich auch bei mir haben.



geschrieben von: ratrinity

Zitat:
Original geschrieben von Sadujan
*sich mal oute* Ich versteck es nicht und geh auch nicht ins Sportstudio. Ich bin selbst Pro-Ana und das bedeutet nicht, dass man es völlig ins Extrem treiben muss. Klar gibt es auch Leute mit dem Wunsch, Ana bis ganz zum Ende zu führen, aber das sind die Wenigsten. Ich finde einen BMI von 15 oder 16 ganz ok, weils einfach gut aussieht. Auch bei Frauen finde ich es viel besser, wenn sie so zerbrechlich wirken und ein "untergewichtiger" Körper fühlt sich auch einfach besser an. So fies, wie die "magersüchtigen" Frauen auf den Fotos dargestellt werden, sieht es in Wirklichkeit auch einfach nicht aus. Da werden Licht und Perspektive absichtlich genutzt, um aus teilweise wirklich schönen Frauen wandelnde Skelette zu machen. Statt dessen sollte man mal wirklich einen Blick auf "untergewichtige" Models werfen, auf deren Fotos nicht ihr Gewicht, sondern irgendein Produkt im Vordergrund steht. Das kommt der Realität schon weitaus näher. Ich versteh die ganze Aufregung um Eßstörungen auch kein bisschen. Nur weil ein paar Menschen bereit sind, gesundheitliche Schäden für ihr Aussehen in Kauf zu nehmen und auch genug Willenskraft dafür aufbringen, ist es noch lange nicht ok, sie dafür anzuprangern. Es wird ja keiner gezwungen, seine Schönheit über seine Gesundheit zu stellen und nur, weil Vielen der Preis zu hoch ist, muss man doch nicht das Ergebnis in Abrede stellen. Man kann sich gern darüber beschweren, dass die körperlichen Schäden zu heftig sind, aber das Ergebnis ist unbestreitbar.
Bei Bulimie ist das anders. Beim Brechen bleiben die Kalorien und Nährstoffe im Körper und hinzu kommen die berüchtigten FAs. Effektiv nützt es also überhaupt nichts, sondern scheint mir im Gegenteil eher echt schädlich für das Gewicht zu sein. Bis auf eine Ausnahme waren alle Bulimiker, die ich bislang kennengelernt habe, deutlich an der oberen Grenze des "Normalgewichts" oder gar drüber. Es ist auch keine starke Willensleistung, FAs nachzugeben, es wieder auszubrechen und dann wieder FAs zu bekommen. Zwischen reiner Ana restriktiva und Bulimie ist ein meilenweiter Unterschied.
Was die Ausmaße angeht: ca. zwei Drittel aller Bundesbürger ist übergewichtig, der Rest zum allergrößten Teil "normalgewichtig". Anas sind schon eine deutliche Ausnahme, Pro-Anas, also solche, die sich bewusst gegen eine "Therapie" entscheiden, sind noch seltener. Man sollte sich mal lieber Gedanken darum machen, dass so viele unmündige Kinder heutzutage so dick sind, weil sie zu wenig Bewegung bekommen und mit Fast Food vollgestopft werden. Das ist nämlich ein echtes Problem.

Liebe Grüße
Sad




tschuldige aber so nen scheiß hab ich scho lang nimmer gehört



geschrieben von: Kinch

Aus Erfahrung bin ich der Überzeugung dass man Pro-Anas niemals wird überzeugen können, insofern Sadujan, sprechen wir uns vielleicht in ein paar Jahren nochmal, wenn du keine Treppe mehr hochlaufen kannst ohne eine Atempause zu brauchen, oder zum zigsten mal zwangsernährt werden musst.

@ratrinity

Ich wäre dankbar wenn du dir solche Äußerungen sparen könntest, dass verstärkt nur den Eindruck von Magersüchtigen sie würden per se abgelehnt werden.



geschrieben von: ratrinity

Du musst es ja wissen. Und hast sicherlich schon mit mehr Magersüchtigen zu tun gehabt wie ich..
Möchte mich jetzt nicht darüber auslassen wer hier wen ablehnt
Außerdem sehe ich in diesem Beitrag die Gefahr des triggerns.. was ja vollkommen unerheblich ist...



geschrieben von: Misericordia

Triggern hin oder her, ich meine Sajudan hat an sich ja nur seine Meinung hier geäußert, wozu er ja auch gebeten worden ist, von daher ist ihm kein Vorwurf zu machen...
Was ich aber hier noch anmerken will ist, dass natürlich keiner explizit zum Hungern gezwungen wird, aber man muss doch schon sagen, dass eine Pro-Ana-Bewegung in den 20er oder 30er Jahren einfach undenkbar gewesen wäre. Grund dafür müsste demnach der gesellschaftliche Kontext sein, in dem sich ein beliebiges Schöhnheitsideal entwickelt, das ist ja auch keine Neuigkeit. Von daher muss eine Gesellschaft zwangsläufig auch das Schönheitsideal bestimmen. Damit zwingt einen an sich keiner, aber durch die Medien, durch Mitmenschen wird das Welt - und Selbstbild maßgebend beeinflusst, oder nicht? Und damit verändern sich auch die ästhetischen Maßstäbe, denen ein Individuum gerecht werden muss, ohne das es willentlich dazu beigetragen hat, wie ich denke.
Davon sind aber auch die unwissenden 13- oder 14-jährigen Jungen und Mädchen, die sich auf Pro-Ana-Seiten tummeln und freudig beim Wetthungern mitmachen ausgenommen. Deswegn finde ich es gerade hier wichtig, dass Kinder diesen magersuchtverherrlichenden Medien nicht einfach hilflos ausgesetzt werden. Im Gegensatz zum Erwachsenen sind sie nämlich nicht für sich alleine verantwortlich - auch wenn ich persönlich die erwachsene Pro-Ana-Bewegung um keines besser finde...

Und ja, es gibt genügend übergewichtige Kinder im Gegensatz zu untergewichtigen, das möchte ich auch gar nicht bestreiten; klar ist trotzdem, dass unsere Gesellschaft immer mehr in zwei Extreme zu wandern droht, auf der einen Seite die Hungerkünstler, auf der anderen die extrem Adipösen. Scheinbar haben wir im 21.Jhdt einfach verlernt zu essen...



geschrieben von: Misericordia

@Tanfana

Tut mir leid, ich hatte leider nur nach ähnlichen Themen in den Unterforen d&L und Platz der P. gesucht, daher jetzt der doppelte Thread *am kopf kratz*



geschrieben von: Kinch

Zitat:
Original geschrieben von ratrinity
Außerdem sehe ich in diesem Beitrag die Gefahr des triggerns.. was ja vollkommen unerheblich ist...


Typisches Totschlagargument. Nebenbei ist das kein Selbsthilfeboard. Er hat seine Meinung gesagt, der man zwar nicht zustimmen muss, aber mindestens respektieren. Jedenfalls finde ich es nicht annehmbar mit Fäkalwörtern um sich zu werfen, während jemand etwas Persönliches von sich berichtet.

Magersüchtige Models gibt es jedoch schon schon seit einigen Jahrzehnten. Als Beispiel sei Twiggy erwähnt. Ein Unterernährtes Model, dass in den 60er enorm populär war.
Und ich glaube persönlich auch, dass es in den 20er, zumindest in der Oberschicht, auch ähnliche Phänomene gab.
Die Gesellschaft beeinflusst natürlich das ästhetische Empfinden. Es gibt beim Menschen eine Art Prägung, die maßgeblich die ästhetische Wahrnehmung bestimmt. Es ist in erster Linie davon abhängig unter welchen Menschen man aufwächst, wie ihr Kleidungsstil und ihre Physiognomie beschaffen ist, die festlegt was wir selbst als Schön empfinden.

Zitat:

Davon sind aber auch die unwissenden 13- oder 14-jährigen Jungen und Mädchen, die sich auf Pro-Ana-Seiten tummeln und freudig beim Wetthungern mitmachen ausgenommen. Deswegn finde ich es gerade hier wichtig, dass Kinder diesen magersuchtverherrlichenden Medien nicht einfach hilflos ausgesetzt werden.


Es ist unzureichend das Phänomen der Essstörung, als reines Produkt des Schönheitsideal zu sehen. Die Menschen haben in einem Kulturkreis in etwas gleichartiges Schönheitsempfinden, trotzdem werden einige Essgestört andere nicht.
Gerade die Magersucht erfüllt ja mehrere Ich-Funktionen. Dazu zählt die narzisstische Gratifikation, durch das Hungern. Menschen mit schwachen Selbstwertgefühl haben oft keine andere Möglichkeit Stolz auf die eigene Leistungen zu empfinden, als durch zwanghaftes Verhalten. Deshalb sehen Pro-Anas zum Beispiel ihre Magersucht als Zeichen von Willenstärke, eine Art des Triumphs, dass sie anderen Menschen überlegen macht. Auch wenn es jetzt etwas fies klingt: Aus Sadujan kann man genau diese Einstellung sehr deutlich herauslesen.
Die kleine Exkursion sollte demonstrieren, dass Schönheitsideale mitnichten die einzige Ursache für diesen Trend ist.



geschrieben von: ratrinity

du redest davon ich solle seine Meinung respektieren, aber im gegenzug respektierst du keine Meinung neben deiner...

Ich kenne genügende die durch solche Kommentare erst in die Magersucht getrieben wurden weil sie einfach nicht mehr genügend Selbstbewusstsein Achtung und Kraft besitzen für sich selbst entscheiden zu können und solche Meinungen in sich aufsaugen und danach streben...

Mag sein dass es nicht Annehmbar ist mit solchen bösen Worten um sich zu schmeißen, aber Arbeite du mal mit Betroffenen zusammen und dann sag mir ob sie sich wirklich angenommen fühlen wenn man ihnen zeigt dass man es toll findet was sie machen... du siehst das alles ein wenig zu simpel



geschrieben von: Sadujan

Wenn jemand Angst davor hat, getriggert zu werden, sollte er nicht in Ana-Diskussionen herumschnuppern, die nicht zensiert werden. Es ist ja nicht so, dass man nicht wüsste, was einen triggert. Zudem ist das lediglich meine Meinung, Trigger sehen für mich ganz anders aus. In dem Pro-Ana-Forum, in dem ich bin, wird absolut polarisiert, wenn man triggern will... oder man benutzt Thinspirations. Das tue ich hier beides nicht und habe es auch sicherlich nicht vor. Jeder kann selbst entscheiden, ob er diesen Weg gehen will und wenn ja, wie weit. Ich finde es wichtig, beide Seiten zu kennen, um den eigenen Punkt dazwischen zu finden.
Ich will auch nicht von "goldener Mitte" oder so einem Mist reden. Der Punkt ist eine Frage des persönlichen Geschmacks und Stils. Bei manchen liegt er auch ganz auf der Anti-Ana-Seite oder gar auf der "Ana bis in den Tod"... Bei Leuten, die mir nahestehen bin ich offen und teile ehrlich meine Meinung mit, ob ich nun finde, die Person sollte dringend abnehmen, dringend zunehmen oder hat ne gute Balance gefunden... Ich sage weitaus häufiger etwas wie "Du willst noch weiter abnehmen? Bist du bescheuert?" als Abnehmtipps zu geben. Die Entscheidung liegt so oder so nach wie vor bei Jedem selbst und das akzeptier ich dann auch. Meine Freunde such ich mir bestimmt nicht hauptsächlich nach dem Gewicht aus (es wär allerdings gelogen, wenn ich behaupten würde, ich würde dicke Leute genauso leicht akzeptieren wie schlanke... Leute, die ich persönlich schön finde, sind mir immer lieber).

Zitat:
Original geschrieben von Kinch
Gerade die Magersucht erfüllt ja mehrere Ich-Funktionen. Dazu zählt die narzisstische Gratifikation, durch das Hungern. Menschen mit schwachen Selbstwertgefühl haben oft keine andere Möglichkeit Stolz auf die eigene Leistungen zu empfinden, als durch zwanghaftes Verhalten. Deshalb sehen Pro-Anas zum Beispiel ihre Magersucht als Zeichen von Willenstärke, eine Art des Triumphs, dass sie anderen Menschen überlegen macht. Auch wenn es jetzt etwas fies klingt: Aus Sadujan kann man genau diese Einstellung sehr deutlich herauslesen.


Ich persönlich bin auf alles Andere an mir genauso stolz wie darauf, geistig wie körperlich. Letztendlich strebe ich nach absoluter Perfektion und weiss auch, wie ich sie erreiche. Ich sehe mich und alle Gleichartigen als nächste Entwicklungsstufe des Menschen an, weshalb ich auch überhaupt keinen Drang dazu habe, gewisse Sachen "therapieren" zu lassen.
Klar ists nicht lustig, wenn man morgens nicht mehr aufstehen kann ohne bewusstlos auf den Boden zu klatschen, aber aus der Phase bin ich raus und solange es mir nicht völlig scheisse geht, esse ich auch genug, um am Leben zu bleiben. In diesen Fällen arbeite ich dann lieber an den Depressionen, nicht an der "Magersucht". Es gilt halt, den Balancepunkt zwischen Schönheit und Gesundheit zu finden. Mit BMI 16 kann ich tanzen, sprinten, mehrere Kilometer laufen, sogar Alpinklettern, obwohl ich nichtmal gut im Training bin (sondern körperliche Abhärtung durch schiere Willenskraft und Entschlossenheit ersetze). Als er auf 13 runter war, ging das natürlich nicht, aber mit BMI 15 dürfte es immernoch kein Problem sein.
Das Wort "Magersucht" find ich übrigens sehr irreführend... ich finde Fett eklig und bin nicht süchtig nach irgendwas. Wenn ich will, kann ich auch zunehmen, was ich ja sogar bereits mehrfach getan habe, um aus dem kritischen Bereich herauszukommen, in den mich meine Depressionen gebracht haben. Es ist also eher ein "Fett-Ekel" als eine "Mager-Sucht".

Liebe Grüße
Sad



geschrieben von: Kinch

Zitat:

Ich persönlich bin auf alles Andere an mir genauso stolz wie darauf, geistig wie körperlich.


Offensichtlich aber ist dir das nicht genug. Weder um dich selbst zu mögen, noch dein Leben. Dein Stolz ist nicht wirklich eine Form der Selbstliebe, wie das bei gesunden Menschen der Fall ist, sondern anscheinend eher ein weniger an Verachtung.

Zitat:

Letztendlich strebe ich nach absoluter Perfektion und weiss auch, wie ich sie erreiche.


Zu wissen wie man absolute Perfektion erreicht ist keine große Hürde. Der Knackpunkt ist die Erkenntnis, dass das was man für absolute Perfektion tun müsste nicht im Rahmen des Möglichen liegt.

Zitat:

Ich sehe mich und alle Gleichartigen als nächste Entwicklungsstufe des Menschen an, weshalb ich auch überhaupt keinen Drang dazu habe, gewisse Sachen "therapieren" zu lassen.


Das ist mir klar, Sadujan. Die Geschichten klingen alle gleich. Sich selbst aufwerten wollen, sich selbst von anderen absetzen wollen, besser sein zu wollen. Geistig mehr zu werden, in dem man körperlich weniger wird. Ich habe das schon unzählige Male gehört. Die Realität zeigte sich stets unbeeindruckt vom Streben des Menschen nach Perfektion. Und diejenigen die nicht gestorben sind – elendig wohlbemerkt – mussten für jedes Gramm Mehr kämpfen, weitaus heftiger als für das Hungern. Genau daran scheiden sich meiner Meinung nach die wirklich Willensstarken. Die Willensschwachen sind mittlerweile ein Raub der Fäulnis.
Es ist kein Kunststück zu Hungern, zu Leiden oder die Lebendigkeit zu negieren wenn man ohnehin an einer Schwelle zum Selbstmord steht. Das ist wie Fische im Eimer angeln.

Zitat:

Wenn ich will, kann ich auch zunehmen, was ich ja sogar bereits mehrfach getan habe, um aus dem kritischen Bereich herauszukommen, in den mich meine Depressionen gebracht haben.


Kurzzeitige Erfolge sind immer einfach. Ein Drogensüchtiger kann auch relativ simpel einen heißen Entzug machen und Clean werden. Das ist dann eben die Illusion der Kontrolle. Auch Fettsüchtige können radikale Diäten machen. Und jammern dann über den „Jojo-Effekt“.
Kontrolle ist etwas Dauerhaftes und nichts Alternierendes.

Nun ja, ich weiß dass du rationalen Argumenten nicht zugänglich bist. Vielleicht bin ich da zu pauschalisierend, aber wie gesagt, die Erfahrung zeigte mir eigentlich, dass Pro-Anas zumindest im Bezug auf ihre Krankheit tatsächlich alle gleich sind.



geschrieben von: Sadujan

Zitat:
Original geschrieben von Kinch
Offensichtlich aber ist dir das nicht genug. Weder um dich selbst zu mögen, noch dein Leben. Dein Stolz ist nicht wirklich eine Form der Selbstliebe, wie das bei gesunden Menschen der Fall ist, sondern anscheinend eher ein weniger an Verachtung.


Möglich, aber ich sehe keinen Unterschied darin. Wertmaßstäbe kann man doch nur innerhalb des selben Systems vergleichen. Und wenn ich sage, dass Menschen das Wichtigste auf der Welt sind und ich natürlich für mich selbst der wichtigste Mensch bin, dann ist es doch nur standpunktabhängig, ob ich sage, ich liebe mich mehr oder ich liebe die Anderen weniger. Das kommt doch effektiv auf das selbe raus.

Zitat:
Zu wissen wie man absolute Perfektion erreicht ist keine große Hürde. Der Knackpunkt ist die Erkenntnis, dass das was man für absolute Perfektion tun müsste nicht im Rahmen des Möglichen liegt.


Sorry, hatte mich falsch ausgedrückt... eigentlich meinte ich lediglich, dass ich den Weg dorthin kenne, auch wenn dieser Weg niemals sein Ziel erreicht, sondern es immer besser und besser und besser geht :)

Zitat:
Das ist mir klar, Sadujan. Die Geschichten klingen alle gleich. Sich selbst aufwerten wollen, sich selbst von anderen absetzen wollen, besser sein zu wollen. Geistig mehr zu werden, in dem man körperlich weniger wird.


o.O Das habe ich noch nie in so ein Verhältnis gesetzt. Ich will schlank sein, um gut auszusehen. Ich verspreche mir davon eine tolle Figur, nicht Intelligenz, Glück oder magische Fähigkeiten. Ich forme und verbessere meinen Körper lediglich genauso wie mein geistiges Selbst, also z.B. kognitive oder soziale Fertigkeiten. Das ist analog, aber nicht kausal verknüpft.

Zitat:
Ich habe das schon unzählige Male gehört. Die Realität zeigte sich stets unbeeindruckt vom Streben des Menschen nach Perfektion. Und diejenigen die nicht gestorben sind – elendig wohlbemerkt – mussten für jedes Gramm Mehr kämpfen, weitaus heftiger als für das Hungern. Genau daran scheiden sich meiner Meinung nach die wirklich Willensstarken. Die Willensschwachen sind mittlerweile ein Raub der Fäulnis.
Es ist kein Kunststück zu Hungern, zu Leiden oder die Lebendigkeit zu negieren wenn man ohnehin an einer Schwelle zum Selbstmord steht. Das ist wie Fische im Eimer angeln.


Die Kunst ist es, den Balancepunkt zu finden und zu halten... bzw. auch Möglichkeiten, die Grenze zur Instabilität weiter nach unten zu drücken, z.B. durch erhöhten Zuckerkonsum, um den Kreislauf stabiler zu halten.

Zitat:
Kurzzeitige Erfolge sind immer einfach. Ein Drogensüchtiger kann auch relativ simpel einen heißen Entzug machen und Clean werden. Das ist dann eben die Illusion der Kontrolle. Auch Fettsüchtige können radikale Diäten machen. Und jammern dann über den „Jojo-Effekt“.
Kontrolle ist etwas Dauerhaftes und nichts Alternierendes.


Kurzzeitig? Ich hab mich zuletzt von BMI 13 auf 16 hochgepusht und bleib da jetzt bereits ein halbes Jahr. Ich werde nochmal austesten, wies mit 15 klappt und wenns irgendwann nicht mehr geht, mich wieder hochpushen, wieder ein Stück weniger runtergehen, usw., bis ich den Balancepunkt gefunden habe. Seit sieben Jahren habe ich mein Gewicht immer haargenau da, wo ichs haben will. Auch wenn du wahrscheinlich einwenden wirst, das würde ich mir bloß vormachen: Ich war erst einmal im kritischen Bereich und auch nur wegen schweren Depressionen. Solange ich keine Suizidgedanken habe, achte ich auch stets darauf, mein Gewicht hoch genug zu halten.
Wenn ich schaue, wie viele Probleme ich davon bekomme, wenn ich versuche, eine Zeit lang nicht zu rauchen, dann seh ich dort echte Entzugsschwierigkeiten. Sowas hab ich mit meinem Gewicht nicht einmal ansatzweise.

Zitat:
Nun ja, ich weiß dass du rationalen Argumenten nicht zugänglich bist. Vielleicht bin ich da zu pauschalisierend, aber wie gesagt, die Erfahrung zeigte mir eigentlich, dass Pro-Anas zumindest im Bezug auf ihre Krankheit tatsächlich alle gleich sind.


Wir vertreten alle einen vergleichenbaren Standpunkt, natürlich. Das liegt daran, dass Pro-Ana eine Gesinnungsbezeichnung ist. Das ist jetzt keine großartige Denkleistung. Warum du aber meinst, ich würde rationale Argumente ablehnen, weiss ich nicht. Es erscheint mir lediglich als schlechter Argumentationsstil, meine Position von vornherein als Blödsinn abzutun.
Wie gesagt, es geht mir persönlich nicht um die höchstmögliche Steigerung eines Extrems, sondern um einen noch möglichst gesunden Balancepunkt, so wie ich z.B. darauf achte, wie viel Geld ich für Klamotten ausgebe. Es ist ja auch nicht jeder gleich kaufsüchtig, der regelmäßig ne größere Menge Geld ausgibt... manche Leute halten einfach nicht viel vom Sparen und haben genug zum Ausgeben.

Liebe Grüße
Sad



geschrieben von: Kinch

Zitat:

Möglich, aber ich sehe keinen Unterschied darin. Wertmaßstäbe kann man doch nur innerhalb des selben Systems vergleichen. Und wenn ich sage, dass Menschen das Wichtigste auf der Welt sind und ich natürlich für mich selbst der wichtigste Mensch bin, dann ist es doch nur standpunktabhängig, ob ich sage, ich liebe mich mehr oder ich liebe die Anderen weniger. Das kommt doch effektiv auf das selbe raus.


In ihrem Kern sind Menschen generell nicht so einzigartig wie wir es gerne hätten. Die Funktionsweise der menschlichen Selbstfürsorge ist doch ziemlich gleich. Und ich behaupte einfach, ein Mensch mit derart vielen destruktiven Zwangsverhaltensweisen (Essstörungen, Pro-Ana, Rauchen, Suizidalität, und was da noch alles kommt) besitzt keine Selbstfürsorge, bzw. eine deviante Form davon. Selbstfürsorge durch Selbstschädigung zum Beispiel.
Selbstliebe ist weit mehr als ein Mangel von Selbsthass. Dass du das für Standpunktabhängig hälst, zeigt doch eher wie wenig Erfahrung du auf diesem Gebiet zu haben scheinst. Eigenliebe – in einer gesunden Form – ist nicht weniger als ein völlig anderer Zugang, als nur die anderen Menschen noch weniger zu akzeptieren als man sich selbst.
Der Wunsch nach Perfektion, nach einer nächsten Entwicklungsstufe, oder kurz etwas anderes zu werden ist doch nichts anderes als ein Ausdruck der Unzufriedenheit mit dem eigenen Ich.
Es gibt zwei grundsätzlich verschiedene Arten sich selbst ändern zu wollen. Entweder Konstruktiv oder Desktrutiv. Entweder in dem man sich entwickelt und kultiviert, oder in dem man sich zerstört.
Pro-Ana ist unzweideutig der letztere Weg, und damit reiner Ausdruck eines gestörten Selbstbildes.
Eine Kompensation von notwendigen seelischen Funktionen, wie Selbstwertgefühl und Selbstfürsorge.

Zitat:

o.O Das habe ich noch nie in so ein Verhältnis gesetzt. Ich will schlank sein, um gut auszusehen. Ich verspreche mir davon eine tolle Figur, nicht Intelligenz, Glück oder magische Fähigkeiten. Ich forme und verbessere meinen Körper lediglich genauso wie mein geistiges Selbst, also z.B. kognitive oder soziale Fertigkeiten. Das ist analog, aber nicht kausal verknüpft.


Das ist beides Ausdruck der gleichen, destruktiven Verbesserungsmaßnahmen.

Zitat:

Die Kunst ist es, den Balancepunkt zu finden und zu halten... bzw. auch Möglichkeiten, die Grenze zur Instabilität weiter nach unten zu drücken, z.B. durch erhöhten Zuckerkonsum, um den Kreislauf stabiler zu halten.


Das ist Salopp gesagt Gefrickel. Die Balance ist eine gesunde Lebensführung, und die Akzeptanz unvermeidlicher scheinbarer Makel. Dein Problem ist nicht dein Fett, sondern die Phobie davor.
Mir kann kein Mensch erzählen, dass die Angst vor einem natürlichen und notwendigen körperlichen Bestandteil rein ästhetischer Natur wäre. Hier werden seelische Konflikte auf das körperliche übertragen.
Ich meine bei der Diskussion zu „würdet ihr morden“ schon einmal gemutmaßt zu haben, dass bei dir seelische Konflikte vorliegen, die du auf sehr ungesunde Weise zu bewältigen versuchst. Ich sehe mich leider bestätigt.

Zitat:

Kurzzeitig? Ich hab mich zuletzt von BMI 13 auf 16 hochgepusht und bleib da jetzt bereits ein halbes Jahr. Ich werde nochmal austesten, wies mit 15 klappt und wenns irgendwann nicht mehr geht, mich wieder hochpushen, wieder ein Stück weniger runtergehen, usw., bis ich den Balancepunkt gefunden habe.


Hungern, Zunehmen, Hungern, Zunehmen – du weißt aber schon, was alternierend heißt? Ich habe bis jetzt auch noch keinen Magersüchtigen getroffen der nicht behauptet hätte: „Ja, mit 45, fühle ich mich besser. Dabei bleibe ich dann auch.“

Zitat:

Ich war erst einmal im kritischen Bereich und auch nur wegen schweren Depressionen. Solange ich keine Suizidgedanken habe, achte ich auch stets darauf, mein Gewicht hoch genug zu halten.


Nun gut. Dann hängt deine Selbstfürsorge in Teilen eben von einem momentanen Stimmungshoch ab. Unter Kontrolle verstehe ich etwas anderes.

Zitat:

Wir vertreten alle einen vergleichenbaren Standpunkt, natürlich. Das liegt daran, dass Pro-Ana eine Gesinnungsbezeichnung ist. Das ist jetzt keine großartige Denkleistung.


Du hast was missverstanden. Ich behauptete nicht, dass hier eine gleiche Meinung hättet, sondern gleich seid. Auch Menschen mit gleichen Gesinnungen sind in der Regel höchst unterschiedlich. Pro-Anas aber SIND gleich, zumindest meiner Erfahrung nach. Sie erzählen mir in der Regel das gleiche, sind haben Ähnliches meistens erlebt (Missbrauch, Extreme Gewalt, dauerhafte Demütigungen), sie nehmen den gleichen Lebensweg (Langwierige Rekonvaleszenz oder Tod). Kennst du einen kennst du alle. Das liegt denke ich daran, dass die Krankheit sehr vereinnahmend ist. Wenn sich das ganze Denken und Sein auf das Gewicht reduziert, bleibt eben nicht viel Spielraum für eine Persönlichkeitsentfaltung.

Zitat:

Warum du aber meinst, ich würde rationale Argumente ablehnen, weiss ich nicht. Es erscheint mir lediglich als schlechter Argumentationsstil, meine Position von vornherein als Blödsinn abzutun.


Das tat ich auch nicht. Ich halte deine Position für krankhaft. Das ist nicht wertend gemeint. Ich habe nur erlebt dass es nicht möglich ist Pro-Anas zu überzeugen, bis sie es von sich aus erkennen. Mir rationalen Argumenten unzugänglich meine ich nicht Blödsinn, sondern schlicht und einfach: Es wird nicht möglich sein dich davon zu überzeugen, dass deine Einstellung krankhaft ist, bist du es selbst erkennst.
Ich will damit auch nicht beleidigend sein. Ich persönlich habe mich mit der Pro-Ana-Szene abgefunden, dass heißt: Wenns schä macht, bleibt dabei.
Wenn ihr unbedingt Tipps braucht, in welchen Körperöffnungen ihr Gewichte verstecken könnt, oder was ihr Essen könnt um das Hungergefühle zu unterdrücken – ok. Ich verstehe auch, weshalb sich Pro-Anas überhaupt erst organisieren. Kein normaler Mensch der euch irgendwie mag geschweige den liebt könnte es ertragen euch bei eurer Degeneration zuzusehen, und diese Fürsorge wird dann als Sabotage und Ablehnung gewertet; da bleibt beim Umgang nun mal keine große Alternative, nicht?



geschrieben von: Sadujan

Mal so frei in den Raum hineinassoziiert: Kann es eigentlich sein, dass die Ächtung schlanker Leute mit der generellen Gewichtszunahme in der Gesellschaft zusammenhängt? Ich meine, die Menschen werden offenbar immer dicker und je dicker der Durchschnitt wird, desto schlimmer ist das Bild, das die Öffentlichkeit von dünnen Menschen malt.
Auch kamen die bissigsten und spöttischsten Kommentare, die ich jemals im RL zu dem Thema gehört habe (oft haben die nichtmal realisiert, dass ein Ana im Raum sein könnte) von Menschen, die auch von "Normalgewichtigen" als "fett" bezeichnet wurden. Also, mir persönlich drängt sich da schon ein Zusammenhang auf.

Zitat:
Original geschrieben von Kinch
In ihrem Kern sind Menschen generell nicht so einzigartig wie wir es gerne hätten. Die Funktionsweise der menschlichen Selbstfürsorge ist doch ziemlich gleich. Und ich behaupte einfach, ein Mensch mit derart vielen destruktiven Zwangsverhaltensweisen (Essstörungen, Pro-Ana, Rauchen, Suizidalität, und was da noch alles kommt) besitzt keine Selbstfürsorge, bzw. eine deviante Form davon. Selbstfürsorge durch Selbstschädigung zum Beispiel.
Selbstliebe ist weit mehr als ein Mangel von Selbsthass.
Dass du das für Standpunktabhängig hälst, zeigt doch eher wie wenig Erfahrung du auf diesem Gebiet zu haben scheinst. Eigenliebe – in einer gesunden Form – ist nicht weniger als ein völlig anderer Zugang, als nur die anderen Menschen noch weniger zu akzeptieren als man sich selbst.
Der Wunsch nach Perfektion, nach einer nächsten Entwicklungsstufe, oder kurz etwas anderes zu werden ist doch nichts anderes als ein Ausdruck der Unzufriedenheit mit dem eigenen Ich.
Es gibt zwei grundsätzlich verschiedene Arten sich selbst ändern zu wollen. Entweder Konstruktiv oder Desktrutiv. Entweder in dem man sich entwickelt und kultiviert, oder in dem man sich zerstört.
Pro-Ana ist unzweideutig der letztere Weg, und damit reiner Ausdruck eines gestörten Selbstbildes.
Eine Kompensation von notwendigen seelischen Funktionen, wie Selbstwertgefühl und Selbstfürsorge.


Also, wenn ich mich ausgehfertig mache und in den Spiegel schau, find ich, ich seh geil aus :) Wenn ich mal wieder irgendwas Kompliziertes durchschaut habe, z.B. eine für mich existentielle Frage, Zusammenhänge in meiner eigenen Gefühlswelt oder auch die Persönlichkeitsstruktur eines anderen Menschen, freu ich mich über meine Intelligenz :) Wenn ich wieder mal irgendjemand dazu bringe, mir irgendeinen Gefallen zu tun, freu ich mich über meine sozialen Fertigkeiten :) usf. - Ich finde, das sind schon eindeutige Zeichen dafür, dass da mehr als nur Hass ist.
Dennoch: Ob ich mich selbst so sehr liebe, dass ich echt fies werden kann, wenn mich jemand verletzt oder ob ich die Anderen so sehr hasse - Das Ergebnis ist das selbe. Einen realen Wert bekommt etwas schließlich immer nur durch den Vergleich. Wenn es nur mich selbst gäbe, wäre es ja überhaupt keine Frage, welcher Mensch mir am meisten bedeutet. Negativargumente für eine Sache sind immer auch Positivargumente für das jeweilige Gegenstück.

Zitat:
Das ist beides Ausdruck der gleichen, destruktiven Verbesserungsmaßnahmen.


Ich weiss wirklich nicht, was daran auszusetzen ist, wenn jemand etwas für seine Bildung und sein Erscheinungsbild tut.

Zitat:
Das ist Salopp gesagt Gefrickel. Die Balance ist eine gesunde Lebensführung, und die Akzeptanz unvermeidlicher scheinbarer Makel.


Das ist mMn keine Balance, sondern extreme Schicksalsergebenheit. Natürlichkeit ist nicht immer erstrebenswert. Dass der Mensch sich über die Natur hinaus erhebt und Kultur entwickelt, macht ihn doch erst aus. Verkehrsmittel, Raumfahrt, Internet... das sind wunderbare, tolle Erfindungen, die davon zeugen, dass der Mensch mehr ist als das, was die Natur ihm auferlegt hat. Der Mensch kann von Natur aus nicht fliegen, doch wir haben Flugzeuge und Raumkapseln... Die Menschheit ist seit ihrer Entstehung dabei, sich von ihren Makeln zu befreien. Wir sind Götter und fähig, die Natur zu lenken und zu verändern.

Zitat:
Dein Problem ist nicht dein Fett, sondern die Phobie davor.
Mir kann kein Mensch erzählen, dass die Angst vor einem natürlichen und notwendigen körperlichen Bestandteil rein ästhetischer Natur wäre. Hier werden seelische Konflikte auf das körperliche übertragen.
Ich meine bei der Diskussion zu „würdet ihr morden“ schon einmal gemutmaßt zu haben, dass bei dir seelische Konflikte vorliegen, die du auf sehr ungesunde Weise zu bewältigen versuchst. Ich sehe mich leider bestätigt.


Ich sehe nicht, was das miteinander zu tun haben soll. Ich finde Körperfett bei Anderen mindestens genauso eklig wie ichs bei mir finden würde... *grins* Ich habe doch keine Angst vor dicken Menschen, ich möchte sie nur nicht näher ansehen. Schlanke Menschen hingegen wirken zart und zerbrechlich, das finde ich sehr schön, vor Allem, wenn der Schein trügt und sich eine durchsetzungsstarke, selbstbewusste Persönlichkeit verbirgt wie ich :)

Zitat:
Hungern, Zunehmen, Hungern, Zunehmen – du weißt aber schon, was alternierend heißt?

Es ist ja nicht so, dass das bei mir der Normalfall wäre... für gewöhnlich halte ich mein Gewicht und damit einen BMI zwischen 16 und 17. In den depressiven Phasen rutscht er etwas runter, aber wurde erst einmal kritisch... das lag daran, dass ich mich ein bisschen zu viel um Andere gekümmert und den Mist irgendwann einfach nicht mehr aus dem Hirn bekommen habe... danach steuer ich halt so lange gegen, bis die Waage sagt, dass mein Gewicht wieder ok ist.
Vor Allem aus Neugier würde ich jetzt halt gern einmal wissen, ob mit einem BMI von 15 bei mir immernoch Alles in Ordnung ist, wenn ich den länger behalte, denn hübscher ists ja.



geschrieben von: Sadujan

Zitat:
Ich habe bis jetzt auch noch keinen Magersüchtigen getroffen der nicht behauptet hätte: „Ja, mit 45, fühle ich mich besser. Dabei bleibe ich dann auch.“

Ich werde bestimmt niemals meinem Gefühl überlassen, wann mein persönliches Idealgewicht erreicht ist. An erster Stelle steht, dass meine körperliche Fitness für alle Tätigkeiten, die ich ausführen will, reichen muss. Wenn ich merken werde, dass ich nicht mehr lange tanzen kann, weiss ich, dass ich zu weit gegangen bin. Wenn ich merken werde, dass ich nicht mehr tauglich fürs Klettern bin, auch. Ansonsten war BMI 16,5 seit vielen Jahren immer ein guter Richtwert, den ich jetzt nur überdenken und neu festlegen möchte, da ich ihn damals relativ beliebig gesetzt habe.

Zitat:
Nun gut. Dann hängt deine Selbstfürsorge in Teilen eben von einem momentanen Stimmungshoch ab. Unter Kontrolle verstehe ich etwas anderes.

Ein Stimmungshoch habe ich momentan sicher nicht. :rolleyes: Im Gegenteil, mir ging es selten so beschissen wie in den letzten Wochen. Erst heute hat sichs gebessert und wenn ich Glück habe, hält das dann auch wieder an.
Suizidgedanken sind bei mir sicher nicht der Normalfall, sondern treten nur in schweren depressiven Phasen auf.

Zitat:
Du hast was missverstanden. Ich behauptete nicht, dass hier eine gleiche Meinung hättet, sondern gleich seid. Auch Menschen mit gleichen Gesinnungen sind in der Regel höchst unterschiedlich. Pro-Anas aber SIND gleich, zumindest meiner Erfahrung nach. Sie erzählen mir in der Regel das gleiche, sind haben Ähnliches meistens erlebt (Missbrauch, Extreme Gewalt, dauerhafte Demütigungen), sie nehmen den gleichen Lebensweg (Langwierige Rekonvaleszenz oder Tod). Kennst du einen kennst du alle. Das liegt denke ich daran, dass die Krankheit sehr vereinnahmend ist. Wenn sich das ganze Denken und Sein auf das Gewicht reduziert, bleibt eben nicht viel Spielraum für eine Persönlichkeitsentfaltung.

Ich reduziere mein Leben sicher nicht auf mein Gewicht. Ich will mein Leben zu einem Gesamtkunstwerk gestalten und darin ist mein Körper halt eine von mehreren Facetten, aber durchaus wesentlich unwichtiger als Erlebnisse. Es ist mir z.B. deutlich wichtiger, nächsten Samstag in die Disko zu kommen als drei Kilo abzunehmen. Wirklich wichtig wird mein Gewicht nur in den depressiven Phasen, weil ich dann darauf achten muss, dass es nicht zu niedrig wird. Ansonsten habe ich überhaupt kein Problem damit, das Gewicht zu bekommen oder zu halten, das ich will. Wenn ichs ändern will, denk ich vielleicht drei Tage drüber nach, dass ich jetzt mehr oder weniger essen sollte und dann hab ich mich bereits an das neue Essverhalten gewöhnt. Das läuft bei mir halt komplett über den Kopf, da ich schon so lange Ana bin, dass ich nicht mehr weiss, wie sich "Apetit" (äh - schreibt man das so? Ich glaube, das Wort habe ich noch nie benutzt) anfühlt... höchstens echter Hunger, wenn der Magen schmerzt und brennt, weil man in seiner depressiven Phase mal wieder mehrere Tage lang vergessen hat zu essen. Außerhalb der depressiven Phasen läuft Alles in einer Art dynamischen Rythmus, also nicht allzu strikt geregelt, aber ich erinnere mich halt immer rechtzeitig daran, zu essen. Das läuft halt nur deshalb während depressiven Phasen aus dem Ruder, weil erstens sowieso überhaupt kein Rythmus mehr gegeben ist und zweitens mir immer schlecht wird, wenn es mir nicht gut geht.

Zitat:
Das tat ich auch nicht. Ich halte deine Position für krankhaft. Das ist nicht wertend gemeint. Ich habe nur erlebt dass es nicht möglich ist Pro-Anas zu überzeugen, bis sie es von sich aus erkennen. Mir rationalen Argumenten unzugänglich meine ich nicht Blödsinn, sondern schlicht und einfach: Es wird nicht möglich sein dich davon zu überzeugen, dass deine Einstellung krankhaft ist, bist du es selbst erkennst.

Eine Zeit lang habe ich geglaubt, es wirklich mit einer echten psychischen Krankheit zu tun zu haben, aber als ich mich näher damit beschäftigt habe, habe ich festgestellt, dass das einfach nicht wahr ist. Meine Exfreundinnen fand stets Jeder schön, auch wenn sie untergewichtig sind... die einzige Ausnahme war eine einzige "Normalgewichtige" - die fanden deutlich weniger Leute schön und meine Sexualität hat durch diese Beziehung einen Schaden erhalten... Wäre mein Ästhetikgefühl krankhaft, hätte es sich durch Konfrontation mit der angeblichen Normalität doch an diese anpassen müssen, oder nicht? Statt dessen wird mir jetzt schlecht, wenn ich zu knapp bekleidete "normalgewichtige" Frauenkörper sehe, was mir vorher einfach komplett egal war. Dieses Ekelgefühl hat sich erst entwickelt, als ich versucht habe, gegen mein Ästhetikgefühl zu arbeiten, das schlanke, zierliche Körper schon immer wesentlich anziehender fand.
Krankhaft ist da wohl nicht das Ästhetikgefühl, sondern nur die Folgen des Versuchs, es zu ignorieren.

Zitat:
Ich will damit auch nicht beleidigend sein. Ich persönlich habe mich mit der Pro-Ana-Szene abgefunden, dass heißt: Wenns schä macht, bleibt dabei.
Wenn ihr unbedingt Tipps braucht, in welchen Körperöffnungen ihr Gewichte verstecken könnt, oder was ihr Essen könnt um das Hungergefühle zu unterdrücken – ok.

Brauch ich nicht, hab ich nie gebraucht. Ich habe mein Gewicht absolut im Griff und brauche keine billigen Tricks, um abzunehmen, sondern steuere mein Essverhalten über reine Willenskraft.
Ich muss mich nicht selbst austricksen, ich bin kein Sklave meiner Triebe, sondern Vollstrecker meines Willens.

Zitat:
Ich verstehe auch, weshalb sich Pro-Anas überhaupt erst organisieren. Kein normaler Mensch der euch irgendwie mag geschweige den liebt könnte es ertragen euch bei eurer Degeneration zuzusehen, und diese Fürsorge wird dann als Sabotage und Ablehnung gewertet; da bleibt beim Umgang nun mal keine große Alternative, nicht?

Ich muss nicht mit Jedem über mein Gewicht reden. Dafür würden schon zwei, drei Anas, notfalls auch Mias, reichen. Wichtig wäre das auch eher, damit man sich gegenseitig Stopp sagen kann, wenn man droht, in den kritischen Bereich zu rutschen, denn "Normalgewichtigen" fällt es einfach nicht auf, wenn jemand nicht isst. Es ist aber halt einfach so, dass Anas einfach für meinen Geschmack viel hübscher aussehen und dann hat man auch viel eher das Bedürfnis, jemanden anzusprechen.
Es ist keine Absicht, dass mindestens jede zweite Person, mit der ich ins Gespräch komme, Ana ist, aber Zufall ist es garantiert auch nicht.
Die letzte Person, die mich angesprochen hat und zu der ich Kontakt geknüpft habe, ist Ana (bulimischer Typus), die letzte Person, die ich von mir aus angesprochen und in meinen Freundeskreis integriert habe, ist Ana (restriktiver Typus)... was ich aber beides natürlich nicht vorher wusste... nur mal so als Beispiele.
Anziehende Leute sind anscheinend in den allermeisten Fällen Anas, während die meisten "Normalgewichtigen" einfach absolut langweilig, halt durchschnittlich, wirken.
Pro-Ana ist allerdings mE eine reine Internetbewegung. Jeder Ana kennt normalerweise beide Seiten. Und für meinen Umgang ists mir grundsätzlich egal, ob jemand Pro oder Anti oder überhaupt nicht Ana ist, solange die Person interessant ist.

LG
Sad
(wenn die Beiträge etwas verworren sein sollten: Entschuldigung, ich gestern bis 8 Uhr unterwegs, bin um 10 Uhr zum Osterfrühstück aufgestanden und mittlerweile ists schon wieder halb vier)



geschrieben von: Misericordia

Zitat:
Das ist mMn keine Balance, sondern extreme Schicksalsergebenheit. Natürlichkeit ist nicht immer erstrebenswert. Dass der Mensch sich über die Natur hinaus erhebt und Kultur entwickelt, macht ihn doch erst aus. Verkehrsmittel, Raumfahrt, Internet... das sind wunderbare, tolle Erfindungen, die davon zeugen, dass der Mensch mehr ist als das, was die Natur ihm auferlegt hat.


Nunja ich finde der Vergleich hinkt hier etwas. Mag sein, dass der Mensch sich nicht mit seinen Lebensbedingungen zufrieden geben muss, und sich deswegen durch technologischen Fortschritt weiterentwickelt und von seiner Natur unabhängig macht, aber dadurch eine Lebensart zu begründen, die bei vielen Essgestörten zu schweren gesundheitlichen Schäden, wenn nicht sogar zum Tod führt, finde ich doch etwas unangebracht.
Und das ist bei vielen Pro-Anas, die sich selbst kaum noch aus der Magersucht befreien können, sondern mittlerweile wirklich süchtig nach dem Hungern sind, auch keine Erhebung über die Natur mehr, sondern einfach nur eine Kapitulation ihrer Krankheit gegenüber.
Und wie es sich anhört, hast du in deinen depressiven Phasen auch schon mehrmals die Magersucht kennenlernen dürfen.


Zitat:

Eine Zeit lang habe ich geglaubt, es wirklich mit einer echten psychischen Krankheit zu tun zu haben, aber als ich mich näher damit beschäftigt habe, habe ich festgestellt, dass das einfach nicht wahr ist. Meine Exfreundinnen fand stets Jeder schön, auch wenn sie untergewichtig sind... die einzige Ausnahme war eine einzige "Normalgewichtige" - die fanden deutlich weniger Leute schön und meine Sexualität hat durch diese Beziehung einen Schaden erhalten... Wäre mein Ästhetikgefühl krankhaft, hätte es sich durch Konfrontation mit der angeblichen Normalität doch an diese anpassen müssen, oder nicht?


und hier ist dann auch die Frage, wer denn diese ganzen Leute sind, die deine untergewichtigen Freundinnen hübsch finden, schließlich scheint es mir, als hättest du auch einen eher anorektischen Freundeskreis. Von daher verwundert es dann nicht, dass denen deine normalgewichtige Freundin auch nicht so schön erscheint.
Ich glaube auch eher,dass sich dein Ästhetikgefühl in der Tat angepassst, so wie bei vielen anderen Pro-Anas auch; und zwar an die Normalität, die Medien mit Modeschauen, magersüchtigen Promis u.s.w. etablieren. Denn du musst wohl zugeben, dass du mit deiner Einstellung mittlerweile auch Teil eines größeren Trends ist, der zwar vielleicht auch in früherer Zeit vertreten war, aber nie so drastisch wie jetzt, wie ich finde.



geschrieben von: LaChatte

Zitat:
Ich werde bestimmt niemals meinem Gefühl überlassen, wann mein persönliches Idealgewicht erreicht ist.


Zitat:
Das läuft bei mir halt komplett über den Kopf, da ich schon so lange Ana bin, dass ich nicht mehr weiss, wie sich "Apetit" (äh - schreibt man das so? Ich glaube, das Wort habe ich noch nie benutzt) anfühlt...


Solche Sätze schockieren mich etwas. Vor allem, seit ich mich entschieden habe, mein Essverhalten ausschliesslich nach Gefühl zu regeln, aber das Gefühl zu kulti vieren und zu üben. Wer nicht nach Gefühl (Geschmack, Geruch...) isst, verliert viel an Lebensqualität. Damit ist natürlich auch ein gewisser Kontrollverlust verbunden, denn der Appetit hält sich nicht gerne mit Kalorienzählen auf. Dafür aber umso lieber mit Genuss, auch gerne mit den reichen Aromen, die ein qualitativ gutes Fett oder Öl transportieren kann.


Zitat:
Mal so frei in den Raum hineinassoziiert: Kann es eigentlich sein, dass die Ächtung schlanker Leute mit der generellen Gewichtszunahme in der Gesellschaft zusammenhängt? Ich meine, die Menschen werden offenbar immer dicker und je dicker der Durchschnitt wird, desto schlimmer ist das Bild, das die Öffentlichkeit von dünnen Menschen malt.


Gibts denn überhaupt eine generelle Gewichtszunahme? Wenn ich auf die Strasse gehe, sehe ich meist Menschen, die schlanker sind als ich, und ich selbst bin mit einem BMI von 26 vielleicht etwas mollig, aber auf alle Fälle nicht dick.

Mir fällt auch keine "Ächtung schlanker Leute" auf. Mir fällt aber im Gegenzug auf, dass viele Frauen nicht nach ihrem Appetit essen, sondern meist etwas weniger.



geschrieben von: rainraven

Zitat:
die einzige Ausnahme war eine einzige "Normalgewichtige" - die fanden deutlich weniger Leute schön und meine Sexualität hat durch diese Beziehung einen Schaden erhalten... Wäre mein Ästhetikgefühl krankhaft, hätte es sich durch Konfrontation mit der angeblichen Normalität doch an diese anpassen müssen, oder nicht? Statt dessen wird mir jetzt schlecht, wenn ich zu knapp bekleidete "normalgewichtige" Frauenkörper sehe, was mir vorher einfach komplett egal war.



So eine Äußerung kann verdammt verletzend und beleidigend sein gegenüber einer normalgewichtigen Schlanken, die ihrerseits Komplexe wegen ihres Körpers hat und sich für zu fett findet, obwohl das außer ihr wohl kein Mensch täte.
(gilt natürlich auch für männliche Personen, aber ich geh mal davon aus, daß mehr Frauen Probleme wegen ihres Körpergewichtes haben bzw. sie sich machen)

Wenn ich sage, was ich wiege, heißt es bestimmt von Anas "iihhh, fett", aber wenn man mich nur sieht und nicht weiß, was die Waage zeigt, sagen viele normal wertende Menschen "du bist schlank". Und was soll ich da glauben, wenn ich mich selbst als zu fett bezeichne, bis zum BMI von 15 noch ca. 15 Kilo runter müßten (utopisch!) und ich sicher auch nie schmaler werden könnte, schon wegen meines Knochenbaus (breite Schultern und Hüften)? Da fühle ich mich doch stigmatisiert und verzweifelt,weil ich sicher nie ernsthaft hungern könnte und mein Körper einfach nicht für ein zerbrechliches Erscheinungsbild veranlagt ist.

Ich bevorzuge zwar ästhetisch auch ein schlankes bis zu dünnes Idealbild von Mensch, aber keiner der Leute, die ich kenne, entspricht diesem, und es ist auch völlig nebensächlich, denn ich will mit ihnen leben, zusammensein, Spaß und Gesellschaft haben und sie nicht in die Vitrine stellen und anschauen.



geschrieben von: Sadujan

Zitat:
Original geschrieben von Misericordia
Nunja ich finde der Vergleich hinkt hier etwas. Mag sein, dass der Mensch sich nicht mit seinen Lebensbedingungen zufrieden geben muss, und sich deswegen durch technologischen Fortschritt weiterentwickelt und von seiner Natur unabhängig macht, aber dadurch eine Lebensart zu begründen, die bei vielen Essgestörten zu schweren gesundheitlichen Schäden, wenn nicht sogar zum Tod führt, finde ich doch etwas unangebracht.
Und das ist bei vielen Pro-Anas, die sich selbst kaum noch aus der Magersucht befreien können, sondern mittlerweile wirklich süchtig nach dem Hungern sind, auch keine Erhebung über die Natur mehr, sondern einfach nur eine Kapitulation ihrer Krankheit gegenüber.
Und wie es sich anhört, hast du in deinen depressiven Phasen auch schon mehrmals die Magersucht kennenlernen dürfen.


Wie gesagt, ich halte nichts von "Ana bis in den Tod" und derartigem Quatsch. Natürlich wäre es einfacher, sich in ein Extrem fallen zu lassen und gar nichts mehr oder halt ununterbrochen, so wie Nicht-Anas, zu essen.
Es ist halt eine Gratwanderung, die eine gewisse Willenskraft und Entschlossenheit voraussetzt.

Zitat:
und hier ist dann auch die Frage, wer denn diese ganzen Leute sind, die deine untergewichtigen Freundinnen hübsch finden, schließlich scheint es mir, als hättest du auch einen eher anorektischen Freundeskreis. Von daher verwundert es dann nicht, dass denen deine normalgewichtige Freundin auch nicht so schön erscheint.


Die Bewertung war auch bei Nicht-Anas nicht anders. Natürlich bekam sie immernoch positive Resonanz, aber nur von den anspruchsloseren Leuten.
Und, Hand aufs Herz, wer findet schon einen Bauch, der über die Hose hängt oder aussieht wie eine wabblige Kugel, wirklich schön oder Oberschenkel, die beim Laufen aneinanderreiben?

Zitat:
Ich glaube auch eher,dass sich dein Ästhetikgefühl in der Tat angepassst, so wie bei vielen anderen Pro-Anas auch; und zwar an die Normalität, die Medien mit Modeschauen, magersüchtigen Promis u.s.w. etablieren. Denn du musst wohl zugeben, dass du mit deiner Einstellung mittlerweile auch Teil eines größeren Trends ist, der zwar vielleicht auch in früherer Zeit vertreten war, aber nie so drastisch wie jetzt, wie ich finde.


Modenschauen und irgendwelche Wichtigtuer seh ich mir für gewöhnlich nicht an. Ich habe ein Ästhetikgefühl, das meinem Selbst entspricht. Woher das letztendlich kommen mag, ist doch irrelevant. Ich denke, Stiefel, Tartankilt, Schweißerbrille und Nieten sind nicht unbedingt mainstreamtauglich.

Zitat:
Original geschrieben von LaChatte
Solche Sätze schockieren mich etwas. Vor allem, seit ich mich entschieden habe, mein Essverhalten ausschliesslich nach Gefühl zu regeln, aber das Gefühl zu kulti vieren und zu üben. Wer nicht nach Gefühl (Geschmack, Geruch...) isst, verliert viel an Lebensqualität. Damit ist natürlich auch ein gewisser Kontrollverlust verbunden, denn der Appetit hält sich nicht gerne mit Kalorienzählen auf. Dafür aber umso lieber mit Genuss, auch gerne mit den reichen Aromen, die ein qualitativ gutes Fett oder Öl transportieren kann.


Es ist doch nicht so, dass die Zeit, die Andere mit Essen verbringen, bei mir ungenutzt verstreichen würde. Ich nähe, schweiße lustige Männchen aus Altmetall, lese ein gutes Buch und hab für all diese kreativen Freuden mehr Zeit gewonnen - sie verpufft ja nicht einfach, wenn man sie nicht damit verbringt, zu essen.

Zitat:
Gibts denn überhaupt eine generelle Gewichtszunahme? Wenn ich auf die Strasse gehe, sehe ich meist Menschen, die schlanker sind als ich, und ich selbst bin mit einem BMI von 26 vielleicht etwas mollig, aber auf alle Fälle nicht dick.


Ein Freund aus Kindertagen hat früher jeden Tag Hausmannskost bei seiner Oma gegessen und war sehr schlank. Er aß dort immer, da seine allereinziehende Mutter beruftätig ist. Irgendwann zogen sie um und statt dessen nahm er seine Mahlzeiten bei der Schnellimbisskette mit dem großen M ein, wo er vorher so gut wie nie gewesen war. Als ich ihn ein halbes Jahr später traf, wog er etwa das doppelte.
Und wenn man sich umschaut, wie viele Menschen dort regelmäßig essen, ist es offensichtlich, wie sich FastFood auf das Durchschnittsgewicht auswirkt.

Zitat:
Mir fällt auch keine "Ächtung schlanker Leute" auf. Mir fällt aber im Gegenzug auf, dass viele Frauen nicht nach ihrem Appetit essen, sondern meist etwas weniger.


Angesichts solcher Kalorienbomben wie McDreck oder die Konkurrenz anbietet oder auch ganz generell in die heutige Esskultur Einzug genommen haben, ist das sicher nicht falsch. Die heutige Lebensmittelindustrie ist nicht unbedingt auf die Gesundheit des Menschen abgestimmt, weshalb zügelloses Essverhalten garantiert nicht besser ist wie Ana, nur halt wesentlich stärker verbreitet und unter dem Deckmäntelchen von kurzweiligem Genuss und angeblicher Lebensfreude stärker akzeptiert.
Was mir allerdings auffällt, ist, dass die Bereitschaft, irgendjemanden als "magersüchtig" abzustempeln offenbar mit dem eigenen Gewicht zunimmt. Ein BMI-19-Mensch akzeptiert einen BMI-16-Menschen deutlich eher als ein BMI-30-Mensch den BMI-19-Menschen, der ja noch deutlich im "Normalbereich" liegt. Ich schiebe das einfach mal auf mangelndes Selbstbewusstsein und Unzufriedenheit mit dem eigenen Gewicht.

Zitat:
Original geschrieben von rainraven
So eine Äußerung kann verdammt verletzend und beleidigend sein gegenüber einer normalgewichtigen Schlanken, die ihrerseits Komplexe wegen ihres Körpers hat und sich für zu fett findet, obwohl das außer ihr wohl kein Mensch täte.


:rolleyes: Ich geh natürlich nicht zu den Leuten hin und sage ihnen, was ich von ihrem Gewicht halte, weil mich das überhaupt nichts anzugehen hat. Wenn es mich stört, kann ich auch einfach einen Bogen um Freibäder etc. machen, was ich seitdem ja auch tue. Dann lieber mit Freunden zu nem See oder in den Urlaub ans Meer, an Orte, wo man den ganzen Strandabschnitt für sich hat und man somit nur schlanke Menschen anzuschauen braucht.

Zitat:
Wenn ich sage, was ich wiege, heißt es bestimmt von Anas "iihhh, fett", aber wenn man mich nur sieht und nicht weiß, was die Waage zeigt, sagen viele normal wertende Menschen "du bist schlank". Und was soll ich da glauben, wenn ich mich selbst als zu fett bezeichne, bis zum BMI von 15 noch ca. 15 Kilo runter müßten (utopisch!) und ich sicher auch nie schmaler werden könnte, schon wegen meines Knochenbaus (breite Schultern und Hüften)? Da fühle ich mich doch stigmatisiert und verzweifelt,weil ich sicher nie ernsthaft hungern könnte und mein Körper einfach nicht für ein zerbrechliches Erscheinungsbild veranlagt ist.


Ich weiss nicht, wie du aussiehst, aber ich weiss natürlich, dass einem die Natur gewisse Grenzen auferlegt, die von Mensch zu Mensch verschieden sind. Das ist natürlich nicht fair, aber auch ich habe mir das nicht ausgesucht. Ich habe natürlich auch ein paar Makel, die ich gern loswerden würde. Je nach dem, wie sich die plastische Chirurgie in der Zukunft entwickeln wird, werd ich vielleicht irgendwann noch ein paar kleinere Korrekturen vornehmen lassen.

Zitat:
Ich bevorzuge zwar ästhetisch auch ein schlankes bis zu dünnes Idealbild von Mensch, aber keiner der Leute, die ich kenne, entspricht diesem, und es ist auch völlig nebensächlich, denn ich will mit ihnen leben, zusammensein, Spaß und Gesellschaft haben und sie nicht in die Vitrine stellen und anschauen.


Dagegen sage ich ja nichts... Ich möchte gern beides ;)



geschrieben von: LaChatte

Zitat:
Es ist doch nicht so, dass die Zeit, die Andere mit Essen verbringen, bei mir ungenutzt verstreichen würde. Ich nähe, schweiße lustige Männchen aus Altmetall, lese ein gutes Buch und hab für all diese kreativen Freuden mehr Zeit gewonnen - sie verpufft ja nicht einfach, wenn man sie nicht damit verbringt, zu essen.


nun, jeder nach seinem Geschmack... gut zu kochen und gut zu essen ist für mich einfach etwas, das schlicht nicht ersetzbar ist durch andere Tätigkeiten.

Und die Liebe geht bei mir eindeutig durch den Magen. Auch der hässlichste und unansehlichste Mann hat sehr gute Chancen, wenn er mich nur mit einer gut gewählten Delikatesse verwöhnt. Wenn jemand die Kunst des guten Essens beherrscht, werden andere Faktoren doch gleich zweitrangig.;)

Zitat:

Und wenn man sich umschaut, wie viele Menschen dort regelmäßig essen, ist es offensichtlich, wie sich FastFood auf das Durchschnittsgewicht auswirkt.



Ich kenne nicht so viele Leute, die sich in erster Linie von Fast Food ernähren. Dass McDo aber Mist ist, dazu braucht man nur mal einen Hamburger oder Pommes zu probieren - das eigene Gefühl ist hier SEHR eindeutig.

Selbstgekochtes ist natürlich am Besten, und davon kann man gerne auch reichlich essen, ohne dass man davon übermässig zunimmt. Dein Freund ist ein schönes Beispiel dafür.

Zitat:
Angesichts solcher Kalorienbomben wie McDreck oder die Konkurrenz anbietet oder auch ganz generell in die heutige Esskultur Einzug genommen haben, ist das sicher nicht falsch.


Das Problem am McDo sind nicht die Kalorien. Das Problem ist, dass diese Nahrungsmittel sich "leer" anfühlen. Sie machen einen Klumpen im Magen, aber sie sättigen nicht. Sie erzeugen das unangenehme Gefühl von gleichzeitig an Pampe ersticken und verhungern bei vollem Magen.

Im Gegensatz dazu ist ein Stück Brot (7-Korn-Brot mag ich) mit reichlich Butter und der "besten Confiture Frankreichs" (superteuer, aber super lecker) gute Nahrung - zwei, drei solcher Schnitten machen angenehm satt und liefern Energie für mehrere Stunden.

Ich bin eindeutig für Granny-Food und mehr Ess- und Genusskultur. Wer sich bewusst ernährt, wird weder vom Fleisch fallen noch übermässig zunehmen, sondern der Körper wird sein eigenes Gewicht finden und dabei auch bleiben.

Zitat:
Was mir allerdings auffällt, ist, dass die Bereitschaft, irgendjemanden als "magersüchtig" abzustempeln offenbar mit dem eigenen Gewicht zunimmt. Ein BMI-19-Mensch akzeptiert einen BMI-16-Menschen deutlich eher als ein BMI-30-Mensch den BMI-19-Menschen, der ja noch deutlich im "Normalbereich" liegt. Ich schiebe das einfach mal auf mangelndes Selbstbewusstsein und Unzufriedenheit mit dem eigenen Gewicht.


BMI 16 ist nach offizieller Regelung nun mal untergewichtig. Die Vermutung, dass diese Person an einer Krankheit leidet, ist natürlich naheliegend.

Meine persönliche Erfahrung mit sehr schlanken Menschen ist, dass diese oft sowas supernervöses an sich haben. Da gabs eine ehemalige Arbeitskollegin, von der ich im Nachhinein denke, dass sie wohl eine Magersucht hatte. Das Gesicht war eingefallen wie ein Skelett, sie war ständig hektisch und hatte auch (passend zur möglichen Magersucht) Störungen der Feinmotorik - will sagen, sowas Ungeschicktes hab ich kaum je gesehen.:rolleyes:

Sadujan, das Gewicht ist nie das Problem - was kratzt es mich, ob ich 50 oder 100 kg schwer bin? - das Thema ist das Aussehen. Ich fühle mich wohl in meinem Körper, berühre ihn gerne, er funktioniert gut, ist sensibel, schenkt mir Vergnügen... ich bin absolut zufrieden mit meinem Körper. Ich darf nur nicht allzu oft in den Spiegel schauen, weil mir dann doch bewusst wird, dass meine Figur nicht dem weithin propagierten Ideal entspricht. Doch solange ich nicht an das Aussehen denke - und dabei gleich mehrere Models als Vergleich daneben stelle - gehts mir ausgezeichnet. Und glücklicherweise gibts noch andere Quellen von Selbstwertgefühl, die nichts mit der Form meines Körpers zu tun haben. ;)



geschrieben von: Henour

Die Frage ist ja ab wann ist es ein Wahn und bis wohin wollen Leute einfach nur "schön" sein. Bis zu einem gewissen Grad empfinde ich es durchaus als normal das Diäten ziemlich beliebt sind. Es gibt nun einmal jede Menge Leut deren Bauch eine Spur größer ist als Sie ihn gerne hätten.
Durch die schlanken Models die einem von jedem Plakat entgegenlächeln wird der Drang dann noch weiter verstärkt. Das es teilweise so übertrieben wird ist meiner Meinung nach einfach das Wesen der medialen Welt.

Im übrigen halte ich vom BMI als mittel zur Einschätzung relativ wenig. Der BMI sagt etwas über das Verhältnis von Gewicht zur Körpergröße aus, wieviel von diesem Gewicht Fett ist spielt dabei keine Rolle. Der BMI ist daher sicher nicht mehr als ein Richtwert.
Ich würde mit einem BMI unter 20 eher einem Skelett ähnlich sehen als einem Menschen (Ich bin männlich und habe eine relativ schwere Statur).



geschrieben von: rainraven

...ebenso wie bei mir ein paar Kilo Muskelmasse dazugekommen sind, seit ich Kraftsport mache. Die schlagen sich ja auch im BMI nieder, ohne deswegen gleich "zu fett" zu bedeuten.



geschrieben von: Cold Rain

Zumal Muskeln schwerer sind als Fett... auf der Waage ist Sport treiben ziemlich deprimierend, aber im Spiegel sieht man die Resultate... ich denke, darum sollte es gehen. Aussehen und Gefühl... und nicht darum, den BMI nochmal um 0,1 senken zu können, ohne umzukippen.


Zitat:
Ich geh natürlich nicht zu den Leuten hin und sage ihnen, was ich von ihrem Gewicht halte, weil mich das überhaupt nichts anzugehen hat. Wenn es mich stört, kann ich auch einfach einen Bogen um Freibäder etc. machen, was ich seitdem ja auch tue. Dann lieber mit Freunden zu nem See oder in den Urlaub ans Meer, an Orte, wo man den ganzen Strandabschnitt für sich hat und man somit nur schlanke Menschen anzuschauen braucht.


Meine Güte, sind normalgewichtige bis etwas rundere Figuren denn so ekelerregend? Über wirklich hochgradig fettsüchtige will ich hier nicht reden, aber DAS halte ich dann wirklich für krankhaft, bzw. spricht doch für eine gestörte Wahrnehmung. Ich möchte dich nicht angreifen, Sadujan, aber es wirkt schon seltsam.

Und es reduziert den Menschen allein auf sein Äußeres. Traurig.
In der Realität würden wir zwei uns niemals unterhalten, glaub ich. Ich bin viel zu normalgewichtig.



geschrieben von: mathea

Welch ein verzerrtes Weltbild. Bei den Modells wird ja auch nicht zwangsläufig ausschließlich auf den BMI geachtet, sondern ausschließlich auf die Optik. Egal wie schwer, hauptsache standartmäßig knochig.

BMI muss man zwar immer vorsichtig betrachten (ein Kollege von mir wurde von einem anwesenden Arzt bei einem Gesundheits-Check einmal als adipös bezeichnet, weil er mit 36 Jahren einen BMI von 25 hatte. Ok, normalerweise mag das ja stimmen, aber bei sehr sportlichen Menschen eher nicht), aber eine gute Richtlinie ist es schon.

Aber wenn man den Anblick angeblich dicker Menschen schon seelisch nicht merh verkraften kann und sich in seinem ästhetischen Weltbild allzu arg gestört fühlt...hm, das klingt mMn sehr merkwürdig einseitig und entwürdigend. Dann scheint es ja egal zu sein was für einen Charakter man hat, hauptsache man sieht gut dabei aus.



geschrieben von: Lord_Fallerton

Seit ich denken kann, werden immer wieder Diäten in irgendwelchen Zeitschriften propagiert; der militante Umgang aber mit diesem Themenkomplex scheint mir aber erst sein wenigen Jahren zu herrschen. Täuscht mich mein Eindruck?



geschrieben von: mathea

Ich bin mir da nicht ganz sicher. Immerhin hat sich die Emanzipationsbewegung der Frauen seit jeher mit dem Thema beschäftigt und dazu aufgerufen, dass sich Frauen dem diktierten und unweiblichen Schönheitsideal widersetzen sollen. Ich denke da vor allem an Frauen wie Alice Schwarzer in gesellschaftlicher Hinsicht und Janis Joplin (um nur zwei Beispiele zu nenne), die ja Zeit ihres Lebens nie einem Schönheitsideal gefolgt ist, BHs verteufelt hat und ihre Geschlechtsgenossinnen ebenfalls dazu angehalten hat.

Vielleicht ist das Publikum, dass sich davon angesprochen fühlt, nur gewachsen.



geschrieben von: Sadujan

Es ist ein entscheidender Denkfehler einiger Teile der feministischen Szene, viele Triebe und Denkschemen ausschließlich auf Männer zu projezieren. Dieser Ansatz ist eigentlich zutiefst antiemanzipatorisch. Es kann und darf niemals darum gehen, einen Krieg gegen das andere Geschlecht anzuzetteln, sondern immer nur einen Kampf gegen hierarchische Gefälle zwischen den Geschlechtern.
Emanzipation ist es nicht, wenn Frauen scheisse aussehen, sondern Emanzipation ist es, wenn sowohl Frauen als auch Männer Wert auf ihr Äußeres legen.
Aber es ist halt ne willkommene Ausrede für Frauen, die sowieso schon den Sexappeal von Alice Schwarzer besitzen. Und dass die Anzahl dieser Frauen gestiegen ist, glaube ich wirklich.

Zitat:
Original geschrieben von LaChatte
nun, jeder nach seinem Geschmack... gut zu kochen und gut zu essen ist für mich einfach etwas, das schlicht nicht ersetzbar ist durch andere Tätigkeiten.

Und die Liebe geht bei mir eindeutig durch den Magen. Auch der hässlichste und unansehlichste Mann hat sehr gute Chancen, wenn er mich nur mit einer gut gewählten Delikatesse verwöhnt. Wenn jemand die Kunst des guten Essens beherrscht, werden andere Faktoren doch gleich zweitrangig.;)


Äääh... ok... Ich finde das zwar extrem seltsam, aber es ist ja deine Sache...

Zitat:
Im Gegensatz dazu ist ein Stück Brot (7-Korn-Brot mag ich) mit reichlich Butter und der "besten Confiture Frankreichs" (superteuer, aber super lecker) gute Nahrung - zwei, drei solcher Schnitten machen angenehm satt und liefern Energie für mehrere Stunden.


...oder Tage... Ich bezweifle, dass "reichlich Butter" und Konfitüre so viel besser ist als Junkfood.

Zitat:
BMI 16 ist nach offizieller Regelung nun mal untergewichtig. Die Vermutung, dass diese Person an einer Krankheit leidet, ist natürlich naheliegend.


Vielleicht waren die vielen Zahlen etwas verwirrend. Ich meinte, dass Menschen im unteren Bereich des "Normalgewichts" offenbar keine bissigen Kommentare gegen schlankere Menschen als sie selbst sind nötig haben, aber von Dickeren irgendwie sehr häufig der Magersuchtsvorwurf kommt, oder das typische "Skelett", auch wenn die andere Person noch durchaus "normalgewichtig" ist.
Zumal diese Vorwürfe sowieso echt daneben sind. "Magersucht" ist überhaupt nichts Schlimmes, unkontrolliertes Fressen hingegen zeugt von Willensschwäche.

Zitat:
Sadujan, das Gewicht ist nie das Problem - was kratzt es mich, ob ich 50 oder 100 kg schwer bin? - das Thema ist das Aussehen. Ich fühle mich wohl in meinem Körper, berühre ihn gerne, er funktioniert gut, ist sensibel, schenkt mir Vergnügen... ich bin absolut zufrieden mit meinem Körper. Ich darf nur nicht allzu oft in den Spiegel schauen, weil mir dann doch bewusst wird, dass meine Figur nicht dem weithin propagierten Ideal entspricht. Doch solange ich nicht an das Aussehen denke - und dabei gleich mehrere Models als Vergleich daneben stelle - gehts mir ausgezeichnet.


Natürlich. Wenn ich eine halbe Tonne wiegen würde, weil mein Körper aus Stahl und Eisen bestünde, würd mir das absolut nichts ausmachen.
Das Gewicht ist ein sehr schlechter Richtwert. Kleine Leute sind z.B. mit 60kg bereits fett, während man ab 1,80m mit dem Gewicht schon eher schlank wäre.
Der BMI erlaubt da schon eine bessere Einschätzung, aber mehr als ne Einschätzung ist es so oder so nicht. Allein schon, wenn man bedenkt, dass Haare durchaus mehrere kg wiegen können, sieht man, dass es zwangläufig zu Abweichungen kommen muss. Andererseits liegen diese Abweichungen in einem mMn durchaus akzeptablem Rahmen. Immerhin wiegt ein menschliches Skelett bloß ca. 7kg. Auf "schwere Knochen" o.Ä. soll es also nicht so sehr ankommen. Ein etwas nerviger Störfaktor ist Muskelmasse, da Muskeln sehr schwer sind, aber bis zu einem gewissen Maß die Optik nicht negativ beeinträchtigen. Das muss man dann noch bei der Schätzung berücksichtigen. So wär ich mit entsprechend mehr Muskeln sicher auch mit BMI 17 zufrieden, mit entsprechend weniger Muskeln müsste es dann schon 14 sein. Der BMI taugt halt, wie gesagt, nur für ne grobe Schätzung. Der unvoreingenommene Blick in den Spiegel taugt da wesentlich mehr, aber leider halt nicht als Vergleich und bei manchen Leuten verklärt sich der Spiegelblick in die eine oder andere Richtung.

Zitat:
Und glücklicherweise gibts noch andere Quellen von Selbstwertgefühl, die nichts mit der Form meines Körpers zu tun haben. ;)


Die habe ich auch, aber ich will keine einzige missen und ein "Ich hab ja immernoch..." kommt für mich gar nicht in die Tüte.

Zitat:
Original geschrieben von Cold Rain
Meine Güte, sind normalgewichtige bis etwas rundere Figuren denn so ekelerregend? Über wirklich hochgradig fettsüchtige will ich hier nicht reden, aber DAS halte ich dann wirklich für krankhaft, bzw. spricht doch für eine gestörte Wahrnehmung. Ich möchte dich nicht angreifen, Sadujan, aber es wirkt schon seltsam.


Ich meine wohl die Figuren, die du mit "etwas runder" meinst, nehm ich an. BMI 18 oder 19 stört mich nicht unbedingt, aber wenn z.B. der Bauch über die Hose hängt, dann ist das mMn fett, aber nach BMI-Tabelle "normalgewichtig".
Beim Laufen sollte bei Frauen halt nichts unterhalb der Brüste wackeln, bei Männern gar nichts (da ich finde, dass man beim Schwimmen eine Hose tragen sollte ;) ).

Zitat:
Und es reduziert den Menschen allein auf sein Äußeres. Traurig.
In der Realität würden wir zwei uns niemals unterhalten, glaub ich. Ich bin viel zu normalgewichtig.


Wieso nimmt ständig irgendjemand an, ich würde Menschen auf irgendetwas reduzieren? Ich reduziere Menschen weder auf ihr Äußeres noch auf ihr Inneres, sondern nehme sie als Einheit wahr. Es wäre eine schmähliche Reduzierung, z.B. nur wahrzunehmen, ob jemand nett und freundlich oder gemein und gehässig ist.
Ich habe auch nie behauptet, ich würde mit Menschen, die mehr wiegen als ich nicht sprechen wollen. Ich erwarte nur, dass man seiner Leibesfülle entsprechend viel Kleidung trägt. Ich habe absolut nichts gegen Frauen mit Modelmaßen im Bikini, aber wenn sie 50kg zu viel haben und trotzdem Bikini tragen, dann hab ich stundenlang Gänsehaut und Magenbeschwerden.
Dass ich so extrem reagiere, will ich auch gar nicht als selbstverständliche Reaktion hinstellen. Das liegt einfach daran, dass ich einmal eine Normalgewichtige zu nah an mich herangelassen habe und sich dieses Ekelgefühl so fest in mein Hirn gebrannt hat, dass ichs einfach nicht mehr übersehen kann, wie viel Mühe ich mir auch gebe. Vorher fand ichs einfach nur hässlich, brauchte darüber aber nicht weiter nachdenken.
Solange sich die Menschen angezogen lassen, ist aber nach wie vor Alles in Ordnung. Nur Leute, die sowas wie "Schau mal da hinten, die Dicke" sagen, müssen damit rechnen, dass ich sie unter Umständen anschnauze, weil sie mich gefälligst nicht dazu zu bringen haben, mir irgendjemandes Körperfett näher anzuschauen. Sollte ich zufällig gerade am Essen gewesen sein, dann mag es auch passieren, dass es in einem solchen Fall in Richtung desjenigen fliegt, der das Gewicht anderer Leute offenbar lustig findet. Ich finde es nämlich ganz und gar nicht lustig.



geschrieben von: rainraven

@ Sadujan:

Ich hab auch mal einen Freund gehabt, der sicher über 120 kg wog bei etwa 1,88 m. Das hat auch nicht mein Empfinden irgendwie nachhaltig gestört. Solange ich ihn geliebt habe, waren wir zusammen. Und daß die Liebe eines Tages weg war, lag nicht an seinem Gewicht.

Ich habe BMI 21. Bei mir wackelt auch nichts unterhalb der von Dir beschriebenen weiblichen Körperzonen. Höchstens schlaffe Haut, da ich als Jugendliche 20 kg mehr wog als jetzt und das Abnehmen nicht ganz spurlos vorbeiging (und bevor jetzt wer fragt, nein, ich hab nicht gehungert, ich hab nur das Glück gehabt, bei etwas bewußterer Ernährung, also z.B. keine drei Hamburger mehr am Tag etc. meinen "Babyspeck" zu verlieren...) Und da hängt kein Bauch über der Hose, und Leute schauen eher hin als weg, wenn sie mich sehen. ;)
Obwohl ich keine 50 kg bei 1,74 m Größe wiege.



geschrieben von: mathea

Ich frage mich bei der ganzen Diskussion was ich dann mit 190cm und 83kg für Sadujan und die Freunde bin? Fast 25cm über der Durchschnittsfrau und dementprechend (logischerweise) auch gewiss fast 25kg. Whrscheinlich eine riesige, übergewichtige Walküre.

Vielleicht sollte ich meine Beine kürzen lassen, die Wirbelsäule zusammenstauchen lassen, die Schulter schmälern, das Becken abhobeln lassen um dann radikal abzunehmen auf 50kg (und ich war schon so stolz auf meine bisher 18 verlorenen Kilo). Blöd sähe dann wohl nur noch das Verhältnis Kopf zu Körper aus.

Entschuldigt bitte meinen Sarkasmus. Aber irgendwie erscheint es mir aufgrund einiger Postings so, als würde der zukünftige Mensch zum Einheitsprodukt. Und alles was aus der Norm fällt ist automatisch hässlich.

Da muss ich automatisch an die Zeitschriftenwerbung von Xelibri denken...



geschrieben von: rainraven

welche Werbung ist das?

Eine Frau von 190 cm und 83 kg würde ich ("Normalgewichtige")keineswegs als "fette Walküre" ansehen. Mir würde nur die schiere Größe auffallen, für die das Gewicht von 83 kg wohl eher leicht ist.
Aber ich muß sagen, so eine große Frau ist mir auch noch nicht begegnet. :)



geschrieben von: Sadujan

Ich habe weder gegen Muskeln noch gegen Körpergröße etwas einzuwenden. Ich bin mit 1,77m kleiner als ich sein will (eins der Dinge, die ich vielleicht noch korrigieren lasse), aber ich finds genau gleich toll, ob jemand größer ist als ich... ich finde, jede Größe hat etwas für sich.
Und wie ich bereits betont habe, kleide ich mich auch nicht unbedingt irgendeiner Norm entsprechend.
Alles ist für mich erlaubt, solange es ästhetisch wirkt. Geschmacklos bunte Kleidung ist dennoch genauso tabu wie Fett am Körper.



geschrieben von: LaChatte

Zitat:
Äääh... ok... Ich finde das zwar extrem seltsam, aber es ist ja deine Sache...


Dass Liebe durch den Magen geht, ist nicht seltsam, sondern die natürlichste Sache der Welt. Jedes Baby müsste das eigentlich wissen.;) Vielleicht liegts auch an meinem Frau-Sein, dass ich die Attraktivität von Männern nicht in erster Linie an ihrem Aussehen messe, sondern an ihren Handlungen, im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Wenn mich ein Typ interessiert, beobachte ich als erstes, wie er mit den Händen umgeht. Und wenn er in denselben ein paar Pralinen oder eine Spezialität von irgendwo her mitbringt, so werd ich schwach. ;)

Zitat:
...oder Tage... Ich bezweifle, dass "reichlich Butter" und Konfitüre so viel besser ist als Junkfood.


Das ist ein Unterschied wie Himmel und Hölle. Voraussetzung ist natürlich, dass die Nahrungsmittel von bester Qualität sind. Und wenn dann noch ein bisschen Geschmack und Gefühl für den eigenen Körper hinzukommt, so weiss man genau, wie viel man essen kann und wie viel nicht. Einfach so weit, dass noch ein kleines Stück Appetit übrigbleibt - dann aufhören, wenns am Schönsten ist. Und zum Verdauen einen kleinen Spaziergang, einen starken Espresso und eine Zigarette. Dann ist das Leben schön :)

Essen hat auch mit Grosszügigkeit zu tun, und da passt es nicht, wenn auf hauchdünne Scheiben Brot eine zehntelmillimeterdicke Schicht Butter gestrichen wird...

Hochklassige Lebensmittel können fast nicht missbraucht werden, oder nur recht schwer. Wenn man hochklassige Pralinen isst, so ist man nach zwei Stück einfach pappesatt. Ich geh ab und zu in meine Lieblingsconfiserie, mit einem grosszügigen Budget für die ganzen feinen Sachen, die sie dort haben... doch nach einem Dessert und einem Sandwich mag ich einfach nicht mehr essen.

Zitat:
Zumal diese Vorwürfe sowieso echt daneben sind. "Magersucht" ist überhaupt nichts Schlimmes, unkontrolliertes Fressen hingegen zeugt von Willensschwäche.


Nein, es sterben ja "nur" 15% aller von Magersucht betroffenen innerhalb von fünf Jahren.:rolleyes:
Wohingegen man auch mit grossem Übergewicht ohne weiteres mehrere Jahrzehnte leben kann und alt werden kann.

Magersucht und unkontrolliertes Fressen sind Zeichen von Krankheit. Ein Ästhetikempfinden, wie du es hast, ist garantiert nicht gesund, wenn es dir regelrecht übel wird, wenn du übergewichtige Personen siehst. Wobei auch hier gilt: dick ist nicht gleich dick. Es gibt dicke Personen, die sind die Vitalität in Person und die extrem viel Power vermitteln; dann gibts andere, die wirken einfach träge und schlapp.

Zitat:
Die habe ich auch, aber ich will keine einzige missen und ein "Ich hab ja immernoch..." kommt für mich gar nicht in die Tüte.


Man muss halt manchmal eine Entscheidung treffen. In meiner Situation wäre es ungefähr: für den Modelkörper, aber dafür ohne Lebensfreude; oder aber mit Lebensfreude, dafür wabbelts halt auch ein bisschen. Ich möchte auf das Plus an Energie, das ich habe, seit ich zunahm, nicht mehr verzichten. Und ich schätze es ausserordentlich, dass mir ständig andere Menschen die Tür aufhalten und mir den Vortritt lassen, und dass ich im Laden immer gleich drankomme... das geschah mir früher nie in diesem Ausmass. ;)



geschrieben von: Misericordia

Zitat:
Zumal diese Vorwürfe sowieso echt daneben sind. "Magersucht" ist überhaupt nichts Schlimmes, unkontrolliertes Fressen hingegen zeugt von Willensschwäche.


Ich weiß selbst nicht genau, wie es im Leben eines Magersüchtigen aussieht, und inwiefern er für seine ES häufiger von Übergewichtigen als von sehr Schlanken verurteilt wird. Aber deswegen gleich die beiden extremen Abarten des Essens, nämlich das Sich-Überfressen und das Hungern gegeneinander abzuwiegen und zu der Schlussfolgerung zu kommen, dass Magersucht ja nichts Schlimmes sei, finde ich auch unangebracht.
Ich möchte hier auch nicht darüber urteilen, inwieweit du mit deiner Magersucht klarkommst, oder wie gefährlich sie bei dir ist, aber es ist, wie ich denke, einfach Fakt, dass Magersucht häufig etwas Schlimmes ist, etwas wegen dem junge Menschen Monate in Kliniken verbringen müssen, um wieder das Essen zu lernen. Ich möchte jetzt hier auch keinen Vergleich zu irgendwelchen Adipösen anstellen, die wegen Diabetes oder Herzschwäche behandelt werden müssen, denn das ist eben wieder eine andere Sache. Nichtsdestotrotz bleib Magersucht eine schwerwiegend bedenkliche Krankheit!



geschrieben von: mathea

@rainraven, dann müssen wir uns wohl einmal treffen ;) . Aber Xelibri war die Werbung in der alle Menschen das gleiche Gesicht hatten, sie sahen aus wie ein ziemlich, na ja, nicht sonderlich ansehnlicher Mann. Und alle hielten ihr Xelibri-Handy in die Kamera.

Aber zum Thema an sich, ich kann mich nur Misersicordia anschließen. Übergewichtig sein ist auf Dauer nicht sehr gesund, im Gegenteil. Aber daran verhungert niemand. Klingt irgendwie platt, aber als dicker Mensch kann man sehr alt werden. Jedoch ist dies bei Magersüchtigen aufgrund fehlender Nährstoffe einfach nicht möglich.



geschrieben von: Sadujan

Ich nehme alle Nährstoffe auf, die meinen Körper am Laufen halten. Ich brauche halt keine Reserven, weil ich genau so viel esse wie ich auch verbrauche.
Fatal ist es nur, wenn man eine "bis in den Tod"-Einstellung entwickelt, aber so lange man darauf achtet, bei irgendeinem Gewicht zu bleiben, ist es ungefährlich.
Es ist natürlich nicht das gesundheitsmäßige Optimum, aber so schlimm wie einige Leute glauben, ist es nun einmal auch nicht. Man stirbt nur daran, wenn man keinen Respekt vor dem kritischen Bereich hat. Ansonsten dürfte die Ernährung nicht ungesunder sein als die von durchschnittlichen Nicht-Anas.

LG
Sad



geschrieben von: Misericordia

Nun mag stimmen, dass es Menschen wie dich gibt, Sajudan, die "Respekt vor dem kritischen Bereich" haben. Aber im Allgemeinen ist Ana nunmal keine gute Lebenseinstellung, sondern einfach nur eine krankhafte Sicht der Dinge, die eine psychische Krankheit als Lebensstil deklariert.
Es gibt nun einmal Ana til the end, und Menschen, die sich trotz Therapie kaum noch zum Essen zwingen können, obwohl sie eigentlich überleben wollen.



geschrieben von: Tanfana

Ich hab Kleidergröße 34 (XS), hab nen BMI von 18,2
und fühle mich immernoch viel zu fett wenn ich die ganzen
Werbemodels, Models, Shows für Models, Zeitungen, Plakate
und und und sehe. Man wird als Frau drauf "gedrillt" das man
nichts wert ist wenn man nicht aussieht wie n KZ-Opfer...

Dysmorphophobie lässt grüßen!



geschrieben von: Misericordia

Zitat:
Ich hab Kleidergröße 34 (XS), hab nen BMI von 18,2
und fühle mich immernoch viel zu fett wenn ich die ganzen
Werbemodels, Models, Shows für Models, Zeitungen, Plakate
und und und sehe.


Eine ehrliche wie auch traurige Antwort, weil sie doch zeigt, welchen Einfluss Medien eben doch haben, auch wenn man sich noch so viel eigene Individualität zuspricht. Es wäre aber meiner Meinung nach schon viel getan, wenn noch mehr Leute realisieren würden, wie sie kontrolliert werden.


Zitat:
Es wird echt Zeit, daß die Menschen wieder lernen, eigenständiger zu denken, mehr auf sich selbst hören und sich von den Medien nicht so viel vorgaukeln lassen!


Das ist es ja; das Fernsehen sagt A und die Massen schreien B. Der Mensch ist ein Wesen, das auf seine Angst von der Gesellschaft ausgegrenzt zu werden mit Konformität antwortet.



geschrieben von: Tanfana

Zitat:
Original geschrieben von Arleen
Sicherlich spielen die Medien eine nicht unerhebliche Rolle in dieser Sache aber:

"Man wird als Frau drauf "gedrillt" das man nichts wert ist wenn man nicht aussieht wie n KZ-Opfer... "

das geht dann doch zu weit, gerade mit diesem Vergleich.



Was geht daran "zu weit"?

Sehen die heutigen Models net so aus? Wird einem nicht
vorgemacht das man so auszusehen hat? Werden die Models die
so aussehen nicht trotzdem in "gewissen Sendungen" runter gemacht
und sogar als hässlich oder "zu dick" betitelt????

Doch, ist leider so.

Und leider kann nicht jeder Mensch von sich behaupten ein "gesundes"
Selbstbewusstsein zu besitzen und damit umgehen zu können... Und NEIN,
das kann man auch nicht von jetzt auf gleich lernen/begreifen. Das ist ein
langer und SEHR schwerer Weg!

Ich hab nie jemandem so "gereicht" wie ich war. Ich musste immer wer
ander sein, sollte immer anders aussehen... Darum hab ich zB ein
Problem mit meiner Figur...



geschrieben von: dark-girl88

Ok, keine Frage, fast jede Frau/Mädchen die normal oder übergewichtig ist hat sich zumindest mal ne zeit lang wegen ihrem gewicht gestresst und versucht abzunehmen, einfach weil das schönheitsideal in den medien und auch von den meisten menschen(durch die Medien???) einfach ziemlich dünn(also zumindest leicht untergewichtig) ist.

Allerdings glaub ich, dass bei den meisten Leuten bei denen das in eine Essstörung ausartet auch andere Probleme eine Rolle spielen. Für die meisten Menschen die sonst gut mit sich und ihrem Leben klar kommen spielt ihre Figur wohl keine so große Rolle, dass sie sich deswegen genug stressen, um wirklich magersüchtig zu werden.

Zu pro-ana kann ich nur sagen, dass jeder selbst entscheiden muss was er tut, schließlich ist man ab einem gewissen alter für sich selbst verantwortlich und es wird schließlich keiner gezwungen sich diese seiten anzuschauen!

Aber: dazu zu stehen dass man einen bmi von 23 oder 25 hat und eben nicht 17 oder 18 erfordert zwar vl nicht die energie die nötig ist um das gewicht immer zu kontrollieren, allerdings braucht es dafür den mut sich eben nicht dem Schlankheitsdiktat der Gesellschaft anzupassen!!!

@ sadujan: wie gesagt, wenn du dich mit dieser einstellung wohl fühlst is das deine sache, aber ich find´s ziemlich daneben, dass du dir so viel darauf einbildest!! Und überleg mal: Für jemanden der das hungern schon so gewohnt ist wie du ist es wohl ohnehin einfacher weiterhin kalorien zu zählen als damit aufzuhören!!



geschrieben von: rainraven

@ Tanfana:

Den ersten beiden Absätzen stimme ich zu. Mir ging und geht es zeitweise nicht anders.
Doch würde ich mir auch die Frage stellen, ob Du Dich selbst unter einen bestimmten Druck setzt, weil nicht die Anderen, sondern Du ein Bild von Dir hast, dem Du nie gerecht werden kannst -wie ich.

Bei mir ist es so, daß kein Anderer zu mir je gesagt hat, ich sei zu dick oder häßlich (zumindest nicht mehr, seit ich über 20 bin und unter 65 kg wiege), eher im Gegenteil, aber ich kann ihnen nur schwer glauben, denn das ist einzig und alleine meine Selbstwahrnehmung, daß ich ein ganz anderes Idealbild von meinem Körper habe, dem ich vermutlich ohne Schönheits-OPs und Hungerkuren nie entsprechen werde.
Wo wir dann wieder beim Stichwort Dysmorphophobie wären...



geschrieben von: Sadujan

Natürlich gibt es Menschen, die unvorsichtig waren und keine Kontrolle mehr besitzen. In schweren depressiven Phasen passiert mir das auch. Dennoch habe ich mich bewusst für Pro-Ana entschieden. Und dazu gehört es mMn nunmal auch, sein Gewicht genauso hochschrauben zu können wie runter.

Die Medien dafür verantwortlich zu machen, dass Schönheitsmakel als solche auch wahrgenommen werden, finde ich ziemlich am Ziel vorbeigeschossen. Wenn man merkt, dass man zu dick ist, einfach auf die Medien schimpfen - ich glaube ja nicht, dass das hilft :D

VLG
Sad





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