Ich führe ein Leben wie in einem Glaskasten. Die Blicke der anderen sind unausweichlich, ich bin nackt in einem durchsichtigen Behältnis eingeschlossen und finde keine Zuflucht, in die ich mich verkriechen kann. Nichtsdestotrotz sehne ich mich nach Nähe und Vertrautheit, Liebe, Sex.
Aber die Glaswand trennt mich von Utopia und während ich mich nach draußen träume, zerreiben mich die allsehenden Augen der Schauenden.
Mein Inneres fühlt sich zerfressen an. Ein schwarzer Krater klafft in meinem Innern und mein Körper ist innen hohl. Die Kraft, mich zu bewegen, finde ich kaum.
Wenn ich mit Menschen zusammen an einem Tisch sitze und esse, denke ich sowas wie „Da sitzt mit euch eine Leiche am Tisch“. Ein paar kichern sich an, alle schauen blöd. Ich inszeniere ein Lächeln.
Ich frage mich, ob ich das, was kaputt ist, je werde heilen können. Zwei Drittel meines Lebens haben sich wie eine Säure in meine Seele eingefressen. Zerfetzt und durchlöchert ist sie der erbarmungslosen Sonne ausgeliefert, die Tag für Tag die schirmende Dunkelheit aus dem Glaskasten treibt.
Schatten suche ich vergeblich. Und gleichzeitig umgeben mich nichts als Schwärze, Kälte und Einsamkeit. Auf das Dasein eines Roboters reduziert führe ich täglich meine Programme aus, putze die Zähne, gehe duschen, verlasse das Haus, verrichte meine Pflichten, komme wieder heim, esse und gehe schlafen. Wartezeit auf bessere Tage. Stagnation im Sekundentakt – tick, tack, tick, tack, tick, tack.
Nachts brechen Wogen aus Zertrümmerung und blanker Leere über mir zusammen. Die Stelle, wo mein Herz ist, pocht dumpfer und ein Nebel aus Stahl, der meine Atmung hemmt, legt sich um meine Brust. Seit Kurzem habe ich das Gefühl, dass meine Seele in diesem Zustand in meinen Körper hineingezwungen wird, weil sie schmerzvolle Anstalten macht, sich aus ihm herauszuwinden. Es scheint allerdings für solche Situationen einen Mechanismus zu geben, der eine reale Abspaltung verhindert.
Ich belasse es dabei und versuche Schlaf zu finden, bis ich mich am nächsten Morgen wieder im Glaskasten wiederfinde.