"Willst du trotzdem was geschenkt haben?"
"Ach ja, heut ist ja Vatertag. Ja?!"
A. ist gerade aus ihrem Hochbett geklettert. Ihre Stimme klingt etwas aufgeregt. Es ist der erste Vatertag, an dem sie einem Vater etwas schenken kann. Einem Vater, der sie liebt wie eine eigene Tochter, der ihr beisteht, wenn die Mutter stinkig ist und der mit ihr bis zur Erschöpfung Mathe übt. Es ist kein großes Geschenk. Es ist etwas, was zu unserem gemütlichen Beisammensein beiträgt. Er freut sich und nimmt uns beide in den Arm.
Nach einem üppigen Frühstück sitzen wir erstmal tatendranglos da. Es regnet. Mir kommt die Idee zum Schmetterlingsgarten in Sayn zu fahren. Dort ist es trocken und warm. Und wenn das Wetter besser werden würde könnten wir auch noch zur Burg hochsteigen. A. gefällt die Idee, S. eher weniger. Er möchte sich lieber entspannt im Bett räkeln.
Als wir beim Schmetterlingsgarten ankommen und eine Familienkarte kaufen erinnere ich mich an das erste Mal, als wir eine Familienkarte kauften und S. sagte: "Das gefällt dir nicht wahr?" Ich lächelte ihn an und unsere Blicke unterhielten sich wortlos. Ich hole meine Kamera hervor und schraube das Tele auf, damit ich gleich mit dem Fotografieren loslegen kann, sobald wir bei den Schmetterlingen sind. Kaum öffnen wir die Tür, fliegen sie uns auch schon um den Kopf. Während A. und S. bereits eine Runde im Garten gegangen sind, bin ich keine fünf Meter weit gekommen. Zu schön und vielfältig sind die Tiere, als dass ich ohne sie zu fotografieren, an ihnen vorbei gehen könnte.
S. sagt, er setzt sich ins Cafe und nimmt A. mit. In der Zeit, in der die Beiden Kaffee und Kakao genießen, komme ich nicht dazu die Kamera auch nur eine Minute abzusetzen, Zu sehr hat mich die Farbenpracht der Schmetterlinge in den Bann gezogen. A. kommt bald wieder und entwickelt sich zu einer Schmetterlingshexe. Sie verhext die Tiere, so dass sie auf ihrer Hand landen oder rauf krabbeln. Die anderen Kinder eifern ihr nach, aber keines schafft es, es ihr gleich zu tun. Ein Tier ruht sich sogar eine halbe Stunde auf ihrer Hand aus und bleibt sitzen, obwohl A. mit ihm umhergeht.
Ich lasse A. in ihrem Spiel allein und geselle mich zu S. Der sitzt zufrieden im Cafe und liest. Als er aufschaut lächelt er mich an. Ich mag es, wenn er mich so gutgelaunt empfängt. Es ist unser stilles Abkommen, dass wir den anderen nicht nerven wenn es uns zu langweilig wird und wir uns derzeit eine andere Beschäftigung suchen. Er erzählt mir von Oscar Wilde, sein Leben, seine Verurteilung wegen seiner Homosexualität und von seinen "frauenfeindlichen" Sprüchen. Am Fenster geht ein älteres Ehepaar mit Gehstöcken vorbei und S. spricht aus, was ich denke. "So gehen wir auch wenn wir alt sind." Er denkt daran mit mir alt zu werden. *lächel* Als A. raus kommt machen wir uns auf zur Burg. Auf halbem Weg gibt es eine Falknerei, in der wir uns die Vorführung anschauen und über Bussarde, Falken und Adler lernen. Danach steigen wir noch kurz zur Burg auf und fahren nach Haus. S. kann nun endlich seiner Lieblingsbeschäftigung nachgehen. Im Bett liegen und lesen oder dösen, während ich Bohneneintopf koche.
Auch für mich war das der erste Vatertag. Und ein gelungener dazu. Bisher war das für mich ein Tag, an dem sich die Männer ungeniert besaufen. Aber ich habe gelernt, dass dieser Tag dafür ist, das Engagement der Männer in den Familien zu würdigen.
geschrieben von: x-xcva
Einfach nur schön, danke für die Schilderung. Oft habe ich noch die Gespräche im Ohr und die Bilder vor Augen, wenn Roland und ich uns ausmalten, wie wir alt und hutzelig aber äußerst zufrieden, auf der schmiedeeisernen Gartenbank vor unserem selbst sanierten Bauernhaus sitzen würden. Manchmal sehe ich dieses Bild heute noch und mir fällt in diesen Momenten wieder ein, wie wichtig solche 'inneren Wärmflaschen' sind. Vielleicht wird es doch noch Wirklichkeit, das Schlechteste wäre es bestimmt nicht....
Ich freue mich für Euch.
Einen lieben Gruß
Mischa
geschrieben von: herbstliebe
Danke Mischa.
Lieben Gruß zurück
herbsti
geschrieben von: herbstliebe
Lebensträume
Angeregt durch den Thread " Lebensträume" in D&D. "Stellt euch vor, ihr würdet von irgendeiner Quelle Geld bekommen..." Vollkommen sinnlos gab ich mich meinen Träumen hin. Ein Häuschen mit Garten hätte ich, mit angrenzendem Reitstall für A. und mich. Ich würde studieren, Grafik Design oder Kunst. Einen großen Land Rover fahren und natürlich hätte ich eine Haushälterin.
Solche Träume sind nur dafür gut, sich darüber im Klaren zu werden, was man nicht hat.
Aber… ohne Lebensträume wäre ich nicht dort, wo ich bin. Im Kleinen träumen heißt die Lösung. Warum sollte ich nicht studieren und A. Reitstunden nehmen? Ein Fernstudium macht dies möglich und Reiterhöfe befinden sich in der Nähe. Einen Landrover habe ich bereits, ein kleiner Dreisitzer, der vollkommen für uns reicht. Nein meiner ist es nicht, aber ich kann ihn mir jederzeit leihen, in Wirklichkeit brauche ich gar kein Auto. Und so wie die Dinge momentan stehen werde ich auch bald ein Häuschen mit Garten haben.
geschrieben von: herbstliebe
Duschzeug, Zigarettengeruch, Räucherstäbchen und Massageöl vermischen sich mit deinem Körpergeruch und den meinem. Ich sitze im hellen Mondlicht, die Flammen der Kerzen bewegen sich sanft. Über mir der kleine Wagen und einige andere Sterne. Ich denke an dich, an unseren Abend. Es war gut, dass ich bei dir war, damit wir etwas Zeit allein verbringen konnten.
Mit deinem Fernglas sind plötzlich unzählige Sterne zu sehen. Und der helle Mond mit seinen vielen Kratern leuchtet so stark, dass ich im ersten Moment denke, er könnte meine Augen verbrennen. Aber sein Licht ist kalt, reflektiert nur das Sonnenlicht und kann ihnen nichts anhaben.
Es war wieder unbeschreiblich schön bei dir. Ich möchte nicht sagen, dass es das war, was eine Beziehung zwischen Mann und Frau ausmacht, denn es gibt noch andere wichtige Aspekte. Aber es war das, wo mir immer wieder klar wird, dass Mann Mann ist und Frau Frau und warum sie füreinander geschaffen sind. Die körperliche Vereinigung mit dir brauche ich wie die Luft zum leben.
Ich genieße diese Erfüllung, wenn auch noch allein auf meinem Balkon. Irgendwann werde ich mit dir in unserem Garten sitzen. Wir sinnieren dann über uns und genießen zusammen, einander zu haben.
geschrieben von: herbstliebe
Ehre
Mit Aufregung nahm ich den Briefumschlag aus dem Briefkasten. Er war von meiner Kaserne. Nicht das übliche Format, länglich, wie DIN-A 4 Blätter halt als Brief verschickt werden. Nein, diesmal war es ein Umschlag, in dem ein gevierteltes Blatt hätte stecken können. Als ich ihn in der Hand hielt, fühlte ich schon, dass eine Karte aus Karton drin steckte. Erst dachte ich, jetzt haben sie sich aber ins Zeug gelegt. Aber ich spürte schon, dass der Inhalt etwas ganz Besonderes sein musste.
Hastig öffnete ich den Briefumschlag. In ihm steckte eine gelblich marmorierte Karte mit abgebildetem Wappen und dem Wort "Einladung". Für eine Einladung zur Weihnachtsfeier war es definitiv noch zu früh. Ich klappte die Karte auf und las:
Der Standortälteste .....
Brigadegeneral ......
bittet
Frau W.
aus Anlass "50 Jahre Bundeswehr in ...."
zum Großen Zapfenstreich
Was? Mich? Warum? Das ist ja der Hammer!
Durch mein Ehrenamt in der Kaserne wird mir solch eine Ehre zuteil. WOW! Was habe ich bedauert, dass ich nicht in Berlin war, wo ich diese Stadt sonst nicht mag, als der Große Zapfenstreich zum Anlass des 50. Jahrestages der Bundeswehr dort stattfand. Und mangels Fernseher konnte ich ihn nicht mal via Übertragung mitverfolgen. Und nun werde ich dabei sein. Als Ehrengast.
Das wird eines der Ereignisse sein, auf das ich noch lange zurückblicken werde. Eines, von dem ich noch meinen Enkeln erzählen werde.
geschrieben von: herbstliebe
Mein geliebter Sir,
ich hab doch erst morgen mit dir gerechnet. Stattdessen sagt mir A. als ich vom joggen komme, du hättest angerufen und bist in 45 Minuten hier. Ich dusche mich schnell, creme mich ein und kaum habe ich mein Kleid übergestreift, höre ich schon dein Auto. Ich nehme meine Jacke, ziehe sie über und eile auf den Balkon, während du nach den Taschen auf dem Beifahrersitz greifst. Als du aussteigst geht dein erster Blick zu mir nach oben, ein Lächeln breitet sich auf deinem Gesicht aus, als du mich siehst. Natürlich stehe ich auch heute hier, wie sonst, wenn ich dein Auto vorm klingeln höre. Du rufst hoch: "Ihr habt mir gefehlt." Und ich erwidere: "Schön." "Nein nicht schön." "Mir gefällt es."
Ich öffne dir die Tür ohne dass du geklingelt hast und gehe zur Tür vom Laubengang, die ich dir aufhalte, damit ich dich die letzten Stufen empor steigen sehen kann. Du lächelst, zeigst deine Ausbeute. Wie sehr hast du mir gefehlt. Deine Umarmung und dein Kuss sind so voller Liebe. Wir gehen über den Laubengang in die Wohnung, wo A. schon auf uns wartet und dir um den Hals fällt. Ich nehme dir die Taschen ab. Zwei Taschen voll mit Leckereien aus England, Karten, Prospekte und Ansichtsmaterial von den Orten, an denen du warst und eine DVD.
Beim (fast) englischen Frühstück berichtest du von deiner Reise. Deinen Erzählungen zufolge muss es wieder sehr schön in England gewesen sein. Die Geburtsstadt von Shakespeare Stratford-upon-Avon, ganz wichtig für dich Leseratte, Winchester, die Cotswolds und Sissinghurst. Die Cotswolds, die sich anzuschauen nicht lohnte, weil du eigentlich dorthin wolltest um sie mir zu zeigen. Sissinghurst war leider schon das Wochenende davor geschlossen worden. Das ist wirklich schade, denn ich weiß, wie gern du den Garten gesehen hättest. Du hast schon so oft davon erzählt, mich mit deiner Begeisterung angesteckt, wir haben Bücher darüber gelesen und wollten ihn zusammen besuchen. Bei unserem letzten Englandurlaub hatten wir keine Gelegenheit, dort vorbei zu fahren. Dafür hast du die DVD mitgebracht, die wir eine Stunde aneinandergeschmiegt genossen. Nächstes Jahr werden wir ihn uns gemeinsam ansehen.
Nachmittags bei dir, hatten wir wieder sehr viel Spaß. Wir werden immer besser im Scones backen. Die Clotted Cream, die du mitbrachtest schmeckt viel besser als die, die wir hier bekommen. Tee und Marmelade dazu machten unsere Teatime perfekt. Ich bin glücklich in dir den Mann gefunden zu haben, mit dem ich so viel gemeinsam habe.
So sehr ich dir die Tage in England gegönnt habe, so sehr freue ich mich, dass du schon früher gekommen bist, einen Tag geopfert hast um mich, uns zu sehen, weil du am Dienstag schon wieder auf Dienstreise bist und wir sonst gar keine Zeit für uns gehabt hätten.
Ich liebe Dich.
C.
geschrieben von: herbstliebe
Wir machen ernst
Das neue Jahr begann, wie das Alte endete. Wir umarmten und küssten uns, während draußen das große Feuerwerk startete.
Für den Silvestermorgen hatten wir kurzfristig einen Besichtigungstermin für ein Haus eingeräumt. Die Beschreibung bei Immo-Scout klang viel versprechend. Keine Bilder. Die Beschreibung klang so gut, dass wir trotzdem das Haus sehen wollten. Die Miete etwas hoch, aber noch vertretbar. Der Vermieter, der in dem Haus viel Eigenleistung einbringt, warnte am Telefon, keine feinen Sachen anzuziehen, weil das Haus noch eine Baustelle ist.
Uns empfing ein äußerst freundlicher Häuslebauer. Er präsentierte uns sein Haus, auf das er zu Recht stolz sein kann. Schnitt und Ausstattung entsprach genau unseren Vorstellungen. Eine riesige Wohnküche, drei Bäder, jeder hat einen Balkon oder eine Terrasse, Garten, Fußbodenheizung, Bodentiefe Fenster, hohe Decken im Dachgeschoss. Das Ganze in einer ländlichen Umgebung mit guter S-Bahnanbindung. A. kommt gut in die Schule und die Bahnlinie führt direkt zu meiner Arbeitsstelle. Wir waren uns einig, dass wir dieses Haus nehmen, aber noch eine Nacht darüber schlafen würden. Dem Vermieter teilten wir unsere Absicht mit und wir vereinbarten, dass wir ihn am Zweiten anrufen. Weitere Interessenten waren schon im Anmarsch und uns war klar, dass er sich bei dem Haus die Mieter aussuchen konnte.
Am Mittwochmorgen rief ich den Vermieter an. Wir bekamen seine Zusage, worüber wir uns riesig freuten. Endlich konnten wir nach zwei endlos langen Tagen „unser“ Haus schon mal in Gedanken einrichten. Am Freitag trafen wir uns in dem Haus um den Mietvertrag zu unterschreiben. Es wurde abgesprochen, dass ein Grundriss des Hauses an die Email von S. geschickt wird. Danach fuhren wir in das nahe gelegene Einrichtungshaus, in dem wir uns eine Küche aussuchten. Sogar eine Spülmaschine ist dabei. (Spülmaschine ist bei uns ein Running-Gag, den ich wegen seiner Länge jetzt nicht erläutern will. Wir waren uns jedenfalls einig, dass wir so was nicht brauchen.) Über den Kaufvertrag schliefen wir auch noch mal eine Nacht und Samstag fuhren wir dann, um den Vertrag zu schließen. Im Baumarkt nebenan suchten wir uns das Laminat und die Wandfarben aus, was wir mitbestimmen dürfen.
Als Sonntag noch kein Grundriss angekommen war, schickte ich dem Vermieter eine Nachricht. Die Emailübertragung klappte nicht und er bot uns an, ihn uns am Montag in den Briefkasten zu werfen. S. sagte, wir könnten ihn uns auch abholen, was den Vermieter sehr freute, weil uns dann auch seine Frau kennen lernen würde. Wir fuhren also hin und wurden auch dort freundlich empfangen. Nachdem wir uns bei Kaffee über das Haus ausgetauscht haben fuhren wir mit dem Grundriss auf dem Stick nach Hause. Dort lud ich ihn auf meinen Computer, passte ihn maßgetreu an und nun können wir unsere Möbel nachbauen und im Computer das Haus virtuell einrichten.
Zur Überschrift bleibt zu sagen, wir freuen uns, dass wir nach monatelanger Suche ein Haus gefunden haben, dass zu uns passt. Keiner von uns hat irgendwelche Bedenken. Wir sind uns sicher, dass das Leben unter einem Dach noch schöner wird und das sind doch die besten Voraussetzungen für ein gemeinsames Leben.
geschrieben von: herbstliebe
Lieber Herr X,
relativ ruhig habe ich die Nachricht von Ihrem Tod aufgenommen. Die Gewissheit, dass Sie nicht leiden mussten macht es erträglich. Trotzdem macht sich große Betroffenheit in mir breit.
Ich weiß, wir hatten nicht viel miteinander zu tun. In den Vergangenen Jahren eher seltener im Gegensatz zu früher, wenn Sie sich in der Kantine mit Herrn Y zu mir an den Tisch setzten. Immer die Form wahrend und fragend, ob Sie sich zu mich setzen dürfen. Natürlich war ich immer erfreut, einen so umgänglichen Menschen wie Sie dann meist neben mir sitzend zu haben. Sie haben dann immer Ihre Papierserviette aufgefaltet vor die Krawatte ins Hemd gesteckt. Es sah recht anmutend aus, Sie waren ein selbstbewusster Mann, der es einfach drauf hatte trotz Serviette als Latz würde- und respektvoll auszusehen. Sie und Herr Y waren dicke Freunde. Sie neckten sich gerne und banden mich in Ihre Späße mit ein. Ich habe mich immer geehrt gefühlt, mit ihnen zusammen zu sitzen.
Fast täglich liefen wir uns über den Weg. Sie grüßten immer mit einem verschmitzten Lächeln. Wenn Sie mit anderen zusammen standen und vor der Tür rauchten, waren Sie immer so aufmerksam meinen suchenden Blick zu kreuzen und zu grüßen. Ich konnte nicht an Ihnen vorbei ohne Ihren Gruß mit auf den Weg zu nehmen. Manchmal fuhren Sie mit Ihrem alten BMW an mir vorbei, manchmal trafen wir uns in der oberen Etage und immer lächelten Sie freundlich, wenn es die Zeit zuließ wechselten wir kurz ein paar Worte.
Sie waren ein sehr beliebter Mensch. Die vielen Nachrufe bestätigen meine Annahme und der Zeitungsbericht mit den Bildern der vielen Trauergäste ebenso. Auch ich wäre gerne zu Ihrer Beerdigung gekommen. Leider kam entsprechende Nachricht erst an meinem ersten Urlaubstag und so konnte ich den Termin nicht lesen. Das Haus hat einen Bus organisiert damit die Kollegen Gelegenheit hatten, von Ihnen Abschied zu nehmen. Ich erinnere mich nicht, dass das Haus sowas jemals bei einem anderen verstorbenen Beschäftigten gemacht hätte.
Meine Einstellung, dass Sie einen schönen Tod hatten, stößt auf Unverständnis. Es mag hart klingen, aber jeder wünscht sich einen solchen Tod. Ich denke einfach, etwas in Ihrem Körper stimmte nicht, schliesslich hört ein Herz nicht einfach auf zu schlagen. Und sie durften ohne langen Leidenswegs gehen. Sie sind eingeschlafen und nicht wieder aufgewacht. Das haben Sie verdient! Gut, der Zeitpunkt war vielleicht nicht der Beste. Sie standen in der Blüte Ihres Lebens und hatten noch sehr viel vor.
Ihr Kollege und Freund Herr Y macht mir Sorgen. Ich sehe ihn relativ oft. Er sieht nicht gut aus. Er, der seit Jahr und Tag mit Ihnen zusammen die Pause verbrachte leidet. Ich hatte ihn angesprochen und ihm gesagt, wie leid es mir tut, dass Sie nicht mehr sind. Er probierte seine Trauer mit einem Witz zu überspielen, Sie kennen ihn ja. Er, der lustige, immer einen Witz auf der Lippe habend, würde nie zeigen wollen, dass er leidet. Aber ich habe es gesehen, ich sehe es in seinen Augen. Er weint oft. In gewisser Weise bin ich froh, dass ich im Moment nicht oben vertreten muss, ich kann ihn nicht so leiden sehen.
Wann immer ich an unseren "Treffpunkten" vorbei komme erwarte ich Ihren lächelnden Blick. Ich sehe Sie dann auch immer zufrieden lächelnd, so wie Sie mir eben in Erinnerung sind. Am Wochenende werde auch ich von Ihnen Abschied nehmen. Wenn mich die "Sehnsucht" packt Sie lächeln zu sehen, gebe ich ihren Namen in der Suchmaschine ein. Das Internet bietet ein Fülle an Bildern und keines war bisher dabei, auf dem Sie nicht lächeln.
Ruhen Sie in Frieden
Ihre
C.W.
geschrieben von: herbstliebe
Wenn's dann doch anders kommt
Ich kann kaum schlafen vor Aufregung, dabei dauert es noch eine Woche bis wir umziehen. Vielleicht ist es auch die Wärme oder der Lärm. Es ist mitten in der Nacht und totenruhig. Trotzdem lärmt es, vielleicht sind es meine Gedanken, die keine Ruhen geben.
Fast alle Sachen sind schon gepackt. Noch sechs Tage, dann verlassen wir das Haus ohne Ausgang. Manche sagen wir sollten klagen. Aber wofür, um dann weiter neben solchen Nachbarn zu wohnen die S. Charakterschweine nennt? Er ist da ganz radikal und hat gekündigt ohne, dass wir schon was Neues hatten. Er sagt, genau das sei der Grund ist, warum er keine Immobilie kauft.
Ich hatte mich so sehr auf einen eigenen Garten gefreut. Ich habe auch probiert ihn schön anzulegen, doch zu viele Unzulänglichkeiten des Vermieters und unseres Nachbarn, die Kollegen sind, haben mir die Freude am Garten vergällt. Meine Pflanzen probiere ich so gut es geht vom Unkraut frei zu halten denn die möchte ich schon mitnehmen in den neuen Garten, zu dem ein Häuschen mit eigener Einfahrt und ein Eingang mit großem Vorgarten und eine Treppe hinauf zur Haustür gehört. Genauso, wie ich es mir schon immer gewünscht habe. Seit damals, als ich noch arm in einer unbeheizten Wohnung wohnte und von einer glücklichen Familie und einem kleinen Häuschen träumte.
Hier möchte ich heute auch mal liebe Grüße an die hinterlassen, die an mich denken.
geschrieben von: herbstliebe
Igel – Wildtier des Jahres
„Lass mich noch schnell ein paar Tomaten aus dem Garten holen bevor es dunkel wird.“ Ich wollte gerade Erdbeeren für den Nachtisch putzen. Ich ging raus, in den hinteren Teil des Gartens und späte schon von weitem nach roten Tomaten, als ich ein Kratzen hörte. „Das ist wohl wieder der Igel“ dachte ich. Als ich wieder das Kratzen hörte und ortete, dass es vom Kompost der Nachbarn kommt. Vier engmaschige Zaunteile wurden mit Kabelbinder verbunden. Darin der Kompost, davor ein angelehntes Brett.
Als ich den Igel sah bekam ich einen großen Schreck, denn die Position, die er inne hielt ließ ihn nicht als Igel erkennen. Er hing kopfüber vor dem angelehnten Brett. Erst hatte ich die Befürchtung, er könnte kopfüber runterrutschen doch dann sah ich, dass das gar nicht ging. Er hing fest. Ich ging näher heran und sah, dass sein rechtes Hinterbein zwischen zwei zusammengebundenen Zaunteilen eingeklemmt und zu dick war um es raus zu ziehen. Ich rannte schnell ins Haus um ein Handtuch zu holen. A. war auch schon vor Ort und sah mit Bestürzung, in welch misslicher Lage sich der Igel befand. Als ich ihm näher kam rollte er sich schon zusammen, so konnte ich das Handtuch um ihn legen und anheben um das Gewicht vom Bein zu nehmen. Ich schickte A. zur Nachbarin, die bisher überaus hilfsbereit war. Die war an diesem Abend aber ausnahmsweise nicht da, wie mir später wieder einfiel. A. kam zurück und ich ließ sie den Igel halten um eine Zange zu holen. Wir wohnen noch nicht lange in dem Haus, deswegen hatten wir das Werkzeug parat und genug Kartons, wovon ich auch gleich einen mitnahm. Schnell wieder zu A. und dem Igel, die Kabelbinder zerschnitten und der Igel war frei. A. legte ihn behutsam in den Karton, das Bein stand ab, obwohl er zusammengerollt war.
Ein Fall für den Tierarzt. Wasser für’s Tier, Internet, Telefon und schon bestand die Möglichkeit den Igel in ärztliche Hände zu geben. Da wir in der Woche kein Auto haben, mein Mann arbeitet in einer anderen Stadt, konnte ich eine Nachbarin mobilisieren mit mir zum Tierarzt zu fahren. Eine Arzthelferin nahm mir das Tier ab und wir fuhren wieder nach Haus.
Aber dies hätte ich hier nicht geschrieben, wenn es nicht noch weiter ginge.
Die bereits erwähnte überaus hilfsbereite Nachbarin klingelte an der Tür, kurz nachdem ich wieder im Haus war. Nachdem wir ihr „Anliegen“ geklärt hatten wollte ich ihr erzählen, dass ich den Kompostsammler zerschnitten habe, weil es galt einen Igel zu retten. Als sie „Igel“ hörte verwandelte sie sich in eine hysterische Furie. „Igel? Lassen sie mich bloß mit dem Igel in Ruhe. Der hat mir so einen Schreck eingejagt. Wie eklig.“ „Wie, sie haben den Igel gesehen und nicht befreit?“ Der Leser mag sich vor Augen führen, dass es sich um ihren Kompost handelte. „Befreien? Ich? Ich fasse doch keinen Igel an. Die sind so eklig. Igel und Mäuse…“ und weitere hysterische Aussprüche. „Wann haben sie den Igel denn gesehen?“ „So gegen Mittag.“ „Was? Der Igel hängt da schon seit Mittag?“ Ich war gegen Sieben wegen der Tomaten raus gegangen. „Dann hätten sie ihren Mann informieren können.“ Der ist zwar tagsüber außer Haus, aber die Möglichkeit hätte nach seiner Heimkehr bestanden.
Man bedenke, Igel sind nachtaktiv. Wer weiß, wie lange er da hing.
Der letzte Stand ist, dass das Bein kaputt ist und der Igel operiert werden muss.
Zu gerne würde ich den Nachbarn eine Schippe Erde mit Schneckeneiern in den Garten setzen.
geschrieben von: Any Body
Es ist für mich nicht verständlich, dass Deine Nachbarin einen derartigen Ekel vor den kleinen Waldbewohnern hat. Auch ist es für mich nicht verständlich, dass Sie keine Hilfe leistete, sondern es zulassen wollte, dass das Tierchen einen elendigen Tod erleidet.
geschrieben von: herbstliebe
Wieder eine Nacht in der ich keinen Schlaf finde. Drei Tassen Kaffee heute Morgen, wo ich doch sonst Koffein meide. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich viel zu spät zu viel gegessen habe. Oder aber, weil er mir sagte, dass er einer Bekannten geschrieben hat, er denkt daran mich zu heiraten, bevor er in den Einsatz geht.
Dabei hatte ich fest mit einem Heiratsantrag in England gerechnet. In dem Garten, den ich durch ihn kennen lernte. Dessen Bewohner einen intensiven Briefwechsel führten. Ich weiß, er liebt Briefe auch, aber ich habe meist nicht den Kopf frei etwas zu schreiben. Wir telefonieren ja auch täglich und dann haben wir uns meist schon alles gesagt. Bis auf die Themen, die wir gerne ruhen lassen. Ja, darüber könnte ich viel schreiben. Ich werde mich bessern.
Eine Woche verbrachten wir in London und einen Tag nahmen wir uns für die Fahrt nach Sissing Hurst. Der Tag war wunderschön. Wir hatten schönes Wetter, einige Pflanzen blühten schon und ich konnte meine Fotoleidenschaft voll ausleben. Wir waren so einträchtig mit A. und ich wünschte mir, dass ich an diesem schönen Tag einen Antrag bekomme. Ich bekam ihn nicht. A. hat ein Foto von uns gemacht, auf dem wir so unendlich glücklich aussehen. Auch ohne Antrag. *lächel*
Am Sonntag war es soweit. Ich habe den Heiratsantrag von dem Mann bekommen, den ich so sehr liebe.
Zwischen Rhein und Siebengebirge. Mit Kniefall und mir liefen die Tränen. Vor Rührung, weil dieser große tolle Mann vor mir kniete und meine Hände nahm und mir einen Antrag machte.
Wir waren wieder am Rhein, spazierten zur Fähre und setzen mit ihr nach Königswinter über. Dort gibt es das beste Eis. Mit dem Eis wollten wir uns an den Rhein setzen, die letzten Schattenplätze wurden uns vor der Nase weggeschnappt. Ich schlug vor uns auf eine Beeteinfassung aus Stein zu setzen, aber er sagte mit ungewohnter Bestimmtheit, dass er hinter dem Kiosk sitzen will. Mir fiel sofort ein, dass dort die Bank sein muss, auf der er mir vor fünf Jahren einen Korb gab, weil er keine feste Beziehung wollte. Und so war es dann auch. Wir setzten uns, er nahm mich in den Arm und säuselte mir etwas ins Ohr, das ich hier nicht wiedergeben möchte, stand auf und ging vor mir auf die Knie, nahm meine Hände und sagte den von mir so lang ersehnten Satz. Es mag viele schöne Orte geben, wo ich mir den Antrag gewünscht hätte, doch an meinen Lieblingsort hatte ich nicht gedacht. Er aber.
Im Herbst wird geheiratet.
geschrieben von: ArrogantNick
Mensch, das ist ja klasse. :-) Das freut mich für Dich/Euch!
Lieben Gruß & herzliche Glückwünsche
Mischa
geschrieben von: herbstliebe
Danke Mischa :-)))
Lieben Gruß zurück
C.
geschrieben von: Odessa
Das sind schöne Nachrichten. Auch wir gratulieren herzlich und freuen uns mit Euch! Ganz lieben Gruß an Dich und "ihn"! Daniel & Ilo
hu-HU, herbsti, auch von mir alles liebe und gute und beste glückwünsche für euch!!
edit: in dem zusammenhang mal die signatur bitte nicht beachten *g*
geschrieben von: herbstliebe
Hallo Creo,
ganz lieben Dank auch an dich. Dir habe ich zu verdanken, dass mein Lieblingsort immernoch meine Lieblingsort ist. Wenn du dich daran erinnerst, wie A. mal abgetrieben ist... Du wirst immer einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen behalten.
Lieben Gruß
C.
geschrieben von: Creobotra
uh, klar erinner ich mich daran... schön, wenns auch weiterhin so ein platz ist :)
und dito ;)
geschrieben von: autumnnight
herzlichen glückwunsch auch von mir herbsti!!alles, alles gute
"Bist du nervös?"
"Nein, ich weiß ja wen ich heirate"
"Aber trotzdem, ein bisschen Nervösität gehört dazu"
Ist das wirklich so? Mein Hochzeitkleid hatte ich 15 Minuten vor Abfahrt noch nicht an. Warum auch, schließlich wollte ich es als letztes anziehen, damit ich es nicht mit Schminke oder sonstwas vollklecker.
Als ich ihn sah, wie er vor Glück strahlend im Trauzimmer stand, kamen mir vor Rührung die Tränen. Ich bin aber auch eine Heulsuse. Er in Uniform, schwarzem Smoking mit weißem Hemd und selbstgebundener Fliege. Eine Fliege mit Gummi wäre für ihn nie gekommen. Auch wenn wir uns am Tag zuvor beim Fliege binden üben vor Lachen kaum einkriegten.
Nachdem der Standesbeamte seinen Part erledigt hatte und der Trauzeuge eine kleine Rede hielt, steckten wir die Ringe an. Die neue Unterschrift hatte ich absichtlich nicht geübt, damit ich meinen neuen Namen erst dann zum ersten Mal schreibe. Danach las der Standesbeamte mein Lieblingsgedicht "Bäume" vor. (Wenn du das liest, es ist immernoch mein Lieblingsgedicht und ja, ich habe ihn gefunden wie du es mir in deiner Widmung gewünscht hattest.)
Draußen warteten einige seiner Kollegen, die um vier Uhr morgens aus X angereist waren um uns Glück zu wünschen und die Geschenke der Truppe und des Offizierschores zu übergeben.
Nach der Trauung fuhren wir ins Siebengebirge auf den Petersberg. Mit Familie und Trauzeugen hatten wir einen schönen Nachmittag bei leckerem Essen und als der Abend einbrach verließen sie uns und wir blieben, um unsere Hochzeitsnacht dort zu verbringen.
Zwei Tage später ging es dann auf Hochzeitsreise nach England, wo wir wieder viele Sehenswürdigkeiten besuchten. Das englische Frühstück ist viel besser als sein Ruf. Einfach köstlich.
Ein trister Tag neigt sich seinem Ende zu. Schon am Morgen hat es geregnet und es gab immer wieder Gewitter. Eigentlich mag ich diese Art Wetter, besonders nach dem heißen Sommertag gestern hätte ich diesen Herbsttag heute genossen. Als ich morgens am offenen Fenster stand roch ich die Herbstluft und dachte an unsere Hochzeitsreise. Nicht ganz ein Jahr ist es her, als wir glücklich verheiratet nach England reisten. Doch heute ist kein Tag um in diesen schönen Erinnerungen zu schwelgen. Heute ist der zehnte Jahrestag, von diesem schrecklichen Ereignis, wegen dem du nun in Afganistan bist. Jeder mag seine Meinung über den Einsatz am Hindukusch haben. Ich denke heute an die vielen gefallenen Soldaten, deren Frauen und Familien und frage mich, ob dieser Einsatz wirklich hat sein müssen. Mein Mitgefühl gilt heute allen Hinterbliebenen, mögen sie ihren inneren Frieden finden.
Zwei Monate ohne dich, du fehlst mir so sehr. Um diesen Tag zu überstehen habe ich es mir so gut es ging gemütlich gemacht, Kerzen im Haus aufgestellt, die Lampen in den Fenstern angemacht und dir bei einem Tässchen Tee einen Brief geschrieben. Am Telefon haben wir vorhin beschlossen, dass wir wieder nach England fahren, wenn du zurück bist. Salisbury werden wir noch einmal besuchen, wieder in diesem schönen B&B übernachten. Und wer weiss, wohin es uns diesmal verschlägt.
geschrieben von: herbstliebe
Gestern kam dann der Bericht unseres Trauzeugen. Kommandoübergabe seines Kontingents, ein erhebender Moment, wie er schreibt. Vielleicht sind die gefallenen Soldaten doch nicht ganz sinnlos gestorben.
geschrieben von: herbstliebe
Heute habe ich es genossen allein zwischen den Pferdekoppeln und im Wald zu joggen. Teilweise herrschte absolute Stille um mich herum. Nur meine Laufschritte und den Wind an meinen Ohren hörte ich. Schritte, die den Hufspuren im Sand folgten. Kleine Hufe und Große Hufe waren dort unterwegs. Die Pferde und Ponys bekommen schon ihr Winterfell. Sie sehen richtig kuschelig aus. Wenn ich an ihnen vorlief schauten sie und sahen aus, als dächten sie, das arme Menschlein dreht hier seine Runden, hoffentlich fällt es nicht gleich um. Joggen ist einfach mein Liebllingssport und ich hasse es, ja ich hasse es, wenn mein linken Bein mir so Probleme bereitet, dass ich nicht laufen kann. Ich lasse es erstmal wieder langsam angehen. 25 Minuten für den Anfang reicht. Ich laufe so lahm, dass mich wahrscheinlich Fussgänger überholen würden. Aber zum Glück ist da oben ja kaum einer außer die Pferde und Vögel und was sonst noch so in den Büschen raschelt. Ein Pilzsammler war auch unterwegs. Ich werde nicht aufgeben und weiter laufen, bis ich die 25 Minuten besser laufen kann und werde dann die Laufzeit langsam verlängern. Hoffentlich kommt nicht wieder so ein Totalausfall, wo ich mein Bein kaum noch bewegen kann. Ich will doch nur laufend die Natur geniessen.
Der Tag hat so schlecht begonnen. Statt mich zu freuen, dass ich heute die Bundeswehr beim Deutschlandfest besuche, schob ich erstmal einen Depri. Das kam bestimmt, weil wir gestern nicht telefonieren konnten. Die Nacht war sehr kurz weil ich weder einschlafen noch ausschlafen konnte. Drei Monate sind wir schon voneinander getrennt. Ich weiß nicht wie es mir gehen würde, hätten wir das Telefon nicht. Am Wochenende ist es besonders schlimm, du fehlst mir so sehr, dass es schmerzt. Drei Monate ohne dich zu Bett gehen und drei Monate ohne dich erwachen zerrt an meinen Kräften. Ich habe mich trotzdem aufgerappelt, war mit den Kindern einkaufen und bin danach gleich los nach Bonn zum Deutschlandfest. Mein Ziel, die Bundeswehr. Beim Feldpostamt wurde mein Brief an dich entgegengenommen und die Luftwaffe Musikcorps haben mich gefesselt mit ihrer Interpretation der Filmmusik der James Bond Filme. Aber der Höhepunkt war die Übung zur zivilmilitärischen Zusammenarbeit im Katastrophenfall. Auf der anderen Rheinseite wurde mit einem Lagerfeuer ein Waldbrand simuliert, weswegen die Feuerwehr ausrückte. Die Amphibienfahrzeuge gingen zu Wasser und wurden im rasanten Tempo von den Soldaten aufgeklappt, sodass es Fähren wurden, die sich aneinanderreihen ließen und die Wagen der Feuerwehr und Sanitäter von einem Rheinufer an das Andere bringen konnten. Dann startete der Helikopter, nahm Wasser aus dem Rhein auf, flog in großem Bogen zum Feuer und ließ das Wasser wieder ab. Für eine Stunde war meine Trübsal wie weggeblasen, denn es war einiges, das ich liebe, in einem Gesamtbild komponiert, zu sehen. Der Herbst, die Bundeswehr, die Feuerwehr, ein Helikopter und der Rhein. Es war also gut rauszugehen und mich etwas abzulenken. Das Telefonieren ging heute auch wieder und mir geht es besser. Vier Wochenenden, die ich, die wir noch rumkriegen müssen.
Als wäre alles nur ein schlechter Traum gewesen, so fühlten wir uns, als wir uns nach vier Monaten Trennung und warten in die Arme fielen. Ich habe diesen Tag herbei gesehnt und er erfüllte all meine Träume und Wünsche. Nur einen Tag verbrachten wir Zuhause, als wärst du nie weg gewesen und dann ging es schon los nach England. Wir hatten ein Zimmer in einem B&B gewählt, das direkt an der Küste liegt, von dem aus man die Kreidefelsen gut erreicht. Noch vor dem Frühstück waren wir dort und ich konnte die Felsen anfassen. Sie fühlten sich an wie nasse Kreide, ich bekam weiße Finger, die sich später auf deiner Jacke in Form von Fingerabdrücken wiederfanden, weil ich dich immer wieder vor Glück umarmen musste. Wir beide zusammen und in England an den Kreidefelsen, es war unbeschreiblich schön. Wir besuchten wieder Orte, die wir schon auf unserer Hochzeitsreise besucht hatten und auch neue Orte, an denen wir vorher nie waren. Nun sind wir wieder Zuhause und du geniesst es, so lange du nicht nach ... musst und wieder nur an den Wochenenden hier sein kannst.
Es ist ein Etwas im Menschen,
was ihn den Herbst und das fallende Laub mehr lieben läßt
als den Frühling und seine Blütenpracht,
was ihn hinauszwingt aus dem Geräusch der Städte
in die Stille der Friedhöfe und unter Efeu und Trümmerwerk,
ihn wonniger durchschauert als angesichts aller Herrlichkeit der Welt.
(Fontane)