[Verständlichkeit der Philosophie] - German Gothic Board

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Verständlichkeit der Philosophie

(Klicke hier, um das Thema mit vollen Farben / Abbildungen zu betrachten)



geschrieben von: Menedemos

Ich hatte neulich eine Diskussion mit einem Bekannten (über gewisse moderne Philosophen), und dabei hat er folgende These aufgestellt:

"Kein philosophischer Gedanke ist an sich so kompliziert, daß man ihn nicht einem halbwegs aufgeweckten 12jährigen verständlich machen könnte - wenn man sich nur darum bemühte."

Was sagt ihr zu dieser (zweifellos zugespitzten) Behauptung?

[Ach ja, ab morgen bin ich für eine Woche nicht da. Ich kann selber also leider nicht munter mitdiskutieren, zunächst jedenfalls... :( ]



geschrieben von: TobeMental

Verständlichkeit? Diese wird es nie geben, sondern nur beitragen.



geschrieben von: Fuechsin

ich denke jeder sollte sich so ausdrücken können, das es auch ein 12jähriger versteht (wenn nicht, dann deutet das auf mangelnde Empathie etc.).
So sollte es eigentlich auch möglich sein, einem 12jährigen einen jeden philosophischen Gedanken zu vermitteln.



geschrieben von: manto

grüße,

jedem 12 jährigen kann man philosophie verständlich machen....leider finde ich, daß das verständlich-sein hier ein wenig auf der strecke bleibt....

nennen von philosophen und andeuten, was diese alles so schönes gedacht haben....sehr speziell...oft auch ein genuss...aber absolut nicht notwendig...

philosophie ist einfach...und sie muss auch so weitergetragen werden...wozu sonst das ganze gelaber, wenn niemand etwas damit anfangen kann....

die these ist nicht überspitzt...es ist nochnichteinmal eine these...es ist eine tatsache....

gruß



geschrieben von: Arachne

Ich denke, genau darin liegt die Kunst: die komplizierten Sachverhalten zugrundeliegende Einfachheit herauszustellen. Leider neigen/neigten einige Philosophen dazu, Einfaches zu verkomplizieren, was so manch einen von der Lektüre philosophischer Literatur abhält.

Aber vielleicht liegt auch genau darin der Sinn und Zweck "schwieriger" Texte: man muss sich mit ihnen auseinander setzen! Wenn man etwas gleich auf Anhieb versteht, neigt man dazu, es nicht weiter zu betrachten und so bleiben dann die tieferen Aussagen "eingängiger" philosophischer Betrachtungen un Verborgenen.

Arachne



geschrieben von: Crysania

Ich werfe mal eben ein:

Sofie.
Sofies Welt - Sofie war 12 Jahre alt wenn mich nicht alles täuscht.
Und ich würde vermuten das sich viele Sofies finden lassen und viele Leute wie "ihn" die den vielen Sofies das so erklären könnten wie es in dem Buch der Fall war.
Zumindest die Kinder die Sofies Welt mit 12 gelesen haben - und es verstanden haben, haben nicht nur Geschichtliches erfahren sondern auch philosophische Grundsätze/Gedanken..

Könnt ihr mir folgen ?
Cry



geschrieben von: fluchtraum

Ich wiederspreche hier mal ganz grundlegend.
Klar kann man Kant's kategorischen Imperativ so erklären, das ein 12jähriger in verstehen kann. Kann man sicher mit vielen, vielleicht sogar allen philosophischen Grundgedanken. ABER es geht dabei doch nicht um ein einfaches verstehen eines Satzes - für philosophische Überlegungen sind tiefergehende Reflektionen erforderlich, zu denen ein 12jähriger noch nicht in der Lage ist - da es ihm einfach noch an Reife und einem Grad der Entwicklung des Bewußtseins fehlt.
Klar versteht ein 12jähriger: Kant meinte, jeder solle so handeln, daß es für die Gemeinschaft das Beste ist.
Aber *wegwerfende Handbewegung macht* damit geht's doch erst los! Wie ist dieser Satz realisierbar, welchen Einschränkungen unterliegt er, ist er generell untauglich... Da fängt Philosophie doch erst an, bei dem Bewerten, Analysieren, Gegenüberstellen von solchen Thesen. Und dazu ist ein 12jähriger wohl nicht in der Lage. Genau so, wie ein Kindergartenkind zwar die Zahlen von 1 bis 10 kennt, aber die Aufgabe "2 hoch 3 = ?" dennoch nicht lösen kann.

Gruß, der fluchtraum



geschrieben von: Crysania

fluchti das beispiel ist gut und ich stimm dir zu.
verstehen ja, begreifen nein. nicht völlig zumindest.



geschrieben von: manto

@fluchtraum

ach ja?

wieso? philosophie muss sich mit den problemen der zeit und den menschen beschäftigen...DAS ist philosophie.....lebendig


sonst ist es ein nachdenken von gedanken toter menschen...ein museum...in dem man sich freut, was man selbst alles so schönes verstehen und denken kann...

natürlich gibt es auch diese philosophischen feinheiten....aber die sind nicht notwendig für die philosophie...höchstens für die philosophen...

aber auch ein 12 jähriges kind ....oder jünger....lebt in dieser welt...und lebt und ist mensch....es ist nicht nötig einem kind die feinheiten des hypothetischen und des kategorischen imperativs begreiflich zu machen oder sich über die welt als wille und vorstellung auszulassen....mit keinem stück....das ist entschieden nur ein teil der ganzen geschichte...aber bestimmt nicht philosophie



geschrieben von: Fuechsin

manto, ich habe etwas an deiner Formulierung auszusetzen:
Zitat:
philosophie muss sich mit den problemen der zeit und den menschen beschäftigen...DAS ist philosophie


Muss?





____________________________

Es geht hier nicht um die Definition von Philosophie, da hat jeder seine eigene, und deswegen denke ich, ist das 'muss' hier nicht angebracht.


Gute Nacht,
fuechsin



geschrieben von: manto

ja, ich sage, sie muss

sonst hat sie heute keinen platz mehr

was will ich mit ihr, wenn sie zu nichts gut ist, als sich mit ihr zu vergnügen...das kann ich auch leichter haben

gruß



geschrieben von: deadsoul

hm...
irgendwie scheint es wirklich so zu sein, dass tiefere Philosophie sich in Haarspaltereien auflöst und immer komplexer wird, bis man es als aussenstehender (jede person, ausgenommen der autor) gar nicht mehr im ursprünglichen sinn verstehen KANN.

...Im Prinzip müsste man, bevor man irgendein tieferschürfendes Gespräch, dass etwas konstruktives bietet
- grundwissen auf einen nenner bringen
- regeln vereinbaren
- worte festlegen/ deuten
- grundstandpunkte festlegen
usw.

und erst dann nach min. 24h wäre man in der Lage mit dem gegenüber ein halbwechts produktives Gespräch zu führen. So kommt es mir zumindest oft genug vor.
Sobald man anfängt mit jmd. zu philosophieren, verläuft es sich schnell in missverständnisse und deren klärung dauert dann den rest des abends an.

zielloses "rummplapperndes" philosophieren funktioniert ja auch ganz gut...aber es führt zu nichts, ausser einer art selbstdarstellung, dem andren gegenüber (was für viele das ziel zu sein scheint...)
Dass es spass macht gebe ich ja auch gerne zu...

vielleicht sollte aber zunächst die frage beantwortet werden:
"was ist philosophie"... vielleicht kann man sich dann auch mehr darüber bewusst werden, was ihr zweck ist und ob sie sinn macht. (das greift ineinander über ...ich weiss)

gedankenfreie grüsse

dead



geschrieben von: Arachne

Nun, ich denke die Philosophie kann beides sein: der Versuch, die Welt zu erklären oder die Suche nach der Weisheit als Selbstzweck. Beides ist legitim und jeder muss für sich selbst den eigenen Zugang zu ihr finden.

"Müssen" muss die Philosophie m.E. gar nichts - genauso wenig, wie man neue Gedankengänge erzwingen kann. Und ihren Platz in der Welt wird sie nie verlieren; eher wäre die Religion ein Kandidat dafür.

Arachne



geschrieben von: Namayah

Wieso die Religion?



geschrieben von: fluchtraum

@manto:

Auch ein 12jähriger lebt in dieser Welt und ist Mensch... ein 8jähriger auch...

Es geht hier nicht um irgendwelche Imperative - das war nur ein Beispiel und vielleich kein gut gewähltes.
Was ich meine ist - einem 12jährigen fehlt einfach die Lebenserfahrung, um Begriffe wie zum Beispiel 'Verantwortung', 'Liebe', 'Schuld' und ähnliches wirklich erfassen zu können... (naja, das fehlt auch manch 40jährigem, denke ich manchmal :rolleyes:) ... und das ist eine Vorraussetzung zum philosophieren. Es ist eine Form von Wissen, die nicht durch Worte allein vermittelbar ist, sondern nur durch Erfahrung.

Gruß, der fluchtraum


(Nebenbei - Zweck und Aufgabe der Philosophie ist ein interessantes Thema... aber ich finde es ist ein Thema für sich... wie wäre es, wenn wir einen Extra-Thread aufmachen?



geschrieben von: manto

@fluchtraum

nun....vielleicht....aber ich denke, auch diese jungen menschen kennen diese begriffe...und können sie verstehen...abstufungen hat man schließlich....und unterarten....die kunst ist nur, sich verständlich zu machen....

was heißt schon "wirklich"....sie haben lebenserfahrung....nicht die, die ältere haben....aber sie haben sie....wie du schon angedeutet hast...

philosophie ist ja nicht festgelegtes...sie ist wandelbar...entwickelbar....vielleicht muss man anders auf kinder zugehen, als auf einen studierten....in manchem fall....

lebenserfahrung....wann sagt man, derjenige hätte welche...eine voraussetzung für das philosophieren...ich weiß nicht....zumindest nicht in dem sinn, wie du ihn meines erachtens angedeutet hast...ich meine, es ist vielmehr das staunen können....das verwundert sein....und dafür sind kinder wohl eher prädistiniert als ältere...sagt man zumindest, um mich mal auf einem allgemeinplatz niederzulassen...

aber verständlich ist sie für alle...die sich fangen lassen ;)

gruß



geschrieben von: Bat

Hallo

ich meine auch das ein 12 jähriger nicht umbedinge in der lage ist eine philosophie zu erfassen. sicher lebt er in dieser welt, aber wie groß ist "seine" welt. wie solle er mit einer vergleichs weisen geringen lebenserfahrung eine philosophie ferstehen die vieleicht aus einer doppelte oder dreifache seiner eigenen erfahrung geboren wurde.

die worte zu vertehen heißt nicht ihren gemeinsammen sinn zu erfassen.

wobei ich gestehen muß das es bei entsprechenden umständen funktionieren könnte.

gruß bat



geschrieben von: anima nata lacrimans

Ich denke, dass man bestimmte philosophische Gedanken auch einem 12jährigen vermitteln kann, wenn man sie anhand von ihm verständlichen Beispielen erläutert...
Aber wie Fluchtraum schon meinte, ist es wohl wesentlich einfacher, es einem menschen mit Lebenserfahrung nahezulegen, er wird wahrscheinlich auch zu einem abstrakteren verständnis fähig sein...

Allerdings kann es auch Probleme geben, einem Erwachsenen gewisse Gedanken zu erklären, wenn er z.B. in seinen Vorstellungen zu festgefahren ist etc.
Ich denke in diesem Punkt sind jüngere menscen viel offener und aufnahmefähiger...



geschrieben von: boatman

2 cent:

Nun... ich denke, die prinzipielle Forderung, Philosophie solle möglichst verständlich sein ist korrekt; und manche Philosophen scheinen wirklich darauf bedacht gewesen zu sein, so kompliziert als notwendig zu schreiben.

Aber irgendwie gibt es auch immer diese Vorstellung, in der Philosophie tue man großes, wenn man das Rad ständig neu erfindet. Wie man am Ende eines Langen Weges als Physikstudent erst die Feinheiten der Umgebung eines schwarzen Lochs wirklich verstehen kann, kann man wohl auch in der Philosophie erst nach einem Langen weg den Blick aus den Elfenbeintürmen wirklich geniessen. Zumindest hoffe ich das, es ist, was mich auf diesem Weg vorantreibt.
Und manchmal ist, was den Anschein von unmäßiger kompliziertheit hat, tatsächlich eine notwendige, sehr feine sprachliche Ausdifferenzierung... gefärbt nach dem Geschmack des Autors.

Kinder tun allerdings eins ständig, was Erwachsene scheinbar vergessen: Philosophische Fragen stellen. Alles in Frage stellen, wissen wollen wie die Dinge funktionieren. Und das ist der Anfang von allem...


... äußere mich eigentlich dazu, weil ich grade feststelle, wie sehr den Kram zu studieren einen verdirbt: Ertappte mich dabei, wie wie ich unter einer Überdosis Kaffee in einer Hausarbeit schrieb:

"Die Notwendigkeit, in dem Sinne, dass das Sein eines Dings das nichtsein seines Nichtseins notwendigerweise zur Folge hat, ist Basis dieser Überlegung."


*patsch*
boatman



geschrieben von: Menedemos

Ich habe gestern einen Aufsatz von Karl Popper gelesen, in dem er unter anderem einen Text von Habermas in allgemeinverständliches Deutsch übersetzt. Ich habe das sehr lustig gefunden, wenn mir nicht das Lachen im Halse stecken geblieben wäre. Denn mit solchen kryptischen Formulierungen, die oft genug nur heiße Luft sind, macht man die Philosophie kaputt, sperrt das Denken weg, verbietet Uneingeweihten den Zutritt. Dadurch trocknet die Philosophie aber selber aus, weil sie keinen lebendigen Zulauf mehr bekommt.
Ich denke, Philsophen, die sich absichtlich unverständlich ausdrücken, sind keine "Freunde der Wahrheit" (in dem Sinn, daß ihr erstes Ziel ist, nach Wahrheit zu streben), sondern Freunde der Eitelkeit.
Ich glaube selber nicht, daß alle philosophischen Gedanken so einfach sind, daß sie ein 12jähriges Kind mit seinem begrenzten Erfahrungsschatz begreift. Ich glaube aber auch, daß viele Sachverhalte wesentlich einfacher darzustellen wären, wenn man sich darum bemühen würde.
Oder um Popper zu zitieren: "Wer's nicht einfach und klar sagen kann, der soll schweigen und weiterarbeiten, bis er's klar sagen kann."



geschrieben von: WaTcHmE

ich denke das die Philosophen sich durch die Bank eher unverständlich ausgedrückt haben, hat damit zu tun, wieviel wissen der ein oder andere schon hatte...

Nietzsche hat z.B. studiert und doziert. das Bedeutet aber im Umkehrschluss auch, dass ein einfacher Bauer (ncihts gegen den Beruf , aber das Bild ist hoffentlich jedem Klar) ihn nciht mehr verstanden hat ... jeder der sich mit einer Sache über Jahre hinweg beschäftigt hat , redet ganz anders als einer , der eh sein Gehirn wenig bis garnicht benutzt.....

Ich persönlich muss sagen, dass ich dieses "hochgestochene" reden verstehe, allerdings für gefährlich halte... weil dadurch lassen sich gute Ideen für schlechte Ideen missbrauchen! (wieder Nietzsche im 3. Reich als Bsp.)weil eben der "einfache" Arbeiter es garnicht verstehen KANN!

CU

WaTcHmE



geschrieben von: Menedemos

@ Orca

Ich bin mir nicht sicher, ob es in der Philosophie einen Unterschied zwischen "verstehen" und "begreifen" gibt.

Obwohl, von manchen Dinge habe ich oft jahrelang gedacht, ich hätte sie verstanden, bis sich dann oft ein ganz neuer, zusätzlicher Sinn aufgetan hat...

Es ging in der Diskussion eigentlich gar nicht so sehr darum, ob ein 12jähriger wirklich ALLES versteht.
Die Speerspitze dieser Aussage war eher, daß er viel mehr verstehen könnte, wenn sich der Philosoph nur darum BEMÜHEN würde.

Es ist doch irgendwie so, daß sich die Philosophen wie in eine (aus unverständlichen Worten erbaute) Burg zurückgezogen haben, deren Tor sie von innen verriegelt und verschlossen haben und in die kein Außernstehender mehr hineinkommt.

Aber auch sie selbst müssen in dieser verschlossenen Burg über kurz oder lang verhungern, weil sie von außen keine (geistige) Nahrung mehr bekommen...



geschrieben von: Menedemos

Zitat:
Original geschrieben von OrcaDesign
Und wenn es nur darum ginge, dann könnten wir im Umkehrschluß heute auch nicht mehr behaupten, auch nur einen der der alten Philosophen begriffen zu haben - ihre Lebenserfahrungen waren doch ganz andere als die heutigen, standen ihre Behauptungen doch auch öfter in einem ganz anderen Kontext als heute...


Finde ich ein hervorragendes Argument!
Wenn wir etwa Platon verstehen wollen, sind wir ja selber wie 12jährige, weil wir seinen Erfahrungshintergrund nicht haben.



geschrieben von: TheTurningPoint

Zitat:
Original geschrieben von OrcaDesign
Wir haben die Gedanken eines anderen dann höchstens in unserem Kontext neu verstanden - und das ist doch etwas, wozu auch ein 12jähriger in der Lage sein müsste, finde ich.
Der mag zwar 'weniger' Erfahrungshintergrund haben - aber wirklich 'weniger'? Eher wohl: einen anderen! Wie bei jedem von uns.

Gut zusammengefaßt! Es kommt also darauf an, irgendwie eine gemeinsame Sprache zu finden, egal ob zu einem 12-Jährigen oder zu einem anderen Erwachsenen. Die Philosphin in "Hallo Mister Gott, hier spricht Anna" war sogar erst 5.
Wenn wir nur bereit sind zuzuhören, können wir auch von den Kindern sehr viel lernen.



geschrieben von: Nachtfee

Ich möchte nochmal auf andere philosophische Bücher von Jostein Gaarder verweisen. Sofie fand ich persönlich duraus nicht einfach zu lesen und ich glaube auch nicht, dass ein zwölfjähriger sehr viel mehr, als die Geschichte rund um die "Geschichte der Philosophie" versteht. Was aber nicht bedeutet, dass er garnichts begreift. Denn allein in Sofies Entdeckungen liegt sehr viel philosophisches. Nur um einiges vereinfachter. Warum sollte auch ein zwölfjähriger das nicht begreifen können?! Besser ist da noch "Durch einen Spiegel in einem dunklen Wort", was nun wirklich für Kinder geschrieben ist. Wenn man sich also wirklich bemüht, dann kann man es sicherlich auch einem zwölfjährigen philosophische Gedanken vermitteln. Vielleicht nicht die allerkomplexesten, aber immerhin besteht die Möglichkeit.
Eine andere Frage ist natürlich, inwiefern sich ein zwölfjähriger überhaupt schon für solche Gedanken interessiert.
Gruß, Freyja



geschrieben von: Geminata

Ja, da kann und will ich anknüpfen: Philosophie ist die Liebe zur Weisheit, zum Erkennen, zum Wissen. Kinder sind von Natur aus wissbegierig und an uns ist es, ihnen diese Quelle zu erhalten. Kinder sind (oft) die besseren Philosophen, weil sie sich nicht so von fremdem Gedanken/Meinungen beeinflussen lassen und einfach selbst weiter denken. Noch haben sie keine Wissenschafts- und Obrigkeitshörigkeit eingedrillt bekommen und die Chance, selbst zu begreifen und sie fragen ungehemmt nach, zweifeln herrlich gnadenlos alles an, das nicht zureichend begründet werden kann. Eigentlich sollten wir uns ein Beispiel an ihnen nehmen.



geschrieben von: judgedredd

Interessantes Thema, allerdings erscheint mir die Behauptung schwach. Natürlich kann man einem 12jährigen, philosophische Inhalte gewissermaßen veranschaulichen, dennoch ist diese Möglichkeit stark begrenzt und hängt mit dem Grad des Levels zusammen.

Der Einwand steht m.E. in Verbindung mit der Kognition, denn Kognition beinhaltet Wahrnehmungsfähigkeit , Erkenntnisfähigkeit , Schlussfolgerung , Entscheidungsfindung , Erinnerung / Merkfähigkeit , Lernfähigkeit , Abstraktionsvermögen , Rationalität und Kreativität. Und die Kognition eines 12jährigen ist nicht so weit ausgeprägt.

Natürlich könnte theoretisch ein Philosoph insofern eine Ausnahme bilden, dass er ein ideales „Erklärungstor“ öffnen vermag und eine Ausnahmeebene erreichen kann, trotz allem fehlen gewisse Basisstrukturen, die eine Ausdehnung erlauben. Inhalte Erkenntnistheoretischer Natur wären z.B. schwer zugänglich.

Gruß



geschrieben von: Seneca

Zitat:
Original geschrieben von judgedredd

Der Einwand steht m.E. in Verbindung mit der Kognition, denn Kognition beinhaltet Wahrnehmungsfähigkeit , Erkenntnisfähigkeit , Schlussfolgerung , Entscheidungsfindung , Erinnerung / Merkfähigkeit , Lernfähigkeit , Abstraktionsvermögen , Rationalität und Kreativität. Und die Kognition eines 12jährigen ist nicht so weit ausgeprägt.



Ich würde definitv das Gegenteil behaupten. Mit dem Älterwerden neigt man eher dazu, oben genanntes Abzulegen und in Gewohnheiten zu verharren....zuerst wird das als Lebenserfahrung deklariert, später nennt man es Alterstarrsinn, noch später Demenz...!

Und gerad just in diesem Momemt merke ich, wie mich dieser Prozess unumkehrbar längst überfallen hat.



geschrieben von: judgedredd

Ha, ha, sehr amüsant Seneca. Nun ok, aber deine Ausführung betrifft eher die Unwilligen bzw. diejenigen die „gerne“ kapitulieren!!

Ansonsten alle großen Philosophen lieferten genau in den „besten Jahren“ ihre großartigen Leistungen!

Bist du so alt oder wie?



geschrieben von: Seneca

Zitat:
Original geschrieben von judgedredd
Ha, ha, sehr amüsant Seneca. Nun ok, aber deine Ausführung betrifft eher die Unwilligen bzw. diejenigen die „gerne“ kapitulieren!!


Die Perfidität liegt darin, dass es ein sehr schleichender Prozess ist...Die Erfahrungsbildung mag später einsetzen, aber in dieser Phase reorganisieren wir nur, was wir in der Jugend aufgeschnappt haben.

Ich glaube z.b. nicht, dass ich mir heute noch mal mit der selben Leichtigkeit das Latinum aneignen könnte...Ich habe ja schon mit 27 im Französischkurs an der Uni versagt...!

Italienisch oder Spanisch hingegen fielen mir leicht, denn mit deren Sprachstamm war ich ja schon vertraut.



geschrieben von: judgedredd

Ich weiß was du meinst, der gravierende Unterschied aber besteht darin, dass kognitive Prozesse anderes ablaufen im Vergleich zu Lernleistungen. Außerdem auch hier spielt die Kontinuierlichkeit eine Rolle. Wissenschaftler bzw. Forscher befinden sich ständig unter Informationsaufnahme.

Das ist auch der Grund übrigens, warum kein Sachspieler bisher unter Demenzproblemen litt.
Das ist schon wissenschaftlich dokumentiert, dass Hirntraining, also Lernen und Gedankenarbeit, das Gehirn fit hält!!

Gruß



geschrieben von: Geminata

Eingangsthese: "Kein philosophischer Gedanke ist an sich so kompliziert, daß man ihn nicht einem halbwegs aufgeweckten 12jährigen verständlich machen könnte - wenn man sich nur darum bemühte."

Zitat:
Original geschrieben von judgedredd
Interessantes Thema, allerdings erscheint mir die Behauptung schwach. Natürlich kann man einem 12jährigen, philosophische Inhalte gewissermaßen veranschaulichen, dennoch ist diese Möglichkeit stark begrenzt und hängt mit dem Grad des Levels zusammen.

Der Einwand steht m.E. in Verbindung mit der Kognition, denn Kognition beinhaltet Wahrnehmungsfähigkeit , Erkenntnisfähigkeit , Schlussfolgerung , Entscheidungsfindung , Erinnerung / Merkfähigkeit , Lernfähigkeit , Abstraktionsvermögen , Rationalität und Kreativität. Und die Kognition eines 12jährigen ist nicht so weit ausgeprägt.

Natürlich könnte theoretisch ein Philosoph insofern eine Ausnahme bilden, dass er ein ideales „Erklärungstor“ öffnen vermag und eine Ausnahmeebene erreichen kann, trotz allem fehlen gewisse Basisstrukturen, die eine Ausdehnung erlauben. Inhalte Erkenntnistheoretischer Natur wären z.B. schwer zugänglich.

Gruß




Im Kindesalter werden doch die Grundsteine gelegt für spätere kognitive und erkenntnistheoretische Fähigkeiten und dazu muß man den Kindern eben die komplizierten Inhalte verständlich machen und danach fragt ja im Prinzip der Eingangsthread, ob es denn möglich wäre. auch komplizierte Inhalte so auszudrücken, daß sie von Kindern verstanden werden können, halt so gut, daß sie darauf aufbauen können und ihren Fähigkeiten entsprechend ermuntert werden, weiterzudenken.

Das gerade ist die wahre Kunst der Philosophie, nicht nur zu wissen, daß sie wahrscheinlich Recht hat, sondern das auch einer breiten Masse und vor allen Dingen ihren jüngsten Schülern darzustellen. Nur so sichert sich die Philosophie doch auch einerseits eine breite Anerkennung und andrerseits einen Nachwuchs, der ihr einmal gewachsen ist.

Ich würde das gern auch ausweiten auf Menschen, deren Einsichts- und Erkenntnisfähigkeit nicht so geübt ist, wie die eines Philosophen, ich denke, es ist durchaus möglich den Fragen eines Kindes oder durchschnittlich gebildeten Erwachsenen standzuhalten.

Philosophie, die nicht verstanden wird, hat etwas falsch gemacht.

Natürlich unterhält man sich untereinander mit anspruchsvollerem Vokabular, aber letztlich ist selbst im Dialog zweier Philosophen die größere Fruchtbarkeit dann gegeben, wenn sie sich gegenseitig verstehen und reflektieren können.

Wenn einem Philosophen durch seine herausragenden Fähigkeiten eine bahnbrechende Erkenntnis gelingt, dann nützt sie doch Niemandem, wenn sie keiner versteht.



geschrieben von: Demon17

Natürlich kann man die wesentlichen philosophischen Fragen allgemeinverständlich formulieren. Doch darum geht es nicht. Erst durch die Verbindung mit anderen Theoremen und Gedanken erhält eine philosophische Fragestellung ihre Relevanz. Es ist also eine Frage des Kontextes. Für eine niveauvolle philosophische Debatte fehlt jedoch selbst 90% der Erweachsenen das Wissen. Warum?

Es gibt Fachtermini, deren Konnotationen seitenlange Erklärungen und Definitionen umfassen. Wenn man diese erst wieder erklären muß, kommt man nie zum Kern des Themas. Insofern stelle ich mir eine philosophische Diskussion mit 12 Jährigen sehr mühsam und basal vor. Eine Gesellschaftstheorie z.B. die unter anderem volkswirtschaftliche, erkenntnistheoretische und organisationstheoretische Kenntnisse voraussetzt ließe sich mit Sicherheit nicht vermitteln.
Ich habe es an der Uni immer wieder erlebt, das im Kolloquim nur eine Minderheit mitreden konnte.

never surrender

demon17



geschrieben von: Fayve

Ich sehe Fachtermini kritisch. Im Grunde sind Fachtermini eine Art Sprache die man zusätzlich lernen muss, ein Fachterminus steht für einen komplexen Sachverhalt. Klar wenn man sich massenweise der Fachtermini bedient kann man seine Texte kürzer machen, aber dafür unverständlicher und nur langsam lesbarer für die breite Masse.
Zum Beispiel eine Gedichtinterpretation, man soll etwas erklären und bedient sich dann Fachtermini die selber wieder einer Erklärung bedürftig sind. Man schafft, wenn man sich Fachtermini bedient Texte, die nur einem bestimmten Kreis(Fach) zugänglich sind.
Je nach dem um welches Fach es sich handelt sind Fachtermini auch vollkommen gerechtfertigt. In der Medizinzum Beispiel, würde ich sagen, besitzten Fachtermini einfach einen praktischen Nutzen. Jeden komplexen Sachverhalt so zu nutzen wäre wahrscheinlich uneffizient und es reicht, wenn sich die Mediziner gegenseitig verstehen, sie müssen keinen Ansprüche haben allgemeiner verstanden zu werden.
Bestimmte Fächer sollten versuchen Fachtermini vermeiden um allgemein verständlich zu bleiben. Und man kann sich fragen ob sich komplexe Sachverhalte nicht auch kompakt ,einfach und verständlich ausdrücken lassen. Manche Menschen geilen sich nämlich an Fremdwortwichserrei auf.

Ich finde das man in der Philosophie versuchen sollte Fachtermini zu vermeidena, aufgrund dessen was die Philosophie behandelt. Zum Beispiel so etwas wie die Ethik, wie soll ich handeln ?- das ist eine Frage die grundsätzlich für alle Menschen ist ( ich glaube das kann man sagen). Das ist eine Frage die sich auch ein 12jähriger stellen kann. Und wenn er jetzt Antworten erfahren will steht er vor dem gleichen Problem wie die Kirchgänger vor ein paar Jahrhunderten als die Messen noch in Latein abgehalten wurden, er versteht die Sprache nicht. Muss der 12jährige also eine Fachsprache lernen? - Die Messe,hat sich herausgestellt, lässt sich auch allgemeinverständlich halten.

Zitat:
Wenn einem Philosophen durch seine herausragenden Fähigkeiten eine bahnbrechende Erkenntnis gelingt, dann nützt sie doch Niemandem, wenn sie keiner versteht.

Sehe ich genauso. Es sollte doch das Ziel sein auf allgemeine Fragen auch allgemein verständliche Antworten zu finden.



geschrieben von: Demon17

@Fayve,

ich kann Deine Kritik teilweise verstehen. Gerade an der Uni benutzen viele viel zu viele dieser Termini, auch dort, wo es allgemeinverständliche deutsche Begriffe mit identischer Konnotation gibt. Auch ist es hier, wo Leute mit allen möglichen Ausbildungen lesen und schreiben, kaum sinnvoll all zu viele Fremdworte zu gebrauchen. Andererseits sind Fachtermini sowohl in der Philosophie als auch der Wissenschaftstheorie unersetzlich. Man kann keine Fragen großer Komplexität behandeln, ohne zahlreiche der Phänomene mit Fachbegriffen zusammenzufassen um darauf aufbauend wieder neue Phänomene zu diskutieren. Auch sollten wir bedenken, das es viele in sich geschlossene Begriffsystem gibt, die den Vorteil haben, das diese Begriffe sich gegenseitig definieren. Wer den universitären Sprachgebrauch kennt, weiß das sonst sehr leicht das X zum U wird und umgekehrt. Gerade in der Soziologie liegt die Halbwertzeit von Fachtermini, die nicht von großen Theorien und Philosophien die Jahrhunderte überdauern, definiert werden bei ca. 10 Jahren.

Ich halte umgangssprachliche Gesellschaftstheorie für sinnlos. Sicher hat der fachliche Sprachgebrauch auch eine Exklusionsfunktion. Doch ist diese durchaus erwünscht, da sie alle Sprecher ausschließt, die nicht über die notwendige Mindestkompetenz verfügen. Nur so ist es möglich in einem Fach in dem sich jeder Laie für kompetent hält wissenschaftlich zu diskutieren. Ganz abgesehen davon, das durch den Gebrauch einer komplexe, abstrakte Theoriesprache auch ganz andere Fragen gestellt bzw. gedacht werden, als es auf hochdeutsch möglich wäre, obwohl es sich in unserer Sprache sehr gut denken läßt.



geschrieben von: StandAloneKmplx

Das ist witzig. Ich sehe das so:
Einem 12 jaehrigem stellen sich kaum Problematiken, die einer philosophischen Loesung beduerfen. Kinder denken einfach. Und Philosophie ist fuer uns der Versuch in dieses einfache Denken zurueckzukehren. Wenn auch auf sehr komplexem Wege...
Wir kennen so viele Sachverhalte und Moeglichkeiten, dass wir nicht mehr wissen, in welche Richtung wir taumeln sollen. An diesem Punkte erwartet uns dann die Philosiphie mit offenen Armen. Alles wird relativiert und analysiert um am Ende eine kindliche Wahrheit zu finden...

Vielleicht sollten wir uns eher die Frage stellen, ob wir noch in der Lage sind, die Geschehnisse dieser Welt mit der Objektivitaet eines Kindes zu sehen.

Ein beruehmtes Beispiel dazu ist sicherlich Picasso, der mal sagte:
"Als ich ein Kind war, malte ich wie ein Erwachsener. Als ich erwachsen war, malte ich wie ein Kind..."

Wahrscheinlich wuerde der 12 jaehrige die philosophische Problematik gar nicht erst als solche erkennen, da er seine Antwort darauf intuitiv waehlt und nicht mit dem Kopf. Natuerlich ist dies wiederum auf die Erziehung zurueckzufuehren. Unterstellt man dem Kind aber nun, dass es keine Erziehung "genossen" habe, erhaelt man die ehrlichste Antwort, die man je finden kann.
Nur koennen wir mit dieser Antwort absolut nichts mehr anfangen, da die Leute ja nicht mehr kindlich denken wollen. Und ich meine damit nicht zwingend naiv...
es geht mehr darum, dass ein gesellschaftlich unbeeinflusstes Wesen nach einfachen Grundsaetzen entscheidet. Etwa wie: "Was keinem weh tut ist gut..." Die Unschuld vom Lande halt.

Ergo:
Man kann es einem Kind zwar erklaeren, aber es ergibt keinen Sinn, da die Problematik kein Kind betrifft.


Ob Philosophie nun einfach genug ist, als dass sie jeder verstehen koennte? Bestimmt. Wuerde sie nicht mehr verstaendlich sein, haette sie ja auch ihren Sinn und Zweck eingebuesst. Was ist schon eine Problemloesung wert, wenn sie nicht verstanden werden kann.
Warum man sich das mit diversen Begrifflichkeiten schwerer macht, als es unbedingt sein muss ist mir persoenlich ein Raetsel. Ich denke es geht den Leuten dann mehr darum sich zu profilieren, als darum eine Loesung zu finden.
Vielleicht sollten wir die Anfangsthese manchmal mehr beruecksichtigen, wenn wir unsere Texte verfassen...
Der Wunsch scheint ja durchaus vorhanden, wenn man sich die Kommentare hier zu gemuete fuehrt...
(teilweise Offtopic....Sorry!)





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