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Dokumenta-Quatsch

(Klicke hier, um das Thema mit vollen Farben / Abbildungen zu betrachten)



geschrieben von: Seneca

Was soll das ?(nach Herbert Gröhnemeyer)

Vor knapp zwei Monaten fing es an, das seltsame Projekt eines Thailändischen Künstlers (wie der Kassler aus leidlicher Erfahrung weis, darf sich jeder so nennen der es in keinem Handwerk zu etwas bringt) die zur Dokumenta Reisterrassen in den historischen Barock-Bergpark zaubern wollte.

Mein Weg zur Arbeit fürt mich täglich daran vorbei...

Nun erinnert die "Reisterrasse" noch immer an eine Kraterlandschaft wie im vietnamesischen "La Drang Valley" kurz nach eine Napalmangriff amerikanischer Jagdbomber.

Ich habe schon vorgeschlagen Rambo IV dort zu drehen...als Dokumenta Projekt.

Kurz nach der Fertigstellung musste nämlich die künstliche Bewässerung abgestellt werden, da der Hang abzurutschen drohte, da keiner daran dachte eine Lehmschicht zur Versiegelung einzubringen....was jedem Hobby Teichbauer klar gewesen wäre, sogar mir... zumal ich schon an Gewässerprojekten dieses Maßstabs mitgewirkte habe.

Gehört Dilettantismus heute zwingend zu den Attributen der modernen Kunst, oder schiebt man die Schuld mal wieder auf die Ersteller der Machbarkeitsstudien und lässt die Bürger den Schaden bezahlen?

Worin liegt egentlich die Kunst...ein Reisfeld von einer Gartenbaufirma anlegen zu lassen...vielleicht hätte man da besser auf Ai Weiweis 1001 "fairytale" Chinesen zurückggreifen sollen...aber das ist noch so eine Schote....wenn man danach geht, arbeiten bei TUI ausschließlich Künstler.



geschrieben von: Lord_Fallerton

Zitat:
Original geschrieben von Seneca
]...wie der Kassler aus leidlicher Erfahrung weis, darf sich jeder so nennen der es in keinem Handwerk zu etwas bringt?

Wer kanns das schon wissen? Ich war auf der D8 und war nicht begeistert. Entweder lag es an obiger Vermutung oder der Tatsache, dass mir die küntlerischen Intentionen der jeweiligen Dilettanten für immer unbekannt bleiben mussten.
Man kann nur hoffen die eigene 2-Zimmerwohnung während der Dokumenta an einen verrückten, aber betuchten Kunstfreund vermieten zu können. Das macht das ganze etwas erträglicher, wenn man nach vier Tagen die monatliche Warmmiete eingenommen hat.



geschrieben von: Seneca

Täglich neue Schrott...

heute nacht ist das "Kunstwerk" "template" von Ai Weiwei (Nomen est Omen) eingestürzt.
Der 12 Meter hohe Holzbau auf der Karlswiese neben dem Aue Pavillion hielt dem gestrigen Wetter nicht stand...!
Zufällig ist niemanden was passiert.

Statik ist nun mal eine ganz andere Kunst...wie wir seit letzten Jahr aus Berlin und anderswo wissen...!

Sakarin Krue-On erklärte übrigens gestern, das man im Bergpark nun Trockenreis anbaue :D

Ich bin dafür die Dokumenta nach Merckshausen zu verlegen.



geschrieben von: Creobotra

ich war nun schön öfters auf den documentas, aber ich war jedesmal überrascht, wieviel schmu sich dort ansammelt. dazwischen natürlich auch perlen, aber eben auch viel unverständliches...

nachdem ich mal in ein kunstwerk reingetrampelt bin (gepflanztes unkraut an einem stillgelegten gleis des bahnhofs), hab ich mir mal die dokumentation gekl... geliehen, um mir die intentionen und aussagen der künstler nachzuvollziehen. damit wurde dann einiges verständlich, anderes war schlicht geschwalle und blödsinn.

Zitat:
Ich bin dafür die Dokumenta nach Merckshausen zu verlegen.

wo liegt denn das??



geschrieben von: more

Zitat:
Gehört Dilettantismus heute zwingend zu den Attributen der modernen Kunst, oder schiebt man die Schuld mal wieder auf die Ersteller der Machbarkeitsstudien und lässt die Bürger den Schaden bezahlen?
Was wäre die Kunst ohne Diletanten? Erst durch das selektieren weiß man doch erst was wahres Können ist. Und wie jeder weiß, Kunst kommt von Können *g*



geschrieben von: LaChatte

Zum Glück bin ich schon darüber informiert, dass es bei der documenta um Kunst geht, sonst hätte ich sie womöglich für eine Landwirtschaftsmesse gehalten nach diesen Beschreibungen...:D



geschrieben von: Odessa

:D Ja, das klingt ja wirklich übel. Ich hatte noch überlegt, einer Einladung nach Kassel zu folgen weil mir jemand so vorschwärmte von der Dokumenta, aber da mein Kunstverständnis eher konservativ ist denn den allzu modernen Werken zugetan, habe ich nach einigen Berichten im TV beschlossen, daß die dokumenta wohl doch nichts für mich ist ;-)

Creo - in Kunstwerk reingelatscht. Klasse! Erinnert mich an meinen Fauxpax während einer Vernissage in München. Der "Künstler" stand neben mir, und ich stand vor einem seiner Werke, ein Bild, rechteckiges Format, worauf nur tiefroter Grund war und mittig und rechts oben etwas blau-grünlich Farbe gespritzt. Er nannte es "Komposition in Hoffnung", und ich meinte kopfschüttelnd zu dem Mann neben mir, daß wohl der Titel das hoffnungsvollste daran sei, denn das einzige was man da wirklich noch haben könne wäre die Hoffnung, daß so eine "Kunst" nicht in einem Atemzug mit einem Rubens, Tiziano, Rembrandt, Dali oder Picasso genannt werden wird.

DANACH erfuhr ich dann übrigens erst daß der Künstler der war, der neben mir stand :D



geschrieben von: Ericthehalfabee

Zitat:
Original geschrieben von Seneca
Täglich neue Schrott...

heute nacht ist das "Kunstwerk" "template" von Ai Weiwei (Nomen est Omen) eingestürzt.
Der 12 Meter hohe .......



Schlage vor er benennt sich jetzt in Au Weia um!



geschrieben von: Creobotra

Zitat:
Original geschrieben von Odessa
DANACH erfuhr ich dann übrigens erst daß der Künstler der war, der neben mir stand :D


ach, sowas mach ich nur zu gern :D
ich bin schon öfters auf "lokale" vernisagen gewesen, um lauthalts "das versteh ich nich" kundzutun, um die künstler, abstrakte in erster linie, zu nerven.

wenn dann solche aussagen kommen wie: "das muss der betrachter für sich selbst endecken" , "man muss es auf sich wirken lassen" oder mein highlight "es hat keine aussage, es hat gefühle", krieg ich meine 5 minuten *hrhr*



geschrieben von: Lord_Fallerton

mensch creo, ich wäre gern dabei... bildungsurlaub mal anders - inclusive abenteuerurlaub!



geschrieben von: more

Ich stell mir Creolein schon vor, mit den Siebenmeilenstiefeln an den Füßen Künstler ärgern... Spruch abgelassen, flitz und wech...



http://www.world-of-smilies.com/wos_sport/sport009.gif Leider läuft dieser Creo-Smilie nicht schnell genug, aber vielleicht kann man sichs so vorstellen...



geschrieben von: Creobotra

kein problem, schaut mal, ob am NW-treffen irgendwo ne vernisage in der nähe ist
vorzugsweise abstrakte künstler *g*



geschrieben von: Seneca

Zitat:
Original geschrieben von Creobotra
wo liegt denn das??


In Nordhessen.
Die Gemeinde ist Standort einer recht bekannten psychiatrischen Fachklinik.



geschrieben von: camouflageheart

Banausen



geschrieben von: Seneca

Ja, wir sind moderne Kunstbanausen.



geschrieben von: Creobotra

oder um es mit John Cleese zu sagen: "Look! I'm the bloody pope, I am! I may not know much about art, but I know what I like!"



geschrieben von: myhna

hej, warum veranstaltet ihr nicht ein "nach kassel pilgern und "kunstwerke" auslach"- treffen ???

entweder als gemeinschaftlicher rundgang in art einer führung (hinter herrn hölle oder seneca himself herdackelnd ;))
oder vielleicht eher so wie diese happenings wo man sich zu einem bestimmten zeitpunkt trifft, alle das selbe machen (in diesem falle laut lachen) und dann einfach weiter seiner wege gehen... (wie nennt man das noch gleich?)

alzheimer-µ wäre dabei (wenn sie es nicht vergisst)



geschrieben von: Creobotra

Zitat:
Original geschrieben von myhna
hej, warum veranstaltet ihr nicht ein "nach kassel pilgern und "kunstwerke" auslach"- treffen ???

da wär ich aber sofort dabei! 2 bier, und ich kann einen 15-minütigen Monolog (Martini: 30 Min.) über die kunstwerke halten, der original nichts aussagt.

Zitat:
entweder als gemeinschaftlicher rundgang in art einer führung (hinter herrn hölle oder seneca himself herdackelnd ;))
oder vielleicht eher so wie diese happenings wo man sich zu einem bestimmten zeitpunkt trifft, alle das selbe machen (in diesem falle laut lachen) und dann einfach weiter seiner wege gehen... (wie nennt man das noch gleich?)

alzheimer-µ wäre dabei (wenn sie es nicht vergisst)


gruffels und lachen? und dann auch noch zusammen? ich weiss net...
das könnte auch kunst sein :D



geschrieben von: demelza

meine idee: Das Einschmuggeln von Kunst.

Man stelle irgendwo auf der Documenta einen großen, gerahmten Spiegel und daneben einen Hut auf - und stelle ein Schild daneben auf mit den Worten: "Wenn Ihnen das Bild gefällt, werfen Sie doch bitte etwas in den Hut. Danke"



geschrieben von: Creobotra

Zitat:
Original geschrieben von demelza
meine idee: Das Einschmuggeln von Kunst.

Man stelle irgendwo auf der Documenta einen großen, gerahmten Spiegel und daneben einen Hut auf - und stelle ein Schild daneben auf mit den Worten: "Wenn Ihnen das Bild gefällt, werfen Sie doch bitte etwas in den Hut. Danke"



ich würde konkret "Geld" statt "etwas" schreiben. normale documenta-besucher sind glaub etwas vergeistigt.

oder als variation: die beschreibungen zu den kunstwerken faken und in den gebäuden an allem möglichen verteilen.
(so z.b. an die stühle: "Profane Sitzecken" von Wladislaw Striwosky. Ein Fanal gegen die Gleichgültigkeit der Gesellschaft. Bitte nicht berühren!)



geschrieben von: Lord_Fallerton

Zitat:
Original geschrieben von Creobotra
gruffels und lachen? und dann auch noch zusammen? ich weiss net...
das könnte auch kunst sein :D


Spätestens nach der Zeile konnte ich kaum noch atmen vor lachen.



geschrieben von: Seneca

Heute war ein großer Tag für die Kunst...es gab keine Zusammenbrüche oder Erdrutsche.



geschrieben von: Seneca

Ja ich weiß, ich habe schon vor langer Zeit gelernt das der einzige Unterschied zwischen meine Werken und moderner Kunst der Korrosionschutz ist auf den ich nicht verzichte.

Habe ich mal erwähnt wie ich "Künstler" wurde?

Es war 1995 im zwoten Lehrjahr zum Metallgestalter (vulgo: Kunstschmied) als ich aus Schrottteilen die ich auf der Schrottkiste geklaubt hatte ein pear Schweißübungen zuhause mit der Elektrode hinlegte... ich verschweißte einfach 12mm Rundstäbe verschiedener Länge zu etwas das zuletzt dreidimensional auf 2,20 Höhe anwuchs, und eine Drall nach recht hatte.

Das ganze stand dann drei Wochen im Garten und fing an zu rosten... meine Eltern mahnten bald die Entsorgung an, is so eine Klüngel aus Innenarchitekten und Kustkennern bei einer Party drauf aufmerksam wurden...ab da nahm das Schicksal seinen Lauf, und die Ispiration blieb konsequent aus, als ich so was als Auftrag noch mal bauen sollte.

Seit dem bin ich auf traditionelle Techniken und Formen fixiert...schwer zu lernen aber klar in der Linie und Komposition...und bei Grufties sowie Senioren recht beliebt.



geschrieben von: paula

Ich mag den EX-Türentürm....
In Anbetracht der Tatsache dass er die Türe aus Abrisshäusern geretten hatt, hatt das ganze jetzt irgentwie was von - wie hieß der Film in dem der Tod sich der Reihe nach alle holt, die eigentlich bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kommen sollten???

Außerdem fand ich es nett wir er eistütenessend den Aufruhr beobachtet hatt!



geschrieben von: Seneca

Willkommen in Kunstpark Kassel verehrete Paula.
Und willkommen auf nachtwelten.



geschrieben von: Seneca

Final Destination I&II



geschrieben von: paula

Du bist Kunstschmied, so richtig mit Ausbildung?! Respekt!
Hab mal so aus ner Laune raus (ich weiß böse) probiert mir was zu schweißen (Ein TV-Rahmen) ist aber eher was bei rausgekommen, was irgentwie wie ..... - tja auch irgentwie küntslerisch aussah..... wenn man so will



geschrieben von: myhna

danke, sf, natürlich, flashmob!

bin gerade auf ein schönes zitat gestoßen - anwendbar auf beiden seiten, finde ich...

Zitat:
Oh, lassen sie sich nicht entmutigen. ästhetisches Verständnis braucht seine Zeit.




geschrieben von: LaChatte

Zitat:
Oh, lassen sie sich nicht entmutigen. ästhetisches Verständnis braucht seine Zeit.


Stimmt, nach fünfzig Jahren wird man dann ziemlich genau sagen können, was ein Zeitgeistli war und was wirklich Qualität hat. Was man dann noch bei sich zuhause aufhängen oder in den Garten stellen möchte, ist dann nochmals eine andere Frage. :cool:

Aber ich muss mich nicht mit gefährlichen Seltsamkeiten abquälen, ich gehe morgen Munch schauen, ganz klassich mit Bildern und so....:D



geschrieben von: LaChatte

und wer sagte schon wieder dass "Kunst alles sein darf ausser langweilig"? - nach diesem Kriterium sind einsturzgefährdete Hügel eindeutig Kunst, man weiss nie, ob man lebendig wieder rauskommt...:cool:

danke,serene_fall, ich werde es sicher geniessen. ich sah Munch schon einmal vor --- sehr langer Zeit in Zürich, ich bin gespannt, welche Streiche mir die Erinnerung inzwischen gespielt hat. ;)



geschrieben von: demelza

Zitat:
Original geschrieben von serene_fall
Der Einsturz dieses Türengebildes ist ein Hinweis auf die Vergänglichkeit, auf den Tod; dass alles, was wir im Leben schaffen der unerbärmlichen Natur zum Opfer fallen wird.



dazu paßt ja dann auch wieder die Aktion der Dreck-Street-Boys von der Straßenreinigung, welche die auf die Fahrbahnmarkierungen geklebten Streifen entfernt haben (weil diese "Kreuze" eine Verkehrsgefährdung dargestellt haben)
... und sie nicht wußten, daß sie das Werk einer Künstlerin entfernt haben, denn es hatte ihnen niemand angekündigt.

Ja, so vergänglich kann Kunst sein, besonders solche, die man erst ankündigen und erklären muß.



geschrieben von: myhna

Zitat:
Original geschrieben von serene_fall
Bei Calvin and Hobbes fällt dieser Satz:

"Bei der Avantgarde weiss man nie, wer wen verarscht"

;)



hach, calvin und hobbes :)
am besten find ich immer noch die "schneekunstwerke" :)
darüber hat sich auch mein - in kassel studiert habender- kunstlehrer freuen dürfen ;)



geschrieben von: Creobotra

seneca: bei mir gabs auch son erlebnis, wo ich dann wusste, das ich lieber illustrationen mach: ich war vom studium aus im zoo und zeichnete tiger. gemäss meinem kunstprof sehr ... künstlerisch.
kommt ein älterer herr (prototyp touri), schaut mir über die schulter und meint:
"sie müssen net davon leben, gell?"

danach hab ich alles was ich meinem kunstprof je wieder vorlegte morgens in der mensa gezeichnet.



calvin&hobbes: ein steter quell künstlerischer weisheiten! *hach*



geschrieben von: Lord_Fallerton

Zitat:
Original geschrieben von Creobotra
seneca: bei mir gabs auch son erlebnis, wo ich dann wusste, das ich lieber illustrationen mach: ich war vom studium aus im zoo und zeichnete tiger. gemäss meinem kunstprof sehr ... künstlerisch.
kommt ein älterer herr (prototyp touri), schaut mir über die schulter und meint:
"sie müssen net davon leben, gell?"


*lord von rechts hinzukommend*
"Nein, wissen sie, er kellnert hauptberuflich und versucht hier entspannung zu finden."
*mit dem herrn nach rechts ab*
:D



geschrieben von: Creobotra

boah, falli, für den spruch werd ich dich *tormmelwirbel* abservieren!



*in die ecke geht und sich für schlechten wortwitz schämt*


was gibt eigentlich neues von der documenta? irgendwas kaputtgegangen oder entdeckt, das es eigentlich unfug ist?



geschrieben von: Lord_Fallerton

Jetzt hab ich also doch noch die Möglichkeit in den Himmel zu kommen?



geschrieben von: Creobotra

Zitat:
Original geschrieben von Lord_Fallerton
Jetzt hab ich also doch noch die Möglichkeit in den Himmel zu kommen?

vergiss es. du kommst in meinen süd-östlichen vorgarten, dem sog. 3 kreis, die Vorhölle der OffTopic-Poster und musst als strafe mädchen-schulmäppchen für "Hello Kitty" designen.



geschrieben von: Lord_Fallerton

.
.
.

Hier
sollte ein
sich übergeben-
des Smiley
hin.

.
.




geschrieben von: Creobotra

Zitat:
Original geschrieben von Lord_Fallerton
.
.
.

Hier
sollte ein
sich übergeben-
des Smiley
hin.

.
.



der ist auf der documenta :D



geschrieben von: Seneca

Zitat:
Original geschrieben von Creobotra
was gibt eigentlich neues von der documenta? irgendwas kaputtgegangen oder entdeckt, das es eigentlich unfug ist?


Am Sonntag hielt das Pavilliondach in der Aue dem Regen nicht mehr stand...einige Kustwerke wurden naß, andere konnte noch rechtzeitig in Folie eingepackt werden...Cristo war's diesmal allerdings nicht.
Die Kunstwelt feirt das sicher gerade als große performance.



geschrieben von: Demon17

Ich habe mich mal mit dem Thema Kunst aus der soziologischen Perspektive beschäftigt. Ein Schüler meines Lieblingsprofessors hatte willkürlich Exponate zusammengestellt. Unter anderem einen handelsüblichen Fleischklopfer und andere Dinge, die niemals als Kunstwerke gedacht waren. Im Rahmen seines Vortrages im Kolloqium kam heraus, das es völlig genügt, das ein Künstler einen Gegenstand Kunst nennt, damit er Kunst ist. Er hatte sie einem Künstler im Kofferaum gezeigt, der sagte ja das ist Kunst. Darauf hat er sie erfolgreich in einer vom ihm gegründeten Galerie ausgestellt.

Seit irgendjemand auf der Pariser Weltausstellung Anfang des 20. Jahrhunderts ein Pissoir zum Kunstwerk erklärte, gibt es weder Grenzen noch Strukturen, wie Malstile z.B.. Anything goes. Aus soziologischer Sicht ist allein die Kommunikation entscheidend und die sozialen Strukturen in denen diese Kommunikation stattfindet. Über Kunst entscheiden also internationale Szenen, deren zentrales Thema Kunst ist und die seit 100 Jahren keinerlei Regeln mehr akzeptieren, es sei denn soziale Spielregeln. Bedenkt man, das Theoriebildung ebenfalls Kunst ist, was ist dann Kunsttheorie?



geschrieben von: Seneca

Die moderne Kustszene ist die Reinform das Marketings...das Produkt ist Nebensache...der Hype ist der Hauptinhalt und das eigentliche Werk.

Die Kunst definiert sich heute mehr über den Text zum Werk, als über das Werk selbst.

Und so ganz nebenbei degradiert man somit Traditionalisten zu einfachen Handwerkern.



geschrieben von: Demon17

In nahezu allen anderen Bereichen gibt es Techniken und Kenntnisse, ohne die niemand dort bestehen kann. Heutzutage gibt es Maler, die nichteinmal eine Leinwand grundieren können. Deshalb bemühe ich mich bei meinen Gedichten auch um die klassische Metrik und Reimschemata (ich mein wir haben immerhin noch die Sprache) auch wenn das häufig verpönt ist, ohne mich deshalb für einen Künstler zu halten.



geschrieben von: Seneca

Genau das meine ich.
Mir ist ein Maler bekannt, der in seinem Atelier Tatsächlich noch Gemälde herstellt, nach allen Regeln der Kunst, darunter auch Porträtmalerie... aber der Mann ist eben Malermeister und wird in Kunstkreisen mit sehr spitzen Fingern angefasst.



geschrieben von: Demon17

Ja auf vielen Gedichtboards ist es ebenso. Die Formlosigkeit wird zur Norm. Glücklicherweise wird da auf Deutschlands größtem Gedichteboard hart durchgegriffen und Leute, die weder Reimschema noch Versmaß kennen hart kritisiert, wenn nicht gar ... was nicht heißt das es auch Experimente gibt, klar, wenn man weiß das ein Autor dichten kann ist das legitim. Doch wenn man alles für alle zuläßt bricht das Niveau zusammen.



geschrieben von: Seneca

Bisheriges Dokumenta Resumee:

- rutschend Reisterrassen
- Unkraut statt Mohn auf dem Friedrichplatz
- ein eingestürzter Tempel der die Göttern erzürnt
- ein Gewächhaus das als Glaskunstpalast anfing und nun ein Regenwaldbiotop ist.
- unerlaubter Eingriff in die Fahrbahnmarkierung

Diletantismus getarnt als Kunst.

Kein Ahnung von Statik, keine Ahnung von Feuchtgartenanlagen, keine Ahnung das die Fuldaaue eine Flutmulde ist...!

Aber die Künstler duldeten ja auch keine Belehrungen..und man ließ sie gewähren.

Man kennt das in Kassel ja schon, und hofft einfach das beste.

Wer kein Küstler ist bekomt für obigen Schwachsinn eine Anzeige und eine deftige Ordnungsstrafe.



geschrieben von: Demon17

Ich kenne das aus Münster, dort hat ein Künstler ein paar hundert Meter Leitungskabel genommen, einen Knoten hieneingemacht und es auf einem repräsentativen Gebäude platziert. Er hat mehrere hundertausend DM dafür bekommen. Aber Bibliotheken schließen... Ich hoffe es kommt nicht zu größerern Personenschäden und Kassel erholt sich in den nächsten Jahren davon.

never surrender


demon17



geschrieben von: Creobotra

Zitat:
Original geschrieben von Demon17
Seit irgendjemand auf der Pariser Weltausstellung Anfang des 20. Jahrhunderts ein Pissoir zum Kunstwerk erklärte, gibt es weder Grenzen noch Strukturen, wie Malstile z.B.. Anything goes.

Marcel_Duchamp , "Fountain" 1917
er hatte ja damit genau das kritisiert, was uns jetzt so aufstösst.

Zitat:
Er hatte sie einem Künstler im Kofferaum gezeigt, der sagte ja das ist Kunst.

mein Kunstprof hatte mal bei ner Excursion durchs Frankfurter Museum über eine ausgestellte Skulptur einen Vortrag gehalten, warum dieses Werk küsnstlerisch so bedeutend sei und was daran überhaupt... Hat uns allen eingeleuchtet und wir waren ob dieser Skulptur tief beeindruckt.

Ne halbe Stunde kommen wir wieder dran vorbei und er hält wieder einen Vortrag über diese Skulptur, warum sie komplett scheiss ist, eine Schande für das Museum und eigentlich über den Toiletten hängen sollte. Ham wir auch eingesehen und wollten schon drauf spucken und sie johlend im Hinterhof verbrennen. (jungstudenten, leicht zu beeindruckender haufen *g*)


Zitat:
Original geschrieben von Seneca
Die moderne Kustszene ist die Reinform das Marketings...das Produkt ist Nebensache...der Hype ist der Hauptinhalt und das eigentliche Werk.

natürlich, nachdem die ästhetisierung sich durch die ganze gesellschaft zieht, "design" als stilikone immer wichtiger wurde, kann "kunst" als solches gar nicht mehr erkannt werden. wo ist denn der unterschied zwischen dem kunstwerk und der neuesten designten Klobürste von ikea?

Schöner Satz von Jochen Gerz: "Es ist die Umgebung, die an Kunst Mimesis übt."


aber ich hab selber schon beobachten können, wie viele selbst kunstinteressierte die Schnauze schlicht voll haben von Kunst, die sich nicht erklärt.
Vieles davon sei "intellektuell einfach in höheren Sphären" (von einem Künstler bei einer Austellung). ich hab ihm dann gesagt, dass dort ja bekanntlich der sauerstoff sehr knapp ist.
(hat er nicht verstanden, perlen vor die säue *sigh*)

und viele "Künstler" unterscheiden sich von Illustratoren nur dadurch, dass sie schlechtere Bilder in grösseren Formaten malen.



geschrieben von: Lord_Fallerton

Zitat:
Original geschrieben von Creobotra
und viele "Künstler" unterscheiden sich von Illustratoren nur dadurch, dass sie schlechtere Bilder in grösseren Formaten malen.

Irgendwie muss man ja beeindrucken und deutlich machen, warum man mehr bekommen sollte, als Kollege Illustrator.



geschrieben von: Anne4215

Hallo Kunstbanausen,

ich wage mich mal als Kunsthistoriker in die Höhle des Löwen:

Es gibt tatsächlich Landschaftskunst, welche darauf angelegt ist, in den Kreislauf der Jahreszeiten eingebunden zu werden und dann eben auch zu vergehen. Dafür würde ich mich mal mit Land-Art beschäftigen (Ihr könnt auch im Internet fündig werden).

Angenommen, der thailändische Künstler plante jedoch, dauerhaft Reisterassen in einem Barockgarten zu errichten, schließe ich mich Seneca an: Es schadet überhaupt nichts, wenn der Mann eine Ahnung von Statik und Anlegen von Feuchtbiotopen hat.

Ich war selbst vor vier Jahren auf der D., und mich hat vor allem abgestoßen, dass sich alles gegenseitig totgeschlagen hat und die einzelne künstlerische Arbeit (vor allem unauffälligere, subtilere) nicht genügend Raum hatten zu wirken und eben auch gewisse Moden (zum Beispiel Dokumentarfilme) zu beobachten waren.

Zum Thema Originalgenies und Anfertigenlassen der Bilder von Handwerkern: Auch Rubens hat eine Menge seiner Kunstwerke von seiner Werkstatt anfertigen lassen. Für den Künstler zählten früher oft vor allem Bildidee und -erfindung. An der Ausführung konnten auch andere beteiligt sein.

Zunehmend von anderen anfertigen ließen sich die Künstler ihre Arbeiten im 20. Jahrhunderts zum Beispiel deshalb, weil sie industrielle Prozesse in ihre Arbeit miteinbeziehen oder sich später auch mit den Massenmedien (Pop-Art) auseinandersetzen wollten. Die technischen Entwicklungen und neuen Materialien kamen in Bildern des 19. Jahrhunderts ja oft überhaupt nicht vor. Andere waren mathematisch-konstruktiver ausgerichtet, wollten herausbekommen, was das Ureigene ihres Mediums ist (Farbfeldmalerei) oder sahen in den 70-er-Jahren die Kunst eher im Konzept und in der Idee.

Abstrakte Kunst: Was meint Ihr damit überhaupt? Eine expressive, spontane, gestische Kunst (abstrakter Expressionismus, Informel), Konstruktivismus (wie zum Beispiel Mondrian) oder Farbfeldmalerei oder etwas anderes?

Warum abstrahieren die Künstler aber? Zum einen, weil sich die Künste sich seit dem 18. Jahrhundert als autonom verstanden (also unabhängig von der Religion und auch anderen Medien) und zum anderen, weil die Fotografie langsam das Gebiet der naturgetreuen Abbildung übernahm (das bezweifelte man im 20. Jahrhundert dann allerdings). Mit der Autonomieerklärung der Künste begann auch die Befragung des Mediums: Was macht Kunst eigentlich aus? Der Inhalt oder Farbe, Form und Linie? Inwiefern vermittelt sie Wahrheit? Welche Gegenstände haben eine Berechtigung in der Kunst? Welche Rolle spielt das Hässliche in der Kunst? - Fragen, welche die Künstler sehr unterschiedlich beantworteten.
Außerdem bezweifelten die Künstler, dass der Mensch wirklich so wahrnimmt, wie in realistischen, perspektivischen Gemälden angenommen. Sie stellten zum Beispiel fest, dass dies vom Licht und von atmosphärischen Gegebenheiten abhängig ist und dass man nicht alle Gegenstände gleich scharf wahrnimmt, und sie nahmen an, dass der Mensch das Wahrgenommene aus bunten Pixeln zusammensetzt (ich spiele auf den Impressionismus an).


Außerdem denke ich, dass Farbe, die Art der Oberfläche und die Kompositon sehr wohl etwas ausdrücken und die Emotionen anrühren können, wobei es nicht immer die Aufgabe von Kunst sein muss, die Emotionen anzusprechen. Ihre Aufgabe kann auch darin bestehen, die Wahrnehmung zu sensibilisieren (etwa, wenn man beim näheren Betrachten plötzlich in einer monochromen Fläche feine Differenzierungen der Oberfläche entdeckt), über den Kunstbegriff zu reflektieren oder die Optik zu untersuchen oder mit dieser zu spielen.

Es mag allerdings auch Leute geben, die wirklich gar nichts fühlen oder denken, wenn sie eine solche Arbeit sehen. Dem könnte man vielleicht mit einer Kunstgeschichte abhelfen.

Eine einführende, gut verständliche Kunstgeschichte gibt es von Gombrich.

Um zu reflektieren, was denn nun Kunst ist, ob es im Objekt, in der Person des Künstlers oder im Auge des Betrachters liegt, dafür wurde im 18. Jahrhundert extra eine Disziplin begründet, und es kommen Einführungen in die Ästhetik in Frage (zum Beispiel von Reclam).

Im übrigen denke ich, dass der Zusammenprall von Kunstbanausen und Kunst oft auch in den Schulen begründet liegt. Da werden häufig nur Torten gemalt, und vielleicht gibt's dann auch noch eine sehr rudimentäre Einführung in die Kunstgeschichte und dann eben normalerweise nicht in die Kunst der letzten 50 Jahre, sondern nur in die klassische Moderne. Außerdem gibt es für Kunst und Musik einfach zu wenig Stunden, und man lässt sie auch gern mal ausfallen oder unterrichtet die Fächer in manchen Klassenstufen eben nicht. Soweit ich weiß, gibt es auch zu wenig Lehrer für Kunst. Kunst unterrichten auch keine Kunsthistoriker sondern Absolventen von Kunsthochschulen, daher wird nicht besonders viel erklärt und reflektiert, sondern halt geschaffen.
Und für die Kunstbücher würde ich auch nicht die Hand ins Feuer legen. Insofern habe ich auch ein Stück weit Verständnis für das allgemeine Unverständnis.

Das ist mal ein kleiner Anfang - noch sehr allgemein und nicht erschöpfend, und ich hoffe mal, dass ich von den Documenta-Hassern nun nicht gelyncht werde, sondern ich vielleicht auch etwas Verständnis finde.





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