2005...ich fand endlich ne ecke in den nachtwelten, wo komische schwarze menschen sich termine zum treffen ausmachten und die auch ungefähr in meiner gegend lagen. schon immer war ich jemand der die dunkle seite der macht bevorzugt und nun endlich zarte kontakte knüpfte. mit herzklopfen schrieb ich die ersten kommentare, worauf kurze zeit später die ersten antworten folgten. freundlich, offen und einladend geschrieben fühlte ich mich sofort wohl. nach zahlreichen vergeblichen versuchen die leute mal zu treffen, die einen so nett elektronisch aufgenommen hatten, gab ich mir die größte mühe und es kam zum erhofften treffen. in dresden angekommen begann es auch schon sinntflutartig zu regnen...das handy klingelte..."seid ihr schon unterwegs, oder habt ihr es euch nochmal überlegt?"..."sind in zehn minuten da...keine bange...kommen gleich." schnell noch mal in den himmel geguckt aufgelegt und den weg zum pavillion fortgesetzt. prager straße, altmarkt, neumarkt...das herz immer schneller schlagend gingen ich und meine begleitung über die brücke und sahen alsbald auch schon den glockenpavillion. auf halben blickkontakt blieb ich stehen und sah meine freundin an. "wollen wir da jetz wirklich hin?"..."sei ni so feige, bin doch nich umsonst hier hin gefahen!" der weg wurde fortgesetz und kurz vor ankunft drehte sich eine schwarze wand um und starrte uns an. peinliche stille, die ich zu unterbrechen gedachte. "wo issn der nette herr mit dem ich gerade telefoniert habe?"...ein großer junger mann trat in mein blickfeld. das erste was mir auffiel war die flasche bier in der hand, warum auch immer. brille, komische frisur und ein nettes lächeln stürzten wir uns fast schlagartig ins gespräch. ununterbrochen redeten wir uns von einem thema ins nächste...stundenlang...bis die uhr zehn schlug und ich gehen musste. "ihr müsst schon los?"..."mhhh...leider. war sehr schön. danke. vielleicht sieht man sich mal wieder?" wir verabschiedeten uns von allen und den ganzen rückweg vom pavillion bis zum bahnhof sprach ich fast kein wort. wir schrieben noch ein paar mails hin und her und ich wusste, wenn ich den kontakt aufgebe, würde ich es später bereuen. irgendwan verlief sich alles im sand. einmal im jahr erkundigte ich mich, ob er noch lebte. beim dritten mal sagte ich mir aber, wenn der kontakt wieder verloren geht, belass ich es dabei. zu weihnachten letzten jahres nahm ich mir vor ihm ein letztes mal zu schreiben. mittlerweile wohnte ich in jena und studierte und er war mitten im verzögerten abiturstress. der zufall wollte es, dass seine abschlussfahrt, die er zum zweiten mal machte, wieder nach jena ging. ein halbes jahr später war der kontakt wieder weg. ich konnts nicht lassen...in manchen situationen fiel er mir immer wieder ein. mein abiball neben dem pavillion, auf der straße schwarze menschen mit komischen frisuren...und eine mail in den nachtwelten in der es hieß er kommt nach jena. zum glück hatte ich mittlerweile icq...seine nummer stand im profil. ich schrieb ihn an..."ahhhhh????? du bist auch hier??? is ja geil!!!" im icq schlug mir ein jubelschlag entgegen und die eigentlich nur kurz angelegte icq-sitzung zog sich fast neun stunden hin. ab da jeden tag...
zwei jahre nach dem einmaligen sehen, trafen wir uns in jena wieder. *fump*knall* da war es wieder...das gefühl von vor zwei jahren...gesehen, wiedererkannt und seelenverwandt. das war im juli diesen jahres. wir trafen uns noch ein paar mal, bis er nicht mehr konnte und mittwoch nacht 200 km nach jena fuhr und vor meiner tür stand, ohne das jemand eigentlich wusste wo er die drei tage war. in drei tagenhaben wir zwar nur zehn stunden geschlafen, aber um so mehr geredet...zwei jahre wollen aufgeholt werden...
mittlerweile sind wir den gegenseitigen eltern vorgestellt und glauben an das schicksal. es gibt so irre zufälle die sich auf eine so unglaublich hohe anzahl gehäuft haben, dass es der normalität nicht mehr entsprechen kann.
für mich war das die seltsamste geschichte meines lebens, auch wenn sie hier vielleicht nicht so seltsam klingen mag. alles konnt ich leider nicht aufschreiben, weil es für manche sachen keine umschreibungen gibt, die passen würden. es ist schon eigenartig genug, das wir uns nach zwei jahren wiedergefunden haben...
zum schluss geht noch ein dankeschön an die existenz der nachtwelten. wenn es den platz hier nich geben würde wäre mein leben immer noch leer...