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Demokratisierung der Kunst

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geschrieben von: Creobotra

"sollte man sich künstlerisch entfalten, weil einem das mittel zur verfügung steht
oder ist es das verlangen sich auszudrücken, das einen dazu bringen soll,
ein geeignetes entfaltungsmittel zu suchen?
behindert nicht die demokratisierung der ausdruckmittel die kreation an sich?
wird die kreation nicht vulgär, wenn sie von jedem x-beliebigen umgesetzt wird?
und begeben wir uns nicht unausweichlich auf eine gesellschaft zu, in der jeder künstler ist?"
Lewis Trondheim Nicht ohne meine Konsole

erstaunlich, was man in einem comic zwischen den panels so findet ...
hat nicht design die kunst schon lang abgelöst? gibts noch irgendwas, das man auf kunstaustellungen sieht, bei dem man nicht denk: "das hab ich so ähnlich schon im nanunana gesehen"?
wenn man sich im netz umschaut, gibt es wahnsinnig viele bilder, die nicht im museum hängen, aber mindestens so viel sagen.
was unterscheidet den künstler, dessen werke dort hängen, von denen, die in einer kneipe ausgestellt sind? (die selben technischen ausführungen vorrausgesetzt).



geschrieben von: Heph

-- zu Künstlern allgemein:

Nun ja der Künstler im Louvre unterscheidet sich oft nicht sehr vom Künstler in der Kneipe wen es um die Technik geht.

Die Wahre Honorierung eines Ruben, Leonardo oder Dürer liegt darin das sie die Großen ihrer Zeit waren und die Techniken erst erfanden die wir teils heute noch nutzen. Darum hängen sie auch im Louvre und anderen Museen.

Aber die Künstler von damals unterscheiden sich auch oft im Grund für ihre Arbeiten und vor allem mit was sie Arbeiten müssen. Michelangelo hat sich sicher nie erträumt die Decke der sixtinischen-Kapelle zu bemahlen bis die Kirche ihn dafür bezahlte. Die Überwindung einen Fetten alten und überheblichen Monarchen, kurzum das Zerbild eines Menschen der damaligen Zeit, zu Porträtieren und ihm Majestät einzuhauchen muss auch Hochachtung erfahren.

Diese Menschen haben oft ihre eigenen Farben gemischt und haben sich an für damalige Zeit auch Teil Grenz-wertige Themen in ihren Werken. All das ist achtenswert. Wir zeugen heute Bewunderung für sie weil sie damals keine bekommen haben und weil man es und so gelehrt hat.

-- zu Kunst Heute:

Heute leben wir im Überfluss. Die wirklichen Künstler unserer heutigen Zeit bekommen wir garnicht mehr mit so voll ist es an aller Orten mit manigfaltig Geschrei, krellen Farben und gar absonderlicher Form. Die Großen Themen die wahren Bilder werden zu Hauf kopiert und das oft so schlecht, das die Orginalität oft im banalen ausblutet.

Dagegen hilft nur ein Kampf für den eigenen Anspruch. Man muss sich durch hunderte vielleicht tausenden Bilder,Songs und Titel zwingen. Man muss das für sich selbst Schlechte hinwegschneiden wie einen Tumor und nur die reine Essens dessen im eigenen Sinn belassen was uns am meisten ent- und anspricht. Eine Solche Jagd nach dem der Wirklichkeit hinter der Banalität hat doch auch schon etwas Künstlerisches auch wenn es etwas ganz privates ist.

Jeder egal ob Maus oder Titan im Geiste und Handwerk kann zu unserer Zeit Kunst schaffen. Warum auch nicht? Solange diese Kunst jemanden findet der sie auf die eine oder andere Weise als solche achtet selbst wenn es nur der Künstler ist. Es ist der Wunsch zu kreiren ,er mag vieleicht erst mit der möglichkeit dazu erwachsen, und der Vorgang der Kreation selbst das den Künstler ausmacht. Kopistentum ist keine Kunst so ist jedenfalls für mich.

-- Zu Lewis Trondheim:

Ob etwas an Kunst Vulgär ist das hat nicht Lewis Trondheim zu entscheiden solange er es nicht nur für sich selbst entscheidet. Vulgär ist was man auf Grund der eigenen Werte und Normen als solches ansieht und so soll jeder entscheiden ob etwas an der "Kunst" die er sich täglich antun mag Vulgär ist und ob auf die suche nach neuen Impressionen geht.


-- letzte Fragen:
Creobotra, welcher Comic war es denn eigentlich? Könntest du mir einen link Posten wen es ein Webcomic war?



geschrieben von: Trauerwesen

Für mich ist das ein ganz typisches Phänomen der Postmoderne: Reproduktion (bzw auch Pastiche, Collage etc), also dass man automatisch denkt, man habe etwas bereits gesehen, ist sicherlich ein Merkmal, eben weil alles bereits in irgendeiner Form existierte.
Ebenfalls steht es jedem frei zu malen, sich zu entfalten und vor allem hat jeder die Möglichkeit, seine Werke zu zeigen. Es gibt keinen eigentlichen Kanon mehr an Künstlern, bis auf diejenigen, die eben damals lebten - ein Relikt von dem, was vor der Postmoderne war. Schlichtweg sind heute alle einfach Künstler.



geschrieben von: Seneca

Der Kunstmarkt funktioniert heute wie die Wertpapierbörse...man kauft und hofft aus Wertsteigerung und schon mit dem Kauf treibt man den Marktwert das Künstlers in die Höhe, welcher dann ab einen gewissen renomé seine Werke schon verkauft hat bevor sie fertig sind. Leipzig ist derzeit ein beliebter Umschlagplatz auf dem so gehandelt wird...die Galeristen werden genauso hofiert wie die Künstler selbst.
Das Handelsblatt hat schon eine eigene Rubrik für den Kunstmarkt. Das führt dazu das nicht wenige Künstler zur Fließbandproduktion übergegangen sind.

Design wird mit der Kunst niemals vergleichbar sein da beim Design immer eine Funktion beinhaltet ist... Kunst dagegen kann völlig frei von Form wie auch Funktion sein.



geschrieben von: Creobotra

ich muss mir das erstmal in ruhe durchlesen :)
@Heph: Lewis Trondheim hat mörderviel Comics gemacht, von denen jedes lesenswert ist. das obig erwähnte speziell für nerds :)

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Design wird mit der Kunst niemals vergleichbar sein da beim Design immer eine Funktion beinhaltet ist... Kunst dagegen kann völlig frei von Form wie auch Funktion sein.
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kann, muss aber nicht. umkehrschluss wurden "design"-objekte ins Museum of modern Art aufgenommen. "form follows function" gilt im design schon einige zeit nicht mehr vorbehaltlos.



geschrieben von: Seneca

Zitat:
Original geschrieben von Creobotra
ich muss mir das erstmal in ruhe durchlesen :)
@Heph: Lewis Trondheim hat mörderviel Comics gemacht, von denen jedes lesenswert ist. das obig erwähnte speziell für nerds :)

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Design wird mit der Kunst niemals vergleichbar sein da beim Design immer eine Funktion beinhaltet ist... Kunst dagegen kann völlig frei von Form wie auch Funktion sein.
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kann, muss aber nicht. umkehrschluss wurden "design"-objekte ins Museum of modern Art aufgenommen. "form follows function" gilt im design schon einige zeit nicht mehr vorbehaltlos.

Autos brauche Räder und Flugzeuge brauchen Auftriebsflächen...da kann der Designer wollen was er will...was du meinste klappt vielleicht bei Küchengeräten, aber keineswegs bei jenen Designobjekten welche die Welt zwar nicht bewegen, aber am Laufen halten.



geschrieben von: Fayve

Zitat:
"sollte man sich künstlerisch entfalten, weil einem das mittel zur verfügung steht
oder ist es das verlangen sich auszudrücken, das einen dazu bringen soll,
ein geeignetes entfaltungsmittel zu suchen?

Es zwingt einen ja niemand dazu sowas wie Kunst zu machen. Und wodurch soll ein "Kunst-schaffen-sollen" zustande kommen?

Zitat:
behindert nicht die demokratisierung der ausdruckmittel die kreation an sich?

Es kann der Kreativität entgegenwirken, da einen die Vielfältigkeit der Möglichkeiten sich auszudrücken erschlagen kann. Heute stehen einem eine ganze Menge an Techniken zu Verfügung die nicht sehr teuer sind um sich auszudrücken.
Wenn jemand zum Beispiel Sachen aus Müll macht ist er begrenzt durch das was er findet und muss sehen was er innerhalb dieser Begrenzung machen kann, was sehr interessant sein kann. Das ist immer ein Kampf mit dem machbaren.

Zitat:
wird die kreation nicht vulgär, wenn sie von jedem x-beliebigen umgesetzt wird?

Wenn zuviele das gleiche machen kann das in einem grauen gleichen Schleim enden. Das wäre eine vulgäre Kreation - ein niederes schaffen da keine Kreation im eigentlich Sinn mehr vorhanden ist. Denn es wird nichts mehr geschaffen wenn nichts mehr über den Einheitsbrei hinaus geht.

Es gab mal ein Interview mit Joan Sfar (franz. Comicmacher) im Fernsehen indem er von einer Aristokratie der Zeichner gesprochen hat. Für ihn sind Zeichner Fürsten denen man Respekt zu zollen hat.
Aristokratie heißt ja soviel wie "Herrschaft der Besten", Fürsten und Könige sind die die etwas unglaublich gut beherrschen das kann die Technik sein oder Perspektive, Farbe, Dynamik oder eine ganze Menge mehr.
Und es könnte ja jetzt sein das sich das gemeine Volk als Fürst bezeichnet allein deshalb weil es zeichnet abgesehen von der Qualität.
Das wäre die Demokratisierung der Kunst, das ungebildete Zeichnervolk darf entscheiden was gut und was schlecht ist.

Zitat:
und begeben wir uns nicht unausweichlich auf eine gesellschaft zu, in der jeder künstler ist?"
Jeder darf sich heute Künstler nennen nach der heutigen Kunstauffassung. Jetzt kann man sich fragen ab wann Lewis Trondheim gedenkt jemanden in den Stand eines Künstlers zu heben?




Zitat:
hat nicht design die kunst schon lang abgelöst? gibts noch irgendwas, das man auf kunstaustellungen sieht, bei dem man nicht denk: "das hab ich so ähnlich schon im nanunana gesehen"?

Das Design wiederholt sich doch auch. Im Design gibt es wieder und wieder irgendwelche Retrowellen.
Also ich würde da kein Unterschied zwischen Design und Kunst ziehen, man kann in beide Richtungen neues und sich wiederholendes entdecken.

Zitat:
wenn man sich im netz umschaut, gibt es wahnsinnig viele bilder, die nicht im museum hängen, aber mindestens so viel sagen.
was unterscheidet den künstler, dessen werke dort hängen, von denen, die in einer kneipe ausgestellt sind? (die selben technischen ausführungen vorrausgesetzt).

Oft ist es vielleicht einfach nur noch zufall - man muss nur zur rechten Zeit, das rechte am richtigen Ort getan haben. Es gibt mittlerweile bestimmt Millionen von Künstlern die abstrakten Expressionismus betreiben, aber die Wahrscheinlichkeit damit berühmter zu werden als Jackson Pollock ist fast gar nicht vorhanden. Oft reicht es als erster etwas getan zu haben um in die Annalen der Kunstgeschichte einzugehen.
Natürlich waren viele berühmte Künstler unglaubliche Arbeitstiere. Die sixtinische Kapelle muss eine höllen Qual gewesen sein und 15000 Bilder wie Picasso malt man auch nicht mal eben an einem Tag.

Ich denke es ist schon das meistens ein Unterschied in der Qualität zwischen den Superstars der Kunst (Louvre-Bewohner) und technisch guten Kneipenbilder festzustellen ist. Mag sein das aus normalen Gallerien Bilder die gleiche technische Qualität haben wie manche Kneipenbilder. Und es in diesen Fällen nur Zufall ist wer das Glück einer Gallerie hat.

Man kann zwischen Gallerien unterscheiden die mit ihren Bilder Millionen umsätze machen und denen mit Künstlern die ums überleben kämpfen müssen.


Zitat:
n. Es gibt keinen eigentlichen Kanon mehr an Künstlern, bis auf diejenigen, die eben damals lebten - ein Relikt von dem, was vor der Postmoderne war

Mit der Zeit werden sich sicher einige Namen und Strömungen herauskristalisieren. Wahrscheinlich lassen die sich dann aber erst mit einer gewissen Distanz benennen.


Zitat:
Das führt dazu das nicht wenige Künstler zur Fließbandproduktion übergegangen sind.

Bei Neo Rauch ist das zum Beispiel so. Das ist ein bisschen so wie beim Fußball , eine Gallerie kann wie eine Verein sein bei dem man ein paar Jahre gut verdient bis man danach in der Versenkung verschwindet.
Das ist ein Wegwerfmarkt - Trends und Künstler kommen und gehen. Da ist es schwer zu sagen was bleibt.



geschrieben von: hagzissa13

Obwohl ich von Kunst soviel Ahnung habe, wie eine Kuh vom Eistanz, schreibe ich etwas zu diesem Thema, denn ich denke, daß ich zwar nicht beurteilen kann, ob etwas technisch wirklich gut ist, aber daß Kunst eben auch eine ganze Menge mehr ist, als nur die Technik an sich.

Kunst ist für mich etwas, das mich berührt, was meine Sinne stimmuliert und Emotionen weckt. Mit Kunst verbinde ich etwas, das in mein Umfeld passen muß und somit, als Teil z.B. meiner Einrichtung auch ein Teil von mir - von meinem Stil widerspiegelt.


Zitat:
sollte man sich künstlerisch entfalten, weil einem das mittel zur verfügung steht [...]


Was meint hier "das Mittel"? Meint es die Gabe des Menschen, oder meint es das Werkzeug, wie Pinsel, Farbe etc.?

Wie es auch gemeint ist, ich finde jeder, der sich ausdrücken möchte, sollte dies tun. Solange er das nicht alles als die große Kunst verkauft, von mir aus.

Ich bin weder ein großer Maler (meine Pferde sehen noch heute wie meine Aerobic-Esel in der ersten Klasse aus...), noch ein großer Musiker (über Blockflöte kam ich nie hinaus und meine Stimme vertreibt sämtliche Plagen der Erde...), noch ein großer Schreiber oder Dichter. Ich bin nicht mal Durchschnitt. Na und? Auch ich habe das Recht, mich mit meinen mir zu Verfügung stehenden Mitteln aus zu drücken, wenn es mir Spaß macht. Und wenn dabei drei Punkte auf einer Leinwand rauskommen, die farblich gut zur Küchentapete passen - prima! Muß nur mir gefallen, der Rest juckt mich nicht! Und wenns mir schlecht geht und ich etwas darüber schreibe, erwarte ich keinen Literaturpreis dafür. Mir gehts besser - schön so!

Wofür ich allerdings kein Verständnis habe, sind diese (in meinen Augen) Pseudokunstwerke, wie ich sie auf der documenta zu Hauf sah (der geneigte Leser ergötze sich an meinen Kommentaren dazu im documenta-Quatsch-Thread). Da frage ich mich echt, ob man mich für komplett doof halten will. Ok, vielleicht fehlt mir tatsächlich der intellektuelle Zugang, aber gut, damit kann ich leben. Bei vielen, die da durch die Räume schlichen, hatte ich das Gefühl, die mußten sich gegenseitig einen erzählen, was sie da so alles sehen in den Bildern...

Jaja.... Scheiße schmeckt gut - Millionen von Fliegen können nicht irren...





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