Ich hatte es angekündigt, wie so vieles in meinem Leben - ein neuer Pfad. Passend, irgendwie, denn von der Zwischenstation, die mein Leben momentan ist, schicke ich mich an, neue Wege zu beschreiten. Sie sind anders als alles, was ich je erwartet oder gar auf dem Schirm gehabt hätte, doch sie sind meine, und das ist gut so.
"Atmen wird sowieso völlig überbewertet." Nein. Wie fühlt sich ein beinahe Ertrunkener, wenn der erste Stoß reinen Sauerstoffs in die fast zusammengefallenen Lungen gelangt? Nach einer langen Zeit, in der ich das Atmen fast verlernt hatte, in der ich auf reine Existenz, versunken in einer Lethargie, die ich mir selbst auferlegt hatte, reduziert war, habe ich nun begonnen, langsam wieder zu lernen was Leben heißt. Ich lebe wieder, habe die Existenz erweitert und erneuert und mir selbst ins Gesicht gesehen. Habe mich tiefer und tiefer in mich hineingegraben um endlich einmal den Gründen für meine Blockaden und falschen Mechanismen zu begegnen, und habe sie gefunden. Und ich habe angefangen, etwas dagegen zu tun. Habe damit aufgehört, mich selbst zu bekämpfen, denn diese Kämpfe habe ich immer verloren. Habe gelernt, was loslassen bedeutet. Es war eine harte Lektion, eine sehr schmerzhafte noch dazu, doch es lebt sich besser. Und schließlich habe ich auch gelernt, daß Akzeptanz der Schlüssel zu allem ist. Ich habe gelernt, Dinge anzunehmen, die ich nicht ändern kann, und sie gegebenenfalls loszulassen. Manche Dinge werde ich nie ändern können, im speziellen dann nicht, wenn ich nur Empfänger, nicht aber Sender bin - doch ich kann meinen Umgang damit ändern, und das ist eine ganze Menge.
Mein Leben ist das reine Chaos, doch ich liebe es dennoch. Mein altes Leben gibt es nicht mehr, das neue, so es denn eines geben sollte, hat noch nicht wirklich begonnen. Ich stehe an einer Zwischenstation, denn es sind noch einige Dinge zu klären und abzuschließen. Das Studium. Der Job. Und eigentlich wollte ich auch endlich, endlich weg von hier, weiter in den Norden oder in den Nordosten. Weg aus der Provinz, dorthin wo das Leben pulsiert, wo ich neu beginnen kann. Ich war an einem Punkt, wo mich hier nichts mehr hielt, und genau betrachtet ist das noch immer der Fall. In einem halben Jahr werde ich entscheiden müssen, ob ich gehe oder nicht. Wenn ich die ausstehenden Dinge abgeschlossen habe. An einem rosaroten Horizont zeichnen sich ein paar Sonnenstrahlen ab, die meinen Entschluß, dieser Stadt den Rücken zu kehren, vielleicht erschüttern könnten. Nichts muß, alles kann. Längst vergessene oder nie gekannte Gefühle fluten mit einem Mal mein Selbst, überfluten mich und mein Herz mit einer Wärme, die nach all der Zeit in den kalten Weiten des Äthers so wohltuend ist und sich anfühlt wie ein befreiender Atemzug. Ich hätte nie gedacht daß es einen Menschen geben könnte der so viel Wärme nicht nur ausstrahlt, sondern auch geben und teilen kann.
Es gibt einen letzten Rest eines kleinen Knäuels namens Furcht in meinem Bauch. Die Angst davor, nichts anderes als immer und immer wieder nur ein 'guter Anfang' zu sein. Doch diesmal ist alles anders. Ich muß vieles neu lernen, doch diesmal bleibe ich einfach, was ich bin - ich selbst. Keine Rollen. Keine Masken. Keine Show, denn es ist nicht nötig. Ich genüge, immer, wenn ich ich selbst bin. Feuer, nicht heiße Luft. Katze genauso wie Wölfin. Ich kann gut allein sein, doch ich genieße auch die Gesellschaft, denn ich kann es wieder. Ich ertrage wieder Menschen um mich herum, und endlich ist diese vermaledeite Glasscheibe in Stücke gesprungen, die mich immer davon abhielt, wahrhaft heranzukommen, die mich immer ins Abseits drängte, die mich immer beiseite schubste. Es gibt noch immer zwei Seiten an mir, Tag und Nacht, Leuchten und Dunkelheit. Es gibt die verkörperte Lebensfreude und die fleischgewordende Melancholie, es gibt die Sprüche die Lächeln auf Gesichter zaubern können und es gibt die erratischen Monologe die bis auf Seelengründe hinabtauchen können. Und dabei bleibe ich immer ich selbst, bleibe immer offen, bereit, alles anzunehmen, was das Leben mir offeriert. Ich dränge mich niemandem auf, und ich zwinge niemanden dazu, mir zuzuhören. Ich habe viel, sehr viel verloren, aber ich gewinne auch jeden neuen Tag Neues hinzu. Alte und neue Menschen sind in mein Leben getreten und beginnen, einige der schmerzhaften Lücken zu füllen. Ich beginne damit, meine wieder erwachten Träume zu leben, weiß, daß ich nun Dinge tun werde die ich mir vorher immer versagte, und fühle mich dabei lebendiger als je zuvor.
"Du bist total krank, mit Deiner Kamikaze-Einstellung..." Ja. Es ist mir gleich, ob ich lebe oder sterbe. Ich liebe das Leben, ich liebe mein Leben, doch wenn ich heute sterben müßte, wäre das in Ordnung, denn ich stehe an der Zwischenstation, an der ich mit mir im Reinen bin. Endlich lebe ich mein Leben so, daß ich mir selbst wieder in die Augen sehen kann. Endlich verstehe ich mich, nicht immer, aber doch öfter, und kann zu mir stehen. Ich habe noch nicht aus all meinen Fehlern gelernt, aber ich bin wieder sensibel für meine Gefühle und Bedürfnisse und erkenne die Zeichen, wenn sie auftreten. Nein, es wäre nicht schlimm, würde der Sensenmann heute an meine Tür klopfen und nach meinem Außenband auch mein ganzes Ich mitnehmen, denn zum 1. Mal kann ich sagen "Je ne regrette rien". Es war mein Weg, und es war vielleicht nicht der schönste, nicht der geradeste, nicht der beste, aber es ist meiner gewesen. Es gab Dinge, die ich zu bedauern, zu bereuen hatte, und ich habe es getan und habe dann meinen Frieden damit gemacht. Leben passiert heute, nicht in der Vergangenheit. Loslassen, auch hier. Es fiel schwer, sehr schwer. Aber es war nötig, und schließlich lösten sich meine Finger von dem, was mir einst lieb und teuer war. No regrets. Dankbarkeit, ja. Es gibt Nahziele, und es gibt Dinge, die ich gern noch tun würde, bevor ich abtrete. Doch wenn es nicht sein soll, dann ist es ok. Daher: Kamikaze. Angst gehört zu den Begriffen, die mir endlich, endlich gestohlen bleiben können und müssen, denn Angst lähmt. To hell. Ich will keine Angst mehr haben.
So stehe ich, atmend, an der Zwischenstation zwischen Vergangenheit und Zukunft, die sich Gegenwart nennt. Turbulent geht es hier zu, und ein Koffer ist wohl auch im falschen Zug gelandet, doch das ist kein Beinbruch. Es gibt auch dafür eine Lösung. Ich bin nicht allein, es gibt Menschen, die da sind, mich begleitet haben und begleiten, die mir zur Seite stehen und mich so sein lassen wie ich bin. Die mir helfen, wenn ich Hilfe brauche, die mir ihr Vertrauen schenken wie ich es umgekehrt auch tue, die mich nicht nach dem beurteilen was ich war sondern nur nach dem, was ich bin. Die nicht nach reinen Äußerlichkeiten gehen, sondern sich die Mühe machen, näher hinzuschauen. Die mich meine Grenzen suchen und testen lassen, denn das Wissen um die eigenen Grenzen ist notwendig, wenn ich im neuen Leben ankommen will. Grenzgängerin, as usual. Wie froh bin ich, daß es noch Menschen gibt, die nicht vorschnell urteilen. Und wie froh bin ich, daß ich so viel gelernt habe, daß ich endlich auch wieder weiß, wie atmen geht.
... One thing, I don't know why
It doesn’t even matter how hard you try, keep that in mind
I designed this rhyme, to remind myself how
I tried so hard
In spite of the way you were mocking me
Acting like I was part of your property
Remembering all the times you fought with me
I'm surprised it got so (far)
Things aren't the way they were before
You wouldn't even recognize me anymore
Not that you knew me back then
But it all comes back to me (in the end)
You kept everything inside and even though I tried, it all fell apart
What it meant to me will eventually be a memory of a time when
I tried so hard
And got so far
But in the end
It doesn't even matter
I had to fall
To lose it all
But in the end
It doesn't even matter...
(Linkin Park, In the end)
Was am Ende zählt, ist nur die Intensität des Moments. Jeden Moment bewußt und intensiv leben. Es ist nicht die Dauer, die zählt - es ist die Intensität. Nie zuvor habe ich so intensiv gelebt wie genau jetzt. Es ist überwältigend - und wunderschön.
Atmen. Ein - Aus.
geschrieben von: Nnordy
"Ich mag Dich genau so, wie Du bist." Tränen. Die Nacht - meine Zeit. Die Zeit, in der ich hellsichtig bin, in der die wahren und richtigen Worte einfach zu mir kommen, in der die Wahrheit im Raum steht, vorsichtig an Türen anklopft - 'darf ich?'. Empathie. Hätte nie gedacht, daß auch ich sowas besitze. Ich sage Dinge nicht mehr aus Gefälligkeit, sondern weil sie wahr sind. Habe meine Augen geöffnet für die Schönheit einzelner Menschen, denn eigentlich liebe ich die Menschen. Auch wenn sie es, genau betrachtet, als Spezies nicht verdient haben.
Wir haben einige Grundsätze, die gleich oder sehr ähnlich sind. So zum Beispiel den, daß es nichts bringt, wenn man am Anderen 'rumerziehen' will oder muß, wenn viele Dinge nicht passen. Wenn es nur um Kompromisse oder immer und immer wieder Nachgeben geht. "Ich mag Dich genau so, wie Du bist." Es mag platt klingen, ist aber wohl eines der wertvollsten Geschenke, die man dem Anderen machen kann, wenn man es auch so meint. So akzeptiert und vor allem respektiert werden wie man wirklich ist. Keine Maske nötig, keine Show nötig. "Dabei habe ich Dir bis jetzt nichtmal eine Blume geschenkt." Lachen. Ich brauche keine Blumen, denn das, was Du mir schenkst, Kater, sind jeden Tag wahre Meere von Blumen, im übertragenen Sinn. Respekt. Akzeptanz. Starke Schulter. Lachen. Vertrauen. Nähe. Wärme.
... Hülle mich ein
und wärme mich
Ich habe mich
schon so kalt gefühlt...
(Fliehende Stürme, Zwischen Liebe)
Mir war noch nie so warm. So warm in Herz, Seele und Körper. Nach einer langen Zeit in den kalten Weiten des Universums bin ich nun zurückgekehrt an einen Ort, an dem ich ganz bei mir sein kann und an dem ich so angenommen und gewollt werde wie ich bin. Mit all meinen vielen Fehlern, aber auch mit all meinen schönen und liebenswerten Seiten. Ich habe Dich vor mir gewarnt, mehrmals. Jetzt hast Du mich wohl am Hals, aber Du wolltest es so. Es gibt einige Dinge, die wir beide mögen, und es gibt einiges, was wir beide nicht ausstehen können. Beispielsweise das Verhalten, den Gefährten in der Öffentlichkeit runterzumachen - das können weder Du noch ich tolerieren, und das ist gut so. Das kann mal passieren, sollte aber auf gar keinen Fall öfter und schon gar nicht zum Dauerzustand ausarten. Jeder, der ein bißchen Stolz im Körper hat, kann das nachvollziehen. Vielleicht ist es ganz gut, daß wir beide uns vorher noch nicht allzu gut kannten - wir lernen uns jetzt, natürlich nochmals auf einer anderen Basis, kennen. Sicher werden wir nicht ewig die rosaroten Brillen aufhaben, aber dessen bedarf es auch gar nicht. Ich hatte gestern einige Déjà-vus, was das angeht. Ich würde mir wünschen, daß sie wahr werden.
Noch nie zuvor habe ich kein besseres Wort für das, was den Mann an meiner Seite kennzeichnet, gehabt, als nun bei Dir - "Gefährte". Denn das ist das, was Du für mich bist. Augenhöhe. Kampfgenosse. Manche Dinge, die Du jetzt schon für mich getan hast, hat nie zuvor jemand für mich gemacht. "Dann hat sich wohl vorher noch nie jemand wahrhaft um Dich gekümmert." Es ist schön, daß Du 'gekümmert' gesagt und nicht das andere Wort benutzt hast, jenes große große Wort was zum Greifen nah zu liegen scheint und doch noch so weit weg ist. Ich weiß nicht, ob man das so sagen kann. Meine Freunde haben sich schon immer um mich gekümmert, aber in Beziehungen scheine ich so rüberzukommen, als würde ich das nicht brauchen. Die starke Frau. Wie sagte es mir vorgestern Nacht jemand? "Ach Nnordy, um Dich mache ich mir da gerade gar keine Sorgen, Du warst für mich ohnehin immer die starke, erwachsene Frau..." - unglaublich wie ich nach außen gewirkt haben muß. Und deckungsgleich mit dem, was Du mir vorgestern sagtest - nämlich daß ich auch in Gruppen tough und stark wirke, jemand, mit dem man rangeln kann - Gegner, kein Opfer. Aber manchmal neige ich dazu, mich selbst etwas aus dem Blick zu verlieren. Das, was Du für mich tust, auch wenn es vielleicht nichts Besonderes ist, rührt mich fast zu Tränen - beispielsweise, daß Du gestern, noch bevor ich daran dachte, zwei Spritzen eingepackt hast - nur, falls ich sie 'vergessen' sollte. Daß Du extra vorbeigekommen bist, um mir die Spritze zu verpassen, weil Du weißt, daß ich es selbst nicht hinkriege. Daß Du Dich einerseits nicht von mir 'bedienen' läßt, wenn Du da bist, sondern, weil Du weißt, wo die Dinge stehen, Dir einfach nimmst, andererseits aber nicht auf eine Art und Weise, die mich nerven würde (nach dem Motto 'ich bin doch hier kein SB-Hotel'). Daß Du mich momentan mit größter Selbstverständlichkeit durch die Gegend kutschst, weil ich gehandicapt bin. Daß Du extra für mich am SA noch einen Zwischenhalt in der Stadt gemacht hast, damit ich das Rezept holen konnte, daß Du meine Tasche trägst weil das mit den Krücken so schlecht funktioniert, daß Du - nach vorherigem Nachfragen - meine Geldbörse aus der Tasche nimmst um meine Sachen an der Tanke zu bezahlen, daß Du meine Tür abschließt wenn Du mich vorhumpeln läßt, daß Du nicht an meiner Kamikaze-Einstellung rummäkelst sondern mich machen läßt wenn ich Dir sage, daß ich das und das so will. Daß Du akzeptierst. Alles nix Großes, aber für mich eine Offenbarung. Ich kann stark sein, ohne daß Du davon eingeschüchtert bist, aber zugleich mich nicht überschätzt. Deshalb habe ich Dir am Sonntag auch gesagt, daß ich fast eingebrochen wäre, denn ich möchte nicht, daß Menschen, die mir nahe sind, mich noch jemals wieder so falsch einschätzen wie mir das in der Vergangenheit passiert ist. Auch Dir ist es fast passiert, denn ich bin eine verdammt gute Schauspielerin und habe mir auch einiges antrainiert - zum Teil schon während der Pubertät. Selbstschutz. Doch ich merke es mittlerweile - und kann deshalb gleich gegensteuern. Will mir keine Maske mehr aufsetzen, keine Rolle mehr spielen die mir nicht passt. Und das Wohltuende ist, daß ich es bei Dir nicht muß.
"Ich mag Dich genau so, wie Du bist." Wäre es mir nicht im vergangenen Jahr genauso gegangen, hätte mich Deine Reaktion erschreckt - doch so habe ich sie so gut verstehen können. Dieses überwältigende Gefühl totaler Akzeptanz, von einem Menschen, der einem wichtig ist, genauso akzeptiert zu werden wie man ist, und daß man gut so ist wie man ist - wenn man das vorher noch nie, zumindest nicht von einer solchen Seite, so bekommen hat, haut einen das um. Ich habe diese Erfahrung machen dürfen, und sie hat mich verändert und sie hat mein Leben verändert.
Das erste Mal seit langem habe ich wieder Hoffnung, auch über den heutigen Tag hinaus. Das erste Mal seit langem gestatte ich mir, die Möglichkeit zu erwägen, in der Zukunft das ein oder andere mit Dir zu tun und zu planen. Und wenn es die Motorradtour nach Wales ist - vielleicht schaffe ich es bis dahin mit dem Führerschein, auch wenn ich nicht weiß, woher ich das Geld zusammenkratzen soll, aber irgendwie muß es gehen. Weil ich es will.
"Vielleicht sollte ich mir Urlaub nehmen, so lange Du noch krankgeschrieben bist." - "Aber Du wolltest doch noch zu Deinen Eltern..." - "Ja, aber das sind ja nur 5 Tage, und ich habe ja noch so viele." - "Aber wieso willst Du denn Urlaub nehmen bloß weil ich krankgeschrieben bin?" - "Weil Du dann noch frei hast. Und weil Du mich vielleicht brauchst." Du hast mir einen großen Platz in Deinem Leben gegeben - 'Du bist die Erfüllung der Freiheit' hast Du mir gesagt. Ja, ich bin frei mit Dir. Ich habe nicht das Gefühl, durch eine Beziehung mit Dir irgendetwas zu verlieren, mich einschränken oder mein Leben ändern zu müssen - und vice versa. Dabei tun wir beide nichts anderes, als einfach nur wir selbst zu sein. Und wir sind beide Menschen, die Freiheit höher als alles andere schätzen.
Manchmal liegt die Perfektion in der Einfachheit.
geschrieben von: Nnordy
... Er wacht auf aus dem Traum, den das Kollektiv träumt
Hat mit seinen alten Vorstellungen endlich aufgeräumt
Ersetzt die Isolation und setzt an ihre Stelle
Die Vision, dass wir eins sind, auf einer Welle
Denn das Leben ist ein Fluss, der fließen muss (Lass ihn fließen)
Und der Krieger sagt entschieden: „Es wird Zeit, dich zu entschließen
Wer du bist, wohin du gehst, auf welcher Seite du stehst
Es wird Zeit, dass du verstehst, dass du am Rad der Zeit drehst
Wir führen einen Fight, die meisten tragen ihn im Stillen aus
Nur das Ergebnis quillt aus ihnen raus"
(Das Ergebnis quillt aus ihnen raus)
Und er kann es sehen, als Krieger fühlt er, es ist existent
Jetzt, da er das Geheimnis kennt, spürt er im
Rhythmus den Zauber der Monotonie
Und Energie wie noch nie ersetzt die Theorie
Und ihm wird klar: Harmonie bringt die Kraft
Sein Traum wird wahr, er hat es geschafft
Jetzt wacht er auf doch sein Traum geht weiter, weil der Zauber wirkt
Er wacht auf, doch sein Traum geht weiter, weil sein Zauber wirkt
Er wacht auf, sein Traum geht noch weiter als der Zauber wirkt
Er wacht auf
Er wacht auf, doch sein Traum geht weiter, weil der Zauber wirkt
Er wacht auf, doch sein Traum geht weiter, weil sein Zauber wirkt
Er wacht auf, sein Traum geht viel weiter als der Zauber wirkt
Er wacht auf und weiß es...
(Die Fantastischen Vier, Krieger)
Den Song gestern das erste Mal seit Jahren wieder gehört. Hypnotisch, kraftvoll, treibend. Pulsierend, so wie mein ganzes Leben derzeit. 'Harmonie bringt die Kraft' - ja. Seit ich mit mir wieder mehr im Reinen bin, habe ich wieder Kraft. Der Akku ist wieder aufgetankt - gerade die letzten zwei, drei Wochen haben ihn extrem aufgetankt. Die Erfahrung zu machen, daß jemand nicht gleich wegrennt, weil ich die - unangenehme? - Eigenschaft habe, relativ schnell sehr nah an Menschen heranzukommen - viele sind damit überfordert, blocken oder rennen schlicht davon. Du nicht. Du bist ein Krieger, wie ich. Wir kämpfen miteinander, und ich weiß, daß wir niemals gegeneinander kämpfen werden, nicht ernsthaft. Spielerisch, o ja. Aber nie wirst Du Dich gegen mich stellen, nicht einmal, um mich vor mir selbst zu beschützen, denn Du weißt, daß ich das selbst tun muß. Krieger ruhen in sich selbst, denn wir brauchen unsere Kraft - und Kraft haben wir beide wiedergewonnen. Du hast mir gestern gesagt: "Ich war früher ruhig, in mir, aber das ist mir über die letzten Jahre verloren gegangen - Du schenkst es mir gerade wieder." Auch Du schenkst mir Kraft und Ruhe - obwohl das, was wir beide tun, alles andere als ruhig ist. Doch ich könnte mit Dir im dichtesten Schlachtgetümmel stehen, randvoll mit Adrenalin, und dennoch wäre ich ruhig, bei mir, und bei Dir. Deine Hand, die sich um meine schließt. Dasselbe wissen, und dasselbe wollen. Kämpfen und zu wissen, daß es die Sache lohnt, daß es die Chance gibt zu gewinnen, und daß wir zusammen noch viel stärker sind als allein.
Auch ich habe die Isolation aufgegeben, als ich erwacht bin. Es dauerte, viel zu lange vielleicht, weil ich nicht in der Lage war, Konsequenzen zu ertragen. Doch in dem andauernden Lernprozeß, dem ich nun ausgesetzt bin und den ich aktiv suche, erlerne ich auch dies zunehmend. Neben der Fähigkeit, offen und ehrlich zu anderen zu sein, meine Bildsprache direkter zu fassen, mir immer wieder neu ins Gesicht zu sehen. Habe begriffen, daß ich mich auch über den Austausch mit Anderen konstituiere, weil ich darüber neuen Input erhalte, vielleicht manche Anschauungen und Meinungen ändere. Und es tut unsäglich wohl, das selbst auferlegte Eremitendasein aufgegeben zu haben und wieder fähig zu sein, sich mit anderen Leuten auseinander zu setzen, ihnen etwas zu geben und auch etwas zurückzubekommen. Und es kommt so wahnsinnig viel zurück, es grenzt fast an ein Wunder. Innerhalb weniger Wochen habe ich meine alte Freundin zurückbekommen, einen altenneuen Seelengefährten gefunden, neue wertvolle Menschen kennengelernt und schließlich, als Startschuß für ein Jahr, das meines werden wird, bin ich dem Gefährten begegnet. Dem Gefährten, der bewirkt, daß mein inneres Feuer wieder heiß und hell lodert, so hell, wie ich es nie für möglich gehalten hätte.
Ich habe das Gefühl, am Ende einer Suche angekommen zu sein. Vielleicht ist es nicht für lange. Vielleicht ist es für so lange, wie meine biologische Existenz noch dauert - lange ist es ohnehin ja nicht mehr. In die grünen Augen meines Seelengefährten konnte ich schauen und sah bis hinab in tiefe Gewässer. Deine blaugrünen Augen, Katerwolfsgefährte, sind erfüllt von einem Strahlen, wann immer Du mich anschaust. Nie zuvor hat mich jemand so angesehen wie Du es tust, mit diesem inneren Strahlen und dieser Wärme, die Dir eigen ist. Ich habe mich eingelassen auf Dich, und spüre mit jedem Wort von Dir, jedem Blick, jeder Handlung und jedem Moment, wie das, was ich für Dich fühle, immer stärker wird. Sich tiefer gräbt, doch ich habe keine Angst. Denn wir sind offen miteinander, ehrlich miteinander, vertrauen einander und ziehen keine Show ab, weil wir endlich jemanden gefunden haben bei dem es nicht nötig ist. Weil Du mich so nimmst und so willst wie ich bin, und umgekehrt. 100% Akzeptanz. 100% Respekt. Diese Art von Respekt kenne ich bisher nur von meinen Freunden, nicht aber von einem Beziehungspartner - bis Du kamst. Ich bin ein Sonnenmensch - und ein bißchen bist Du für mich wie die Sonne. Weil Du mich durchgewärmt hast bis ins Innerste
Mit Dir an meiner Seite ist es mir ein leichtes, wieder zu kämpfen - und ich freue mich sogar darauf. Denn wir sind beide frei, und zu 100% wir selbst. Und das bedeutet, daß die 101% zum Greifen nah sind... Warrior tirelessly rush to battle...
geschrieben von: Nnordy
...Toi qui n'a pas vu l'autre côté, de
Ma mémoire aux portes condamnées, j'ai
Tout enfoui les trésors du passé
Les années blessées
Comprends-toi qu'il me faudra cesser ...
Moi qui n'a plus regardé le ciel, j'ai
J'ai devant moi cette porte entrouverte, mais
L'inconnu a meurtri plus d'un coeur
Et son âme soeur
On l'espère on l'attend, on la fuit même
Mais on aime...
(Mylène Farmer, Innamoramento)
Du hattest Recht. Es ist eher unscheinbar, fast unaufdringlich, doch selten habe ich etwas in dieser Präsenz und Intensität wahrgenommen wie diesen einen Moment gestern. Weder spektakuläre Umstände noch sonstwas, aber dieser eine Augenblick, in deinem Arm, den Blick nirgendwohin gerichtet als auf das Heben und Senken deiner Brust, deinen Atem in meinen Ohren, deinen Herzschlag zu spüren, deinen Geruch in meiner Nase, deine Wärme die mich umhüllt wie noch nie zuvor etwas - und ich konnte es fühlen: 101%. Wir beide komplett wir selbst, und doch in diesem Moment, durch die Nähe die wir teilen, verschmolzen zu mehr als der Summe der Einzelteile. Ein Moment, in dem ich nichts mehr ersehnte, nichts mehr begehrte, denn ich hatte alles, was mir in diesem Moment den nächsten Atemzug ermöglichte. Vollkommen. Glück. Vollkommen glücklich. Perfekt.
Solche Momente sind nur möglich, wenn die Umstände stimmen. Und da mein ganzes Leben derzeit zwar aus den Fugen, aber für mich lebenswert ist, kommt es mir fast schon vor als hätte ich diesen Moment nicht verdient. Aber das sind alte Gedanken, die da am Horizont noch einmal drohend herüberwinken - doch sie haben keine Gewalt mehr über mich. Ich habe sie hinausgeworfen, aus mir und meinem Leben, denn es war immer falsch. Niemand hat es verdient, unglücklich zu sein oder von sich selbst immer nur zu denken, er habe kein Anrecht auf ein bißchen Glück und Wärme. Ich weiß, daß ich diese Wärme nicht immer brauchen werde - ich komme sehr gut zurecht, auch im kalten Universum, denn Menschen wie ich gehören zu Zeiten nur dorthin. Freiheit hat immer ihren Preis, um sie werde ich bisweilen gegen mich selbst kämpfen müssen. Doch nun habe ich mit Dir den Gefährten, dem sie genausoviel wert ist wie mir, der sie genauso hoch schätzt wie ich, und dem in der Vergangenheit genau dasselbe widerfuhr wie mir. Verbiegen bis zur Unkenntlichkeit. Sich selbst verlieren. Eingesperrt werden und sich einsperren, bzw. zulassen daß man eingesperrt wird und damit selbst auch zum Täter werden, zum Verbrecher an sich selbst. Es verbindet uns - und bewahrt uns davor, daß es uns jemals wieder passieren kann, denn wir sind lernfähig. Ich bin hochsensibel geworden, was das angeht, und für mich. Wenn es mir schlecht geht, gibt es dafür fast immer eine Ursache in mir selbst - so Sonntag Nacht, weil ich da mit mir haderte, weil ich wieder in eine Rolle zurückgefallen war. Oder Anfang Januar, als ich im emotionalen Chaos war.
Gestern habe ich und haben wir meinen soulmate wiedergesehen, den ich seit dem Jahreswechsel nicht mehr gesehen hatte. Ich konnte ihn ansehen ohne jenes Kribbeln und Prickeln, was mir zeigt, daß die Entscheidung richtig war, und daß wir es von Anfang an falsch angegangen sind. Wir haben das aufgearbeitet, gestern, und es war schön. Heute Nacht dann noch im Skype eine Stunde lang geschnackt - das ist seit langem das erste potentielle 'Problem', das sich tatsächlich von allein gelöst hat. Seit dem Telefonat letzter Woche ist zumindest emotional bei mir alles ausgeglichen. Ich habe meinen soulmate, der mir in den paar Wochen unheimlich ans Herz gewachsen ist, und mit Dir in meinem Leben ist alles noch ungleich schöner. Und ich habe vorhin bemerkt, daß ich trotz allem nur für mich lebe. Es ist schön, daß es Dich gibt. Es ist schön, daß es meine Freunde und meine zwei Seelenverwandten gibt - doch ich bin ich. 100% ich selbst, bei mir und damit vollkommen zufrieden. Alles Andere - ist fast Luxus. Ist das, was den Akku auftankt. Aber da mir momentan eigentlich nichts mehr Energie ziehen kann, weil ich es nicht mehr zulasse, quelle ich schier über vor Energie, Kraft, Lebensfreude. Es ist wundervoll. 101%. Auf zu neuen Ufern... denn eines gibt es noch, was ich noch immer nicht kenne. Das, was sich hinter jenem Begriff namens LIEBE versteckt, auch, wenn ich mittlerweile zu ahnen beginne...
geschrieben von: Nnordy
... I don't know you,
And you don't know me:
It is this that brings us together.
I don't know what you are
Looking for in me.
I don't know what I want,
But my heart is needing.
Am I yours? Are you mine?
We'll find all we're meant to find...
(Kate Bush - Be kind to my mistakes)
Ich fühle mich als würde ich auf eine Reise gehen, doch nicht länger allein. Wir sind uns an einer Haltestelle begegnet, haben die Koffer abgestellt, uns gemustert und sind über Nacht auf der Bank, in ein tiefes Gespräch versunken, versackt - und nun sind wir aufgestanden, haben in der einen Hand unseren Koffer und mit der anderen die Hand des jeweils Anderen ergriffen. Unsere Finger verschränken sich ineinander, und Dein Griff ist so sanft und dennoch fest. Wir blicken die staubige Straße hinunter, sehen uns um, sehen einander an, und ein Lächeln erscheint auf unseren Gesichtern. Ein fester Druck, und wir rennen los, lachend, über die Straße und hinein in die Weiten der Prärie, dorthin, wo der rote Horizont lockt, wo es vielleicht Bäume gibt und grünes Gras, oder die Weiten des Meeres und das beruhigende Gemurmel der Wellen, oder schneebedeckte Berggipfel und uralte Felsen. Oder auch Betonschluchten und Neonlicht, Asphaltpfade und künstliches Licht. Es ist nicht wichtig, denn wichtig ist nur, daß wir diesen Weg gemeinsam gehen. Ich spüre Dich an meiner Seite, auf gleicher Höhe - Waffengefährte, Kampfgenosse. So viel Kater wie Wolf, genauso wie ich ebenso viel Katze wie Wölfin bin. Auch Du kannst Einzelkämpfer sein, obgleich Du mehr zu Teamwork neigst als ich. Du bist der Praktiker, ich der Theoretiker, und wir beide zusammen können mehr umsetzen als einer von uns allein es könnte. Wir ergänzen uns, und obgleich wir absolut unterschiedlich sind, vergeht kein Moment den wir nicht mit Reden oder Schweigen füllen könnten. Heute Nacht, als wir vom Treffen mit Freunden zurückkamen, machten wir uns noch belegte Brote, weil der Hunger sich dann doch meldete, und als Du in die Küche zurückkehrtest und ich Dich dort stehen sah hatte ich ein Gefühl als sei es schon immer so gewesen und müsse immer so sein. Vielleicht ein Gefühl wie angekommen sein. Ein Gefühl wie gefunden zu haben was man sucht. Ein Gefühl der vollkommenen Sicherheit. Und das Wundervolle daran ist, daß Du es genauso empfindest.
Ich mag Dein Lächeln und Dein Lachen, ich mag Deinen Blick und Dein Gesicht wenn Du ein Badehandtuch vor Dich hältst, ich mag es wie Du Deine Haare zurückwirfst wenn sie Dir im Weg sind und ich mag es, Dir zuzusehen wie Du Dir eine Zigarette drehst. Ich mag es in Deine strahlenden Augen zu sehen und meine Zuneigung für Dich darin gespiegelt zu sehen. Obgleich ich mich 10 Jahre jünger fühle als ich tatsächlich bin bin ich froh daß ich es nicht tatsächlich bin, denn die Gefühlsqualität und Tiefe die ich heute empfinden kann könnte ich nicht ohne meine bisherige Lebensgeschichte und Lebenserfahrung. Ich habe das Spielen gelernt, und ich habe das Kämpfen perfektioniert. Ich hoffe sehr, daß ich vom ästhetischen Einzelkämpfer auch zu einem Teamkämpfer werden kann. Und wenn ich Deine Hand um meine spüre, dann weiß ich, daß es eine Chance gibt. Daß es Kämpfe gibt, die man zu zweit nur gewinnen kann. "Ich lege mich gern fest." - Keine Zwänge. Kein Rechtfertigungsdruck. Vollkommene Freiheit ohne Neid oder Kontrollzwang. Ich vermisse nichts - stattdessen wird mein Leben durch Dich noch reicher, noch bunter, noch schöner. Alles, was ich brauche, kannst Du mir geben - und noch mehr. Vollkommene Nähe. "Ich bin wahnsinnig glücklich." - "Ich auch." Es ist nichtmal eine rationale Entscheidung - es steht einfach fest. An diesem Moment in meinem Leben bist Du wie die wärmenden Strahlen einen wunderbaren Morgensonne. Ich blinzele, noch ein wenig geblendet, denn die Nacht war lang und dunkel, in dieses warme Licht, und spüre, wie mein Ich ebenfalls aus der Nacht heraustritt und den neuen Tag und die Welt umarmt. Ich atme tief ein, fühle Dich an meiner Seite und bin bereit für alles, was kommen mag - von Herzen.
Vielleicht... etwas gefunden. Einen Menschen, bei dem man nach Hause kommt. Einen Menschen, der einen so nimmt und liebt wie man ist. Einen Menschen, bei dem es keine langen Erklärungen braucht, der einen einfach versteht. Verstehen ohne Worte. Liebe ohne Erwartungshaltungen. Einfach Sein ohne dafür kritisiert zu werden. 'Ich denke, also bin ich.' 'Ich bin, also liebe ich.'
geschrieben von: Nnordy
... Memories consume
Like opening the wound
I'm picking me apart again
You all assume
I'm safe here in my room
Unless I try to start again
I don't want to be the one
The battles always choose
'Cause inside I realize
That I'm the one confused
I don't know what's worth fighting for
Or why I have to scream
I don't know why I instigate
And say what I don't mean
I don't know how I got this way
I know it's not alright
So I'm breaking the habit
I'm breaking the habit
Tonight...
(Linkin Park, Breaking the habit)
Musik - wie oft finde ich mich in ihr wieder. Gerade im letzten Jahr, aber auch bereits in diesem noch jungen neuen Jahr begleitet sie mich wieder, mit retrospektiven, aber auch mit fast prophetisch anmutenden Songs. 'Breaking the habit' ist ein solcher Song, der einen Großteil meiner Gedanken und Empfindungen des letzten Jahres widerspiegelt. Ich konstituierte mich nur noch über die Vergangenheit und wußte nicht mehr, wer ich war - aber nach außen hielt die Fassade. Perfekter Schein. Und immer wieder die Zusammenbrüche vor mir selbst, die stummen Schreie, die ungeweinten Tränen, gärende Schuld und gärender Selbsthaß. Fassungslos vor dem eigenen Selbst stehen und sich nicht mehr wiedererkennen. Wer bin ich? Die Frage, immer und immer wieder gestellt und allzu oft vor der Wahrheit davon gerannt. Irgendwann mit dem Rücken zur Wand. Und dann - sanftes Licht, irgendwo am Ende einer scheinbaren Sackgasse. Tausend Türen, tausend Möglichkeiten, tausend Wege. Und doch - so müde. So leer. So schwach.
Ich kann heute nicht mehr sagen, was es letztlich war, daß ich doch irgendwann den Mut gefunden habe, einen Weg zu gehen. Überhaupt wieder zu laufen. In Schlangenlinien, maybe, und mit vielen Schmerzen, nicht nur auf meiner Seite. Mit vielen Irrungen und Wirrungen und Verwirrungen. Aber letztlich war es wohl doch nötig, denn ich habe viel, sehr viel gelernt. Über mich, über die Welt, über Menschen. Über Gefühle und Verstand, über den Preis von Offenheit und den Preis für zu viele Lügen. Über die Schwierigkeit, ehrlich zu sein, und über die Standfestigkeit, die ich brauche, um die Konsequenzen für meine Handlungen tragen zu können. Alles ist Kampf. Doch ich bin eine Kämpferin, immer gewesen, und werde es immer sein. Bisweilen werden auch Kämpfer müde - aber jetzt, wo ich meinen Waffengefährten gefunden habe, stehe ich wieder, stolz und aufrecht, mit dem Schwert in der rechten und dem Schild in der linken Hand, vorn in der ersten Schlachtreihe, bereit für alles, was kommt. Du weißt, daß ich vielleicht ab und an mal vorpreschen werde, wenn es mir nicht schnell genug geht, oder wenn ich eine Chance sehe, eine Lücke. Und Du weißt zugleich, daß ich die durch mich entstandene Lücke nicht zu einer solchen werden lasse, weil ich wieder an die Stelle neben Dir zurückkehren werde, dorthin, wo ich hingehöre. "Ich glaube, da haben sich zwei gesucht und gefunden." - "Ja, das glaube ich auch." Wir mit unserer Sucht nach Nähe. Nie hat es jemand ertragen, daß ich nah rankam. Oder ich bin gegen Wälle angerannt, und mußte irgendwann einsehen, daß, wenn die andere Seite nicht will, ich nicht rankomme. Du bist anders. Du hast keine Angst vor mir, und Du vertraust mir - und umgekehrt genauso. Ich habe nicht eine Spur von Angst vor oder bei Dir - im Gegenteil. Das Gefühl von Sicherheit, daß Du mir gibst, ist eine Quelle unerschöpflicher Kraft für mich.
Manchmal ist es wie ein Traum. So viel komprimiertes Gefühl in so kurzer Zeit. "Liebe ist, wenn man zu lächeln beginnt, sobald man den anderen sieht" sagt Hector. Er hat Recht. Vorhin, als Du mich nach einem schönen Abend zu Hause abgesetzt hast, konnten wir uns erstmal nicht voneinander trennen. Wie hast Du gesagt? "Da sitzen zwei Ü30-Jährige im Auto und können sich nicht trennen wie zwei 16-Jährige..." Ja. Doch so ist es halt - Feuer und Luft paßt gut. Vielleicht bist Du wirklich imstande, Dir nicht die Finger an mir zu verbrennen, sondern meinem Feuer standzuhalten, es Dich wärmen zu lassen, und ihm den nötigen Sauerstoff zu geben ohne Dich selbst dabei zu verlieren. Ja, ich glaube, es könnte sein. Und es gab wieder so einen magischen Moment. Ein Moment, in dem ich wieder bemerkte, wie sich ein Gefühl weiter vertiefte, in dem mir die Worte auf der Zunge lagen und ich doch zugleich wußte, daß es noch zu früh ist, sie auszusprechen. Ja, es ist möglich daß ich so viel 'männliche' Anteile habe wie Du weibliche. Ich wollte ja schon als Kind nie ein Mädchen sein, weil ich Mädchen und deren bevorzugte Beschäftigungen (Klischee: Puppenmutti) doof fand, ich war unsere Bandenanführerin und entwickelte unseren Kriegsschrei, und ich sprang von den Dächern der Blockhütten auf unserem Spielplatz und kannte dabei wenig Angst. Du hast drei ältere Schwestern, die Dir sicher einiges mitgegeben haben. So unterschiedlich wir vielleicht in einigen Belangen sind - wir könnten uns perfekt ergänzen.
Wir nähern uns, langsamen Schrittes, einer Grenze. Es kann eine kleine oder auch eine große dicke Mauer sein, das ist von hier nicht zu erkennen. Ebensowenig, ob wir hindurchgelangen können oder nicht. Aber wir haben, wenn wir es wollen, alle Zeit der Welt. Alle Zeit die uns bleibt. Es gibt keine Zufälle, und das ist gut so.
Es kann nicht nur sein - es wird sein. Um 1 Uhr in der Nacht kann man da wohl von einem Tagtraum nicht sprechen - mein 2. Déjà vu mit Dir. Es gibt eine Chance. Denn wir beide werden den Kampf niemals aufgeben, so lange es eine noch so kleine Chance gibt. Werden die Waffen nie strecken, die Schilde nicht sinken lassen. Wenn es sein muß, nehmen wir es auch mit einer Übermacht auf - wir kämpfen, und wir können gewinnen, denn wir sind uns ebenbürtig. Gleich stark. Gleich schnell. Gleich tapfer und gleich mutig. Und auch auf der emotionalen Ebene spiegeln wir uns, permanent. My warrior.
geschrieben von: Nnordy
... wherever I go
all I see are fools
playing with the fire
Wherever I hide
someone by my side
plays with the fire...
(Ordo Equitum Solis, Playing with the fire)
Dein Anruf, gestern Abend - Du warst endlich dazu gekommen die Mail zu lesen die ich Dir letzte Woche geschickt hatte. Die mit dem Tagebuchlebensfetzen. Und es hat Dich umgehauen - "so etwas hat mir noch nie jemand gesagt". Dabei war es doch nichtmal übertrieben oder Dir Honig ums Maul schmierend, sondern schlicht und ergreifend die Wahrheit. Vielleicht habe ich ein bißchen die Begabung, der Wahrheit ein schöneres Gewand zu verleihen als manch Anderer, weil ich die Menschen liebe. Weil ich Dich lieb habe. Ja, auch das ist etwas von 'offenen Karten' - Du sollst wissen, was ich denke, was ich fühle, damit Du mich auf Dauer verstehen lernst, damit Du nie die Maske siehst oder wenn, sie gleich durchschaust. Ich möchte Nähe, keine Distanz. Und Lügen und Masken bedeuten immer Distanz.
Ich lasse Menschen an mich ran - aber nur bis zu einem gewissen Punkt. Ich bin offen, o ja, vielleicht offener momentan als ich je war, oder sogar ganz sicher offener als je zuvor. Es tut gut, so zu sein. Doch zugleich war ich stets darauf bedacht, meine Grenzen zu wahren - und die hatte ich stets recht großzügig von meinem Inneren weg gesteckt. In gewisser Weise war ich unfair - ich wollte nah an Leute heran, war aber im Gegenzug nicht bereit sie ebenso nah ranzulassen. Und wenn ich es doch mal tat, war mir unwohl dabei, war da sofort die Angst, weil es mich noch verletzlicher machte als ich ohnehin schon war. Doch dann kam mein Gegenpart. Und nun Du. Ja, ich bin offen für Dich, weil Du es umgekehrt für mich bist, und weil ich keine Angst mehr habe. Habe die Angst abgelegt wie ein altes Kleid, das mir nicht mehr paßt, und bin bereit, Konsequenzen zu tragen, die sich einstellen.
Ab und an erhasche ich einen Blick auf jene Lichtgestalt - Radiant Jen-Zi. Ich bin immer noch hart zu mir selbst, zu hart vielleicht manchmal. Aber dennoch mag ich mich. Und kann mir geradewegs in die Augen sehen, ohne mich übergeben zu müssen. Draußen scheint die Sonne, der Himmel hat sich ein blaßblaugraues Gewand angezogen und ich breche auf in einen neuen Tag, der so schön werden kann wie jeder Tag meiner mir noch verbleibenden Zeit hier. Ich freue mich auf ihn. Weil das Feuer durch jeden Tag lodert und brennt und mich so sehr wärmt, daß ich denke, mir wird nie wieder kalt sein.
geschrieben von: Nnordy
... There is no monopoly in common sense
On either side of the political fence
We share the same biology
Regardless of ideology
Believe me when I say to you
I hope the Russians love their children too...
(Sting - Russians)
Einer dieser Songs von denen ich fast vergessen hatte wie stark sie wirklich sind. Die mich immer wieder an den Rand des Flusses bringen. Manchmal tut es gut, sich einfach in die Musik fallen zu lassen und nicht nachzudenken, nicht im Sinn zu haben was jemand denken könnte der einen so sieht, nackt und ausgeliefert all den Gefühlen die über einen hereinbrechen können. "Russians" brach gestern wieder über mich herein. Volle Lautstärke, zusammengekauert im Sessel zu liegen und die letzten 20 Jahre einfach auszublenden, zurück in einer Zeit aus saurem Regen und Atomwolken und Deutsch-Amerikanischer Freundschaftsfeste im Camp Lindsey. Die Erde, regiert von einer Riege machthungriger und zum Teil größenwahnsinniger taktierender Politiker oder rein kapitalinteressierter Wirtschaftsbonzen. Wie wunderbar. Nichts hat sich geändert, gar nichts. Nur die Feindbilder changieren in sich selbst, sind austauschbar geworden wie alles und jeder im Kalkül derjenigen, die ja nur 'das Große und Ganze' im Blick haben. Fuck you.
Manchmal frage ich mich, woher meine Ängste kommen. Denn ein paar habe ich nach wie vor. Wie beispielsweise meine Aversion gegen Gruppen und die ihnen eigene Dynamik. Wohin Gruppendynamik führen kann, führt nicht zuletzt Pink Floyds "The Wall" sehr eindrucksvoll vor Augen - und genau das machte mir Gruppen auch immer suspekt. Ich hatte und habe Angst davor, daß 'es' auch mich vereinnahmen könnte, daß es mir gefallen könnte, daß sich mein Ich auflösen und zu einem folgsamen und willenlosen Lemming unter Lemmingen werden könnte. Lieber nehme ich die Glasscheibe in Kauf, die ewig unbefriedigte Sehnsucht danach, irgendwo 'dazuzugehören'. Die plattgedrückte Nase. Ich habe es heute versucht, dem Gefährten zu erklären, und er hat es angenommen, natürlich. Ich glaube, er sieht auch meinen Punkt, denkt vielleicht sogar darüber nach. Aber verstanden, was meine Angst davor ist, was sie begründet, hat er nicht - wie könnte er. Denn näher 'kennen' tun wir uns ja gerade mal 5 Wochen. Schicksalhaft, jener Heiligabend 2007, vielleicht. Wenn ich mich nach der Pennpause nicht nochmal aufgerafft und doch noch losgefahren wäre, hätten wir uns wohl nicht bis 7.30 Uhr in der Frühe einfach nur unterhalten...
Aber ja - was ich mal so lapidar unter 'Gruppenzwang ist mir zuwider' zusammenfasste ist von einer tiefsitzenden Angst untermauert. Einer Angst vor der ewigen Redundanz der Geschichte und der menschlichen Natur. Hitler, Stalin, Osama Bin Laden. Plakativ und viel zu einfach, vielleicht - aber sie alle hatten und haben ihre Lemminge. Brav bis in den Tod.
Gestern Nacht hatten wir ihn wieder - den magischen Moment. Beide viel zu viel Alkohol im Blut, aber ansonsten hätte sich bewahrheitet, was schon Die Ärzte sangen "Ich weiß nicht wie es geht". Und dankenswerterweise hast Du es zuerst gesagt, denn ich wußte, daß Du den Anfang würdest machen müssen. Vielleicht bin ich in dieser Hinsicht altmodisch. Aber ich war Dir dankbar, daß Du es getan hast, denn dadurch konnte ich es auch aussprechen, und es hat etwas in mir befreit. Mein Herz, vielleicht. Zweimal sind die magischen Worte in der letzten Nacht gefallen, und ich sage es Dir mit jedem Blick, mit dem ich den Deinen umarme, sage es Dir durch die Berührung meiner Fingerspitzen mit Deiner Haut, sage es Dir mit jedem Lachen und sage es Dir sogar, wenn ich mit wackliger Stimme bei 'Russians' mitsinge. Alles an mir sagt Dir, was Sache ist, und obwohl ich nie für möglich gehalten hätte daß so etwas in so kurzer Zeit möglich ist. Dennoch sind Worte schlicht zu klein um nur annähernd fassen zu können was in mir passiert, was da für Dich ist und wächst und blüht und aus mir heraussprudelt, wann immer das Gespräch auf Dich kommt, wann immer ich an Dich denke, wann immer ich Deine Nähe spüre.
Kleine Freuden sind das, was ich mit Dir teile. "Ein ganz normales Leben eben" hast Du heute gesagt. Ich bin nicht normal, mein Leben ist nicht normal, und es soll und muß auch nicht normal sein, denn normal ist mir zu nah an 'Alltag' und daß der nicht nur mich tötet habe ich in der Vergangenheit sehr schmerzhaft festgestellt. Beruhigend ist, zu wissen und zu spüren, daß ich mich geändert habe (die Videospiele haben ihre Allmacht verloren, wenn auch nicht zur Gänze), daß sich mein Leben geändert hat, daß sich meine Erwartungen, die ich nicht mehr habe, geändert haben. Ich habe allem Zukünftigen entsagt, bis auf die paar Déjà vu's, die ich in Bezug auf Dich hatte. Und bin dadurch nicht ärmer geworden, denn dadurch habe ich wieder gelernt, was träumen ist. Habe gelernt, was es heißt, den Moment zu leben und zu genießen. Was es heißt, einen Atemzug zu nehmen. Die paar Meter bis zum Wahllokal am gestrigen Abend mit Dir, meine Hand in Deiner, war ein Gang auf lauter kitschigen Schäfchenwattewolken. In Deinem Arm im Sessel zu liegen und die rationalen Wahlauswertungen zu gucken ohne sich dabei in politische Grabenkämpfe oder 'Du hast doch eh keine Ahnung' Ausschweifungen zu ergießen war, obschon banal, doch zugleich einfach und schön. It's so simple. Und dann haben wir es heute Abend sogar geschafft, Deine Freunde kurz mundtot zu machen, als wir in aller Ernsthaftigkeit kurz skizzierten, wie sich unser Tag zusammengesetzt hatte und warum ich erst um kurz vor 6 im Wahllokal war. Bettfrühstück inkl. Frühstücksei. Badezimmersaunaduschspaß mit Ich-spritz-dich-naß-Garantie. Der fruchtlose Versuch Dir die Tangohaltung zu zeigen. Das - erfolgreiche - Betteln um 'nur noch fünf Minuten...'. Sich anschauen. Sich umarmen. Einander festhalten, so fest, daß niemand mehr weiß wo Du aufhörst und ich anfange. Und dabei doch immer "Nichts muß - alles kann". Wo ich für Dich ein Traum bin, bist Du für mich eine Offenbarung.
"Ihr ergänzt euch gut." sagte mir heute eine Freundin. Und daß Du gut zu mir passen würdest. Letztlich gab es auch den Ausschlag, daß meine beiden besten Freundinnen beide, unabhängig voneinander, zu Deinen Fürsprechern bei mir wurden. Beide sagten, Du würdest zu mir passen, ich solle mich für Dich entscheiden. Und eigentlich war mein Herz ohnehin auch zu diesem Zeitpunkt schon auf dem Weg zu Dir. Vielleicht spürte ich schon, daß mein soulmate mir nicht das würde geben können, was Du mir gibst. Was ich brauche.
4.21 Uhr und mein Selbst springt abermals in tausend Scherben. Es wird ein neuer Morgen kommen und ich werde wieder neu erstehen, neu entstehen, mich neu zusammensetzen, wie jeden Morgen, wie jeden Abend, wie nach jedem mehr oder weniger erfolgreich abgewehrten Angriff. Schon jetzt greife ich wieder nach Schwert und Schild. Ich bin nicht alt, und bis ich des Kämpfens wieder müde werde wird noch einiges geschehen müssen. Jeder neue Tag bietet auch die Chance, mich selbst ein bißchen besser verstehen zu lernen. Jeder neue Tag bietet die Chance, ein bißchen Licht in das Leben jedes Menschen zu bringen, dem man begegnet. Jeder neue Tag beinhaltet die Möglichkeit, der schönste und beste Tag deines Lebens zu werden. Und ich werde der aufgehenden Sonne nichts schuldig bleiben. Nicht heute und nicht morgen. Denn ich bin immer noch auf der Suche. Und irgendwas sagt mir, daß ich nicht eher ruhen werde, bis ich gefunden habe, was ich suche...
geschrieben von: Nnordy
...Trust me
For who I am
Place all your faith
Into these hands
I got nothing to say
But let's stay friends forever
forever
Here I stand and face the rain
I know that nothing's gonna be the same again
I fear for what tomorrow brings
Here I stand and face the pain
Of knowing nothing's gonna be the same again
I fear for what tomorrow brings
Here I stand and face the rain
Knowing nothing's gonna be the same again...
(A-ha, Here I stand and face the rain)
Facing the rain. Facing the pain. I've learnt that lesson, and sometimes it seems that I'm still learning. I got a downbreak, the night before last night. Touched my own face and felt a little bit ashamed - for it was wet, wet with tears. It always hurts when bonds are severed. I'm sure that there's a deeper sense why it happened now, now that I'm so strong. For I'm strong enough to get through it unscathed, oblivious to all the dirty little things they try to throw into my face. Dirty talk and dirty action. You're not the victim, you're the criminal. Don't give me that 'I'm soooo wounded'-talk. You're just another one in the long line of people who try to break me. But I made a vow, some months ago: Never again will anyone have the power to break me. Noone will ever break me again. The only person in this whole damned world with that power - is myself.
So I'm still standing, facing the rain, and it doesn't matter if my face is wet with raindrops or wet with tears. For my inner strength, fueled by a love without boundaries and without borders, is like a warming fire, is like sunshine, is like a never dying fire. You're not nearly man enough to make me break down, to give in, to be the little girl again. I'll give you a nice kick in the ass, and I'll get up and walk out the door without ever looking back. For I'm no longer afraid of what tomorrow brings - no. I'm looking forward to it, and the smile is always getting back to my face. I'll sit opposite you and will smile at you with my honest and happy smile, because I pity you. I pity you and your small and unhappy life, all the lost chances, all the wasted years. My life is a small one, too, and there are problems. But I have, what is worth more than anything else: I have love. I have real love, I am loved by my friends, I am loved by my family, and I am loved by a man who takes me as I am. And I do love in return - I love my friends, my family, and I'm also learning to love the one who knocked so carefully at the great, closed and secured portal to my heart and soul. I overcome my fears, throw them out of myself, and do open the portal, for only in accepting that you can be hurt will you be able to experience true love...
Akzeptanz. Dem Schmerz ins Gesicht sehen und ihn annehmen als Teil von mir. Dem zugefügten Schmerz ins Gesicht sehen und ihn annehmen, akzeptieren daß es so ist und nicht anders und nach vorn sehen und schauen, wie man die Situation positiv beeinflussen kann. Es wird mehr brauchen, um das Feuer und die Sonne in mir auszulöschen, mehr als kleinkarierte Profilneurotiker und plumpe Drohungen, mehr als billigste Rhetorik und durchschaubare Zermürbungstaktik. Ich nehme es an, seufzend, packe es beiseite, denn ich werde nicht zulassen, daß es mir Energie raubt. Zu gegebener Zeit werde ich es wieder hervorholen, lächeln, den Gegner mit zwei schnellen sauberen Schlägen zu Boden schicken und weitergehen. Es gibt so vieles, über das ich mich derzeit freuen kann, und es gibt noch viel mehr, auf das ich mich noch freuen kann. Mag die Zukunft so ungewiß sein wie noch nie - das erste Mal seit langem fühle ich mich wieder geerdet. "Mit Dir ist irgendwie jeder Tag wie Sonntag." Du gibst mir Ruhe, Sicherheit, schenkst mir Dein Vertrauen wie ich es umgekehrt auch tue. Wir spiegeln unsere Gefühle gegenseitig - nichts ist Zuviel und nichts ist Zuwenig. Kein Eiertanz, keine zurückgehaltenen Informationen, sondern offene Karten.
Im letzten Jahr sagte mir jemand, das Geheimnis sei, aus dem Fallen ein Fliegen zu machen - jetzt weiß ich was er meinte. Völliges Vertrauen. So lang Du da bist werde ich nicht fallen, so lang Du da bist bin ich so stark wie nie zuvor, so lang Du da bist kann mich nichts so leicht erschüttern. Es reicht, daß Du einfach nur da bist, daß Du bist wie Du bist. Es ist wie ein beständiger Energiestrom und -austausch zwischen uns. Mein Akku ist voll aufgeladen, ich könnte 1000 Dinge tun (naja, nur 999 weil mein Bein momentan nicht so will wie ich), der Himmel ist blauer, die Sonne scheint heller und wärmer, die Nacht ist tiefer und sanfter.
Ja, ich freue mich auf die Saison, ganz unabhängig von allem anderen. Ich freue mich darauf, mit Dir in die Schlachten zu ziehen, ich freue mich darauf genauso dämlich auszusehen wie der Rest mit seinen 'Babyhauben', ich freue mich darauf mit Dir durchs Gras zu kullern nachdem ich vergeblich versucht habe Dich umzutackeln, ich freue mich darauf Wache zu stehen und dabei nicht einzuschlafen, ich freue mich darauf mit D. durch die Lager zu streunen, und ich freue mich ganz einfach auf alles was kommt. Auf den Motorradführerschein, die Motorradtour, auf Freiburg, Offenburg, auf das Schwertkampftraining, auf David vs. Goliath, auf den möglicherweise bevorstehenden Umzug, auf Nächte die zum Tag werden und Tage die man im Bett verbringt oder draußen, auf gemütliche Runden und Parties, auf Risotto-Shisha-was-ist-Ambient-Industrial-Abende, auf Wie-steppe-ich-einen-Gambeson-richtig-ab Sessions und Juggertraining, ich freue mich weil ich ganz viele Dinge tun werde vor denen ich früher immer Angst hatte. Doch nun lebe ich angstfrei, und das tut unsagbar gut.
Ich sehe eine Gestalt meinen Weg entlang kommen, auf mich zu, und ich lächle, als ich sie erkenne, denn sie flüstert mir ihren Namen ins Ohr, als sie vor mir steht und mich endlich in die Arme nimmt. Je suis enchantée, Mademoiselle Amour...
geschrieben von: Nnordy
... Mon amour, mon moi
Je sais qu'il existe
La châleur de l'abandon
C'est comme une symphonie...
(Mylène Farmer, California)
Endlich angekommen. An dem Punkt, an dem ich mein Selbst nicht mehr über irgendwelche Krücken oder Äußerlichkeiten definieren muß. An dem Punkt, an dem ich einfach BIN. Sein. Im Unterschied zu bloßer Existenz nicht nur auf das bloß Biologische und ein bißchen Denken reduziert, sondern Sein, gegenwärtig sein auf allen Ebenen, biologisch, mental, seelisch, geistig. Nicht mehr Ausgeliefertsein äußeren Zwängen oder den eigenen unverstandenen Affekten oder Gefühlen, sondern durch die vorhandene Akzeptanz, den inneren Frieden, immer mehr Möglichkeiten alles zu beeinflussen. Ich falle nicht mehr in alles hinein, was kommt, völlig hilflos - wenn ich mich fallen lasse, dann als bewußte Entscheidung. Und dann ist Fallen wie Fliegen.
Wir sitzen auf einer alten Steinmauer hoch über den Dächern der Stadt, schauen hinaus über die weite Ebene, Sonne, Mond und Sterne über uns und grüne Wiesen, gelbe Felder, graue Häuser und das Schieferblau des Flusses unter uns. Die Zeit hat keine Macht über uns, gestern nicht, heute nicht, morgen nicht. Mit Dir ist jeder Tag wie Sonntag und jede Nanosekunde wie die Ewigkeit.
Wir sitzen auf der Mauer, haben die Helme abgenommen, die Schilde angelehnt und die Schwerter in die Scheiden zurückgesteckt. Atempause. Wir sitzen hier oben, Hand in Hand, lassen den Atem zu den Sternen fließen, teilen abermals die gleiche Luft. Mit dem Daumen fahre ich sanft die Wellen, Risse und Schwielen deiner Hand ab, ziehe die Linien nach, jeder Quadratzentimeter verrät den Kämpfer in Dir, den festen Willen der Dir innewohnt, und die unglaubliche Stärke die Du besitzt. Du drehst den Kopf, um mir in die Augen sehen zu können, und das ist wieder jener Blick, in dem so viel Gefühl liegt, daß es mich oft hinwegzufegen droht wie ein Hurrican. Du siehst in mir nicht nur die Frau, nicht nur den Menschen, Du siehst auch die Kämpferin, Du siehst die Katze und Du siehst die Wölfin. Du siehst die Löwin und Du siehst auch die Dramaqueen, Du siehst die Schauspielerin und die Reste des kleinen Mädchens, Du siehst alles was ich war, alles was ich bin und alles was ich sein werde. Und so geht es mir mit Dir und mit Deinen Bergsee-Augen - ich sehe den Kater, sehe den Wolf, den Jungen und den Mann, sehe Deine Schatten und kann die Abgründe erahnen, ich sehe den Kämpfer und den Bedächtigen, ich sehe die Rüstung um die Schläge einstecken zu können und dahinter, halb verdeckt, den wuchtigen Anderthalbhänder mit dem Du ebenfalls austeilen kannst, wenn man Dich zu sehr in die Enge treibt. Ich sehe den Baum, aber ich sehe genauso den Engel. Du siehst mich an, und mir wird warm, und ich sehe zurück und wieder ist es, als seien wir zwei Spiegel füreinander. Die Welt um uns herum wird egal, ob es Tag oder Nacht ist wird egal, dann gibt es nur noch Dich und mich und das, was zwischen uns wächst.
Wieder verschränken sich unsere Hände ineinander, mit dem festen Druck, wie er uns eigen ist. Über uns jagen die Wolken über das Firmament, unter uns glitzert der Fluß in der Morgensonne, der Wind rauscht sanft in den Baumwipfeln, die bald wieder grün sein werden. Ein kurzer Blick über die Schulter, um sich zu vergewissern, daß wir allein sind - und dann öffnen wir beide, für den einen kurzen und dennoch so entscheidenden Moment, die Brustplatte. Aus Dir und aus mir überstrahlt für einen Augenblick ein unglaublich helles Licht die Szenerie, übergießt uns und die Mauer und löscht kurz alle Schatten aus, streckt sich weiter und weiter und selbst als die Scharniere wieder einrasten und die Platten wieder an Ort und Stelle sitzen wird es seinen Weg fortsetzen, denn es ist so frei wie wir es sind. Unsere Gefühle füreinander sind mehr Schwert, mehr Schild und mehr Rüstung als alles andere je sein könnte, und wenn wir noch einen Beweis gebraucht hätten, dann wäre es jener magische Moment gewesen, in dem es so hell wurde, Samstag Nacht.
Ich lächle Dich an. Ich kann es endlich glauben. Du bist nicht nur Kampfgefährte - Du bist auch Geistgefährte. Und zusammen sind wir unschlagbar. Nie hätte ich gedacht, daß ich nach so kurzer Zeit so würde fühlen können wie ich es nun für Dich tue. Nie hätte ich geglaubt, daß ich zu solchen Gefühlen fähig bin.
Unsere Lippen treffen sich, und in diesem einen Kuß kann alles liegen was wir füreinander empfinden. Feuer.
Hinter uns - das Trampeln schwerer Stiefel. Wir nicken uns kurz zu, ziehen die Helme wieder auf, die Handschuhe an. Leichtfüßig springe ich von der Mauer, nehme den Schild wieder auf, und sehe aus den Augenwinkeln wie Du es mir synchron gleichtust. Abermals ein Blick, mit dem wir uns alles sagen, was notwendig ist. Ein belustigtes Lächeln erscheint auf unseren Gesichtern, als wir der Gegner ansichtig werden. Diesmal sind sie wegen mir hier, und sie könnten einem fast leid tun, denn sie werden nicht wissen, was über sie gekommen ist. Parallel ziehen wir die Waffen, nehmen die Schilde hoch, verankern die Füße fest im Boden und lassen sie einfach vergeblich gegen ein Bollwerk aus purer Kraft anlaufen...
Ta gra agam ort, Katerwolfsgefährte...
geschrieben von: Nnordy
Manchmal ist doch noch eine leise Angst in mir, die das Atmen etwas schwerer macht. Die Angst davor daß, weil es mir so wahnsinnig gut geht, ich so glücklich bin obschon mein kleines Leben voller Probleme ist, gleich schon der, die oder das nächste vor der Tür steht um mir ins Gesicht zu treten. Es sind Überreste aus vergangenen Zeiten, in denen ich dachte, ich hätte es nicht 'verdient', glücklich zu sein. Oder ich müsse immer einen Preis zahlen - für jeden guten Moment einen schlechten. Am besten in doppelter Ausfertigung, nur um sicherzugehen. F*** off. Ich lebe endlich, endlich so wie es mir gefällt, ich habe alle Möglichkeiten, ich kann selber gestalten und wo ich mich früher in Fantasywelten flüchten mußte um wenigstens einmal im Reinen mit mir zu sein ist mir heute das 'reale' Leben wesentlich lieber.
Leben ist toll und wunderschön und kompliziert und gemein. Aber es lohnt jede Sekunde, zu atmen. Jede einzelne. Endlich kann ich den Augenblick genießen, denn jeder einzelne ist es wert.
Die Angst darf noch ein bißchen bleiben, doch sie wird sich irgendwann verdünnisieren oder ich werde sie rauswerfen. Fürs erste darf sie als Reminder dafür bleiben, wie ich mich selbst konditioniert habe.
Es ist ein blaßgrauer Tag, doch ich denke an das, was ich heute morgen spüren durfte, und wieder werde ich von dieser unvorstellbaren Wärme überflutet. Und ich weiß: Mir wird nie wieder kalt sein.
geschrieben von: Nnordy
"Unter dieser Maske befindet sich mehr als nur Fleisch und Blut. Unter dieser Maske befindet sich eine Idee. Und Ideen sind kugelsicher!"
(aus: V for Vendetta)
Manchmal muß ich mir ins Gedächtnis zurückrufen, wofür zu kämpfen es sich lohnt. Manchmal brauche selbst ich die Gewißheit, daß es immer die Aussicht auf Erfolg, auf den Sieg gegen die Ungerechtigkeit gibt, selbst wenn sie noch so klein ist. Manchmal brauche ich eine archetypische Gerechtigkeitsdarstellung, um nicht den Mut zu verlieren. Denn in einer Welt wie unserer, wo man sich als 'Normalsterblicher' oft machtlos und ausgeliefert vorkommt, gibt es dennoch winzige Nischen, in die alle Staatsgewalt und alle Systemmechanismen nicht vorzudringen vermögen. Unsere Ideale. Unsere Ideen. Unser Selbst. Das sind Dinge, die man uns nicht wegnehmen kann, weil wir es nicht zulassen werden. Mein Kämpfer und ich.
Sie versuchen es bei Dir nicht so stark, denn Du bietest ihnen, im Gegensatz zu mir, keine große Angriffsfläche - irgendwie bekommst Du es besser hin. Doch ich bin wohl zu sehr Alpha-Wölfin, zumindest wenn es um mich und meine Ideale geht. Und wenn mich jemand dahingehend angeht, halte ich dagegen. Mich wird niemand brechen, und es wird mich auch niemand in die Knie zwingen. Ich stehe wo ich stehe, und dort werde ich stehen bleiben, denn ich bin ich, und ich halte an meinen Idealen fest. Und ich spüre Dich neben mir, reassuring, fühle wie Du die Lücke zwischen uns beiden schließt, Dein starker Arm an meinem. Dann kann ich kurz die Augen schließen, einen tiefen Atemzug nehmen, und die Ruhe, die Du mir gibst, verbindet sich mit dem Feuer in mir wie Sauerstoff, sie macht mich stärker, fester, gibt mir den festen Stand den ich so nötig brauche für das vor mir liegende Stück des Weges. Und daher kann ich mich darauf freuen. Ich werde weiter daran wachsen, werde mich entwickeln können. Leben bedeutet Veränderung, Entwicklung, nicht Stillstand. Welch eine glückliche Fügung des Schicksals, daß wir beide Menschen sind, die das genauso sehen, die mit wenig Sicherheiten leben können und niemals aufgeben, egal wie schlecht die Aussichten sein mögen. Und wenn wir müde werden, wacht einer über den Anderen, hält Alpträume und böse Gedanken fern, bis der Morgen kommt.
Absolutes Vertrauen - und gerade deshalb absolute Nähe. Außer meine engsten Freunde habe ich niemals jemanden so nah herangelassen wie Dich - nicht, weil ich es nicht gewollt hätte, sondern weil ich es nicht konnte. Dazu muß ich absolutes 100%-iges Vertrauen haben, und Du bist ein Mensch, der so durch und durch ehrlich und aufrichtig ist, daß ich genau weiß, daß Du mein Vertrauen niemals mißbrauchen wirst. Eher friert die Hölle zu, als daß das geschieht. Und umgekehrt bemerke ich, daß ich zwar nach wie vor noch dazulernen muß, doch daß es mir keinerlei Probleme bereitet, ganz und vollkommen offen zu Dir zu sein, und das tut wahsinnig gut. Vor allem weil ich die Erfahrung mache, daß das nicht etwa sanktioniert oder in anderer Art und Weise mißbilligt wird, sondern daß es für Dich überhaupt kein Problem ist, auch wenn es Planungen sind die Dich nicht miteinbeziehen.
Ich glaube, daß es diese beiden Komponenten aus Nähe und Vertrauen sind, die uns schon so weit diesen Weg hinuntergebracht haben. Wir stehen auf einem ersten kleinen Berggipfel, im goldenen Licht der Morgensonne das unsere Schatten hinter uns wirft, und schauen auf das weite Land vor uns, das in beständiger Veränderung begriffen ist, das 1000 Wege vorweist, 1000 Orte, 1000 Möglichkeiten. Wieder schauen wir uns nur stumm an, Sternfunkeln in den Augen, und wieder verschlingen sich unsere Finger ineinander und wir rennen los, hinein in die Fülle der Chancen aus buntem Leben, und unser Lachen hallt von als Echo von den Bergwänden wider und vermischt sich mit dem Gesang der Vögel, dem Murmeln der Flüsse und dem Rauschen des Windes zur Melodie des Universums. Und während wir rennen, küsst uns der sanfte Hauch der Ewigkeit und schenkt uns tausendundeine Chance...
geschrieben von: Nnordy
Wie unterschiedlich doch das sein kann, was man an 'Selbstverständlichkeit' ansieht. Was 'normal' ist. Ich muß noch - oder wieder - so viel lernen. Manchmal ist es, als würde ich das erste Mal in meinem Leben die Augen wirklich aufmachen. Staunend und mit kindlicher Freude betrachte ich die Welt, den blauen Himmel, die warme goldgelbe Sonne, die noch kahlen Bäume, das Schmutziggrün der Wiesen, die krakeelenden Fellknäuel. Ich öffne mich und meine Sinne strecken sich aus, ich kann wieder fühlen wie mir Freundschaft, Verständnis und Wärme entgegengebracht wird, kann wieder Momente der Nähe mit Menschen die ich mag teilen, und fühle mich warm und sonnig. Sonne und Mond. Tag und Nacht. Sie sind so, wie ich bin, in mir stets dualistisch, doch nicht mehr im Kampf damit. Viel zu lange habe ich mit mir selbst und meinen vermeintlichen Unzulänglichkeiten gehadert, habe ich nicht verstanden wieso ich bin wie ich nunmal bin. "Menschen können sich nicht ändern" sagte mir meine Freundin einmal. Sie hatte Recht. Menschen können sich in ihrem Kern niemals ändern - denn dann wären sie auch nicht mehr der Mensch, der sie eben sind. Man kann in der Peripherie etwas ändern, aber niemals im Kern. Wer das versucht, wird entweder scheitern - oder sich selbst zerstören. Ich bin wie Sonne und Mond, aber nicht mehr wie Feuer und Wasser, sondern wie Feuer und Luft. Feuer braucht Sauerstoff um zu leben.
"Für Deine Worte und Bilder bräuchtest Du einen Waffenschein." Mein unvergleichlicher Katerwolfsgefährte. Ich schenke Dir meine Worte und die Bilder die ich damit male, weil Du sie inspirierst. Weil ich dank Dir fühle wie ich fühle, sehe was ich sehe, höre was ich höre. Es ist wie nichts, was mir je zuvor passiert ist. Das liegt mit Sicherheit auch daran, daß ich nie in meinem Leben so offen war wie jetzt. Genau wie Menschen sich entwickeln und verändern so können sich auch Gefühle entwickeln und verändern. Das, was ich früher Liebe nannte, ist nicht mehr das, was ich heute so nennen würde. Wie sagtest Du gestern? "Ich habe noch nie erlebt daß diese drei Worte dem, was ich fühle, so wenig gerecht wurden, daß sie viel zu klein dafür sind." Und Du hast damit das in einfache prägnante Worte gefasst wonach ich so verzweifelt suchte und rang - das, was ich fühle, ist auch mit den drei magischen Worten nicht mehr beschreibbar, weil es viel, viel größer ist. Es überwältigt mich schier, hüllt mich ein in eine große warme sanfte Wolke aus lauter Licht und Wärme, fließt in mich hinein und läßt mich wachsen, gibt mir Kraft, richtet mich auf wenn ich drohe, wieder einzuknicken. Wir können Stunden damit zubringen, über das zu sprechen, was in uns passiert, ohne daß es peinlich oder überkandidelt wird oder erscheint, denn alles ist echt. Nichts gespielt, nichts überzogen. Offen und ehrlich. "Wenn ich Dich sehe oder nur an Dich denke, fange ich an zu lächeln. Ich bekomme das Lächeln gar nicht mehr von meinem Gesicht herunter." Ich konnte nicht anders als Dich einfach nur anstrahlen. Hector sagt: 'Liebe ist, wenn man zu lächeln beginnt, sobald man den anderen sieht.' Er hat, wie so oft, recht. Du zeigst mir, was ich Dir gebe, und umgekehrt zeige ich Dir, was Du mir gibst. Dazu braucht es weder Blumen noch mußt Du für mich kochen oder mich auf Händen tragen. Du hast mir das größte Geschenk gemacht, was Du machen konntest: Du hast mir dein Vertrauen geschenkt. Und deine Liebe. Und genau das Gleiche schenke ich Dir, weil ich es will, nicht weil ich es muß.
Du bist stark, so stark wie ich. Und deswegen kannst Du Dinge zulassen, die andere Männer nicht zulassen könnten. Du kannst deine Gefühle mir gegenüber zeigen ohne deshalb ein Weichei zu sein, weil Du zu Dir stehst und Dich dessen nicht schämst was in Dir ist, und das unterscheidet Dich von vielen Anderen deiner Spezies. Auch ich zeige meine Gefühle, zum einen weil ich sie nicht verstecken kann, zum anderen weil ich es nicht will. Nur Leuten gegenüber die mich angehen kann ich ganz kalt werden, absolut kühl, dann kommt mein Pokerface zurück und ich werde undurchsichtig. Auch das mag ich mittlerweile an mir - ich kann es, wenn ich will. Und ich will es.
"Bei uns geht es immer nur bergauf. Das ist zwar schwieriger, aber dafür wird die Aussicht auch immer besser, je höher man kommt." Du hast Recht. Ich kann mir nicht vorstellen, daß es mit Dir je bergab gehen könnte. Und ich habe das Gefühl - genau wie Du - daß wir zusammen absolut unschlagbar sind. Man kann uns verwunden, ja - aber man kann uns nicht schlagen. Ich kann deine Kämpfe nicht für Dich ausfechten - das mußt Du selber tun. Aber ich kann mich kurz vor Dich stellen, wenn Du eine Atempause brauchst. Werde die Schläge abwehren, die Dir gelten, unerschütterlich, unverrückbar, bis Du mir zu verstehen gibst daß Du den Kampf selbst wieder aufnehmen kannst, und dann werde ich an meinen Platz an deiner Seite zurückkehren und dort weiterkämpfen, gegen meine Dämonen und meine Ängste und meine Probleme, die es gibt, doch ich werde immer stärker sein. Wir verleihen ihnen die Macht, die sie über uns haben - doch man kann sie ihnen auch wieder nehmen. Du hast es geschafft, daß ich angstfrei geworden bin. Ich habe keine Angst mehr, vor nichts und niemandem. Ich fühle mich wohl in meinem kleinen bunten chaotischen Leben, und ich freue mich, daß Du ein Teil davon geworden bist. Daß Du eingetreten bist durch das große schwere Doppelportal, hinein in die staubige, doch lichtdurchflutete Vorhalle mit den vielen Bildern an den Wänden, dem großen Schiff das mittendrin steht, und der großen Freitreppe die auf die Empore führt von wo aus unzählige Treppen in die Winkelzüge meines Ichs führen. Es gibt dunkle Hintertreppen, wackelige Holzleitern und steinerne Wendeltreppen, es gibt Dachstiegen und hier und da mag es gar nur eine Strickleiter sein, die weiterführt. Es gibt keine verriegelten Türen mehr, denn ich habe überall Fenster und Türen aufgerissen und Sonne und Luft und Leben reingelassen, in meine türmchenbewehrte Villa Kunterbunt. Und umgekehrt hast Du mich eintreten lassen durch die riesige stabile Eichentür mit den schlichten aber schönen Intarsien, und vorsichtig bin ich in den dunklen Flur getreten, der immer weiter und größer wird je länger ich staunend liebend dort stehe. Unzählige Türen unterschiedlicher Größe und Form, eine unendliche Anzahl von Gängen erstreckt sich rings um mich, und vielleicht werde ich fürs erste einfach mal den graugetigerten Kater verfolgen, der mir um die Beine gestrichen ist und nun auffordernd in einen von Fackeln erhellten gemauerten Gang läuft.
Ich sagte es Dir: Ich erlebe mit Dir 101%. Weil ich ganz ich selbst sein darf, ohne Maske, ohne Kostüm, weil ich nicht darauf warte daß Du mich glücklich machst sondern weil ich schon glücklich bin und war, bevor Du in mein Leben kamst. Und genau deshalb mußt Du mich nicht glücklich machen, denn ich bin es bereits, und mit Dir ist deshalb alles noch dreimal schöner und besser und wundervoller als es ohnehin schon ist. Wir sind beide 100% - und zusammen sind wir 101%. Es schien immer unerreichbar fern - doch manchmal liegt die Perfektion eben in der Einfachheit.
Du sitzt auf dem Floßrand und läßt die Beine ins Wasser hängen, ich sitze neben Dir und lache, weil es an den Zehen kitzelt. Du siehst mich an, und beginnst dann damit, mich zu zwicken und zu sticheln, bis ich mich vor Lachen auf dem Boden kugele und Dich mitziehe, und so rollen wir lachend über Deck, schmeißen dabei den Wassereimer um und werden erst durch die Taurolle gestoppt, die fein säuberlich zusammengerollt auf der Ecke liegt. Deine Silhouette zeichnet sich gegen das helle Sonnenlicht ab, als wir beide aufhören zu zappeln, und als dein Gesicht sich meinem nähert, ist es, als steige ein Engel zu mir herab. Deine wunderschönen Bergseeblaugrünen Augen blicken mich sanft und voller Wärme und Feuer an, und ich halte den Atem an, denn kurz wird mir ein weiterer Blick in die Zukunft gewährt, wie ich schon einige mit Dir hatte. In allen davon ist Lachen, Wärme, Leuchten. Und das eine Wort mit 'L', das uns gerade viel zu klein erscheint für das, was zwischen uns ist und wächst und wächst. Und während der Fluß um uns herum rauscht, ab und an die Wellen über den Floßrand schlagen, erwidere ich deinen Blick mit derselben Sanftheit und Wärme und dem Feuer, und jederzeit können unsere Augen kurz aufblitzen und dann sind wir wieder Kater und Katze oder Wolf und Wölfin. Für jetzt reicht es, einfach zu sein, Dich anzuschauen und Dich zu umarmen. Deine Arme um meine Mitte zu spüren, meine Arme um Deinen Nacken zu legen, und wenn sich unsere Lippen berühren wird die Sonne noch dreimal heller und die Welt noch fünfmal egaler. Feuer brennt. Wasser fließt. Wind bläst. Erde rieselt. Und zwischen uns fließt - die pure Energie dessen, was uns verbindet, gestern, heute und an jedem Ort an dem die Zeit ihre Macht verliert...
geschrieben von: Nnordy
... I don't go out
Out in the cold
I don't go out
Out in the dark
Too tired to move
Too tired to die
Living in a nightmare
Day by day...
(Deine Lakaien, Colour-ize)
"Du gibst Dir schon automatisch und immer die Schuld für alles Mögliche, oder?" Ja, Katerwolfsgefährte. Auch wenn ich es vielleicht nicht immer ganz ernst meine oder bloß möchte, daß mir jemand widerspricht, mich meiner selbst wieder versichert. Ja, immer bin ich schuld. Es wurde mir zu häufig so suggeriert, und schon früh im Leben habe ich gelernt, die Schuld zunächst mal bei mir zu suchen. Wenn ich nirgendwo dazugehörte, wenn ich immer ein bißchen außerhalb stand, dann deshalb, weil etwas an mir komisch und falsch war, und nicht an den Anderen. Irgendwie war ich schon immer ein Freak, und ich bin es heute noch. Ich war 'schuld' an der Glasscheibe, ich war schuld wenn Dinge nicht funktionierten, ich war schuld daß das Wetter schlecht war, die Laune mies, das Essen schlecht. Immer und an allem war ich schuld. Es ist tatsächlich ein Automatismus geworden, ein Selbstläufer, automatisch greife ich danach und ziehe mir diesen alten, häßlichen und ausgelatschten Schuh an: "Es tut mir so leid, ich bin schuld..." Nein, ich bin nicht immer schuld - aber ich bin krank. Krank, weil ich diesen Scheiß allen Ernstes teilweise immer noch glaube. Ich habe die Nase voll von diesem Sündenbock-Mist. Und ich bin auch nicht Atlas. Vielleicht glaube ich es irgendwann mal selber - in der anderen Richtung hat die Konditionierung ja auch funktioniert...
Wir haben die Tickets gebucht. Ich kann es selbst noch kaum glauben - endlich werde ich London sehen. Die Themse und Big Ben. Du hast es gestern so treffend gesagt: "Mit Dir mache ich endlich so viele Sachen, die ich schon immer tun wollte." Wir frühstücken mitten im Winter auf dem Balkon oder gehen ein Eis essen. Wir buchen Flugtickets und haben noch nicht mal die Konzertkarten. Wir verleihen unsere Karren bevor sie jemand braucht weil uns eine zusammen reicht. Eine Freundin fragte schon halb scherzhaft: "Und, wann zieht ihr zusammen?" Lachen. Auch wenn es da eine Idee gibt, die aber noch an anderen Sachen hängt. Es wird sich weisen, doch das, was uns da gerade passiert, ist einfach so unbeschreiblich und so unglaublich RICHTIG. Je mehr ich von Dir erfahre, je länger ich Dich ansehe und je intensiver ich Dich spüre umso mehr weiß ich daß wir Zeit haben werden. Vielleicht alle Zeit der Welt - ich würde es mir wünschen. Wer mich ansieht, bemerkt, daß ich glücklich bin. Nach fast 6 Wochen haben wir gestern Abend das erste Mal für eine knappe Stunde zusammen auf der Couch gelegen und fern gesehen - wieder mal etwas scheinbar so Banales, doch wie alle Zeit die ich mit Dir teile ist selbst das wunderschön. "Wenn ich Dich bei mir habe wird alles andere ausgeblendet und völlig egal." Es ist die Fokussierung und Komprimierung von wahnsinnig viel Gefühl - und ganz oft sehen wir uns an und haben beide die gleiche fassungslose Freude ins Gesicht geschrieben - daß wir einen solchen Menschen gefunden haben, einen Menschen von dem wir glaubten daß er nur im Traum existiere. Augenhöhe. Freiheit. Vertrauen. Stärke. Offenheit. Ehrlichkeit. Anziehung. Leidenschaft. Selbständigkeit. Durch Dick und Dünn. Freundschaft. Verbundenheit - auf allen Ebenen. Du bist alles. Du bist nicht mein Leben, aber Du machst mein Leben schöner. Bei Dir darf ich nach Hause kommen, und egal was ich mit Dir tue - es ist selbstverständlich, es muß und kann nur so und nicht anders sein, und es ist nicht auf eine spießbürgerlich-sichere Art selbstverständlich, sondern es ist so selbstverständlich wie Wölfe zusammen jagen. Es ist wunderschön selbstverständlich, weil es - so wie alles - einfach ist. Gestern hast Du Wäsche aufgehängt und ich habe währenddessen die Frühstücksutensilien an ihre Plätze geräumt, die Spülmaschine eingeräumt und die Brettchen abgewaschen. Du vertraust mir - und umgekehrt. Und das mir, wo ich doch schon dachte, man könne mir wohl einfach nicht vertrauen - tat ich es doch selber nicht.
Ein leiser Wind ist aufgekommen und zerzaust deine Haare. Ich greife nach ihnen, lasse die langen seidigen Strähnen durch meine Finger rinnen wie Wasser, spüre sacht wie geschmeidig und glatt sie sind. Zart fahre ich die seitliche Kontur deines Gesichts nach, lasse meine Fingerspitzen über deinen Hals hinunter zu deiner Brust wandern. Wir haben die Balance zwischen diesen Momenten, in denen wir scheinbar schutzlos ohne Rüstung sind, und den Zeiten, in denen wir die Rüstung brauchen. Wir liegen im hohen Gras, die Gesichter der Sonne zugewandt, um uns herum Vogelgezwitscher und Bienengesumme und Grillengezirpe, den Geruch von Sommerwiese in der Nase. Es gibt ihn - den vollkommenen Frieden im vollkommenen Moment. Die Zeit hinter dem Schlachtenlärm und dem Schmutz und dem Blut, hinter dem Getöse und der ständigen Präsenz des Gevatters am Rand der Wahrnehmung. Es ist nur eine Zwischen-Zeit, aber dennoch eine kleine Ewigkeit, denn die Ruhe, die uns beiden in der Gegenwart des jeweils Anderen zuteil wird, lässt die Zeit nahezu einfrieren. Der vollkommene Moment, in dem ich Dich, mit geschlossenen Augen und jeder einzelnen Faser meines Körpers spüre, wo wir Arm in Arm nebeneinander liegen und dennoch so voneinander durchdrungen sind daß niemand mehr würde sagen können wo Du aufhörst und ich anfange. Die Potenzierung zweier Ichs zu einer nanosekündlichen Symbiose, die eine gewaltige Kraft freisetzt. Supernova.
Am Ende der Zwischenzeit werden wir ohne Eile aufstehen und einander in die Rüstung helfen. Vielleicht ist es dann die Zeit für Katana und Wakizashi auf meiner Seite, und Du wirst mit Einhänder und Turmschild dafür sorgen daß mein Schutzengel keine Überstunden leisten muß. Zusammen sind wir unschlagbar. Und wir werden einander in die Augen sehen und uns auch ohne Worte verstehen, und wir werden niemals müde werden, so lange es noch Kämpfe auszufechten gibt und so lange die Zwischen-Zeiten auf uns warten. Wir sind Kämpfer, Krieger - es ist unsere Natur und wohl auch so etwas wie eine Bestimmung. Wir tragen die gleichen Narben, und das gleiche Feuer im Herzen. Paralleler Herzschlag. Parallelatmung. Parallelgefühl. Alles, was ich für den nächsten Atemzug brauche, ist der Blick in Dein offenes Gesicht und in Deine wunderschönen Bergsee-Augen, und Zeit und Tod haben nie Macht über mich besessen...
geschrieben von: Nnordy
"Fernbeziehungen sind sowieso Scheiße." Du sprichst aus Erfahrung, das weiß ich. Selbst ich hatte so etwas wie eine 'Fern-Irgendwas' im Anfangsstadium, obwohl der Grünäugige und ich nicht weit voneinander weg wohnen. Aber die Distanz schuf er, und der Job. Und dadurch waren wir weiter voneinander entfernt als es 500 km physikalische Wegstrecke geschafft hätten. Ja, Fernbeziehungen sind nicht schön. Sie sind anstrengend. Aber sie können auch gerade wegen der Entfernung manchmal ungleich intensiver sein als 'normale' Beziehungen. Müssen sie aber nicht.
"Ja, Fernbeziehungen sind nicht so toll. Sowas wie wir haben ist viel schöner." - "Sowas wie wir haben ist perfekt." Ein kurzer, nur halb prüfender Blick in deine strahlenden Augen, die so wunderschön sind. Ich weiß daß Du es ernst meinst, daß Du es genauso meinst wie Du es sagst. Es tut so gut, endlich jemandem glauben zu können, endlich vertrauen zu können. Ich 'verbringe' die Zeit nicht mit Dir - ich teile sie mit Dir. Und das, was wir teilen, ist einfach, wunderschön, und gerade deshalb perfekt. Ja, Du hast absolut Recht. Du fehlst mir, wenn Du nicht da bist. Es ist ein beruhigendes Gefühl, Dich in meiner Nähe zu wissen, und es hält mich warm, selbst an kältesten Wintertagen. Der Eisstachelpanzer ist fast geschmolzen - etwas, das ich nie für möglich gehalten hätte. Lange dunkle Jahre hat er mir beschert, hat er mir große Teile meiner Jugend verfinstert und nur durch Schmerz erfahrbar gemacht. Doch nun ist sein Dienst getan, und lächelnd sehe ich, wie er tropft und langsam zu einer großen Pfütze zusammenschmilzt. Wie jedes Eis, das mit zu viel Feuer und Hitze in Berührung kommt.
Uns verbinden zum Teil sogar die gleichen Probleme und viele, viele Wünsche. Es gibt so viele Orte, an denen ich noch nicht war, an denen Du noch nicht warst. So viele Dinge, die Du noch tun willst, die ich noch tun will. Und wer weiß - vielleicht tun wir viele davon ja gemeinsam.
In einem Lande, wo den Leuten, wenn sie verliebt sind, die Augen im Dunkeln leuchteten, bräuchte man des Abends keine Laternen. (Georg Christoph Lichtenberg)
Du wolltest Dich in deine Traumfrau wieder richtig verlieben können, hast Du mir erzählt. Ich hatte nie so eine richtig klare Vorstellung von meinem 'Traummann' - genau genommen gab es sowas für mich nie. Bestimmte Eigenschaften vielleicht, oder auch eine bestimmte äußerliche Ästhetik - aber nichts dergestalt Festgelegtes. Und verlieben - in der Hinsicht war ich vielleicht zu sehr Realist. Obwohl ich jemand bin, der sich schnell verlieben kann - nach dem steinigen Weg, den ich gegangen bin, habe ich mit nichts in der Art gerechnet. Und dann kamst Du, und zunächst war alles 'wie immer' - es ist so leicht, sich in mich zu verlieben. Nicht, weil ich es so wollte, sondern über die Ausstrahlung. Und über mein Vermögen, Hoffnung zu entzünden, und zu machen, daß man sich vielleicht ein klein bißchen lebendiger fühlt als zuvor. Erste Küsse. Gerade mal zwei Tage später erste Berührungen, noch mehr Küsse. Und wieder bin ich in die Offensive gegangen - warten liegt mir nicht. Aber, wie sagtest Du so schön: "Ich fand das toll. Und außerdem sagte ich mir 'Hey, Du willst es doch auch' - und das tat ich." Manchmal glaube ich, daß es eine Art Testmechanismus in mir ist - ich überflute mit meinem Feuer, und hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Wer das nicht packt, mit dem gibt es kein Weiterkommen. Aber Du bist für mich reiner Sauerstoff. Du findest ohne große Anstrengung die richtigen Worte, die mich ganz tief treffen, Du findest die richtigen Ausdrucksformen, die mir eine kleine Welt bedeuten, und Du bist einfach nur ganz Du selbst und offen für mich - und das ist der Schlüssel zu mir. Ganz unmerklich hat sich meine Sympathie und tief empfundene Zuneigung für Dich in etwas gewandelt, das weit über bloßes Verliebtsein hinausgeht. Das bereits jetzt tiefer und stärker wurzelt als ich es je für möglich gehalten hätte. Und es verstärkt das mir eigene Leuchten, strahlt hinaus in meine Umgebung, und jeder, der mich anschaut, erfährt vielleicht einen kurzen Hauch des Glücks, das mich erfüllt. Freude und Glück werden nicht weniger, wenn sie geteilt werden.
Ich bin endlich richtig, richtig so wie ich bin. Ich darf endlich sein wie ich bin. Und ich genieße es aus tiefstem Herzen, ich freue mich über jede Sekunde, die ich mit Dir teilen darf, ich freue mich über jede Sekunde allein und ich freue mich über jede Sekunde die ich in angenehmer Gesellschaft gleich welcher Art verbringen kann. Das Leben, so problembeladen es derzeit vielleicht auch ist, ist dennoch wunderschön.
Lektion Nr. 20: Glück ist eine Sichtweise auf die Dinge. (aus: Francois Lelord, "Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück")
Ich zwinkere Dir zu, und Du blinzelst schalkhaft zurück. Denn wir wissen daß, so unterschiedlich unsere Perspektiven aufgrund unserer vielen Unterschiede auch sein mögen, wir die gleiche Sichtweise haben.
101%.
geschrieben von: Nnordy
... and may the force be with you...
Nie habe ich wirklich verstanden, was Kraft heißt. Was Stärke bedeutet. Und schon gar nicht, warum in der Ruhe die Kraft liegen soll - bin ich doch ein eher quirliger Mensch, der noch dazu ab und an die sprichwörtlichen 'Hummeln im Hintern' hat. Natürlich kann auch ich lethargisch werden und sein. Phlegmatisch. Ich bin es derzeit häufig, tagsüber, zum einen, weil der Tag nicht meine Zeit ist (erst ab dem Nachmittag schalte ich mich in den 'Produktiv-Modus'), zum anderen, weil die Tage sich in nicht endenwollender Abfolge gleichen. Zumindest bis etwa 18.00 Uhr. Denn danach tritt meist die Sonne in mein Leben, und die Quelle dessen, was mir den Zugang zu meiner eigenen Kraft noch viel besser ermöglicht als dies vorher ohnehin schon der Fall war. Der Katerwolfsgefährte. Es ist schon unglaublich - wir sind beide gerade, in einigen Hinsichten, nicht in der einfachsten Phase, aber dennoch oder vielleicht genau deshalb in der Lage, uns gegenseitig Kraft zu geben. Ruhe. Zeit, die wir teilen, bedeutet den Akku aufzutanken.
Ich freue mich mittlerweile wieder ganz unvergleichlich auf die Wochenenden, denn egal was wir tun, alles mit Dir ist wunderschön. Wir können in einer Sekunde ganz ernst sein und uns in der nächsten halb krank lachen, wir können eine Kippe rauchend ins Leere sehen, nur den eigenen Gedanken nachhängend, oder uns in den Armen halten und sind uns dabei doch jederzeit so nah wie nur irgendmöglich. Selbst wenn Du mit mir trainierst, das schwere Metall in der Hand, meinen konzentrierten Blick erwiderst, liegt auf Deinem Gesicht immer ein leichtes Lächeln, das meines spiegelt, denn es ist einfach schön, Dich anzusehen. Nicht nur deshalb, weil Du wunderschön bist, sondern deshalb, weil das Strahlen in Deinen Augen mich immer einhüllt wie eine schützende Decke. Ich halte Dir den Rücken frei, und Du tust es umgekehrt genauso. Gemeinsam können wir für alles eine Lösung finden - und alles möglich machen. Wir müssen es nur wollen.
Ja, derzeit ziehen wir uns beide gegenseitig hoch. Halten uns oben, wenn Du einknickst ziehe ich Dich weiter, wenn ich einknicke schließt sich Deine Hand sofort um meinen Arm und so stolpern wir gemeinsam den steinigen Weg entlang, immer mit dem klaren Ziel vor Augen - weiter. Leben bedeutet Entwicklung, Veränderung, nicht Stillstand. Es geht immer weiter nach oben, und es ist unerheblich ob und von wo Schläge auf uns einprasseln - Schild und Schwert bewegen sich wie von selbst, und wehren ab was kommt. Wir machen uns gegenseitig Mut, geben uns die nötige Kraft und wissen, daß wir uns aufeinander zu 100% verlassen können. Vertrauen bis hinter den unendlichen Horizont.
- Vor Jahren schrieb ich mal hier, ebenfalls an diesem Ort: "... und weil zwei, die sich selbst genügen, schlechte Konsumenten sind...". Wir beide genügen uns selbst. Ein Aggregat, hast Du es genannt. Wir brauchen nicht mehr als die Gegenwart des jeweils Anderen. Was nicht heißt, das wir uns verkriechen - im Gegenteil. Wir gehen raus, unter Leute und mit Leuten weg, aber genauso gern sind wir auch einfach nur zusammen unterwegs oder an einem Ort. Schweigend genießen. Deine Nähe, das warme Feuer, die klare Luft und die starke Erde.
Nie hätte ich gedacht, daß ich so etwas einmal erleben dürfte - eine Beziehung, die nichts anderes ist als eine reine Wohltat. Keine starren Regeln, kein Mißtrauen, keine Besitzansprüche, kein Ungleichgewicht der Kräfte. Augenhöhe. Gegenseitiger Respekt. Gegenseitige Akzeptanz. Der Gefährte an meiner Seite mit dem alles möglich ist, mit dem ich mir alles vorstellen kann. Vielleicht gibt es manchmal das Phänomen, das zwei Menschen tatsächlich das Gleiche wünschen und das Gleiche wollen. Können wir parallel und gemeinsam leben? Eines ist sicher - die Ausgeglichenheit, wie sie zwischen uns beiden herrscht, ist selten. Die Intensität, die Du mir entgegenbringst, spiegelt die Intensität, die ich für Dich empfinde. Meine Gefühle für Dich gleichen einem Wirbelsturm, und wir stehen im Auge des Sturms. Hier ist es ruhig, nur die Luft um uns herum knistert ein wenig dank der ungeheuren Kraft, die uns umgibt. Ich habe die Arme um deine Mitte gelegt, und Du hältst meine Schultern umschlungen und hast deinen Kopf auf meinen gelegt. Dein Herz klopft ruhig, bestimmt, und wieder überspült mich dieses Gefühl von absoluter Sicherheit, wie nur Du sie mir geben kannst. "Und selbst wenn die Welt um mich herum zusammenbricht - das ist egal, so lange ich Dich in meinen Armen halten kann." Und wenn sich die Welt nun von hinten an uns heranschleicht, werde ich ihr einen beherzten Fußtritt dorthin verpassen, wo es weh tut, ohne Dich dabei loszulassen, während Deine Faust ihr einen Volltreffer verpaßt. Und wenn sich dann Deine Hand in meine legt, drehen wir uns wieder um, Rücken an Rücken, und winken Ärger, Alltag und Probleme mit der freien Hand zu uns heran. Holt euch eure Packung ab. Laß uns Runde 2 eröffnen, Kampfgefährte - denn am Ende wartet wieder eine Zwischen-Zeit...
geschrieben von: Nnordy
Ideen sind kugelsicher.
Gestern Abend hatten wir wieder Gespräche von 'dieser' Art. Ich weiß, warum ich momentan wieder so an meine Ideale glaube, warum ich mich an ihnen festhalte als gelte es das Leben - und irgendwo tut es das ja auch. Ich wollte, daß Du verstehst, warum das so ist. Es gibt genug Leute, die verstehen es nicht. Verstehen nicht, warum ich mich wegen vermeintlicher Ideen so echauffiere, warum sie mir so wichtig sind. Doch unsere Ideale sind es, die uns zu Menschen machen. Es gibt viele Dinge, für die zu leben sich lohnt - und es gibt ebenso Dinge, für die zu sterben sich lohnt. Nie werde ich aufhören, für die Freiheit zu kämpfen. Für Gerechtigkeit zu kämpfen, und für Selbstbestimmung. Selbst wenn es mich mein Leben kostet.
"Dann haben Sie keine Angst mehr. Sie sind völlig frei." (aus: V for Vendetta)
Ich habe keine Angst mehr. Das, was mir innerlich derzeit die Eingeweide verknäult, was mir das Atmen etwas erschwert und ein bißchen Energie zieht, ist die Ungewißheit, aber keine Angst. Dank Dir, Katerwolfsgefährte, habe ich die letzten Reste von Angst aus meinem Leben geworfen, denn ich brauche sie nicht, nicht mehr. Und weil ich keine Angst mehr habe, habe ich auch keine Angst mehr vor dem Tod, und weiß heute so sicher wie nie zuvor, daß es tatsächlich einige wenige Dinge gibt, für die ich bereit wäre zu sterben. Auch heute. Auch wenn ich so wahnsinnig glücklich bin, daß ich es selbst noch kaum glauben kann, auch wenn ich so intensiv und bewußt lebe wie nie zuvor, auch wenn ich Madame Amour kennenlerne - für diese Dinge würde ich bis zum letzten Atemzug kämpfen.
Es gibt so viel, was ich dieses Jahr noch gern tun will - Kampfsport, den Motorradführerschein, die Tour, den Schwertkampf, den Urlaub mit Dir - und irgendwie habe ich den Eindruck, mir rennt die Zeit davon. Wieder dieses Gefühl, als stehe der Gevatter um die Ecke und warte nur darauf, mich mitzunehmen. Selbst wenn - jetzt, zu diesem Zeitpunkt, würde ich nur deshalb mit einem leisen Bedauern gehen, weil die Zeit mit Dir, Katerwolfsgefährte, dann viel zu kurz gewesen wäre. Aber ansonsten - no regrets. Ich bin mittlerweile recht glücklich mit mir selbst, ich kenne meine Schwächen und weiß, woran ich arbeiten muß. Aber ich weiß mittlerweile auch, wie ich auf Leute wirke - das Wochenende hat es mir wieder gezeigt. "Die haben da drin aber auch große Augen gemacht, als sie Dich gesehen haben." ... "Passiert Dir das auch öfter, daß die Angestellten anfangen, mit Dir zu quatschen?" - "Nein, eigentlich nie." Lachen von mir - mir passiert das ständig. Ich finde es schön. Ich finde es auch schön, wenn mir der Doc sagt: "Behalten Sie Ihr sonniges Gemüt", oder der Anwalt: "Das ist ja schön, daß Sie so viel lachen, obwohl der Anlaß ja eher weniger schön ist." Ich finde es schön, wenn mir Leute, die mich länger nicht gesehen haben, ansehen, wie glücklich ich bin und wie gut es mir geht. Und vor allem finde ich es schön, daß ich es mittlerweile schaffe, selbst zu merken, wenn ich wieder kurz vor dem Loch stehe, und mich dann selbst daran hindere, reinzufallen, sondern im Gegenteil in der Lage bin, mir die schönen Dinge ins Bewußtsein zu rufen, und wieder das Lächeln auf mein Gesicht zurückkehrt.
Gestern hast Du konstatiert: "Es ist völlig selbstverständlich, daß ich diese Dinge für Dich mache. Irgendwie ist es schon krass - trotz der eigentlich kurzen Zeit sind wir schon so etwas wie eine Einheit geworden, verschmolzen, ohne uns dabei selbst zu verlieren. Wir sind 101%..." - "... weil wir beide 100% für uns selbst sind. Nur deshalb sind wir zusammen mehr als die Summe der Einzelteile und müssen uns dabei nie selbst aufgeben, sondern entwickeln uns zusammen weiter. Du läßt mich, weil Du mich nicht in bestimmte Richtungen drückst, sondern mir einfach meine Freiheit läßt..." - "... und umgekehrt genauso." Ja. 101%. Wir sind beide nicht perfekt - und darum gemeinsam das perfekte Team, weil wir beide wissen, daß wir eben nicht perfekt sind. Du spielst mir nichts vor, und das mußt Du auch nicht. Du mußt nicht den Helden markieren oder den starken Mann - beides bist Du auch, beides gehört auch zu Dir, aber darin erschöpfst Du Dich nicht. Du bist so viel mehr. Für mich ist diese Art von Vertrauen und diese Art von Gleichberechtigung und Sein-Lassen und Freiheit in einer Beziehung ein völliges Novum - aber ich denke, für Dich ebenso. Wir haben viele Narben, die gleich sind, viele Erfahrungen, die deckungsgleich sind, und vielleicht bist Du mir deshalb so nah. Ja, wir sind uns sehr nah. Ohne uns dabei einzuengen, und das ist das eigentlich Faszinierende daran. Am Freitag habe ich zu Dir gesagt: "Der Witz ist, daß ich mir das [eine bestimmte Sache, die aber nichts zur Sache tut] mit Dir echt vorstellen könnte." Und Du hast erwidert: "Und ich kann es kaum erwarten."
Am Samstag haben wir uns zusammen die Fireblade angeschaut, und Du hast Dich über das Leuchten in meinen Augen gefreut. Es sind Träume - doch mit den Träumen ist es vielleicht ähnlich wie mit den Idealen. Man braucht sie zum Leben - und wenn man nur will, und daran arbeitet, kann man sie vielleicht manchmal von Träumen in Realität verwandeln.
Das Strahlen in Deinen Augen, wenn Du mich ansiehst, ist wie warme Sonnenstrahlen und hüllt mich ein wie warmer samtweicher Sommerregen. Du bist für mich wie Sauerstoff, den ich brauche, um weiterzuatmen, weiter, heller zu brennen. Live fast, die young. Better to burn out than to fade away. Es ist kein Sprücheklopfen, es ist das, was ich lebe. Es geht nicht um Spaß, es geht um Leben. Ich atme, ich kämpfe, ich lache und weine, rede und schweige, gebe und empfange Nähe - ich lebe. Und erstmals lebe ich für mich - und ich lebe mit Dir. Weil ich es will, nicht weil ich es muß.
Ich stehe in einem goldgelben Weizenfeld, die Augen geschlossen, die Schwerter zu Boden gerichtet, atme tief und ruhig, lasse langsam und - zugegeben - nur unter Schwierigkeiten den Ärger und das Verletztsein los, denn ich kann es nicht ändern, daher nehme ich es an, akzeptiere - und abermals spüre ich Deine Hand auf meiner Schulter, Du stehst halb in meinem Rücken halb an meiner Seite, bereit, abzuwehren, sollten Angriffe von dort erfolgen. Wachsam, achtsam. Deine Gegenwart, warm und beruhigend, zaubert wieder ein Lächeln auf mein Gesicht, ich öffne die Augen, sehe in deine blaugrünen Bergsee-Augen hinein, und wieder ist da dieses wortlose Verstehen, diese unsichtbare Verbindung, derselbe Kampfgeist und dasselbe Ziel. Zusammen können wir so hell leuchten wie die Sonne, und mit dem nächsten Atemzug hebe ich die Schwerter mühelos an, der linke Arm bewegt sich in die hohe Wacht, der rechte bewegt sich in die Angriffsposition. Neben mir stehst Du, gespannt und bereit. Die Sonne und der Wind in unserem Rücken sind die einzigen Verbündeten, die wir brauchen, um diesen Kampf zu gewinnen. Und danach - die Zwischen-Zeit... Danke - für jede Nanosekunde, jeden Atemzug und jeden Herzschlag.
geschrieben von: Nnordy
Who wants to live forever?
Manchmal ist es schon seltsam - da herrscht das größte Chaos im Leben, und auf einmal sind die wirklich großen, die wirklich wichtigen Entscheidungen oder auch nur Anknüpfungspunkte so klar wie reines und ganz und gar unverseuchtes Quellwasser. Und weil alles so klar ist und so völlig gesichert und die Angst auch endlich aus dem eigenen Leben verschwunden ist - hat die Ruhe Einzug gehalten. Ich weiß mit 100%-iger Sicherheit daß, wenn binnen der nächsten drei Monate nicht bestimmte Gegebenheiten eingetreten sind, dieses Leben hier für mich zu Ende sein wird. Das hat nichts mit übersteigerter Theatralik, Dramatik oder gar Todessehnsucht zu tun, obschon ich ganz sicher ab und an an Lebensüberdruß leide, auch heute noch, es hat auch nichts damit zu tun daß ich mich als potentiellen Selbstmordkandidaten konditionieren möchte, mir wie auch immer geartete Hilfe von meinem Umfeld erhoffe oder gar ein marienhaftes Martyrium auf mich nehmen wollte - nein, nichts dergleichen. Es könnte nur passieren, daß das die einzige, die allerletzte Alternative bleibt, wenn nichts anderes mehr geht, wenn sich alles gegen mich verschwört und die Bürokratenrepublik ihre häßlichen Hydrenhäupter gegen mich richtet. Ich bin eine Kämpferin, und ich stehe immer noch auf meinen heißgeliebten Barrikaden, fechte immer noch mit Inbrunst und zähle die Feinde nicht, es ist mir egal, wie viele nachrücken, denn ich weiß, daß es die Sache wert ist, und ich habe einen Waffengefährten der jeden Kampf mit mir durchsteht, der neben mir steht, egal was kommt. Doch jeder Kämpfer kommt, wenn er Glück hat nur einmal in seinem Leben, an den Punkt, an dem weiterkämpfen sinnlos ist. An dem er die Waffen strecken muß. Ich werde nicht kapitulieren, aber es kann gut sein, daß ich glorios scheitere. Diese Möglichkeit gibt es, und natürlich habe ich sie ebenfalls am Rand meiner Wahrnehmung. Und nur in diesem einen Fall, von dem ich inständig hoffe, daß er nicht eintreten möge, ist mein Abschied von dieser Bühne beschlossene Sache.
Manchmal frage ich mich, wie sich wohl jemand wie Galilei unter all seinen bornierten Mitmenschen gefühlt haben muß. Oder jemand wie Don Quixote. Vor allem, weil es letztlich immer die gleichen Dinge sind, gegen die man kämpfen muß. Intoleranz. Ungerechtigkeit. Boshaftigkeit. Lügen. Machtmißbrauch. Manchmal werden die Arme schwer, manchmal wollen die Augen einfach zufallen, aber irgendwie rafft man sich doch auf und macht weiter, aber es ist so ungeheuer ermüdend. Und manchmal kann man sich gegen das Gefühl von Hoffnungslosigkeit, das auch mich gerade zu erfassen droht, schlicht und ergreifend fast nicht mehr wehren. Und doch, genau dies ist der Punkt, an dem immer wieder die Kämpferin in mir aufsteht, sich noch einmal hochrappelt, mit einem blauen Auge oder zwei, sich das Blut aus dem Gesicht wischt, den Griff um das Schwert noch einmal festigt, ein paar Mal tief durchatmet und dann wieder auf 'Angriff' umschaltet. Denn aufgeben ist nie eine Option. Niemals.
Wenn ich gehe, dann selbstbestimmt. So wollte ich es immer haben, und wenn es so kommt, dann ist es so. Ich bin in meiner Entwicklung weit genug, als daß ich mir meiner Handlungen und all ihrer Konsequenzen voll bewußt bin - und vor allem bereit, dafür einzustehen. Sie zu tragen. Ich bin stark genug, aber meine Ressourcen sind nicht unendlich, und auch ich kann nicht allein gegen die gefühlte ganze Welt kämpfen. Noch bin ich nicht an diesem Punkt. Aber ich finde es spannend - noch immer ist es wie schon seit Monaten, es würde mir nichts ausmachen, wenn ich nun abtreten müßte. Hey, ich hatte in meinem Leben viel, sehr viel. Eine Familie, die voller Probleme war, die aber, wenn es hart auf hart kam, immer hinter mir stand, treue, loyale und verläßliche Freunde, jede Menge Leute mit denen man gute Zeiten teilen konnte, mit einigen davon auch weniger gute, und ich wurde geliebt - und ich durfte lieben. Habe es nun, zum Schluß, wieder gelernt. Ich hatte Schönheit und Ästhetik in meinem Leben, ich hatte Bewegung, ich hatte die Kunst, ich hatte meine Worte, ich konnte einen Weg zu mir finden, und ich habe zum Schluß auch endlich gelernt, für mich und meine Handlungen gerade zu stehen. Konsequenzen zu tragen, manchmal zu er-tragen. Kann auch nicht jeder. Aber hey - vielleicht hab ich ja Glück. - fat chance - Nichtsdestotrotz - die Hoffnung stirbt immer zuletzt.
Irgendwie bin ich an einen Punkt gelangt, an dem ich noch nie war. Es ist wieder einmal der eigentlich altbekannte Klippenrand, doch diesmal aus neuer Perspektive. Ob ich springe...???
geschrieben von: Nnordy
Kein Engel, nicht hier...
Ich wollte nie ikonisiert werden. Zuerst in den Staub getreten und dann wieder auf ein Podest gehoben, manchmal in so schnellem Wechsel, daß wohl nicht nur ich zum Schluß nicht mehr wußte, in welchem Status man sich gerade befand. Ikonisierung. Kein Recht darauf, menschlich, manchmal auch nur allzu menschlich, zu sein? Immer stark sein. Nie wanken, nie sich schwach zeigen. Schwäche ist schlecht, ist verboten. Der Zwang und die Erwartung, dem Bild in jedem Fall zu entsprechen. Sanktionierung. Ich schalte mich ab. Kalt. Dunkel. Eine Existenz, irgendwo zwischen Leben und Tod. All die wunderschönen Dinge - vergangen, vergessen? Ich habe erst spät verstanden, daß sie immer da waren, auch wenn ich sie nicht mehr sehen konnte. Sie sind die eine Seite, die helle Seite. All die Jahre waren vielleicht genauso ambivalent wie Du und ich es sind. Allzu menschlich, doch das ist nicht schlimm.
Ich habe Dich gestern das 1. Mal seit Monaten wiedergesehen. Was ich sah, freute mich - endlich hast Du diesen Gang eines alten, gebeugten Mannes abgelegt, gehst wieder aufrecht. Noch immer bist Du viel zu dünn, doch Du wirkst wieder lebensfroher, energetischer. Lebendiger. Es freut mich, daß das Leben in Dich zurückgekehrt ist. Daß die Sonne Dich wieder zu erreichen scheint. Daß Du in Deinem Leben angekommen zu sein scheinst. Ich wünsche es mir so, für Dich. Nicht, weil ich mich dann besser fühlen würde - obwohl das natürlich so ist. Nein, sondern weil Du es verdient hast. Weil es so viel Schönes an Dir gibt, das das Licht der Welt erblicken sollte. Weil Du mir und vielen anderen Menschen sehr viel gegeben hast. Werde glücklich - das ist der eine Wunsch, den ich noch für Dich habe. Und selbst wenn ich nichts dazu tun kann, damit er in Erfüllung geht - wenn ich mir "Winterherz" anhöre, dann glaube ich irgendwo zu wissen, daß die Chance da ist. Und es gibt Augenblicke, in denen es mir leid tut, daß ich nicht die Frau bin, die kompatibel zu Dir und Deinem Leben ist.
Ich habe mein Leben, ein kleines Leben, aber ein buntes. Ein chaotisches Leben, ein pulsierendes, eines voller Probleme, in dem es mal aufwärts und mal abwärts geht, in dem ich nicht weiß was morgen sein wird, aber in dem es die Konstanten gibt die ich brauche: Meinen Waffengefährten, treue, loyale und absolut verlässliche Freunde, eine Familie die, wenn es hart auf hart kommt, da ist, meine Chaotenviecher, ich habe blauen Himmel und Sonne und Mond und Luft und jede Menge Wärme und Lebensfreude in mir. Ich habe so viele Gefühle und so viele Träume und Wünsche und Hoffnungen, und dennoch kann ich jeden Tag leben wie den letzten weil ich im Reinen bin mit mir, meinem Leben und meiner Welt. Ich muß mich nicht mehr vor mir selbst verstecken, ich laufe nicht mehr weg und ich habe keine Angst mehr. Denn endlich bin ich angekommen, in meinem eigenen Leben. Und kann es so leben, wie ich es möchte.
Es gibt Dinge, die kann mir niemand wegnehmen. Und es gibt Dinge, die kann mir niemand kaputtmachen. Meine Gefühle gehören dazu - so intensiv, so tief, so heiß und hell brennend. Niemand kann mir das wegnehmen, und je mehr es von manchen Seiten versucht wird, umso intensiver kann ich spüren. Ich fühle mich - vollständig. 100%. Meine Ideale. Meine Träume. Meine Wünsche. Vielleicht muß ich noch manchmal die Hoffnung fahrenlassen, vielleicht manche davon ganz begraben. Doch sollte ich Gefahr laufen, an einem Grab zu lang zu verweilen, spüre ich wieder die große sanfte Hand um meine, kann ich wieder aufblicken in zwei blaugrüne strahlende Augen die mir bedeuten daß es Zeit ist, weiterzugehen, daß es noch so viel gibt das wartet, auf Dich, auf mich, auf uns. Ganz gleich ob es eine knallrote Bandit, eine Wohnung irgendwo anders, eine Feldschlacht vor den Ruinen einer alten Burg, ein Platz in der Juggerliga, eine Schneeballschlacht in den Tiefen des Schwarzwald', Abende voller Musik und flackernder Lichter, Nächte mit dem Geruch von Salz und lebendiger Hitze, um-die-Wette-laufen durch die Wälder, Englischexerzizien, gemeinsame Träume in Sonnenblumenwiesen oder einfach nur gelebte Nähe ist - es gibt noch so viel. Und Du machst es mir jeden Tag bewußt.
Unvorstellbar daß Du mich jemals ikonisierst. Denn wir sind gleichauf, auf Augenhöhe. Du genießt meinen vollen Respekt, so wie ich umgekehrt deinen genieße, ohne daß ich darum kämpfen oder mir eine Maske anziehen müßte. Du sanktionierst mich nicht wenn ich mal nicht nur Sonnenschein oder gute Laune bin. Ich habe gelernt, zu laufen, und manchmal kann ich mittlerweile auch tatsächlich fliegen. Wir schaffen zusammen Dinge. Wo ich früher nur redete, tue ich heute einfach. Man kann fast alles tun, wenn man es nur will. Und wo mir früher die Halbwahrheiten und Lügen viel zu leicht über die Lippen kamen (Scheiß-Selbstkonditionierung) - ist etwas anderes als die Wahrheit für mich heute in den meisten Fällen gar nicht mehr denkbar. Wer fragt, bekommt ehrliche Antworten von mir. Selbst wenn sie nicht immer schön sind. Doch was ich tue, dazu muß ich auch stehen können - und das kann ich mittlerweile. Ich bin durch eine harte Schule gegangen, doch ich bin weiter gekommen als ich es mir selbst jemals zugetraut hätte. Es geht immer weiter, ich bin noch lang nicht am Ende angekommen. Das ist Leben - und ich liebe es. Vielleicht ist dies die größte Kunst überhaupt - egal was kommt, immer in der Lage zu sein, das Leben als Geschenk zu empfinden und zu genießen. Den blauen Himmel und die Sonne.
Und - wie schriebst Du mir im Skype, lieber Katerwolfsgefährte? "... wir werden alles überstehen und Du weißt ja: Der Rest UNSERES Lebens wird schön..." Du hast Recht - die Ärzte singen: 'Der Himmel ist blau und der Rest deines Lebens wird schön, yeah...' Laß es unser Leben sein. 101%. Ganz egal, ob der Himmel blau oder grau oder schwarz ist - wenn man ein Lächeln darauf malt, ist die Farbe egal. Ich freue mich auf die Sonne...
geschrieben von: Nnordy
Euer Gehirn ist für solche Dinge viel zu klein.
Ab und an passiert 'es' noch. Wenn meine Deckung unten ist, ich kurz in die Knie gegangen bin - wenn dann noch etwas kommt, und sei es noch so klein und noch so banal, ist es wie eine der alten linken Geraden, die mich straight zu Boden schickten. Sie tun es heute noch, und ich hasse mich dafür. Ich dachte, ich hätte das im Griff, doch die alten Mechanismen sind nicht so leicht totzukriegen. In den Momenten, in denen ich wieder angreifbar bin, schwach bin, kicken sie sofort wieder rein.
Die Anderen waren schon da, wir kamen dazu, setzten uns gegenüber. Irgendwann gingen die Unterhaltungen überkreuz, so daß A. sich neben mich setzte und D. sich neben Dich. Irgendwann hattest Du sie dann im Arm - das ist nicht schlimm und nichts Besonderes, immerhin seid ihr beste Freunde. Eigentlich war es ihr Spruch, der alles schlimmer machte: "Ich muß heute Abend mal deinen Freund mißbrauchen, ich brauche einfach etwas Körperwärme." D., die Meisterin der falsch gewählten Worte, doch auch das wäre noch verkraftbar gewesen. Was dann nicht mehr verkraftbar war, zumindest für mich gestern nicht, war dann der Spruch, der wohl von Dir kam, auf die scherzhafte Ausführung eines weiteren Anwesenden, daß der Trend bei Männern ja zu jüngeren Frauen gehe, weil Frauen ab 40 so faltig würden, daß alles einfalle. Dein Spruch daraufhin - ja, es war einfach bloß ein dummer Spruch - "Oh, dann muß ich mir ja in 8 Jahren eine neue Freundin suchen". Es war bloß ein dummer Spruch. Doch der Reflex, die Flucht ins Schneckenhaus und die 'Bestrafung' durch 'ich laß dich nicht mehr ran, das kannst du heute nicht mehr gutmachen', der setzte sofort ein. Mein Konter war nur: "Oh, dann gibts ja kein Problem, da ich ja sowieso mit 40 abtrete." Die lautstarken Proteste von D. ('Du hast mir versprochen, daß wir im Altersheim zusammen den jungen Pflegern in den Allerwertesten kneifen werden...') wischte ich mit den Worten beiseite: "Ich hab gesagt, ich rede mit ihm [gemeint war mein Schutzengel, mit dem ich über das Thema 'Abtreten mit 40' nochmal reden wollte...], aber das kann ich mir dann ja jetzt sparen..." Du schautest mich fragend an, und ich sagte, in scherzhaftem Tonfall, aber mit dem Feuer der Verletztheit in den Augen: "Nein, ich meine damit nicht Dich, 'ihm' bedeutet nicht immer automatisch 'Du'." Auch danach, fast immer wenn Du mir einen Kuß zuwarfst - ich gab ihn zwar zurück, aber der Schaden war angerichtet, und ich habe mich schon in diesen Momenten dafür gehaßt. Ich habe weitergemacht, mich weiter unterhalten, und so getan als würde es mir nichts ausmachen daß Du weiter neben D. sitzt, nur zwei Plätze entfernt und trotzdem 1000 km weit weg.
Irgendwann bin ich geflüchtet, weil mir zu warm wurde und ich merkte - wenn ich nun nicht ginge, dann würde ich anfangen zu schreien. Und meine Nachtseite, in der auch alle bösen Gedanken, all die kleinen miesen Teile von mir gebündelt sind, gewann langsam die Oberhand, und der Wunsch, Dich meinerseits zu verletzen, wurde schier übermächtig. Ich mußte da raus - also bin ich gegangen. Ohne Mantel und Schal zur Tür raus, hinaus in den Nieselregen und den Wind, bin bis zu dem kleinen freien Platz gelaufen, habe mich da hingesetzt und auf die Tränen gewartet, die nicht kamen. Stattdessen kamen die alten Gedanken wieder, und das war viel, viel schlimmer. "Du wirst immer allein sein, verlaß Dich nie auf jemand Anderen, Du wirst immer nur verletzt oder enttäuscht, Du wirst nie irgendwo dazugehören, egal wie sehr Du Dich bemühst, es ist eh zum Scheitern verurteilt, Du wirst immer allein sein." Am Rand des Bewußtseins bildete sich der schemenhafte Plan, einfach wieder reinzugehen, zu bezahlen und Dir dann zu sagen, daß ich heute besser zu Hause schlafen würde. Und irgendwo die Hoffnung, daß Du gemerkt haben würdest, daß ich fehle. Ich bin wieder reingegangen, plötzlich saßt Du mir wieder gegenüber, hast mich angesehen, und mein Blick verriet wieder zuviel, selbst wenn ich die berühmte 'Frauen-Antwort' gab auf deine Frage, was los sei, habe verzweifelt versucht meiner Nachtseite Herr zu werden, alles beiseite zu wischen. Doch Du bist beharrlich geblieben, hast meine Hand genommen, mir bedeutet daß ich mich neben Dich setzen soll und ich habe es dann doch getan, gegen besseres Wissen. "Wo warst Du, ich hab mir Sorgen gemacht." - "Ich war nur draußen, ein bißchen spazieren, ich hab es hier nicht mehr ausgehalten." - "Warum, was ist denn los?" - "Nichts, es ist nicht wichtig." - "Das ist es sehr wohl, denn Du bist nunmal der wichtigste Mensch in meinem Leben..." Mit diesem letzten Satz hast Du meine Dämme eingerissen, und es ist vielleicht das erste Mal überhaupt, daß ich vor der Wertigkeit, die man damit auch verbinden könnte, keine Angst habe... Ich habe dann ein bißchen ausgeführt, und als D. irgendwas von mir wollte und lautstark um meine Aufmerksamkeit anhielt, habe ich sie angepflaumt, und auf ihr Nachfragen, was denn los sei, nur gemeint, daß ich auch manchmal in ein Loch falle und einfach nur gerade mal von allem in Ruhe gelassen werden wolle.
Du hast mich die ganze Zeit in den Armen gehalten, großer Katerwolf, hast Dich für den dummen Spruch entschuldigt, was ich zurückgewiesen habe, denn es war nicht deine Schuld, daß es mich verletzte, es war alles zusammen einfach too much. Die Enttäuschung am Nachmittag, und dann die Reste der alten Nnordy - leidende Maria, kleines verletztes Mädchen, beleidigte ungerechte Diva. Und dann kamen die Tränen, wie auch schon früher am Abend, und es tut - trotzdem es meine Schwäche offenbar macht - unsagbar gut, daß ich keine Angst habe daß Du mich auch mal schwach erlebst. An deiner Schulter gestatte ich mir, kurz den nassen Tropfen freien Lauf zu lassen, bevor mein Stolz sie wieder hinter die Schleusen zurückdrängt. Du warst da, dort, bei mir, und doch dauerte es etwas, bevor ich meine dunkleren Impulse schachmatt gesetzt hatte, bevor ich den Mund aufmachen und mit Dir reden konnte ohne befürchten zu müssen, daß ich meine Worte verletzend einsetzen würde.
Auf dem Nachhauseweg hast Du Dich wieder und wieder entschuldigt, und wieder und wieder habe ich Dir, und das fühle ich genauso, versichert, daß Du Dich nicht entschuldigen sollst und mußt weil es nicht Deine Schuld war. Es war nicht einmal mehr meine. Ich brauche meine Deckung noch, sonst gehen Treffer immer noch zu tief.
Zu Hause haben wir deiner Mitbewohnerin von London erzählt, und die Erinnerung an diese beiden wunderbaren und teilweise herrlich verpeilten 'Kulturschock inc.' Tage hat mich wieder aufgeheitert. Wir haben dann noch eine Weile auf dem Sofa gelegen, einen Absacker getrunken und geredet, ich habe erklärt, Du hast zugehört, und dann wiederum sind wir der Diskussion im TV gefolgt und haben darüber selbst diskutiert. Dann hast Du erzählt, wie viel Du früher teilweise in Beziehungen investiert hast, und nie kam es zurück. Und jetzt? "Ich gebe eigentlich nur zurück, was von Dir kommt, und da kommt so wahnsinnig viel..." Ich weiß nicht, ob das so ist. Es kann gut sein, denn meine Gefühle sind so intensiv, so präsent, so bunt und so laut wie ich es mir immer erträumte. Du mußt durch eine harte Schule, wenn Du mit mir zusammen bist, und ich kann Dir nicht einmal sagen, ob es sich wirklich lohnt, weil ich es selber nicht weiß. Ich kann Dir nur versprechen, daß ich immer ehrlich sein werde. Auch auf Deine Frage gestern, auf die Du um eine ehrliche Antwort batest: "Macht es Dir was aus, wenn ich mit D. kuschle? Du weißt, daß das nichts mit uns zu tun hat..." - "Ja, das weiß ich, aber Du wolltest eine ehrliche Antwort, und daher gebe ich zu, daß es schon etwas komisch ist und ich auch nicht so genau weiß, was ich da eigentlich fühle, wenn ich mir das angucke..." Vielleicht mache ich mir aber auch nur selbst etwas vor. Ich will weder Dir noch ihr das wegnehmen, und ich weiß auch, daß es wohl nichts mit uns zu tun hat, aber ich weiß jetzt auch, was deine Ex-Freundin daran gestört hat, denn es ist schwierig, die Art von Liebe, die ihr füreinander empfindet, von der Liebe zu unterscheiden, die wir beide teilen. Und es wäre wohl gestern auch nicht so schlimm gewesen, wenn es nicht 1,5 h so gewesen wäre, und Du in dieser Zeit 1000 km weit weg warst, weil wir in dieser ganzen Zeit nicht ein Wort miteinander wechselten, außer ein paar Sätzen die sich meist auf den dummen Spruch bezogen, und in denen ich Dir bedeutete: "Vergiß es, das kannst Du heute nicht mehr wiedergutmachen..." immer in scherzhaftem Tonfall, und doch mit verletzten Augen. Ich kann es so gut.
Wir zusammen können nicht scheitern. Und vielleicht - ist es für eine Spanne ohne Zeit. Doch ich fühle, daß gestern ein Part von mir, den ich glaubte zur Räson gebracht zu haben, wieder einen Fuß in die Tür bekommen hat. Das Einzelkämpferding. Einsame Wölfin. Vielleicht werde ich auch irgendwann gehen - ich kann es Dir nicht sagen. Du sagtest mir gestern: "Ich werde Dich nie verlassen." Es gibt Worte, die in der Geschichte der Menschheit schon viel zu oft gesagt und viel zu oft nicht eingehalten wurden oder werden konnten - und diese gehören dazu. Vielleicht wird es so sein. Vielleicht wirst Du mich tatsächlich nie verlassen. Aber möglicherweise werde ich Dich irgendwann verlassen. In mir wächst die Gewißheit, daß ich für solche Zweiergeschichten einfach nicht geschaffen bin, selbst wenn ich mich danach sehne. Das Ego zu groß oder zu klein, einmal mit vollen Händen Wärme gebend und dann wieder monatelang ein Eisklotz, einmal pures Sommerlachen um es dann auf unbestimmte Zeit zu verlernen. Es ist mit mir nicht auszuhalten, denn manchmal halte ich es mit mir selbst nicht aus. Habe ich mich denn gar nicht bewegt seit letztem Jahr? Ich will es nicht glauben. Ich will mir nicht kaputt denken, was da zwischen uns ist, werden kann - wenn Du es zuläßt. Doch irgendwo könnte es sein, daß es am Ende an mir liegt - ob ich es zulasse. Und das weiß ich einfach nicht. Es macht mir Angst.
geschrieben von: Nnordy
Der Himmel ist blau, und der Rest deines Lebens liegt vor Dir...
(Die Ärzte, Himmelblau)
Ich sitze hinter Dir, deine langen Haare haben sich unter dem Helm gelöst und wehen mir ein wenig ins Gesicht, als Du die Maschine auf der Autobahn beschleunigst. Ich habe meine Hände locker um deine Mitte gelegt, halte meinen Kopf in deinem Windschatten und die Füße ruhig auf den Fußrasten, und während die Tachonadel weiter nach oben klettert, könnte ich jubeln vor Freude. Ein Gefühl von Vertrauen und absoluter Freiheit. Motorradfahren ist vielleicht ein bißchen so, wie es unsere Beziehung ist. Wenn Menschen, die uns gar nicht kennen, oder die nur einen von uns etwas länger oder besser kennen, sagen, daß es 'einfach paßt', wenn Menschen, die uns gar nicht kennen, sagen, daß man überhaupt nicht merkt, daß wir erst so kurz zusammen sind, wenn wir beide zur selben Zeit das Gleiche denken, fühlen, wollen - dann weiß ich, daß es keine Zufälle gibt. Ich sitze das 2. Mal in meinem Leben als Sozius auf einer großen Maschine, der Tacho ist bei 180, und ich habe nicht die leiseste Spur von Angst, sondern würde im Gegenteil - ich tue es natürlich nicht, da das dämlich und gefährlich wäre, aber der Impuls ist da - am liebsten lachend meine Arme zu beiden Seiten ausstrecken, fühlen wie der Wind an mir reißt, und das Gefühl absoluter Freiheit genießen. Und dabei fühle ich mich nicht als würde ich das 1. Mal mit Dir auf einem Motorrad sitzen, sondern als sei es schon immer so gewesen und müßte immer so sein. Und kurz habe ich wieder ein Bild vor Augen, eines aus einer dieser zahllosen Zukunften, die möglich sind, und ich muß wieder lächeln.
Gestern Nacht, auf dem Nachhauseweg, hast Du wieder etwas Entscheidendes gesagt: "Ja, das Gefühl, so sein zu können wie man ist, das habe ich wohl schon einigen Frauen gegeben. Aber Du bist die Erste, die mir dieses Gefühl auch geben kann." ... "Es ist so, als sei das die Art von Beziehung, wie sie schon immer hätte sein sollen." Nie habe ich erlebt, daß ich so entspannt sein konnte, obschon meine Nerven wegen der Abschlußarbeit gerade blank liegen. Ich muß mich bei Dir keine Sekunde verstellen, ich habe keine Angst Dir zu sagen wenn mich etwas belastet oder beschäftigt, und das erste Mal habe ich auch nicht das Bedürfnis, ich müßte etwas gut finden nur weil Du es gut findest. Ich werde Rammstein und Manson nie mögen, auch wenn Du sie magst, und umgekehrt werden Lakaien oder Sex Gang nie dein Ding sein, und das ist absolut ok und wunderbar. Wir haben so viele Gemeinsamkeiten, da ist es nur förderlich, wenn es auch ein paar Unterschiede gibt.
Und in der Woche zuvor: Der warme lebendige Klang von vier Celli. Deine Brust an meinem Rücken, deine Arme um meine Mitte. Inmitten all der Menschen in einem anderen Land bist Du mir so nah wie vor Dir selten irgendjemand. Vielleicht sogar noch nie. Keine Maske, keine Rolle, keine gute Miene zu einem guten oder bösen Spiel, keine Inszenierung, es sei denn, eine augenzwinkernde und als solche gewollte und erkennbare. Dort, in dieser anderen Stadt - so viele Situationen in denen wir das Gleiche dachten, wollten, sagten. Die Idee, uns einfach in einen Bus zu setzen und mitzufahren bis irgendwohin - wir hatten sie gleichzeitig. Die Idee, auszusteigen und die Brotzeit in den zurückfahrenden Bus zu verlegen - auch. Du wolltest gerade sagen, daß wir die Straßenseite mal wechseln sollten, als ich auf den Knopf an der Ampel drückte. Du fragst nach einer Zigarette im gleichen Moment als ich gerade meine Tasche öffne um die Kippen herauszuholen. Nie zuvor habe ich eine solche Wellenlängensymbiose erlebt - es ist fast unheimlich, und wunderschön.
Auch am SO - als eine Freundin ihre Entscheidung verkündet, heben wir beide gleichzeitig den Daumen. Eine Minute später sagen wir zu einem anderen Freund zeitgleich ebenfalls das Gleiche. Lachen - und unbändige Freude. Verständnis durch einen Blick in die Augen. Genau wie letzte Woche, in dieser schwierigen Situation. "Ich habe mir schon etwas Sorgen gemacht - aber als ihr dann zurückkamt und ich Dir in die Augen gesehen habe wußte ich sofort, daß alles gut ist und daß sich nichts geändert hat. Deine Augen sagen mir immer alles..." Ja. Alles an mir sagt es Dir.
Alles. Du. Ich. 101%.
geschrieben von: Seelenfunke
deine zeilen lesen sich gut und gerne, und manch etwas trifft auch an mich zu, oder heran und ich erkenne das die welt nicht nur grau und grausam sein muss
geschrieben von: Nnordy
Terrible meaningless
Have to pay too dearly for this
Getting all what fate reserves
Playing Don Quixote often enough...
(Pink Turns Blue, S. Day)
Ich bin noch nicht so stark, so unangreifbar wie ich gern möchte. Aber vielleicht ist es auch ganz gut so, daß da noch Reste der alten Nnordy sind, denn auch sie ist ein Teil von mir. Immer dann, wenn mir plötzlich die schönen Dinge wieder einfallen, wenn auch aus der Vergangenheit Lachen herüberweht, Wärme, ein Hauch von Unbeschwertheit und sanfter Melancholie. Immer dann, wenn mir bewußt wird, was ich verloren habe, hergeben mußte, weil es im Leben niemals fair zugeht und weil man zu seinen Entscheidungen stehen muß. Weil man es nicht ändern kann, wenn die Gefühle nicht mehr sind, was sie waren, wenn sie gestorben sind, heimlich still und leise, und ich und wir haben nichts dagegen getan. Oder waren unfähig, etwas zu tun. Wenn mir bewußt wird, welchen Schmerz ich verursacht habe... es fließen wieder Tränen. Ich kann wieder weinen, und ich kann ehrlich zu mir sein. Ich weiß, warum sie über meine Wangen laufen, und ich mühe mich nicht mehr in dem verzweifelten Versuch, sie zurückzuhalten. Tue mir keine Gewalt mehr an, lausche auf das, was in mir ist. Mir selbst nie mehr fremd.
Ich habe wieder einen äußeren Schritt getan. Die Magisterarbeit ist geschrieben, es war nervenaufreibend und ich hatte das Gefühl um Jahre zu altern in dieser letzten Woche, aber sie ist durch und abgegeben. Jetzt noch Prüfungstermine vereinbaren, und mit ein wenig Glück bin ich im Juni endlich, endlich fertig. Etwas, das ich selbst schon nicht mehr für möglich gehalten hätte. Und daß ich es geschafft habe, daran hat der Kater einen nicht unerheblichen Anteil. Kam für eine Stunde vorbei, mit meinen Motorradklamotten und Helm, sackte mich ein und wir sind schnell was essen gegangen. Pure Energie. Brachte mir am nächsten Tag Essen vorbei, streichelte meinen Kopf als ich zusammengesunken vor dem Rechner saß, hatte Verständnis als ich zwei volle Tage mehr oder weniger nur vor dem Bildschirm saß statt der Familienfeier in vollem Umfang beiwohnen zu können. Abends im Schneetreiben über den Berg rüber in die benachbarte Kleinstadt, seine alte Stammkneipe besucht, zwei Kilkenny getrunken und dann zurück. Rechts und links der Straße, am Rand des Bordsteins, über einen Meter hoch Schnee. Wie Weihnachten. Surreal, wie ein Märchen aus einer anderen Welt. Ich mag Märchen, manchmal.
Ich lebe gerade in einem. Allerdings weiß ich nicht ob in einem guten oder einem bösen. Denn meine Revoluzzergene drohen, vollends durchzubrechen, und ich sehe mittlerweile keinen Grund mehr, sie daran zu hindern. Vielleicht ist mein Platz ja wirklich auf den Barrikaden - und ich beginne wieder, mir meine Energie zurückzuholen. Egal ob in Form einer Yamaha Diversion oder indem ich für die viele Schönheit die mich umgibt sensibel werde. Ein blauer Himmel, ein Sonnenuntergang, kleine weiße Blüten, mein geliebten Krokusse, die schnuffelnden Chaoten-Chinchillas die ich wahrscheinlich deshalb so liebe weil sie genauso chaotisch sind wie ich, eine alte zugige Burg, das Gefühl von Leichtigkeit wenn die Twin sich durch die Kurven schlängelt, der Geruch von Erde und Wald in meiner Nase, heißes Wasser das über meinen Körper läuft, weiße Schäfchenwolken und ein lauer Frühlingswind, die Art und Weise wie sich das Sonnenlicht in den Zweigen bricht oder die kühle Schönheit des Mondes in der Nacht. Es gibt so viele wunderschöne Dinge auf der Welt, und eines der schönsten wurde mir gemacht. Jemand, der mich wirklich und ehrlich so liebt wie ich bin, ohne an mir herumzukritisieren oder herumerziehen zu wollen, ohne mir Dinge aus der Hand zu nehmen wenn sie nicht gleich klappen, ohne mir das Gefühl zu geben er sei besser und stärker als ich. Jemand, dem ich nicht peinlich bin, auch wenn ich meine Launen habe, jemand, der nicht an meinen Klamotten herummäkelt, jemand, der mit mir auch mal nicht einer Meinung in Bezug auf bestimmte Sachen sein kann, aber ohne deshalb beleidigt zu sein oder zu meinen, er müsse mich zur Schnecke machen. Es ist so wohltuend, weil es einfach läuft, ohne Absprachen, ohne Regeln, und vor allem: Ohne Fesseln. Kein Käfig. Kein Zwang. Kein Rechtfertigungsdruck. Angenommen ohne Wenn und Aber. Klingt nach einem Märchen. Doch inzwischen weiß ich, daß es Realität ist...
Irgendwo in einer Zwischenwelt. Ich werde laufen gehen, die klare Luft atmen, und hoffen, daß mich der Bänderriß in Ruhe läßt. Ich vermisse das regelmäßige Joggen durch den Wald, doch ich werde es mir zurückholen. Energie fließt...
geschrieben von: Nnordy
Aufwachen ist nicht einfach. Aber daß es so schmerzhaft ist, hätte ich auch nicht gedacht.
Ich hatte zu lange geschlafen. Als ich dann endlich aufwachte, letztes Jahr, da war es erst einfach nur unbequem. Aber mit der Zeit tat es weh, als ich wach und mir langsam klar wurde, was los war, wer ich war, was um mich herum geschah. Ich habe zu lange geschlafen. Wäre ich früher erwacht - wie viel hätte vielleicht verhindert werden können? Wäre all das wirklich nötig gewesen? Ich weiß es nicht. Aber ich weiß, daß ich die Konjunktive aus meinem Leben verbannt habe, und daß es besser so ist. Ich lebte zu lang in den Möglichkeiten, ohne jemals eine davon in die Tat umsetzen zu können. Nun habe ich innerhalb von 3 Monaten so viele Dinge getan, tatsächlich getan, und dabei erlebt, wie gut sich tätig sein anfühlt. Dinge zu tun, die man tun will. Schritte zu gehen. Mit mir, nicht gegen oder ohne mich. Mit einem Gefährten, der nichts tun muß außer mir den Rücken freizuhalten oder mir kurz seine starke Hand auf den selbigen zu legen, wenn meine Kräfte schwinden. Das genügt, versichert mir daß er da ist, daß ich noch da bin und immer noch aufrecht stehe, während in der Entfernung Andere schon längst zusammengebrochen sind. Ja, ich stehe, ich stecke ein, doch ich habe bemerkt, daß die Schläge nur noch von vorn kommen, denn meine Deckung hinten hält, weil DU sie hältst, Katerwolfsgefährte.
Ich kann endlich wieder Sport machen, war die letzten drei Tage zweimal joggen und einmal im Krafttraining, und es tut unsagbar gut den alten Kadaver wieder zu mobilisieren und die Muskeln, wenn auch unter Protest, wieder zum Arbeiten zu bewegen. Ich habe es vermißt. Und ich habe wieder gespürt, wie das Laufen dabei hilft, den Kopf etwas frei zu bekommen. Manche Dinge regeln sich dann fast von allein, und die Sicht wird klarer. Es gibt keine unüberwindbaren Hindernisse, nicht mehr für mich. Und das hat abermals nichts mit Arroganz zu tun, denn die letzten Monate haben mir gezeigt, zu was ich fähig bin, was ich schultern kann, was ich schaffen kann, und das ist eine ganze Menge. Ich bin wach, sehe so viele kleine Dinge die so manchem vielleicht gar nicht mehr auffallen würden. Ein Kirschbaum an dem die ersten Knospen sich zeigen. Das Eichhörnchen das den Baum hinaufrennt. Die Kohlmeise die am Fenstergitter sitzt und ihr Köpfchen hin- und herdreht, unentschlossen, wohin sie fliegen soll. Daß sich die zwei kahlen Baumstämme drüben im Feld dem grauen Himmel entgegenstrecken wie zwei Gymnastikverfallene. Wie viel Blau selbst in einem schiefergrauen Himmel steckt.
Und die Musik... Du, ein anderes Du, hast mit 'Winterherz' einen Song geschaffen, der mich immer und immer wieder in die Vergangenheit führt. In die guten Zeiten, aber auch in die schwermütigen. In keinem anderen Song des Albums kulminieren die Gefühle in einer solchen Art und Weise, in der Art und Weise wie ich sie mir wünschen würde, denn sie ist nicht so weit von meiner weg wie man vielleicht glauben könnte. Ich habe nichts vergessen. Werde ich auch nicht, denn es war nie falsch. Nur zu spät. Ich. Ein bißchen Du. Und ganz allein wir beide.
Mein Leben fließt, in einem Takt den ich ihm geben kann. Mal schneller, mal langsamer, ganz wie es mir beliebt. Man darf sich mal treiben lassen, aber viel häufiger nehme ich es nun in die Hand, erhöhe und verlangsame das Tempo, mute mir manchmal noch ein bißchen zu viel zu, doch auch das wird mit der Zeit besser werden. Noch gibt es dunkle Orte in mir, an die ich noch nicht gelangt bin, die erst noch erhellt, durchleuchtet, erforscht werden müssen. Ich bin noch die, die ich mal war, doch ich bin nicht mehr die Schläferin, denn die Rolle der passiv Duldenden war nie die meine. Ich möchte wieder schaffen, wach sein für die Welt und für alle und alles um mich herum. Und ich kann es.
Ich freue mich auf den Frühling. Ich freue mich darauf, ein altes Kapitel abzuschließen und ein neues, wenngleich momentan noch ungewisses, aufzuschlagen. Ich freue mich auf das Erwachen der Natur nach einer viel zu langen Zeit der Dunkelheit, und ich hoffe, daß dieser Frühling für jemand Anderen schön wird. Der letzte hat viel Schmerz gebracht, viel zu viel davon. Ich hoffe, daß dieser ein wenig heilen kann. Auch ich bin noch lange nicht soweit, auch meine Wunden bluten noch, der Körper ist schwer, der Geist knickt ab und an noch ein. Doch meine Seele ist frei, und freut sich am Leben und an all dem, was mir jeden Tag aufs neue geschenkt wird. So wie gestern. Noch nie habe ich ein solches Geschenk erhalten. Manchmal fehlen sogar mir die Worte um zu beschreiben, was ich fühle. Und es fühlt sich gar nicht mal schlecht an....
My spring will come...
geschrieben von: Nnordy
...Lass die Leute reden und lächle einfach mild
Die meisten Leute haben ihre Bildung aus der Bild
Und die besteht nun mal, wer wüsste das nicht
Aus Angst, Hass, Titten und dem Wetterbericht
Lass die Leute reden, denn wie das immer ist
Solang die Leute reden, machen sie nichts Schlimmeres
Und ein wenig Heuchelei kannst du dir durchaus leisten
Bleib höflich und sag nichts - das ärgert sie am meisten...
(Die Ärzte, Lasse reden)
Der letzte Song, den ich hörte, bevor ich zum Gericht aufbrach. Und erleben zu dürfen, wie Herr Dr. S. samt Anwalt vom Richter und meinem Anwalt zusammengefaltet wurde, das hat zumindest einen Teil der Hölle, durch die ich die letzten 10 Wochen gegangen bin, wettgemacht. Äußerlich ruhig, wurde mein inneres Grinsen immer breiter während der Richter der Gegenseite auseinander dividierte, daß hier wohl "mit Kanonen auf Spatzen" geschossen worden sei, daß Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung ein Grundrecht in Deutschland seien und daß, wenn man sich schon an keinen Tarifvertrag binden wolle, man doch wenigstens seine Arbeitsverträge und Vereinbarungen so gestalten solle, daß sie mit deutschem Recht vereinbar seien. Und das kleinlaute "Wir nehmen den Vergleich an" des gegnerischen Anwalts war reine Musik in meinen Ohren. Wenigstens einmal wurden Intrigantentum, Ungerechtigkeit und Kindergartenverhalten abgestraft, wenigstens einmal in den vergangenen 10 Wochen reichte die Luft wieder zum Atmen, wenigstens einmal wurde sogar im Außen bestätigt, daß es sich lohnt zu kämpfen. Und ohne den Kater und ohne meine Freunde hätte ich es nicht so unbeschadet überstanden. "Andere in deiner Situation würden zusammenbrechen und Du stehst immer noch..." Ja, ich habe bis zum Schluß gestanden. Schwankend zwar am Ende, aber wann immer ich zu kippen drohte warst Du da - "wir kriegen das schon hin". Dein unerschütterlicher Optimismus gleicht meinem unerschütterlichen Idealismus, obgleich ich gerade am Montag mit nichts gerechnet hatte. Wie sagte mein Anwalt so schön? "Ich hätte nicht gedacht daß sie den Vergleich annehmen." - "Ich auch nicht." Es lohnt sich, zu kämpfen. Ich bin nicht kugelsicher, und ich bin nicht unverwundbar. Am Samstag Abend bin ich kurz eingebrochen, aber es war nichts, was ich mir hätte vergeben müssen. Angesichts der Situation, wie sie sich zu diesem Zeitpunkt darstellte, war ich überrascht, daß es erst dann passierte. Und wieder warst Du da, hast mir nicht das Blaue vom Himmel herunter versprochen, sondern warst einfach da. So wohltuend, gehalten zu werden, nicht ins Bodenlose zu fallen, sondern deine starken Arme um mich zu haben, mich nicht für meine Schwäche schämen zu müssen sondern zu akzeptieren daß auch ich nur ein Mensch bin und daß Du mich genau dafür liebst daß ich bin, wie ich bin. Aber ich habe durchgehalten. Und diese Dreiviertelstunde am Montag hat einiges gutgemacht...
Wann immer wir gemeinsam mit der Twin fahren genieße ich die Freiheit, den Klang des Enduro-Motors, das Vibrieren der Maschine unter mir und mich in deinen Windschatten zu ducken. Es ist, als seien wir mit der Maschine verwachsen, als wäre es die Dir und mir eigene natürliche Fortbewegungsart. An manchen Tagen liegen wir nebeneinander und dann gestattest Du Dir und ich mir, ein bißchen zu träumen. Manchmal in Zwischenwelten, manchmal in dieser Welt und manchmal einfach nur im leeren Raum, aber stets hat die Zeit keine Macht über uns. Gemessen in realer Zeit verbindet uns erst wenig, und vieles, was wir bereits für- und miteinander getan haben (und was wir noch vorhaben) würde anderen Menschen übertrieben oder übereilt vorkommen. Ich selbst hätte mir noch im Dezember nicht vorstellen können, was mir jetzt gerade passiert... Und daß es so wunderschön sein könnte. Es mag so manchem kitschig oder völlig bescheuert erscheinen - aber die Verbundenheit, wie wir beide sie teilen, ist einzigartig. Gefühlte und gelebte 101%.
Wenn Du mir, wie gestern, gegenüber stehst, den großen Anderthalbhänder in beiden Händen, während ich deinen Einhänder wie einen Anderthalbhänder halte, immer dieses Leuchten in den Augen und das ansatzweise Lächeln auf dem Gesicht, ohne dabei unkonzentriert zu sein (denn "Du haust schon ganz schön zu" - ja, tue ich, so wie ich alles, was ich anfange, voller Leidenschaft tue), wir uns beide widerspiegeln, und uns dann während der Übungen gegenseitig vor- und zurücktreiben - dann ist das anstrengend, und es ist Spaß, und es ist genauso, wie es sein soll. Alles mit Dir fühlt sich richtig an, fühlt sich vertraut an, und manchmal legen sich Zukunfts-Bilder und Gegenwart übereinander, für einen kurzen Augenblick, und zaubern wieder ein Lächeln auf mein Gesicht. Du und ich, nebeneinander in der Schlacht. Du in meinem Rückspiegel, während die Yamaha bei knappen 8.000 dreht. Küchenexperimente und dabei Metallica hören. Den Garten verschlimmbessern und am Ende doch einfach eine Hängematte aufhängen. Du, verschwitzt hinter dem Schlagzeug, und ich hinter dem Mikro. Nach der Arbeit kaputt im Sessel hängen und dann doch nochmal raus zum Tischtennismatch - oder noch auf ein kleines Schwertgeplänkel. Dröhnende Motoren in den grünen Hügeln von Wales. Selbst wenn sich die Furchen tiefer graben, die Haare ihre Farbe verändern, gewisse Zeitzeichen nicht mehr zu übersehen sind - es wird nichts ändern. Denn das Gefühl, das ich für Dich habe, ist zeitlos. Vielleicht hat es schon immer irgendwo gewohnt und bloß darauf gewartet, daß die 2. 100%, die sich mir als eben diese zeigen, endlich vorbeikommen. Mit Dir kann ich sein, was ich vorher nicht war - 100%. Und umgekehrt. Die Zeit wird niemals Macht haben, über Dich, oder über mich. Nicht, so lange wir Rücken an Rücken stehen, wenn es erforderlich ist, oder einander umarmend, wenn das Schlachtfeld leer ist.
Time after time...
geschrieben von: Nnordy
"Der Panther
Im Jardin des Plantes, Paris
Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.
Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.
Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille -
und hört im Herzen auf zu sein."
(Rainer Maria Rilke)
Ich fühle mich wie der Panther. Schlage die Zeit tot, obwohl ich weiß Goth genug zu tun hätte. Eigentlich so viel, daß ich mich dafür schlagen könnte, daß ich nun hier sitze und mir diese Dinge von der Seele tippe, statt zu machen. Ich bin jemand, der sich am wohlsten fühlt, wenn er Dinge tut. Weil er sie tun will. Ich habe mein Leben in den vergangenen Monaten so gelebt und es war wunderschön. Doch nun merke ich, wie mir die Selbstbestätigung über den Job einfach fehlt. Die Tage gleichen sich an, und wo ich vorher praktisch tat, entwerfe ich jetzt wieder nur Theorien, ohne auch nur die leiseste Ahnung zu haben, ob und wenn ja wie ich sie umsetzen soll. Selbst die Aussicht auf baldige Fahrstunden kann mich nicht erfreuen. Ich drohe zu verlieren, was mir gut tat, und ich kenne die Bahn, auf die dieser train of no return einzubiegen sich anschickt. Vielleicht ist es noch früh genug, vielleicht ist es noch nicht verloren. Vielleicht kann ich mich aus diesem Loch herauswinden, mich wieder in die Mitte meines Lebens positionieren. Ich möchte es gern. Doch momentan fühle ich mich, als hätte ich nicht die Kraft dazu. Es ist der Stillstand, der mich lähmt. Jemand wie ich braucht ständig neuen Input, Weiterentwicklung. Und ein Ziel. Aber das habe ich derzeit nicht. Als würde sich wieder ein Schleier über meine Gefühle legen, und es wird nicht lange dauern, bis es auch der Gefährte merkt. Wieder einmal sind es nicht in Worte zu fassende Dinge, die mich aussaugen, mich belasten. Und ich hasse mich selbst dafür, vor allem, weil ich noch nicht einmal genau weiß, warum.
Ich bin unzufrieden, weil ich nicht weiterkomme. Da hilft auch die abgegebene Magisterarbeit und der gewonnene Prozess nichts. Und nicht einmal die gestrige Aussage von wegen "bei Ihnen hab ich gar keine Bedenken, Sie sind so hoch qualifiziert, da ist das überhaupt kein Problem" kann Abhilfe schaffen. Man kann gut in der Gegenwart leben wenn die Zukunft gesichert ist, überschaubar zumindest. Aber da ist derzeit gar nichts sicher, und ein bißchen Panik steht an der Schwelle. Sauer auf mich selbst, weil ich meinen Hintern nicht hochbekomme.
Heute Abend werde ich wieder freier atmen können, denn heute Abend habe ich mal ganz für mich allein. Der Gefährte ist bei einem Freund, Klamotten anpassen. Das heißt daß ich nach der Fahrstunde gemütlich nach Hause komme und Zeit habe, kein Gehetze, kein Gerenne, kein 'Mist-wir-sind-ja-noch-verabredet' oder 'Scheiße-der-Termin' oder 'wäh...'. Tut mir bestimmt mal ganz gut, und ich sollte es öfter machen. Für jetzt - versuche ich wenigstens, ein paar Dinge zu erledigen. Auch, wenn ich nicht weiß, woher ich die Energie nehmen soll, um nur vor die Tür zu gehen.
geschrieben von: Nnordy
Nun habe ich meine zwei ersten Mittelalter-Lager hinter mir und konnte feststellen, daß es prinzipiell nicht so verschieden vom LARP ist. Mal abgesehen von der Tatsache, daß der Rollenspielcharakter fehlt. Und daß den Klamotten und der kompletten Ausrüstung eine wesentlich größere Bedeutung zukommt - Stichwort "A". Ich erinnere mich noch, wie mich dieses ständige A-Gefasel meiner Freundin nervte, wenn sie mir von Vereinsdingen erzählte die mich damals nicht die Bohne interessierten und immer wieder bekam ich "dies und jenes muß A sein", "das ist aber nicht A" und "und dann will ich mir jetzt noch A-Schuhe im Schuhbaukurs machen" anhören - es ging mir gehörig auf den Zeiger. Auch jetzt finde ich noch vieles übertrieben. Klar, es hat seinen Reiz seine Klamotten selbst mit natürlichen Mitteln zu färben, sie selber zu nähen usw. - aber die Sache mit dem Zelt jetzt ist mir dann doch zu blöd. Da hatten der Gefährte und ich uns auf ein Zelt 'eingeschossen' - das Merlin von Famwest, mit dem der Gefährte in der Vergangenheit sehr gute Erfahrungen gemacht hat, und mir gefällt es auch ausnahmslos gut. Nicht billig, aber die Investition wert. Und nun die Diskussion darüber, daß es "nicht zur Darstellung passt". Ja Himmelherrgott, wenn alle ihrer Darstellung entsprechend nächtigen wollten, müßte fast die komplette Truppe draußen schlafen!!!! Mal davon abgesehen daß es momentan keine wirkliche Darstellung gibt, zumindest keine die ausgespielt würde, aber das soll sich ja im Laufe des Jahres wieder ändern, und dann... "Naja, so ein herausragendes Zelt wie das Merlin entspricht halt schon eher einer höheren Darstellung..." Oh Mann. Nein, sorry, da bin ich vielleicht zu un-A für oder was weiß ich was. Aber es geht um einen Pennplatz und einen Platz für das Gepäck. Und jetzt ist ein Leinenzelt im Gespräch das genausoviel kostet wie das Merlin aber weniger Platz bietet, ein Geteld, das ich persönlich ziemlich hässlich finde (genau wie die Frauenklamotten aus dieser Periode - extrem A, aber Sack und Asche), das durch seine schrägen Wände weniger Platz bietet und das noch dazu mehrere Monate Lieferzeit haben wird, wenn es handgenäht wird. Ich merke, wie sich meine anfängliche Begeisterung für den Zeltkauf gerade gen Null nähert, weil ich dieses Kindergartentheater überflüssig finde. Aber hey - dem Gefährten ist es wichtig, also bitte, aber ich halte mich raus. Und ob ich mich an einem Zelt beteilige, das ich persönlich eigentlich nicht haben will, lassen wir mal dahingestellt sein.
In dieser Hinsicht präferiere ich das LARP gegenüber dem Reenactment. Da gibt es wenigstens, zumindest wenn es um die Penne geht, weniger Affentheater.
Vielleicht werde ich mich mit meiner Männerdarstellung wohler fühlen. Ich mag diese Frauenklamotte nicht, das braune sackförmige Kleid und dieses Schleiergedöns auf dem Kopf, das ständig rutscht und wo ich das Band ständig wieder über die Ohren ziehen muß damit man auch ja die roten Haare nicht sieht. Bundhauben sind wesentlich unkomplizierter und ich werde meine krapp einfärben, dann fallen die Haare nicht mehr so auf. Und dann klebe ich mir einen Bart an und behaupte, ich sei der Wiki-Austauschschüler. ;) Und ich will selbst Papier herstellen, auch wenn das für 1245 nur für Spanien belegt ist. Aber vielleicht war mein Char ja lange Zeit in Spanien... - Noch eine Männerdarstellung - der Schreiber. Was dem Gefährten zwar einerseits gefällt, weil es ihn freut, daß ich etwas gefunden habe, was mir Spaß macht und womit ich mir die Zeit vertreiben kann, so lange ich noch nicht weit genug bin um in den Schlachten mitzukämpfen, andererseits aber scheint er es etwas wehmütig zu sehen, denn dann ist's Essig mit Hand in Hand rumlaufen oder knutschen... Sei's drum. Ich weiß warum ich nicht im Mittelalter hätte leben wollen - diese starre Rollenfixierung für Frauen geht mir gewaltig gegen den Strich. Trotzdem werde ich mir auch eine Frauenklamotte machen, entweder mit einem krapp oder mit einem rotholzgefärbten Kleid, alles, bloß nicht braun. Mir stehen Erdfarben nicht, braun und grün sind an mir eine Zumutung. Krapp, Rotholz, Waid - das passt. Und es sind schöne und intensive Farben.
Aber irgendwie merke ich auch hier - klar, es macht Spaß, aber immer muß ich das nicht haben. Genau wie beim Larp - Spaß, aber auch strapaziös. Wobei das derzeitige Kostümsaufen wesentlich weniger anspruchsvoll und anstrengend ist als ein Larp. Der nächste Event ist Anfang Juni, vor meiner Klausur, und da werde ich meine Bücher mitnehmen und dort lernen, denn dort habe ich mehr Ruhe und weniger Ablenkung als hier zu Hause. Und darauf freue ich mich auch schon.
Wie sagte es gestern mein Freund? "Ich merke immer mehr daß ich nicht kompatibel bin." Und ich entgegnete nur: "Hast Du ein Glück wenn das bei Dir erst jetzt so ist - bei mir ist das schon fast das ganze Leben der Fall." Ich bin nicht gruppenkompatibel, ich kann keinen Smalltalk, und ich bemühe mich nicht darum mit Leuten zu kommunizieren die ich nicht mag oder die mit mir schlicht nicht auf einer Wellenlänge sind. Ich beherrsche die Kunst des einfach nur Mist laberns in Gruppen nicht, weil ich mir immer eher eine Person rauspicke mit der ich mich unterhalte während der Rest andere Dinge tut, andere Gespräche führt oder was auch immer. Das hat auch was damit zu tun, daß ich der Meinung bin, daß mein Gesprächspartner meine volle Aufmerksamkeit verdient hat. Aber für viele Menschen scheint das irgendwie merkwürdig zu sein. Ich habe es akzeptiert - die plattgedrückte Nase. Die unsichtbare Glasscheibe. Und hadere nicht mehr damit, sondern nehme es an, weil ich weiß, daß es auch immer Momente gibt wo sich die Scheibe auflöst, kleine Augenblicke in denen es keine Trennwand gibt, Zeiten in denen ich mich nicht als Fremdkörper fühle.
Dennoch - die Angst begleitet mich. Mein Leben scheint mir zu entgleiten, und ich muß etwas tun, doch weiß ich nicht was. Ich tue viele Dinge, die ich tun möchte, doch irgendwo verliere ich wieder die Kontrolle an Stellen, an denen sie zu verlieren mich wieder in Abgründe befördern kann, die ich nicht wiedersehen wollte. Meine Gefühle, ihre Lebendigkeit und Tiefe scheinen wieder zu verblassen, und das ist so ungerecht.
Ich werde laufen gehen, hinaus in das Gewitter, das aufgezogen ist, in den Regen, werde mein Gesicht dem Himmel zuwenden, die Tropfen auf meiner Haut spüren und die Naturgewalten an mir zerren lassen. Ein Gewitter kann reinigend sein. Vielleicht auch für mich...
geschrieben von: Nnordy
Zwei Prüfungen hinter mir, zwei noch zu machen, dann ist es vorbei. Für jeweils drei Tage lernen kann ich mich über das Ergebnis nicht beschweren: Eine glatte 1 und eine 1,3 in meinem 'Horrorfach' Philosophie. Aber meine Ausführungen zu Comenius, Kant, Humboldt, Nietzsche und Adorno, sowie James und Sartre konnten wohl überzeugen - dafür lasse ich es mir jetzt nicht nehmen, die Ergebnisse ein klein wenig zu genießen. Ich kann es noch. Wenn die Klausur nächste Woche und die mündliche in 3 Wochen ebenso gut laufen habe ich meine 2 in der Tasche.
Der neue Job fängt am 1. Juli an, die Chinchillavoliere ist in Planung und der Umzug des Gefährten auch. Dabei wollte ich nie mehr wieder mit einem Mann zusammenziehen - weil es mit mir offensichtlich nicht auszuhalten ist. Zweimal getan und zweimal gescheitert. Doch, so abgedroschen es klingen mag - diesmal ist irgendetwas anders. Vielleicht ist es die Art, wie Du mich ansiehst. Vielleicht ist es dein Lächeln, oder die Art von Energie wie ich sie spüre seitdem es Dich in meinem Leben gibt. Vielleicht ist es deshalb, weil Du mich nicht im mindesten einengst, weil ich weiß daß ich weiterhin alles tun und lassen kann was ich möchte, und weil ich mit Dir weiterhin leben kann, daß ich Dinge tue, weil ich sie tun will, nicht weil ich sie tun muß. [Nietzsche, mit dem ich ansonsten nicht viel am Hut habe, hat in dieser Hinsicht eine Theorie aufgestellt, die mich überrascht hat: Ein unzeitgemäßes Leben definiert sich über 'Ich will' (statt 'Du sollst'), der Mensch, der ein solches Leben wählt, soll der werden, der er ist. Für ihn ist Bildung nicht nur eine Befreiung, sondern eine Lebenskunst, verbunden mit dem Risiko, zu scheitern.] 'Ich will' ist mit Dir kein egoistischer Akt, denn wir wollen das Gleiche. Das ist es, was ich sehen, hören, spüren kann, wenn Du da bist. Es ist nicht selbstverständlich, wird es nie sein. Du siehst, was ich für Dich tue, und ich sehe, was Du für mich tust, und stets ist es den Moment wert, dies zu sagen, einzuräumen, sich zu bedanken, denn es ist nicht selbstverständlich. Ich war nie jemand, der Dinge von anderen Leuten als selbstverständlich angenommen hat, während vice versa ich oftmals etwas tue, was für mich selbstverständlich ist. Dennoch freue ich mich, wenn es bemerkt wird, wenn ein Lächeln kommt, ein Dankeschön oder eine Umarmung. Ist das irgendwie zu viel?
Mein Leben kommt wieder in Fluß. Ich richte es neu aus, und das tut unheimlich gut. Mein Leben, mein kleines chaotisches Leben, das gerade in den letzten Monaten alles andere als einfach oder ohne Hindernisse war - ich liebe es. Schmerz, Mitleid, Schuld - sie sind Teil von mir, werden es immer sein. Genau wie die Melancholie, diese Alabasterschönheit, mir nie fremd sein wird. Aber auch das ist in Ordnung, denn manchmal brauche ich ein wenig Blau, an manchen Tagen, wenn ich einen Pinguin sehe, wenn mir ein altes Bild in die Hände fällt oder ich ein bestimmtes Lied höre. Und mit all meinen Seiten, all meinen Teilen, werde ich heute so angenommen, wie ich bin. Kämpferin, Pippi, Katze, Löwin, Reh und Furie, Engel und Dämon, stark und schwach, Feuer und Wasser, taktvoll und taktlos, entscheidungsfreudig und hilflos, theoretisch, rhetorisch, unpraktisch, chaotisch, mutig und manchmal noch ängstlich - alles nimmst Du an, und immer gibst Du mir das Gefühl, daß es ok ist. Akzeptiert werden wie man ist. Wahr gewordener Traum.
Das gleichförmige Klirren von Metall auf Metall. Du stehst, mit dem Rücken zu mir, am Amboß, formst aus einem feurigen Klumpen Metall einen länglichen Gegenstand, und ohne daß Du etwas sagst weiß ich daß es mein Schwert ist, das Du gerade schmiedest. Du drehst Dich um, Ruß im Gesicht, hältst kurz inne um Dir mit einer Hand den Schweiß vom Gesicht zu wischen und nun sieht es ein bißchen aus wie eine Clan-Kriegsbemalung. Ich stehe im Torrahmen, an den Pfeiler angelehnt, und muß Dich anlächeln, denn so, wie Du dastehst, bist Du die Summe all dessen, was ich an Dir so liebe. Die strahlenden blaugrünen Augen, der schlanke und doch muskulöse Oberkörper, deine langen Haare die Du im Nacken zusammengebunden hast, damit sie Dich nicht bei der Arbeit stören, deine großen kräftigen Hände, in denen der Schmiedehammer fast wie ein Spielzeug aussieht, dein Lächeln das selbst den dunkelsten Ort ein wenig heller macht, der halb unschuldige, halb verschmitzte Ausdruck auf deinem Gesicht, die Wärme mit der Du mich ansiehst - und durch all das hindurch umhüllt mich deine Liebe wie eine leichte warme Decke, so daß ich weiß, daß mir nie wieder kalt sein wird...
geschrieben von: Nnordy
Noch ein Atemzug. Und dann das, von dem ich den ganzen Morgen schon gewußt hatte, daß es passieren muß. Stille. Der kleine Körper gibt auf, tut das, was ich ihr schon vor zwei Wochen sagte: "Wenn Du nicht mehr kannst, nicht mehr willst, dann darfst Du gehen. Es wäre schön wenn Du noch ein bißchen bleiben würdest, aber wenn es nicht geht, geh." Das Tierchen den ganzen Morgen in den Armen gehalten, den schweren Atem gehört, versucht es ihr zu erleichtern so gut es ging, ihre Füßchen auf meinen Arm gestellt damit sie besser Luft bekommt. Gewärmt, gestreichelt, geredet. Ihr gesagt, daß ich sie lieb habe. Daß ich ihr dankbar bin für alles. Erzählt wie es war als sie einzog, damals, im Mai 2003. Und wir sie alle für einen Kerl hielten, ein zwei Jahre andauernder Irrtum, der sich erst durch den Einzug ihres Kumpels Foggy im Juni 2005 berichtigte. Viermal geworfen, auch wenn das 1. Baby, Miko, nach 4 Wochen starb - die anderen sind alle durchgekommen und die letzten zwei, Hugin und Nico, sind ihren Eltern wie aus dem Gesicht geschnitten. Hugin wird ihr immer ähnlicher, Nico seinem Vater.
Meine Diva. Wir hatten keine so lange Zeit miteinander wie ich es mir gewünscht hätte. Die letzten Stunden zählten mit zu den schlimmsten, die ich je durchmachen mußte. Aber ich habe mein Versprechen gehalten - ich habe Dich nicht allein gelassen. Nicht eine Sekunde. Hab Dich bei mir gehalten bis zuletzt. Jetzt habe ich Dich sanft in das rote Handtuch eingewickelt, das Fell ein bißchen geglättet, in das viele Tränen getropft sind. Ich habe Dir gestern gesagt, daß Du keine Angst haben mußt. Da, wo Du jetzt bist, hast Du keine Schmerzen, bist wieder quietschfidel wie früher, kannst herumspringen, Drumcomputer und Bücher zernagen so viele Du magst, rumkacken so viel Du willst und nach Herzenslust in riesigen Kuhlen voller feinstem Badesand baden.
Für TomTom, den weltbesten mighty Kacksack. Zerstörerin von Drumcomputern, Büchern und Plastikkästen. Mutter von vier niedlichen Nachwuchs-Zerstörern (Miko, Mistral, Hugin und Nico - alles Jungs). Gefährtin von Foggy.
15.5.2003 - 18.7.2008
Rest in peace. Du fehlst mir.
geschrieben von: Nnordy
Meine Augen sind klein und rotgerändert. Leere.
Hätte ich nicht mehr tun können? Habe ich zu wenig getan? Mich zu wenig gekümmert?
Man weint nicht um denjeniger, der geht, sondern um sich selbst. Weil man gezwungen ist, den Rest seines Lebens mit diesem Verlust zu leben. Aber sie wollte leben. Nur hat es am Ende von der Kraft nicht ausgereicht.
Vielleicht bin ich zu spät zum TA - bestimmt sogar. Aber nach den Torturen im letzten Jahr wollte ich ihr das ersparen, bis es wirklich nötig wird.
Habe ich zu viel falsch gemacht?
Ich habe sie um Verzeihung gebeten, gestern. Und ich glaube, sie hat mir verziehen. Als sie sich gestern, wie früher, noch einmal über die Nase strich, diese Geste, die ich an ihr so liebte, da war es, als wollte sie mir sagen: "Mach Dir keine Gedanken um mich, es wird schon alles gut. Und ja - ich hab Dich auch lieb."
Es ist nicht schlimm, wenn man ein Tier so lieb hat. Ich danke dem Schicksal, daß es mich im Mai 2003 an diesen Käfig im Tierheim geführt hat, und ich danke B. und R. dafür, daß sie mich ermuntert haben, es doch zu versuchen. Auch wenn sie von den Pflegerinnen dort als 'psychotisch' eingestuft wurde - selten habe ich ein Tier erlebt, das so wenig psychotisch war. Das sich so schnell in die neue Umgebung eingefunden hat und so offen war. Und das sich so bedankt hat - auch wenn ihr einige Preziosen (R. weiß, wovon ich rede... ;)) zum Opfer fielen.
Du hast mir so viel gegeben. Ich werde Dich vermissen, wie Du herumhüpfst, Dich auf meinen Fuß setzt, mit den Fingern vorsichtig über dieses weiche fluffige Fell zu streicheln, sacht zwischen den Ohren, die dann immer seitlich nach unten klappten. Die großen grauen Mickymaus-Ohren. Die schwarzen Fingernägel. Den schwarzen Flaschenbürstenschwanz, den Dir irgendein Vollidiot zuvor mal gebrochen hatte. Die grauen Seiten, und wie Du Dich früher häufig hinsetztest und Dir das Pläuzchen streicheln ließest. Wie Du Dich rührend um Deine Babys gekümmert hast. Wie Du Foggy auf die Mütze gehauen hast, wenn er wollte und Du nicht. Wie Du die Leckerlies aus meiner Hand genommen hast und dabei vorsichtig warst, um mir nicht in den Finger zu beißen. Und deine Diva-Allüren. Wie Du Dir mit der Vorderpfote über die Nase gestrichen hast, und mich dabei mit deinen schwarzen Kulleraugen anschautest.
Danke, TomTom. Ich vermisse Dich (Robert und Foggy auch).
geschrieben von: Nnordy
Ich kann jeden Tag auf ihr Grab hinausschauen. Der wilde noch verbliebene Chinchillahaufen trauert auch. Nach anfänglicher Klopperei scheint jetzt doch alles gutzugehen, ich hoffe, es bleibt so. Sie fehlt mir. Aber ich weiß daß, wo immer sie jetzt ist, es ihr gut geht. Und daß sie nicht allein ist. Miko hat auf sie gewartet, meine Omi hat auf sie gewartet.
Seit ein paar Wochen bin ich in einer merkwürdigen Stimmung. Mir kommen unvermittelt die Tränen, bei einem Lied, bei den Gedanken an längst Vergangenes, wenn ich mir Bilder ansehe oder einfach nur so hinaus in grünes Sommerlaub und blauen Himmel sehe. Ich weiß, daß ich nichts hätte anders machen können. Ich weiß, daß es mein Weg war. Und doch gibt es vieles, das ich so sehr bedaure. Denn es hätte nicht so weit kommen müssen. Doch wie immer sind wir alle nur Menschen. Menschen mit Fehlern und Schwächen, Menschen mit Stolz und viel zu oft unsensibel für die Bedürfnisse unserer Mitmenschen und ganz besonders für die Bedürfnisse derer, die wir am meisten lieben. Manche Dinge habe ich erst verstanden, als ich die Musik gehört habe. Als ich dieses Album hörte, auch hier vor allem die Instrumentals, war dies einer der viel zu seltenen Momente, in denen ich den Eindruck hatte, wirklich heranzukommen, daß sich das Tor innerhalb des großen Bollwerks, das um Dich herum errichtet war, öffnete. Etwas, das ich jahrelang herbeigesehnt hatte, und das nicht passierte. Wie jener Moment, in dem mir damals klar wurde, daß ich nur deinen Körper halten kann, nicht aber deine Seele, weil Du mich nicht ranließest. Das ist nicht meine Schuld, aber alles hätte anders sein können, wenn Du das zugelassen hättest. Und wenn Du mich, gerade in der Öffentlichkeit, anders behandelt hättest. Ich bin ein stolzer und unbeugsamer Mensch. Eine gewisse Zeit kann ich einstecken, es aushalten, wenn man auf mir rumtrampelt, mir Unrecht tut, mich kleiner macht als ich bin. Aber nicht für ewig. Und schon gar nicht, wenn alles durch geht, durch den 'Panzer', der nur nach außen wie einer aussah. Wahrscheinlich ist alles so gekommen, wie es kommen mußte. - Ich bin glücklich mit dem Katerwolfsgefährten. Nur manchmal blickt mich die Vergangenheit mit deinen grünen Augen an, und dann gibt es diesen dicken Kloß in meinem Hals, und dann gibt es Tränen. Und es ist gut, daß es so ist. Wenn wir Dinge, die gut waren (nicht perfekt!), die groß waren, nicht mehr beweinen können, wenn sie vergehen, dann haben wir es nicht verdient, uns als fühlende Wesen zu sehen und zu begreifen.
Ich wünsche Dir von Herzen, daß Du glücklich bist. Und es bleibst. Ich würde mir wünschen wollen, daß es keinen Haß gibt, aber das bleibt wohl Utopie. Ebenso wie es Utopie bleiben wird, zu erwarten, Menschen wären fähig, fair zu sein. Alle Perspektiven zu sehen, alle Ansichten zu hören. Das Leben ist nicht fair, warum sollte es meine Umwelt sein?
Ich bin glücklich. Ich vermisse nichts. Es gibt nur eben ein paar Dinge, an die ich zurückdenke, und deren Verlust unheimlich weh tut. Winterherz.
geschrieben von: Nnordy
Tempus fugit.
Es sind viele Wochen vergangen, seit ich zuletzt hier geschrieben habe. Das liegt auch daran, daß sich mein Leben sehr zum Positiven verändert hat. Daß ich im sogenannten RL so viele Dinge tue, daß für die virtuelle Welt kaum Zeit bleibt. Ich vermisse einige, die ich hier kennengelernt habe. Dank dieses Boards bzw. den Leuten, die ich hier kennenlernte, habe ich viele Dinge im letzten Jahr weit besser überstanden als wenn es diese Menschen nicht gegeben hätte. Dafür sage ich DANKE - diejenigen, die wissen, was ich meine, werden sich hoffentlich angesprochen fühlen. :)
Der Herbst ist da. Buntes Laub, grauer Nebel, blasse Sonne, großer Mond. Wunderschön wie jedes Jahr, doch nie so warm wie jetzt. Weil es in mir warm ist. Weil der Mensch, der an meiner Seite steht, mir so viel Wärme gibt, daß es für die Ewigkeit reicht. Klar, ich friere, äußerlich, wenn es draußen kalt ist. Oder wenn ich im Schneckentempo auf dem Motorrad durch die Straßen kriechen muß. Aber in mir drin - da ist dieser Ort, der vom milden Licht einer warmen Morgensonne beschienen wird, an dem Frühling, Sommer, Herbst und Winter herrscht, an dem ich durch Blumenwiesen laufe, durch Maisfelder, durch bunten Herbstwald und mich lachend in Schneewehen fallen lassen kann. Und mein Lachen erwidert wird, wenn Du mich von hinten umarmst, mich durch die Luft wirbelst, mit mir die Schneeballschlacht eröffnest. Deine Hand in meiner - meine Hand in deiner. Eine große Wärme, die nur noch intensiver wird je öfter ich Dich ansehe, je öfter ich bemerke, wie wir uns wortlos verstehen. Wenn Du mit mir lachst, mit mir weinst, mit mir konzentriert trainierst. Es gibt so viel, was auf uns wartet - die Welt steht uns offen, und wir laufen, laufen, gespannt und offen für alles, was uns begegnet. Die Angst ist verschwunden - Vorsicht bleibt, manchmal. Ich bin so offen, wie ich es vorher nur gegen meine besten Freunde sein konnte, und mache die wunderbare Erfahrung, nicht zurechtgewiesen, sondern verstanden zu werden. Es ist so wohltuend, wenn ich mit über 30 noch erleben darf, wie meine Schwächen nicht ausgenutzt werden, sondern akzeptiert.
Noch vor 10 Monaten hatte ich mir geschworen, mit niemandem mehr zusammenzuziehen. Mir meinen Freiraum zu erhalten, egal, was kommt. Doch Du engst mich nicht ein. Du nimmst mir nicht ein Quentchen meiner Freiheit. Ich kann atmen, leben statt zu existieren. Und daß ich es mit Dir kann, macht die Welt bunter und das Leben noch schöner. So muß es sich anfühlen, wenn man liebt.
geschrieben von: Nnordy
Doch heute atmen wir
Denn heute leben wir
Heute wird es sein
Und niemals mehr allein...
(Nnordyca, "Allein", c/p NN/MM, 2008)
Wie wundervoll es ist. Wieder Musik zu machen. Wieder singen zu können, zu merken, wie die Magie immer noch wirkt. Und dadurch bestätigt zu sehen, dass ich nicht bloß von einem Einfluss abhängig war, dass ich allein auch etwas schaffen kann. Nein - nicht allein. Ohne Dich, den Gefährten an meiner Seite, wäre auch dieser Song nicht möglich gewesen. Wären nicht diese Worte aus mir herausgeflossen, wie sie es getan haben. Es wird ein wunderschön verträumter und sehr hoffnungsvoller Song. Ich hatte Angst, dass ich nicht schreiben können würde, weil es mir einfach gut geht. Weil ich glücklich bin. Aber ich durfte feststellen, dass ich nicht down sein muss, um Texte schreiben zu können, um Melodien zu ersinnen, um mich in Lieder zu finden und mich darin einzupassen, herauszufinden, wie sie gesungen werden wollen.
Vielleicht wird nichts daraus. Vielleicht wird alles daraus. Es wird sich weisen, und egal was - es sind Sachen entstanden, die mir, die uns keiner mehr wegnehmen kann. Kostbare Zeit, kostbare Stunden die ich mit nichts anderem hätte füllen wollen. Ein Schluck Lebenselixier, lange entbehrt und nun wiedergewonnen - vielleicht nicht für lange, aber das spielt eine untergeordnete Rolle.
Ich bin vielleicht nicht die beste Sängerin, die es gibt, aber das macht nichts. Ich habe etwas zu sagen, und ich habe etwas zu geben. Es ist wunderschön, wenn ich Menschen damit berühren kann - ein Bonus, sozusagen. Denn eigentlich will ich ja niemanden belästigen. Aber auch hier habe ich Zuspruch bekommen, schon bevor überhaupt klar war, ob und wie ich es anfangen will.
Abermals beginnt sich ein Weg abzuzeichnen, umrahmt von dichtem Wald. Viele Unwägbarkeiten mögen dort lauern, der Weg nimmt vielleicht ungeahnte Windungen, doch das ist nicht schlimm. Noch immer ist es schwierig, nicht ständig die Kontrolle zu haben, doch ich lerne. Zu vertrauen. Mich zu öffnen. Und vertrauensvoll setze ich die ersten Schritte auf diesem Weg, denn ich mag vielleicht fallen, ich mag vielleicht fehltreten, doch ich werde nicht scheitern. Diesen Weg kann nur ich gehen, denn ich gehe ihn mit Dir. Mit dem Gefährten, der atmend und voller Kraft und voller Vertrauen an meiner Seite steht, seine Finger um meine geschlungen hat, dessen Atem kleine Wölkchen in der kalten Herbstluft erzeugt und dessen sanft-sonore Stimme eine so beruhigende Wirkung auf mich hat.
Ich freue mich - auf die Zukunft. Ich weine immer noch leise Tränen um die Vergangenheit, und das wird auch immer so bleiben, denn was dort zurückgeblieben ist, war mal was ganz Großes. Verspielt. Doch ich darf mich auf die Zukunft freuen, denn dort warten auch große Dinge. Ich werde vorsichtig sein, doch ich werde immer ich bleiben. Vielleicht kann es funktionieren. Und vielleicht, vielleicht wird die Musik ein kleiner Wegweiser sein, nicht nur für uns, wenn alles andere dunkel bleibt.
geschrieben von: Nnordy
Weihnachten. Für viele anscheinend die schlimmste Zeit des Jahres.
Du hast nichts verarbeitet, gar nichts. Jetzt bricht es wieder aus Dir heraus, und es scheint, als sei kein Jahr vergangen, nicht einmal ein Tag. Es ist noch genau dasselbe wie vor 366 Tagen, und ich will das nicht. Ich will nicht mehr mit Dreck beworfen werden, ich will keine Drohungen mehr hinter meinem Rücken, ich will keine Retourkutschen und ich will vor allem nicht, dass Du und ich Energie an etwas verschwenden, was so unnötig ist wie ein Kropf.
Ich habe nichts. Kein Geld, kein Besitz den ich Dir noch geben könnte. Ich habe Dir alles gelassen was ging, habe noch monatelang Rechnungen bezahlt und es war ok. Doch dieses Jahr war auch für mich schwierig. Ich lebe nicht im Luxus, ich pendele jede Woche 500 km zur Arbeit, und auch wenn ich mir die Kosten teilen kann, macht es das nicht einfacher. Ich will keine Schlammschlacht.
Wie naiv ich war. Ich dachte, es würde alles gut bei Dir. Ich habe es so gehofft, mir so gewünscht für Dich. Nicht, um mein Gewissen zu beruhigen, sondern weil Du ein toller und guter Mensch bist, der es genauso verdient hat glücklich zu sein wie jeder andere auch. Doch nichts hat sich geändert, überhaupt nichts. Alles könnte schön sein, doch manche Menschen müssen anscheinend immer alles schlecht sehen. Immer passt irgendwas nicht. Wirf dem Glück die Tür vor der Nase ins Schloß. Warum? Warum muß es immer so sein? Ich hatte so viel Hoffnung, habe gedacht es gibt eine Chance, daß Du nun deinen Weg findest. Habe ich mich wieder so geirrt? So sehr getäuscht?
Du kannst gern meine Schulden haben, wenn Du unbedingt willst. Du kannst mich gern wieder mit Hasstiraden überziehen, mir Anwälte auf den Hals hetzen. Du kannst gern versuchen, mich davon zu überzeugen, daß 12 Jahre meines Lebens ein Fehler waren. Du wirst es nicht schaffen. Denn Du hast anscheinend immer noch nicht begriffen, daß nichts, was Du tust, mich zerbrechen wird. Ich bin schon vor so langer Zeit zerbrochen, aus mir sind schon so viele Stücke herausgebrochen und vom Sand der bluterstickten Träume klein gemahlen worden. Ich mag vernarbt sein, ich mag nicht schön sein. Aber ich habe meine Würde wieder. Und die wirst Du mir nicht mehr nehmen. Nicht Du, nicht sonst jemand. Du wirst mich nicht dazu bringen, Weihnachten zu hassen. Ich möchte nicht mehr die gleiche vergiftete Luft atmen wie Du. Ich bin es leid, und ich bin es müde. Ich spiele nicht mehr mit.
Es ist so schade. So verdammt schade. Es war mal was ganz Großes. Aber vielleicht mußt Du es durch den Dreck ziehen, um endlich abschließen zu können. Das glaubst Du. Und doch irrst Du Dich. Schade, daß niemals der Tag kommen wird, an dem Du deine eigenen Irrtümer als solche erkennen wirst. So schade.
geschrieben von: Nnordy
Fairytales end
Es muss immer so sein. Ein Jahr lang, ein wunderbares Jahr lang, hatte ich geglaubt, es könnte einmal anders sein. Habe mich geöffnet, Vertrauen gefasst, Madame Amour in mein Herz gelassen. Und nun? Das Schlagen einer zufallenden Tür - nur in mir, nur in meinem Kopf. Du wolltest mich nicht verletzen, mich nicht angreifen, Du wolltest nur helfen, mir nichts aufdrücken was mir am Ende keinen Spaß macht. Du hast Recht - ich habe nicht verstanden, was Du mir sagen wolltest.
Und in meinem Kopf immer noch das grauenhafte Geräusch einer Tür, die ins Schloß fällt.
Ich verstehe selbst nicht, warum. Nie hatte ich irgendeinen Zeitvertreib, ein Hobby, wie man das wohl nennt, das mir wirklich so viel Freude und Erfüllung gegeben hätte wie es bei Dir das Mittelalter tut. Ich habe immer danach gesucht, nach etwas, das mich so erfüllt, und habe es wohl nur im Lesen und im Schreiben gefunden, und auch das nur bisweilen. Alles andere, was ich in meinem Leben angefangen habe, wurde schnell oder weniger schnell zu viel. Oder zu strapaziös. Immer auf der Suche, eine Getriebene, auch hier.
Eine Tür, die ins Schloß fällt.
Du wolltest mich nicht angreifen oder abwerten. Aber genauso habe ich es empfunden - als Angriff. Weil Du etwas angesprochen hast, vor dem ich selbst mich fürchte. "Von Dir kommt da überhaupt nichts. Ich will Dir doch kein Hobby aufdrücken, das Dir keinen Spaß macht." Tust Du auch nicht. Ich weiß nicht, ob es mir keinen Spaß macht. Um das zu sagen, ist es zu früh. Ich hätte es gern ausprobiert, nächstes Jahr. Das mit dem Schreiber, der Papierherstellung. Mit den großen Jungs kloppen gehen. Doch jetzt bin ich mir nicht sicher, ob ich das noch will. Hättest Du es gestern auf sich beruhen lassen, nachdem Du nochmal zu mir gekommen warst, wäre wohl nichts geschehen, und ich hätte nicht diese fürchterlichen Gedanken im Kopf. Der erste Gedanke, der mir während der Diskussion in den Kopf kam. Du hältst mich, vorsichtig, willst mir nicht wehtun, versuchst doch nur, mir den Respekt entgegenzubringen und dich dennoch auseinanderzusetzen, und ich? Ich vergrabe mein Gesicht in deiner Schulter und denke es wieder, eine häßliche kleine Stimme in meinem Kopf, die ich so lang zum Schweigen gebracht hatte, erhebt sich wieder: "Da hast Du es, das passiert wenn man zu sehr auf jemand Anderen baut. Du bist allein, Du kannst dich nur auf dich selbst verlassen, auf niemanden sonst..." Das Geräusch einer zufallenden Tür hallt in meinem Kopf wider.
Du weißt es nicht, auch wenn ich versucht habe Dir zu erklären was los ist. Aber ich habe Dir nichts von der Tür erzählt, und heute morgen habe ich bemerkt, daß ich die ersten Schritte in eine andere Richtung als unsere getan habe. Vielleicht ist es nicht zu spät. Vielleicht kann doch alles noch gut werden. Wenn ich meinen Stolz überwinde und es Dir sage, Dir versuche klarzumachen was los ist. Doch wie sollte ich das können, wenn ich es noch nicht einmal selbst ganz verstehe? Ist es meine Angst davor, daß ich nicht stark genug bin, um die mir eigene latente Lethargie zu überwinden? Davor, daß ich wieder zurückfalle in die Gefilde, wo ich vieles sage, aber nichts davon wahr mache? Wahrscheinlich. Ich will mir nicht eingestehen, Dir nicht eingestehen, daß ich nichts weiter bin als heiße Luft.
Du weißt nichts von der Tür, und ich weiß nicht, ob mein junges Selbst in der Lage sein wird, alte Muster zu durchbrechen. Im Moment sperre ich mich, bin verletzt, in meinem bescheuerten Stolz, den Du doch niemals angreifen wolltest. Es ist so ungerecht, was ich denke, tue, Dir gegenüber. Ich will nicht, daß alles wieder von vorn beginnt, will nicht weiterdenken, weitergehen, doch es ist so verführerisch. Dort hinten lockt ein schwarzer Horizont, an dem ich wieder allein bin, weit davon entfernt, verletzlich zu sein, schwach zu erscheinen vor jemand Anderem. Viel zu verführerisch. Schon spüre ich, wie jeder schwache Widerstand erlahmt, ich mich anschicke, weitere Schritte zu tun, noch mehr Türen zu schließen. Bitte hilf mir. Aus dieser Nummer komme ich allein nicht mehr raus.
geschrieben von: Nnordy
Du bist so wunderbar. Einfach wunderbar.
Wann immer ich mich öffne, versuche, begreiflich zu machen was mich umtreibst, bist Du da. Verstehst mich, bist mir nicht böse, nutzt Schwächen nicht aus. Und auf deine Art und mit deinen Worten bringst Du mich dazu, daß ich weinen möchte vor Glück. Vor Glück, einen solch wundervollen Menschen gefunden zu haben, der mich tatsächlich so liebt wie ich bin. Der mich an sich heranläßt und den ich deshalb umgekehrt auch an mich heranlassen kann. So viel Nähe macht angreifbar, macht verletzlich. Aber sie ist auch die unabdingbare Voraussetzung für Vertrauen, für die Fähigkeit, wahrhaft geborgen zu sein im Anderen, für Liebe. Einfach nur.
'Deine Liebe ist das erste Geschenk das ich in meinem Leben bekommen habe...' - und deine ist vielleicht nicht das erste, aber es ist das unglaublichste und schönste, denn Du erwartest nichts, forderst nichts, außer, daß ich offen und ehrlich zu Dir bin. Und bei einem Menschen wie Dir ist auch das nicht mehr und nicht weniger als ein Geschenk. Es ist schön, daß es Dich gibt.
geschrieben von: Nnordy
Weiß. Ringsum der Schnee auf den Dächern, den Straßen, wie eine kuschlig-kalte Decke, die alles zudeckt. Ich liebe Schnee, auch wenn mir die Kälte zu schaffen macht. Und ich freue mich wie ein Kind darauf mit Dir heute Abend einen Schneemann zu bauen, etwas, was ich seit bestimmt 20 Jahren nicht mehr getan habe. Einen kugelrunden Schneemann, der im Garten steht, wichtig aussieht und der Kieselsteine als Augen hat und eine Stoffnase, weil wir keine Mohrrübe haben. Ich freue mich darauf, weil ich mit Dir alles, wirklich alles tun kann, was ich immer tun wollte – und nicht tat. Warum auch immer. Wahrscheinlich, weil ich dachte, ich müsse die Erwachsene sein. Die, die alles managt. Und genau so war es ja auch. Ich musste die Erwachsene sein, weil der Mann, mit dem ich mein Leben teilte, für sich in Anspruch nahm, ganz allein das Kind sein zu dürfen. Die Verantwortung ablehnte. Ich nahm sie, die Verantwortung für ihn wie für mich, wie man ein Kreuz nimmt, eine schwere Last, unter der ich am Ende zusammenbrach.
Es muss nicht so sein. Verantwortung für sich, für sein Leben, muss man tragen können. Und man kann auch einen Partner tragen, weil er leicht wie eine Feder ist. Weil man ihn liebt. Du hast mich einige Male getragen, letztes Jahr, als alles so schwierig war. Als mich das System an die Wand stellte, mir Dinge vorgeworfen wurden die gemein und hinterhältig und so verdreht waren, wie es ihnen in den Kram passte. Ich habe mich verraten gefühlt, auch wenn ich wusste, dass ich nichts anderes hätte erwarten dürfen. Das System hasst mich genauso, wie ich das System hasse. Aber Du warst für mich da. Hast mir wieder aufgeholfen, wenn ich zusammengebrochen bin, Lösungen gefunden, mir den Glauben daran, dass man zu zweit alles schaffen kann, wenn man es nur will, zurückgegeben. Und Du hattest Recht. Wir haben es geschafft, Du und ich. Wir stehen, nebeneinander, deine Hand in meiner, deine Wärme die mich umfängt, deine Liebe die durch mich hindurch fließt bis in die letzte Pore, die letzte Ader und die mich leichter macht als Luft, härter als Stahl, größer als einen Titan und kleiner als ein Atom.
Deine Liebe, dieses wunderbare und riesengroße Geschenk, die mich aufrichten kann wenn ich am Boden liege, die mich wiederbelebt wenn ich mich schon tot wähne, die mich glücklich macht selbst wenn ich traurig bin, die immer da ist und mich nicht vergisst, die mich findet selbst wenn ich mich vor den Augen der Welt verstecke und die unerschütterlich da ist, mir Kraft gibt, mich atmen lässt, mir Sicherheit und Mut gibt und den Willen, niemals aufzugeben. Den Willen, bis zum Ende zu kämpfen, weil der Kampf sich immer lohnt wenn man jemanden liebt, und weil wir beide zusammen immer stark genug sind. Und deine Liebe ist der Lichtstrahl, der mich nach Hause führt, wenn alles kalt und dunkel ist, nach Hause, zu Dir. Das klingt bestimmt alles ganz doll kitschig, aber es ist, was ich fühle, und es ist das, was aus mir herausfließt, und es ist das, was ich Dir zeige, jeden Tag, jede Stunde, jede Minute und jede Sekunde. Alles an mir sagt es Dir, und ich muss nichts dazu tun. Alles an mir weiß: Ich. Liebe. Dich. Danke, Katerwolfsgefährte.
geschrieben von: Nnordy
Du willst mir nicht wehtun und mich nicht wegstoßen. Aber es kann wohl kaum die Lösung sein, dass du dann nichts sagst. Du bist genau wie ich – auch ich kann das nur schlecht. Und bei dir kam es auch noch komplett falsch rüber. Du bist mir viel zu ähnlich – daher verstehe ich dich so gut, und das macht alles gerade noch viel, viel schwieriger. Es tut mir weh obwohl es das nicht sollte und obwohl ich weiß dass du es nicht willst. Und dann wünsche ich mir du hättest nichts gesagt und weiß doch dass das der falsche Weg gewesen wäre denn wenn unsere Beziehung eine Zukunft haben soll müssen wir über solche Dinge reden können. Selbst wenn sie wehtun. Selbst wenn sie mich an Dinge erinnern an die ich mich nicht erinnern will. Du sagtest, du wollest mich nicht wegstoßen und du willst mir auch nicht wehtun und es hilft, dass du es sagst, aber irgendwas in mir wischt das einfach beiseite und guckt nur auf das Ergebnis. Dass es weh tut. Und dass Du der Grund dafür bist. Obwohl das nicht stimmt. Nicht Du bist es, der „Schuld“ hat – auch ich nicht. Darum geht es auch nicht. Aber ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll.
Wir haben unsere Diskussion von vor zwei Wochen gut hinter uns gebracht. Haben das wunderbar geklärt und ich konnte es aufnehmen so wie Du es wohl ursprünglich sowieso gemeint hattest. Das gestern ist wesentlich schwieriger für mich. Ich will Dir nichts wegnehmen. Und ich will dich ganz bestimmt nicht nerven. Ich bin kein Anhängsel, aber es ist auch nicht meine Schuld wenn Du nichts mehr allein unternimmst. Ich konnte spüren, wie meine altbekannten Funktionsmechanismen gestern wieder einklinkten. Rückzug. Rückzug, ein kleines Stück nur zurück in mich selbst, ein kleines Territorium abgeschnitten von meiner grenzenlosen Offenheit Dir gegenüber. Selbstschutz – Selbstschutz, um mich danach nicht wertlos zu fühlen, überflüssig, nervig. Viel zu überzogen, und doch viel zu wahr.
I’ve put my trust in you
pushed as far as I can go
for all this
there’s only one thing you should know…
I tried so hard and got so far
but in the end, it doesn’t even matter…
Laut gehört, gestern Abend noch. Zeit genommen, um Dir Zeit zu geben, Zeit für Dich. Ich brauche sie selber auch, das ist der Grund, warum ich manchmal nicht mitgehe ins Training. Ich mache es eleganter als Du, aber auch feiger, denn ich schiebe dann Müdigkeit oder Unlust vor. Lügen tue ich dabei nicht, beides hat gestimmt, aber ich genieße diese Zeit für mich. Ich kann nichts dafür, wenn Du Dich umgekehrt nicht auch mal verabredest – war es ein Fehler, dass wir zusammengezogen sind? Wird es alles wieder kaputt machen, wie schon einmal? Oder kann es am Ende sein - seit gestern Abend gibt es diese kleine nervende Stimme in mir die das vor sich hin kräht - dass Dir am Ende der Schwertkampf wichtiger ist als unsere Beziehung? Dass er immer an 1. Stelle kommen wird? Ich habe gestern Abend zu Dir gesagt, dass mir unsere Beziehung wichtiger ist als jeder Schwertkampf. Du hast nichts darauf erwidert - und eine Deutungsmöglichkeit zeigt nun einmal in diese Richtung. Ich werde es noch merken - so oder so. Und bald.
Wir sind viel zu gut, als dass es so enden darf. Und auch wenn ich meine Reaktionen mittlerweile tausendmal besser verstehe als noch vor zwei, drei Jahren, so ändert es nichts daran dass ich Angst vor ihnen habe. Ich will nicht eine Tür zwischen Dir und mir zuschlagen, aus verletztem Stolz oder was auch immer, weil dann aus einer Tür nach und nach zwei, drei, zehn, hundert werden. Ich will es nicht. Aber wie gehe ich damit um? Um stark zu sein, nicht mehr so schwach zu sein, werde ich eine Mauer hochziehen müssen. Eine kleine nur. Hinter der ich anfangen kann, an mir zu arbeiten, meine Mechanismen auseinander zu nehmen und Mittel zu finden, um sie außer Kraft zu setzen. Andere, gesündere Wege zu finden um mit so was klarzukommen. Doch ich kann das nicht im hellen Rampenlicht – oder ich will es vielleicht nicht. Ich möchte mir einen letzten Rest Stärke und Würde vor Dir bewahren. Und dafür ist es notwendig, dass ich erstmal zumache. Ich hoffe nur, dass ich in der Lage sein werde, wieder aufzumachen…
geschrieben von: Nnordy
Knarren eines geknickten Astes
Dritte Fassung
Splittrig geknickter Ast,
Hangend schon Jahr um Jahr,
Trocken knarrt er im Wind sein Lied,
Ohne Laub, ohne Rinde,
Kahl, fahl, zu langen Lebens,
Zu langen Sterbens müd.
Hart klingt und zäh sein Gesang,
Klingt trotzig, klingt heimlich bang,
Noch einen Sommer,
Noch einen Winter lang.
(Hermann Hesse, 8.8.1962)
Auch wenn er kein geknickter, kein gebrochener, sondern ein aufrechter Mann war, assoziiere ich dieses Gedicht mit meinem Opa. Meinem Opitz, der gestern Nachmittag, nach mehr als 84 Lebensjahren, gestorben ist.
Mehr Zeit hätte ich mir nehmen sollen für ihn. Hatte ihm noch an Weihnachten versprochen, dass wir ihn bald in der neuen Wohnung besuchen. Hatte ihm den 1. Teil von Harry Potter ausgeliehen, weil er Abenteuergeschichten so mochte und nach meiner Beschreibung meinte, dass er das gern mal lesen würde: „Und das is wirklich mit Abenteuer?“ Und ich lachte ihn an, nickte und meinte: „Ja, ist es. Du kannst es so lang behalten wie du magst.“ Gestern, keine 3 Wochen nach Weihnachten, ist er gestorben, ganz plötzlich, in den Armen meiner Mama auf dem Weg zum Arzt.
Wieder einmal habe ich es, nach dem Kieser als wir noch kurz beim Gefährten auf der Arbeit waren, auf dem telefonischen Weg erfahren. Stutzte, als ich das Handy rausholte und dort eine SMS von meiner Mutter und zwei Anrufe meines Bruders fand. Setzte mich vorsichtshalber hin, weil ich schon vorher, im Studio, ein komisches Bauchgefühl hatte – dass ich wohl keine Gelegenheit mehr bekommen würde, um meinen Opitz besuchen zu gehen. „Der Opa ist gestorben.“ Mit einem Schlag hört die Welt auf sich zu drehen, gehen alle Lichter aus, setzt der Herzschlag eine Sekunde aus. Wenn ein Mensch, der dich von der ersten Sekunde deines Lebens an begleitet hat, auf einmal nicht mehr da ist, aufhört, zu existieren – unvorstellbar. Eine große Hand, die mir die Kehle zudrückt. Mein „Nein“ – obschon ich wusste, dass es stimmte.
Tränen, dicke nasse Tropfen, jede einzelne zählt die Sekunden, Minuten, Stunden, Tage, Wochen, Monate, die vielen Jahre die er Teil meines Lebens war. Das Loch, das er hinterlässt, wird nie gefüllt werden, niemals mehr verheilen, genauso wenig wie das Loch das meine Ömi, die in 3 Wochen 10 Jahre tot ist, hinterlassen hat. Ich sollte mich für ihn freuen – endlich, nach vielleicht fast zu langer Zeit, sind die beiden wieder vereint, wo immer sie jetzt auch sind. Und er muss sich bestimmt nicht mehr mit seinem gefühllosen Fuß, dem Wasser in Beinen und Lunge oder sonstigen körperlichen Gebrechen herumschlagen. Bis zuletzt war er geistig topfit, bis zuletzt hat er sein Leben selbständig auf die Reihe bekommen. Und das, obgleich er nur noch Haut und Knochen war (46 Kilo). An Weihnachten hat er noch mal seine berühmten schlesischen Klöße – zumindest als Oberchefkoch – gemacht, von denen mein Bruder und ich früher immer zwischen 8 und 14 Stück aßen, weil sie so lecker (und natürlich auch nicht so groß wie normale Klöße) waren, wobei die Wettessen „Wer isst mehr Klöße“ fast immer mein Bruder gewann. Ein stolzer, aufrechter Mann. Mein Opitz.
Die Hand an meiner Kehle. Wasser in meinen Augen. Die Stimme verabschiedet sich, sobald ich versuche, es zu artikulieren. Es ist, als weigerte sie sich. Als würde alles ungeschehen, wenn ich es nur nicht ausspreche. Wir sind gestern, gleich nach dem Telefonat, direkt zu meiner Mama, weil ich sie nicht allein lassen wollte, bis sie meinen Papa von der Arbeit abholen musste. Wie das immer ist, sprachen wir über alles mögliche – über Opitz, seinen Tod, was gestern und heute war, über alte Urlaubsvorfälle und über die Kieser-Experience (zu Weihnachten haben wir meinen Eltern zwei Gutscheine für einen Monat Kieser-Training geschenkt, was in Anbetracht des Bandscheibenvorfalls meiner Mutter und der Arm- und Kreuzprobleme meines Vaters sogar mal ein sinnvolles Geschenk war). Der Gefährte, eine starke, beständig tröstende Präsenz neben mir, einfach da. Wendet sich nicht angeekelt ab, lässt mich wieder und wieder an seiner Brust, an seiner Schulter weinen.
Mir schaudert vor dem bodenlosen schwarzen Abgrund, in den ich gerade hineinsehe. 33 Jahre einfach da – und nun weg, von jetzt auf gleich, in Sekunden. Wenigstens ist sein Wunsch, nicht lang leiden zu müssen, dass es schnell gehe, in Erfüllung gegangen – es ging schnell. Aber so unerwartet. Gerade mal knapp 6 Wochen hat er in der neuen Wohnung gelebt – aber vielleicht ist es gut so. Ich werde in diese mir unbekannte Wohnung leichter gehen können als wenn es noch seine alte Wohnung wäre. Die, die so randvoll war mit 1000 Erinnerungen an meine Kindheit und Jugend.
Wir haben unsere Abmachung nicht eingehalten. Urenkel, das war das, worüber Du dich mit Sicherheit gefreut hättest. Aber es hat nicht sollen sein. Dafür habe ich Dir gestern ein anderes Versprechen gegeben. Ganz gleich, ob Du den Harry Potter schon angefangen hast oder nicht – ich werde ihn Dir zu Ende vorlesen. Wie gut, dass ich mittlerweile in Wiesbaden arbeite, denn das gibt mir die Möglichkeit dazu, gerade jetzt, wo die Tage wieder länger werden. Du wirst wissen, wie die Geschichte ausgeht – denn Geschichten müssen zu Ende erzählt werden. So wie deine.
Du fehlst mir jetzt schon. Wirst es immer tun. Ich bin dankbar, dass Du 33 Jahre meines Lebens begleitet hast, für all das Schöne, was wir miteinander teilten. Dein jungenhafter Schalk, dein trockener Humor, dein verschmitztes Grinsen und wie sich dein ganzes Gesicht in Falten legte wenn Du laut gelacht hast. Deine großen Hände, die trotz des Alters noch so ruhig waren, dein fester Händedruck, die große knubbelige Nase, die hellen wachen Augen, deine leicht bläulichen Ohrläppchen, an denen Du viel zu oft gezupft hast. Deine klapprige Gestalt, die dennoch nie etwas von der ihr eigenen Würde verloren hat. Du hieltest dich immer gerade, wenn auch in den letzten Monaten auf deinen Stock gestützt, den Du aber, wie Du mir noch an Weihnachten verrietst, in der Wohnung nicht benutzt: „Des schaff ich grad noch so!“ Bin dankbar, dass wir deinen letzten Geburtstag noch mit einem Frühstück bei Dir begonnen haben, wo Du den Gefährten kennengelernt hast und ihr beiden gleich super miteinander auskamt, dass wir am 11. November noch bei Dir in der alten Wohnung waren wegen der Heizkörperverkleidung und dabei deine Schlafcouch vermacht bekamen, dass Du an Weihnachten an beiden Tagen da warst und wir noch einmal ein langes Gespräch miteinander führen konnten. Dankbarkeit. Trauer. Und dankbar dafür, dass ich diesmal nicht allein da durch muss. Denn der Gefährte ist einfach da, offering silent comfort.
Opitz, ich konnte es Dir nicht mehr sagen, aber ich hoffe, Du weißt es: Ich hab dich lieb. Du wirst immer in meinem Herzen sein.
Deine Enkelin A.
geschrieben von: Nnordy
Weil es auch hierhin gehört... Ein alter Text, aus meinen "Herzschlägen", vom 26. Oktober 2006 um 20.14 Uhr.
Einen Herzschlag lang...
Danke - für diesen Tag. Und für die Ahnung nach den Tagen, die so weit weg erscheinen und doch heute, für einen Moment, nur durch eine dünne Glasscheibe von mir getrennt, wieder ganz nah in meinen Augen.Blick rückten, mich mit den Flügeln der Gefühle aus der Vergangenheit sanft streichelten und mich für eine Millisekunde wieder mit dem Leuchten füllten, daß früher so sehr ein Teil von mir war, daß seine bloße Absence mich zum halben Menschen gemacht hat. Amputiert. Doch heute war es anders.
Wir stehen lachend zusammen auf dem Balkon, rauchen meine Vanillezigaretten, und beobachten die vielen Marienkäfer, von denen meine Mutter erzählt, daß sie heute alle angeflogen kamen. Es werden bestimmt um die 20 Käferchen sein, und sie krabbeln an der Hauswand hoch, am Balkongitter entlang, ab und zu fliegen sie hoch und landen wieder an einem anderen Ort... Wir sind fasziniert, und dann gehst Du hin und hältst diesem dicken Käfer, der kopfüber am Geländer entlang kraxelt, Deinen Finger in den Weg. "Nun steig schon drauf..." Doch der Käfer weigert sich standhaft, er versucht auszuweichen, und, als das nicht klappt, bleibt er einfach stehen und rührt sich nicht. Du lachst. Ich halte meinen Finger einem anderen Insekt, das sich von der anderen Seite nähert, entgegen, doch dieses legt sogar den Rückwärtsgang ein...
Deine Augen blitzen schelmisch, und ich bin auf einmal wieder 8 Jahre alt, und Du bist wieder 59, und wir stehen auf Eurem Balkon, Omi ruft von drinnen daß das Essen fertig ist, und ich tobe jauchzend über den Balkon, freue mich über die Sonne, den Frühling, die Käfer und darüber, bei Euch zu sein...
Einen Herzschlag lang.
Im Hier und Jetzt landet endlich doch, wohl eher irrtümlich, ein Marienkäfer auf meiner Hand. Sofort zähle ich seine Punkte - es sind 12. Und Du fragst "Wie viel Punkte hat er denn?" - "12 sind es." - "Früher haben mer immer gesagt, ein Punkt für ein Jahr - is natürlich Quatsch, aber..." - "Ja, das haben wir früher auch gedacht." Und ich halte meine Hand zu Dir rüber "Vielleicht steigt er ja auf Deinen Finger um..." Und Du hältst Deine rauhen, von 82 Jahren gezeichneten Fingern mit den Furchen darin, die trotzdem so sanft sein können, an meine Hand, doch der Käfer mag nicht. Schließlich fliegt er davon, und wir sehen ihm nach, teilen einen kurzen Moment der Stille, und vielleicht...
... bist Du an diesem Moment in Schlesien, bist 8 Jahre alt und läufst über die Felder zu Deinem Papa, einen Marienkäfer auf der Hand...
Danke, Opi.
Und als ich in der Stadt ankam, in der ich heute wohne, und die ersten Töne von 'Love me to the end' aus den Lautsprechern schwebten, da war ich kurz wieder dort, so viele Jahre von hier, und fuhr zu Euch, und freute mich darauf, bei Euch zu sein... Und kurz, ganz kurz nur, fühlte ich mich wieder so unendlich jung. Einen Herzschlag lang.
geschrieben von: Nnordy
Ein junger Mann öffnet uns die Tür, vor der wir stehen, die Hände in die Taschen gestopft. „Sie kommen zur Abschiednahme?“ Komisch, das Wort eckt sofort bei mir an. Abschiednahme klingt so aktiv. Dennoch nicken wir, mein Vater sagt ein paar Worte, dann bescheidet der junge Mann uns dass wir ans Gittertor gehen sollen, wo er uns dann auch hineinlässt. Ordentlich klopfen wir alle unsere schneematschigen Stiefel ab, bevor wir das Innere betreten. Von außen sieht das Krematorium aus wie eine Mini-Fabrik, Industrieschornsteine, Beton, kalt und unattraktiv. Meine diesbezügliche Bemerkung vor dem Tor wurde mit leicht verzweifelter Lustigkeit beantwortet. Ja, wir sind hier zur „Abschiednahme“. ICH bin hier, weil ich es ihm noch sagen will, auch wenn das, was da drin liegt, nicht mehr er ist. Egal, es ist mir wichtig, und deswegen stehe ich nun hier, im Inneren. Hässlicher Linoleumboden. Meine Eltern gehen voran, der junge Mann öffnet eine Tür auf der rechten Seite und weist uns hinein. Wir gehen rein, drin überdimensionale mehrarmige gerade Kandelaber, die Kerzen brennen. Ein heller Sarg, offen, innen mit weißer Baumwolle ausgeschlagen, ein Kissen am Kopfende – und drinnen liegt er, mit gefalteten Händen und geschlossenen Augen, in einem ehemals maßgeschneiderten dunklen Anzug, der aber mittlerweile viel zu groß für ihn ist. Dennoch sieht er gut darin aus. Friedlich, so als würde er schlafen und jeden Moment die Augen aufmachen, aus der Kiste herausspringen und lachen „Überraschung!“. Doch er schläft nicht. Er atmet nicht. Die Augen geschlossen, die Gesichtszüge geglättet, auch wenn die ehemals tiefen Furchen auf der Stirn, um die Augen und am Kinn nach wie vor vorhanden sind. Die Lachfalten. Sie haben ihn schön hergerichtet, das Haar nochmal gewaschen, das eigentlich fast komplett weiß ist, nur am Ansatz noch grau. Ich bin mir nicht sicher ob sie ihm ein dezentes Make-Up verpasst haben – sein Ohrläppchen ist nach wie vor blau, das ist zumindest ein Zeichen für Authentizität. Die Füße in dunkelblauen Baumwollsocken sind beide gleich schlank, keine Spur mehr von seinem Klumpfuß. Ich verbiete mir, in diesem Moment an die Reportage zu denken, die ich vor mehreren Monaten über Bestatter gesehen habe, nicht daran zu denken dass beispielsweise bei Einbalsamierungen viel Körperflüssigkeit gegen Formaldehyd eingetauscht wird. Da liegt er, still und entspannt. Der Anflug eines leichten Lächelns um die Mundwinkel, fast versteckt. Noch an Weihnachten habe ich ihn so ähnlich auf dem Sofa sitzen sehen, den Kopf etwas zurückgelehnt, die Augen geschlossen, und doch wurde er gleich wach als ich mich neben ihn setzte und ihn ansprach… Doch hier wird keine Ansprache mehr helfen. Schon beim 2. Blick zerbricht meine Beherrschung, fange ich, kurz nach meiner Mutter, hemmungslos an zu schluchzen. Auch jetzt ist der Gefährte an meiner Seite, kurzentschlossen ist er mitgekommen um sich ebenfalls zu verabschieden, er hält mich, lässt mich weinen. Immer wieder muss ich das, was von Opitz auf Erden geblieben ist, ansehen, und doch ist alles unwirklich. Das schmale, eingefallene Gesicht – zu Lebzeiten fiel mir nicht auf, wie schmal er wirklich geworden ist. Dennoch: Es tut gut, ihn noch einmal zu sehen. Auch, wenn ich mir sein Gesicht lebendig bewahren werde – die Ruhe, die jetzt darin geschrieben steht war das, was er sich gewünscht hat.
Zum Schluss gehe ich nochmal ans Kopfende. Ich möchte ihm das Haar ein wenig glatt streichen, doch ich scheue mich davor. Habe Angst vor der Kälte, weil ich ihn nicht kalt in Erinnerung behalten will, sondern warm, herzlich, so wie er war als ich ihn das letzte Mal sah, an Weihnachten. So begnüge ich mich (Feigling!), ihn zaghaft an der Schulter zu berühren, und ihm still gute Reise zu wünschen. Und schließlich beuge ich mich doch noch dicht neben sein Ohr und flüstere „Ich hab dich lieb“ hinein. Man mag das dumm nennen, doch es ist mir wichtig.
Der Gefährte ist neben mir, eine tröstende Präsenz. Ich lenke meine Schritte denen meiner Eltern nach, zum Raum hinaus, und halte doch an der Tür noch einmal kurz inne und werfe einen Blick zurück, wie er dort liegt, und komme mir ein bisschen so vor als würde ich ihn im Stich lassen. Er sieht so allein und verloren aus, und das sollte er nicht sein. Doch dann denke ich daran, wie hell der Himmel am vorigen Abend war, und wie ich mir dachte, dass das sicher immer noch die Party ist, die er und meine Ömi jetzt irgendwo feiern, die Wiedersehensfeier nach 10 Jahren Trennung. Und so denke ich nur „Mach’s gut, Opitz“ und verlasse den Raum.
Es ist die richtige Entscheidung gewesen, ihn dieses eine Mal noch zu sehen. Auch wenn ich ein hervorragendes Abstraktions- und auch Realisationsvermögen habe – es hat geholfen. Nicht unbedingt bei der Realisierung, denn die ist längst passiert. Aber tatsächlich für den Abschied. Ich hätte mich nicht von einer Urne verabschieden können, so blöd das vielleicht auch ist. Es macht zwar nichts leichter, dennoch geht es mir vielleicht ein klitzekleines bisschen besser. Es tut nach wie vor weh. Doch ich habe es ihm noch einmal sagen können. Bester Opitz der Welt – ich hab dich lieb.
geschrieben von: Nnordy
Zum 3. Mal mit Tränen aufgewacht. Der Kopfschmerz wird zum ständigen Begleiter. Schmerzhaftes Herzklopfen. Das Gluckern und den Protest meines Magens ob der mangelhaften Nahrungszufuhr überhöre ich einfach. Habe nicht die Kraft, um wieder nach vorn zu sehen. Möchte mir gestatten, noch einmal tief in die Vergangenheit einzutauchen, möchte noch so viel wissen, so viel erfahren. Als heute Morgen die altvertrauten Fabriktürme auftauchten, die, die ich schon immer mit meinen Großeltern verband, weil ihre Wohnung nicht weit davon entfernt lag, schnürte es mir die Kehle abermals zu. Wie schwer muß es ihm im Dezember gefallen sein, diese Wohnung für immer zu verlassen, diese Wohnung in der er fast 40 Jahre lebte, an der so viele Erinnerungen hingen?
Ich weiß, daß ich irgendwann loslassen muss. Irgendwann, aber nicht heute. Es fehlt noch zu viel. Ich wünsche mir eine Zeitmaschine, um die Vergangenheit zu ändern und die Gegenwart besser zu machen. Es gibt keine Zufälle. Und wichtig ist, wie es in mir drin aussieht. Doch trotzdem... Nein, nicht heute. Rotblaugrauer Tag, dem so viel fehlt, weil Du fehlst, Opitz.
geschrieben von: Nnordy
An dieser Stelle ein Dankeschön an die lieben Menschen die mir per pn oder auch anders ihr Mitgefühl ausgedrückt haben... Ich habe mich darüber gefreut. Seid bedankt...
Tag 6 und nichts ist besser.
Das Schönste, was ein Mensch hinterlassen kann,
ist ein Lächeln im Gesicht derjenigen, die an ihn denken.
Ich muss immer wieder unter Tränen lächeln, wenn ich an seinen trockenen Humor und die ebenso staubtrockenen Sprüche denke, die er manchmal, wie aus heiterem Himmel, zum besten gab.
Dennoch - Tränen. Schmerz, groß wie das Firmament. Es ist so dunkel geworden. Und heute habe ich das Gefühl, als würde es nie wieder hell werden.
Danke, Teufelsfussel... Manche der Bilder haben mich an die Geschichte meiner Großeltern erinnert...
Verluste. Irgendwann werde ich auch meine Eltern verlieren, andere Verwandte oder Freunde bzw. Menschen, die mir nahestehen.
Verluste schneiden wie ein Messer in die Seele. Seitdem Opitz gestorben ist fühle ich mich, als wäre ein Teil aus mir selbst herausgerissen worden. Vielleicht, weil mit ihm ein großer Teil meiner Kindheit ebenfalls gegangen ist. Die unbeschwerte Zeit des Lebens und des Lachens, als alles noch heil und meine Seele nicht voller Narben war.
Es tut der Dankbarkeit keinen Abbruch. Und auch der Liebe nicht. Aber ich weiß, daß dieser Teil mir für immer fehlen wird. Wenn es mit den Jahren auch einfacher zu ertragen sein wird - es lindert den Schmerz nicht. Es macht ihn eben einfach nur erträglicher.
So unendlich weit entfernt die Tage, als ich mich über dein Lachen freuen konnte...
geschrieben von: Teufelsfussel
ja man vergisst nie, und ich geb zu manchmal vergess ich es doch, und dann fällt es mir wieder bei begegnungen oder anderen geschehnissen wieder ein ... und dann denk ich mir zur zeit, mann oma, wie konntest du von mir gehen, ohne den menschen kennenzulernen, der für mich bestimmt war, ihr hättet euch so gut verstanden ..
Ich bin froh dass mein Opitz den Gefährten im letzten Jahr kennengelernt hat, sie haben sich auch auf Anhieb verstanden, und für mich war das ungeheuer wichtig. Irgendwie war die Meinung meines Großvaters eine, auf die ich viel Wert gelegt habe, und genau wie meine Omi hat er auch manchmal Dinge verstanden, die meine Eltern nicht verstehen konnten...
Tagsüber wird es etwas besser, bisweilen. Aber spätestens am Abend holt es mich ein, kommt alles hoch, immer die gleichen Bilder aus einer Zeit, als alles noch so unbeschwert war, wir so jung und nur die Zeit so alt... Wenn ich Bilder von ihm sehe aus den letzten Jahren fällt es mir schwer, ihn damit zu verbinden, denn die Bilder zeigen einen alten Mann. Erst jetzt wird mir klar, welch jungen und wachen Geist er besaß, und daß ich ihn nie als alten Mann wahrgenommen habe. Klar, er war mein Opitz, das implizierte automatisch ein gewisses Alter, aber er war nicht ALT. Keiner von den Alten, die in der Sonne sitzen und schlafen. Einer von den Alten, die Kreuzworträtsel lösen, mit einem Affenzahn zum EInkaufen flitzen und immer einen lockeren Spruch drauf haben. Einer von den Alten, die sich nie alt fühlten und nie wirklich alt waren. Ich war stolz auf ihn, meinen Opitz. Und ich sehe mehr von ihm in diesem 63 Jahre alten Hochzeitsbild als in einem Bild vom vorletzten Jahr.
Irgendwann wird die Erinnerung nicht mehr hauptsächlich weh tun - aber das wird noch lange dauern. Das Stück, das aus mir herausgerissen wurde, wird nie mehr zurückkehren, doch ich werde lernen, mit dem Verlust zu leben.
Es ist nie die richtige Zeit. Und es ist immer, immer zu früh.
Irgendwann werde ich wieder richtig schlafen können. Irgendwann werde ich es schaffen, die alten Fabriktürme auftauchen zu sehen ohne dass mir Tränen in die Augen schießen und die Wunde wieder blutet.
Irgendwann wird in meinem Herzen dein Bild sein, verbunden mit all der Liebe und all der Dankbarkeit die ich für dich habe, und der Schmerz wird nur noch leise pochen. Verschwinden wird er nie.
Irgendwann - vielleicht wenn wir wieder jung sind und nur die Zeit so alt...
geschrieben von: Nnordy
28.1.2009
Irgendwo gefangen zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Ich weiß, dass es niemandem hilft, wenn ich mich in der Vergangenheit vergrabe, doch derzeit kann ich nicht anders. Tagsüber geht es mittlerweile einigermaßen, doch wenn der Tag stirbt und meine Gedanken etwas zur Ruhe kommen lande ich unweigerlich wieder bei Dir, Opitz. Ich habe solche Angst davor zu vergessen. Zu vergessen wie deine Stimme klang und dein Lachen, wie deine blauen Augen schalkhaft glitzerten, deine großen Hände, mit denen du mir einst einen Stall für meine Spielzeugpferdesammlung und später eine große Kiste für meine ganzen Reit- und Pflegesachen gebaut hast, deinen festen Händedruck, der schon beim ersten Mal den Gefährten in Erstaunen versetzte, deine große knubbelige Nase, die großen Ohren mit den leicht bläulich verfärbten Ohrläppchen (vor allem das linke, an dem Du immer herumgezupft hast), dein jungenhaftes Grinsen, deine weit ausholende Gestik, all die kleinen und großen Dinge die Dich ausgemacht haben. Ich weiß, dass es darauf letztlich vielleicht nicht so ankommt, dass die Dinge wichtig sind, die ich durch Dich gelernt habe, was Du in meinem Herzen hinterlassen hast. Aber das ist alles so wenig greifbar, und scheint mir viel zu wenig. Ich möchte Dich so gern lebendig, lachend, mit dem Schalk in den Augen in Erinnerung behalten, und habe Angst, dass ich irgendwann nicht mehr weiß wie dein Gesicht aussah, denn ich habe festgestellt dass Fotos mir da überhaupt nicht weiterhelfen. Auf ihnen fehlt die Dir eigene Jungenhaftigkeit, die Dich so überhaupt nicht alt wirken ließ, fehlt deine friedfertige und doch kraftvolle Ausstrahlung, deine Lebendigkeit und wie deine Augen manchmal in weite Fernen schauen konnten, nur um gleich darauf wieder zu mir herüberzuwinken. Ich will Dich nicht vergessen, und habe Angst, dass ich machtlos sein werde wenn es doch passiert. Wie die Zeit leise ein ums andere Stück deiner Gestalt aus meiner Erinnerung forttragen wird bis ich kein komplettes Bild von Dir mehr zusammenbekomme. Wie sie deine Stimme immer leiser und leiser machen wird bis ich sie nicht mehr hören, mich nicht mehr an sie erinnern kann.
Vielleicht klingt das alles albern, aber es ist das, was mich so verzweifelt an der Vergangenheit festhalten lässt, was verzweifelt versucht sich alle Momente mit Dir ins Gedächtnis zurückzurufen, was die Zeit nicht mehr voranschreitenden Tagen, sondern nur in Bezug zu Fixpunkten aus der Vergangenheit, Tagen an denen ich Dich besucht habe oder die in deinem Leben wichtig waren, bemisst. Rückwärtsgewandt, lebe ich in der Gegenwart nicht mehr. Bin leise geworden, in mich gekehrt, nur selten kann ich lachen und Freude und Glück scheinen wieder Äonen alt und meilenweit weg zu sein. Ein sanfter Fall in unendlich erscheinende Tiefen, ohne zu wissen, wann ich unten aufschlagen werde. Und es ist mir auch egal. Ich habe keine Ahnung warum es so weh tut, warum der Kloß in meinem Hals nicht weniger wird, warum mir die Tränen kommen wann immer ich von Dir erzähle. Eine riesige Kluft ist aufgerissen zwischen den Tagen meiner Kindheit und der Gegenwart. Viel zu weit weg jene Tage, als alles noch so viel einfacher war, als die Welt noch in Ordnung war. Und ein Gefühl, als würde alles, aber auch alles nie mehr wieder gut werden.
2.2.2009
Die Beerdigung war am Freitag. Und sie war schön. Ich habe das Lied, das ich vor über 5 Jahren für Dich geschrieben habe, Opitz, „En hiver“, für Dich gesungen (danke nochmal an MM, dass Du mir das Playback zur Verfügung gestellt hast). Jedes Wort ein Kampf. Jede Zeile ein kleiner Sieg. Noch nie hat meine Stimme so derart gewackelt, brach zwischendurch immer wieder fast komplett, ohne dass ich etwas dagegen tun konnte. Aber ich habe es zu Ende gesungen. Und es war mir wichtig, weil es dein Lied war. Mit Bildern, von denen ich, bis auf den Zug, nicht weiß, ob sie tatsächlich jemals so passiert sind, aber zumindest ist es sehr wahrscheinlich, und aus jeder Zeile weht mich die Zeit an, die vergangenen Jahrzehnte, all die Morgen und all die Nächte, in denen deine Zeit bemessen war. Ich habe keine Ahnung mehr, wie es mir danach noch gelungen ist, herauszukrächzen, dass ich dieses Lied damals für Dich geschrieben habe und dass ich es deswegen singen wollte. Danach bin ich regelrecht zu meinem Platz geflüchtet, wo der Gefährte schon wartete, mich sofort fest in den Arm nahm und dann liefen die Tränen an seinem und meinem Gesicht herunter, stumm, und das Herz tat mir so weh dass ich dachte, es muß jeden Moment einfach aufhören zu schlagen. Dein Bild neben dem ganzen Blumenarrangement, die Urne in der Mitte; das Bild, aus dem sie den neben Dir stehenden Aschenbecher herausretuschiert haben. Es ist 2001 im Standesamt entstanden, eines der Bilder auf dem man Dir dein Alter nicht ansieht, Du sahst aus wie Mitte 60 und warst damals schon 77.
Das Abschiedsheftchen für Dich (danke an Maternus – wie sagtest Du mal: Schön, dass manche Ideen weiterleben?) hatte ich vorbereitet und es wurde gern mitgenommen von den Wenigen, die da waren – nur der engste Familienkreis, meine Patentante trotzdem sie gerade erst wieder mit der Chemo begonnen hat, mein Patenonkel den ich seit über 10 Jahre nicht gesehen habe, seitdem er und meine Tante sich getrennt haben, und natürlich meine Eltern, mein Onkel – dein Sohn – mit seiner Lebensgefährtin, mein Bruder, meine Cousine. Und der Gefährte und ich. Deine vielen Nichten und Neffen werden mit der Danksagung ebenfalls dieses Heftchen erhalten, eine kleine Erinnerung nur, in Worte gebannte Zeit. Ein kleiner Stein wider das Vergessen.
Der Zug zu deinem Grab, in dem Ömi schon so lange wartet, war eine merkwürdige Angelegenheit. Voraus die Pfarrerin mit dem Angestellten des Friedhofs, der dich vorsichtig trug, allerdings in einer Art feierlichem Watschelgang – und unwillkürlich flüsterte ich dem Gefährten zu, dass Du hundertprozentig gefrotzelt hättest: „Muss der mich denn so hin- und herschlenkern? Da wird einem ja speiübel!!“ Lachen. In dieser feierlichen Prozession, zu diesem traurigen Anlass, erinnere ich mich an Dich und deine Art, die Dinge humoristisch-trocken zu sehen, und trotz unserer Tränen mussten wir lachen. Keiner der Anderen konnte oder wollte seine Gefühle so offen zeigen wie wir es taten, doch mir war es schnurz ob mir Tränen die Wangen hinunterliefen oder nicht. Ich habe mir gestattet, meinen Schmerz nicht mehr in mir zu verschließen, denn mit Dir wurde meine Kindheit zu Grabe getragen. Mit Dir wurden so viele prägende und schöne Momente begraben. Mit Dir wurde ein Teil von mir selbst begraben, ein Teil, den ich nie mehr zurückerhalten werde. Leise, wie es deine Art war, hast Du ihn mitgenommen, wohin auch immer Du gegangen bist. Ich vermisse Dich schrecklich, Opitz.
Es ist ein komisches Ding mit meinen Gefühlen. Wenn ich gut drauf bin, lustig, dann schaffe ich es, Menschen mitzureißen, zum Lachen zu bringen, eine fröhliche Stimmung zu verbreiten. Ja, manchmal besitze sogar ich Alleinunterhalterqualitäten und kann halbe Abende so bestreiten. Doch wenn ich traurig bin, verletzt, wenn eine so übergroße Traurigkeit in mir ist wie jetzt, dann scheint dies auf die Menschen, die mir am nächsten sind, auszustrahlen. Oder, wie sagte es der Gefährte? „Dein Schmerz ist mein Schmerz.“ Alles in mir strahlt nach außen, ungefiltert. Vielleicht habe ich instinktiv schon immer gewusst, dass es so ist, und habe deshalb versucht, mich zuzumachen – um genau das zu verhindern. Aber momentan kann ich das nicht. Und ich will es auch nicht. Der Mensch, der mir am nächsten ist, gibt mir immer wieder wortlos zu verstehen, dass es ok ist. Wir teilen Glück wie Schmerz, Licht wie Dunkelheit, gute wie schlimme Zeiten. Egal wie das jetzt klingt – es ist ganz einfach so. Und ich bin dankbar, vielleicht das erste Mal in meinem Leben die Erfahrung machen zu dürfen, dass jemand neben mir steht, meinen Schmerz mitempfindet, sich nicht abwendet, sondern unerschütterlich an meiner Seite ist. Genauso stark und genauso schwach wie ich. Ehrlich zu sich selbst sein – aber auch zum anderen. Eine riesengroße Dankbarkeit ist in mir. Dankbarkeit gegenüber dem Gefährten. Und Dankbarkeit gegenüber meinen Großeltern, die mich mit zu dem Menschen gemacht haben, der ich heute bin. Die mir eine Vorstellung davon mitgegeben haben, wie man leben kann. Wie man das Leben meistern kann. Und wie man es schaffen kann, dabei sich selbst treu zu bleiben.
Es ist schwer zu akzeptieren, dass es nur noch euer Hochzeitsbild ist, das mir von euch bleibt. Doch vielleicht lebt auch ein Stück von euch noch in mir weiter. Ein bisschen von deinem trockenen Humor, Opitz, ein bisschen von deinem Lächeln und deiner Lebensfreude, Ömi. Eine Prise deiner Herzlichkeit und eine Prise Verschmitztheit. Eine Portion Standfestigkeit und Nehmerqualitäten, eine Portion Lachen und Improvisationstalent. Ich hoffe, dass es so ist…
Ein Unbekannter, höchstwahrscheinlich aus demselben Wohnblock, ist letzte Woche in Opitz Wohnung eingedrungen und hat den Staubsauger, zwei Schatullen mit Schmuck meiner Ömi, alle Armbanduhren und zwei Metallkassetten, in denen sich alte Familienbilder und Quittungen befanden, gestohlen. Mein Opitz hatte einen Schlüssel verloren und der Dieb dachte sich wohl, er nimmt mal wertvolle Dinge mit. Ich möchte mich übergeben. Scheiß auf den Staubsauger, aber dass die zum Teil über 60 Jahre alten Bilder weg sind, ist wirklich widerlich. Ich habe zwar einen Aufruf an die Wohnungstür gehängt mit der Bitte um Rückgabe der Bilder, aber die sind wahrscheinlich längst im Papiermüll gelandet. Es ist so bitter. Und ich frage mich, in welcher Welt wir leben, dass man sogar die Toten noch beklaut. Es ist so zum Kotzen.
geschrieben von: Nnordy
Scharf wie Messers Schneide ritzt es endlos Kreise in mein Herz. Fallen Erinnerungsfasern zu Boden, mühsam bewahrt und verzweifelt festgehalten, doch schon jetzt gleiten sie mir durch die Finger... Es schmerzt.
Ein dunkler Abend in einem dunklen Universum.
Ich hab Dich lieb, Opitz.
geschrieben von: Nnordy
Ich sitze hier, in einem seiner alten Pullover. Ein schwarzer, mit drei weißen dicken Streifen. Ich kann mich nicht erinnern, ihn jemals darin gesehen zu haben – und doch hat es etwas Tröstliches zu wissen, dass er ihm gehört hat. Dass nicht alles in die Altkleidersammlung oder in den Müll wandert. Das ist sentimental und irrational, ich weiß. Doch allein die Tatsache, dass vieles von dem, was er besaß, weggegeben oder weggeworfen wird, ist kaum zu ertragen. Es waren alles Dinge, die er schätzte, die ihm wichtig, etwas wert waren – und nun taugen sie für nichts mehr. Ein paar Sachen habe ich „gerettet“. Es sind nur Kleinigkeiten – ein paar Gläser, die Kaffeemaschine, ein paar Kleidungsstücke (wie diesen Pulli), die Bilder der vier Jahreszeiten, die schon in der Wohnung hingen so lange ich denken kann, den kleinen Sessel, der noch zu der Schlafcouch dazugehört die er uns bereits im November geschenkt hat, den Fernseher. Die blaugestreifte Krawatte, die er auf einigen der Bilder trägt, die ich von ihm habe. Einige Küchenutensilien, ein neuwertiger Wasserkocher, und die ganzen Woll- und Lammfelldecken, die wir gut für Mittelaltermärkte oder für das Ausstopfen unserer Gambesons gebrauchen können. Vorgestern habe ich stundenlang mit meiner Mutter in seiner Wohnung gestanden und seine Kleidung, Bettzeug, Decken usw. ausgeräumt, das meiste davon in Müllbeutel gestopft für die Altkleidersammlung, ein paar Dinge auch vor die Tür gelegt für andere Hausbewohner, die es vielleicht gebrauchen können. Und dann die Dame, die wohl ihre Mutter besuchte, und die an der geöffneten Wohnungstür vorbeikam und fragte: „Oh, ein Neueinzug?“ Wortlos und mit einem melancholischen Lächeln schüttelte ich den Kopf „Leider nein…“.
Ich habe keine Ahnung, wie meine Mutter es schafft, damit umzugehen und das alles zu machen. Mir fällt es schwer, das, was anderen Menschen lieb und teuer war, was vielleicht auch zu meiner Kindheit dazugehört (wie die alten Brokat-Platzteller), wegzuwerfen oder in die Sammlung zu geben. Ja, sentimental, na klar. Aber ich komme mir dabei so vor, als entwertete ich alles, woran das Herz des Menschen hing, dem die Dinge gehörten. Deshalb ist es mir wichtig, wenigstens ein bisschen was zu „retten“. Wie beispielsweise die beiden Suppenterrinen, aus denen ich als Kind immer die Buchstabensuppe löffelte, wenn mir Ömi eine gekocht hatte. Dann setze ich mich auf den kleinen Hocker vor das niedrige Bügelbrett und vertilgte daran meine Suppe, aus einer dieser kleinen Terrinen. Es ist ein Stück Kindheit darin gefangen, ein Stück Lachen und Unbeschwertheit, ein Leben, das noch keine Verluste kannte, sondern in dem noch alles drin war. Viel zu lange her.
Das Messer Schmerz stumpft kaum ab, auch wenn es das mit der Zeit tun wird. Auch wenn irgendwann die Dankbarkeit überwiegen wird, wie bei meiner Ömi. Wie vorgestern die Tränen liefen, als wir seine Hemden in den Sack stopften, als ich den Kartoffelstampfer bei mir zuhause in die Schublade räumte, oder die vier Bilder betrachtete, die eben für mich untrennbar mit der Wohnung meiner Großeltern verbunden waren… Ich lasse los, aber nur sehr langsam, denn nach wie vor kann ich es nicht fassen, dass das, was für mich als Kind selbstverständlich war, sich nie wieder ereignen wird. Dass ich nie wieder mit Opitz auf dem Balkon stehen und rauchen werde, nie wieder mit ihm an seinem Küchentisch sitzen und über die Vor- und Nachteile verschiedener Tee- und Brotsorten diskutieren werde, nie wieder die Geschichten über die Katze Struppi, den Osterhasen oder die Schwarzwald-Urlaube hören werde, nie wieder das schelmische Glitzern in seinen Augen sehen werde wenn er wieder mal etwas liebenswert Unvernünftiges gemacht hatte. Nie wieder die von ihm meisterlich zubereiteten schlesischen Klöße essen werde. Nie wieder sehen werde, wie er die Spüle wienert, nie wieder mit ihm lachen werde oder ihm zusehen, wie er seinen geliebten „Krümmelkuche“ (Streußelkuchen) isst. Wahrscheinlich ist es die Endgültigkeit eines Verlustes, die den Schmerz verursacht. Die absolute und unwiderrufliche Gewissheit, dass nichts von dem, was in der Vergangenheit schön war, auch nur jemals wieder in ähnlicher Form geschehen kann, weil der Mensch diese Welt verlassen hat. Oder weil das Leben einen unüberwindlichen Keil dazwischengetrieben hat.
Derzeit fühle ich mich so alt wie selten zuvor. Das einzig Gute: Ich erinnere mich mit einem Mal an Sachen, an die ich jahrelang nicht mehr gedacht habe. Wie die Kirchenglocken um 18.00 Uhr immer so laut läuteten, dass man sich in eurer Küche nicht mehr unterhalten konnte, es sei denn, man brüllte. Oder den bunten Flattervorhang aus einzelnen farbigen Bändern, der im Sommer im Durchgang zum Balkon im Wind wehte. Der Blick von der linken Balkonseite auf die weiter hinten liegenden Gleise, das Rattern der Züge, die oft vorbeifuhren. Dass ich einmal, nach meiner Blinddarm-OP, eine Französisch-Klausur bei euch am Wohnzimmertisch schrieb, weil ich ohnehin zur Nachuntersuchung beim Arzt musste, der bei euch um die Ecke war. Der kleine Kunststoff-Christbaum, den Opitz jedes Jahr an Weihnachten aufbaute. Der gelbe Lametta-Christstern mit den orangefarbenen Lichtern drin, der über dem Sofa hing. Ich hoffe, dass noch mehr Momente wiederkehren werden, um – zumindest für einen Moment – die Leere der Gegenwart wieder mit Wärme und Leben zu füllen. Wo ich noch einmal, und sei es nur für Sekunden, wieder bei euch sein kann.