[Brainfuck Inc. - Dramen, Dummheit, Damenbart] - German Gothic Board

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Brainfuck Inc. - Dramen, Dummheit, Damenbart

(Klicke hier, um das Thema mit vollen Farben / Abbildungen zu betrachten)



geschrieben von: x-xcva

****ach und übrigens: T Ö N K****


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Edit, da sich der Thread anders entwickelte, als ich es ursprünglich erwartete: Eigentlich angedacht um ein bisschen spitzfindig vor mich hin zu tippseln, wurde aus diesem Thema, was mich im Grunde freut, nun so etwas wie ein allgemeiner Ort für das Einstellen von leicht bis schwer satirischen Texten. Fühle jeder Mensch sich herzlich eingeladen, dies hier, auch mit seinen Gedanken zu bereichern.
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http://www.syilver.de/graphx/cold.jpg


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--->Einleitung:
Ich weiß es ja auch nicht, aber ist Ihnen eigentlich schon einmal aufgefallen, dass die Welt ein seltsamer Ort ist? Bevor Sie jetzt das Gähnen anfangen und den kleinen roten Knopf, da oben rechts im Browser betätigen, möchte ich zu meiner Verteidigung sagen, dass mir das zwar auch schon lange klar ist, also diese Seltsamkeit des Erdenballs, das ganze Ausmaß dieses Irrsinns, erschließt sich allerdings erst bei genauerer Betrachtung. So, falls Sie darauf keine Lust haben und Ihnen diese ganzen Weltsch[m]erzjammerarien schon immer tierisch auf den Sack gingen, dann können Sie mir jetzt entweder glauben, dass dies keine solche werden wird, oder aber Sie befördern mich jetzt mit einem mehr oder minder eleganten, fixen Klick, ins Nirvana des Vergessens. Ich überlasse das mal Ihnen, nicht dass es nachher wieder heißt: 'Aber die da hat gesagt....!' - das braucht nämlich keiner, ich am allerwenigsten.

Für all jene wackeren Leser, die in der Lage sind, ihre Zeitverschwendung als Eigenverschulden anzuerkennen, sei gesagt: Ich liebe Euch Jungs und Mädels! .... und jetzt macht Euch mal locker, seid Euch bewusst dass das Folgende nicht zu bierernst aufgefasst werden sollte ....ja, und viel Spaß und so.

[Ähnlichkeiten mit lebenden Personen waren leider unvermeidbar, sind jedoch, von wem auch immer, bitte nicht als persönlicher Affront zu verstehen, eher als Spielerei mit Stereotypen, von Einer, die auszog, das Leben verstehen zu lernen. Und das kann man nun einmal nur mit einer gehörigen Portion Humor ertragen. Wer schon einmal seinen Fernsehsessel verlassen hat, wird wissen was ich meine. ;-)]

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geschrieben von: DarkHeart

keine Ursache...



geschrieben von: Odessa

Und wehe Du vergißt, eigene Hirnficks und Netzdramen mitaufzuführen. Und wehe Du vergißt die Trolle und die Spießerschlüpfer (Du darfst alle meine Ausdrücke copyright-mißbrauchen wann immer Dir danach ist). Und wehe Du vergißt das Gedichtebingo. Und die Netzrambos mit Sockenschuß.

Dickes tönk, möp und Sockenfaltorigami-Gruß from your 333-only half evil Ilo :D



geschrieben von: x-xcva

Tante Emma & die Intimrasur

Ihhhh-Mann-zipation(TM) ist was Schönes! Ja, wirklich, das ist mein voller Ernst! Also das waren doch noch Zeiten, als Frauen endlich auffiel, dass die Knute der bösen Schwanzträger nicht das Non Plus Ultra ist, oder? Da gab es weltbewegende Diskussionen um die Gleichstellung der Frauen, Frauenquoten, Ausweisung von gewaltbereiten Männern aus der ehelichen Wohnung .... und ähnlich wichtige Dinge mehr. Ja, Emanzipation hat uns viel gebracht, unbestreitbar.

Und heute? Ach was ist es schrecklich! Im Endeffekt wurde, zumindest in Deutschland, schon fast alles erreicht was via Gesetzeslage sich regeln ließe.... ja, und mittlerweile klagen arme geprügelte Ehemänner darüber, dass es zu wenig Männerhäuser gibt. Da kann es der linientreuen Emanze schon ganz schwummerig werden, in dieser sauren Gurkenzeit der totalen Gleichberechtigung.

Es herrscht also ein akuter Mangel an adäquaten Aufregern für die kriegerisch angehauchte Gleichstellungsamazone. Im Gegenteil, mutet es doch fast schon so an, als sei eben jene, vielleicht doch gar nicht so friedlich, wie allgemein angenommen und es rutscht ihr bisweilen die Suppenkelle aus. Böse sowas.... wer lässt sich schon gerne erwischen? Also muss etwas her, irgendwas, yes! Natürlich darf man jetzt nicht (wieder) die Dreibeiner anfeinden, die sich ja aktuell erst häuslich einrichten, in ihrer neu entdeckten Opferrolle des sensiblen und desorientierten Softies, denn das würde 'Ihnen', den sich im rehabilitativen Heulhabitus ergehenden, unnützen Testosteronmonstern, ja womöglich in die Hände spielen und das geht gar nicht!

Ergo wird das uralte Patentrezept bemüht, das, welches seit die ersten Frauen sich in der steinzeitlichen Höhle trafen um sich hingebungsvoll engagiert anzuzicken, immer bestens funktioniert, als nie versiegender Quell erbaulicher Feindschaft ~> Stutenbissigkeit. Und auch hier, gibt es wie auf jedem Sektor, leuchtende Beispiele und Vorreiterinnen, die angenehm herausstechen, unter all den anderen, öde langweilig schweigenden Geschlechtsgenossinnen, die vielleicht einfach nur damit zufrieden sind, vor sich hin zu leben und dabei auch noch unverschämt genug, Spaß daran zu haben. Das Kampfhennenzentralorgan 'Emma', stellt dieser Tage ein solch leuchtendes Beispiel des heiligen Feministinnenkrieges zur Schau, in Form einer ihrer tippenden Superwaffen aka Autorinnen, die sich an ein hochwichtiges, weibliches Mysterium heranwagt, um das Schlimmste zu verhindern.

Meine Damen & Herren, man lese und staune: Das Emma Traktat gegen Kindermösen aka die Intimrasur! http://www.diskussion-forum.de/board/images/smilies/eek.gif

Boah, toll, oder? Ich las und las, staunte und erbebte vor .... ja, was eigentlich? Ich meine, folgt man der Argumentationslinie der dort sich ergehenden Dame, so lerne ich als unbedarfte und emanzipatorisch wenig ambitionierte Frau, im Grunde nur, dass eine gute Frauenrechtskämpferin, der natürliche Feind von Enthaarungscremes, Bleichmittel und sonstigem Utensil zur Haarentfernung zu sein hat; und das nicht, weil sie ihre Yeti-Optik lieben würde, sondern aus politisch-moralisch-patriotischem Prinzip. Pro-Fell sozusagen, rettet das Schamhaar um die Individualität zu wahren. Zöpfe flechten für die Freiheit! Intimpüschel zur Wahrung der natürlichen Ordnung, halleluja, lobet den Herrn.... nein, falsches Geschlecht.... es lebe die Göttin .... Sei Du, sei Rapunzel, auch untenherum! Yes!

.... Ja ja, DAS kommt dabei raus, wenn es eigentlich nix mehr zu emanzipieren gibt....

....außer vielleicht das eigene Hirn.

....

Ach so, edith sagt: 'Ich bin übrigens selbst eine Frau, nur um Missverständnissen vorzubeugen. Und jetzt gehe ich mich für meinen unsäglichen Defätismus schämen. Das kann man mir glauben.... oder es auch getrost sein lassen.'

Bussi, Ihr Lieben! http://www.diskussion-forum.de/board/images/smilies/zwinker.gif

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geschrieben von: x-xcva

Zitat:
Original geschrieben von Odessa:
Und wehe Du vergißt, eigene Hirnficks und Netzdramen mitaufzuführen. Und wehe Du vergißt die Trolle und die Spießerschlüpfer (Du darfst alle meine Ausdrücke copyright-mißbrauchen wann immer Dir danach ist). Und wehe Du vergißt das Gedichtebingo. Und die Netzrambos mit Sockenschuß.



Liebste Frau Königstigerinnenilodessa,-
ich werde mich redlich mühen, versprochen! Du darfst mich im Übrigen sehr gerne tatkräftig unterstützen! http://www.diskussion-forum.de/board/images/smilies/blumen.gif

Grüßlie
Mischa

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geschrieben von: Odessa

Danke Mischa. Die Brainfuck Inc. meldet sich von der Südfront, wie gewünscht.


"Mein Drama mit den Emanzen" oder "Wie aus Ilo Iwan wurde"

Als Halborientalin, hier geboren und aufgewachsen aber trotzdem renitent genug, sich ihre arabischen, kurdischen, russischen und italienischen Gene nicht von der teutonischen "Essensplan-GmbH & Co. KG" kaputtanpassen zu lassen, hat man es nicht leicht, lieber Leser (ich verzichte im vollemanzipiert freiem Bewußtsein auf das politisch korrekte "und liebe Leserin" an der Stelle). Denn hierzulande gelten andere Regeln im Umgang der Geschlechter als in Gesellschaften, wo Frauen noch gerne Frauen sind und Männer auch einfach nur Männer sein dürfen.

Merke auf, oh Schwester im Geistes-K(r)ampfe, und höre die erste Regel: Alles Böse und Unrecht dieser Welt geht immer zweifelsfrei vom Manne aus! The evil himself, der Teufel in Persona, der Sündenbock für alles von Haarspliß und Menstruationsbeschwerden bis zu Watergate und Börsencrash - es ist der Mann. Das Y-Chromosom auf der Anklagebank, richterlicher Schuldspruch auch bei nicht vorhandener Beweislage, keine Revision möglich. Urteil lebenslang.

The evil, im Weiteren "Der Mann" genannt, hat z. B. immer Schuld daran, daß lebensunfähige, unqualifizierte, zickige oder sonstwie luschige Frauen einen Job nicht bekommen. Das liegt niemals und keinesfalls etwa daran, daß die Frau schlechtere Zeugnisse oder miesere Qualifikationen hat. Denn an der Gottgleichheit einer Geschlechtsgenossin und somit an ihrer Unschuld an allem, was es an Negativem in ihrem Leben zu beklagen gibt, zu zweifeln, wäre Verrat. Der Mann allein - welcher auch immer und sowieso Jeder - hat Schuld und Punkt. Testosteronsippenhaft.

Sehr beliebt auch die Variante: "Ich bekam den Job nicht weil ich nicht sexy genug war. Weiß man ja wie das läuft bei männlichen Personalchefs." Ich verspielte immer jeglichen Bonus bei meinen selbsternannten Befreierinnen, wenn ich schüchtern nachfragte, wer denn statt der "Schwester" eingestellt wurde. Denn dann hieß es oft: "Ein Mann." Betretenes Schweigen. Auch meine 2. Frage: "War der denn blonder oder trug der den kürzeren Minirock?" wurde nie wirklich gut aufgenommen, fürchte ich. Ich erntete dafür meist nur mißfälliges Schweigen und Blicke, gegen die ein Eiswürfel eine fast schon zärtliche Glut verbreitet.

Weiters haben Männer natürlich Schuld daran, wenn Schwestern mit ihrem Aussehen unzufrieden sind. Das liegt dann immer am männlichen Diktat des Schlankheitswahns oder am männlichen Sexismus, der nur gutaussehende Frauen als Partnerin in Frage kommen läßt. Aber auch da konnte ich immer nur in meiner orientalischbeschränkten Unemanzipiertheit anmerken, daß ich keinen Mann kannte der mich abgelehnt hätte wegen meiner Rubensfigur. Die so gar nicht dem Schlankheitsideal entspricht. Sogar Männer, die ein Faible äußerten für schlanke Frauen, lagen mir liebend zu Füßen und hatten sowas von Spaß mit meinen Rundungen. Hmmm. Liegt vermutlich daran, daß ich außer diesen Rundungen noch was zu bieten hatte, was ich in arroganter Selbstsicherheit als "Geist, Charakter und Ausstrahlung" bezeichne und zudem hatte ich eines im Übermaß: Liebe. Liebe zu den Menschen, Liebe zu dem Mann. Da war es sowas von egal, ob ich Kleidergröße 36 oder 46 trage.

Und zum männlichen Sexismus konnte ich immer nur anmerken, daß mir noch kein Mann begegnet ist der sabbelnd von irgendwelchen Schauspielerinnen keuchte, während er aber gleichzeitig moralschwanger erklärte, daß er nur innere Wert toll fände und wie sexistisch es wäre, ein schönes Gesicht nett zu finden. Solche Heuchelei erlebte ich nur bei Geschlechts-Schwestern, die kein Problem damit hatten zu sagen, daß sie einen "Clooney nicht vom Bett" schubsen würden... was nicht so wirklich nach den gegenüber den Männern so vehement propagierten "inneren Werten" klang auf die allein es ankäme.

Mein Weltbild geriet nun völlig aus den Fugen. Denn ich war doch schon immer so emanzipiert, daß ich ein Schwert genauso führte wie ich den Kochlöffel schwang. Ich war schon immer so frei, meine Schnauze aufzumachen auch wenn 50 Männer etwas Anderes sagten, und ich hätte mir im Leben nicht bieten lassen, daß ich auch nur einen Cent weniger verdiene für die gleiche Arbeit wie ein Mann. Benazir Butho war "Cheffe" eines islamischen Landes, als man hierzulande noch nicht mal daran dachte, daß eine Frau Kanzler werden könne. Meine arabischen Schwägerinnen waren Kampfpilotinnen, als hier die Frauen noch nicht zur Bundeswehr durften. Und bei uns ließen sich Frauen scheiden weil sie sich sexuell nicht befriedigt fühlten, während hier gerade mal seit wenigen Jahrzehnten die Erkenntnis herrscht, daß auch eine Frau beim Sex "befriedigt" sein will.

Der geneigte Leser sieht also das Problem, das ich hatte - ich war emanzipiert von Anfang an, ich hatte keinerlei männlich verursachte Benachteiligung erfahren und war zudem glücklich in meinen mit dem Feind geführten Ehen. Ich konnte noch nicht mal die Klimaerwärmung auf einen Mann schieben, denn es sind auch Frauen die Autofahren und auch weibliche Kühe pubsen.

So ein Mist. Da saß ich nun in meinem Tjador, beruflich in Deutschland unter Männern in diesem Tjador höchst erfolgreich und in meinen Ehen auch ohne Alice befreit, befriedigt und geliebt (das alles sogar noch in Satin-Dessous und mit High Heels an). Nicht der Hauch einer sexistischen Unterdrückung, nicht ein Anflug männlicher Überlegenheit, sogar männliche Hunde weigerten sich mich zu beißen, sondern sprangen auf mich zu, leckten mir die Hände und lagen mir bäuchlings mir zu Füßen.

Ich war am Verzweifeln und kurz davor, einen Mann zu bestechen, damit er mich aus dem Job mobbe oder mir wenigstens während der Arbeit einen sexistischen Antrag mache, der mich definitiv als weibliches Opfer männlicher Testosteronherrschaft würde darstellen, als mir (ich glaube es war nach dem Genuß des Films "Magnolien aus Stahl") die Erleuchtung kam: mein Problem war nicht der Teufel Mann - mein Problem war, daß ich eine Frau war! Es klappte alles ja nur deswegen anscheinend so gut (mit den Jobs die ich immer bekam und mit dem Sex und mit der Liebe) WEIL ich eine Frau war. Hätte ich das eher erkannt, was hätte ich mir an Selbstzweifeln und Vorwürfen erspart!

Als ich das nun erkannte, lief ich High-heels-befreiten Schrittes los und informierte meine "Schwestern". Verkündete, daß all die Probleme, die ich mit den Nichtproblemen im Leben hatte, nur davon herrühren daß ich eine Frau bin. Dies zu ändern wäre die einzige Lösung. Ich kündigte an, daß ich mich einer Geschlechtsoperation unterziehen, mein Haar auf Nazilänge scheren, nur noch knielange Feinrippunterwäsche anziehen und Birkenstocklatschen tragen werde und fürderhin mit "Iwan" angeredet werden möchte.

Stolz erhobenen Hauptes ging ich aus dem Kampfkreis der Schwestern und führe seitdem ein befreites gleichberechtigtes Leben unter dem sexneutralen Codenamen Odessa. Ich bin verschont von Kampfemanzen, Frustzicken, Hardcore-Emmas und Östrogenfaschistinnen, ich habe meine Ruhe vor neidischen eifersüchtigen stutenbissigen "Schwestern", die mich nur zu gerne befreit hätten aus den Armen meiner mich glücklich machenden "bösen Mann-Teufeln" um mich in ihre lesbischen Arme zu drücken, und ich führe weiterhin ein zufriedenes Leben als Frau undercover. Was aber niemand wissen darf. Denn wir erinnern uns - ich bin "für die da draußen" der Iwan....



geschrieben von: x-xcva

Glückwunsch zum 4000'sten Post mein liebster Iwan! http://www.diskussion-forum.de/board/images/smilies/loler.gif

Wir werden, fürchte ich, doch noch einen Club gründen müssen. Denn nachdem bei Tante Emma, nun nach 'Ficken für den Frieden', 'Flechten für die Freiheit' auf dem Tagesplan steht, macht es endgültig keinen Spaß mehr, sich zumindest pseudomäßig der Frauenbewegung anzuschließen. Könnte sein, das wird eine Marktlücke....

*Knuff mein Iloiwanowitsch*

....



geschrieben von: x-xcva

And today: R E A D <> T H I S!

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Der Wahn:sinn der Norm.alität - [oder, wie ich es nennen würde, Gehirnfick.... die Liebe(nden) des (verleugneten) Hasses]

Es gibt Bücher, die braucht eine 'zivilisierte' Welt schlicht und ergreifend! Und manchmal, schickt das Universum einem Hinweise, deutlich wie schallende Ohrfeigen, in Form von Impulsen. Diesmal in Form des Impulses, ein solches Buch zu bestellen ....und jetzt, wo ich etwas mehr darin las und meine eigene 'Zivilisationskrankheit' darin so glasklar gespiegelt sehe, dass es richtig weh tut, da.... *Klatsch .... mitten in die Fresse*

Hier läuft, ganz entgegen meiner sonstigen Gewohnheit, sehr laute Musik, scheiß was auf die Nachbarn, ich versuche innerlich wieder richtig wach zu werden und zu bleiben, mit Hilfe von Implant und diesem endgeilen Song ~> 'was it always this way' .... http://www.diskussion-forum.de/board/images/smilies/herzig.gif

Ich hatte in letzter Zeit des Öfteren schon Ambitionen, mir selbst etwas zu erklären; bekam es aber nicht zu fassen.... es entzog sich mir, wollte sich nicht greifen lassen, ich scheiterte immer wieder, verlor mich in den Wirrnissen der sofort wieder panisch verdrängenden Gedanken und Ahnungen.... wollte es nicht anschauen, das was nun glasklar und knochentrocken in dem Buch beschrieben wird, bereits in den ersten Kapiteln.... es geht im Wesenlichen darum, wie Aggression und Destruktivität entstehen, dadurch dass echte Gefühle, dass Schwäche und Hilflosigkeit, nicht ertragen (werden können) und kompensiert werden mit Machtstreben, Druck und Gewalt. Es geht um die gnadenlosen Psychospielchen, die heutzutage/mittlerweile als so normal gelten, dass keinem Schwein mehr auffällt, wie krank das alles ist, wie 'durchzivilisiert' wir tatsächlich sind. Es geht um Selbstverleugnung im Namen der Konformität, um Unterwerfung und Selbstaufgabe, Prostitution in x Formen, Ausverkauf der Innenwelten im Namen des Geliebtwerdens und den daraus entstehenden Selbsthass, der in einer endlosen Spirale wirkt, in einem Perpetuum Mobile der Zerstörung, der Vorwürfe, der Rachsucht, des Schmerzes, der Manipulation, Verleugnung und somit der Abhängigkeiten.... dort steht, was ich selbst schon wusste, aber in meiner Panik nicht fassen konnte/wollte, aufgeschrieben in einer genial explizit logischen, stringenten und somit bestens verständlichen Rhetorik, die ganz ohne Fachchinesisch auskommt und gerade darum wie eine kalte Dusche wirkt.... weil es so geradewegs und schnell seinen Weg nach innen findet und diverse Seiten zum Singen uralter Schmerzenslieder bringt. Erster Impuls war, das Buch an die Wand zu werfen.... oh ja, DAS ist ein verflucht gutes Buch, yes! ....

Jeder sollte es lesen, - jeder der keinen Bock mehr auf hochgestochenes Geschwurbel hat und stattdessen sich lieber literarisch ohrfeigen lässt, das macht wach. http://www.diskussion-forum.de/board/images/smilies/zwinker.gif

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geschrieben von: Odessa

:D ich lass es mir von Dir einfach ausleihen und schick Dir dafür eine DVD Deiner Wahl, wie wär es?

* *

"Gossicks sind immer anders" - eine liebevolle Satire, die mich als Gotenfrau natürlich wie immer in Selbstverarsche miteinschließt ;-)

Ich war ja nie wirklich in einer Szene. Beschämend kleines dummes Etwas das ich war, lebte ich doch tatsächlich vor mich hin in meiner normalen kleinen Welt mit meinem normalen kleinen Job und mit meinen normalen kleinen Freuden. Ich ging in die Sonne ganz ohne zu denken daß ich dadurch zu Staub zerfalle, ich lebte tagsüber und schlief in der Nacht wie das die restlichen 99,99% der zur Rasse "tagaktives Tier" Mensch gehörenden Menschen auch tun und ich hatte Freunde, die das kleine normale Leben teilten mit mir.

Einige davon waren in England. Einige davon waren und sind noch Künstler. Sie lebten ihr Leben und richteten sich nicht danach, was Andere von ihnen dachten. Genauso wie ich mein Leben lebte, ohne mich danach zu richten was Andere von mir dachten. Wir zogen uns meistens schwarz an, aber eigentlich nur deswegen weil es kompatibel war mit allem und weil es jedem stand, egal ob blond oder dunkelhaarig. Außerdem trugen wir gerne mal, einfach weil es so hübsch aussah, viktorianische Kostüme bei unseren privaten kleinen Zirkeln, und wir zitierten gerne mal Shakespeare oder Goethe, wenn wir auf unseren Landausflügen durch alte Burgruinen oder Schlösser oder Herrenhäuser und Parks wandelten. Und wir waren auch im erotischen Bereich etwas nun ja... unverklemmter. Da gab es Freunde die so gar nichts hielten von staatlich festgeschriebener Monogamie auf Ewig und Freunde, die schwul waren und Freunde die bi waren und Freunde die asexuell waren und es gab sogar Einige, die sehr sehr bizarre Dinge machten und liebten. War mir aber egal, denn ich hielt es schon immer mit der Devise: was Andere in ihren Betten machen, geht mich nichts an.

Ich lebte also mit diesen Freunden ein beschauliches stilles Leben mit viel Natur, Kultur, Kunstgenuß und guten Gesprächen - aber all das völlig unstudiert (meinerseits), völlig ohne einen Zwang und Profilneurose dahinter und vor allem ohne jegliches Klugscheiß-Geschwurbel gegenüber Anderen, daß "wir" deswegen die Auserwählten oder Elitären wären. Nein, wir waren nur ganz einfach wir selbst. Mit all unseren emotionalen Befindlichkeiten, unseren menschlichen Schwächen und Stärken, unseren Sehnsüchten und Hoffnungen und mit unserer Toleranz dahingehend, daß wir von niemand erwartet haben, daß er es uns gleichtue. Wir wollten einfach nur in Ruhe gelassen werden und wir ließen auch jeden Anderen in Ruhe.


Tja. Und dann geschah es. Irgendwann, irgendwo, sagte irgendwer, der mein Leben kannte: "Du bist ja ein Gothic." - Ähm? Wie meinen? Ich ein Gote? Westgote, Ostgote, alte Stämme, Kriege mit dem alten Rom? Gotisches Rathaus in München? Ein Gebäude? Ich verstand nichts mehr.

"Nein, das ist eine Subkultur. Gothic. Schwarz rumlaufen, leichenblaß sein, tagsüber nicht aus dem Sarg kommen und nachts auf Friedhöfen abhängen, Rotwein trinken und möglichst viel jammern und weinen."

"Und was nochmal genau läßt Dich denken ich wäre sowas? Ich trinke keinen Alkohol, laufe im zugegebenermaßen meist schwarzen Tjador rum und ich gehe allenfalls tagsüber auf Friedhöfe weil das der einzige Ort ist wo ich vor diesen Skatern und Biker-Rasern sicher bin. Und leichenblaß sein - na danke daß Du mich an meine Anämie und meinen Herzfehler erinnerst die mich so blaß aussehen lassen, aber ich für meinen Teil tue eigentlich alles damit ich gesund aussehe und nicht wie eine Wasserleiche auf Urlaub."

"Jahaa Ilo - aber sieh Dich doch mal an: Schwarze Kleidung, schwarze Haare. Du bist melancholisch, liebst Burgen und alte Gebäude. Du magst Gruselfilme und hast kranke Träume und Fantasien. Und guck doch nur mal die Freunde an, die in England. Was die für Bücher schreiben, Bilder malen oder was die als Musik haben - das ist Wave, das ist Batcave, das ist Punk, das ist jetzt alles zusammen irgendwie Gothic! Freu Dich, Du bist endlich in einer Szene, Jeder ist heutzutage in einer!"

Toll. Ich war plötzlich in einer Szene und das ohne mein Zutun und ohne zu wissen was ich eigentlich darin sollte; aber die Begeisterung in der Stimme meines Gegenübers ließ mich erahnen, daß es sich mindestens um so etwas Gutes wie Kartoffelbrei mit Muskatnuß, Oralsex über Stunden oder zumindest "vom Winde verweht" an einem regnerischen Sonntag abend handeln mußte.

Hm. Ich war jetzt also Gothic. Okay. Es hätte schlimmer kommen können zu Zeiten, wo Leute seltsame Fönfrisuren trugen und gelbe oder rosafarbige Anzüge bei Männern der letzte Schrei waren. "Du magst Rosen. Du gehörst zu den Gartenzwergfetischisten." Oder "Du magst Männer mit tiefen Stimmen. Du bist ab sofort Member der Heino-Fanclub-Szene." Gothic sein erschien dagegen ja fast schon revolutionär cool, immerhin kostete es keinen Memberbeitrag und die Typen hatten damals, als ich sie mir so ansah, echt geile Frisuren und schicke Hüte auf.

"Was muß ich denn da jetzt so machen?", fragte ich dann Jahre später, und nach verzweifeltem Suchen nach irgendeiner Ähnlichkeit meiner Selbst mit dem, was hierzulande da so als "Gothic" rumkrebste.

"Gar nix Besonderes. Die Betonung liegt dabei auf gar nix. Goten machen recht wenig für die Welt. Sie reden zwar gerne darüber daß die Welt so schlecht sei und man sie ändern müsse, aber so richtig dran was ändern oder es zumindest versuchen tun sie allermeistens nicht; das überlassen sie gerne den sogenannten Spießern und Normalos."

"Also den Leuten die z. B. dann ehrenamtlich bei Greenpeace sind oder bei Terre des Hommes oder bei der Feuerwehr oder die in Kinderheimen und Pflegeheimen tätig sind oder die in die Politik gehen um irgendwas zu bewegen oder die mit ihren alten Nachbarn spazieren gehen statt drüber zu jammern daß sich keiner mehr um die alten Menschen kümmert?"

"Du wieder mit Deinem Zynismus, das muß ich Dir auch noch austreiben, das ist gar nicht gothic-kompatibel. Also nochmal: als Gote brauchst Du das alles nicht zu tun was Du da aufgezählt hast; es reicht, wenn Du möglichst oft jammerst darüber wie scheiße das System hier und generell sei, wie schlecht die Menschheit ist und wie oberflächlich, dumm und gemein und wie ganz furchtbar übel Geld ist und..."

"Äh halt mal - ich brauche aber Geld zum Leben. Wegen meiner blauen Augen bekomme ich kein Brot beim Bäcker. Und die Goten kaufen sich doch auch alle was zu Essen und haben Kleider an und müssen sich doch auch Bücher oder Cds kaufen... zahlen die das mit Mikadostäbchen? Und ihre Konzerttickets und schweineteuren Szeneklamotten kriegen die doch sicher auch nicht im Tausch gegen Salz oder Gummibärlis?"

"Moooment Ilo. Es geht ja nicht darum daß man das Geld per se scheisse findet. Man findet es als Gote nur scheisse, daß Andere mehr Geld haben als man selbst..."

"Etwa weil diese Anderen dafür hart arbeiten seit ihrer Jugend, so mit jedem Tag um 6 aufstehen und schon mal bis 20 oder 22 Uhr in einer Arbeit sitzen oder gar mit zwei oder drei Jobs? Das klingt für mich eher nach pubertärem Sozialneid oder dem midlifecrisis-gebeuteltem Gewinsel von Leuten, die im Leben noch mit 40 nicht geschafft haben, sich auch nur ein Mittagessen das nicht vom Heimservice geliefert wurde gekocht zu haben."

"So in etwa hast Du schon Recht, aber Du bist viel zu logisch. Es geht um SZENE und nicht um Realität. Mietzahlungen, Kleider fürs Kind kaufen müssen, Mittagessen kochen, Steuererklärung, Arztrechnungen, berufliche Zukunft, Absicherung fürs Alter - alles so eine Spießerscheiße, das kennt und braucht ein Gothic nicht, klar? Denn der hat per se gar keine Zukunft. Das würde ihn ja total fertigmachen, wüßte er, daß er auch mal 80 wird und dann nicht mehr von Patchouliduftstäbchen und L ame immortelle-CDs hören leben kann. Du hast also ständig nur darüber zu jammern wie öde, dröge und leer Dein Leben sei und daß das schon immer so war. Daß du schon immer anders warst als die Anderen. Natürlich viel klüger, klar. Und viel sensibler, auch klar. Und überhaupt, Menschen zu hassen wäre nicht schlecht..."

"Wie kann ich Menschen hassen? Ich bin doch selbst einer! Ich habe ein Kind, ich habe geliebt, ich werde geliebt, ich habe Freu...."

...



geschrieben von: Odessa

"Freude am Leben, jaja ich weiß. Auch sowas völlig unverständliches. Wirst Du wohl endlich mit diesem Kram aufhören? Als Gote hast Du misanthropisch zu sein, ist das denn so schwer zu kapieren? Wie kannst Du sonst überzeugend ständig Anderen die Schuld geben wenn Du im Leben nicht zurechtkommst mit Deinen Mitmenschen? Du brauchst eine Ausrede - und die Gotenszene IST Deine Ausrede, für alles, verstehst Du, einfach für alles! Wenn Nachbars Katze eine Mausallergie hat ist die CSU oder der amerikanische Verteidigungsminister daran schuld. Und wenn Du einen Job nicht kriegst lag es nur daran, daß Du mit ungewaschenem Haar, 10 kg Clownsmakeup im Gesicht, einem Totenkopfanhänger um den Hals, in mehrfach zerrissenen Strapsstrümpfen zum gürtelbreiten Lederminirock und 100 meter gegen den Wind nach Patchouli düftelnd zum Vorstellungsgespräch gegangen bist, was von der natürlich völlig intoleranten (da muß übrigens Toleranz verlangt werden auch wenn wir selbst nieee tolerant sind und auch noch stolz drauf!) spießigen Personalchefin der Bank nicht akzeptiert wurde für den Job als Leiterin der Aktienabteilung.

Himmel nochmal, Ilo, verstehst Du? Das ist die Revolution in der Geschichte der Menschheit! Nie mehr selbst verantwortlich sein für etwas, nie mehr an sich selbst arbeiten müssen, nie mehr selbstreflektieren, sondern einfach alles auf die böse Gesellschaft schieben die noch nicht reif ist für die Weisheit und Erleuchtung durch Gothic! Du legst Dir übrigens am besten einfach noch irgendeine schicke selbstzerstörerische Tendenz zu und sag, daß Dich der Kapitalismus, das Bankensystem und der Tod des 3. Eichenbaumes im Stadtpark dazu gebracht hat. Notfalls schneidest Du Dir mit ner Rasierklinge ein bisserl an den Armen rum und sagst, es wäre ein Suizidversuch gewesen aufgrund Deiner Traurigkeit über die Schlechtigkeit der Menschheit, sowas kommt immer gut."

"Sag mal gehts Dir noch prächtig? Mit Suizidversuchen ist nicht zu spaßen, und selbstzerstörerische Drogensüchtige gehören in eine Therapie und nicht in eine Szene. Mir reichen meine soziophobischen Befindlichkeiten und ich finde ja nun so gar nicht daß das etwas wäre, was man auch noch als erstrebenswert feiern sollte..."

"Du bist echt spießig. Sowas Langweiliges - wer denkt denn an Gesundheit und normales Lebenwollen, wenn er Gote ist?"

"Aber ich wollte doch gar kein Gote sein sondern DU hast gesagt ich wäre einer weil ich ..."

"Na also hör mal! Du kannst doch nicht in schwarz rumlaufen, manchmal aufgrund Deiner Lebensschicksalsschläge für ein paar Stunden melancholisch sein, Shakespeare und Hesse lieben, gerne in Ruinen spazierenlaufen und die Musik hören die Du hörst und DANN aber dreist behaupten Du wärst kein Gote? Wirst Du Dir jetzt wenigstens - wenn wir schon beim Stichwort Teufel sind - ein Pentagramm umhängen oder zumindest irgendeinen versilberten Wicca-Anhänger?"

"Ich glaube nicht an heidnischen Krampf und sollte ich je eine Hexe benennen müssen, trägt sie allenfalls den Namen meiner Schwiegermutter..."

"Dir wird das Spötteln noch vergehen, in der Szene wird nicht gelacht. Das ist untrue. Aber Dir scheint das ja völlig egal zu sein."

"Ja aber sowas von. Hallo, schon mitgekriegt daß ich nach wie vor nur die olle kleine Ilo bin mit ihrem stinknormalem Leben mit den stinknormalen Hobbies und Interessen? DU hast es Gothic genannt, nicht ich."

"Sag mal Frau verstehst Du denn gar nix? Es geht heute nicht mehr, einfach normal zu sein. Normal ist von gestern. Du brauchst doch als Individuum und außerhalb der Gesellschaft stehender Mensch..."

"Ich steh nicht außerhalb der Gesellschaft, ich bin ein Teil davon. Ich arbeite, ich lebe, ich habe Familie und Freunde..."

"Papperlapapp, Du bist ein individuelles Individuum, das sieht man doch schon daran daß Du nicht den Musikantenstadl hörst.."

"Meine Eltern und Großeltern hören den auch nicht, aber die sind trotzdem keine Goten weil die ja nicht mal schwarz tragen..."

"Du findest aber auch immer was, wo Du widersprechen kannst. Wobei, das läßt sich durchaus integrieren in Deine Szenetauglichkeit. Es ist immer opportun, opportun zu sein und anders und ..."

"Du weißt nicht wirklich was opportun bedeutet, nicht wahr?"

"Das weiß niemand, in der Szene ist eh nur wichtig daß Du gut blenden kannst. Möglichst viele Fremdwörter in möglichst studierten Sätzen, und immer einfließen lassen daß Du von Dichter x das gelesen hast und von Philosoph Y das und überhaupt, auch wenn Du keine Ahnung hast von etwas: niemals zugeben. Immer den Hochintellektuellen geben (kommunistisch sein ist zwar gut, aber "Arbeiter und Bauern" frei nach Marx und Lenin sind dann irgendwie doch nicht so wirklich angesehen, merk Dir das!).

"Aber ich will doch nur mit meinen wenigen Freunden weiterhin in schwarz rumlaufen dürfen und Kultur und Natur genießen dürfen ganz ohne daß man mich deswegen gleich in eine Szene..."

"Dir kann man echt nicht helfen. Da hast Du naturgegeben und angeboren quasi alle Voraussetzungen dafür, in diese Szene integriert zu werden, bist sogar noch mit Teilen ihren Gründern quasi auf Du und Du - und dann verweigerst Du Dich einfach?"

"Hmm... ja aber warte mal - hast nicht Du gesagt daß ich ganz individuell ein Individuum sein müßte als Gothic und mich allem verweigern was jemand von mir verlangt?"

"Nein nein, das galt für das Verweigern gegenüber des normalen Lebens. Es galt nicht gegenüber den Dingen die mit der Szene zu tun haben. Da ist schon ein gewisses uniformiertes Gleichschrittdenken erforderlich. Sonst wäre es ja keine homogene Szene."

"Wieso glaube ich, daß ich gerade einen Zug durch meinen Kopf fahren höre und ich Lust habe, da drauf zu springen?"

"Echt? Du hast Hallus? Ilo, geil! Ich WUSSTE es Du bist szenekompatibel..."

"Lass uns über Heavy Metal reden. Oder über Heinz Rühmann. Oder über Bonanza."

"Stimmt, der Adam Cartwright wäre ja auch ein klassischer Gote, immerhin trug der immer schwarz..."



geschrieben von: x-xcva

Liebste Frau Ilodessa,-

Zitat:
"Aber ich wollte doch gar kein Gote sein sondern DU hast gesagt ich wäre einer weil ich ..."


YES! DU bist true! Denn untrue sind nur die, die es zugeben, also dass sie Gosick wären. Die Wahrheit ist untrue, Du verstehst? Verkehrte Welt? Nein, DAS nennt sich Individualität und individuell bist Du nur, wenn Du alles abstreitest. Zugeben ist out. Du siehst, aus der Nummer kommst Du nicht raus, es sei denn, Du deklarierst Dich zukünftig als gruftigsten, düstersten Obermotz unter Gothes schwarzer Sonne, DAS glaubt Dir nämlich dann kein Mensch mehr, nichtmal die Finsterspießerfraktion.... http://www.diskussion-forum.de/board/images/smilies/ha.gif

****

Einen hab' ich noch ~>>>

DAS trifft es....

Fundstück Forensignatur (in einem niederländischen Gothic-Forum):

http://www.syilver.de/graphx/1.gifhttp://www.syilver.de/graphx/2.gif

....ich habe mich köstlich amüsiert! Bringt dies doch in der Tat, die (leider) oftmals übliche Form des Selbstverständnisses von Forenusern (nicht nur der Düsterfraktion), höchst treffend auf den Punkt. Autistische Selbstdarstellung rulez... oder so ähnlich .... und Einsicht ist ja bekanntlich der erste Weg zur Besserung. http://www.diskussion-forum.de/board/images/smilies/joint.gif

Grüßlie
Mischa

....



geschrieben von: famiroed

ich kann nur x-xcva zustimmen !!! lol



geschrieben von: Trauerwesen

Ich muss dazu sagen: Es tat mir teils selber weh, das zu schreiben *g*:


"Hallo. Ich bin Susanne, aber da mir der Name zu gewöhnlich ist, nenne ich mich nur noch Dark Cat. Finde ich irgendwie schicker, und der Name passt auch mehr zu mir. Ich hasse nichts mehr als gewöhnlich zu sein. Denn ich war schon immer anders. Seit ich denken kann fühle ich schwarz. So kommt es, dass ich auch seit meiner Kindheit Gothic höre wie HIM, The Rasmus und neuerdings auch total Underground (denn ich hasse Mainstream total, Dreckskommerz) wie Blutengel höre.
Tja, was gibt es sonst über mich zu erzählen... ich suche jedenfalls Bekanntschaften zu Leuten, die mich wirklich verstehen. Diese spießigen Normalos kotzen mich so an, mit denen kann ich nichts anfangen. Ich war immer schon Einzelgänger, weil ich Menschen abgrundtief hasse. Soviel Dummheit in der Welt ist nicht auszuhalten.
Hm, was genau suche ich denn... Bekanntschaften zu tiefgründigen Menschen, die die Welt so wie ich sehen. Aber bitte keine Christen, das sind eh nur schwache Idioten, laufen einer Vorstellung hinterher, die es logisch betrachtet nicht geben kann. Und diese verklemmten Hirnis verstehen es eh nicht, richtiger Hobbyheide zu sein. Es kann halt nur Odin geben. Andere Heiden, mit denen man demnach Jul, Walhalla und Mayday feiern kann, sind daher sehr gerne gesehen. Ich will demnächst auch Nietzsche lesen, der hat da so was geschrieben.... Der Antichrist, klingt schon mal toll, muss das mal lesen. Satanismus finde ich nämlich voll interessant.
Aber ich habe auch Interesse daran, Hexen kennenzulernen, ich brauche noch neue Titten. Denn ich habe letztens gemerkt, dass ich noch viel eher in meinem SM-Outfit rumlaufen kann (ihr wisst schon, Halsband und so), wenn da mehr zu sehen ist. Und bauchfrei ist ja eh sexy, dazu trage ich bevorzugt nen Slip und Strümpfe (ihr wisst schon, diese Overknees, die bis kurz über die Knie gehen), weil das einfach nur geil ausschaut. Das machen derzeit viele, aber das ist ok, wir Gothic Girlies sind eben nun mal alle ziemlich sexy und gehen mit unserer Sexualität anders um als die spießigen Normalos. Viele stehen ja auch auf SM, weswegen gerade die Boys ja auch Bondageklamotten tragen. Total evil halt!
Hihi, lustig finde ich aber, dass die meisten Gothiks nun richtig rebellieren, indem sie nun bunt tragen. Gerade diese alten Säcke meinen, das wäre ja total Scheisse. Also: Ich suche keine alten Gothiks, die meinen von allem eine Ahnung zu haben. Die sind eben auch spießig geworden. Haben alle keine Ahnung, oft wissen die nicht mal, wer Blutengel ist, das ist mir sogar in diesem Forum hier schon untergekommen. Hören alle so Uraltbands, die sich nicht mal mit Engeln, Vampiren und dem Tod beschäftigen. Was macht die eigentlich zu Gothic? Gar nichts, wie ich finde. Meinen Weltschmerz kann ich eben am besten mit Weltschmerz-Musik ausleben.
Am liebsten wären mir aber immer noch Menschen, denen ich mich verbunden fühlen kann. Mit denen ich mich über diese schlechte Welt und die schlechten Menschen austauschen kann. Findet ihr nicht auch alle, dass die Menschen alle Scheiße sind? Jeden Tag sterben täglich Kinder in Afrika, Tiere in Tierheimen, Tiere in Schlachthöfen, und was machen die? Die denken nur an ihren Spaß und sich selbst, ich hasse das. Und an Geld denken sie, Scheiß Kapitalismus.
Wie ihr seht, bin ich ein Vollblutgofik. Ich mag die Einsamkeit, denn sie gibt mir Halt. Daher schreibe ich nachts auch gerne Gedichte, denn da schlafen alle Normalos und gehen mir mit ihrer Stänkerei nicht auf meinen dunklen Sack. Alle so oberflächlich... nun, ich interessiere mich halt für die Probleme dieser wirklich schlechten Welt. Ich leide tagtäglich mit, weswegen ich auch nicht lache.
Demnächst muss ich mal schauen, ob ich soviel Weltschmerz in mir habe, dass ich als depressiv gelte. Das wäre voll cool, denn das wäre der ultimative Weltschmerz. Ich will unbedingt anders sein, und nachdem ich halt schon total krasse Outfits trage (ich lieeebe X-tra-X!!!), Musik höre, die eben die Normalos nicht hören und kein gewöhnlicher Christ bin, wäre das echt toll. Denn dann würde ich meinen Weltschmerz noch bescheinigt bekommen, hihi. Jau, da muss ich mal schauen. Ich werde vielleicht mal zu einem Therapeuten gehen, anders fühlte ich mich ja schon immer, und da ich seit jeher Einzelgänger bin, kann das durchaus sein, dass ich eben anders bin. Für den Fall suche ich auf jeden Fall dann auch Leute, die irgendwie psychisch krank sind, damit wir uns immer darüber austauschen können, wie toll das doch ist.
Wie ich schon erwähnte, finde ich Vampire ganz toll. Mein Wunsch wäre es natürlich, wenn ich einen männlichen Vampir kennen lernen würde. Brad Pitt als Louis in Interview mit einem Vampir ist irgendwie meine erste große Liebe gewesen. Und nichts würde mich mehr anmachen, wenn so jemand an meinem Hals saugen würde und mit mir die Dunkelheit feiern könnte. „Celebrate the dark“ – ohja, ich glaube, ich gehe nachher noch auf den Friedhof und schreibe ein Gedicht.
So, das soll es erst mal von mir gewesen sein. Ich freue mich auf neue Bekanntschaften, mit denen ich meinen wirklich schwarzen Weg der Dunkelheit weitergehen kann.

Dark Greetings und Grüß Goth"


Vielleicht gibt es mal eine Fortsetzung.



geschrieben von: x-xcva

Huhu Trauerwesen,-

Zitat:
[....] ohja, ich glaube, ich gehe nachher noch auf den Friedhof und schreibe ein Gedicht.
[....] Ich freue mich auf neue Bekanntschaften, mit denen ich meinen wirklich schwarzen Weg der Dunkelheit weitergehen kann.



http://www.diskussion-forum.de/board/images/smilies/grinsyes_grey.gif Klischee rulez! Weißt Du was das Härteste ist? Nun ja, dass ich beim Lesen, so bei mir dachte, dass das so tatsächlich in Bekannschaften stehen könnte und vermutlich sich auch noch andere Finsterlinge finden würden, die freudig darauf antworten, so nach dem Motto: 'Gaaanz genau! Lass uns uns zum Ritzen treffen!' .....

Grinsegrüßlie
Mischa

....



geschrieben von: Trauerwesen

Mischa:

Ich hatte sogar überlegt, das in den Bekanntschaften aufzumachen :D. Aber Ilo meinte, hier wäre der richtige Platz, und bevor da noch irgendwie was mächtig schiefgeht, habe ich es dann hier geschrieben *g*.

Vielleicht erzählt Dark Cat demnächst ja nochmal aus ihrem Leben ;).



geschrieben von: Solstice

*mal kurz reischau*

@Trauerwesen: Dein Text ist super! Leider noch nicht ganz authentisch, denn es fehlen die üblichen 50 Rechtschreibfehler... :D



geschrieben von: Trauerwesen

Zitat:
Original geschrieben von Solstice
*mal kurz reischau*

@Trauerwesen: Dein Text ist super! Leider noch nicht ganz authentisch, denn es fehlen die üblichen 50 Rechtschreibfehler... :D



Danke, danke. Das mit den Fehlern kann ich leider nicht anders, weil es mir auch zu sehr weh tun würde, Ausnahme ich natürlich das böse Wort mit "g" *g*.



geschrieben von: Demon17

Wie gut, dass die anderen blöd sind und ich so schlau. Außer mir und ein paar Freunden ist sowieso niemand true. Alles Klischees und Nachahmer, die die falsche Musik höhren, total oberflächlich und banal sind und sowieso nur das eine suchen. Es war ja damals alles soo anders, niemand trug schwarz weil bunt einfach uncool war. Es war Ausdruck eines tiefgründigen Reflexions- und Negationsrozesses. Ausdruck tiefer Depression einer No Future Generation. Die Kiddies von heute machen einen auf evil und lernen einfach Industriekaufmann. Disgusting! Statt in schwarzen Wranglers laufen sie nun in so bescheuerten Bondage-Klamotten herum, ohne jemals wirklich bis an die Schmerzgrenze gegangen zu sein. Nein diese Jugend, Oh mores, oh tempores! sagten schon die alten Römer, aber wer kann heute noch Latein von diesen wandelnden Klischees, die sich ihr Image online bestellen? Wie gut das wir damals ganz anders waren, niemals billige Popmusik hörten, sondern tief im Underground verwurzelt waren. Ohne exzessiven Drogenkonsum oder zumindest eine Perversion fehlt einfach das Loch in der Seele, das einen Menschen zum echten Schwarzen macht. Na gut, die ein oder andere frühkindliche Störung lasse ich auch noch gelten, aber es muß schon was ernstes sein. Diese kleinen Ritzer wissen doch gar nicht, wie echte Narben aussehen. Überhaupt ist Trauer nur im New Wave cool. Diese klischeebeladene Kitschmucke von heute bringt mich aus ganz anderen Gründen zum weinen. Hoffentlich ist bald Schluss damit. Die 80er und 90er reichen vollkommen, wir brauchen keine neue Musik. Sie wird eh immer schlechter...

to be continued



geschrieben von: Solstice

Demon, das ist fast schon ZU authentisch... :D



geschrieben von: Odessa

Ja das hat was, echt ;). Mein Vorbild war und ist nach wie vor in satirischer Beziehung immer noch dieses neckische Stück von Beowulf /Kinch, dessen Threadtitel noch heute, wie man an Mischa sieht, zu Wortspielen verführt.



geschrieben von: x-xcva

@ll,-
fein dass die Fredgurke so beliebt zu sein scheint. Ein Welcome an die diversen Mitposter. http://www.diskussion-forum.de/board/images/smilies/bluemchen.gif

****
Razielim,-
den hier fand ich sehr geil:
Zitat:
Dass Alle gegenüber Goths Vorurteile hegen ist auch ein Vorurteil.


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Ilo,-
weiß ich doch. http://www.diskussion-forum.de/board/images/smilies/bussi.gif

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Trauerwesen,-
immer frisch in die Tasten! http://www.diskussion-forum.de/board/images/smilies/zwinker.gif


-----------and now for something completely different-----------

Moin meine Lieben!
Da sind wir wieder. Isses nich doll? Ich meine, dank moderner Technik, ist man auf den Blödsinn vor der eigenen Haustür echt nicht mehr angewiesen. Nachdem ich gestern noch mit einer meiner knuffeligen Freundinnen den Vormittag verkakelte (es lebe die freie Zeiteinteilung), u. a. mit der Überlegung, ob wir nicht eine Pro-FCKW-Klimaerwärmungskampagne gründen, weil man sich hierzulande mal wieder redlich den Arsch abfriert, wurde ich des Mittags dann von einem weiteren Schatz auf meiner Freundeliste via Fernsprecher beglückt, und, was soll ich sagen, das war dann ein weiterer Teil Inspiration für das hier, also diese Zeilen hier und meine unverholene Freude für alle von Realitätsängsten geplagten Menschen, darüber, dass diese doch mittlerweile, die materielle Welt da draußen gepflegt ignorieren können und das ohne groß aufzufallen, zumindest hier im Netz, denn da machen das schließlich die Meisten so.

Ich habe besagte Freudinnen, mit denen ich mich des Öfteren genüsslich dem Tantentrasch ergebe auch über das Netz kennengelernt und es tut wirklich gut, sich über Nieselregen, schlechtgelaunte Katzen (und nicht nur die) und zickende Quellcodes hinwegzusetzen, indem man einfach eine Runde klönt und ordentlich ablacht. So weit so gut. Nun bin ich allerdings ein Knöselhirn, was im Grunde meint, dass sich öfter einmal, so ich etwas lesend beobachte, in meinem Kopf ein nettes kleines Getriebe anwirft und mich Filmchen fahren lässt. Ich bekomme quasi die Drehbücher für diese Filmchen via Netz freihaus geliefert. Man verzeihe mir also das Folgende, allerdings konnte ich es irgendwie echt nicht verhindern, es überkam mich einfach so.

Knödel Müller/Meier/Schulz, Depp Mustermann und der ganz normale Parallelalltag

Mein Wecker klingelt meistens um 4.15 .... also zu einer ziemlich unchristlichen Zeit. Zusätzlich habe ich mir angewöhnt, auch am WE spätestens und 8.30 Uhr aufzustehen und das aus dem ganz pragmatischen Grund, weil gerade im Winter, ich möglichst viel vom knappen Tageslicht erhaschen will. Denn ich bin zwar so gut wie immer in Schwarz unterwegs, stehe aber dennoch nicht darauf in Winterdepressionen zu verfallen, die sich jedoch unweigerlich einstellen würden, so ich meinen B-Vitamin-Haushalt killen würde, indem ich mir das bisschen Sonne vorenthalten würde, welches sich die dunkle Jahreszeit noch abtrotzen lässt. Mag ja sein, dass ein biologisch unbestreitbar wertvoller, geregelter Tagesablauf voll out und altbacken ist und ich auf dem besten Wege bin, mich in einen Spießerschlüpfer Marke Beduinenzelt in verwaschenem Sonnenbleichgrau einzuwickeln, aus dem ich meinen Lebtag nie wieder unbeschadet entkommen werde, allerdings ist das in meinen Augen ein ziemlich geringes Risiko, gegenüber der weitaus schlimmeren Aussicht, mich irgendwann um zwei Uhr nachts auf einem Forum postend wiederzufinden, um dort dann die eiskalte Hölle der Realität zu betrauern. Einer Realität, die, wenn man solche Elaborate liest, irgendwie nicht vom Planeten Erde zu sein scheint, oder aber ich lebe neuerdings auf dem Mars und habe das nur noch nicht mitbekommen.


---Pling:Wir unterbrechen für Werbung---
~>Ein Rollstuhl sie zu knechten....
---/Pling---

Ich meine, wenn man sich die Uhrzeiten anschaut wann so einige Menschen posten und in welchen Abständen, da bekomme ich persönlich schon manchmal Visionen von einem armen gebeutelten Etwas, gut festgekettet vor dem PC damit es vor Müdigkeit nicht umkippt, zwischen leeren Pizzaschachteln und Lambruscoflaschen, denn nur der Pizzabote wird als ungefährlich genug eingestuft, die letzte Bastion zwischen dem Hort der virtuellen Sicherheit und dem bösen sonnigen Draußen, kurzzeitig mit seiner Anwesenheit zu verunreinigen. Na gut, vielleicht hat Mami auch eingekauft, dann gibt's zwischendurch noch einen Apfel oder ein Glas Milch für den versackten Filius im ewigen Halbdunkel seines binären Zweitplaneten. Das alleine fände ich jetzt ja noch nicht weiter bemerkenswert, das Thema Onlinesucht kenne ich aus eigener Erfahrung, die allerdings war in meinem Falle zeitlich begrenzt. Irgendwann war der Reiz des Neuen abgenudelt, alle (Online-)Erfahrungen gemacht, auch noch das letzte Trauma in die Tastatur gehämmert, der letzte gute Ratschlag an meine virtuelle Umwelt erteilt und mein Hirn schaltete sich schon aus lauter Langeweile wieder ein, was im Zuge der ewigen Wiederholungen aus denen mein Leben zu diesem Zeitpunkt bestand, als reiner Akt der Verzweiflung erfolgte, sozusagen der letzte Versuch sich irgendwie mal wieder etwas Entertainment zu verschaffen, vor dem Totalausfall, sprich Hirntod.

Tja, das mit dem Hirntod.... das ist jetzt bemerkenswert. Denn ich hatte mir mal eingebildet, dass dieser Notfallmechanismus grundsätzlich beim Homo Sapiens eingebaut ist, also dass sich das Gehirn wieder einschaltet, mit Zeitpunkt des nahenden Endes durch Wiederholungssterbenslangeweile. Nach längerer, bisweilen mehr oder minder unfreiwilliger Internetrecherche, bei der ich wiederholt über krönende Merkbefreitheit stolperte, geriet diese Überzeugung allerdings stark ins Wanken. Finde nur ich es komisch, wenn da ein Mensch innerhalb von einem Monat, hunderte von Postings schreibt, zu den unmöglichsten Uhrzeiten, die fast durchweg von der grausamen Hölle der Realität handeln, nur um dann dem nächsten Vorbeipostenden gute Ratschläge zu erteilen, wie der sein verkorkstet Leben wieder regeln könne? Erscheint es nur mir ein klitzekleines Bisschen realitätsfern, wenn sich jemand über die Anrede Herr/Frau ereifert? Ich meine, als ich das las, da schmiss sich dann mein inneres Kino an und ich stellte mir vor, dass man die Anrede Frau/Fräulein o. ä. ja auch flugs mit dem Wort Knödel ersetzen könnte, das wäre dann vermutlich genauso praxistauglich, wie das Duzen, welches besagter Schreiber für sich einforderte.

Sowas wie ~> Vormittags in Deutschlands Treppenhäusern und Ämtern: Begrüßung zwischen Nachbarn, ala 'Hallo Knödel Müller/Meier/Schulz, haben sie vielleicht gesehen ob der Wäscheboden frei ist? .... oder: 'Gehen sie doch bitte an Schalter acht zu Knödel Birnbaum.' Knödel Birnbaum reicht dann weiter zu Germködel oder Semmelknödel, was dann die weiblichen Staatsbediensteten der jeweiligen Rechtspflegeabteilungen sind, vielleicht noch mit Soße, Sauerbraten und Rotkohl (aka Richter, Anwälte und Schöffen). Für Männer könnte man dann die Anrede von Herr in Kloß, oder, wie es ein Folgeposter nahelegte, der sich über den verlogenen Gutsprech ereiferte und monierte, einen Depp nicht auch so bezeichnen zu dürfen, eben in Depp umwandeln. Also Knödel und Kloß.... Trauerkloß oder Klops... ich finde das hat was, denn ich dachte das sowieso schon häufiger beim Drüberlesen in Foren. Depp Mustermann wäre auch praktisch, die Instantbeleidigung für Real(itäts)gefrustete. HACH!

TÖNK!

Ach und übrigens: ---nochmal Werbung---

~> KLICK!

Ich gehe jetzt Mittag kochen. Schönen Tag noch meine Lieben.

http://www.diskussion-forum.de/board/images/smilies/fahne.gif

....



geschrieben von: Trauerwesen

Ok, here we go. Habe sie mal umbenannt wie angekündigt *g*:


"Grüß Goff, da bin ich wieder, eure Susanne, besser bekannt als Dark Widow.
Ich konnte mich letztens wieder so über die Spießer aufregen, die glotzen immer so komisch, wenn ich mit meiner Unterwäsche, meinen drei umgedrehten Kreuzen und fünfzehn Pentagrammen durch die Gegend laufe. Menno, wieso tun die das, das sieht doch total toll aus?! Und ich weiss jetzt nicht, ob ich mich in meinem Outfit noch wohl fühle, wenn die so doof kucken. Die haben wohl noch nichts von Individualität gehört! Letztens hatte ich auch ein Vorstellungsgespräch in einem Kiosk, man muss ja irgendwie Geld verdienen, und die nahmen mich auch nicht, ich weiss nicht wieso. Blöde Spießer, die Klamotten sind so teuer gewesen, und vorher habe ich noch ganz viele andere Goffiks gefragt, was ich denn am besten so anziehe, damit ich richtig true bin. Die inneren Werte zählen, aber die können mich mal, ich bleibe so, wie ich bin. Wobei ich das ja total lustig finde, wenn man mir Satanist hinterherruft, denn das zeigt, dass die Angst vor mir haben. Und das ist gut so, denn dann bin ich nicht gewöhnlich. Habe mir letztens übrigens Patchouli gekauft. Endlich konnte mir jemnd sagen, wie dieser Leichenduft heisst. Und da ich mich ja innerlich tot fühle, habe ich mir direkt fünf Flaschen gekauft und diese auf mich gekippt. Ich frage mich, ob man das auch trinken kann.
Ich möchte dieses Jahr übrigens das erste Mal zu einem Festival. Damit mich ganz viele andere total true Goffs sehen und mich als Goff dann auch akzeptieren. Aber momentan frage ich mich, was für blöde Festivalveranstalter das so sind, blöde unbekannte Newcomerbands; bisher so Sachen wie Alien Sex Fiend, The Cure und Skinny Puppy. Was sind das denn für Namen, gotisch sind die ja wohl kaum! Da laufen auf dem Festival sicherlich ganz viele Pseudos rum. Pseudos hasse ich ja eh. Aber ich schrieb ja bereits, dass ich diese Leute, die schlicht schwarz und nicht mit kalkweißer Haut und Unterwäsche in die Disko gehen, nicht ernstnehmen kann. Wahrscheinlich sind das noch alle Christen. Und das wirklich komische ist, dass die an den Rändern rumstehen und lachen. Hallo, lachen? Wenn die Spaß haben wollen, sollen sie Karneval feiern. Karneval, auch so eine dämliche Erfindung der spießigen Normalos.
Ich möchte dieses Jahr aber Walpurgis feiern. Ich glaube ja an Odin und wäre gerne eine Hexe, das bietet sich ja dann an.
Aber erstmal gehe ich auf einen Mittelaltermarkt. Das Mittelalter finde ich so toll, hätte da so gerne gelebt. Den ganzen Tag nur Met saufen und mittelalterlicher Musik wie In Extremo oder Subway to Sally lauschen... hach, muss das toll gewesen sein. Besser als diese heutige, kapitalistische Spießergesellschaft, wo nur Leute unterdrückt werden und es nur ums Geld geht.

So, ich werde mich nun mal mit Patchouli begießen und dann nach Partys suchen, wo anständige Musik läuft und nicht dieser Mitläuferscheiß.

Stay Dark!"



geschrieben von: x-xcva

Okay Freund Trauerwesen!

Hierfür:

Zitat:
Aber erstmal gehe ich auf einen Mittelaltermarkt. Das Mittelalter finde ich so toll, hätte da so gerne gelebt. Den ganzen Tag nur Met saufen und mittelalterlicher Musik wie In Extremo oder Subway to Sally lauschen... hach, muss das toll gewesen sein. Besser als diese heutige, kapitalistische Spießergesellschaft, wo nur Leute unterdrückt werden und es nur ums Geld geht.


....stelle ich Dir einmal Schreibtischreinigung in Rechnung. Ich habe meinen Eistee verschüttet als er mir beim Prusten auch noch aus der Nase kam. http://www.diskussion-forum.de/board/images/smilies/grinsyes_grey.gif

....



geschrieben von: Trauerwesen

Freundin ;).

Ok, danke, fühle mich aber nun irgendwie erfolgreich mit dem Text, war da ein wenig skeptisch *g*. Ich komme aber gerne vorbei und putze ihn dir persönlich ;).



geschrieben von: x-xcva

Huppsala,-
Freundin okay. Der Schreibtisch ist wieder klinisch rein und meiner Nase geht's auch wieder gut. Aber ich lernte jetzt, dass ich nicht gleichzeitig trinken und Dich lesen sollte. http://www.diskussion-forum.de/board/images/smilies/grinser.gif

****

Okay Leute, einen hab ich noch ~> KLICK den rosa Tod! http://www.diskussion-forum.de/board/images/smilies/kicher.gif

Have a nice day!

Grüßlie
Mischa



geschrieben von: x-xcva

Heute: Vorschläge zur Weltherrsch... ähm.... -rettung!

--->

Uiuiui .... wie ja bereits im Zuge meiner hiesigen, unnützen Tippselarien erwähnt, wirft sich bisweilen ein kleines Filmchen in meinem Schädel an, so ich mich lesend an meinen Mitmenschen und ihren Gedanken ergötze (na ja, mehr oder weniger). Aber heute, also JETZT eben, da gab es das ganz große (Kopf-)Kino! *Wusch!* Da rollte sich eine Riesenleinwand in meinem armen Schädel aus und es dröhnte, schepperte und knirschte im armen, kleinen Mischahirn, dass man meinen könnte, jetzt wären die paar Restsynapsen endgültig dem Durchschmoren anheim gefallen. Nach kurzzeitiger Luftnot, sinnlosen Gekiekse, Geeumele und gnadenlos anhaltendem Gegluckse, möchte ich mich vorweg beim Spender meines heutigen Hinterhirnepos bedanken und die Leserschaft dieses Threads hier, freundlich auf das ungeheure Inspirationspotential des Folgenden aufmerksam machen:

~> Cagliostro -
rettet die Welt! <~ (na gut, zumindest macht er Vorschläge dazu)

....und weil ich dem armen Manne nicht seinen Thread hoffnungslos zerfleddern will, dachte ich mir, ich poste ihm das dann mal hier, damit er erfährt, wie 'anregend' seine Schreiberei bisweilen ist. Ich empfehle also wärmstens die Lektüre des verlinkten Themas, mögen auch die Schädel anderer Menschen in den Genuss dieses Elaborats kommen! ;-) ....

****


Die Rettung der Welt I - oder, der Größenwahn des Homo Sapiens....

Also Mutter Erde, das ist ein Ball, über den z. B. irgendein Bewohner derselben, im entsprechenden Wikieintrag, gaaanz viele Daten zusammengetragen hat. Die trudelt da so fröhlich durchs All und das seit geschätzen 4,6 Milliarden Jahren. Boah, das ist echt voll alt, oder? Da mag man sich jetzt fragen, wie das arme Dings wohl so asbach uralt hat werden können? Ich meine, man muss es sich nachgerade fragen, zumindest dann, wenn man sich gewahr wird, wie inflationär die Rufe nach der Rettung der Welt, allerorten laut werden. Überbevölkerung, Klimakatastrophe, Bedrohung durch kosmische Riesengeschosse und, Herr steh uns bei, Nachbarin Mösmoser und ihr böser Weichspüler, der die Flüsse vergiftet. DAS kann die arme Erde doch nun echt nicht überleben! Der Untergang, nicht nur des Abendlandes, erscheint bereits besiegelt und alles was uns bleibt, in unserem Forpflanzungswahn, in dem wir poppen dass es knirscht und immer weiter Junge werfen, ist die Überlegung, die standrechtliche Erschießung mit Vollendung des 50'sten Lebensjahres einzuführen, aber spätestens! Das kommt davon, wir ollen alten Lüstlinge - ab in die Ecke und schämen!

Hm.... ich persönlich würde das Ganze ja etwas anders betrachten. Mich stört Poppo Sapiens nicht wirklich, zumal die Vögelei doch sooo einen Spaß macht. Was nützt uns ein Leben, wo man nicht einmal mehr fröhlich den drei großen F's, aka Ficken, Fressen & Fernsehen frönen darf, ohne sich ständig schuldig zu fühlen am Tod des Planeten? Wobei, wir hängen hier jetzt erst seit round about 20 000 Jahren rum, was im Vergleich zum Erdalter ja nun irgendwie ein echter Witz ist und wenn man den Geologen, Archäologen und sonstigen Irgendwas-logen, Glauben schenken mag, dann hat unser Heimatplanet schon weit Schlimmeres überlebt als ein paar abgedrehte Menschen. Vor Millionen von Jahren stapften hier riesige Viecher durch die Botanik, schissen, rülpsten und furzten herum (Treibhausgasalarm unglaublich furchtbaren Ausmaßes, so ein Brachiosaurus war schlimmer als eine ganze Herde Kühe!), vermehrten sich wie Teufel und das Erdklima war so warm, also soooo warm, dass wir Menschen dafür noch lange Jahre werden Treibhausgase produzieren müssen und das auf Teufel komm raus. Den Dinos hat's gut gefallen und noch heute kann man überall das Gebein der nichtsnutzigen Vielfraße ausbuddeln. Und wäre dieses kosmische Supergeschoss hier nicht eingeschlagen, wer weiß, womöglich gäbe es uns Menschen gar nicht, denn die Herrschaft der Säugetiere verdanken wir ziemlich sicher nur dem Umstand, dass aus den Tiefen des Weltalls dieser dicke Bumms auf Mutter Erde niederging. Ja, denn dann war hier erst einmal Polen offen. Der Himmel war schwarz, es war eiskalt und alles was größer war als ein Kronkorken, hatte echte Überlebensprobleme. (Die Kreationisten sehen das zwar etwas anders, die meinen es war die Sintflut, was aber irgendwie keinen Unterschied macht, tot ist tot und die Erde gibt's noch immer.)

Ja, und das ist m. E. das eigentlich Interessante, was der Mensch in seinem Errettungswahn so gerne vergisst, NICHT die Erde war tot, sondern sie war nur temporär ziemlich unbewohnbar. Wieso bilden sich eigentlich immer irgendwelche Leute ein, dass sich die kosmische Ordnung auch nur einen feuchten Kehricht darum schert, ob irgendwelche Bewohner, irgendeines Planeten, auf diesem gut zurechtkommen? Ich meine, hallo? In eben dieser Ordnung, ist der Mensch nichts weiter als es die Dinos waren und womöglich irgendwann, in Millionen Jahren, andere Spezies, die die Erde bewohnen werden. Ist eigentlich schon einmal wem in den Sinn gekommen, dass die Erde z. B. das Problem der Überbevölkerung, ganz von allein lösen wird? Wenn es zuviele Menschen sein werden, die Ressourcen aufgebraucht sein werden und das Klima sich verändert haben wird, so wird dieser Lebensraum vielleicht für die Menschen unbewohnbar, was jedoch nichts daran ändert, dass es ein Lebensraum ist und immer weiter sein wird, bis zu dem Zeitpunkt, wenn entweder unser gesamtes Sonnensystem die Grätsche macht oder hier ein so dicker Brocken einschlägt, dass der ganze Erdball davon auseinanderfällt.

Aber der Mensch, die Menschheit als solches, also bitte! Kosmisch betrachtet sind wir nichts als ein paar Krätzmilben am Popo der Erde und irgendwann, wenn sie geschwächt ist, dann wird sie sich auf ihren dicken Erdenhintern fallen lassen, zu einem kleinen Päuschen und Milliarden dieser Milben werden sterben. Sei es in Fluten, Orkanen, Erdbeben oder sonstigen praktischen, erdeigenen Regulierungsmechanismen. Vielleicht bleiben ein paar übrig, wovon ich einmal wohlwollend ausgehen mag, die legen dann vielleicht den Grundstein für weitere Entwicklungen, aber einmalig ist dieses Geschehen nun wirklich nicht. Einmalig ist der Mensch wohl nur darin, sich nicht nur für den Nabel der Welt, sondern gleich noch für die Plage des Weltalls schlechthin zu halten. Und das, nämlich die Schuldgefühle die sich andauernd eingeredet werden, sie sind die direkte Folge dieser mangelnden Demut und des übersteigerten Narzissmus einer Spezies, die es wohl einfach nicht verkraften kann, NICHT die Macht über die gesamte Schöpfung, ja nicht einmal über sich selbst zu haben. In diesem Sinne - Amen....


....die Menschheit ist nämlich NICHT die Welt! http://www.diskussion-forum.de/board/images/smilies/zunge.gif

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[Teil II dann bei Gelegenheit]

....



geschrieben von: x-xcva

Die Rettung der Welt II - alle wollen nur 'das Beste'

So, im ersten Teil war ich ja irgendwie so ein bisschen komisch, ähm, ich meine kosmisch. Also so aus kosmischer Sicht gesehen, ist das ja alles ziemlich wurscht was wir hier so fabrizieren, die Erde wird's schon richten und sei es via vieler, für die Menschheit irgendwie ziemlich unangenehmer Geschehnisse. Das war also sozusagen das 'große Ganze', dem es gelinde gesagt am Boppes längs geht, ob wir Menschen nun unsere Probleme in den Griff bekommen oder nicht. Eingestreut mal ein netter, kleiner, esoterischer Grundsatz: 'Wie im Großen, so im Kleinen - und umgekehrt.' Und würde man das jetzt einmal übertragen, so würde das bedeutet, dass das 'große Ganze' sich nur so gleichgültig zeigt, wie es auch 'im Kleinen' ist. Und yes, irgendwie stimmt das ja sogar. Ich meine, man kann mich ja jetzt gerne erschlagen, aber wer bitteschön, interessiert sich denn tatsächlich für seine Mitmenschen? Ich meine, jetzt einmal jenseits von Familienbanden, Freundschaften und sonstigen Bindungen, die ebenfalls weiß Gott kein Garant dafür sind, dass sich ehrlich und wohlwollend für das Glück des Anderen eingesetzt wird?

Im Grunde ist es doch wohl viel eher so, dass es um Macht geht. Nämlich die Macht, anderen Menschen vorschreiben zu wollen, was sie zu tun oder zu lassen haben.... und sei es unter der Prämisse, der Rettung der Menschheit. Wer kennt sie nicht, die Begründung, dass da nur 'das Beste' gewollt wird? Das Dumme daran ist nur, dass 'das Beste' sich oftmals sehr unterscheidet, von dem, was das Subjekt, für das da angeblich 'das Beste' gewollt wird, sich selbst unter 'dem Besten' vorstellt. Da ist es dann nur noch eine Frage der Machtverhältnisse, welches 'Beste' sich schlussendlich durchsetzen wird. Und diese Machtverhältnisse sind längst nicht so klar, wie man das meinen sollte. Das beginnt schon bei so einfachen Umständen wie dem Kampf zwischen Mutter und Kind im Supermarkt. Man sollte ja meinen, dass es hier klar wäre, nämlich dass die Mutter die Erziehungsgewalt hat und folglich am längeren Hebel sitzt, um 'das Beste' für den Filius durchzusetzen.

Soweit zur Theorie. Wer mal an einer Supermarktkasse in der Schlange stand, der erlebte mit ziemlicher Sicherheit dann die Praxis, die sich von der Theorie mal wieder sehr zu unterscheiden pflegt. Denn während das muntere Kleinkind, flugs das für sich 'Beste', in Form eines in Augenhöhe ausliegenden Schokoriegels erblickte und diesen fröhlich krähend an sich nimmt, ist 'das Beste' was Muttern in einem solchen Falle machen kann, sich dieser Ansicht anzuschließen und dem Kiddy die Süßigkeit zu lassen. Zumindest ist es 'das Beste' für all die armen Leute in der Schlange, die Kassiererin und auch für die Selbstachtung der Mutter, doch das weiß sie womöglich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Aber sollte sie tatsächlich versuchen, etwas anderes 'zum Besten' ihres Sprosses durchzusetzen, den sie vielleicht bereits in Horrorvisionen als übergewichtiges Weichei mit kariesverseuchtem Oralkahlschlag vor sich sieht und folglich 'das Beste' wäre, dieser Schokoriegel kommt wieder ins Regal und nicht in Kindes Mund, DANN wird sie erfahren, dass 'das Beste' nicht immer für alle gleich ist und dass sie als Mutter nicht automatisch die Befehlsgewalt hat.

Ich wette dass jeder Leser bereits weiß was hier jetzt kommt ~> Die Mutter nimmt dem Kind den Riegel ab und *Wuhaaaaaa* - in ohrenbetäubender Lautstärke. Gerne noch begleitet durch Tränen, sich auf den Boden werfen, oder, so das Kind vorne im Einkaufswagen sitzt, der beherzte Griff in eben diesen, um die darin befindlichen Waren durch die Gegend zu werfen. Und, in dem allermeisten Fällen dieser Beobachtung, und ich machte reichlich davon, gibt die Mutter recht schnell nach, noch mit vor Scham hochrotem Kopf, denn nun weiß die Welt, in Form der mehr oder minder deutlich genervten Mitmenschen, dass sie versagt hat, zumindest in Punkto mütterlicher Kontrolle. Tja.... 'das Beste' wäre wohl gewesen, man hätte das Auslegen von Süßigkeiten an Supermarktkassen verboten, oder? Oder wäre 'das Beste' gewesen, man hätte einen Elternführerschein eingeführt, so dass nur Mütter die ihren Filius gnadenlos im Griff haben, ihre unnütze Brut in der Öffentlichkeit präsentieren dürfen? Oder wäre es etwa 'das Beste', wenn Kindern gar der Zutritt zu Supermärkten untersagt würde? Es kommt eben auf die Perspektive an. Und für jedes dieser 'das Beste', gibt es mit Sicherheit irgendwo, irgendwen, für den dieses 'das Beste', das denkbar Schlechteste wäre, je nach Standpunkt.

.... [Fortsetzung folgt]

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geschrieben von: Darket

Ok, das kann ich auch. Die Idee zu folgendem Text entstand heute Nacht gegen 4 Uhr früh beim Falafelmann, wo wir uns zu dritt auf ganz besonders politisch korrekte Art ganz viele Freunde gemacht haben und stellt, so ich denn mal kosnequent bin, den ersten Text einer ganzen Reihee dar, die ich fortführen werde, wenn mir die entsprechenden Ideen kommen.

Was machen eigentlich… Die 68er?

Oder: Warum es nicht so gut war, dass Franz den Kindergarten angezündet hat

Zugegebenermaßen, die Frage ist schlecht formuliert. Denn was die 68er heute machen ist allgemein bekannt: Die meisten haben die Zahnarztpraxen und Anwaltskanzleien ihrer Eltern übernommen, einige wurden Soziologen oder Philosophen und somit arbeitslos, eine Hand voll sitzt noch im Knast, einer ist heute Nazi und Stefan Aust wollte ja weder damals noch heute jemand richtig mitspielen lassen.
Die Frage ist eher was aus der Generation wurde, die danach kam, die von genau diesen Leuten großgezogen wurde. Der Generation, die heute zwischen 25 und 35 Jahre alt ist.

Um diese Frage zu beantworten, begeben wir uns gedanklich zurück in das Jahr 1977. In den, autonomen Kinderladen „Ho Chi Minh und seine kleinen, roten Freunde“ in Berlin-Charlottenburg. 13 Kinder spielen dort mit unlackiertem Holzspielzeug, das von Jungpionieren aus Kuba und Kambodscha in freiwilliger Arbeit an ihrem freien Sonntagnachmittag in Handarbeit gefertigt wurde. Ein ganz und gar friedliches Bild. Die Anke, ihres Zeichens gelernte Facharbeiterin in der Verpackungsindustrie und der Stephan, Germanistikstudent im 28. Semester, beide zeichnen sich dadurch aus keinen Nachnamen, dafür aber einen Artikel vor dem Vornamen zu tragen, sitzen in der Kaffeeküche, rauchen selbst gedrehte Zigaretten und unterhalten sich über Mao. Der einzige, der in dieses Bild derzeit nicht recht passt ist der kleine Franz. Franz ist 5 Jahre alt und hat gestern von seinem Opa ein Geschenk bekommen. Ein altes Kriegssouvenir vom Opa, sein Wehrmachtsfeuerzeug, noch mit eingravierter Swastika. Opa hat Franz eingeschärft, seinen Eltern, diesen bolschewistischen Traumtänzern und Taugenichtsen, ja nichts von diesem Geschenk zu erzählen, vielleicht würde ja wenigstens aus ihm etwas Richtiges. Franz hat keine Ahnung was der Opa damit meinte, aber er hat verstanden, dass er niemandem von dem Feuerzeug erzählen darf. Also spielt er heimlich in der Ecke am Fenster mit seinem Geschenk, mal sehen ob Baumwollvorhänge brennen können.

Als der beißende Qualm langsam auch in die Kaffeeküche zieht, beschließen die Anke und der Stephan, dass mal jemand nachsehen müsste. Also erhebt sich der Stephan und sieht wie Franz gerade den ersten Vorhang vorm zweiten Fenster in Brand setzt. Die beiden anderen brennen bereits lichterloh. Die übrigen Kinder haben sich einigermaßen irritiert schon in die gegenüberliegende Ecke des Zimmers zurückgezogen und ihr Spiel weitestgehend eingestellt.
Der Stephan dreht sich um und ruft in die Küche, die Anke möge doch mal den Feuerlöscher holen. Danach kniet er sich neben den kleinen Franz, der gerade mit großer Begeisterung das Holzspielzeug verfeuert. „Hör mal zu Franz, ich find’ das grad nicht so gut, dass Du hier Feuerchen spielst. Kannst Du damit nicht bitte aufhören?“ Die anderen Kinder scheinen das derweil auch nicht so gut zu finden, wie man den von Husten unterbrochenen Angstschreien entnehmen kann.
Franz scheint gänzlich unbeeindruckt, schüttelt den Kopf und beginnt in der Mitte des Raumes einen Scheiterhaufen aus Filzpantoffeln und Holzfußbänken zu errichten. „Du Franz, ich find das jetzt wirklich nicht so schön, das ist wirklich ein bisschen gefährlich und so…“

Natürlich kam einige Minuten später die Feuerwehr und rettete alle Kinder vor dem Flammentod. Auch den Stephan holten die Feuerwehrleute mit schwerer Rauchvergiftung und Verbrennungen zweiten Grades aus dem Kinderladen, nur die Anke wurde irgendwie vergessen. Franz kam nach diesem Vorfall gegen den massiven Widerstand seiner Eltern und, zur Überraschung dieser, seines Opas für zwei Jahre in die Kinder- und Jugendpsychiatrie.
Und die übrigen Kinder? Sie bildeten den Grundstock der Post-68er Generation. Der Generation, die auch nicht so gut fand, dass Franz den Kindergarten angezündet hat.

Diese Kinder von damals sind heute erwachsen, studieren, wobei sie von ihren Eltern unterstützt werden, weil dieses faschistoide System den Kindern von Eltern die ungefähr 12000 Euro brutto im Monat verdienen, kein Bafög bezahlt, oder haben bereits gut bezahlte Jobs, die es ihnen erlauben mit ihren studierenden Freunden auch an einem Donnerstag Vormittag in Prenzlauerberg in den Straßencafes zu sitzen, Milchkaffee aus Caipirinha-Gläsern zu trinken und das neuste Buch von Haruki Murakami zu diskutieren. Sie haben moderne Frisuren, tragen Chucks und an ihren braunen Taschen im Bundeswehrstil stecken Buttons, die das Ostampelmännchen abbilden. Vor ihnen auf dem Tisch liegt mindestens ein zugeklapptes Notebook, ein hochmodernes Mobiltelefon und wie schon bei ihren Eltern, eine Packung American Spirit Tabak nebst zugehörigen OCB-Blättchen oder eine Schachtel blaue Gauloises.
Die Gespräche am Tisch zeugen von hohem Bildungsstandard, sind aber weniger theoretisch als bei Mama und Papa. Wo früher über die neusten Werke von Wallraff, Böll und Engelmann diskutiert wurde, sind es heute der erwähnte Murakami, Paolo Coelho oder Michel Houellebecq. Politik spielt im Alltag keine Rolle mehr. Man wählt immer noch grün, man ist immer noch politisch korrekt, man sieht Sonntag Abend Anne Will, weil die ja lesbisch ist und man schaut alle Jahre wieder Live 8 im Fernsehen. Man hat nichts gegen Ausländer, die trifft man ja eh nur, wenn man sich in Friedrichshain eine Falafel kauft.
An den Wochenenden tanzt man in Mitte und Kreuzberg zu Franz Ferdinand, Arcade Fire oder den Babyshambles, progressiv, intellektuell und provokant. Jedenfalls denkt man das. Dazu ein, zwei Becks Gold und eventuell ein kleiner Joint, nicht zu viel, nicht zu stark, einfach nur um es zu tun. Zum Rauchen geht man mittlerweile ohnehin vor die Tür, hier raucht zwar ausnahmslos jeder, aber Vorschrift ist Vorschrift. Man kann sich mit allem arrangieren, kommt mit jedem irgendwie aus. Die eigene intellektuelle Überlegenheit den meisten Menschen gegenüber ist voll bewusst, aber es gibt ja genug Gleichgesinnte, um mit den anderen nicht reden zu müssen. Das einzige was man eventuell tatsächlich aus tiefster Seele hasst, sind Supermärkte und Discounter. Wer sein Tofu nicht im Bioladen kauft, gehört nicht dazu. Wer seinen Yogi-Tee nicht im Fair-Trade Laden kauft, darf nicht mitspielen. Nach wie vor schlechte Karten für Stefan Aust.
Man ist sich nicht in allem einig, muss man auch nicht. Diskussion? Braucht kein Mensch. Wirklich zu 100% einig ist man sich eigentlich nur bei Bioläden und darin, dass man es nicht so gut fand, dass der Franz damals den Kindergarten angezündet hat…die arme Anke.
Franz studiert heute übrigens Sozialpädagogik und hat nebenbei ein Buch geschrieben. Über die katastrophalen Auswirkungen der antiautoritären Erziehung der 68er. Die anderen finden das Buch nicht so gut. So schlecht waren Mama und Papa doch gar nicht, aus ihnen ist doch auch was geworden. Aber wenigstens hat der Franz kapiert, dass es nicht so gut war, dass er damals den Kindergarten angezündet hat.



geschrieben von: x-xcva

Sehr sehr geil Herr Melonenmann! http://www.diskussion-forum.de/board/images/smilies/thumb.gif

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[Dann hoffe ich mal dass Du konsequent sein wirst.]


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geschrieben von: Odessa

Wahlen sind ja was Feines. Wir Stimmvieh dürfen ein Kreuzchen machen und uns einbilden, wir hätten doch tatsächlich sowas wie "Mitspracherecht". Gut, wir haben es. Irgendwie. Irgendwo. In irgendwas. So rein theoretisch. Und wir haben auch die Wahl zwischen mehreren Parteien, was schon mal besagt daß wir uns wenigstens das Übel selbst auswählen dürfen, von dem wir dann ausgenommen und geknechtet äh ich meine "regiert" werden.

Aber ich weiß nicht, in letzter Zeit beschleicht mich immer öfter das Gefühl, daß es mit dem Wählerwillen nicht so ganz das Wahre sein kann. Nehmen wir mal Hessen und Frau Ypsilanti. Kaum ist die Wahl gelaufen und es stellt sich heraus, daß Madame nicht die Mehrheit bekommt die sie braucht, wird das Wahlversprechen gebrochen. Scheiß doch auf den Wählerwillen, scheiß auf Wahlversprechen, scheiß auf Glaubwürdigkeit, Ehrlichkeit und Rückgrat. Alles für Politiker - jeder Partei natürlich - nicht relevant und von daher frage ich mich langsam wieso man uns überhaupt noch wählen läßt, statt einfach festzulegen daß es die Politiker unter sich ausmachen wer derjenige sein darf, der pro Forma dieser Republik vorsteht. Das wäre dann auch billiger und wir könnten das eingesparte Geld in die Pensionskasse der unterbezahlten deutschen Politiker spenden. Damit sie nicht bei so Unternehmen wie Gasprom (das 10 Tankerladungen hochgiftiger Flüssigkeit demnächst in die Ostsee kippt mit dem Segen unseres umweltfreundlichen Alt-Kanzlers Schröder) dann vor lauter Armut Aufsichtsratsmitglied werden müssen nur um sich weiterhin die Butter aufs Brot leisten zu können.

Und nachdem ich von all diesen gebrochenen Versprechen, von all dem verheuchelten Politikergeschwafel und all den Dreistigkeiten im "Namen des Wählerwillens" sowas von die Wahlvolkschnauze voll habe, habe ich mich entschieden, die Monarchie wieder einzuführen. Jawohl, die Monarchie. Mit mir als Kaiserin. Betrachtet es doch mal logisch: ich verspreche Euch nichts. Ich sage von Anfang an daß alles genauso beschissen weitergehen wird wie es jetzt schon ist: Deutschland wird auch weiterhin das weltweit führende Land sein mit Sozialabgaben/Steuerlast (55% des Gehalts gehen im Schnitt dafür drauf, das toppt niemand, ja Deutschland ist Spiiiitzeee wenigstens darin). Unternehmen werden weiterhin aufgrund bürokratischer Vorschriftenkataloge ins Ausland abwandern, wo man ihnen diese Probleme nicht macht, und werden dort Tausende Arbeitsplätze schaffen während der deutsche Michel stempeln geht. Deutschlands Bildungssystem wird weiter vor sich hindümpeln, da wir das Geld lieber in BW-Auslandseinsätze investieren, schließlich braucht man uns am Hindukusch, wer soll dort sonst in Totenköpfe masturbieren oder sich über burkatragende Frauen lustig machen?

Also wie gesagt - mit mir geht der Hüttenzauber weiter wie gehabt, nur sitze ich dann dem Ganzen als Kaiserin vor, trage ein echt schniekes Krönchen dazu und lass auch mal meinen BH-Ansatz blitzen, wenns für Deutschland im Außenverhältnis zu anderen Staaten gewinnbringend sein könnte. Da ich mit dem arabischen Kulturkreis verwurzelt bin, wird Deutschland eines nicht mehr haben: Ölkrisen. Meine connections werden dafür sorgen, daß das Halten an einer Tankstelle nicht mehr den Haushaltsetat einer Familie für 2 Wochen auf "Nudeln und Brot" reduziert nur weil Papi das Pech hat, daß sein Arbeitsplatz 150 km entfernt vom Wohnort ist und er nur mit dem Auto dorthin fahren kann. Um weiterhin seine 55% Steuer- und Abgabenlast leisten zu können von seinem Gehalt, das ihm noch übrigbleibt nachdem er 1/3 davon für Sprit ausgab. Damit er in die Arbeit kommt... usw. usw.

Ihr könnt mich dann auch als Klingelton und animiertes Porn-Handy-Bild runterladen oder Duschgels nach mir benennen, und ich bin mir sicher daß RTL sofort eine Monarchie-Show ins Leben rufen wird, wo man dann einen Tag mit mir als Fensterputzerin gewinnen oder "Kaiserin Ilo im BigBrother-Container" bewundern kann. Teetassen und Badetücher mit meinem Konterfei auf Deutschlandfahne sind selbstredend bei jedem online-Versand sowie über div. einschlägige TV-Sender erhältlich. Bei Bedarf stelle ich mich auch für Autogrammstunden in jedem OBI-Markt zur Verfügung, winke glücklich oder betroffen-betreten in jede Kamera, die man auf mich hält und sage dabei sowas wie "Das ist gut für die Umwelt und ich stehe voll dahinter", "Das hilft der Bevölkerung und ich stehe voll dahinter" oder "Damit setze ich ein Zeichen für/gegen wasauchimmer und ich stehe voll dahinter".

Schlechter kanns für Euch Deutsche doch eh nicht mehr kommen, und ich seh im Gegensatz zu den meisten Eurer männlichen Politiker noch halbwegs frisch und fit in der Birne aus und ich kann sogar echt gut kochen (womit wir auch 9834 Folgen einer "Kochen mit Krone: Kaiserin & Kaiserschmarren"-Show abgedeckt hätten). Außerdem muß man mit mir als Monarch an der Spitze dann auch nur einen Deppen bezahlen und notfalls auch nur einen durch Attentat beseitigen. Und ich bin breit genug gebaut im Hüftbereich, daß sogar ein halbblinder Alt-RAFler mich noch erwischen dürfte mit seiner Kalaschnikoff.

Sagt also was Ihr wollt - die Monarchie ist Eure einzige Alternative. Wählt einfach mit mir das kleinere Übel, denn ich bin nur eines. Die Anderen aber sind viele, so viele....



geschrieben von: x-xcva

and today....

....Konsumbiotope oder: die Natur schlägt zurück

Als ich vor einigen Jahren, die für mich damals sensationelle Entdeckung machte, dass das Internet nicht nur aus Zeitgenossen besteht, die sich auf diversen Diskussionsbrettern, mehr oder minder gekonnt, die Brocken um die Ohren schlagen, da wurde ich mir gewahr, dass es hier drin noch eine weitere tolle Möglichkeit gibt, die das moderne Mitteleuropäerweibchen in höchste Verzückungen versetzen kann ~> Einkaufen! Huch & hach Einkaufen! Ich habe also in den vergangenen Jahren den verschiedensten virtuellen Kaufmannsläden Besuche abgestattet und erging mich im Odern von mehr oder weniger sinnvollem Gedöns. Das allein ist ja nun nicht weiter erwähnenswert und man mag sich zu Recht fragen, was bitteschön das jetzt mit der Überschrift zu tun hat? Gemach.... ich eiere gezielt auf den Punkt zu, versprochen.....

Also angefangen hat eigentlich alles mit Ikea, deren Onlinekatalog mich zu stundenlangen Heiterkeitsausbrüchen nötigte und ich spätestens seit dem Klositz Oresund davon überzeugt bin, dass die Namensgeber bei Ikea, irgendwie echt schräge Leute sein müssen. Kurz, ich habe Tränen gelacht über Bettgestell Malm [Bett frisst Schläfer] und die Klobürste Grundtal [schrubben bis .... ähm, ja] ..... tolle, neue Einkaufswelt. ....

Das nächste Erlebnis dessen ich mich noch klar entsinnen kann, war das Butterdosendrama, für das sich mein dicker roter Kater verantwortlich zeigt. Der konnte nämlich nicht verstehen, dass er nicht an die Butter unter dem Klarsichtdeckel kam und schob wiederholt unsere alte Butterdose vom Tisch, die dann, nach diversen Aufschlägen auf die Bodenfliesen, folgerichtig den Geist aufgab. Okay, eine neue Butterdose musste her und so begab der Gatterich sich zu ebay. HA! Jetzt wird vielleicht irgendwer brüllen: 'Stop!' - jeder normale Mensch geht in den nächsten handelsüblichen Supermarkt und kauft sich einfach eine neue, wer zur Hölle ordert über ebay eine Butterdose? (Und wer sich das jetzt nicht gefragt hat, der lebt auch schon im Parallelland Konsumbiotop und wird als bald komischem Getier begegnen, aber dazu später....) ....

Also das mit der Butterdose, das waren die ersten Anzeichen dafür, dass die urzeitlichen Gene bei Mann und Frau noch immer eine Rolle spielen, zumindest bin ich von diesem Umstand mittlerweile felsenfest überzeugt. Männer sind definitiv Jäger und Sammler und wir Weiber sind dann dazu bestimmt, die erlegte Beute zu beklatschen, oder, so wie ich im Falle der Butterdose, in minutenlangen Lachkrämpfen ihre Erheiterung zu manifestieren. Mein Gatterich liebt mich, zumindest gibt er sich immer enorme Mühe mich zu bespaßen und so hatte er diverse Modelle in seine Favoriten gepackt, die er mir präsentierte um sich an meinem Gequietsche und Geeumel zu ergötzen. Der Einfachheit halber, schiebe ich die Zeilen von damals ein, als ich der Umwelt bereits meinte Mitteilung machen zu müssen über die Vorkommnisse im Hause Gatterich + unnützes Weib (=ich)

~>

Hier Ausschnitte der Besichtigung:

*Eine maritime (absolut fürchterliche) Plastikbutterdose mit Kitschleuchtturm* ~>

Ich: *hihihihihihi .... ihhhhhh.... nööööö usw. der Rest ging darin unter, dass ich mich brüllend vor Lachen auf's Bett warf*

Gatterich (im nachgemachten Sachsendialekt): *Jo nüüü guggemooo, die s doch doll, odda? unn so fömschön. Diesch doch doll, direggt ussm Gombinooot....* (das ging so weiter, ich war am Ende)

*Eine Edelstahlbutterdose, die aussah wie irgendwas Knastmobiliarmäßiges*

Ich: *starre das Ding fassungslos an und fange unkontrolliert an zu grunzen*

Gatterich: *Starrt mich an und dann: 'Wenn die groß genug ist, kann man die als Bettpfanne benutzen.'*

*Eine sogennante 'Butterfrau'* (das ist so ein Keramikdings in Form einer Frau die aus drei Ausbeulungen besteht, unfassbar grauenvoll!)

Ich: *Starre, gaffe, staune, schweige und gaffe weiter...*

Gatterich: 'Hier steht, noch nie benutzt. ....Pause... Ironischer Blick zum Foto: 'Jahaha, warum wohl?' ....

Das ging zwei (!!) Stunden so! Ich habe Bauchkrämpfe, ich kann nicht mehr! Mein lieber Scholli, es gibt Butterdosen für 70!! Euro! Kommentar des Gatten: 'Was machen die? Gießt man wohl oben nur die Milch rein und die Butter machen die dann alleine? Oder ist die Kuh auch noch eingebaut?'

****etwas später****

Der Gatte sitzt wie paralysiert vor dem Bildschirm und starrt andächtig das Bild unserer neuen Butterdose an, welches er aus der ebay-Anzeige wohl herauskopierte und auf Bildschirmgröße brachte.

Und dann, mit salbungsvoller Stimme: 'Unsere neue Butterdose, jetzt haben wir sie als Desktophintergrund.'

Ich bin fast verreckt!

Der Gatte schaut vorwurfsvoll und dann, grottentief jammerig: 'Aber Du wolltest sie doch auch!?'

Da bin ich wieder auf's Bett gestürzt vor Kichern und dann geflüchtet, bevor der Mann mich wirklich dazu bringt, einem Herzinfarkt durch Gelächter zu erliegen.

Übrigens vergaß ich die Bundeswehrbutterdose zu erwähnen, die aussah wie eine leere Dose Erdal-Schuhcreme ohne Seitennippel zum Aufdrücken. [....]

<~ ....soviel zu den ersten Anzeichen.

....

So, ich denke, nun dürfte klar sein worum es geht und wie Gatterich und ich dem Einkaufen im Netz frönen, nämlich dahingehend, dass der Gatte jagt und das Weib das dann begutachtet. Es gibt Ausnahmen, nämlich dann, wenn ich selbst jagen gehe, weil das was ich erwerben will, so gar nicht ins Beuteschema des Gatterichs passt, wie zum Beispiel Sämereien, Bastelbedarf, Bücher oder Kosmetika (Parfümerien sind des Teufels, weil ein schwarzes Loch zur Geldvernichtung!) .... wie auch immer, im Falle der Erkenntnis um die es hier geht, war jedenfalls der Gatte der Jäger. Eben jener ist nämlich stolzer Besitzer eines sündhaft teuren Mountain Bikes, welches wir in Ersatz eines PKW unser Eigen nennen und der Gatte entwickelte im Laufe der Zeit, eine nahezu unfassbare Akribie, im Erjagen diverser Zubehörteile für dieses Gefährt. So weiß ich nun auch seit einiger Zeit, dass man hunderte von Euronen ausgeben kann, nur um ein Schloss oder eine Beleuchtung für's Fahrrad zu erwerben. Nach anfänglicher Fassungslosigkeit, nahm ich es gelassen, denn ich stellte immer öfter fest, dass es dem Gatten gar nichts ums Kaufen sondern ums Jagen ging, was meint, er ist ständig auf der Suche nach dem ultimativ günstigsten Angebot für diverse benötigte Teile und wenn es ihm gelingt, zum Beispiel einen Kurbelsatz, auch nur 10 Euro günstiger zu erstehen als sein ebenso besessener Arbeitskollege, dann freut er sich wie ein Schneekönig und reibt das besagtem Arbeitskollegen brühwarm unter die Nase. Der macht das übrigens genauso, das ist wohl wahre Männerfreundschaft und ich warte immer auf das 'How how houuuuw' in Angedenk an Heimwerkerkönig Tim Taylor.

Nun ist das Osterwetter dieses Jahr gelinde gesagt beschissen und folglich bleibt viel Zeit um im Netz abzuhängen und zu jagen, was der Gatte dann auch tat und jetzt komme ich endlich endlich auf den Punkt. Wir saßen also wieder einmal zusammen vor des Gatten Monitor und er klickte sich unter meinen interessierten Blicken durch diverse Angebote. Es öffnete sich eine neue Seite und offenbarte mir eine Fahrradklingel für Kids in Form eines Marienkäfers. Oh, eine Blümchen- Bienchen- Frosch- und Käferklingel, wie niedlich! Klar, für Kids wird immer die Natur nachgebildet. Irgendwie ist das ziemlich herb. Wenn der Filius schon zwischen Betonbunkern aufwächst und in einem ordinären Stadtwald vermutlich rettungslos verloren wäre vor lauter unkontrollierter Natur, sieht wenigstens die metallene Fahrradbimmel noch so aus, als würde das Kind das nachgestellte Getier und Geblüm, nicht nur aus dem Biobuch kennen. Okay, denken wir nicht weiter drüber nach, die meinsten Kids kennen Marienkäfer und sei es auch nur aus Omis Balkonkasten mit den Geranien.

.... Nächste Seite, noch mehr Bimmeln. Meine Fresse, eine Galaxie voller Fahrradbimmeln, da kann man glatt paranoid werden, bei der Vielfalt der Modelle. Womöglich tarnen sich die Aliens als Fahrradbimmeln um so unseren Planeten zu erobern, zahlenmäßig wären sie uns damit dann wohl bereits jetzt hoffnungslos überlegen. Und da war sie dann, mir stockte der Atem, mindestens zehn Sekunden, bis mein Knöselhirn die ersten Assoziationen ausspuckte, da ging das Ganze dann nahtlos in einen enormen Kicheranfall über. Dargestellt war eine windschnittig kantenlose, durchgängig tiefschwarze Fahrradklingel über der in riesigen Buchstaben der Name prangte, den ein Hersteller ihr verabreicht hatte. Da stand: Rennschelle .....

Boah .... Meine sehr geehrten Damen und Herren,
ich freue mich, Ihnen mitteilen zu dürfen, dass nach jahrelanger intensiver Forschung und Nachzucht, uns nun endlich die Wiederansiedelung der gemeinen Rennschelle, in unseren Wäldern geglückt ist. Die nachtaktive und scheue Rennschelle, die, durch ihre Ähnlichkeit mit der odinären dunklen Weinbergschnecke, gnadenlos gejagt wurde, war in unseren Gefilden seit Mitte der Neunziger ausgestorben und.....

....ich kicherte und kicherte.... zumal, ich meine, Rennschelle. (Ey Du, Alder Du, mach'n Kopp zu sonst gibt's 'ne Rennschelle Du Vollhorst!) ....

...ja, und als der Gatte dann noch eine Rennbremse auftat, da war es ganz aus! Das ist also dann die Variante der gemeinen Pferdebremse, nur ohne Flügel und mit Riesenfüßen. Ob die auch von Adidas gesponsert wird? Tja, so ist das im Konsumland, wenn dem Menschen nix mehr einfällt für seine mannigfaltig vorhandenen Erzeugnisse, dann hilft der Blick ins Biobuch....

....frohe Ostern ihr Lieben!

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geschrieben von: Odessa

:D Mischa, ich hab das schon sehnlichst erwartet!



"Ich wollte doch nur mal schauen..." oder: "Der Fachverkäuferinnen-Horror"

Manchmal, ganz selten, überkommt es sogar eine uneitle, pragmatisch in bodenlange schwarze Gewänder/Schleier gehüllte und nur mit Babypuder und Labello gepflegte alte Grufteline wie mich. Das Gefühl, in ein Kaufhaus gehen zu wollen, genauer gesagt: in die Drogerieabteilung.

Nun ist es so, daß ich aufgrund meiner Tierschutz-Aktivitäten keine Kosmetik, Haarfärbemittel und Waschzeug benutze das an Tieren getestet wurde bzw. das Rohstoffe aus Tierversuchen verwendet. Meine Kaufaktivitäten sind also schon dadurch eingeschränkt, denn nur die wenigsten Kaufhausdrogerien und Parfümerien führen Kosmetikprodukte der entsprechenden Ketten. Aber nichtsdestotrotz, manchmal muß so ein Bummel auch bei mir sein... einfach nur durch die Regale schlendern und dabei die künstlerisch gestylten Mogelpackungen anschauen, die zu Preisen verhökert werden deren Eurobetrag nicht mal 1/10 des Gewichts der darin befindlichen Ware ausmacht. Der Hertie in München ist hierfür ein Studienfeld der besonderen Art. Es ist immer wieder das Gleiche, was ich dort seit Jahren erlebe bei meinen Besuchen.

Ich schlendere durch die Regale und betrachte die Parfumflakons, die bunten Reklameprospekte, die Tiegelchen und Töpfchen. Ich wirke dabei in keinster Weise so, als würde ich etwas suchen oder würde mich gar gezielt für etwas interessieren, ich nähere mich noch nicht mal einem Regal näher als vielleicht einen halben Meter - aber ich kann meinen Hintern drauf verwetten daß es keine 5 Sekunden dauert, bis mich die erste Verkäuferin anspricht. Nun ist das an sich völlig in Ordnung. Ich, die ich gerne die "Servicewüste Deutschland" beklage und der Meinung bin, daß Verkaufspersonal nicht nur dekorativ rumzustehen hat, begrüße es also durchaus, wenn ein Kaufhaus fähiges und kompetentes Fachpersonal hat.

Fähig und kompetent sind aber nun recht dehnbare Begriffe, denn als kompetent und fähig würde ich es auch bezeichnen, wenn die Verkäuferin sich auf ihre Frage "Kann ich Ihnen helfen?" und meine dann IMMER IMMER höflich, lächelnd aber bestimmt vorgebrachte Antwort "Vielen Dank, aber ich sehe mich nur etwas um und habe keine Kaufabsicht" dann einfach zurückziehen würde. Vielleicht noch mit dem extrem höflichen, sozial und verkaufstechnisch kompetenten Satz "Aber gerne, und wenn Sie es sich anders überlegen, kommen Sie ruhig auf mich zu". So macht man das in meinem Kulturkreis, so macht man das in Asien, so macht man das in England, so macht man das in den Staaten. Aber so macht man das nicht beim Hertie in München. Nicht in der Parfümerieabteilung.


"Ja was genau suchen Sie denn, nach was schauen Sie denn?"

"Nach nichts Bestimmtem, ich schlendere nur ein bißchen durch" (Tonfall von mir immer noch höflich, während ich an einem Regal einer englischen Firma und deren Seifen stehe).

"Also das hier sind Seifen von Crabtree & Evelyn, ganz fein. Zitronenseife, hier auch die Rosenseife, und es gibt auch noch die Lavendelseife..."

"Danke, ich sehe es, ich kann schon lesen..." (Tonfall immer noch höflich aber leicht gedehnt in den Endsilben der Wörter. Ich schlendere weiter, verfolgt auf Armlänge von der Verkäuferin, und lande dummerweise am Regal eines französischen Kosmetikherstellers und bei dessen Cremetöpfen).

"Das ist übrigens die neue Anti-Age-Serie von Chanel. Sehr empfehlenswert für die Haut ab 30. Wenn ich Sie so ansehe (dreist-starrer Blick in mein Gesicht dabei über Sekunden mit nur ca. 15 cm Abstand dazwischen und somit innerhalb meiner Intimitätsgrenze was mich rasend macht), haben Sie sehr trockene Haut. Bevor sie 30 werden sollten Sie da vorsorgen, darf ich Ihnen die Nachtcreme Anti-age-Anti-Bliblablubb mit Pro-schwafelschwurbel und Antoxi-schwipp und Vitamin Schlumpfipumpfi...."

"Ich BIN bereits weit über 40 und ich möchte keine Creme, vielen Dank..."

"Wie, über 40? Gratuliere. Aber damit Ihre Haut weiterhin so aussieht sollten Sie uuuunbedingt die Cell-Repair-AntiProFürWiderPlusMinusAlphaOmega Fruchtsäurenbasenjoghurtkaviarziegenkäse-angereicherte PlanktonSeealgen Hintertupfinger Baggersee-Karpfenextrakt-Vormittags aber nicht nach 11 Uhr Creme von Chanel verwenden, wir haben die im Angebot derzeit, 15 ml für nur 169 Euro...."

"Ich schmiere mir keine Karpfenextrakte ins Gesicht, ich ess das Zeug ja noch nicht mal. Und weil ich das nicht tue, sieht meine Haut auch vermutlich noch so aus wie sie aussieht und das soll so bleiben..." (Tonfall leicht genervt, zynisch und Körperhaltung angespannt)

"Nun gut, wenn Sie es lieber etwas natürlich mögen, hätte ich da noch die Nachmittags-an-Feiertagen-Creme mit Sofort-Lifting-Lupfing-Effekt, die nur aus gemahlenem Haselnussextrakt, bei Vollmond beschienenen Rosenquarz-Splittern und ...."

"Ich möchte GAR NICHTS, ich verwende seit Jahren eine Creme, habe davon auch noch reichlich und möchte mich hier einfach nur etwas umschauen und bummeln..."

"Die Dekollete-Sonderpflege der Serie ProFuturaNullbockaufJetzt von Chanel hat übrigens auch Goldanteile und ...."

"Ich sagte bereits mehrmals daß ich kein Interesse habe, und würden Sie bitte aufhören mir am Ärmel zu zupfen und mir auf die Schulter zu tatschen?"

Pikierter Blick der Verkäuferin aus centimeterdick mit allen Farben des Universums bemalten Augen, aus einem Gesicht das mindestens 2 cm dick mit Foundation-Makeup-Puder-Rouge-Schmierage aller Art bespachtelt ist, und der schreiend Rotorangebraunpink bemalte, mit Silikon Collagen Zement oder wasweißich für einer Scheiße aufgespritzte Angelina-Jolie-Schlauchboot-Mund spitzt sich zu einem schmolligen "Dann sagen Sie das doch gleich."


Ich wende mich ab, zähle im Geiste bis 10 und beschließe, bei zukünftigen Bummeltouren durch deutsche Parfümerieabteilungen nur noch als Gehörlose aufzutreten. Wobei ich mir aber noch nicht sicher bin, daß Hertie nicht sofort eine grell bemalte, aufgetakelte und Kundenwünschen gegenüber völlig ignorante Gebärdendolmetscherin aus dem Lager holt, die mir dann wild gestikulierend die Vorteile der "speziell für die Haut ab 37,5 Jahren, bei Blauäugigen die nicht in Finnland geboren sind mit Blutgruppe 0"-Creme beizubringen versucht, die es "heute im Probierpaket für nur 599,99 Euro mit einer Sondergröße des Dekollete-Straffungs-Serums mit Tintenfischextrakt und Kinderwalfisch-Speicheldrüsensekret gibt"....



geschrieben von: x-xcva

Hoi Ilodessa,-
Du hast es 'sehnlichst erwartet'? Hö? .... Du meinst dass ich mich hier mal wieder ergehe? .... Hm, ja.... die Rennschelle war dann doch zuviel, da musste ich mich einfach traumatherapeutisch 'freitippseln'. ^.^

Kosmetik.... ui, yes, ein Endlosthema, wobei ich bisher von solch aufdringlichen Verkäufern verschont geblieben bin, zumindest im freien Handel. Mir gehen immer nur diese Telefondrücker auf den Sack, die mich hier regelmäßig beehren. Ich habe keinen Plan woher die immer unsere Nummer haben, die steht in keinem Telefonbuch und je nach Tageform, fertige ich die sofort ab oder ich flachse sie ein bisschen, lasse sie ihr Ständchen runterbeten, frage vielleicht noch interessiert klingend nach, und immer wenn die dann meinen, sie hätten mich im Sack, was der zunehmend eilfertigeren Stimmlage zu entnehmen ist, überlege ich es mir in Nanosekunden nochmal anders und ergehe mich in sadistisch-freundschaftlichen Verabschiedungen. Ja, und der letzten Zeugin Jehovas (zwei Damen vor der Tür, eine ältere und eine wesentlich jüngere, von der ich hier rede), fiel vor Schreck die Bibel auf den Boden, als ich ihnen einen Vortrag darüber hielt, dass ich zwar die Bibel mein Eigen nenne und keineswegs über deren Inhalt belehrt werden müsse, dass ich jedoch sowieso der Ansicht sei, dass man Gott, Jesus, Frieden oder was auch immer, nicht in irgendwelchen Büchern findet und dass es mich gelinde gesagt irritiert, dass ihnen das noch immer nicht aufgefallen wäre, denn wenn es das wäre, dann würden sie nicht an einem Samstagmorgen bei irgendwem klingeln müssen um den von den wirklich wichtigen Dingen abzuhalten, auf seinem Weg zu Gott. Das zog.... :D

Grüßlies & frohe Ostern
Mischa



geschrieben von: x-xcva

Heute: Ich beantrage einen Parallelplaneten, nur für mich alleine....

...oder....

Hirn aus! - Free Tibet!

Also mit meiner politischen Bildung ist das so ähnlich, wie mit einem Erbseneintopf, nur dass man ein N und den Eintopf weglassen kann. Kurz und gut, ich betrachte mein Wissen dahingehend als ziemlich übersichtlich, was u. a. daran liegt, dass mir erst dadurch, dass ich die schlimmsten meiner Bildungslücken in anderen Bereichen, innerhalb der letzten Jahre leidlich auspolsterte, überhaupt erst aufging, dass zwischen all diesen Bereichen Zusammenhänge existieren und dass ich folglich nicht umhin kommen werde, - zumindest nicht, wenn ich wenigstens einige dieser Querverbindungen auch nur ansatzweise begreifen will, - mich für Politik zu interessieren. Na ja, interessieren tut es mich zunehmend und das von ganz alleine, einfach aus der Neugier heraus, denn irgendwie ist das ja auch alles ziermlich spannend, aber eigentlich auch wieder frustrierend. So als leidlich autodidaktisch nachgeschulter Bildungsdödel, wie ich nun einmal einer bin, hat man schon etwas zu knacken, an der sich immer mehr manifestierenden Erkenntnis, lange Jahre, blöd wie ein Brötchen und gänzlich resthirnbefreit, durch die Welt geeiert zu sein. Ja, sowas kann das Selbstwertempfinden sehr empfindlich treffen, da zumindest weiß ich jetzt mal wovon ich rede.

An dieser Stelle muss ich mich jetzt auch einmal in aller Ehrlichkeit bei Volker Pispers bedanken, dem Mann, der mich lehrte, dass Politkabarett einen Schweinespaß machen kann und das ganz besonders, weil es mir Mut machte, da ich nämlich tatsächlich verstand wovon der da redete und mich köstlich amüsiert habe. Bis dato hatte ich immer das Problem, dass mindestens die Hälfte der Seitenhiebe, die diverse Kabarettisten dieses Sektors verteilen, schlicht an mir vorübergingen und ich das alles eher langweilig fand. Da gibt es jetzt zwei Möglichkeiten, entweder der gute Herr Pispers hat sein Programm intellektuell sehr.... ähm.... leichtgängig gestaltet, oder aber, selbst in meinem Hirn bleibt das Eine oder Andere hängen; oder beides. Wie dem auch sei, es machte Spaß und so will ich irgendwie immer mehr davon.

Vor einiger Zeit sah ich die Übertragung irgendeines Gipfeltreffens und da ging mir dann erstmalig der Gedanke durch den Kopf, dass Frauen es irgendwie immer fertigbringen, die Männer noch zu toppen. Das scheint so ein Emanzending zu sein, nach dem Motto: "Begibst Du Dich in Männerdomänen, sei mindestens doppelt so verschärft, dann kommst Du klar, darunter geht allerdings nix.' Also, unsere gewählte Volksvertreterin Frau Merkel stand da am Podium und hatte sichtliche Not, der versammelten Gemeide zu verkünden, dass das ganze Gipfelgedöns jetzt nicht wirklich zu Ergebnissen geführt hätte. Gut, sowas würde ich auch nicht wirklich verkünden wollen und Diplomatie scheint an solcher Stelle wohl so definiert zu sein, dass man sowas, also eigentlich Nichts, nicht sagen kann. Wo kämen wir denn da auch hin, ein Riesengipfel und dann gibt's am Ende schlicht nichts zu sagen. Sähe ja auch doof aus, irgendwelche schweigenden Kanzelstandminuten, weil man dem entspricht was effektiv rauskam, nichts.

Also bin ich ja jetzt eigentlich sehr froh, dass auch Frau Merkel das so sieht und sich redlich müht, dem Ganzen Abhilfe zu schaffen, indem sie die Tugend kultiviert, die vor ihr schon Generationen von männlichen Politikern zur Vollendung brachten, den Politsprech, respektive das Reden ohne etwas zu sagen. Angie druckste also etwas herum, um dann sinngemäß, in einem sehr sehr langen Satz, der alleine schon eine Kunst für sich darstellte, etwa sowas wie das Folgende, zu verkünden: 'Wir freuen uns, dass wir der Erkenntnis, einer zugrunde liegenden Problematik, durch die kommunikative Annäherung, ein Stück näher kommen konnten.' (Angies Satz war, bei gleicher Aussage, viel länger, sie ist also viel besser darin als ich. Klar, deshalb ist sie ja auch Kanzlerin und nicht ich.)

Ähm.... ja. Also das heißt wohl sowas wie: 'Dadurch dass wir uns getroffen und geredet haben, haben wir erkannt, dass es Probleme gibt.' Das ist schön, oder? Jetzt frage ich mich aber ernsthaft ob man das nicht schon vorher wusste? Ich meine, wie läuft das denn sonst so mit einem Gipfeltreffen? Fahren die da alle hin, so nach dem Motto: 'Schubidu - gehen wir mal wieder unsere Freunde besuchen, lecker Essen, Tässchen Kaffee und ein netter Klönschnack am runden Tisch? Und dann, oh Graus, fällt denen beim Klönschnack auf dass es Probleme gibt? Also von der Warte aus, sollte man alle Gipfel tunlichst absagen, dann kann auch keinem auffallen dass es kriselt und alle sind glücklich. Oder treffen die sich, nach der Vorgabe: 'Es gibt zwar nix zu sagen und keine Probleme, aber uns fällt schon noch was ein und ein paar Tage Auslandsurlaub mit fröhlicher Gesellschaftsspielerunde, haben wir alle mal wieder bitter nötig? .... Auf solche Ideen könnte man ja bei solcherart Aussagen, wie der von Angie kommen, oder nicht? Also das üben wir besser noch etwas. Aber trotzdem ist sie schon gut im Schwallewallegeschwafel zur Kaschierung fortgesetzter Sinnlosigkeit, das muss man ihr lassen. Aber wie gesagt, sie ist ja auch 'ne Frau und warum sollen die nur im Reden besser sein? Die sind sogar noch hervorragend darin, unablässig zu reden ohne erkennbare, bzw. sinnvolle Aussagen zu tätigen, das soll uns Weibern erst mal wer nachmachen. Angie rulez, echt jetzt.... Fällt wohl tatsächlich in die Kategorie: 'Besser als erwartet', um mal Volker zu zitieren.

Nun gut, wir haben also eine Kanzlerin, bei der ich immer darauf warte, dass sie sich eines Tages, mit einem kleinen, unspektakulären *Pöff*, einfach entmaterialisieren wird. Ein betroffen dreinschauender Parteifreund, wird dann wohl der Welt verkünden, dass ja schon immer alle in Sorge waren um sie, dass man aber noch nicht wisse, wie sich dieses schreckliche Ende der Gutesten, nun auf die empirische Belegbarkeit, der schädlichen Nebenwirkungen von zuviel produzierter verbaler Heißluft, auswirken würde. Könnte spaßig werden....

Jetzt aber mal ganz was Anderes. Heute früh war mein erster Halt im TV, der bei N24 und da gab es dann die Bilder zweier Tibetaktivisten, wie sie auf der Golden Gate Bridge ihre Protestbanner spannten. Gestern kamen die Meldungen von den Randalen in Paris, davor Proteste in Istanbul. Man mag mich ja jetzt gerne eine gänzlich merkbefreite Nulpe nennen, aber bin ich denn die einzige Nulpe der auffällt, dass diese Protestler nur von hier bis mittag denken, bzw. unter gänzlicher geistiger Insolvenz leiden müssen? Während die Medien sich in diversen Anprangerungen der unmöglichen Zustände in China ergehen, sei es in Dokus, Gesprächsrunden, Interviews und weiß der Geier was sonst noch, zwingen diese Schreihälse die Regierungen diverser Länder, sich nun in Loyalität gegenüber China zu üben, indem sie die Proteste und Sabotageversuche unterbinden. Ich möchte nicht wissen, wie eine chinesische Regierungsspitze sich dieser Tage einen runterholt, darauf, ihre Position als weiterer starker Arm der globalen Kapitalismuskrake, gefestigt zu sehen.

Hinzu kommt ein Dalai Lama, der in den Interviews wirkt, als sei er noch der einzige Mensch mit halbwegs klarem Kopf, in einer hysterisch aufgescheuchten Hühnerschar, wärend er, durchaus glaubhaft, beteuert, dass es gar nicht um eine Unabhängigkeit Tibets ginge, sondern vielmehr darum, die tibetische Kultur (die allerdings untrennbar mit der Religion gekoppelt ist), friedlich in ein geeintes China zu integrieren. HÖ? Ich meine, auch da gibt es jetzt zwei Möglichkeiten, entweder der Dalai Lama meint was er sagt und China ist ganz ganz böse und ignorant oder der Gute ist tatsächlich so eine scheinheilige und verlogene Socke, wie die chinesische Regierung es ihm unterstellt, ja, oder die Protestler hören ihm einfach nicht zu, was auch ziemlich absurd wäre. Aber egal jetzt wie, was bitte glaubt man denn, würde passieren mit Tibet, so es tatsächlich 'befreit' wäre? Zwei Drittel der Bevölkerung, zum Beispiel in Tibets Hauptstadt, sind Chinesen, die dann natürlich ganz schnell und mE durchaus verständlich, ihre Hintern da rausbringen würden. Hat dieses Land irgendeine funktionierende Struktur die nicht zusammenbrechen würde? Würde dadurch irgendetwas besser? Ich habe keine Ahnung, aber was ich weiß, das ist, dass hier zur Zeit ein Kuchen aufgeteilt wird und dass China ein Stück davon sein Eigen nennt und auch erbittert verteidigen wird. Ebenso weiß ich, dass die USA von einem Vollidioten repräsentiert werden und dass die russische Regierung das sehr genau weiß.

Eigentlich könnte China sich mit Russland zusammenwerfen, die könnten in Punkto Problemlösung in Völkerfragen, bestimmt noch so einiges voneinander lernen, zumindest weiß Putin wie man spielen muss, um auf gewisse Dinge einfach nicht mehr angesprochen zu werden. Da fließt dann noch ganz viel Gas und Öl durch diverse Pipelines, bevor das nochmals Thema wird und so bleibt man beim vorsichtigen Friede, Freude, Eierkuchengedöns. Wenn China das dann auch endlich noch lernt, dann ist wieder alles gut... und unsere Angie freut sich und produziert noch mehr Heißluft. Daran tut sie dann auch gut....

....das mit dem Parallelplaneten erwähnte ich, oder?

Schönen Tag noch.

Grüßlies
Mischa



geschrieben von: Darket

Oh, Thema Tibet, da kann ich auch noch was beisteuern.


In diesem unseren wunderschönen Lande wird in den letzten 20 Jahren gern das Problem der Politikverdrossenheit debattiert. Nach jeder Wahl kann man bei wahlweise ARD oder ZDF im Wahlstudio betroffene Stimmen hören, die die zurückgehende Wahlbeteiligung beklagen und messerscharf erdachte Lösungsansätze wie "Politik muss den Menschen wieder glaubwürdig erklären was sie tut" oder "Politik muss wieder ehrlicher werden". Insbesondere bei letzterem werden sich die Älteren unter uns sicherlich kaputtlachen. Denn der einzig ehrliche Politiker dieses Landes war bekanntlich Konrad Adenauer, der es mit dem Satz "Was interessiert mich mein dummes Geschwätz von gestern." wunderbar auf den Punkt brachte. Nunja ehrlich schon, aber Glaubwürdigkeit klingt ja dann doch ein bißchen anders, wenigstens steht Helmut Kohl noch wie der (verdammt große) Fels in der Brandung und hält sein Ehrenwort.
Ich habe eine Gegenthese hierzu. Politik muss nicht glaubwürdiger werden, sondern lustiger. Nun wird der politisch interessierte Mensch mich amüsiert anschauen und mir entgegenhalten, dass Politik doch ohnehin schon unglaublich lustig wäre. Stimmt, ich finde Politik saukomisch. Das Dumme ist nur, dass man sich mit der Materie ein bißchen auseinandersetzen muss, bevor sie richtig zum Lachen einläd. Und da ist das Problem, viele haben keine Lust darauf und das auf den ersten Blick zu Recht. Man nehme nur einmal unsere Frau Bundeskanzlerin. Angela Merkel ist auf den ersten Blick völlig unlustig. Spaßig wird es erst dann, wenn man dem lauscht, was der geschätzte Kollege Volker Pispers so treffend als "Allgemeinplätzchen" bezeichnet. Also genau genommen allem, was diese Frau so erzählt. Aber dafür muss man sich schließlich erst einmal mit Inhalten quälen, ansonsten ist es mitunter schwer den unterschwelligen und meist nicht gänzliche freiwilligen Humor von Merkel und Konsorten als solchen zu erkennen.
Das Problem von Politikverdrossenheit haben inzwischen auch die Vertreter der deutschen Medien erkannt. Da man dort bekanntlich sein Geld mit der Quote verdient, sind langweilige Inhalte natürlich tödlich. Das private Fernsehen in Deutschland hat darauf längst reagiert und verzichtet mittlerweile fast gänzlich auf Politik. Wieso auch nicht? Will ja keiner sehen. Das öffentlich rechtliche Fernsehen in Deutschland hat damit allerdings leider Schwierigkeiten, hat man doch einen Bildungs- und Informationsauftrag. Allerdings zieht man dort seine Existenzberechtigung ebenfalls letztendlich aus einer adäquaten Anzahl von Menschen die zuschauen. Das ZDF in Gestalt der Redaktion des heute-Journals hat sich am Dienstag den 15.4. 2008 in einer bravourösen Einzelleistung aus dieser Klemme befreit. Man ist dort nämlich auf die glänzende Idee gekommen mal jemanden zur Außenpolitk zu befragen, der selbige tatsächlich macht: Dr. Jürgen Hambrecht

http://www.spiegel.de/img/0,1020,823905,00.jpg
Quelle: Spiegel.de

Nun fragt sich der Kenner wie der Laie: Wer zur Hölle ist denn das? Dem kann abgeholfen werden: Dr. Jürgen Hambrecht ist seit 2003 Vorstandsvorsitzender von BASF. Daraus ergeben sich natürlich interessante weitere Fragen wie z.B.: Wieso äußert der sich ausgerechnet zur Außenpolitik? Dies sei ebenfalls sehr einfach beantwortet: BASF ist ein Weltkonzern mit derzeit insbesondere großem Augenmerk auf China. China widerum ist derzeit ein Land, das sagen wir es einmal vorsichtig, in Deutschland im Moment ein klein bißchen unpopulär ist, weil man in Europa gemeinhin nicht gut nachvollziehen kann weshalb der Dalai Lama in der dortigen Politik ungefähr so beliebt ist wie Osama bin Laden im Weißen Haus und wieso man seinen Anhängern dort gemeinhin mit Panzern und automatischen Feuerwaffen begegnet. Dr. Jürgen Hambrecht findet das alles allerding weniger schön. So hat er beispielsweise der oben bereits erwähnten Bundeskanzlerin in vorwurfsvollem Ton erklärt, dass es unter ökonomischen Standpunkten nicht so prickelnd war, dass sie kürzlich eben jenen Dalai Lama getroffen hat. So viel beeindruckende Ehrlichkeit sind wir von unseren Politikern kaum gewohnt. Wer würde sich da schon trauen zu sagen: Ey Angie, wenn Du den Dalai Lama triffst, finden die Chinesen das nicht so gut und wir kriegen weniger Kohle. Also scheiß auf Menschenrechte, wir wollen Geld! Außerdem geht es Dir doch ohnehin nicht um Menschenrechte, sondern um Wählerstimmen!
Schön und gut, nun dachte man sich beim ZDF, dass die derzeitigen Vorfälle in Tibet doch interessant wären den guten Herrn Dr. Hambrecht nocheinmal dazu zu befragen. Und jeder schaffte es ind geradezu großartiger Art und Weise bei mir einen minutenlang anhaltenden Lachkrampf zu verursachen. Aber von vorn. Die Moderatorin, Frau Slomka, befragte Herrn Dr. Hambrecht also zur Situation in Tibet, wobei jener, versuchsweise politisch korrekt noch etwas herumlavierte. Nichts unerwartetes also. Ich war gerade dabei mental abzuschalten und zur Fernbedienung zu greifen, als Frau Slomka zur generellen Menschenrechtssituation in China kam um Dr. Hambrecht die Vorlage zu einer der besten politischen Pointen seit Helmut Kohls Schmiergeldaffäre. Hambrecht sonderte zunächst einige geradezu merkelsche Nicht-Aussagen ab, bevor er den großartigen Satz formulierte, dass wer sieht, dass jeder in China mit seinem höheren Einkommen auch mehr Rechte bekäme auch den Wandel in China sehen könne. Auf den ersten Blick eventuell nur ein weiterer Allgemeinplatz, aber man lasse sich diesen Satz einmal auf der Zunge zergehen. Dr. Jürgen Hambrecht ist auf den Punkt gebracht also der Ansicht, dass man in China nur genug verdienen müsse, um auch zu seinem Recht zu kommen und betrachtet selbiges als einen Fortschritt in Sachen Demokratie und Menschenrechte. Dem Nicht-Zyniker mag dabei das Lachen im Halse stecken bleiben, ich lag nach kurzem, ungläubigen geistigen Rekapitulieren jenes Satzes vor Lachen am Boden. Dr. Jürgen Hambrecht erklärt den Kapitalismus, Hallelujah! Angesichts der Macht, die Großkonzerne auch in diesem, unseren Land besitzen und dem Blick auf meine letzte Gehaltsabrechnung, sollte ich mir eventuell demnächst die öffentliche Kritik an politischen Prozessen in Deutschland besser verkneifen. Beim Vergleich der Kontostände von mir und Herrn Hambrecht sehe ich mit Sicherheit ziemlich alt aus. Ich fange dann wohl besser schon einmal an zu sparen, damit meine Familie die Kugel, welche zu meiner Hinrichtung genutzt wird, bezahlen kann.
Aber Herr Dr. Hambrecht war damit noch nicht am Ende der Reihe seiner spaßigen Antworten. Denn Frau Slomka fragte ihn hiernach noch nach der Forderung, die bereits Gerhard Schröder in seiner Amtszeit aufgestellt hatte. Nach seiner Meinung zu einem eventuellen Aufheben des bestehenden Waffenembargos gegen China. Und zum ersten mal in meinem Leben war ich dankbar dafür, dass Frau Slomka mehr redete als notwendig war. Denn nachdem Hambrecht erfolglos versucht hatte sich gewohnt politisch herauszulavieren fragte Frau Slomka noch einmal nach und argumentierte, dass, wäre selbiges Embargo bereits unter Schröder gefallen, nun eventuell auch deutsche Panzer durch Lhasa gerollt. Eine logische, folgerichtige Frage in meinen Augen. Nun antowortete Dr. Jürgen Hambrecht, zur Erinnerung nochmal, dieser sympathische Herr:

http://www.spiegel.de/img/0,1020,823905,00.jpg

Dr. Jürgen Hambrecht antwortete als nun: "Ich glaube man muss nicht gleich über Panzer sprechen, wenn man über Waffen spricht."
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Sensationell komisch, wenn man mich fragt. Mann muss nicht gleich über Panzer sprechen, wenn man über Waffen spricht. Hat er doch recht der gute Mann, oder? Es gibt noch so viele tolle andere Waffen.Wem kämen jetzt nicht Schnellfeuergewehre, Kampfjets, Handgranaten, taktische Atomsprengköpfe, Splitterbomben, Panzerfäuste, Chemobomben, Tretminen, Flugzeugträger und Unterseeboote in den Sinn? Stimmt Herr Hambrecht, wir müssen nicht immer über Panzer sprechen, Chemowaffen z.B. sind auch viel besser für ihr persönliches Geschäft, oder? Kann BASF ganz toll, irgendwo haben die bestimmt noch die alten Patente der IG Farben rumfliegen, das nennt man dann deutsches Traditionsunternehmen. Aber immerhin werde ich mir von nun an Interviews mit Herrn Hambrecht öfter zu Gemüte führen, die sind so unglaublich lustig. Auf in den Kampf gegen Politikverdrossenheit, weg mit den Politikern, her mit den Wirtschaftsvertretern. Und ganz bestimmt nächste Woche in den Tagesthemen: Hans Werner Sinn zum Thema "Die Bekämpfung von AIDS vernichtet Arbeitsplätze in der deutschen Pharmaindustrie!"



geschrieben von: x-xcva

Boah wie geil! :D Sorry, eigentlich ist das ja scheißtraurig, aber andererseits, ja ~> tatsächlich schweinelustig. Vielleicht dachte er an Steinschleudern oder Strohhalme, womit er früher, bevor er Wirtschaft 'machte', die Frösche an Omis Teich um die Ecke brachte? Die Rückkerhr zur Natur sozusagen, zur Entschärfung der politischen Schieflage in zu kitzligen Fragen....

....



geschrieben von: Trauerwesen

Der Fall Josef F. beschäftigte letzte Woche die Medien, das Land und Stammtische. "Der gehört an die Wand gestellt", "den sollte man vierteilen" und ähnliche Gedanken bekam man die letzte Woche mit. Bei aller Schrecklichkeit, die die Tat wirklich mit sich bringt, sind es aber insbesondere jene Menschen, die solche Aussagen treffen, die jedes Mal entsetzt sind, wenn in den USA erneut die Todesstrafe verhängt wird oder sagen wir mal eher "verspritzt wird", und nun die Todesstrafe für Josef F. fordern. "Hä?" fragt sich da eigentlich jeder, der selber denkt und sich seine Meinung nicht BILDet.
Gut, da habe ich mir nun also überlegt, wie das zusammenpassen kann. Die Todesstrafe ist in den Augen jener Leute böse. Das, was Josef F. getan hat, ist auch böse. Bedienen wir uns also mal an der Mathematik: Minus mal minus ergibt plus. Vielleicht ist es ja auch so, dass böse (=die Tat(en) von Josef F.) mal böse (=Todesstrafe) auch plus (=toll) ergibt. Anders kann ich mir manche Reaktionen nicht wirklich erklären, abgesehen vom Fähnchen im Wind, welches eher zu einem Pups im Wind wird, da er ebenso seine Richtung ändert und auch schnell verfliegt.



geschrieben von: Razielim

Zur Verteidigung des Verbotes der Todesstrafe müssen selbstverständlich noch alle die sterben, die anderer Meinung sind. Ist doch logisch.

Cheers
Razielim



geschrieben von: Darket

Weil ich mich gerade geärgert habe:

Der folgende Text ist meinem Vermieter gewidmet, Herrn K. Eigentlich habe ich zwei Vermieter, Herrn K. senior und Herrn K. junior. Die Herren K. entschieden sich vor einigen Jahren, noch bevor ich hier einzog dieses Haus zu kaufen. Das Haus war in schlechtem Zustand, in den 10-15 Jahren zuvor hatte es nur als Spekulationsobjekt gedient. Irgendwer kaufte es und stieß es ohne Interesse an dem Objekt nach zwei, maximal vier Jhren zu sehr viel höherem Preis wieder ab. So ist das hier in Berlin-Kreuzberg. Wir sind jung, trendy und zumindest bei den Berlinern sind Wohnungen hier sehr gefragt. Franz Müntefering nennt Leute, die auf diese Weise Geld verdienen "Heuschrecken". Ich mag Heuschrecken. Ja, kein Witz. Jede Heuschrecke ist besser als die Herren K. und K. Die kauften nun ich glaube anno 2002 oder 2003 dieses Haus. Herr K. junior brachte als Qualifikation immerhin ein abgebrochenes Studium des Bauingenieurwesens mit und Herr K. senior kann so herzerweichend lächeln, dass man fast ein schlechtes Gewissen hat auf die reguläre Miete nicht noch ein paar Euro zusätzlich draufzulegen. Für den netten alten Herrn. Ich schloss nun also im Jahre 2004 einen Mietvertrag mit Herrn K. junior. Herrn K. senior war es fast peinlich, dass sein Sohn so viel Miete haben wollte. Aber da Wohnungen hier teuer sind, war ich schon froh für ein Zimmer keine 300 Euro monatlich auf den Tisch legen zu müssen. Außerdem hat Herr K. junior seinen alten Herrn derart in der Tasche, dass dieser ohnehin chancenlos gewesen wäre. Die K.s sind allerdings keine Spekulanten. Die K.s wollen ein ganz tolles, modernes Gebäude aus dem alten Schutthaufen hier machen. Wer hoch hinaus will, sollte sich große Ziele setzen heißt es. Die hatten sie und wenn man ihren Worten trauen darf haben sie die immernoch. Aber eigentlich waren sie ganz sympathisch die K.s. Herr K. junior lebt hier im Haus mit seiner Frau und seinen mittlerweile zwei Kindern. Reizende Leute. Grüßen und lächeln freundlich, wenn man ihnen auf dem Hoff begegnet. Dank der Versprechungen bezüglich der großen Ziele fand ich sie richtig sympathisch die K.s. Sie wollten hier tatsächlich etwas hochziehen. So viel wie möglich selbst machen, gute Nachbarn sein, keine anonyme Heuschrecke, die sich einen Dreck um die Mieter schert so lang diese pünktlich zahlen. So nahm ich auch gern die Belastungen auf mich, die durch die Bautätigkeiten im Haus durch die K.s entstanden. Es sollte ja besser werden. Ein schöneres Treppenhaus, eine Klingelanlage an der Haustür statt des mehr als lästigen Zeitschlosses, einen französischen Balkon vor mein Fenster. Das hatten sie mir versprochen als ich einzog. Ich wunderte mich auch nicht als Herr K. junior im Sommer 2005 mit einem Mini-schaufelbagger und einigen Arbeitern daran ging den kompletten Innenhof, mein Fenster wiest dorthin, weil ich im Hinterhaus wohne, aufzureißen. Pflaster weg, Garten plattgemacht und eine riesige Baugrube direkt vor dem Eingang zum Hinterhaus, welches somit nur über eine provisorische Brückenkonstruktion aus Bauholz erreichbar war. Es mussten Leitungen neu verlegt werden. Na klar, das geht nicht durch Asphalt und Pflastersteine. Sehr einleuchtend. Im Treppenhaus hingen freundliche Briefe der Hausverwaltung K.&K., die um Entschuldigung für die Unannehmlichkeiten durch Bautätigkeit in den nächsten 12-15 Wochen baten. Ich hatte kein Problem, auch der Matsch, der beim Erweitern der Baugrube an meine Fensterscheiben spritzte störte mich nicht nennenswert. So konnte ich immerhin entschuldigen, dass mein Fenster nicht geputzt wurde, lohnte ja nicht. Es wurde 2006 und langsam wunderte ich mich. 12-15 Wochen waren nun doch bereits ein wenig deutlicher überschritten. Aber man weiß ja wie das ist. Sowas dauert mal länger. Herr K. junior, den ich darauf ansprach erläuterte mir mit betrübter Mine, dass die Handwerker Termine nicht eingehalten hätten. Armer Kerl aber auch. Er tat mir fast leid. allerdings begann ich mir auch ein wenig selbst leid zu tun. Im Endeffekt war er mir gegenüber verantwortlich, was interessierten mich die Handwerker? 2006 ging ins Land und nichts geschah. Nicht eine Schaufel Erde wurde bewegt in diesem Jahr. Aber immerhin isolierten die K.s mit Hilfe wechselnder Arbeiter die Kellerwände neu. Und außerdem brachten sie vor meinem wie auch den anderen Fenstern den versprochenen französischen Balkon an. Nunja, nicht ganz was ich mir vorgestellt hatte. Es stellte sich heraus, dass ein Mieter, offenbar ein weniger geduldiger Zeitgenosse als ich, die Bauaufsichtsbehörde informiert hatte, da die Fenster ohne besagte Ballustrade ein Sicherheitsrisiko darstellten. Die Bauaufsicht sah das ähnlich und verpflichtete die K.s Abhilfe zu schaffen. Da diese nun brave Bürger sind und die Androhung eines nicht unbeträchtlichen Ordnungsgelds sicherlich ihr übriges tat, bastelte Herr K. junior quasi im Alleingang viele schmucklose Konstruktionen aus jenem Bauholz wie es auch zum Bau der immernoch stehenden Brücke genutzt worden war und rammte selbige mit Hilfe starker Spax-Schrauben von außen vor die Fenster. So konnte man immerhin nicht mehr rausfallen. Zu diesem Zeitpunkt fing ich an mich doch ein wenig zu ärgern. Ich fragte Herrn K. junior wie lange er diese Konstruktionen vor den Fenstern zu belassen gedenke, da sie mich optisch wenig ansprächen. Er versicherte mir er befände sich in Verhandlungen mit der Bank über die Finanzierung und je nachdem wie lange diese andauern würden, würden diese innerhalb der nächsten drei Wochen bis drei Monate entfernt und durch die eisernen Ballustraden ersetzt. Ich gestehe freimütig, dass ich an seinem Wort zweifelte, aber ich nahm es erst einmal hin. Man kann sich ja irren. Irgendwann im Laufe des Jahres 2007 begannen wenig freundliche Zeitgenossen im Auftrag der K.s bei mir im Hausflur die Wände aufzureißen. Leitungen sollten neu verlegt werden. Konnte nicht schaden, die vorhandenen waren sicherlich jahrzehnte alt. Ich wachte also jeden Morgen davon auf, dass entweder neben meiner Wohnungstür oder aber direkt unter meinem Bett im Keller dem Mauerwerk mit einem Presslufthammer zu Leibe gerückt wurde. Und der geneigte Leser mag mir glauben: Es ist kein schönes Gefühl am Samstag um 8.02 Uhr von einem Geräusch geweckt zu werden, welches nahelegt, dass sich gleich die Spitze eines Presslufthammers durch die Matratze bohrt, auf der man gerade liegt. Abgesehen davon gab es in jener Zeit auch noch eine andere Baustelle für die K.s. Im vorderhaus gibt es Kellerräume, hervorragend geeignet für Gastronomie und die K.s hatten tatsächlich zwei junge, sympathische Herren gefunden, die selbigen Mieten wollten, um dort ein furchtbar trendiges Gastronomiegewerbe zu gründen. Mich freute das tatsächlich. Im Hinterhaus würde ich weder von Lärm noch von Gerüchen viel abbekommen und es war schön, dass Leute mit Ideen und Zielen in die Gegend zogen. Die beiden, tatsächlich sehr sympathischen Herren taten alles dafür sich die Bewohner des Hauses gewogen zu machen. Sie waren freundlich und noch vor der Eröffnung ihres Lokals eröffneten sie für einen Tag einen kleinen Stand im Hausflur und verschenkten die Pizza, die sie zu verkuafen gedachten an die Hausbewohner. Nette Leute und die Pizza war verdammt lecker. Die Herren K. und K. mussten allerdings die Räumlichkeiten für diese fristgerecht in einen vermietbaren Zustand bringen. Da, wie der Leser bereits festgestellt hat, die K.s keine Leute sind, deren große Stärke in Zeitmenagement liegt, kamen sie natürlich massiv in Verzug. Die Eröffnung verzögerte sich um einen Monat und selbst am Tag vor der geplanten Eröffnung, einem Sonntag sei angemerkt, waren die K.s und einige ihrer immer weniger sympathisch werdender und sicherlich vollkommen korrekt sozialversicherter Hilfsarbeiter bis etwa 20 Uhr dmit beschäftigt die Räumlichkeiten unter Inkaufnahme nicht unbeträchtlichen Lärms in den gewünschten oder zumindest erträglichen Zustand zu bringen. Auf die Beliebtheit der beiden Jungunternehmer im Hause wirkte sich dies nicht eben positiv aus, obwohl diese tatsächlich nichts dafür konnten. Allerdings wäre es für uns Mieter zu jener Zeit schwer gewesen die K.s noch weniger zu mögen als ohnehin schon der Fall.



geschrieben von: Darket

Fortsetzung:


Auch 2007 verging langsam. Anfang 2008 war ein weiterer (oder auch der selbe) meiner Nachbarn ungeduldig geworden und rief erneut die Bauaufsicht zu Hilfe. Diesmal wegen der seit nunmehr zweieinhalb Jahren dort stehenden Brückenkarrikatur vor meinem Hauseingang. Die Behörde kam, sah und traute ihren Augen nicht. Also mussten die K.s die Baugrube zuschütten. Meine Nachbarin direkt in der Wohnung neben mir war mittlerweile ausgezogen. Sie hatte die Schnauze voll. Dies nun veranlasste die K.s wiederum zu hektischer Betriebsamkeit. Die Wohnung sollte saniert werden. Im großen Stil. Das wird sie nun seit Anfang diesen Jahres. Von zwei polnischen Hilfsarbeitern, die in Sachen Antipathie alle bislang dagewesenen übertreffen. Inzwischen ist die Nachbarschaft ziemlich geschlossen, dass die Wahl verdammt schwer wäre, würden Herr K. junior und Adolf Hitler und George W. Bush vor einem stehen und man hätte nur zwei Kugeln im Lauf. Warum ich das hier schreibe? Weil ich heute nach bestandener Prüfung nach Hause kam und es von 12 bis 15 Uhr abwechselnd Hämmern und Schleifen hörte. Da ich ja ein freundlicher Zeitgenosse bin, bat ich Herrn K. senior, mit dem Junior spreche ich nicht, wenn es sich vermeiden lässt, der belügt einen ohnehin oder wird aggressiv, mir doch wenigstens meine Mittagsruhe zu gönnen. Herr K. senior zeigte sich sehr verständnisvoll. Und hilflos. Er empfahl mir doch mein Fenster zu schließen. Ein Vorschlag, der mir ob einer Außentemperatur von geschätzten 30 Grad im Schatten nicht wirklich praktikabel schien. Ich werde hier ausziehen. Spätestens in zwei Monaten bin ich hier weg und beziehe eine schöne Wohnung in einem gepflegten Altbauhaus, gleich um die Ecke. Ich schreibe dies, um dem geneigten Leser einen Rat zu geben: Solltest Du Dich gerade auf Wohnungssuche in Berlin befinden. Und sollte Deine Wahl dabei auf Kreuzberg fallen, schau Dir Deine Vermieter gut an. Sollten es Vater und Sohn sein, sollten sie K. heißen und Dir versichern, dass der Zustand des Gebäudes, den Du bereits als hundsmiserabel beargwöhnst, nur vorübergehender Natur sein, sollten sie Dir versprechen eine Klingelanlage einzubauen. Lauf so schnell Du kannst! Lauf weit weg, ziehe lieber nach Marzahn, zwischen Nazis und die Russenmafia in die Platte. Verlasse am besten gleich die Stadt. Und solltest Du mit dem Auto unterwegs sein: Tu Dir, mir und dem Rest der Welt einen Gefallen und überfahre unterwegs die K.s!



geschrieben von: Trauerwesen

Ein Arbeitskollege sucht in Berlin eine Wohnung. Habe sie ihm trotzdem vorgeschlagen (obwohl ich ihn nicht hasse), aber er geht nach Neukölln.



geschrieben von: x-xcva

Aus 'aktuellem Anlass' krame ich mal ein altes Schätzchen aus meinem Textarchiv ~> have fun. ;-)

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| How to get yourself "verwurschtelt"...

...oder auch "Kommunikationsschwierigkeiten" | Ich grüße euch! Na? Ausgeschlafen? Frühstück genossen, sich an der Sonne erfreut und an der Aussicht heute doch nicht nass zu werden beim Gang zur verhassen Arbeit? Was hab ich jetzt gesagt? Interpretieren wir das doch jetzt einmal, so richtig wortgemäß und kleinkariert. Ich habe Euch begrüßt, war das nötig? Wie wäre es denn besser gegangen? Wirkt die Formel, „ich grüße Euch“, nicht per sè schon leicht antiquiert und ist somit dazu angetan, eine Art sich leicht hoppsgenommen Seins zu erzeugen? Nein? Wirklich nicht? Man denke noch einmal richtig darüber nach! Dabei stelle man sich vor, man habe diesen, meinen komischen Nick, schon in anderen Zusammenhängen gelesen und könnte ihn nicht sonderlich leiden. Na? Immer noch kein leichtes Aversionsgefühl? Oh je, man mache es mir (und sich selbst) doch nicht so schwer!

Na gut, der Munition war es einer Begrüßungsformel also noch nicht genug, aber wie wäre es denn hiermit, „ausgeschlafen“? Was geht denn mich das an? Ich meine natürlich, was geht es mich blöde Kuh an, und überhaupt, was soll diese bescheuerte Frage, hä? Aber es kommt ja noch viel besser, im nächsten Schritt unterstelle ich böswillig, dass der geneigte Leser seine Arbeit hasst, schlimmer geht’s nimmer! Was haben wir hier also jetzt? Richtig, eine Unverschämtheit in Reinkultur! Nicht nur, dass ich unverblümter Weise süffisant begrüßt habe, ich habe auch noch etwas gefragt was mich gar nichts angeht, gefolgt von einer böswilligen Unterstellung. Kreuzigt mich! Wie nein? Was soll das denn jetzt? Heute einen besonders humanen Tag erwischt? Huhu, ich bin’s, Tussi Nick 0815, den Du eh nicht leiden kannst, also kreuzige mich für meine Frechheit! Noch immer nicht? Dir ist aber schon klar, daß Du so das ganze Spiel kaputtmachst, oder?

Okay, ich erkläre Dir jetzt mal wie das funktioniert, Du scheinst ja ein Gedächtnis wie ein Sieb zu haben. Also, wir sind hier in den virtuellen Gefilden des Wahns, denen wo ein Jeder der im realen Leben nix zu melden hat, so richtig tief in sich gehen kann um dann festzustellen, dass er / sie sich schon viel zu viel hat gefallen lassen müssen in seinem bescheidenen Leben. Und genau da ist dann der Punkt der allergenialsten Selbsterkenntnis erreicht! Nämlich, dass man jetzt, ja, genau jetzt (!), damit anfängt etwas daran zu ändern und sich folgerichtig nix mehr gefallen lässt, und von der dummen Luftpumpe da am anderen Ende der Leitung schon gleich gar nicht! Denn hey, eigentlich ist es wurscht was die Dösbaddel da schreiben, schlussendlich geht es nur ums eigene Ego und das sagt, hier ist der Punkt erreicht wo ich mich wehre. Wogegen ist da eher zweitrangig, eher ist die Frage das Wofür und das Warum? Wobei diese beiden Punkte dehnbar sind...

Und obwohl sie das sind und somit immer wieder neu formuliert werden können (wie praktisch, so wird es nicht ganz so öde), lassen sie sich in zwei kurzen Sätzen zusammenfassen. Wofür = Um mich endlich auch mal durchzusetzen! Warum = Weil mir das gut tut! Warum das gut tut, ist dann schon die dritte Frage und gilt nicht! Schließlich hat man es im Leben schon schwer genug, da muss man hier nicht auch noch mit diesem lästigen Gefrage im Detail beginnen. Wir sind hier ja nicht in der Gruppentherapie, oder? Oder doch?

Ach, frag mich doch nicht sowas! Das interessiert doch eh kein Schwein! Wir sind ja nun nicht hier um zu philosophieren, wir tun nur manchmal so, eben damit dieser ganze Egoaufpolierungstanz und Defiziteausgleichshampel nicht zu langweilig wird. Also pusten wir uns rhetorisch je nach Können ordentlich auf und zwischendurch noch nette Verbalerot... –äh Klopperei. Das Schöne, jeder macht mit, jeder gegen jeden und alle haben Spaß! Hast Du das jetzt kapiert? Also los, hau mich Baby, mach mich platt! Blase Dich in Pseudomoralismus ordentlich auf und schlag mir meine obige Verfehlung solange um die dummen Öhrchen bis ich blute!

Ich warte ... Halloooo, wie lange noch?! Wie Du willst Dich lieber gut verstehen? Auch kein Problem Du Weichei! Aber dann geh mir aus der Sonne und steh hier nicht als vermeintlicher Gegner in den ernsthaften Foren herum! Verpiss Dich in die Smilieknuddelthreads, da wo Du alle abkuscheln kannst bis der virtuelle Urologe kommt um die Windeln zu wechseln! Da kannst auch Du hin, selbst wenn Deine Rechtschreibung nicht so wirklich etwas hermacht, das fällt da gar nicht auf! Und alle haben Dich lieb! Die kennen Dich zwar nicht und würden sich wahrscheinlich schütteln wenn die all die Anderen wirklich abschlabbern müssten, aber hier ist die Illusion alles und da funktioniert es reibungslos. Lebe Deine Träume von der großen rosa hab - mich – alle – lieb - Erdkugel! Toll oder?

Auch nicht? Was zum Teufel willst Du dann hier? Ah, ich weiss! Tipps, Tricks und Termine? Reine Info? Auch kein Problem, aber pass auf, der Betreiber übernimmt keine Haftung für die Richtigkeit der Inhalte. Das tut hier Niemand! Geht ja auch nicht bei den ganzen Möchtegernfachleuten die sich hier so herumtreiben, aber das ein – oder andere Brauchbare kannst Du mit Geduld und Spucke schon rausfiltern. Also viel Spaß, aber auf mich musst Du dabei verzichten! Wenn ich was wissen will, dann lese ich ein Buch, hat sich als effektiver erwiesen. Na ja, jeder wie er mag...

Was ich hier dann tue? Na, hallo? Les doch noch einmal, steht alles oben! Wenn Du mein Posting nicht verstanden hast, dann gebe ich Dir noch einmal Gelegenheit mir nach dem Mund zu reden und Deinen unwürdigen Status anzuerkennen, bevor ich die Keule der niederen Intellektsbezichtigung hervorhole und Dir eine Lehre erteile die sich gewaschen hat! Du kennst die Regeln wirklich nicht, oder? Aber gräm Dich nicht! Bevor Du Dich versiehst bist Du ein paar Arschlöchern wie mir begegnet und wenn Du mich dann liest, dann setzt es generell ein wenig aus. Wenn Du dann noch fit bist in literarischen Schreiereien, dann werden wir jede Menge Freude aneinander haben! Wozu? Ach, frag mich doch nicht sowas! Oder fragst Du Dich auf dem Klo warum Du pinkeln musst? Nein? Na siehst Du! Hier ist das fast das Gleiche! (Und wenn Du Dich doch fragst, dann sag Dir einfach, weil das eben ein menschliches Bedürfnis ist und die sind nicht verwerflich!)

Hab einen erfolgreichen Tag vor Deinem Rechner!

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|written: something around 2004 - aber mE immer wieder mal passend|

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geschrieben von: Odessa

"On a lighter note" - Sweet home Al-Obama oder YES I WILL!


Ich möchte nicht diskutieren über die politischen Situationen. Es gibt schon jetzt einige Dinge, die ich nicht gut finde, nicht gut finden werde an Mr. Obamas Entscheidungen. Und mir ist völlig klar, daß ein Mensch in dieser Position wird taktieren und Zugeständnisse machen müssen. Die "Welt" zu regieren ist kein Ding, das man mal eben so und sogleich und vor allem stets mit Erfolg nur mit schlauen Reden und Gesetzesänderungen machen kann. Ist auch nichts was jeden Menschen zufriedenstellen kann, denn "gut" ist für Jeden etwas Anderes. Ich möchte daher diesen Beitrag frei von politischen Einstellungen betrachtet wissen, nur bezogen auf den MANN Obama - womit wir bei der leichten Note wären ;-).



So, nun haben wir den Salat. Ich habe mich verliebt, Hals über Kopf. Sabbere wie ein 14jähriger Teenie vor dem Fernseher und das bei n-tv, cnn und diversen Polit-Formaten. Schmachte den 44. Präsidenten der USA an und kann noch nicht mal seiner intelligenten, gewitzt-zynischen, smarten und hochattraktiven Frau Michelle die Pest an den Hals wünschen weil sie eben intelligent, gewitzt-zynisch, smart und hochattraktiv ist. Mist aber auch. Ich werde einen Antrag stellen, daß die USA die Bigamie für ihren Präsidenten einführen denn es kann ja wohl nicht wahr sein, daß so ein Prachtexemplar sein Leben lang nur eine Frau beglücken darf, nene Michelle, sorry, aber "teile und herrsche", Schwester!

Warum zur Hölle können nicht alle Politiker so eine angenehme unaufdringliche stil- und würdevolle Ausstrahlung haben wie We will Ba-roAck-you Obama? Warum zum Deibel sieht dieser Barack schon beim simplen Gehen so elegant, lässig und trotzdem würdevoll aus, daß man als Frau nur immer "Hinschauen" möchte und ein "geh weiter, geh einfach stundenlang nur auf und ab und sei eine Augenweide" sagen möchte? Warum zum Henker können nicht alle Politiker diesen erotischen touch haben, der einen hochintelligenten, smarten, auch sozial und emotional gebildeten, höflichen und grundweg sympathischen Menschen vom "Yes you are a 1" zum "Yes you ARE THE ONE" macht?

Also, nu mal Butter bei die Fische, Mr. Obama. Ich finde Sie ganz ganz toll, Sir. Ich werde mir Poster von Ihnen an die Wand hängen und Kaffeetassen mit ihrem Gesicht darauf schicken lassen. Ich werde meinen Mann in einen schwarzen Anzug prügeln wenn es sein muß, und weiße Hemden an Kerlen habe ich eh schon immer gemocht. Mein Mann spricht auch nahezu perfekt Englisch und hat ebenfalls eine angenehm sonor-dunkle Stimme, wir müssen also nur noch das mit dem Yes we can üben, wenn er mal wieder versucht, das Klo zu putzen und gleichzeitig den Reis aufm Herd nicht anbrennen zu lassen. Ralf = Obamaklon. Das wird schon. Because I WILL and i CAN dann auch, irgendwie.

Und "24", Jack Bauer, sah es ja eh voraus schon vor Jahren. Da war nämlich bereits "so einer wie Sie", so ein Power-Stil-IQ-Sahneschnittchen mit lecker Mokka-Überzug, Präsident der USA. Palmer hieß der. In der Serie. Und wie eine schöne jordanische Palme sah der auch aus, aber holla die Waldfee. Der hätte mir gerne jeden Nahost-Krieg seiner Wahl erklären dürfen, wenn er ihn mit mir allein auf dem Schlachtfeld der Liebe hätte ausgetragen.... öhm ja, ich schweife ab, Verzeihung....

...Also nochmal, Mr. Obama - sollten Sie jemals genug haben von Michelle, lassen Sie es mich wissen. Für Sie würde ich mich sogar mit Tavor betäuben lassen bis hin zum Koma, nur damit ich den Flug überstehe der mich zu Ihnen bringt. Seite an Seite mit Ihnen würde ich Ihr weißes Haus aber sowas von schwarz machen *kleiner Kalauer - so als Gotin*, daß es einigen Leuten rot aus den Augen tropfen wird, aber Sie werden es mögen, da bin ich sicher. Sie sind nämlich eine coole Sau, sozusagen. Eine hocherotische noch dazu. Wären Sie kein Mensch, wären Sie ein Panther geworden. Rrroarrrr.

Erwägen Sie bitte in naher Zukunft, nach Bayern zu kommen. Am besten nach München. Ich werde dann nämlich da sein. Und alles versuchen bis hin zur Bestechung von Ordnungskräften und "Schubs weg was Dir im Weg steht"-Attacken gegenüber den Leuten die vor mir stehen, nur um in erster Reihe zu stehen und die Chance zu erhaschen, Ihre Hand schütteln zu dürfen. Und Ihnen meinen BH zuzuwerfen (mögen Sie lieber rote oder schwarze?)

Be my dream, Mr. Obama. Du eleganter, Positiv-Thinking-versprühender freundlicher Disziplinmensch mit dem eisernen Willen eines Tigers auf Beutezug und mit der modischen Grandessa eines Marcello Mastroianni. Sprich zu mir, mit dieser dunklen klangvollen und beruhigenden Stimme, und erzähl mir was von Haushaltsplänen, Rettungspaketen und Soldatenrückzug aus dem Irak. Oder sag einfach nur Yes i can, yes i will und do dann aber auch so ;-). Mach mir den Präsidenten und ich mach Dir die Löwennummer. Oder was immer Du willst. Aber bitte bleib noch ganz ganz ganz lange Präsident der USA. Was Besseres wie Dich kriegen die nämlich nicht. Wir auch nicht. Wir, die Frauen, die wir auch bei Politikern nicht umhin können, den "Mann" darin zu sehen. Nur - sowas finden wir derzeit so selten, in unserer heimischen Politflora und -fauna....



Zur Amtseinführung des neuen amerikanischen Präsidenten lasen Sie einen absolut sinnbefreiten, aus reiner Lust und Laune heraus entstandenen Beitrag einer Oba-ma-nischen Oberbayerin, die mit viereckigen Augen über Stunden vorm Glotzkasten hing, nur um in einen Östrogen-Schock zu verfallen ob des Obama-laladingdong-Testosteron-Overkills aus den Staaten gestern. Ich muß jetzt aber weiter Obama-Devotionalien sammeln gehen und meinem Mann die Haare kurz schneiden, Sie entschuldigen mich also bitte...



geschrieben von: Odessa

Mit Erlaubnis von Sohnemann Darket - hier seine Eindrücke zum alljährlichen 1. Mai in Berlin. Danke dafür, mein Melonenmann, danke auch an Zweitsohn Wyatt Earp Ursus/Stadtbär fürs Mitwirken ;-)




Alle Jahre wieder – Ein Schaulustigenbericht


Ich komme ja aus Berlin. Genauer gesagt aus Kreuzberg, wo ich mittlerweile seit fast 23 Jahren lebe und somit fast mein ganzes Leben verbracht habe. Und wie in den letzten Tagen jeder mit Zugang zu irgendeiner Informationsquelle feststellen konnte, sind wir hier neben hervorragendem türkischen Essen v. a. dafür bekannt, dass es hier jedes Jahr am 1. Mai richtig zur Sache geht. Ich habe vor vielen Jahren aufgegeben mich darüber zu ärgern und vor noch mehr Jahren damit, mir angebliche politische Inhalte, die dort ausdrucksstark demonstriert werden sollen, zu eigen zu machen. Stattdessen gehe ich jedes Jahr auf die Straße und schaue mir das Spektakel an. Das macht die Situation nicht besser, aber immerhin lebe ich im Gegensatz zu den meisten Hobby-Pyromanen und Spitzensportlern im Bereich des Glasflaschenweitwurfes hier und maße mir somit das Recht an, mir wenigstens anzuschauen, was hier so vor sich geht. Weil aber auf Grund selektiv ausgewählter Photos und Filmen in den Medien oftmals ein Eindruck entsteht, der zwar grundsätzlich richtig, aber insgesamt wenig aussagekräftig ist, habe ich mir erlaubt, ein Protokoll der Ereignisse aus meiner persönlichen, gänzlich subjektiven Sicht zu verfassen.

Es sei erwähnt, dass man es an diesem Tage hier als kleiner Grufti auch nicht ganz leicht hat. Schwarze Kleidung, Stiefel und lange Haare sind neben dem Werfen harter Gegenstände die Hauptkriterien, nach denen die Polizei ihre Ziele wählt, weswegen mich die Chronistenpflicht zum Einsatz meines physischen Wohlbefindens zwang. Ich habe den Tag dann allerdings doch weitgehend unbeschadet überstanden und lasse Euch an dieser Stelle nun an meiner Erfahrung zur hoffentlichen Freude des geneigten Lesers teilhaben:


16:30, Meine Wohnung
Verspätetes Mittagessen. Draußen schallt laute Punkmusik zweifelhaften musikalischen Wertes durch mein weit geöffnetes Fenster und mischt sich mit dem Lärm überfliegender Helikopter.

17:30, Meine Wohnung
R. hat die Anreise aus Zombiedorf, im offiziellen Sprachgebrauch auch Schöneiche genannt, gut überstanden. Nach kurzem Aufenthalt und massiven Vorwürfen seinerseits, wie ich der Arbeiterbewegung nur so in den Rücken fallen könne indem ich am Tag der Arbeit selbiges getan habe, also arbeiten, und das nur und ausschließlich wegen des Feiertagszuschlages, machen wir uns auf den Weg in Richtung Myfest, in der Hoffnung neue linguistische Entgleisungen diverser Aktivisten auf Lautsprecherwagen aufzuschnappen (letztjähriger Höhepunkt: „Jugendliche mit migrantestem Hintergrund“)

17:45, Kottbusser Damm
Auf der Kottbusser Brücke steht, wie jedes Jahr, die mobile Suppenküche der Heilsarmee. R. erwägt kurz, das Gespräch mit den uniformierten Helfern (heißen die eigentlich folgerichtig auch „Soldaten“?) zu suchen. Insbesondere der schriftliche Hinweis an der Theke, dass das Angebot der Heilsarmee sich nicht ausschließlich an überzeugte Christen wende, motiviert ihn sichtlich. Noch kann ich ihn aber von diesem Vorhaben abbringen.

18:00, SO36
Das Myfest ist in vollem Gange. Nach der Feststellung, dass aus dem kleinen Stand aus dem letzten Jahr mittlerweile ein Ladenlokal mit hohen Preisen geworden ist, verzichten wir aus finanziellen Gründen auf den Genuss von so genannten „Staatsburgern“ und wohnen stattdessen einer bemerkenswert guten Coverversion von „California über alles“ auf der Core Tex Bühne bei. Nebenbei suchen wir verzweifelt nach der Demonstration. Da gibt es erfahrungsgemäß das meiste zu sehen…und zu lachen. Die kreuzberger CDU (bestehend aus grob geschätzt vier Mitgliedern und anderthalb Sympathisanten) hält sich erwartungsgemäß an das polizeiliche Verbot, einen Infostand über linke Gewalt auf dem Myfest aufzustellen. Ein wenig spießig, wirkt aber sicherlich lebensverlängernd.

18:15, Skalitzerstraße
Anruf von N.. Er macht sich fertig und kommt dann nach Kreuzberg. Auf Basis von datums- und wegezeitenunabhängigen Erfahrungswerten kalkulieren wir seine Ankunft auf etwa 23:00 Uhr.

19:00, Reichenbergerstraße
Nachdem R. mehrere der bislang nur sehr spärlich präsenten Polizisten in Vollrüstung bzw. die in kleidsamem Neongelb auftretenden Anti-Konflikt-Teams (Sozialarbeiter bei der Polizei ist ein Scheißjob, ich schließe spontan eine weitere Karriereoption aus) nach der Demonstration gefragt hat, haben wir sie letztlich mit mehr oder weniger Hilfe selbiger dann doch gefunden. Wobei die gepanzerten Ordnungshüter den deutlich kommunikativeren und v.a. wesentlich besser informierten Eindruck gegenüber den Neonmännchen hinterlassen. Auf dem Lautsprecherwagen hält eine Dame von geschätzten 200 Jahren, die wir spontan auf den Namen „Kommunisten Omma Erna“ taufen, eine Rede und fordert zur Revolution und mehr oder weniger zum Mord an Josef Ackermann auf. Wir erwägen kurz, ob es sich bei ihr um die exhumierte Rosa Luxemburg handelt.

Anschließend treten weitere Redner auf. Zunächst ein Vertreter irgendeines radikalen Schülerbündnisses, der die Schüler zur Revolte gegen ihre Lehrer und die Heimkinder zu selbiger gegen ihre Betreuer aufruft, da sie von diesen unterdrückt würden. R. und ich können diese Unterdrückung aus eigener beruflicher Erfahrung bestätigen und uneingeschränkt befürworten, allerdings werden wir dabei ein bisschen schräg angeschaut und fühlen uns spontan diskriminiert. Es folgt noch eine sterbenslangweilige Rede Castroschen Außmaßes von einer rhetorisch wenig versierten Rednerin, die die Gemeinschaft der Revolutionäre auch unabhängig von den musikalischen Präferenzen, jedenfalls sofern es sich nicht um volkstümliche Musik, Schlager oder Operette handelt (die sind konterrevolutionär), beschwört, bevor sich die Demonstration unter den obligatorischen, schlecht verhüllten Aufrufen zur Gewalt und dem Hinweis auf eine Notfall-Rechtsberatung mit der etwas verwirrenden Bezeichnung „Untersuchungsausschuss“ in Bewegung setzt. Musikalische Untermalung: „Arbeiter, Bauern“. Eine bemerkenswert unattraktive Frau mit Flugblättern unter dem Arm singt inbrünstig mit. Das ist nicht schön.

19:30, Skalitzerstraße
Der Lautsprecherwagen nimmt eine kleine Abkürzung, während sich die Demonstration, begleitet von einigen hektisch wirkenden Polizeitrupps, übers myfest bewegt. Wir folgen dem Wagen auf direktem Wege und untersuchen am Lausitzerplatz akribisch, ob dieses Jahr auch keine Mietfahrräder der Deutschen Bahn eventuell notwendige Fluchtwege des hoffentlich diesmal nicht anwesenden Polizeipräsidenten versperren. Dem ist nicht so. Anschließend schneiden wir dem Demonstrationszug durch die Seitenstraßen den Weg ab und befinden uns nun in einem Pulk von Fotojournalisten, teilweise mit Fahrradhelmen auf den Köpfen, und stehen selbigen ständig im Weg.

19:45, diverse Seitenstraßen
Verschiedene orientalische Gastronomen räumen in Sichtweite des Demonstrationszuges hektisch das Außenmobilar nach drinnen und lassen die Jalousien herunter. Das kommt davon, wenn man bis zur letzten Sekunde noch gute Geschäfte machen möchte. Die Macht des Kapitals bröckelt! Der Zug stoppt und diverse Gegenstände fliegen in hohem Bogen eigentlich in jede Richtung. Eine offenbar junge Frau mit niedlicher Piepsstimme fordert die Demonstranten via Lautsprecher auf, das Werfen von Gegenständen zu unterlassen, sie würden „ihre eigenen Leute treffen“. Der bemerkenswert kleine Polizeitrupp hält Sicherheitsabstand, bleibt aber auffällig gelassen, während die meisten Journalisten zur durch lautes Fluchen deutlich gemachten übergroßen Freude der Anwohner hinter deren geparkten Autos Deckung suchen. R. und ich sind guter Hoffnung, ob der gut sichtbar in den Händen gehaltenen Dosen eines unter Linken wenig populären amerikanischen Getränkeherstellers von der Polizei etwas sanfter über den Haufen gerannt zu werden. Die Piepsstimme am Megaphon plärrt hysterisch: „Schützt den Lauti!“

19:50, ganz Kreuzberg
Das Anti-Konflikt-Team macht Feierabend.

20:00, Wiener Straße
Es fliegen weiterhin Steine, Flaschen und Feuerwerkskörper durch die Gegend. Die Straße ist hier sehr viel breiter, was der Zielgenauigkeit der Werfer sehr entgegenkommt. Die Polizei versucht in einem Akt taktischen Größenwahns mit etwa 20 Mann einige Demonstranten an der Feuerwache abzugreifen, die sich etwa in der Mitte des Zuges befinden. Die Folge ist ein wahrer Geschosshagel, die Polizisten sind zwischen Demonstranten und Feuerwache eingekesselt und ziehen sich nach kurzem vergeblichen Versuch standzuhalten in selbige zurück. Der Mensch vom Lautsprecherwagen fordert die Polizei auf, die Provokationen zu unterlassen. R. und ich bekommen einen Lachanfall, der genau so lange anhält bis wir von der zur Verstärkung angerückten Hundertschaft um ein Haar in Grund und Boden gestampft worden wären.

20:15, Wiener Straße
Wir beschließen spontan, dass unseres Bleibens hier vorerst nicht länger sein sollte. Zerplatzende Glasflaschen in Spuckdistanz, die Sehnsucht nach einem kühlen Bier, etwas zu essen sowie für einige Zeit aus den Schuhen zu kommen, führen uns zu dem Entschluss, den taktischen Rückzug in meine Wohnung anzutreten.



geschrieben von: Odessa

20:30, Kottbusser Damm
Wir proviantieren uns im 24-Stunden Laden mit Kartoffelchips, Zigaretten und noch mehr konterrevolutionären Erfrischungsgetränken.

20:40, Meine Wohnung
Maßlose Enttäuschung, im RBB läuft „Dampfer der Musikanten“. Keine spektakulären Aufnahmen steinewerfender Schulpflichtiger oder ganzen Stampeden schwer gepanzerter Hundertschaften der Bundespolizei, sondern Musikanten! Wir erinnern uns kurz der mahnenden Worte der Rednerin vorhin und fühlen uns der Revolution plötzlich sehr viel näher. Das Umschalten führt uns zu N24, wo immerhin kurz berichtet wird, wonach es mit dem „Highlight des Abends“ weitergeht. Einem Bericht über Bratpfannen (kein Witz!). Die Enttäuschung über das mangelnde mediale Interesse an der Revolution kann nur durch zwei Flaschen kalten Kilkennys sowie der Eröffnung der ersten und einzigen Tüte Kartoffelchips kompensiert werden. Zum Trost hören wir revolutionäre Musik: Hannes Wader, Rage against the Machine, Asian Dub Foundation und Feindflug.

21:30, Meine Wohnung
Der offizielle Krawallticker auf tagesspiegel-online meldet, dass die Demonstration abgebrochen wurde und es offenbar wieder was zu sehen gibt. Anruf bei N., er gibt an, dass er jetzt rausgehen würde und wir ihn am U-Bhf. Schönleinstraße abholen sollen.

22:00, Meine Wohnung
tagesspiegel-online berichtet von einem Bier trinkenden Menschen, der von seinen Kumpels auf einer Matzratze durch die Gegend getragen wird. Der Korrespondent kommentiert dies mit den Worten, dass man so auch Spaß haben könne. Ich werte dies als Aufforderung zum Alkoholmissbrauch. Die Revolution schreitet voran.

22:05, Meine Wohnung
Anruf von N., er geht jetzt raus. Wir verabreden uns am Kottbusser Tor, weil wir keine Lust haben den größten Spaß zu verpassen.

22:15, Kottbusser Brücke
R. kann nicht mehr widerstehen, spricht den Suppenkoch der Heilsarmee an und möchte mehr über die Heilsarmee erfahren. Der Küchenbulle reicht ihm mit erzwungener Höflichkeit einige Infoflyer. Robert kündigt an, diese aufmerksam zu studieren und nächstes Jahr an selber Stelle eine Diskussion vom Zaun brechen zu wollen. Ich erwäge den Umzug nach Marzahn binnen Jahresfrist.

22:20, Kottbusser Damm
Uns entgegenkommende Schaulustigen-Genossen klären uns auf, dass die Straße zum Kottbusser Tor gesperrt ist. Wir beschließen einen Umweg durch die Seitenstraßen zu nehmen.

22:30, Admiralstraße
Auch dieser Zugang ist gesperrt. R. Hinweis darauf er würde gern zur U-Bahn um nach Brandenburg zurückzukehren, beantwortet der Herr in grün mit einem Schulterzucken.

22:45, Reichenbergerstraße
Auch hier alles dicht. Uns kommt die bahnbrechende Idee, einfach eine Station zurückzulaufen und mit der U-Bahn ins Krisengebiet zu fahren.

23:00, Skalitzerstraße
Die Hauptstraße zum Kottbusser Tor ist frei. Keinerlei Polizeipräsenz. Mir kommen ernsthafte Zweifel an Ortskenntnis sowie taktischer Kompetenz der Einsatzleitung.

23:10, Kottbusser Tor
Der U-Bahnhof ist gesperrt. Hier können wir N. nicht treffen. Ein kurzer Anruf und wir beschließen, ihn doch an der Schönleinstraße abzuholen.

23:15, Kottbusser Damm
Ein netter jüngerer Herr in grün verweigert uns den Durchgang. Auch mein Hinweis ich sei Anwohner nebst eingehenden Studium meines Personalausweises bringen ihn davon nicht ab. Die Bemerkung ich wolle nach Hause quittiert er mit dem Kommentar, dass er dies auch gern würde. Ich habe gewisses Verständnis. Auch anderenorts kommen wir nicht durch. Will heißen, wir schlagen uns über (gewaltige) Umwege durch freie Seitenstraßen.

23:20, Paul-Licke-Ufer
R. macht sich weitere Freunde, in dem er einige Teenager auf dem Rückzug zurück an die Front schickt. Da dies auf Widerstand trifft, beschließen wir die Bildung fliegender Standgerichte für das nächste Jahr zu empfehlen.

23:30, Kottbusser Brücke
Wir sammeln N. ein, der zum Anlass passend ein schwarzes Kapuzenshirt trägt. Auf dem Weg zurück greift er bei der Heilsarmee noch einen Schokoriegel (Duplo) ab.

23:40, Adalbertstraße
Wir haben uns auf N.s Initiative hin einen erstaunlich unsicheren Platz direkt vor der Stadtbücherei gesucht. Die Autonomen haben aus den Fehlern der letzten Jahre gelernt und offenbar den „Grundkurs der Revolution“ mit Erfolg abgeschlossen. Jedenfalls sind sie im Gegensatz zum vergangenen Jahr in der Lage, Dinge anzuzünden. Auf der Straße brennen Mülltonnen. N. erwägt wie immer in derartigen Situationen, spontan eine Gesangsgruppe für Landser-Songs ins Leben zu rufen und lässt uns nebenbei an seinem reichen Erfahrungsschatz teilhaben: „Haltet Euch fern von den kleinen Männchen mit den Kapuzen.“ Ich bringe meine durch offenbar ansteckende political correctness motivierte Hoffnung zum Ausdruck, dass es auf der Welt keine kleingewachsenen Völker gibt, die gern Kapuzen tragen und, sollte es sie doch geben, in deren Land gerade keine Schulferien sind. N. versucht derweil telefonisch seinen Kumpel D. zum Kommen zu bewegen.

23:50, Adalbertstraße
D. und seine Freundin sind da. Ersterer macht N. prophylaktisch für seinen voraussichtlich zeitnah eintretenden Tod verantwortlich, womit dieser aber offenbar gut leben kann. Auf dem Halteschild der Bushaltestelle sitzt ein mehr als nur angetrunkener Kerl, dem wir spontan prähum den Darwin-Award verleihen. Auf den umliegenden Dächern sitzen die VIP-Schaulustigen, was uns zu der Frage bringt mit wem man schlafen muss, um da hoch zu kommen. Wahrscheinlich mit jemandem mit Namen Ali. Hier muss weiter an der klassenlosen Gesellschaft gearbeitet werden. Die Polizei stößt immer wieder mit einzelnen Greiftrupps in die Menge vor und verhaftet diverse Flaschenwerfer. Direkt neben mir wird einem jungen Mann, der versuchte sich an die Wand im Rücken in Sicherheit zu bringen von einem Polizisten im Vorbeilaufen mit voller Absicht und nicht weniger Wucht mitten ins Gesicht geschlagen. Die Staatsgewalt verliert die Nerven, was nicht unbedingt zu meiner Beruhigung beiträgt.

00:03, Adalbertstraße
Wir haben den Standort einige hundert Meter weiter in Richtung SO36 verlegt. Auf Grund der Tatsache, dass ich eigentlich mehr auf Glasscherben denn auf Asphalt laufe, wird mir schlagartig klar, dass die Wahl von Turnschuhen zu diesem Anlass eher unglücklich war. Nach dem Feststellen der Uhrzeit singen wir R. fast pünktlich ein Geburtstagsständchen.

D. sieht weiterhin seinen Tod nahen, worauf er von seiner Freundin und von N. Feigling geheißen wird. Auf Grund der Tatsache, dass eben etwas hartes und schweres mein Scheinbein getroffen hat, solidarisiere ich mich eher mit D. Die Polizei steht weiter unter Dauerfeuer und schickt einen Greiftrupp nach dem anderen ins Getümmel. Ich bin nicht sicher, ob mich die Tatsache, dass nur ungefähr die Hälfte der Trupps wieder herauskommt, beruhigen oder ängstigen soll.

00:15, Adalbertstraße
Unmittelbar hinter N. wirft ein Kerl, der optisch unzweifelhaft aus den östlichen Bezirken der Stadt stammen muss, eine Flasche. Der Führer eines unglücklicher Weise gerade vorbeimarschierenden Polizeitrupps liest ihm daraufhin kräftig die Leviten, verhaftet ihn jedoch nicht.

00:30 Adalbertstraße
Während die anderen gerade im Cafe in unserem Rücken weiteren Proviant besorgen (Geburtstagsmuffins), stehe ich weiter draußen und sehe, wie mehrere Einsatzhundertschaften an mir vorbeidefilieren. Während ich noch überlege, ob es klug ist in dieser Situation ein derart großes Ziel abzugeben, kommen die anderen aus dem Laden. Gerade rechtzeitig, denn nachrückende weitere Hundertschaften versuchen verzweifelt die Straße zu räumen und fordern uns auf weiterzugehen. Wir leisten folge und bewegen uns etwa fünf Meter Luftlinie weiter in einen Hauseingang wohin wir von einigen freundlichen Menschen herzlich, aber nachdrücklich eingeladen werden. Zwei Minuten später haben wir unsere alten Plätze wieder eingenommen.



geschrieben von: Odessa

00:45, Adalbertstraße
Die Hundertschaften haben offensichtlich kapituliert und marschieren wieder zurück. Wir beschließen, dass dies wohl die offizielle Ehrenparade anlässlich R.s Geburtstages sein muss, worauf dieser von seinem erhöhten Platz auf einer kleinen Treppe gönnerhaft zu winken beginnt und die mangelnde Haltung der Marschierenden sowie den teilweise durch große Farbflecke auf den Uniformen getrübten optischen Eindruck zu recht kritisiert.

01:00, Adalbertstraße/Ecke Oranienstraße
Wir haben unseren Standort nochmalig etwa 50 Meter aufwärts verlegt. Ich frage mich kurz, ob ich es mit meinem Nikotinkonsum am heutigen Tage eventuell übertrieben habe, bis mir bewusst wird, dass die Reizung meiner Atemwege der Tränengaswolke um uns geschuldet ist. Auf Grund dessen beschließen wir, dass es Zeit wird sich dem allgemeinen Vermummungstrend anzuschließen und dass unser vorheriger Platz eventuell doch gar nicht so schlecht war.

01:15, Adalbertstraße
Dem Umstand dass wir eine Dame dabei haben und ich Schwierigkeiten habe, inmitten hunderter von Menschen gegen eine Häuserwand zu urinieren geschuldet, suchen wir ein gegenüberliegendes türkisches Restaurant zu diesem Zwecke auf. Selbiges verdient heute offensichtlich gutes Geld mit der kurzfristigen kostenpflichtigen zur Verfügung Stellung seiner sanitären Anlagen, was wir aber ob der äußeren Gegebenheiten billigend in Kauf nehmen.

01:30, Adalbertstraße
Die Polizei löscht diverse kleinere und größere Feuer. Der beißende Gestank brennender Mülltonnen liegt über der Szenerie, wird nur bisweilen von einer weiteren Wolke Tränengas übertroffen. N. stellt fest, dass der Konsum scharfen Essens sich bisweilen auszahlt.

01:45, Adalbertstraße
R. und ich beschließen zu gehen. Nach erstem Scheitern an einem Wall aus Polizisten versuchen wir es in der anderen Richtung und kommen tatsächlich unbeschadet wieder raus. Auf dem Weg findet R. wunschgemäß noch einen Pflasterstein, den er weit unten in seinem Rucksack versteckt und kündigt an, ihn mit einem Edding beschriften und als Souvenir immer in Ehren halten zu wollen.

02:00, Meine Wohnung
Ich stelle fest, dass Kleidung und Haare den beißenden Geruch verschmorten Plastiks angenommen haben. Ich glaube auch noch eine Note Tränengas wahrnehmen zu können. Ich beschließe jedoch dies zu ignorieren, die Dusche auf einen Zeitpunkt nach dem Schlafen zu verlegen und gehe ins Bett.

10:00, Kottbusser Damm
Ich gehe zur Arbeit. Auf Grund des Weiterbestehens mannigfaltiger kapitalistischer Infrastruktur in meiner unmittelbaren Wohnumgebung (Lidl, Deutsche Bank, Kaisers und meine Lieblingsdönerbude) werde ich jäh der offenkundigen Tatsache gewahr, dass die Revolution über Nacht gescheitert sein muss. Mal wieder.

Aber nachdem alle Beteiligten nun ein Jahr Zeit zur Regeneration haben klappt es nächstes Jahr bestimmt. Mülltonnen gibt’s dann ganz sicher auch wieder. Hasta la victoria siempre!



geschrieben von: Odessa

Menschen in Zügen oder: WWarum nochmal finde ich Autofahren so toll?"


Derzeit fahre ich oft Bahn. Eigentlich alle zwei Wochen. Und bin immer wieder erstaunt darüber, was man da so alles in 1 bis 4 Stunden Fahrtzeit erleben kann. Nehmen wir mal nur die Rückfahrt von Hannover nach München. Schon während Tsafried und ich am Bahnsteig warteten, fiel uns eine Frau auf, die mit hysterischem Gesichtsausdruck, ständig laut vor sich hinredend, die anderen Wartenden ansprach. Auch zu uns kam sie, verschonte uns jedoch dankenswerterweise mit ihren Ansprachen, die da lauteten: "Es wird bald einen 3. Weltkrieg geben aber ich weiß wie wir ihn verhindern können, Sie müssen nur mir zuhören" usw. Ich witzelte noch, daß diese Dame garantiert in meinen Zug und in mein Abteil steigen würde, hoffte jedoch im Unterbewußtsein, daß mich Murphys Law einmal verschonen möge.

Natürlich wird der geneigte Leser wissen wie es weiterging. Denn Murphys Law liebt mich, und so verbrachte ich dann die Rückfahrt über 4 Stunden und 2 Minuten in einem ICE-Abteil, das 1. randvoll war mit angetrunkenen lauthals pöbelnden Hamburgern auf "Männer-Kegelclub-Ausflugs-Fahrt" und 2. damit, in regelmäßigen Abständen von besagter Dame zu hören, die die ganze Fahrt über im Abteil hin und her lief, dabei laut "We shall overcome" sang, ab und an auf ihr Handy einschlug mit den Worten "Warum sprichst Du nicht mehr mit mir? Du mußt mir doch sagen was ich machen muß, und Du mußt mir gehorchen denn ich bin das Licht" und ähnliche Dinge, die ich mal höflich in die Ecke "Wählerin der Violetten" stecke.

Als wäre das noch nicht genug, war das Abteil auch noch gefüllt mit einigen Mutterkühen. Bevor die hysterische pol.correctness-Fraktion mir wieder die höchst politisch unkorrekten Morddrohungen in pn zukommen lässt: nein ich habe nichts gegen Mütter, ich bin selbst eine, ich habe selbst eine, und ich finde jeder sollte eine haben. Mit Mutterkuh meine ich die Sorte Frau, die ihr Kind als das größte zu bewundernde Nationaldenkmal betrachtet und vor dem gefälligst jeder andere Bürger in Demut und vor allem mit sofortiger Abtretung aller eigenen Rechte und Freiheiten in die Knie zu gehen hat.

Diese Mütter schienen es als besonders pädagogisch wertvoll und sozialkommunikativ wichtig zu erachten, ihre 3monatigen Babies alle 10 Minuten durch die engen Gänge zu schleppen. Daß dabei bei einem mit ca. 200 kmH fahrendem Zug sowohl die Mutter als auch das bis dato ruhig schlummernde Baby gegen jeden 2. Sitz geschleudert wurden, das Baby somit aufwachte und zu schreien anfing, hätte man mit mehr als 2 Gehirnzellen ausgestattet eigentlich wissen können. Aber nein, Sinn der Aktion war anscheinend nur der DASS das Baby aufwacht und Mutter demonstrieren kann, was für eine tolle selbige sie doch ist. Und das lief dann so ab:

Mutter, später nur noch M genannt: "Ssssch mein Liebling, wir sind hier im Zug, das rüttelt nun mal, sei ganz ruhig..."

Baby, fürderhin nur noch B genannt: "wääääääääh..."

M: "Aber schau mal Sven Ole, da fahren wir grad an einem Bahnhof vorbei, huiii guck mal wie schnell das geht...."

B: "WÄÄÄÄÄÄÄHHHHH....."

M: "Sven Ole, nun hör doch auf zu schreien mein Kleiner, das ist doch nur ein Zug... soll Mamma Dich ans Fenster halten damit Du die Bäume und Wiesen vorbeifahren siehst?"

B: "WWWWWWWWWÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄHHHHHH..."

M hat derweil Sven Ole über den nächsten Sitz gehievt, knapp am Kopf des dort Sitzenden und genervt Blickenden, und hält das kleine Bündel Mensch ans Fenster, während Sitzplatzinhaber versucht trotzdem weiterzuatmen und nicht aus dem - eigenen - Sitz zu rutschen.

M: "Guck mal wie feeeein, feinifeeein.... oooh schau mal, da war eine Kuh.. hast Du das gesehen?"

B: "WWWWÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄHHHHHHH WWWWÄÄÄÄÄÄH wwwäääääääh.."

M: "Magst Du vielleicht was trinken, Schatz, hast Du Durstidursti hmm?"

B: "wäääääh WÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄhhh...."


Und so ging das ca. 2,5 Stunden. Mit gezählten 4 Mutterkühen und somit 4 Wääh-is.

Hier also meine Info an Euch, liebe Muttis: Babies mit 3 Monaten können selten sprechen. Noch seltener wissen sie da schon, was ein ICE ist. Oder können bei 200 kmH im Zug eine Kuh oder einen Bahnhof erkennen. Wahrscheinlich hingegen ist, daß das Baby zu gern einfach nur ruhig weitergeschlafen hätte. Da wo es vorher schlief - auf seinem rüttelschüttelfreien Sitzplatz in seinem Babynestchen.

Bei meiner nächsten Bahnfahrt werde ich mir ein Babymützchen aufsetzen. Einen Schnuller ins Mündchen stecken. Und warten, daß mich eine dieser wahnhaften Waldorf-Öko-SozPäd-Supernanny-Mutterschnepfen begeistert quietschend auf den Arm nimmt und mit mir durch das Zugabteil spaziert, auf vier Stunden Fahrt, immer hin und her... und ich freue mich schon jetzt auf den Moment, wo ich aufgrund der Mitteilung daß wir "in einem ICE fahren, dutzi dutzi", dann mit einem "Nein Mammi, das ist der Regional-Express 4997, 7 Wägen, 1 Lok, Max. 180 kmH, 5 Personen Zugpersonal, hält an Feiertagen nicht in Ingolstadt" antworten werde.

Wenn der Plan aufgeht, fällt danach wenigstens eine dieser Babyschinderinnen die sich für tolle Mütter halten zumindest für diese eine Zugfahrt in Ohnmacht und 100 Mitreisende - samt Baby - können dadurch das Absterben von ca. 50.000 aktiven Gehirnzellen verhindern.



geschrieben von: Odessa

PKW Maut für Autobahnen. DAS ist also die Lösung Eurer Meinung nach und natürlich wieder mal ist es der Autofahrer, der als Geldesel und Melkkuh herhalten muß. Klar, immerhin sind ja gut 90% der Menschen hier (immer wieder mal oder öfters oder immer) Autofahrer und damit die Leute, die noch sowas wie "ein Einkommen" haben an dem man sich als Politiker dreist bedienen kann. Und sind zudem überwiegend auch dadurch die Leute, die ein soziales/berufliches Leben haben, für welches sie überwiegend - "man höre und staune" - das Auto brauchen. Das sie nämlich zu besagter "Steuergelder-Erwirtschafts-Möglichkeit ARBEITSSTELLE" bringt.

Denn es mag Euch bonzigen Schnarchnasen in Berlin und Euch selbstgerechten weltfremden Schwätzer der pseudo-umweltschützenden Fraktionen ja fremd sein, die Ihr - überwiegend zumindest nach meiner persönlichen Politerfahrung mit Euch in 30 Jahren - selbst noch nie Euren Arsch um 5 Uhr morgens auf die Straßen bewegt habt, um in die 20, 50 oder 120 km entfernt seiende Arbeit zu kommen, aber es gibt in dieser Republik tatsächlich noch ein paar so "Deppen" wie z. B. meinen Mann, meinen Partner und eigentlich das halbe mich umgebende Dorf, die ein Auto nur deswegen brauchen damit sie ÜBERHAUPT ihre Höfe und Häuser verlassen können und an ihre Arbeitsstellen, Unis oder daß ihre Kinder in die Schule kommen. Denn nein, es können nicht alle Menschen den Luxus für sich in Anspruch nehmen, direkt in Fußnähe von nur 1 km ihre Arbeitsstelle oder Schule zu haben oder sich aber ihr Leben lang faul und bequem von ihren Mitmenschen - Hotel Mami, Hotel Steuerzahler - durchs Leben tragen zu lassen, was ich btw. als ausbeuterischste, dreisteste und widerwärtigste Form des Hoch-Kapitalismus erachte und als überzeugter Sozialist der "alten Schule" schon allein aus diesem Grund verachte. Und nicht jedes Dorf - schon gar nicht am Wattenmeer, im hügeligen Harz oder im 2.200 Meter hohem Alpendorf in Bayern - hat UBahnen und Busse, die alle 10 Minuten in alle Richtungen und mit Haltestellen alle paar 100 Meter verkehren. Wir sind hier schon froh, wenn wir ein mal am Tag den Schulbus in der Früh mitbenutzen können, der uns zumindest bis zur nächsten Bahnstation bringt, wo wir dann für 12 Euro zumindest 14 km weit zum nächsten S-Bahn-Anschluß in die Großstadt kommen. Das muß man sich zeitlich und auch finanziell aber auch erstmal leisten können und wenn ich morgens um 6 im Büro zu sein habe, wird das ein BISSERL schwierig, davon abgesehen daß diese Verkehrsmittel dann in den Ferien oftmals gar nicht fahren.

Aber zurück zum Thema - noch ist ja nicht jeder qm dieser Erde, auf dem letzten Berggipfel und der letzten Wiese, mit Fabriken und Werkhallen verbaut, und immer noch nicht lassen sich weltweit alle Menschen zu der Dummheit hinreißen, die als "Landflucht" negativst bekannt wurde und zur Folge hatte, daß ganze Landstriche und halbe Bundesländer ausstarben, nur weil alle arbeitsfähigen Menschen in die nächstgelegene Stadt flüchteten auf verzweifelter Suche nach "Nähe" zur Arbeit. Und dadurch genau nur eines bewirkten: für einen horrenden Anstieg der Mieten zu sorgen, sh. München. Wo man als Student und 1.400-Euro-Normalverdiener seit 10 Jahren nicht mehr leben kann, da schon ein 16qm-Appartment nicht unter 350 Euro warm zu haben ist und der Bafög-Höchstsatz mit 500somewhat Euro nicht wirklich abfängt, muß man zudem nämlich das für Studenten auf "nur" 190 Euro ermäßigte Monatsticket der öffentlichen Verkehrsmittel zahlen, wenn man 40 km außerhalb der Münchner hotspots wohnt und die 80 km täglich schlecht zu Fuß oder mit dem Rad bei Meterhoch liegendem Schnee zurücklegen kann.

Da ist also noch was drin in Sachen "wir bauen die Arbeitsplätze an den Wohnorten der Menschen". Genau! Stellt uns NOCH mehr Atommeiler, BASF-Chemiewerke und Bayer-Labore hin in unsere letzten Naturschutzgebiete, auf daß die dort lebenden Einheimischen in ihren Dörfern auch endlich in den Genuß der Errungenschaften "modernen" Lebens wie dreckige Luft, Dauerlärm, Dauer-Neonbeleuchtung und sonstiger trendiger "Infrastruktur" kommen. Und wo das nicht möglich ist, da kann man sicher zumindest ein Puff mit angrenzender Drogendealerszene einrichten, wo Mutti und Tochter dann ganz ohne böses Auto "arbeiten" können.

Und wer selbst das nicht kann und immer noch sagt "ich würde lieber 50 km in die Arbeit fahren, aber abends und in meiner Freizeit NICHT in der Großstadt leben, weil es mir dort zu laut, zu überlaufen und zu teuer ist und ich hier mietfrei Hof/Haus habe" = der ist selber schuld, dieser romantische Kitschhansl! Soll er gefälligst geldfrei-autark leben, z. B. hier bei mir im oberbayerischen Bergland, wo es 8 Monate Winter/Heizperiode hat und über Wochen 2 Meter hoch Schnee (schon mal drin radgefahren?), und soll er dort sein Gemüse und Getreide selbst anbauen sowie seine Baumwollfelder, um sich seine Kleidung herzustellen hieraus. Wie, Platz und Klima geben das nicht her für 80 Millionen Deutsche? In MEINER Statistik nach MEINEN ökologisch orientierten Parteiparolen, die ich denkbefreit nachplappere auch wenn ich selbst noch nicht mal einen Topf Petersilie auf der Fensterbank am Leben halten kann, FUNKTIONIERT das EINWANDFREI!

Und vergessen wir mal sowas Spießiges wie "familiäre Bindungen", "ich habe aber mein Haus in dieser Kleinstadt/Dorf" oder "meine Kinder gehen hier zur Schule und meine Frau arbeitet im Umkreis, ich KANN deswegen nicht näher an meine eigene Arbeitsstelle ziehen". Was soll dieser gefühlsdusselige Scheiss, jeder ist sich selbst der Nächste und hat gefälligst als familienloser dauergesunder stets umzugswilliger Single seinen Wohnort in unmittelbarer Fußnähe zu seinem - jeweiligen, wenn auch heutzutage oft nur auf 3 Monate befristeten - Arbeitsort zu suchen. Soviel Mobilität und Flexibilität wird man ja erwarten dürfen und die paar Tausend Euro alle paar Monate für erneute Wohnungskaution, Provision und passende Einrichtung kann man ja wohl aufbringen, wofür gibt es denn 14%ige Dispokredite?

Und selbst wenn es Landstraßen gibt als Ausweichmöglichkeit (was es in meinem Landkreis definitiv bei einigen Orten nicht gibt): es ist eine zutiefst menschenfreundliche Idee, daß man statt lächerlicher 2-3 Stunden Fahrtzeit täglich, die die meisten Berufspendler auch mit Autobahnanbindung haben, dann halt 4 bis 6 Stunden täglich über Landstraßen und Schotterpfade unterwegs ist - denn Reisen bildet! Von der Freude der Anwohner dort ganz zu schweigen, die es sicherlich herrlich finden, wenn jetzt auch die Landstraßen mit Berufs- und Tourismusverkehr belastet werden. Nicht daß wir in Oberbayern nicht ohnehin an jedem Wochenende und Ferien-Beginn horrende Staus und Verkehrbelastung haben; nein, jetzt kriegen wir auch noch die ganzen Geschröpften dazu, die die Autobahn-Maut nicht zahlen können. Ich bekomme schon jetzt Freudepickel und romantisch-röchelnde Asthma-Anfälle vor Begeisterung darüber, dann statt 30 Millionen KFZs, Caravans und Reisebusse im Jahr ca. 120 Millionen aus ganz Europa an meinem Hof und Kühen vorbeirasen zu sehen. Auf einer gerade mal 4 meter breiten zweispurigen holprigen schlaglöcherversehenen Landstraße die die EINZIGE ist, die uns hier mit dem Rest Oberbayerns und diversen Autobahnzubringern verbindet auf ca. 30 km.

Sehr umweltfreundlich also, dieser geniale Plan. Und sowas von volkswirtschaftlich durchdacht, wenn ich die ohnehin nur noch wenigen sog. "Leistungsträger" arbeitslos mache, indem ich ihnen die Fahrtwege zu ihrer Arbeit so teuer und zeitlich aufwendig mache, daß vom Gehalt gute 100 bis 300 Euro im Monat fehlen und sich somit bei Verkäufern, Friseuren, ÖD-Angestellten und sonstigen "Normalverdienern" gerade im teuren München Sozialhilfe wesentlich mehr rechnen würde als in die Arbeit zu gehen, vom Freizeitfaktor *täglich ausschlafen und nie wieder Berufsverkehr* ganz abgesehen.

Huuch, halt... jetzt habe ich es kapiert! DAS wollen die also... daß man aufhört zu arbeiten, nur noch daheim auf dem "faulen Arsch" hockt und Andere (Leute, die das Glück haben nur 1 km zu ihrer Arbeitsstelle zu haben) für sich arbeiten lässt, so daß man selbst nur noch den ArgeScheck abholt, sich davon Zigaretten, Bier und Pornos kauft und ansonsten Urlaub auf Malle macht mit dem umweltfreundlichen und energiesparenden TUI-Flieger natürlich. So oder so ähnlich ist ja laut Aussagen einiger Politiker das Leben als Hartz IV Empfänger *verwirrt guck*. Öhm Moment mal, das macht aber auch keinen Sinn oder? Ich kapiere das immer noch nicht, denn von diesen Leuten haben wir doch angeblich "schon genug" laut Meinungsmache einiger Parolendrescher (damit meine ich nicht Herrn Westerwelle) und jetzt wollen die noch mehr Leute zu "solchen" Leuten machen, die keine "Leistungsträger" (mehr) sind weil sie nicht mehr in ihre Arbeit kommen, da sie ja von ihrem Gehalt nicht auch noch die Autobahnmaut bezahlen können... die sie aber bezahlen müssten DAMIT sie ihre Arbeit weiterhin verrichten können von der sie wiederum ja auch ihre Steuern und Sozialabgaben und dadurch die Leute bezahlen, die Hartz IV brauchen weil sie nicht mehr 20, 50 oder 100 km in eine Arbeit fahren können weil sie die Maut dafür nicht mehr zahlen konnten...

Nee das ist es doch aber auch nicht. Ich bin verwirrt und kapier es also immer noch nicht. Hm, vielleicht so rum: was die Wirtschaftskrise nicht geschafft hat, das schafft unser Verkehrs- bzw. erstmal das Umweltministerium allemal - auch noch den letzten pendelnden Arbeitnehmer in die Arbeitslosigkeit treiben, auf daß noch mehr Bürger die leeren Sozialkassen noch leerer machen (müssen) - ist das damit gewollt? Und wenn ja: welchen weltfremden Ökoterroristen darf ich dafür gehörig in den Arsch treten und das auf einer Autobahn, die möglichst bis zum Jupiter reicht, auf daß dieser Schwachmat MEIN Universum - das der Berufspendler - nie mehr wieder mautfrei betritt?



geschrieben von: Odessa

"Wie man mit schönen Worten unschöne Dinge verkauft" oder "es lebe das politisch korrekte Leute verarschen - denn ich bin Immobilienmakler".


Mir ist völlig klar daß jeder Mensch von etwas leben muß. Und daß somit auch Immobilienmakler nur das tun was wir Alle tun - leben, irgendwas Schönes und Sinnvolles tun in diesem Leben, und unter Anderem auch arbeiten. Letzteres vor allem deswegen, damit man das "Tauschmittel" Geld erhält zum Bezahlen der Miete, der Stromrechnung und der Kühlschrankfüllung. Glaskugeln, Salzblöcke, Lederhäute, die eigenen Töchter oder ersatzweise Ziegen und Kamele als Tauschmittel sind mittlerweile und in Zeiten multikulturellen internationalen Zusammenlebens ja doch etwas "out" da so unhandlich und schwer zu lagern und vor allem auch: weil nicht jeder Mensch mit 20 Kamelen oder 5 Salzblöcken als "Gehalt" etwas anfangen kann bzw. sich seltenst davon selbst dann seine gewünschten 2 kg Kartoffeln oder die benötigten Winterreifen fürs Auto kaufen kann, wenn der Bauer der die Kartoffeln verkauft und der Autohändler der die Reifen verkauft wiederum so gaaar keinen Bedarf an den Kamelen und Salzblöcken hat... aber egal, es geht ja nur darum daß auch Immobilienmakler "ihr" Geld fürs Überleben verdienen müssen und das auch dürfen.

Trotzdem bin ich der idealistischen Meinung, daß man auch als Immobilienmakler durchaus tätig sein kann ohne lügen zu müssen; denn es ist 1. relativ sinnbefreit zu lügen, wenn die Lüge spätestens am Tag 5 nach Einzug des Mieters ins vermittelte Objekt auffliegt ("Sie sagten uns doch zu daß es hier ruhig sei - nennen Sie das Blasmusikorchester, das jeden 2. Tag von 19 bis 22 Uhr den Radetzkymarsch weit über die Stadtgrenzen von Hausham hinaus übt, aber etwa LEISE?") und 2. relativ gefährlich wenn man so dreist lügt, daß der Belogene aufgrund dieser Lügen den Mietvertrag sofort wieder fristlos kündigen bzw. zerreissen darf. Zum Beispiel wenn statt der angegebenen Nebenkosten von 160 Euro plötzlich 280 auf der Abrechnung stehen im ersten Monat und das mit "ui, das war wohl ein Druckfehler meinerseits" erklärt wird.

Aber blicken wir mal weg von den offensichtlichen und juristisch einwandfrei geregelten Geschichten und wenden uns den netten kleinen schriftlichen "Schönfärbereien" und "Verklausulierungen" zu, die man in Mietangeboten so findet und die man, hat man erst mal aufgrund ca. 10 eigener Umzüge jede Menge davon gelesen und die Wohnungen dazu dann besichtigt, sehr rasch "in Wahrheit" übersetzt.

"Sehr ruhige Lage für Individualisten und Naturfreunde, trotzdem mit guter Infrastruktur und nur 10 Minuten von der nächsten Ortschaft entfernt" - fein, dachte ich mir als ich diesen Satz las. Individualist ist ja nun jeder von uns gerne, so in der Masse all der anderen Individualisten seiner "Spezies Herdentier Mensch" und Naturfreund bin ich speziell definitiv. Ruhe brauche ich auch, aber trotzdem möchte ich keine Weltreise unternehmen müssen um an mein täglich Brot, mein Mineralwasser via Getränkemarkt und meinen Kardiologen samt Praxis zu kommen, also klingt doch wunderbar. Flugs angerufen und einen Besichtigungstermin ausgemacht noch für den gleichen Tag. Die Maklerin gibt durch: "Sie wissen wo die Tankstelle ist gleich hinter Raubling? Von dort dann noch ca. 5 Minuten geradeaus fahren Richtung Tirol/Kufstein. Dann kommt gleich ein Waldstück wo es etwas bergauf geht, dort fahren Sie dann nochmal ca. 5 Minuten bis Sie an die Kreuzung kommen wo das Marterl links steht. Dort dann links einbiegen und noch wenige Meter durch die Weiden und Wiesen fahren, dann sehen Sie schon das Haus mit den Holzbalkonen, dort warte ich dann auf Sie."

Gut, klingt tatsächlich stimmig mit den angekündigten 10 Minuten Fahrzeit. Nicht mehr stimmig war, daß wir ca. 10 Minuten fuhren bis wir erstmal bei der Tankstelle "gleich" hinter Raubling waren. Und bei dem Waldstück, wo es bergauf ging, nochmal 15 Minuten fuhren weil der Weg ein mit 20 cm tiefen Gräben und Löchern versehener unbefestigter Schotterweg ist, den man eigentlich nur mit entweder einem Panzer oder zu Fuß mit einer Mount-Everest-Bergsteiger-Ausrüstung bewältigen kann. Und die "wenigen Meter durch die Weiden und Wiesen" waren exakte 2 km und dauerten, da auf ebenfalls recht holpriger Straße die man mit maximal 30 befahren konnte, nochmals 5 Minuten. Die Maklerin wurde entsprechend begrüßt: "Vermutlich haben wir uns etwas verfahren auf der einzigen Straße die hierherführt, aber wir brauchten 30 Minuten für die Strecke und das kommt mit 10 Minuten zum Ort nicht mehr wirklich hin..." - "Oh, also das ist seltsam, ich habe da noch nie so richtig auf die Uhr geschaut wissen Sie, ich fahre die Strecke öfter und es kommt mir immer sehr kurz vor, 10 Minuten oder so..." AHA?!?! Man gibt also das "gefühlte Zeitempfinden" an als Entfernung in einer bundesweit erscheinenden Anzeige in der "Süddeutschen Zeitung", muß also auch damit rechnen daß wohlhabende an einer Zweitwohnung/Feriendomizil interessierte oder wegen einer Arbeitsstelle hierherziehende Nordlichter aus bis zu 1000 km Entfernung anfahren und sich hierbei ja doch irgendwie auf die schriftlich gemachten Angaben zur Wohnung und Lage selbiger verlassen müssen - aber die Maklerin hat sich halt dann einfach eeetwas in ihrem Zeitempfinden geirrt und ob nun 10 Minuten oder 30, ob 2 oder 20 km vom nächsten Ort entfernt, man darf das alles nicht so eng sehen denn es stand doch auch in der Anzeige was mit "individualistisch" ... und richtig, DAS stimmt tatsächlich, denn individualistisch ist hier einzig und allein, das aber im wahrsten Sinne des Wortes gleich dreifach, das sehr variable Zeitspannen-Auslegen der Maklerin.



to be continued....



geschrieben von: Odessa

continued here:


"Das Objekt ist für handwerklich Begabte eine reizvolle Herausforderung." Wow, das lockt doch jedem Hobby-OBIaner sofort an. Tat es bei mir auch, ein mal und nie wieder. Denn beim Besichtigungstermin stellte sich heraus, daß das "Objekt" - geschildert auf meine tel. Nachfragen hin explizit als "bewohnbar, mit nur leichten Renovierungsarbeiten die zu tätigen sind" - zur Hälfte ohne Dach war, daß vier von insgesamt sechs Räumen total verschimmelt waren, daß bei drei der Räume der Fußboden völlig aufgebrochen war im Sinne von "nur Steine und Kiesel darunter" und daß weder Strom- noch Wasserleitungen im Bad fertig verlegt waren. Meine entsetzte Frage, WAS genau der Makler hier unter "handwerklich begabt" verstehe weil es meiner Meinung nach einen Meisterbrief in Sachen Elektro, Sanitär, Bau und Statik benötige, wurde mit einem "Nun ja, es sind schon einige Dinge zu machen aber es ist schon bewohnbar... Sie brauchen doch nur in diesen Raum (Makler deutet auf den einzigen Raum, der zur Gänze überdacht, komplett schimmelfrei und nicht akut einsturzgefährdet war) erstmal ihr Bett und Sofa stellen, einen Campingkocher gibts doch auch überall, so mit Gasflaschen, und Klo und Dusche können Sie doch (deutet begeistert zum Garten, worin sich ein Dixie-Klo sowie eine alte Metall-Badewanne mit darüber angebrachter Plastikbeutel-Schlauch-Kaltdusche-Konstruktion befand) draußen benutzen..", beantwortet.

Ich schwankte, ob ich den psychiatrischen Sozialdienst meiner Stadt informieren sollte zwecks "Überprüfung des Geisteszustandes" dieses Maklers oder ob ich ihn einfach nur mit den Worten "Sie haben sie doch echt nicht mehr alle am Sträußchen! Wenn Sie sowas als bewohnbar anpreisen, gehören Sie für 2 Jahre zum Leben hier verurteilt, und jetzt gehen Sie mir aus der Sonne bevor ich meine gute Erziehung vergesse" stehenlasse. Und da ich die Nummer des Sozialdienstes nicht im Kopf hatte....

Aber eins stimmte - es war eine Herausforderung. Selten hat mich jemand während nur 10 Minuten Zusammenseins so zu einer Ohrfeige herausgefordert wie dieser Makler, und selten hat es mich so ge-reiz-t, jemand mit einem Duschschlauch zu erwürgen. Denn ich war für diese Wohnung fast 2 Stunden lang angereist in einem nicht mit KlimaAnlage versehenem Auto, in dem es - es war echt mal 3 Tage Sommer in Oberbayern! - ca. 50 Grad hatte, und die Rückfahrt dauerte ebenfalls 2 Stunden. Vier Stunden und 10 Minuten meines Lebens, die mir niemand mehr zurückgibt.


"Charmante, kapriziöse Wohnung für Künstler" . - Hier betreten wir den Bereich des Sprachdesigns und der Eitelkeiten. Holla, "Künstler". Sind wir nicht alle ein bisschen Bluna? Sind wir nicht alle ein bißchen eitel? Und charmant, huch, wer hätte nicht gerne ein charmante Wohnung auch wenn keine Sau, mal unter uns gesprochen, weiß was genau an einer Wohnung - lebloser somit charakterloser Gegenstand - "charmant" sein könnte? Also, da auch ich durchaus in Grenzen eitel, in noch engeren Grenzen "Künstler" und in ab und an recht weiten Grenzen "charme-behaftet" bin, wurde auch diese Wohnung besichtigt.

Nun, der Charme offenbarte sich auf den ersten Blick. Man kann es durchaus charmant nennen, wenn man die Wohnung nur über ca. 8 verwinkelte enge und teilweise von dornigen Rosenbüschen überwucherte miteinander verbundene Trampelpfade erreichen kann. Nicht gut wenn man die Hände mit zwei Einkaufstüten voll hat oder mit dem - damals zu meinem Leben als Mutter gehörendem - Kinderwagen samt Zubehör balancierend und das in Bayern bei nahezu täglichem Sintflutregen und/oder Schneefall die schützende Wohnung möglichst UNTER 5 Minuten Fußweg erreichen möchte. Auch nicht gut wenn man keine Mutter mit Kinderwagen ist aber trotzdem unter 5 Minuten Balance-Akt und Pfad-Wanderung in seine Wohnung möchte, zum Beispiel abends im Dunkeln. Aber gut, "charmant" klingt besser als "unpraktisch, hirn- und alltagsuntauglich angelegt".

Kapriziös war dann die Aufteilung der Räume. Im Sinne von "launisch" und völlig sinnbefreit: die Küche konnte man nur erreichen, wenn man durchs Schlafzimmer trabte. Das Schlafzimmer wiederum konnte nur der Raum sein, weil dort ein großer Wandschrank als Kleiderschrank schon integriert war, der jegliche andere Nutzung des Raums (als Wohnzimmer etwa) unmöglich machte, wollte man darin nicht an einer Wand - der einzigen übrigens OHNE Fenster und Tür - den Kleiderschrank haben. Das Wohnzimmer wiederum hatte an drei Seiten nur Fenster, so daß man dort weder Regale noch Phono-Möbel stellen konnte von der Höhe und Breite her, und an der vierten Wand war mittig die Zimmertür. Ein Stellen einer Couch etwa, die breiter als 100 Meter gewesen wäre, schied aus.

Befragt von mir, welcher Art "Künstler" oder generell "Mensch" der Vormieter hier gewesen sei bzw. was genau der Vermieter und/oder Erbauer dieser Wohnung für Vorstellungen von "praktischem Wohnen" hatte, bekam ich die Antwort: "Der Vormieter war Koch und so gut wie nie da, der schlief nur hier und hatte die Wohnung auch eher wenig möbliert... die Küche war ihm wichtig und nebendran hatte er ein Bett, und das Wohnzimmer hat er glaub ich gar nicht genutzt, da stand nur ein Sessel und ne Stereoanlage davor..." - "Ah jaaa... und wieso ist die Wohnung dann was für Künstler, nur so aus reinem Interesse?" - "Naja der Vermieter ist auch Koch, Chefkoch am Ersten Haus des Ortes sozusagen. Vier Sterne, der ist ein richtiger Künstler was die Töpfe und Kochlöffel angeht, Sie müssen da echt mal hingehen, kann ich nur empfehlen.."

Ich empfahl dem Makler danach auch was - nämlich mich, und verabschiedete mich von der charmant verkochten Künstlercaprice die sich Wohnung nannte.



to be continued, demnächst....





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