[Zur Problematik der Anthropologie] - German Gothic Board

German Gothic Board

sinistre Kultur
Gothic Forum & Gothic Chat
auf dem Portal von Nachtwelten

German Gothic Board Chat Gothic 500 - Topliste by nachtwelten

Nachtwelten | Gothic Board | Gothic Chat | Boardarchive





Seiten:1



Zur Problematik der Anthropologie

(Klicke hier, um das Thema mit vollen Farben / Abbildungen zu betrachten)



geschrieben von: Hellscream

Anthropologie die Lehre vom Menschen mit der Frage was ist der Mensch

Sollte man denn Mensch als „Der Mensch ist das was er ist“ definieren, was eine mir durchaus nahe liegende Beschreibung für den Menschen ist.

Wesentlich komme ich zu dieser Auffassung aufgrund zwei Gründen. Erstens viele Menschen definieren nur das als Menschlich was für sie die Positiven Eigenschaften des Menschen sind. Dies ist reine Willkür, reines Wunsch denken, Zweck und nicht Ist Orientiert. Zweitens der Mensch ist nicht statisch sowohl biologisch aber und dies ist noch viel Wichtiger da sich an unserer biologischen Ausstattung wenig verändert hat in denn letzten tausend Jahren, kulturell. Man spricht nicht umsonst von einer kulturellen Evolution des Menschen welche ausschlaggebend für unsere heutigen Stand der Dinge ist. Jedoch auch und dies gilt es nicht zu verschweigen, für unsere unbändig erscheinende Selbstzerstörung.

Errettet man sich dennoch nicht zu Definieren was der Mensch denn nun eigentlich ist was er ist. Verstehen wir uns? Nur sind mir auf der einen Seite jene zu wieder welche denn Menschen nur als gut, nur als positiv Definieren wollen und der daraus abgeleitete Begriff der „Menschlichkeit“ von ihnen Missbraucht und entstellt wird. Auf der anderen jene welche den Menschen sowie so von vornherein als „Sündhaftes“ Wesen definieren und sehen wollen, oder für die der Mensch aus anderen Gründen einfach nur verkommen und verabscheuenswert Wert erscheint. Auch hier meist keine Gründe sondern das zurecht rücken der Wirklichkeit auf eigene Interessen oder Zielvorstellungen.

Bei einer reinen biologischen Definition im überigen entfremden wir denn Sinn der Anthropologie als Geisteswissenschaft. „Der Mensch (Homo sapiens) ist ein Säugetier aus der Ordnung der Primaten (Primates). Er gehört zur Unterordnung der Trockennasenaffen (Haplorhini) und dort zur Familie der Menschenaffen (Hominidae)“ Das ist grob formuliert das was der Mensch ist, aus Biologischer Sicht, in dieser Form Geisteswissenschaftlich gesehen aber nichts sagend. Es geht der Geisteswissenschaftlichen Anthropologie sowohl der Philosophischen als auch der Pädagogischen, um Grundlegende Charakteristika des Menschen welche heraus gestellt werden sollen. Natürlich spielen hier die Biologie und die Neurowissenschaft als Naturwissenschaften mit, aber aus meinem Verständnis heraus nur in Bezug auf das bereitstellen von deutungsbedüftigen Ergebnissen welche als Gründe herangezogen werden.

Nun was ist jetzt der Mensch? Und was sind die Grundlegenden Probleme mit dem Umgang mit der Anthropologie in euren Augen?



geschrieben von: Cagliostro

Jede Lehre "lebt" davon, dass sie nach wie vor ergebnisoffen ist. Wäre das Ergebnis bekannt, müsste man die Anthropologie als Lehre irgendwoanders integrieren.
Oder auflösen.
Wir werden vermutlich noch länger das Vergnügen haben.

Das Grundlegende Problem ist wohl, wenn der Mensch genau das Subjekt ist, das objektiv den Menschen erforscht, dass es dabei zu ideologisch verstellten Blickwinkeln kommen kann.
Er mag bemüht sein, aber so ganz wertfrei, objektiv und sachlich kann der Mensch nicht über den Menschen befinden, das geht eigentlich gar nicht.
Der Mensch ist bauartbedingt kaum objektiv.



geschrieben von: Montrose

Zitat:
Jedoch auch und dies gilt es nicht zu verschweigen, für unsere unbändig erscheinende Selbstzerstörung.

Diese Selbstzerstörung ist nicht beabsichtigt. Egal, ob Leute Kriege führen oder den Urwald abholzen, tun sie es nicht aus einem kollektiven Selbstmordbegehren heraus, sondern weil sie sich damit aufbauen oder etwas neues schaffen wollen. Den Menschen als lebensmüden Lemming darzustellen trifft die Sache nicht ganz.

Zitat:
Sollte man denn Mensch als „Der Mensch ist das was er ist“ definieren,

Was soll "der Mensch" sein? Menschen sind unterschiedlich. Somit kann man bei vielen Merkmalen nicht sagen "was er ist", weil er Verschiedenes sein kann.


Zitat:
Auch hier meist keine Gründe sondern das zurecht rücken der Wirklichkeit auf eigene Interessen oder Zielvorstellungen.
Nö, natürlich werden Gründe angegeben. Du tust ja gerade so, als ob Menschen ständig am Lügen erfinden sind ohne jemals Erfahrungen mit der realen Wirklichkeit zu machen. Wenn dem so wäre, wären wir schon längst ausgestorben.

Zitat:
Das ist grob formuliert das was der Mensch ist, aus Biologischer Sicht,

Nö. Aus biologischer Sicht ist der aufrechte Gang, irgendein Knochen im Mundraum, der uns Sprechen ermöglicht, sowie eine starke Ausprägung des Frontalcortex und der Neokortex kennzeichnend.

Zitat:
Es geht der Geisteswissenschaftlichen Anthropologie sowohl der Philosophischen als auch der Pädagogischen,

Hm. Und? Welche Rolle spielt dabei die Vergleichende Ethologie im Sinne eines Irenäus Eibl-Eibesfeldt.
Abgesehen davon: unsere Lebensweise wird auch von der Biologie festgelegt. Wenn wir nicht essen, sterben wir. Menschen fallen nicht vom Himmel, sondern werden durch Frauen geboren.

Zitat:
Und was sind die Grundlegenden Probleme mit dem Umgang mit der Anthropologie in euren Augen?

Es sind dieselben Probleme der gesamten Philosophie und auch der Naturwissenschaften: dass sie allgemeingültige Formeln aufstellen wollen.

Natürlich mit dem Interesse und dem Ziel (huch, eine großartige Erkennntis meinerseits), dass sie wie ein deutscher Richter von Allgemeinregeln auf den Spezialfall rekurrieren können. "Weltformeln" werden selten aus reiner Erkenntnis aufgestellt. Das Ziel der Allgemeinregeln respektive des Rationalismus ist, Recht zu behalten ohne überhaupt noch diskutieren zu müssen. Auf eine Regel zu verweisen ist in etwa so, wie wenn man auf den lieben Gott höchtspersönlich verweist. Die Denkstrukturen von Rationalismus und Katholischem Dogma sind identisch.

So nach dem Motto "alle Frauen sind blöder als Männer", deshalb hab ich Recht und Claudia hat Unrecht. Oder "Alle Menschen sind Lügner", deshalb mißtraue ich dem Klaus.

Genau diesen Irrtum werfe ich den "Denkern" vor, dass sie glauben, man könne ohne weiteres von einer allgemeinen Regel auf einen individuellen Fall schließen.

Was ist der Asuweg. Schwer zu sagen. Sicherlich gibt es allgemeinere Regeln. Um ein konkretes Amt auszuführen muss jemand aber vor allem ein Gespür dafür entwickeln, wann welche Regeln gelten und wann nicht.



geschrieben von: Hellscream

Zitat:
geschrieben von Cagliostro
Jede Lehre "lebt" davon, dass sie nach wie vor ergebnisoffen ist. Wäre das Ergebnis bekannt, müsste man die Anthropologie als Lehre irgendwoanders integrieren.
Oder auflösen.
Wir werden vermutlich noch länger das Vergnügen haben.

Das Grundlegende Problem ist wohl, wenn der Mensch genau das Subjekt ist, das objektiv den Menschen erforscht, dass es dabei zu ideologisch verstellten Blickwinkeln kommen kann.
Er mag bemüht sein, aber so ganz wertfrei, objektiv und sachlich kann der Mensch nicht über den Menschen befinden, das geht eigentlich gar nicht.
Der Mensch ist bauartbedingt kaum objektiv.


Ja, das Vergnügen werden wir wahrscheinlich noch sehr lange haben. Ach wegen der von mir angesprochenen Flexibilität des Menschen. Ja, die Ideologie und die Utopie als Problem der Anthropologie sind wahrscheinlich eines der schwerwiegendsten Problematiken in diesem Bereich. Das ganz Objektive sehen ist schwer Möglich, so weit stimme ich auch überein, aber sich bewusst zu sein über seine Sicht schon eher. Hier für braucht es entsprechend gebildete Menschen die der Reflexion mächtig sind, braucht es Erkenntnis Theorie und wissenschaftliche Methode. Die Frage stellt sich hier nach den Grenzen dieser Methoden, Denkweisen und Perspektiven letztendlich auch weil sie wiederum nicht unabhängig vom Menschen gedacht werden können. Aus dieser Begrenztheit kann man schon einen Punkt ganz klar heraus lesen. Der Mensch ist in der jetzigen Form begrenzt an sich. Ein begrenztes Wesen also. Und noch etwas könnte man feststellen denke ich. Der Mensch ist auf sich selbst bezogen in Abhängigkeit seiner aufgewiesenen Perspektive.



geschrieben von: Cagliostro

Ach, die Flexibilität des Menschen...

...die kramt er nur heraus,wenn er sich so gar nicht mehr bewegen will.
Auf fast militante Weise.
Da werden dann Positionen vertreten,die Monate vorher noch Tabu waren.
Das ist so, wie wenn ein Mann aufs Damenklo ginge, wenn es ihm was nützen würde. Kommt eher selten vor.
Deswegen ist ja das Thema mit der Flexibilität so suspekt.
Der Mensch an sich will sich in Grundsatzfragen kaum bewegen, aber um dies zu tun, ist ihm jedes Mittel recht und sei es der Verrat von tatsächlichen oder angeblichen Prinzipien.



geschrieben von: Hellscream

Das kann ich schon irgendwie nachvollziehen. Besonders in Anbetracht irgend welcher vermeintlichen Apostel der Wahrheit. Also ist der Mensch nicht Flexibel wenigstens nicht bezogen auf seine Perspektiven beziehungsweise die Dinge die er als Wahrheiten ansieht. Er tut sich nur schwer sich neue Perspektiven zu erwerben und seine Sichtweisen zu erweitern, zu ändern oder zu verwerfen. Gut vielleicht war das Wort meinerseits auch falsch gewählt. Die Aussage die ich im Beitrag zu Anfang des Themas wählte „Der Mensch beziehungsweise seine Natur ist nicht statisch“ erscheint mir allerdings richtig. Die Frage die sich mir hier gerade aufdrängt ist ab wann man denn Menschen in diesem Fall noch als Menschen definiert? Was wiederum auf die Frage hinaus läuft: „Was ist der Mensch eigentlich?“ oder „Was ist das zentrale Wesensmerkmal des Menschen?“



geschrieben von: Montrose

Zitat:
Das ganz Objektive sehen ist schwer Möglich,

Wahrscheinlich ist es völlig sinnlos, es "objektiv" sehen zu wollen.

Menschen zeichnen sich dadurch aus, dass sie in Konflikten Kompromisse suchen. Die "objektive" Wahrheit ist bei diesen Prozessen eher störend. Denn sie würde bedeuten, dass einer immer recht und der andere nichts zu melden hat.

Zitat:
Der Mensch an sich will sich in Grundsatzfragen kaum bewegen
Warum sollte er auch?

@Hellscream .... die philosophische Schiene oder "der Mensch an sich" sind eine Sackgasse, wo Du nirgends hinkommst.

Das, was Du schreibst, ist doch recht zusammenhangloses Geblubber.

Such Dir einen konkreten Sachverhalt heraus und arbeite daran. Am Konkreten macht man Fortschritte. Fragen nach dem "Allgemeinen" führen nur zu Nonsens.


edit: Ein Problem bei der Frage nach dem "Menschen an sich" ist, dass man sich selbst außen vor läßt.

Alles, was einem wichtig ist oder was einem an anderen nicht paßt, kann man ja gerne selber tun. Und wenn einem das nicht paßt, kann man mit anderen einen Streit anzetteln. Und wenn einem das nicht paßt, kann man nur dasitzen und lamentieren. Aber wie auch immer, das eigene Ich ist da immer mit drin.

Anthropologie kann also durchaus bei einem selbst anfangen. Wenn ich wissen will, wie der Mensch ist, dann schaue ich mich selbst an, denn ich bin ein Mensch.



geschrieben von: Cagliostro

Warum soll der Mensch forschen, Wissen anhäufen usw., wenn er kein Interesse hat, sich geistig zu bewegen.
Nach den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit bewegt er sich kaum.
Kriege z.B. entstehen, weil keine Seite im Kompromiss eine Lösung erkennen kann.
Ein für den Menschen häufiger Schluss.

Wie ist der Mensch?
Er ist für diese Welt eine Plage, aber alle Dinge, die wie eine Selbstsicht aussehen, werden gerne unter den Tisch gekehrt, auf dass Er (der Mensch) so weitermachen kann, wie bisher.



geschrieben von: Ronin76

Trockennasenaffen - gefällt mir :D
Fließnasenaffen wäre jedoch bei den vielen Allergikern heutzutage auch ganz treffend. Vielleicht sollte das mal ein schlauer Professor neu definieren. ;) Interessant ist auch die Unterkategorie der Nachtaffen.

Zitat:
Nun was ist jetzt der Mensch? Und was sind die Grundlegenden Probleme mit dem Umgang mit der Anthropologie in euren Augen?

Diese Fragen können nur subjektiv beantwortet werden, daher werden sie ein sehr breites Spektrum an Antworten ermöglichen. Des weiteren ist der Homo sapiens im Vergleich zu anderen Trockennasenaffen auch nur sehr schwer auf wenige Dinge zu reduzieren, denn genau das ist die Aufgabenstellung der Frage. Der Mensch unterscheidet sich evtl aufgrund seiner Kreativität und feinmotorischen Fähigkeiten signifikant von den Affen und den meisten anderen Tierarten, aber ganz sicherlich durch seine große Agressivität gegenüber allen anderen Lebewesen, welche auch ganz eindeutig kannibalische Anteile haben. Und zwar direkt und indirekt. Ohne diese Gegebenheiten gäbe es wahrscheinlich heute in der erbarmungslosen Natur keine Menschen mehr.



geschrieben von: Hellscream

Man könnte auch sagen das der Mensch überlebte aufgrund seiner Möglichkeit die Umwelt zu gestallten (das schließt die Aggressivität gegenüber dieser mit ein) und sie sich nutzbar zu machen. Außerdem kommt denke ich der sozialen Ausprägung in Form der Gesellschafts Bildung in der sich eine Kultur manifestiert eine große Rolle zu. Ich habe mich dazu Entschlossen die Abgrenzung zur Biologischen Definition aufzugeben, es führt zu nichts. Das eine Bedingt das andere und umgekehrt.

„Der Mensch (Homo sapiens) ist ein Säugetier aus der Ordnung der Primaten (Primates). Er gehört zur Unterordnung der Trockennasenaffen (Haplorhini) und dort zur Familie der Menschenaffen (Hominidae). Die Ökologische Nische des Menschen ist die Gesellschaft und Kultur ohne die er als Mängelwesen nicht überleben könnte. Der Mensch zeichnet sich insbesondere dadurch besonders aus das er seine Umwelt mithilfe der Kultur aktiv formt. Der Mensch ist notgedrungen ein soziales Wesen, ohne die Gesellschaft ist er zum Niedergang verurteilt. Er kann nicht nicht kommunizieren und baut notgedrungen zu seiner Umwelt einen emotionalen Bezug auf, er ist ein emotionales Wesen. Der Mensch ist auch ein intentionales Wesen, er bezieht seine Umwelt auf sich. Der Mensch ist Grundsätzlich ein begrenztes Wesen.“

Ab imo pectore Hellscream Midgard Der Moloch





vBulletin Copyright ©2000 - 2003, Jelsoft Enterprises Limited.
vB Easy Archive Final








eXTReMe Tracker