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Missed you like hell - welcome back

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geschrieben von: Hrefnadis

Du bist zurück, grünäugige Nemesis. Dieses eine Mal gedenkst Du wohl auch, in meinem Leben zu bleiben. Ich sehe das inzwischen mit sehr gemischten Gefühlen. Ich hatte endlich meinen Frieden halbwegs gefunden, ich wusste, dass Du lebst und es Dir so weit gut geht. Was jetzt kommt, wissen die Götter, ich selbst weiss es nicht, das wird die Zukunft zeigen müssen. Ich wünschte mir, ich könnte Dich ebenso in mein Leben integrieren, wie ich dass nach zig Animositäten über die letzten Monate auch mit Wolf geschafft habe. Doch irgendwas sagt mir, dass dies Wunschdenken bleiben wird.

Auf jeden Fall ist die Zeit des Trauerns vorerst vorbei. Und deshalb decke ich gnädig den Schleier des Vergessens über die letzten 5 Jahre ohne Dich.

Auf ein Neues. Live goes on.



geschrieben von: Hrefnadis

Der Platz auf der Bühne bleibt leer. Die Sackpfeifen machen Krach, die Trommel gibt den Takt dafür und im Hintergrund die Zupfinstrumente. Und dennoch bleibt eine kleine, kaum wahrnehmbare Lücke sowohl auf der Bühne als auch in der Musik. Da, wo die große Pipe einsetzen müsste, legt sich ein feines Schweigen über die trotzdem brachial laute Musik.

Mein Lieblingsmusici erscheint nicht, obwohl ich dieses Mal da war. Rache für die letzten Ausweichmanöver meinerseits? Vielleicht, vielleicht auch nicht.

"Du weisst doch, er ist ein richtiger Großstadtindianer. Der kommt und geht wie der Wind. Würden wir ihn einschränken, käme er nie mehr. Deswegen fragen wir nicht, sondern genießen, wenn er da ist. Er ist halt der Beste hier."

Ich stimme dem Wirt lächelnd zu. Schade, mir wäre heute so sehr nach seiner Aufmerksamkeit gewesen. Egoistisch, auch das. Es hätte mir für eine Weile den Gedanken an grüne Augen genommen, den feinen Schmerz, der sich in meine Seele bohrt, gemindert mit den süßen, schwermütigen Weisen, zu denen er sich spät am Abend oft flüchtet. Blutendes Herz in Tönen verpackt.

Ich hatte fast vergessen, was ich vermisst habe. Jenen Teil von mir, den ich jetzt überraschenderweise um so mehr misse, weil ich weiss, dass er in Reichweite ist. Nur einen Anruf, eine sms oder eine Mail entfernt. Ich hatte auch vergessen, wie es ist, so zu fühlen. Alles in Aufruhr. Schlimmer noch als vor Monaten, als mich Wolfs Gegenwart so aus der Fassung brachte. Wolf war mir nie so nahe gewesen. Gegen Wolf habe ich mich auch immer noch wehren können.

Hilflos strecke ich wieder einmal die Waffen. Am ehesten noch vor mir selbst.

Kühle, unpersönliche kleine Nachrichten. Morgen bekomme ich Bescheid, ob es diesen Monat noch klappt mit einem Treffen. Morgen. Und es macht mich immer noch total fertig, dass er meine Handynummer hat und sie auch nutzt. Und ich weiss auch, dass er die smsen absichtlich so anonym hält. Immer noch die Ambivalenz dem geschriebenem Wort gegenüber.

Reden. Am besten mit Augenkontakt. Das war Dir immer schon sehr viel wichtiger. Vielleicht ja auch bald möglich.

Ich hab Angst davor. Keine Ahnung, wie wir aufeinander reagieren. Nicht die geringste. Geht Dir ähnlich, spüre ich.

Nichts ist mehr wie vorher und doch ... Bleib bitte. Ohne Dich war die Welt so verdammt grau.



geschrieben von: Hrefnadis

Erschöpft. Eigentlich schon seit Tagen kränkelnd, aber gestern war da nichts von zu sehen.

Man gebe mir Gewandung und meinen Bogen, dazu ein halbwegs passables Event und schon ist dies mein bestes Medikament! Dazu ist es schier ein unglaubliches Gefühl, über einen ausgedehnten Mittelaltermarkt zu gehen und schlicht nicht weiterzukommen, weil man überall aufgehalten wird. So viele bekannte Gesichter. Wie eine Katze schnurre ich vor Vergnügen durch die Lager und hole mir bei jedem meiner Lieblingsmenschen eine Umarmung, einen Knuddler und/oder einen dicken Schmatz ab.

Wolf strahlt mit der Sonne um die Wette. So unglaublich gut aussehend. Ich bin stolz auf ihn. Auch auf die Erfolge, die er hat. Ich bekomme meinen festen Knuddler auch hier und einen Kuss nur aufs Haar, weil "ich sonst doch nur wieder Probleme kriegen würde." Lachender Wolf mit blitzenden Augen und tausend Anspielungen. Und im Geheimen denke ich mir wieder: Was für ein Mann! Und erst als zweiter Gedanke folgt: Was für ein Freund!

Mein Mann und mein Sohn müssen früher zurück. Ich stehe bei ihnen, bei meiner kleinen Familie, ich als einzige bewaffnete Gewandete bei jenen, die ich mit meinem Leben verteidigen würde und doch .. So symptomatisch. Der Ruf des ausgebildeten Herolds schallt über den Markt. Ich küsse meine beiden Männer schnell, packe meinen Bogen fester und husche im Laufschritt, dem Befehl Folge zu leisten. Ich bin die letzte, die unter dem Banner steht, von den anderen deutlich überragt. In geschlossener Formation verlassen wir den Platz, begleitet von den grüßenden Blicken des Lagervolks und den erstaunten der Touristen. Die Stimme des Herolds mischt sich mit dem herrlichen Bariton Wolfs und darüber legt sich meine Altstimme wie ein fernes Zwitschern über dunklen Tiefen. "Zehn Söldner sannen wir gewesen ...."

Vornweg der Herold mit dem Banner, rechts und links neben ihm die anderen und als letzte, alle im Blick habend - ich, die Fernkämpferin. Ab und an ein warmer, lächelnder Blick über die Schulter von Wolf.

Später, Gemeinsamkeiten. Das regelmäßige "Plopp" der Pfeile ... Schwertergeklirr, der Geruch von brutzelndem Fleisch über dem Lagerfeuer. Wir stoßen an auf uns. Wir sind.

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Ich bin alleine zu unserer Operationsbasis aufgebrochen. Söhnchen fiebert - schon wieder einmal. Und auch ich fiebere wohl ein bisschen. Aber Wolf rief. Als ich um die Ecke komme, stockt mir der Atem. Wolf, bis zur Hüfte unbekleidet, werkelt hingebungsvoll an unserer Lagerausstattung. Wir kennen uns so verdammt gut, aber ich habe es bisher immer vermieden, ihn so zu sehen. Durchtrainiert, athletisch, aber mit sympathischem Bauchansatz. Er sieht hoch und weiss, was ich denke. Verlegen quatsche ich ihn einfach zu und er lässt es schmunzelnd geschehen.

Später, die neuen Pfeile funktionieren endlich, ohne ihre Spitzen zu verlieren, die Tafel ist wieder ein Stück kompletter und das Fleisch über dem Feuer durch. Wir spinnen vor uns hin über all das, was wir noch erreichen wollen und freuen uns aneinander.

Wolf nimmt mich dann doch noch in seine Bärenarme, als ich gehen will. Geruch nach frischem Schweiss und viel zu viel Mann. Auch er merkt, dass - so halbnackt - das doch irgendwie anders ist.

"Danke fürs Kommen."

Nicht notwendig, nie.

Und zu meinem Geburtstag wird es eine richtig große Feier geben, wenn ich wieder da bin. Versprach mir Wolf. Und bis dahin werde ich meinen Stickrahmen bekommen, das weiss ich, auch wenn seine Freundin sagte, dass er ewig für Gefallen braucht, die man bei ihm in Auftrag gibt.

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Und doch habe ich viel an meine Nemesis gedacht - wenn ich dazu kam. Vorhin sprah ich mit ihm. Es wird schwierig, einen Termin zu finden. Zu stark eingespannt sind wir beide. So völlig unterschiedliche Leben. Und doch so ähnlich. Würde ich einen Roman mit allen wirklich vorhandenen Details darüber schreiben, würde man sagen: Science Fiction. Aber es ist nun mal so, wie es ist. Jetzt muss ich überlegen, ob ich einfach auf Verdacht nach München fahre .... eine Zusage kannst Du nur extrem kurzfristig geben ... wie früher.

Und doch geht auch hier kein Weg vorbei. Du riefst, ich werde kommen, wenn nicht dieses Mal, dann später.

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Wölfe unter sich.

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Ich habe Fieber.



geschrieben von: Hrefnadis

Lethargie. So ein bisschen zumindest. Keine Ahnung, was zu tun sei. Mein Leben spielt sich jetzt fast ausschließlich hier ab. München scheint so fern. Der Ruf eines anderen Freundes heute per sms - fast befremdlich. Engels Stimme am Telefon, die Zeit, da wir gegenseitig unsere Gedanken lesen konnten, scheint so weit entfernt wie der Mond.

Der Gegensatz dazu. Wolfs feste Umarmung heute, seine süße Freundin, ihre Wärme, die anderen ... morgen wieder Dudelsäcke und Met dazu. Ich lebe für die Lager, für alles, was damit zu tun hat, die Freiheit zu sein, was ich bin. Durch die Wohnung ziehen seltsame Gerüche, Farben, frisches Leder, Sägespäne ..... und es macht Freude, Dinge zu schaffen.

Ich war so lange nicht mehr mit mir so sehr im Reinen.

Wäre da nicht die ferne Erinnerung an eisgrünes Feuer.

Doch auch das fange ich an, abzublocken, obwohl ich weiss, es ist ein Fehler. Doch ich bin gerade so verdammt .... tatsächlich .. glücklich. Wissend, dass das nicht lange anhält. Tut es nie. Dazu bin ich zu unstet. Aber ich will das, was wächst, nicht zerstören. Will nicht wieder mich vor Sehnsucht zerfressen. Und doch .... weiss ich nicht, dass spätestens der Herbst wieder die Erinnerung zurück bringt?

Die Treue der Wölfe .... unerschütterlich, möchte man meinen. Doch auch das weiss ich besser. Leider.

Nichts ist für ewig. Obwohl man so sehr darauf hofft. Was würde ich heute in diesen herrlichen grünen Augen für mich sehen? Könnten sie mit der Wärme und Sicherheit auch nur annähernd konkurrieren, die ich in Wolfs Augen finde? Und warum reicht mir dennoch genau das bei Wolf manchmal nicht aus? Warum möchte ich dieses verzehrende Feuer finden, zu dem nur ein Mensch fähig ist, zerrissen bis ins Mark seiner Seele ... wie ich manchmal?

Unfähig, etwas zu tun, lasse ich zeit verstreichen, lebe mein Leben und hoffe auf einen Impuls, der mir die Entscheidung abnimmt. So oder so.



geschrieben von: Hrefnadis

Ich stehle mich durch die Nacht, vorbei an Großbildschirmen und anfeuernden, wie unter Zwang stehenden Menschenmassen, hypnotisiert durch diesen komischen kleinen Ball auf der Mattscheibe.

Bis - so unendlich beruhigend - der Klang von Trommeln mich erlöst. Ein Stückchen neue Heimat, Umarmungen, mein Feierabendbierchen, der Tag kann ausklingen. Eine warme Hand, die sich auf meine Schulter legt, ein sanfter Kuss auf die Wange. Wenig später setzt der große Dudelsack gewohnt virtuos ein.

Die Nacht ist kühl, doch die Gesellschaft wärmt. Die Musik, leise geflüsterte Worte, die der Wind verweht, Kletterpartie über Beton und Sand, die Hand, die mich hält, damit ich nicht stürze, die Trommel, die an meiner Hüfte lässig baumelt.

Ich weiss nicht einmal, was für eine Farbe Deine Augen haben, Musikus. Ich kenne sie nur im Schein der Kerzen und im Dämmerungslicht des Morgengrauens. Doch ich weiss, sie sind nicht grün. Bin ich mir sehr sicher. Sie haben die Macht, mir tiefe Bewunderung und Zuneigung zu entlocken, aber keine Liebe.

Ich kehre heim. Wie es sein soll, wie es sein muss. Wie jedes Mal, wenn ich - für ein paar Stunden - völlig frei sein durfte. Und ich weiss mein Heim wieder zu schätzen. Weil es mir Heim ist.



geschrieben von: Hrefnadis

"Meine Sonne ...." beginnt die SMS. Ich stutze, es gibt nur zwei Menschen, die mich mit Kosenamen belegen (dürfen), von keinem von beiden ist die kleine Nachricht. Doch noch bevor ich zur Unterschrift gelangt bin, sehe ich diese herrlich strahlenden grünen Augen vor mir. Übermüdet, sehr erschöpft, weil auf einer anstrengenden Exkursion tippe ich - bis zu dem Knien schlammverspritzt, zwischen halsbrecherischen Kletteraktionen auf rutschigen Burgruinen - eine Antwort. Keine Zeit für ausgefeilte, kühle Überlegungen, die Antwort kommt aus dem Bauch, emotional und ehrlich. Sie fängt an mit "Mein Nachtstern ..." Ich weiss, es wird keine Antwort geben, erst in ein paar Tagen wieder oder sogar Wochen, wenn eine neue Terminplanung für ein Treffen möglich ist, da sich die für diesen Monat zerschlug.

Später - bei genauerem Überlegen - Ambivalenz. Und irgendwo ganz hinten auch Erleichterung über die Absage. Habe ich nicht alles - nein sogar mehr - was man sich nur wünschen kann? Und habe ich nicht inzwischen auch wirklich alles getan, mir diese Augen aus dem Kopf zu schlagen? Warum klappt das nur nicht? Oder zumindest nie auf Dauer ....

Mein Söhnchen schläft ... ich sollte meinen Kopf frei bekommen und auch noch ein paar Stunden Schlaf abgreifen ... in der Hoffnung, dass mir das grüne Gletschereis nicht in meine Träume folgen wird ....



geschrieben von: Hrefnadis

Diesmal brach ich das Schweigen ... wieder eine kleine SMS, ein fast durchsichtiges Gespinst im Vergleich zu den dicken Tauen, die uns früher aneinander banden. Aber Spinnenseide ist unglaublich reissfest und klebrig, nicht?

" ... Manchmal würde ich gern kostbare Momente verpacken, um sie mit Dir teilen zu können."

Diese herrliche Kathedrale, z.B. Das Licht der bunten Scheiben in Deinen Augen gespiegelt zu sehen. Schweigend die perfekten Abbilder wahrer Schönheit und Ritterlichkeit bewundern. In Minuten Hunderte von Jahren zurückreisen, sich die Hände vorzustellen, die diese Perfektion schufen. Zusammen über das Rätsel diskutieren, was diese Figuren bis heute umgibt, ihre Magie. Ich bin fast sicher, Du kennst diesen Ort auch. Ich würde ihn so gern mit Dir erleben. Die steinerne Schönheit mit Deiner lebendigen bereichern.

Wunschträume, wie damals. Tagdinge.

Als wenn ich Zeit dafür hätte. In meinem Leben ist kein Platz mehr für Dich, wenngleich meine Seele das wohl anders sieht. Immer bist Du es, an den ich denken muss, wenn mir etwas Schönes die Sprache verschlägt.

Grünes Eis. Sehnsucht.



geschrieben von: Hrefnadis

Die Hände bis zu den Armen im Dreck. Wieder einmal ganz spießig Balkonbepflanzung. Die beiden Vorträge, die ich nächste Woche halten soll, liegen erst einmal auf Eis und da liegen sie gut. Mein Hirn ist momentan wie leergefegt. Ich weiss, meine Kommillitonen sehen das anders "wandelndes Lexikon", jaja. Neben den Madonnen und Kleopatras Liebschaften geistern viel zu sehr andere Dinge in meinem Kopf herum. Gehe ich morgen nun dem Ruf der Dudelsäcke folgen oder nicht? Monsieur le Musikus meldete sich erwartungsgemäß nicht, entweder er ist da oder auch nicht. So wie ich das sonst immer tat. Da sein oder halt auch nicht. Was vergebe ich mir? Außer ihm vielleicht mein Interesse zu zeigen? Bricht mir das einen Zacken aus der Krone, ihn zu mögen? Ihn, den Gaukler, den begnadeten Musiker? Ich weiss so wenig von ihm und so viel. Die Überraschung in seinen Augen, als er feststellte, dass ich ihm hinterhergeschnüffelt hatte. Die Interviews, die online-Artikel, alles gelesen. Interessant. Durchaus. Und ich mag die schräge Haltung seines Kopfes, wenn ich ihn ärgere, das kurze Zusammenziehen der Augen, verbunden mit einem Lächeln hat etwas Katzenhaftes. Allerdings habe ich ihn auch schon anders erlebt - abweisend. Jedoch nicht mir gegenüber. Irgendwo scheine ich mir Minderwertigkeitskomplexe antrainiert zu haben. Früher hätte ich mir nie Gedanken darüber gemacht, wie ich auf andere wirke. Nun frage ich mich ernsthaft, ob er mich auch so abweisend behandeln könnte und warum. So ein Blödsinn! Anscheinend traue ich wirklich niemandem mehr. Zumindest niemandem Neuen. Selbst vor Wolf habe ich meine Geheimnisse. Gerade vor ihm. Skuril. Wieder einmal stelle ich fest, wie sehr ich doch einen Knacks weg habe. Zu viele Verluste durchlitten.

"Frau, was hältst Du nur von mir?"

Die Frage, gestellt von einigen Wochen. Undefinierbare Augen, die mich halb belustigt, halb beleidigt, fixieren. Vielleicht ist es mir am liebsten, Dich so zu sehen, wie Du für die Außenwelt gern zu sein scheinst, Musikus. Obwohl ich es besser wissen sollte. Als Luftikus kann ich mit Dir spielen, als Mensch muss ich mich mit Dir auseinander setzen. Will ich das? Irgendwas in mir scheint es zu wollen.

Deine Gegenwart tut mir auf jeden Fall gut. Nicht die latente Spannung, die ich mit Wolf habe, sondern das unverbindliche Verbindliche, das ich bereits von D. schätzen lernte. Hinzu kommt noch die unglaubliche Lebenserfahrung, die hinter jeder Note steht, die Du spielst. Wir begegnen uns immer auf Augenhöhe, Narben genug tragen wir beide auf Körper und Seele.

Soll ich wieder jemand in mein Leben lassen?

Gleichzeitig habe ich das Gefühl, meine alten Freundschaften werden brüchiger ... und das missfällt mir, denn auf die neuen ist (noch) kein Verlass. Vertrauen. Da hakts. Selbst bei Wolf streckenweise immer noch. Vielleicht habe ich verlernt, mich fallen zu lassen.

Na, nicht ganz, oder? Die Hand die mich hielt letztens. Die schlanke Gestalt, die über die Brüstung setzte, die mir deutlich zu hoch war, da sie fast in meiner Schulterhöhe endete. Korkenzieherlocken, die über den Arm fielen, der sich mir entgegen reckte. Und die Hand, die ich nahm, vertrauend in ihre Stärke und darin, dass sie mich nicht fallen lassen würde. Hat sie auch nicht.

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Früher waren die Augen hinter der Hand, die mich bei diversen Kletteraktionen durch nächtliche Wälder hielt, übrigens grün.

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Musikus: "Weisst Du eigentlich, dass man unser beider Vornamen auch anders übersetzen könnte? Dann heisst es nämlich >>ohne Ehre<<."

ich (lachend): "Das passt doch hervorragend."



geschrieben von: Hrefnadis

Musiker .... meine Ahnung trog mich doch nicht, hmm? Ich hab zu viel mit Deinesgleichen zu tun und zu tun gehabt in meinem Leben. Trotzdem ärgere ich mich am meisten über mich selbst, glaub mir, auch wenn die Aktion gestern alles andere als fair von Dir gewesen ist. Aber ich habe überreagiert. Es gab keine Möglichkeit für mich, in Ruhe ein paar Worte zu wechseln mit Dir. Vielleicht habe ich mir die Chance dazu jetzt verbaut mit der reinen, ungeschminkten Reaktion einer zutiefst wütenden Frau. Du hast mich auch genau da erwischt, bei meiner Fraulichkeit. Ausgerechnet. Und Du kennst mich viel zu wenig, um meine Reaktion richtig interpretieren zu können. Und erklären kann und will ich mich nicht. Der klitzekleine Moment, da wir hätten wirklich einen Bezug zueinander finden können, vorbei. Dabei weiss ich, Du hast es nicht halb so gemeint, wie es raus kam. Alkohol, Unsicherheit, Jagdlaune, alles zusammen. Und das Gefühl, eingeengt zu werden - was ich niemals vorhatte, Dich einzuengen. Und dann hast Du um Dich gebissen. Ja, ich suche nach Entschuldigungen für Dein Verhalten, doch die Vorgeschichte dazu ist selbst für mein Talent, mir die Alleinschuld zuzuschieben, absolut unentschuldbar. Ich bin kein gefühlloses Stück Holz, le Musikus. Und ich kann sehr wohl richtig sauer werden. Mein Temperament, was Dir so liegt, kann sich auch gegen Dich wenden. Gib mir nur das Gefühl, beliebig austauschbar zu sein, so wie gestern.

Dabei hatte ich echt das Gefühl, ich hätte Dich wirklich mögen können. Wahrscheinlich ist jetzt alles den Bach runter. Ich hab keine Ahnung, welche Erinnerungen Du heute noch hast an den Abend und - wie der Abend für Dich weiter verlief. Ach verdammt. Immer alles so kompliziert mit den zwischenmenschlichen Beziehungen. Ich kenne Dich zu wenig, um mir sicher sein zu können, was Du jetzt über mich denkst. Wahrscheinlich wenig Positives. Ich kann Dich nicht mal fragen und wenn ich es könnte, würde ich es nicht tun. Verletzter Stolz.

Dabei fing der Abend so gut an. Wir saßen lange beieinander, steckten die Köpfe zusammen und unterhielten uns. Ich war fast in vollem Ornat da, leuchtete förmlich in unseren Farben Rot und Schwarz. Du sahst verdammt gut aus, braungebrannt vom Markt letztes Wochenende. Schmunzelnd musste ich bei dem Anblick an Wolf denken, der auch in der Saison so schnell Farbe und Form gewinnt und ganz weit hinten kitzelte mich die Erinnerung an den gestählten, von der Sonne verbrannten Leib meiner Nemesis. Auch er dürfte gerade in Höchstform sein. Jagdzeit. Und ich hatte glatt vergessen, dass ich kein prädistiniertes Opfer bin. Das tauchte dann aber auf und in diesem Moment war ich abgemeldet. Man könnte meinen, im Umgang mit Raubtieren wird man das irgendwann mal gewohnt, aber dem ist nicht so. Und manchmal, wenn solche Situationen einen auf dem falschen Fuß erwischen, brennen auch schon mal die Sicherungen durch. Vor allem, wenn man sich selbst gegenüber dem anderen absolut unsicher ist. Shit happens.

Dabei war ich nahe an einer Definition dieser Augenfarbe, die ich jetzt aus nächster Nähe wohl erst einmal nicht - wenn überhaupt - wieder sehen werde. Doch was mit grün ... blaugrün vielleicht?

Und ich werde die angefangenen Zeichnungen von Dir fertig stellen ... sie zeigen Dich beim Musizieren vollkommen in die Melodien versunken. Und Du wirst sie genauso wenig zu Gesicht bekommen, wie Du weisst, dass ich hier zu Hause selbst eine kleine Flötensammlung beherberge und nachher einige der Lieder nachspiele, die ich gestern von Euch hörte. Viele Facetten, ein Stein. Wie immer.

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Jedenfalls hat mich dieses Ereignis Eines gelehrt - vorsichtiger zu sein, NOCH vorsichtiger. Ich brauche nichts Neues. Es reichen die alten Beziehungen, oder? Und auch die seltsam enge, seltsam distanzierte zu Wolf, nicht? Mein Leben ist geordnet und übersichtlich (für mich). Was brauche ich mehr?

Gar nicht seltsam, dass ich nach meinem kleinen Wutanfall unter dem hellen Nachthimmel Berlins stand und mich nach den Zeiten zurücksehnte, da ich genau wusste, was mein Gegenüber dachte und fühlte, weil es immer jemand war, den ich viele Jahre lang kannte. Und noch weniger seltsam, dass ich erneut meine Reisepläne für München ausgegraben habe. Ich möchte mich in Arme flüchten, die mich umfangen und mich halten, weil der Mensch dahinter mich versteht ohne Erklärungszwang. So wie ich das bei meinem Mann kann. Immer. In absolut jeder Situation. Aber so wie es mir auch niemals reicht.

>>ohne Ehre<< Definiere Ehre. Wenigstens tue ich niemandem weh. Außer mir selbst und das reichlich.

Was gäbe ich für ein paar Minuten Deiner Stimme, schöne Nemesis ....

... und für ein gutes Frühstück mit meiner besseren Häfte ....

das eine jetzt, das andere heute Abend. Balsam.



geschrieben von: Hrefnadis

Kein Wunder.

Morgen werde ich mich mit Schandor treffen, meinem ungarischen Wildfang. Morgen ist Sommersonnenwende. Irgendwie sind es immer die heiligsten Feste, nicht? Ein weiteres Stück alte Heimat, Münchner ... und vielleicht treffen wir uns auch mit den anderen heimatlosen Münchnern hier in Berlin. Um die Häuser ziehen, die Kneipen abklappern, die das gute Augustiner führen und von alten Zeiten schwärmen.

Und: Nicht aufpassen müssen, was man sagt und was man tut. Sich in Schandors weiches, feines Haar graben zu dürfen, ihm den Kopf zu verdrehen und gleichzeitig genau zu wissen, wie man zueinander steht. Tiefe Zuneigung der wolfsgleichen Sorte. Seit jenem Tag vor so vielen Jahren, als ich auch den anderen grünäugigen Wolf kennenlernte, der mir zur Nemesis wurde später. Das Schicksal ist manchmal ein seltsamer Wegbereiter.

Vielleicht ziehe ich das mit der Geburtstagsparty wirklich durch. Nicht die, welche Wolf für mich geplant hätte .... nein, sondern eine unter Wölfen. Unter jenen, die in der Nähe sind und meinem Ruf folgen können und wollen. Weniger als eine Hand voll sind es noch. Und viele davon sah ich sehr lange nicht. Ich würde sie gerne mit den neuen Bekannten zusammen versammeln. Unter dem Klang der Dudelsäcke und Trommeln. Durchaus mit dem Hintergedanken, sowohl dem jetzigen, aktuellen Wolf als auch einem gewissen Musikus, sollte er da sein, zu zeigen, aus welchem Backround ich komme, wer mich unter anderem prägte. Es werden viele fehlen - die Münchner vor allem, der andere Part der Musici, der rauhere, wildere. Die anderen, über Deutschland verstreuten Freunde ... meine Engel nicht zu vergessen, inzwischen wieder alle drei. Das Heerlager zu meinem 30. oder meine Hochzeit - so fast vollständig werden sie nie wieder zusammen kommen. Die Menschen, für die ich im Zweifelsfalle so ziemlich alles tun würde, die mich lehrten, so zu sein, wie ich bin. Und die ich jeden einzelnen auf seine Art ein wenig liebe, die sich meine Liebe teilweise auch hart erkämpft und durchaus schwer verdient haben.

Zitat Schandor: Der Tag, an dem Du ein Mal auch nur temporär einfach gestrickt bist, wird die Hölle zufrieren.

Ja. Allerdings. Deswegen ist es ja auch so verdammt schwierig mit mir auszukommen, für andere und besonders aber auch für mich selbst.

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Wolfs maskuline Gestalt, die am selben Platz steht, wo ich ihn vor vielen Monaten ansprach. Lässig, leger, entspannt. Erfreut, mich so überraschend zu sehen. Eine lockere Verabredung für einen Abend in der nächsten Zeit allein zu zweit. Mal wieder eine Runde quatschen. Die scherzhafte Frage Wolfs, wieviel Whisky er denn intus haben müsse, um das Gesprächsthema auch nur halbwegs zu ertragen. Er mag Gefühlsduseleien nicht. Mein absolutes Spezialgebiet. Wir lachen. (Inzwischen.) Und jedes Mal, wenn das so ist, weiss ich, wieviel Arbeit das gekostet hat, so relaxt zu sein und wieviel Arbeit es manchmal immer noch kostet. Ich sehe ihn, wissend, dass ich diesen Mann mehr als das übliche Wolfsmaß lieben könnte, wären die Umstände anders und ... wäre der Platz nicht immer noch belegt.

Wolf, der so viel von mir weiss und manchmal so wenig. Und viel mehr ahnt, als mir lieb ist. Manchmal, manchmal auch nicht. Seelenfreund auch er. Darin meiner Nemesis gleich. Doch so faszinierende Männer mir auch begegnen, Musiker, Krieger ... in all den Jahren war nicht einer, der hätte meine Erinnerungen relativieren können. Nicht mal Wolf.

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Momentaufnahme. Blonde schwere Locken, die sich über das schwarze Shirt ringeln, fast bis zur Taillie fallen sie. Irgend ein Gespräch mit den Jungs. Helles grünes Eis, aufmerksam funkelnd, blendend, bestechend. Das schöne, edle Profil, das durch den hellen Schatten des Dreitagbarts einen männlichen Einschlag bekommt. Die Lippen fast durchgängig zu einem kleinen hochmütigen Lächeln gekräuselt. Ich stehe daneben, unbeteiligt, abwesend, schweigend, weil alles, was ich sagen könnte, zu bösen Auseinandersetzungen führen würde. Sie, die mich so oft an Deiner Seite sahen, wissen nicht, wer ich bin. Und das ist gut so. Meine Hand liegt ganz unmotiviert auf Deiner Hüfte, gehalten vom Bund der Lederhose. Manchmal streift mich der Blick aus grünen Gletschern und ich vermeine, ein belustigtes Funkeln zu sehen. Später wirst Du mich fragen, ob ich Deine Freunde für ihre Meinung verachte, die sie vertreten. Ich weiss gar nicht mehr, was ich antwortete ... aber ich erinnere mich an Deinen nachdenklichen Blick, als Du mich fragtest, ob ich DICH verachte. Ich blieb die Antwort bis heute schuldig, aber Du weisst es. Wir fuhren zusammen in unseren Wohnort zurück. Du links auf der Fahrerseite, ich rechts. Politisch sehr unkorrekt verbandelt, denn genau anders herum orientiert. Der charismatische "Angoraskin" und die "linke Zecke zweifelhafter Abstammung". Eine Hand hattest Du am Lenkrad, die andere hielt die meine, wie immer. Ohne Worte.

Das Schicksal. Seltsam. Und so.



geschrieben von: Hrefnadis

Die Gruppe sitzt mitten auf der Straße im gesperrten Kreuzberg. Punks, Schwarzvolk, alternatives Gesöcks. Schandor an meiner Seite wie in alten Tagen, doch die Gruppe ist neu. Wolf, seine Gefährtin, die vor allem mir immer wieder erstaunte Blicke zuwirft, kennt sie mich doch als brave Ehefrau und Mutter. Die wilde, ungezügelte andere Frau ist ihr neu. Dazu noch einige andere der neuen Bekannten. Das Wetter ist gut, die Musik auch und die Gesellschaft ebenso.

Spätnachts. Die Truppe ist kleiner geworden, auf drei Pärchen geschrumpft, der harte Kern. Söldnerlieder klingen in die Nacht. In der Mitte der Runde stoßen Wolfs und meine ausgestreckten Beine aneinander, die schweren Springer. Ein sanfter Knuff von meiner Seite aus, als Wolf verspielt Schandor herausfordert. "Vorsicht!" Wolf lässt es bleiben. Ich würde Schandor gegen ihn verteidigen. Ohne zu zögern. Schandors moosgrüne ausdrucksstarke Augen lächeln vergnügt. Geliebter Freund. Beschützenswert. Ich sehe die Gedanken hinter Wolfs Stirn förmlich arbeiten. Und ich weiss, dass ich darauf noch angesprochen werde. Und nicht nur deswegen. Wolfs Freundin ist perplex über meinen freizügigen Umgang mit gewissen ungarischen Exgefährten. Was mir selbst nur ein Lachen entlockt.

Wolfs intensiver, fast schwarzer Blick, als ich mit Schandor darum feilsche, dass er möglichst nach seinem Studium in Berlin bleibt. Den Münchner ziehts auch wieder nach München und doch hat ihn - genauso wie mich - der Moloch Berlin im Griff. Das böse Wort mit P am Anfang macht die Runde - Promotion. Die halb geschlossene Abmachung hängt nun in der Luft: Macht einer von uns beiden Promotion, dann in Berlin und der andere strengt sich gefälligst an, das auch zu schaffen. Der alte interne Wettbewerb zwischen uns, der dafür sorgt, dass unsere Durchschnitte sich sehen lassen können. Wir schenken uns nichts.

Die beiden anderen Paare brechen auf. Wir bleiben noch - es ist unser Kiez. Nachtspaziergang mit Falafel und Punkrock. Irgendwann um drei Uhr in der Früh massiert mir Schandor meinen endsverspannten Nacken und schickt mich dann mit lieben Gruß nach Haus zu meinen Männern. "Und denk dran, ich hab Dich nicht gehen lassen, damit Du unglücklich bist. Lebe Dein Leben." Seidiges, offenes Haar, das durch meine Finger rinnt. "Und vergiss nie, dass Du geliebt wirst." Vergesse ich nicht, keine Bange, aber es ist immer wieder schön, mit jemandem unterwegs zu sein, der einem das so deutlich zeigt, über alle Konventionen hinweg. Und über alle Verletzlichkeiten hinweg.

Ich werde wohl wieder tausend Ängste ausstehen, wenn Schandor zu seiner Dschungeltour nach Südamerika aufbricht. Wie immer, wenn er für Wochen, Monate der zivilisierten Welt den Rücken kehrt.

8 Jahre, jetzt demnächst 9. Vertrautheit, die so lang gewachsen ist, lässt sich nicht innerhalb von wenigen Monaten herstellen. Dabei ist Schandor nur einer der meinen.

Ich richte die Grüße an meinen Mann aus, der sich erkundigt, wie es seinem ehemaligen freundschaftlichen Rivalen geht. Entspannte Verhältnisse, geprägt von Ehrlichkeit und Direktheit, frei von Besitzdenken und Klischees. Meistens. So ungewohnt für Augen, die das nicht kennen, in deren Weltbild dies nicht passt. Für uns seit vielen Jahren Normalität, die wir leben - für mich und die meinen, viele von ihnen inzwischen auch mit Familie.

Nun warte ich auf Wolfs Reaktion. Es ist etwas anderes, Dinge nur zu wissen oder sie live zu erleben, nicht?



geschrieben von: Hrefnadis

Erinnerungen ... ach Grünauge. Ein wirres, sinnloses Telefonat, in dem ich wieder nicht gefragt habe, was ich eigentlich wollte, weil mich Deine Stimme einfach aus der Bahn schmeisst. Völlig easy. Wieso Du? Wieso immer noch Du? Immer wieder? Dabei warst Du heute fast kühl. Fast. Bis auf die Igelschnautzen. Kopfkino, und das weisst Du. Verdammt.

Ich werde im August nach München kommen. Definitv. Diesmal mich nicht nach Dir richten, sondern nach Engel. Die neue Band bejubeln. In der ersten Reihe stehen und bangen, was der Nacken hergibt. Und einfach nur verdammt stolz sein auf den Bandleader. Altes Terrain. Alte Heimat hinter der dicken Stahltür. Und neben, hinter mir werden Haare geschüttelt werden, blonde, braune, schwarze. Und jeden werde ich kennen. Ob Du da sein wirst? Fraglich. Vielleicht, vielleicht auch nicht, wie früher. Eventuell werde ich ganz plötzlich Deinen Geruch in der Nase haben, weil Du hinter mir stehst, mit mir bangst. Einfach so. Genauso oft warst Du nicht da, als ich Dich erwartete. Auch das kann passieren.

Es ist mir (fast) egal. Ich habe Engel, ich werde zwei oder drei des engsten Münchner Kreises dabei haben. Und wenn Du nicht erscheinst, werde ich auch das überleben - wie seit vielen, vielen Jahren. Wissend, dass Du mir immer wieder vor die Füße fallen wirst. Mit diesem Ausdruck in den Augen .... zum Sterben schön.

Du fehlst mir. Das wolltest Du heute nicht hören, hmm? Ist aber so. Und wird immer so bleiben.

Blut von meinem Blute, Teil meiner Seele.



geschrieben von: Hrefnadis

Das habe ich nun davon! Einmal mit Dir telefoniert und für Tage werde ich die Erinnerungen wieder nicht los! Tagträume ... Wolf an meiner Seite, dessen maskuline, momentan teilweise sehr offensive Ausstrahlung normalerweise mein Blut durchaus in Wallung bringen kann. Unglaublich attraktiv, natürlich. Dennoch sind all die kleinen Berührungen rein freundschaftlicher Natur. Das übliche Geschäker fehlt. Und er merkt es. In meinem Kopf ist grad kein Platz mehr für anderes, als die beherrschenden grünen Augen. Eine Süchtige, die an ihre Droge denkt. Gib mir Leben .... das Gefühl, wieder am Leben zu sein, den Herzschlag aussetzen zu spüren, den eigenen Körper bis in die letzten Fasern zu spüren, Nächte voller Farbe, voller Klänge, selbst Düfte. Jeder Moment so intensiv, so unauslöschlich. Eins sein, vollkommen sein. Hingabe ans Leben. Mit allem, was man hat, allem, was man ist und jemals sein wird. Sowas gibts, und ich bin froh, das zu wissen, denn dieses Wissen wärmt in den dunklen Stunden der Nächte, da ich mich frage, ob der Kampf, den ich führe, es wert ist.



geschrieben von: Hrefnadis

Gut. Dann wirst Du mich die nächsten Tage eben nicht zu Gesicht bekommen Wolf. Bis zu meiner Geburtstagsfeier eventuell nicht, mal sehen.

Ich mag zwischenmenschliche Kontakte nicht, sagte ich das schon?

Manchmal.

Und ich weiss es doch besser, Wolf, auch wenn Du gerade reagiert hast wie eine bissige Viper.

Ist doch immer das Gleiche. *seufzt* Leider.



geschrieben von: Hrefnadis

Ein verrückter Tag. Ein Musiker ohne Instrumente, aber mit Berührungsängsten, eine Dozentin ohne Plan (ausnahmsweise mal ich) ein Beutemünchner, dessen strahlender Blick verwirrte, ein Wolf, den ich auf der Straße traf und der mich nicht mal anfassen wollte und ein Referatspartner, dessen Nähe ich plötzlich als sehr erotisch empfand, dazu ein Gespräch via Telefon, dass es in sich hatte - das gewisse Etwas.

Bin nur ich geistig nicht auf der Höhe oder sind das alle anderen auch, mit denen ich zu tun habe?

"Ich bin manchmal strange drauf."

"Schon gemerkt."

"Ich würde Dich aber gerne näher kennenlernen."

"Du bist willkommen."

Ein perplexer Blick in undefinierbare, aber doch irgendwie mit Grün durchsetzte Augen. Ein lächelnder Musikus, der meine Hand einen Moment zu lange hält.

"Ich bin unsicher."

"Ich auch."

Schön, dass wir uns wenigstens darin einig sind .....

Einige Stunden vorher GAR keine Unsicherheiten. Sanft berührt mich gedanklich eine Hand übers Netz. Ich sollte arbeiten, doch ich lege alles beiseite und greife nach dem Telefonhörer. Und plötzlich wird der Raum fast zu klein, denn in meiner Vorstellung teile ich ihn mit einem fast Zwei-Meter-Menschen, mit seinem Temperament, seinem schelmischen Lachen. Gut fürs Ego und für andere Dinge ..... auch wenn es im August wieder kritisch wird. Egal. Ich möchte Dich nicht missen, Lieblingsmünchner.

Schnell noch eine schnelle Mail für meinen Referatspartner mit der angeforderten URL. Und ich verwerfe schnell den Gedanken, ihm zu sagen, wie verdammt gut er riecht, wenn er leicht verschwitzt ist.

Wolf ... nicht drüber nachdenken, bis nächste Woche hat ers vergessen.

Strange ist manchmal kein Ausdruck.



geschrieben von: Hrefnadis

Bald nun werden Rabenmama und der kleine Lichtrabe die Flügel spreizen und auf gen Sachsen ziehen, begleitet vom Papa/Gefährten. Lustlos bereite ich mich vor auf die Reise. Viel zu anstrengend eigentlich, nur für einen Tag so viel Aufwand. Die stundenlange Fahrt mit dem kleinen Irrwisch. Und dann wieder die beißenden Kommentare der Verwandtschaft zu unserem Lebensstil. Irgendwann werde ich mein freundliches Sphinxlächeln aufgeben und ihnen ein ebenso freundliches L.M.A.A. entgegen schleudern.

Dabei habe ich das Wochenende selbst Geburtstag und opfere ihn gleich mit auf dem hohen Altar der Familienzugehörigkeit. Tolle Wurst. Aber vielleicht ist es ganz gut so. Die, die ich zu meinem Geburtstag gerne um mich hätte, sind zu 9/10 eh zu weit weg. Und die Beziehung zu den mir hier grad am wichtigsten ein wenig belastet - bis auf Schandor, der mich - wie immer - wie eine Naturgewalt stoisch hinnimmt. Wahrscheinlich die beste Methode.

D.'s dunkle Stimme gestern am Telefon, der Rüffel, der kam, kommen musste, weil ich mich so lange wieder rar machte.

"Jedes Mal, wenn Du wieder da bist, bist Du mir in kürzester Zeit auch wieder verdammt nah, um kurz darauf für Wochen, Monate in der Versenkung zu verschwinden."

Ich weiss, dumme Angewohnheit. Aber ich bin in vielem meiner Nemesis sehr ähnlich, wenn ich Dinge mit mir selber auszufechten habe, bekommt das nur der engste Umkreis mit. Oder mein Blog hier.

So unkonventionell ich in meiner Lebensführung bin, so extrem bodenständig in meinen Beziehungen zu anderen. Ich mag Verluste nicht, denn sie gehen mir ans Mark. Und so taucht die streunende Wölfin immer wieder auf an Feuern, an denen sie willkommen ist, beim Klang der Trommeln oder wildem Gesang. Und da ist es egal, ob es der ins Fleisch schneidende Klang eines Dudelsacks ist, der mich ruft, der Schmelz einer E-Gitarre, oder eine unverwechelbare Stimme ist, die sich erhebt.

Früher waren die Dinge einfacher, habe ich den Eindruck, früher habe ich mich unbekümmerter auf Menschen eingelassen. Ich habe mir vorgestellt, die beiden Berufsmusiker mal einander vorzustellen. Es würde beide weiterbringen, so ähnlich sind sie sich persönlich, aber doch auch so unterschiedlich in ihrer Musik. Der eine, mit dem ich seit so vielen Jahren befreundet bin, mal auch ein wenig mehr war. Der andere, mit dem ich überhaupt nicht weiss, wie ich umgehen soll, obwohl es genau der gleiche Schlag Mensch ist.

Ich habe mich verändert scheints ...

Mal schauen, vielleicht kann ich den Urlaub im August in München nutzen, um auf Hin- und Rückweg bei den beiden großen Clans vorbeizuschauen. Mich von meiner Hexenmama bemuttern und von meinem alten Mentor und Freund umgarnen lassen, wissend, dass ich bei beiden auf Ewig willkommen sein werde.

Wäre ein schöner Ausgleich für die Fahrt, die mir gerade bevor steht ...



geschrieben von: Hrefnadis

Geburtstage werden überbewertet. Oh doch! Von vielen, die mir extrem wichtig sind, weiss ich sie nicht einmal. Besonders nicht von meiner Nemesis. Weil, ganz viele Weils. Das allererste: Ich HASSE meinen Geburtstag! Ich verbinde wenige schöne Erinnerungen damit. Die meisten, vor allem die prägenden, sind weniger gut. Und ich bin da nicht die einzige. Ich erinnere mich an die abfällige Art, wie Grünauge über seinen "Ehrentag" sprach. Die gleichen dunklen Schatten der Vergangenheit.

Geburtstag. Völlig übernächtigt - Insomnia, die Schlampe - greife ich fünf Minuten vor Mitternacht zum Handy, das pünktlich eine Minute nach zwölf klingelt. Schlaftrunken versichere ich - wie jedes Jahr - dem kleinen Wolfsbruder, dass er mich nicht stört, dass er willkommen sei. Über den Tag hinweg trudeln SMSen ein. Alte, neue Telefonnummern. Zwei der neuen beäuge ich überrascht, da ich nicht mal ansatzweise damit gerechnet hätte, diese Menschen könnten von meinem Geburtstag überhaupt wissen.

Die Familie, bei der ich weile, übt kollektives Vergessen, selbst mein Gefährte muss von seiner Mutter daran erinnert werden, dass die Mutter seines Kindes einen Feiertag vorzuweisen hat. Innerlich kopfschüttelnd nehme ich alles zur Kenntnis, mir schwindelt, mein Kreislauf mag nicht mehr. Ich sehe mein Kind an und weiss, die Welt dreht sich auch vor seinen Augen. Er kann sich noch einmal zwei Stunden hinlegen, dem Griff von Insomnia entkommen. Ich nicht. Ein starker Kaffee und dann wird endlich für EINE Stunde an diesem meinem Geburtstags-Wochenende das gemacht, was ich will. Um den Preis meines Schlafes.

Wir klettern in der Mühle herum. So ganz ungefährlich ist das nicht, doch ich möchte diesen Ort noch einmal sehen, bevor er unwiderbringlich verloren ist. Mein Mann geht vor, erklärt mir, was ich sehe. Zaubert mit den Worten die vergangene Pracht herbei, summende Turbinen, knackende Heizkessel, das Lachen der Sommergäste und das Quietschen der Kinder, Geschirrgeklapper in der Großküche, in der man hätte eine Kompanie verköstigen können. Überall die Spuren von Vandalismus, sinnloser Zerstörung, fahrlässiger Vernachlässigung, aber auch vergangener, in kleinen Details immer noch vorhandener Schönheit. Die Bausubstanz wäre noch zu retten, sie steht gut da. Wäre .... Niemand wird sie retten, die alte Mühle. Seit mindestens 500 Jahren ist dieser Platz besiedelt. Verloren. Der alte, verlassene Bau hat noch über 15 Jahre gegen den Verfall gekämpft und wird nächsten Winter den Kampf verlieren. Das Dach steht kurz vor dem Einsturz. Oh Discordia! Da packt einen die kalte Wut! Jugendstiltüren, das Glas ehemals kunstvoll geschliffen, der Erker, jedes Fenster eingeworfen, Fliesen, eine jede davon ein kleines Kunstwerk. Mir blutet das Künstler- und das Kunsthistorikerherz gleichermaßen. Da geht die Kindheit meines Mannes dahin, und die unzähliger Generationen vorher. Ich mache ein paar Fotos, um sie später meinem Sohn zeigen zu können. Wie soll er je begreifen, was sein Vater hier verloren hat? Das Paradies auf Erden.

Wir streifen über die Wiesen, bis zur Brust wächst mir ein bunter Reigen von blühenden Blumen verschiedenster Art. Ich sehe unglaublich seltene Gewächse, noch seltenere Tiere huschen davon. Das Gelände steht unter Naturschutz, wen wunderts. Es ist kostbarer als jedes erbaute Juwel. Das Juwel, das einst der beherrschende Bau dieses Talgrunds war. Die Ruine. Man könnte meinen, die Natur holt sich alles zurück und gut ist. Doch das stimmt nicht. Die fehlende Pflege der Überschwemmungswiesen macht sich bemerkbar. Überall zwischen den Gräsern schießen Baumsprösslinge empor. Weitere 15 Jahre und von den Wiesen bleibt nicht mehr viel. Eine Generation und dieser Siedlungsplatz ist vergessen - nicht mehr existent. Geschichtlich wertvoll, naturschützerisch wichtig - egal. Oh Discordia! In mir wütet der wilde Zorn der Hobbybalkongärtnerin und Naturliebhaberin.

Der vor sich hin dümpelnde Kreislauf beschert mir einige schwarze Sekunden auf der Rückfahrt, aber mein Rückrat reicht aus, mich trotzdem halbwegs aufrecht stehen zu lassen, bis die Mini-Blackouts dem gewohnten 3D-Schwarzweiss-Bild weichen, für Farbe reicht es allerdings nur in wenigen Momenten und die Schärfeneinstellungen funktionieren nicht. Zu Hause .... mein kleiner Irrwisch stürtzt sich heulend in sein gewohntes Bettchen - man staune - es sind Freudentränen! Resigniert stelle ich fest, dass ich einen geborenen Berliner groß ziehe. Und nicht nur irgendwo geboren. An seinem Bettchen hängt immer noch wie ein Orden die Plakette - born in Kreuzberg. Ein echtes Kreuzberger Original. Großstadtkind. Er ist sofort eingeschlafen und wird wahrscheinlich auch diesen Autocorso direkt vor der Tür durchschlafen.

Von den zwei der vier Schlampen der Apokalypse hat sich Discordia grad wieder getrollt. Mein Mailkasten quillt über vor Glückwünschen und auch Erinnerungen an die zwei Partys, die diese Woche laufen. Meine eigene am Mittwoch und die große an der Uni Freitag. Alle diese Meldungen sind von den neuen "Freunden" und Bekannten. Wolf ... er gratuliert mir gleich zweimal. Und grinsend weist er mich darauf hin, dass es am kommenden Wochenende - wie von ihm angedroht - nun doch wieder ein typisches Wolfswochenende geben wird. In Waffen, in Gewandung, mit Zelt und Lagerfeuer, mit viel Arbeit, Fleisch auf dem Grill und Bierchen im Kühlschrank. Dazu der Gesang abends und die Wärme des Rudels. Selbst unser Leitwolf wird diesmal da sein. Schön. Und ob er mich dabei haben will? Klar doch!

Ein bisschen Wehmut. Denn - obwohl Geburtstage im Allgemeinen stark überbewertet werden - hätte ich mir eine Meldung des einen oder anderen gewünscht. D. ist gerade auf Tour und hat wie immer dann zu viel zu tun. Auch der Musikus ist grad zu Auftritten unterwegs, aber er hätte sich wahrscheinlich auch sonst nicht gemeldet. Er wird Mittwoch da sein, schätze ich, einfach so. Meine Nemesis ... nein, eine Gratulation habe ich niemals von ihm bekommen, in all den 8 Jahren nicht. Und ich habe ihm nie gratuliert, stillschweigendes Abkommen.

Aber der große meiner beiden Brüder fehlt mir in solchen Situationen doch sehr. Der erste der Wölfe, der, mit dem alles begann ...... der, dem ich mein heutiges Leben, so wie es ist, verdanke. Du wirst auch Mittwoch nicht da sein ..... so viel zur Treue der Wölfe. Manchmal ist auch sie nur eine Illusion. Manchmal. Jedoch ahben sich genügend von den anderen alten Freunden gemeldet, um das (fast) vergessen zu lassen, die Münchner ...

Geburtstag. Toll. Völlig platt wünsche ich mir 10 Stunden traumlosen Schlaf am Stück. Insomnia würde mitspielen. Ich hoffe, der Fußballgott auch. Möge Deutschland verlieren, ich will schlafen! Irgendwie sind tatsächlich auch ein paar Geschenke an mich unterwegs durch Deutschland. Mittelalter-Ohrringe. (Was auch immer das heissen mag.) Und Überraschungspakete mit Überraschungen (was auch immer DAS heissen mag.) Doch diese Menschen haben sich wenigstens Gedanken gemacht. Immerhin bekam ich von meinen Schwiegereltern was vernünftiges. Geld. Und das werde ich Mittwoch bis auf den letzten Cent in etwas Vernünftiges anlegen, in Gold, flüssiges Gold, mal schauen, für wieviel Met es reicht. Lebe das Leben! Von meinem Gefährten bekam ich übrigens ... ähm ... nichts. Von Wolf das geschenkte Wochenende und von einem weiteren Bekannten einen Gutschein für eine durchgefeierte Nacht. Dinge eben ... die mir WIRKLICH wichtig sind. Freiheit. Und die Freiheit, sie mit denjenigen zu verbringen, mit denen ich das auch will!

Ich werde NIE wieder meinen Geburtstag mit irgendwelcher Familie außer meiner selbstgebastelten verbringen!

Tja, happy börsday to you, Nachtfee. Und wehe, olle Inmsonia, ich bekomme das einzige, was ich mir selbst gewünscht habe, nicht doch!

Goth sei Dank ist morgen dieser MISTTAG vorbei!



geschrieben von: Hrefnadis

Zwei Mails, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, beide bisher unbeantwortet, beide an die Musiker ... die eine sehr emotional, Worte, die unübertragen vom Herzen auf den Bildschirm flossen, manchmal wirr und sprunghaft, aber immer ohne Filter. An jemanden, der damit umzugehen weiss, und den meine Offenheit immer gefreut hat. Die andere Mail viel vorsichtiger, distanzierter, manchmal fast schon ruppig im Stil. Der Inhalt ein wenig auf Konfrontation ausgelegt, auf Stellungnahme. Nur wenig schimmert die Frau durch, die der andere der beiden Musiker so gut kennt. Ich frage mich sowieso - würden sich die beiden über mich unterhalten - was sie für ein Bild von mir hätten. Der eine, der mich stets ungeschminkt in Reinkultur erlebte, leidenschaftlich, wütend, streitlustig, verspielt, verschmust, verletzt und alles zu 150%. Und der andere, der mich gerade übervorsichtig und fast scheu kennenlernt, sehr kopflastig und durchaus auch spröde. Da liegen Welten zwischen. Nicht die gleiche Person. Und doch nur Facetten davon ...

Den einen werde ich wohl heute Abend sehen/hören. Vielleicht. Vielleicht auch eine Antwort bekommen, ob er sich wirklich vorstellen kann, eine freundschaftliche Beziehung zu jemandem aufzubauen, der so schwierig ist wie ich - jetzt nachdem er halbwegs alles weiss, was mich ausmacht. Ich bin auf ein Nein gefasst. Borderliner sind nunmal nicht pflegeleicht.

Den anderen werde ich wahrscheinlich morgen Abend sprechen können. Dann ist er mal wieder in der Nähe eines Festnetztelefons und hat zwischen Tour und Angel *g* auch Zeit für mich. "Dich mal wieder sehen ..." Die dunkle Stimme, die überraschend in noch dunklere Gefilde abtaucht. Weich und warm und mir - wie immer - ein Lächeln auf die Lippen zaubernd. Mal sehen, ob wir das hinbekommen. Ich würde mich gerne für ein, zwei Tage in Dein Domizil flüchten. Asiatisch kochen, einen schönen dunklen Rotwein schlachten, Dir zuhören und selbst nicht denken müssen.

Diese offene Tür ist wahrlich verlockender als die andere, die mir offen steht. Die Einladung aufs Landgut steht ja auch immer noch im Raum. Aber, alter Freund dort draussen, ich habe für einige Dinge ein verflucht langes Gedächtnis. Und manche Fehler mache selbst ich nur einmal. Dir allein gegenüber zu treten, wäre einer.

Jaja, die zwischenmenschlichen Beziehungen ... seit heute früh sammeln sich wieder smsen auf dem Handy, die Mailbox läuft auch voll .... heute Abend die Party. Mal schauen, wie es läuft, derzeit würde ich sie am liebsten selber schwänzen. Zu viele Menschen, die mir was bedeuten, auf einem Platz. Anstrengend.

Dabei fehlen so viele ... die Münchner, Sam, die Engel, D., meine Hexenmama ... Sir R. ... alle, die sich im Laufe der letzten Tage meldeten. Die nächsten Monate wird es wieder ab und an einen Spagat geben - ich fahre nach München, vllt auch noch ins Umland, um alle abzuklappern, Sam kommt nach Berlin, B. hat sich ebenfalls wieder angekündigt, und sobald es geht, werde ich noch eine Stippvisite nach Hamburg machen, zum roten Engel. Rudelbetreuung sozusagen. Seit teilweise fast 10 Jahren.

Mausi, Kätzchen, Süße, Herzchen, Nachtfee, .... ich dachte, es hätten wirklich nur zwei die Genehmigung, mich mit Kosenamen zu beleidigen .... aber die letzten Tage waren da sehr erhellend. Da muss ich unbedingt dran arbeiten .... Herzchen! Naja. Ich fürchte, es gibt Schlimmeres ....



geschrieben von: Hrefnadis

Halb 5 fiel ich ins Bett. Seit 7 wieder wach. Der zweibeinige, 90 cm große Wecker halt. Ich muss mich noch auf die Uni vorbereiten .... denn auch die wird heute noch bedient werden müssen. Müde, noch ein bisschen daneben - denn feuchtfröhlich wars - aber schon wieder auf dem Wege der Besserung. Was für ein seltsamer Abend .... Geburtstagsfeiern sind ... komisch.

Es waren mehr da, als ich einlud und weniger ... Schandor fehlte aus undefinierbaren, aber wahrscheinlich erklärbaren Gründen. Und mein großer Bruder fehlte aus ebenso undefinierbaren, aber wohl eher unerklärlichen Gründen. Last try. Alles geht einmal zu Ende, dies war der letzte der letzten Versuche auf diesem Schlachtfeld. Leb wohl, Schwarzer. Ich geb Dich frei.

Da waren erstaunlich viele aus meiner Mittelaltergruppe. Und auch jene vom alten Rudel, die ich rief, waren ausnahmslos anwesend. Manche kurz, andere länger. Der Met war gut, die Musik auch, wenngleich die großen Dudelsäcke schwiegen. Was nicht an den zahlreich vorhandenen Musikern lag, sondern an der Wärme und dass deshalb Türen und Fenster offen gehalten werden mussten.

In leuchtendem Rot, schwarz abgesetzt huschte ich von einer Gruppe zur anderen. Der schwere Samt, Spitzen ... zwar in unseren Farben, aber gothiclike, keine Gewandung. Mir war mal wieder danach, das Innere nach außen zu kehren. Ein schillernder Schmetterling.

Wolf ... die aufrechte stolze Gestalt. "Er ist nur wegen Dir gekommen." sagt seine Gefährtin. Ich weiss. "Weisst Du eigentlich, wie unzuverlässig er sein kann? Ich würde ihm niemals wieder trauen." sagt eine andere Freundin. Auch das weiss ich. Als bei der freundschaftlichen Rangelei unter den Männern Wolf überraschend angesprungen wird, das Gleichgewicht verliert und sich verletzt, stehe ich schnell zwischen den Freunden, mein Körper deckt ihn. Instinktiv. Wäre der andere wirklich ein Gegner gewesen, hätte ich ihn verteidigt. Ohne Worte ...

Sorgen. Seine Freundin, die nicht mehr weiter weiss. Ich nicke alles ab, sowas habe ich mir schon gedacht. Wolfs Elan beginnt, Risse zu zeigen. Das Studium schleift. Ich sehe seine hohe Gestalt kaum noch an der Uni. Ich verspreche mit ihm zu reden. Am Wochenende. Spätestens. Ich habe zu lange die Augen verschlossen, scheints. Und mich wohl auch vor einer Aussprache gedrückt. Unangenehme Dinge schiebt man gerne vor sich her. Vor allen Dingen, wenn man einen solchen Freund dann zum Gegner bekommt.

Noch während ich mit Wolfs Gefährtin rede, schweift mein Blick über die verbliebenen Gäste. Und bleibt an dem Paar hängen, dass sich am Nachbarstisch innig küsst. Der Musikus. Und mein jüngster Gast. Irritiert halte ich kurz inne, setze dann aber das Gespräch fort. Später werden wir zu dritt auf einer Bank draussen sitzen in dieser herrlichen Nacht. Ich in der Mitte (als Abstandhalter), zwischen dem arg in Jagdlaune verfallenen Musikus und der kleinen süßen etwas hilflosen Frau. Und wir beiden Weiber werden mehrfach erklären müssen, dass ein Nein nun mal ein Nein nun mal ein Nein ist. Und nichts anderes. Funkelnde etwas wütende Augen mit viel zu viel Grün drin. Und doch, dort war die Grenze überschritten. Schade. "Deshalb funktioniert das zwischen uns auch nicht." Genau. Ich habe wohl doch noch zu viel Ehre, der Bitte eines meiner Geburtstagsgäste eben NICHT nachzukommen.

Unversehens habe ich dann zu früher Stunde den Mann an meiner Seite, der Wolf unabsichtlich zu Fall brachte. Wirklich böse sein kann ich ihm nicht. Ein großer, manchmal ungeschickter Bär von einem Mann, der sein eigenes Ungestüm und seine Kraft falsch einschätzt gelegentlich. Auch er in Jagdlaune. Aber eher auf die Jäger selbst. Aus einer geplanten Abschiedsumarmung wird ganz plötzlich eine zweite Diskussion über Inhalt und Bedeutung des Wortes Nein. Aber auf anderem Level. Und auch nicht zum ersten Mal. Und sie wird mit einem Lächeln geführt. Weil ich weiss, dass der "unmoralische Antrag", der dahinter steckt, auch nur halb ernst gemeint war.

Als ich meinen jüngsten und letzten Gast zur U-Bahn bringe, bricht der Tag an. Ich drehe mich noch einmal um, die beiden Männer sehen uns nach. Der schlanke, agile Musiker mit einem undeutbaren Blick, der kräftigere, maskuline Krieger neben ihm mit einem breiten Lächeln und vergnügt funkelnden Augen.

"Weiber ..."

"Kerle ... "

Mit einem von beiden werde ich ohne Probleme wieder reden können. Mit dem anderen werde ich es nicht mehr wollen. Basta.

Und jetzt sitze ich hier, mein Handy hat ein paar neue Nummern mehr, ich habe neue Kontakte geknüpft auch für unser Lager, für die Gruppe ... und mich gruselts vor dem Gespräch mit Wolf, das ich führen muss. Bald.

Fast wie in alten Zeiten, als ich den Wächterstatus noch trug .... wollte ich das nicht nie wieder tun? Ich muss wohl ... zumindest versuchen, was geht, was machbar ist. Helfen, wenn ich kann.

Zu viele Menschen .... und der wichtigste ging mir fast unter.



geschrieben von: Hrefnadis

Und das Gespräch war genauso wie befürchtet. Schlimmer ...



geschrieben von: Hrefnadis

Ach Wolf ... was hätte ich tun sollen? Schweigen? Nur damit Du mich hinterher anfährst, weil ich davon gewusst habe und Dir nichts sagte?

Ich bin für zwischenmenschliche Beziehungen ab einem bestimmten Level aufwärts irgendwie nicht geschaffen.

Eingraben. Vergraben. Niemanden sehen wollen. Nur noch zwei Wochen Vorlesungszeit und dann gehören die Bibliotheken wieder mir. Bücher sind nicht angepisst (sollten sie zumindest nicht ... öhm), Bücher haben keine Widerworte, Bücher stellen keine Ansprüche und Bücher wecken keine solche Emotionen.

Das so toll geplante WE wird ohne mich stattfinden. Wieder einmal Tauchstation - die altbekannte. Rückzug vor dem Feind. Rückzug vor mir selbst.

Einschließen und Wunden lecken ....

Alles, was Du mir unterstellt hast, Wolf, ist vollkommen an den Haaren herbei gezogen und das weisst Du auch. Mein einziger Fehler ist meine Unfähigkeit, jemandem ins Gesicht lügen zu können, den ich schätze. Wie hätte ich - so oder so - an dem WE Dir gegenüber treten sollen? Mit dem Wissen, dass da etwas im Hintergrund läuft, zwar zu Deinem Besten gedacht, aber ohne Dich dabei zu befragen? Ich bin weitesgehend offensiv, ich rede mit Dir. Dass andere das nicht in dieser Weise tun, dafür kann ich selbst schlecht was. Wirf mir niemals wieder meine Ehrlichkeit vor und knüpfe mir daraus einen Strick. Ich hätte keinerlei Vorteile daraus, mich zwischen Dich und Deine Freunde zu drängen. Im Gegenteil, alles, was ich die letzten Monate aufgebaut habe, würde zerbrechen, zerbräche Eure Freundschaft. Denn inzwischen hängt auch mein Leben daran. Und Deine Gefährtin? Ich neide Euch Eure Beziehung nicht. Wieso sollte ich? Die Zeiten solcher Animositäten sind lange, wirklich lange schon vorbei. Es gäbe nicht das geringste Motiv für Feindseligkeiten.

"Ich kann den Platz in Deinem Leben räumen." sagte ich.

"Räume nichts, aber halt Dich an die Regeln!" sagst Du.

Der ist kein rechter Freund, der zu Gefallen spricht. (Edda)

Hab ich Dir als Widmung geschrieben. Lange her, aber nicht vergessen.

Ich bin einfach untauglich für solche Geschichten. Aber die Klappe halten kann ich auch nicht .... wie denn auch, wenn ich weiss, dass es Dich wütend macht, wenn Du es selbst rausfindest - und womöglich noch erfährst, dass ich die ganze Zeit über in Deinem Rücken stand wie eh und jeh und es sah, zuließ und Dich nicht informierte. Niemand wollte Dir schaden, sie wollten alle nur das Beste für Dich, einschließlich mir. Ich halt nur nicht hinter Deinem Rücken .... mein Fehler. Oder so.

Abtauchen. Ich hab keine Lust mehr auf diese Spielchen.



geschrieben von: Hrefnadis

Gestern - EIN Mal ohne Lager, einfach nur mein Mann, mein Sohn und ich. Idyllisches, fast normales Familienleben. Entspannung pur, weil kein Zwang, mit andren Menschen auszukommen, außer diesen beiden wirklich mir und zu mir gehörenden.

Wolfs Stimme am Telefon, als ich mitteile, dass dieses WE ohne mich stattfinden wird. Im Hintergrund die schon singenden Stimmen der Söldner ... In seiner eigenen, fröhlichen Stimme ein leiser Unterton, der besagt: Warum (zum Henker) bist Du nicht hier (wo Du hin gehörst)?! Weil. ICH niemandem gehöre.

Enttäuschung auch bei unseren neuen Rekruten, die nur wegen der Bekanntschaft zu mir den Weg in die Operationsbasis fanden, wo heute wieder Pfeile fliegen und Schwerter geschwungen werden. Wir sehen uns wieder, die Tage, sicher. Auch die Musiker, die kommen wollten, verschoben ihren Besuch auf die Zeit, "wenn Du wieder da bist, draussen". Warum wird das von meiner Anwesenheit abhängig gemacht?

D. "Frau, Du bist wie ein Ofen, an dem man sich gern wärmt. Leider sind die Menschen egoistisch. Wenn Du nicht acht gibst, ziehen sie Scheit für Scheit aus Deinem Feuer, bis für Dich selbst nicht mehr übrig bleibt als kalte Asche."

So wahr. Manchmal. Drum sitze ich hier und bleibe für mich. "Wolf verhaut gerade Deinen Angetrauten." werde ich telefonisch aufgeklärt. "Wolf darf das." gebe ich zurück. Unfähig, diesem Mann derzeit auch nur in die Augen zu sehen ... Unfähig, den Schmerz in mir selbst anders zu bekämpfen als durch Verzicht. Ich kann so wenig verstecken ... zu wenig schauspielern. Und so sandte ich meine beiden Teuersten zu Euch, weil ich nicht dabei sein kann ohne mein Gesicht zu verlieren. Die unendliche Stärke, die ich habe, beruht auf meinen Rückzugsgebieten, die ich nutzen muss, wenn das Feuer auszugehen droht. Wie jetzt .. fern von Euch.

Ein sehnsuchtsvoller Blick auf meinen Bogen ... die Nase, die sich tiefer in den Roman gräbt, den mir D. zusandte ... aus eigener Feder, wild und facettenreich. Eine Welt für mich, mir zu Füßen gelegt, schön und farbenfroh, kriegerisch, leidenschaftlich. Musik in Worten ...

Nachtfee .... so hast Du mich immer genannt, in Abwandlung des Namens, den mir Dein bester Freund - mein Bruder gab. Der Mann, der uns die schlimmsten Wunden riss mit seiner Abkehr. Und der meinen Umgang mit all zu viel Nähe prägte. Wer einmal so gebunden - einen solchen Verlust verarbeiten musste, will sich nicht mehr binden, weder an eine Gruppe noch an einen Menschen. Die Söldner. Wolf. Und diese verdammten Gruppendynamiken, die mir das Leben so schwer machen.

Die Worte der Hexenmama .... "Du bist immer willkommen ..."

Balsam, den ich mir persönlich abholen werde. Bei der Hexenmama und auch bei D. Meinen Freunden, aber mehr noch Lehrmeistern. Ich brauche dringend Eure Fähigkeiten. Wieder einmal. Ich muss noch so viel lernen .... über mich selbst .... sogar jetzt noch.



geschrieben von: Hrefnadis

Verpeilt auf der Suche nach Koffein. Die Müdigkeit, die sämtliche Knochen durchsetzt und sie mit Gummi austauscht. Meine Eloquenz nicht vorhanden heute. Eine Kommillitonin ertappt mich überrascht beim herzhaften Gähnen in den noch heiligeren Hallen unter den heiligen Hallen - im Museum. Wo ich sonst zu Höchstformen auflaufe. Heute nuschele ich nur so vor mich hin. Die Nase vergraben in ein nicht gelesenes Handout.

Danach erst mal Koffein erjagen. Verdattert stolpere ich über Wolf. Eigentlich ist er viel zu früh an der Uni. Ich weiss das, weil ich ihm aus dem Weg gehen wollte, was nun nicht mehr geht. Ich ignoriere ihn geflissentlich. Meine direkte Umgebung scheint sich in den Minusbereich abzukühlen. Natürlich habe ich einen der anderen ausführlich über das Wochenende befragt, es lief hervorragend. Ich war die einzige, die fehlte. Ich weiss, dass mein Lächeln leicht boshaft wirkt, angesäuert, wie ich immer noch bin ... und verletzt. Das hättest Du anders haben können, Wolf. Ich spüre Deine Verwirrung, so kalt hast Du mich nie erlebt und so unpersönlich. Alle Mauern wieder oben und noch nen Mauerkranz obendrauf gesetzt.

Die anderen scheinen ebenso verwirrt, aber ich erkläre mich nicht, tue ich nie, nur ... Wölfen, manchmal. "Du musst einfach zum heutigen Institutsfest kommen!" schwärmt jemand. "Ich MUSS gar nichts." erwidere ich süffisant und packe demonstrativ meine Sachen. Ich spüre dunkle besorgte Augen im Nacken, es kümmert mich nicht.

Der Abschied, zum ersten Mal schaue ich wirklich hoch in diese Augen. Ich weiss, ich sehe heute das erste Mal genauso alt aus, wie ich bin ... Scorp hat das damals schon so treffend bemerkt, das ist immer so, wenn mir Dinge an die Nieren - oder ans Herz gehen. Und ich weiss auch, dass sämtliches inneres Feuer in meinen Augen erloschen scheint, dass sie nur noch wasserblau und nichtssagend sind. Meine Miene verrät nur meine Müdigkeit. Nichts anderes, stocksteif stehe ich da, keine Regung. Wolfs Zögern, sein Abschiedswort, das er gleich darauf negiert, indem er sich noch einmal umdreht und mich in seine Arme zieht. "Diesmal freiwillig .." murmelt er. Wir halten uns kurz, aber auch dies lässt die frühere Nähe vermissen, wir sind nicht alleine, zu viel Öffentlichkeit.

Mein Herz schweigt hinter dicken Mauern, mein Feuer lodert ungesehen darinnen.

Aber jetzt kann es weitergehen. Neustart. Wie auch immer ...

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Da kommt man ganz zerschlagen nach Hause und denkt sich, es kann eigentlich gar nicht mehr werden mit zwischenmenschlichen Desastern. Und dann klingelt das Telefon.

Familie! Und alle längst vergrabenen, für tot erklärten Leichen im Keller graben sich wieder aus. Die Verbitterung schmeckt wie Galle auf der Zunge. Und ja! Trotzdem ist für mich die Vergangeheit tot. Ich habe Jahre gebraucht, sie zu beerdigen und ich stehe hier mit der Schaufel bewaffnet und verscharre sie erneut! Ihr habt mich genug geopfert auf den Altären Eurer eigenen Egomanie. Das fing schon vor meiner Geburt an und auch jetzt würdet Ihr das noch gerne tun, wenn ... ja wenn mir nicht inzwischen Reißzähne und Klauen gewachsen wären, die ich auch einsetze. Und die Kälte legt sich wie Reif auf meine Zunge, meine Stimme klirrt messerscharf und das Lächeln möchte niemand sehen, denn es ist mörderisch.

Meine Mutter ...

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Und so sitze ich hier, wieder umspielt ein kleines Lächeln meine Lippen, diesmal traurig. Ich höre mein Söhnchen mit Papa in der Badewanne spielen, sehe die vor mir aufgestapelten Bücher, die noch durchzugehen sind, denke an die Mails und Buchungen, die noch zu erledigen sind. Und in mir drin ist .... alles leer.



geschrieben von: Hrefnadis

Ich sitze mit meiner Tasse heisser Suppe am Rand der Bühne. Es ist fast 4 Uhr morgens. Die Sonne dürfte bald aufgehen. Die Jungs improvisieren immer noch. Flöten, Lauten, Trommeln, Dudelsäcke ... manchmal streift mich ein fragender Blick aus Musikeraugen. Aber ich kümmere mich nur um meine Suppe. Und um die wenigen der neuen Bekannten, die da sind. Keine Mauern hier, aber auch keine Kompromisse.

Der Ofen in meinem Inneren brennt auf Hochtouren, jetzt, da er Nahrung bekommt, Sauerstoff. Die Energie in mir ist kaum zu bändigen. Und ich finde tatsächlich jemanden, der sie braucht, dringend. "Wenn Menschen wie Du fallen, bekommen sie immer, wirklich IMMER jemanden an ihre Seite, der sie fängt." Sage ich ihr. Der schönen Frau, die mit ihrer Kraft am Ende ist. Und ich fange. Einfach so. Ich dachte schon, ich hätte das verlernt, aber es geht wie von selbst. Die Kraft fließt durch mich hindurch, doch es wird nicht weniger. Es ist so viel davon da. Nichts erinnert mehr an die Müdigkeit der vergangenen Tage, nichts. Das Mauern hat mir die Energie entzogen, aber jetzt bin ich frei und alles fließt .... Sie ist so schön. So stark, so verwundbar! Wie eine Perle. So kostbar. "Mit dieser Art von Magie hatte ich nie was zu tun .." sagt sie. Ich lache. Magie? Wenn man es so nennen will. Wie von selbst kommen die Erinnerungen an alte Lektionen. Heilsame Berührungen, die Macht der Stimme. Heile, schöne Lady, werde wieder ganz Du selbst! "Danke Fee." sagt sie beim Abschied, einen Teil von mir mitnehmend. Lächelnd frage ich sie, ob sie meinen Namen kennt, da sie mich so anspricht. Sie verneint es. "Ich spreche nur aus, was ich sehe." Sie liegt nahe dran, die schöne Frau mit viel zu vielen Problemen. Keine Attitüden, sondern reale Probleme, existentielle Probleme. Wie ich damals half, so helfe ich auch jetzt völlig instinktiv.

Kopfschüttelnd gehe ich nach Hause im Morgengrauen. Einer der Musiker lud mich noch zum politischen Cabaret demnächst ein ... Darauf freue ich mich wirklich .... der spezielle Musikus ... ne Bedienungsanleitung seiner Person wäre manchmal wirklich nicht schlecht. Handzahm heute, lieb und aufmerksam .... naja .... und ich nehme die Gewissheit mit mir, nächsten Mittwoch wieder in schöne dunkle Frauenaugen zu sehen, deren Trägerin es hoffentlich bald besser gehen wird. Und wenn meine Energie allein nicht reicht, wird es ganz unesoterisch meine starke Hand sein, die hilft. Mit diesem tröstlichen, sehr pragmatischen, sehr typischen Gedanken schlendere ich ins Morgenrot. Irgendwie kann man nie so wirklich aus seiner Haut, aus seinen Bestimmmungen ausbrechen. Die Erschöpfung, die ich fühle, tut gut.



geschrieben von: Hrefnadis

Ereignislos streicht die Zeit dahin, könnte man meinen. Ich vergrabe mich immer mehr in die Arbeit. Die Hausarbeiten ... auch dieses Wochenende schlug ich einen Bogen um den Treffpunkt mit den Wölfen. Der Gründe gab es viele .. das scheussliche Wetter, die Augenentzündung, die langsam abklingt, die Menge an Arbeit ... und nicht zuletzt die immer noch schwärende Wunde in meinem Inneren.

Meine Konzentration liegt woanders, meine Sehnsucht auch .... seitdem die Bahntickets für München gekauft sind, träume ich von der hohen Gestalt mit den naturschwarzen Haaren, den dunklen Augen und dem langen Mantel, in dem immer Platz für mich war und immer sein wird. Ich träume von meinen blondmähnigen Metallern, die neben mir ihre Haare schütteln ... Sam .. Geronimo. Ich träume von der festen Umarmung, die mich hinter der Tür aus Panzerstahl erwartet und den Worten des Security-Mannes und Freundes: "Schön, Dich wieder hier zu haben." Wie jedes Mal in den letzten - Goth! - 10 Jahren? Ich träume von Engelìn auf der Bühne, das lange Haar offen und wirr ins Gesicht fallend. So habe ich ihn kennengelernt, in die Musik versunken. Nichts anderes mehr wahrnehmend. Ich freue mich so sehr auf das Konzert.

Und seit drei Tagen, jedes Mal, wenn ich aufwache, höre ich eine altbekannte Stimme meinen Namen flüstern ... so vertrauter Geruch in der Nase und im Dunkel zwei intensiv leuchtende grüne Augen ... wahrscheinlich wird es aber wieder nicht mit einem Treffen klappen ..... wer weiss. Du fehlst mir grad wieder sehr, Nemesis, rauhe Schönheit. Ich frage mich gerade, ob Du ähnlich reagiert hättest wie Wolf bei dem Streit. Hättest Du nicht, weil Du Dir meiner Loyalität immer absolut sicher warst. Ich wäre Dir aus anderen Dingen in den Rücken gesprungen, aber nicht um lächerlicher Intrigen willen. Niemals. Die Vertrautheit fehlt mir, die Sicherheit ... ausgerechnet bei Dir, wo nie irgend etwas sicher war! Und doch ... jeder Ausdruck dieser herrlichen Augen deutbar, jede Regung des Herzens klar. Anders als bei Wolf. Oder? Er hat um sich gebissen .. aber nur weil ich ihn da erwischt habe, wo es weh tat. Und ich stand im Wege. Was weiss ich! Ihr seid Euch im Wesen so verdammt ähnlich und doch so unterschiedlich. Die kraftvolle Schönheit mit dem Innenleben einer scharfen, biegsamen Stahlklinge und der so gegensätzlichen Sanftheit eines Menschen, der sich ganz und gar hingeben kann. Und der charismatische, bärengleiche Krieger, der niemanden in sein Inneres blicken lässt, der Hingabe in dieser Form nicht kennt. Beide im falschen Jahrhundert geboren, beide mit dieser Gesellschaft über- und unterfordert gleichermaßen. Aggressiv, wild und häufig genug hart an der Grenze des Kontrollverlustes.

Und doch hat meine Nemesis ihren Frieden teilweise gefunden. In sich selbst. Teilweise. Und Du Wolf?

Wir sollten mal reden Wolf ... Sollten wir, bevor ich mich daran gewöhnt habe, Dich aus meinem Leben zu streichen. Bei Dir funktioniert das nämlich im Gegensatz zur Nemesis.



geschrieben von: Hrefnadis

Es ist skuril. Ich ziehe mich hinter die Bücherwand zurück. Vergrabe mich in Arbeit. Und doch gelingt es jenen, die wissen, wie man mich locken kann, so verdammt leicht, mich aus der Reserve zu bringen. Alter Freund auf dem Landgut da draussen, hmm? Ich werde Dir nicht alleine gegenüber treten, aber Du wirst mich Samstag sehen. Nicht in Gewandung, sondern in dem Schwarz, dass Du so gern an mir siehst. Ich werde irgendwann in der Touristengruppe stehen, die Du führst, wahrscheinlich wirst Du das spitzenbesetzte, prunkvolle Gewand des 17. Jahrhunderts tragen, das mit den Handschuhen und dem prachtvollen Umhang. Du wirst ernst irgendwelche Erläuterungen geben, Deinen Charme auf das Publikum gerichtet, ein leises Lächeln in den Mundwinkeln. Du wirst mir unmerklich zunicken, wenn ich erscheine und unmerklich wirst Du abends an meine Seite treten. Das früher lange Haar jetzt gestutzt und gezähmt, die dunklen Augen immer noch warm, aber unstet. Und schnell werden wir uns in irgend eine Diskussion stürzen, von den Gesängen und den Feuern des Lagers umgeben. Süßer Met und gute Gesellschaft. Du willst mich den anderen vorstellen, da Du immer noch meinst, ich würde mein Talent und meine Bildung an meine hiesigen Wölfe verschleudern. Vielleicht hast Du recht, vielleicht siehst Du auch Dinge in mir, die einfach nicht da sind. Damals half ich Dir. Heute tust Du das gleiche mit mir, manchmal aber durchaus vergessend, dass ich keine 25 mehr bin. Ich brauche Deine Führung nicht, auch wenn Du älter bist als ich, auch wenn Du verdammt viel Erfahrung hast in dem, was Du tust.

Das Landgut ... "Du schläfst bei mir, wir haben noch internes Programm am Sonntag." Aha. So einfach. Internes Programm heisst, dass ich bei den Bespechungen künftiger Veranstaltungen dabei sein werde, nein, dass Du mich dabei haben WILLST. Und zwar nicht irgendwo, sondern an Deiner Seite. Du hast Deinen gesamten Harem ausquartiert. Ich werde die einzige Frau sein, die da ist. Neben den Wölfen, die Du selbst ausgesucht hast, die mich kennenlernen sollen und die ich kennenlernen soll. Eine andere Klasse, fürwahr, aber ob mit mir kompatibel? Du willst das vorhandenen Knowhow bündeln. Verständlich. Vielleicht ist das auch die einzige Methode, mit der sowas funktioniert, zielgerichtet, bar jeglicher Emotionen, ohne persönliche Bindungen, Zweckbündnisse halt. Vielleicht ist mir das zu viel und zu wenig, vielleicht. Diesmal hast Du meine Neugier geweckt. Wir werden sehen, wie weit und wohin uns das bringt.

Schlechtestenfalls streiten wir uns schon am Samstag und ich fahre stinkend sauer zurück. Bestenfalls lässt sich eine Allianz schmieden. Und vielleicht bleibt mir ein Moment ganz alleine zwischen den Feuern und dem Geruch nach Pferd und Hund und gebratenem Fleisch. Ein Moment mit den Sternen über mir und der freien Landluft in meinen Lungen .... ein Moment, in dem ich genauso hilflos sein kann/darf, wie ich mich fühle derzeit. Verwundet, voller Heimweh und voll Sorgen um ein sehr krankes vielleicht sterbendes Familienmitglied. Und nichts davon darf ich dem Trost anderer überlassen. Und nichts davon werde ich Dir sagen, alter Freund.

Du sagst, Du schuldest mir was. Nein, tust Du nicht. Nicht mal Dein Leben. Ich war nur das Werkzeug, was Dir die Steine auf Deinem Weg in den Abgrund in den Weg legte. Dass Du mir dafür die eine oder andere Wunde geschlagen hast, war mein eigenes Risiko. Und ich kannte es. Wölfe beissen manchmal. Das erfahre ich jedes Mal wieder aufs Bitterste neu.

Edler Ritter in schimmernder Rüstung ... das warst Du damals für mich. Bevor Du fielst. Du musst nichts wieder gut machen. Du bist frei. Immer gewesen. Mir reichen die vielen anerkennenden Frauenblicke, die Dir während der Führung fast zwangsläufig zugeworfen werden. Immer noch der unbezwingbare Held, der strahlende Sieger, der wortgewandte Erzähler. Du lebst und alles um Dich herum verfällt Dir. Oder hasst Dich. Was dazwischen gab es nie. Nur ich konnte mich nie für eine Seite entscheiden.

Du schenkst mir diesen Tag, den Abend und die Nacht in der Geborgenheit Deiner kleinen Welt. Ich hoffe, wir sind beide imstande, die Freunde zu sein, die wir eigentlich hätten von Anfang an sein sollen. Ich hoffe ..

Doch gerade einer Deiner Artverwandten, DER Wolf hier ... der macht mir wenig Hoffnung. Mein halt sind die Münchner, ihre Freundschaft ist die Festung in meiner eigenen so instabilen Welt.



geschrieben von: Hrefnadis

Das erste Mal seit Wochen, dass ich den Ruf der Sackpfeifen nicht vernahm, dass mich der drängende Rhythmus der Trommeln nicht reizte. Am Abend die smsen ... wo bist Du? Nicht in dieser Welt oder mehr in dieser als sonst.

Der gestrige Tag verrückt. Das Schicksal mehrerer Menschen sollte sich an diesem Tag entscheiden, für manche endgültig, für andere nur für Jahre ... mein Mann erhielt die verbindliche Zusage auf ein Anschlussstudium, sogar ein hochkarätiges, zwei erneute Jahre Sicherheit und der Gedanke an eine Promotion im Hinterkopf. Wie er gestern in der Tür stand "Ich fühle mich soooo spießig." Die hohe, männliche Gestalt, die Springer dezent unter der schwarzen Röhrenjeans versteckt, das weiße Hemd, das schwarzglänzende Lederjacket, die hüftlangen, dunkelblonden Haare zusammengebunden, der Bart frisch gestutzt. Sehr ansehnlich. Ich bin stolz auf ihn, jawohl!

Doch das war die einzige gute Nachricht des Tages ... Die Entscheidung über die weitere berufliche Zukunft meiner kränkelnden Mutter - verschoben. Der Befund der Krebsuntersuchung bei meiner permantent krank seienden Tante - ungewiss. Sie geht seit gestern nicht ans Telefon. Es ist ein mulmiges Gefühl, wenn man die Generation vor sich dahinsiechen sieht. Die Großeltern schon längst unter der Erde, trifft es nun die nächsten, noch so jungen. Meine Tante ist nur 12 Jahre älter als ich. Bestürzung und Trauer ...

Und ich? Der Bescheid, der meine eigene Zukunft bestimmt, ist noch nicht durch. Es sieht nach Kampf aus. Womöglich werde ich ihn nicht ohne weiteres bekommen. Vielleicht, wahrscheinlich. Wäre nicht der erste Kampf, den andere verlieren. Und ich WILL diese Studienschwerpunktverlagerung. Ob Du, liebe Universitätsverwaltung, den Magister abschaffen willst oder nicht, ist MIR dabei sehr egal. Ich mag zwar die schwächere in diesem Match sein, aber ich habe die besseren Karten.

Ich hoffe aber, ich kriege es noch mit Argumenten hin. Soll ja noch vernünftige Menschen geben ... soll.

Vergraben hinter den Büchern .... Nesser schreibt, dass Einsame oft sehr belesen wären ... und das Wahnsinn so dicht am Genie liegt. Wie wahr! Immer nur eine Handbreit davon entfernt. Doch ich bin ja nicht einsam, und ich habe keine Zeit für Wahnsinn, hmm? Das Handy tüdelt schon wieder. "Sagt an, Bredhiya .." Jaja, kleiner Bruder auf vier Pfoten, irgendwann die nächsten Tage ...

Vier Pfoten mit Zähnen und Klauen. Wolf, der mir auf dem Unigang das letzte Mal für dieses Semester entgegen kommt. In den Augen vorsichtiges, aber doch deutlich erfreutes Glitzern, die Umarmung fest und warm. Es renkt sich langsam wieder ein, aber auf neue Art, nicht mehr so wie früher. Da ist eine neue Distanziertheit dabei, eine neue Achtsamtkeit. Schade, dass es so ist, und bedauerlich, dass mein Herz immer noch einen Moment aussetzt, wenn ich ihn sehe, im wiegenden Gang der Schwertkämpfer, geschmeidig und gefährlich schön auf seine Weise. Wir werden sehen.

Bin ich einsam ... nein, geht ja gar nicht. Keine Zeit, weder für Wahnsinn noch für Einsamkeit. - Ich möchte der netten Mutter mir gegenüber mit der blanken Faust ins Gesicht. Ist das Wahnsinn? Nö. Vielleicht nur ein bisschen überzogen. Mein Sohn wurde nicht zur Geburtstagsfeier ihrer Tochter eingeladen. Obwohl sie sehr viel miteinander spielen. Und ich werde den Verdacht nicht los, dass dies mit schwarzer Kleidung und unkonventionellem Betragen der Eltern meines Sohnes zu tun haben könnte. Mein Sonnenschein, mein Goldstück, mein Alles. Bin ich verrückt, wenn ich es nicht leiden kann, dass man Kinder für den Lebensstil ihrer Eltern abstraft? Ich sitze zwischen diesen - anderen - Eltern und fühle mich doch wirklich einsam. Neben mir im Raum höre ich das silberglockenhelle Lachen meines Sohnes und wünschte, ich könnte ihn einpacken und mitnehmen. Elternnachmittage. Tolle Erfindung. Man darf Kritik üben, an die sich eh keiner gebunden fühlt. Und in mir drin bekämpfe ich müsam den Wunsch, Amok zu laufen.

Sobald ich zu Hause bin und das Kind schläft ... schnappe ich mir ein Buch. Nesser - Die Schwalbe, die Katze, die Rose und der Tod. Und ich bin der festen Überzeugung, dass ich mir Blake zulegen muss. Dringend.



geschrieben von: Hrefnadis

Things.

Mein goldener Wolfswelpe kommt zur Tür hineingedackelt, den Papa im Schlepptau. 90 cm blühendes, kraftstrotzendes Leben. "Weisst Du, was DEIN Sohn heute angestellt hat?" fragt der Papa mit einem leicht amüsiert-tadelnden Unterton. Natürlich weiss ich das nicht. Söhnchen klappert vielsagend unschuldigst mit seinen großen himmelblauen Augen. Ich erfahre nebenbei, während ich das kleine Energiebündel einfach nur ständig bekuscheln muss, dass Klein-Sonnenschein sich heute im Kita-Waschraum versteckt und dort mittels vier Waschbecken - deren Stöpsel er vorsorglich natürlich betätigt hatte - und laufenden Hähnen eine ordentliche Überschwemmung angerichtet hatte. Stolz drücke ich meinen kleinen Schatz an mich. Noch keine zwei Jahre und schon so viel Erfindungsgeist! Ich lobe ihn ausführlich und dann gibts erst mal was zu essen. Ich bezweifle allerdings, dass es in anderen Haushalten genauso zugeht. Ich bezweifle es sehr. Aber das ist mir egal. Mein Kind darf Unsinn machen. In gewissem Rahmen. Ein paar nasse Füße sind kein Weltuntergang. Das ist Leben, rein und pur.

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Things.

Sie ist gleich im Krankenhaus dabelassen worden, deshalb rief sie nicht zurück. Sie wird morgen schon wieder operiert, obwohl die erste OP nur knapp eine Woche zurück liegt. Man wollte mir nichts zur Diagnose sagen, aber wäre es eine gute gewesen, wäre diese OP morgen nicht notwendig, ich bin nicht dumm. Zwei Generationen vorher starben schon alle Mitglieder meiner Familie an Krebs, ich weiss, was das heisst. Sie ist doch noch so jung, verdammt, keine 50! Sie hat sich so gewünscht, den Knirps zu sehen. Ich dachte, ich hätte Zeit und habe den Urlaub erst für September gebucht. Jetzt erscheint mir das .... wie in einem schlechten Traum. Notfalls muss ich nächste Woche fahren. Notfalls. Damit sie den goldenen Wolfswelpen der so aussieht, als wäre es ihr eigenes Junges, doch noch einmal sehen kann. Damit ich der Frau, die jeder mit meiner älteren Schwester verwechselt, die ich nie hatte, noch einmal in die hellen, blaugrünen Augen sehen kann. Damit ... Verdammt. Nichts herbeidenken. Sie wird es schaffen, sie kommt durch. Sie muss. Sie ist alles, was von meiner - guten! - Vergangenheit noch übrig ist. Sie und der große Wolfswelpe. Nach mir benannt. Fast 2 Meter groß inzwischen, Mitte 20 ist wohl überschritten, stolz und stark. Rotfuchs. Mit mir aufgewachsen. Und so oft, wenn ich mein eigenes Kind sehe, denke ich an ihn, an seine schiere Lebenslust. Leben! Bis zum letzten Kampf, zur letzten Schlacht, zum letzten Atemzug ... war es nicht ihr stets sonniges Gemüt, was uns dieses lehrte? Trotz des alltäglichen Terrors? Und jetzt ... eine sterbende Rose ... noch nicht ... bitte! Du wolltest doch so gerne Oma sein für mein Kind, weil Deine Söhne - die stolzen Krieger - sich standhaft weigern, Familien zu gründen. Wenn Du gehst, geht der letzte Mensch, der mir biologisch verwandt ist (außer meinem Sohn) und für den ich in irgendeiner Weise wirklich noch etwas empfinde. Dein großer Junge ist mir zu fremd geworden, wenngleich das instinktive Verständnis noch da ist.

Bitte lebe! Ich würde meinem Sohn so gerne jemanden aus meiner eigenen - seiner eigenen - Familie kennenlernen lassen, den er unbedarft mögen kann. Denn davon scheinst Du fast die letzte zu sein.

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Things.

Mein Antrag auf Studienschwerpunktwechsel ist durch. Genehmigt.

Ich würde das Ding samt des ganzen Studiums schmeissen, könnte ich dafür 5 Lebensjahre erkaufen. Nicht für mich, obwohl ich weiss, auch ich werde jung sterben. Das liegt in der Familie. Sozusagen.



geschrieben von: Hrefnadis

Eigentlich sollte ich auf dem Wege zum Landgut sein. Sollte. Insomnia machte mir einen fetten Strich durch die Rechnung. Sie und andere Dinge. Ich werde mich nachher hinsetzen und ein Survival-Paket für meine gefühlte ältere Schwester basteln. Die OP oder sollte ich eher das hässliche Wort Amputation benutzen? verlief "gut". Noch steht die Planung für September, noch muss ich nicht früher fahren, noch ist Zeit, sagen die Ärzte. Sobald sie sich halbwegs erholt hat, kommt die Chemo. ... Mein Kopf ist so schwer.

Ich packe in dieses Paket alles, was mir teuer ist. Von Bibliohiler zu Bibliophiler das Buch der Bücher. Zumindest das derzeitige. Lukianenko natürlich. Der Startband zur neuen Saga. Ich habe ihn selbst noch nicht gelesen. Und ich würde deswegen diesen Band für niemanden sonst rausrücken. Kleine Edelsteine aus meiner Sammlung, Kraft und Schutz sollen sie spenden. Süße Spezialitäten aus der Türkei, ihrem Lieblingsurlaubsland - unser Wohnort, mehr oder minder hier in Berlin. Gebasteltes von meinen Männern, Fotos und eine Haarlocke meines Sohnes. Alles, was sagt: Wir haben Dich lieb! Wir brauchen Dich! Wir wollen, dass Du da bleibst!

"Komm, wenn Du weniger Stress um die Ohren hast. Du bist willkommen." sagtest Du schon gestern, alter Freund. Ich hätte Dich so gerne gesehen als herzoglichen Tanzmeister. Elegant bis in die Fingerspitzen und so ganz anders, als ich Dich kenne. Irgendwann ...

Die ICQ-Fenster blinken. Nur einige wenige meiner engsten Freunde haben den Hauch einer Ahnung, was in mir vorgeht gerade. Wolf ist nicht dabei. Wird auch nicht mehr, fürchte ich, nie wieder. Vorbei.

Im Leid ist man immer allein. Letztendlich. Fast. Die Münchner ... ich sehne die Tage herbei, da ich bei Euch sein kann ...

Der Tag versinkt in bleiernder Müdigkeit, Insomnia, Discordia und eine halbherzige Migräne werdenmich heute begleiten.



geschrieben von: Hrefnadis

Behörden-Ping-Pong auf Universitätsniveau.

Dabei stand am Anfang nur eine Idee, der simple Wunsch einer Studienschwerpunktverlagerung. Statt Magister mit Hauptfach Mittelalter und den Nebenfächern Alte Geschichte und Kunstgeschichte bitte ein Magister mit den Hauptfächern Mittelalter und Kunstgeschichte. Eine Kleinigkeit, zumal man ja überall schon eingeschrieben ist.

Also an Anfang die Idee. PING

Der erste Weg geht zur Fachschaft, die kennen sich am besten aus und wissen, wie es THEORETISCH zu laufen hat. Von ihnen kommen ein paar grundlegende Hinweise, wo ich ansetzen muss. Sie schicken mich zu Studiendekanin und Prüfungsausschuss. Wartezeit 0, Ergebnis: klüger. PONG

Die Studiendekanin fange ich nach einer Veranstaltung ab. Sie kann mir erst einen Termin für Ende August geben für die Anerkennung der Leistungen, die ursprünglich für Alte Geschichte erbracht wurden auf das Hauptfach Mittelalter. Wartezeit 0, Ergebis: vorerst abgewimmelt. PING

Ich gehe zum Prüfungsausschuss für Kunstgeschichte, um zu erfragen, wie das nun mit einem Wechsel auf das Hauptfach aussieht. Grundsätzlich gut, wird mir gesagt, aber schriftlich will man mir das nicht geben ohne Absegnung vom Immatrikulationsbüro. Wartezeit: 2 Stunden, Ergebnis: keins PONG

Im Immatrikulationsbüro gibt man sich überfragt und schickt mich zum Büro der Leiterin der Abteilung. Wartezeit: 1 1/2 Stunden, Ergebnis: keins PING

Die Leiterin der Immaabteilung schreibt mir einen Zettel aus, den ich vom Prüfungsausschuss gegenzeichnen lassen soll, wo ich 5 studierte Semester HAUPTFACH Kunstgeschichte bestätigen lassen soll. Hallo? Ich will doch gerade erst ins Hauptfach wechseln? Öhm. So ganz den Statuten entspricht DAS aber nicht! Wartezeit: 0, Ergebnis: Frust. PONG

Ich gehe wieder zum Prüfungsausschuss für Kunstgeschichte. Entnervt und wütend, worauf ich von der Dame halb zu recht ordentlich angeschnauzt werde. Dafür schreibt sie mir komentarlos und völlig unrechtmäßig die Bestätigung für 5 Semester aus. Ich fühle mich wie im 7. Himmel. Damit muss ich nur wieder zum Immabüro. Wartezeit: 1 Stunde, Ergebnis: 1 Zettel PING

Ich gebe dort den Zettel ab, erhalte ein: TOLL! dafür und den Hinweis, dass ich für mein anderes Hauptfach Mittelalter aber nun auch noch eine Einstufung abgeben muss. WAS? Das wird doch vom Wechsel gar nicht berührt? Egal, sie wollen. Ohne den erneuten Wisch wird der Wechsel nicht vollzogen. Wieso mir das nicht vorher gesagt wurde, weiss kein Mensch. Wartezeit: 1 Stunde, Ergebnis: Mordgelüste PONG

Ich gehe also nun zum Prüfungsausschuss für Mittelalter, schon etwas geläutert in meinen Ansichten und werde prompt dafür belohnt. Die schlichte Bestätigung, dass ich meine dort vorliegenden Zwischenprüfungen alle bereits abgelegt habe, überfordert die Dame. Sie wünscht ein ausgestelltes Zwischenzeugnis. Ich nehme all meinen Mut zusammen, um der Sachbearbeiterin mitzuteilen, dass ich erst Ende August mit der zuständigen Studiendekanin (siehe oben) wegen der Anerkennung verschiedener Scheine einen Termin habe und dann auch dort das Zwischenzeugnis zu beantragen gedachte. Dies wird umgehend verworfen, ohne einen Antrag auf das Zeugnis bekomme ich meine Bestätigung für das Immabüro nicht. Erpressung, hä? Ich soll am nächsten Tag mit den geforderten Unterlagen wieder kommen. Wartezeit: 4 1/2 Stunden (!!!), Ergebnis: HASS PING

Stand heute.

Morgen werde ich wieder zum Prüfungsausschuss dackeln. MIT den Unterlagen UND dem Antrag, wieder immens viele Stunden Wartezeit und Nerven mitbringen, obwohl mir das langsam schwer fällt. Dann werde ich hoffentlich irgendwann ein Kreuzchen, einen Stempel und eine Unterschrift auf einem wunderbar orangefarbenen Zettel bekommen. PONG

Mit diesem darf ich natürlich erneut zum Immabüro. PING

Und irgendwann nächste Woche kann ich dann EVENTUELL auch mein Zwischenzeugnis abholen. Natürlich beim prüfungsausschuss. PONG

Den Termin bei der Studiendekanin brauche ich aber trotzdem, weil sie die Einzige ist, die Scheine anderweitig anerkennen darf. PING

Derzeit ist TOOL meine absolute Lieblingsband, gefolgt von System of a Down, aber es dauert nicht lange, dann bin ich in den Niederungen des Death Metal versunken und lasse mich zu wirklich BÖSEM Gegrunze herab. Bin heute schon bangend durch die Hütte gesprungen. Und werd wahrscheinlich gleich mal meinen Lieblings-Berlin-Besucher anfordern, ob wir bald wieder Haare ausschütteln gehen. Ich hab so viel Wut im Bauch, dass das für eine Nacht gar nicht langt! Oh, bin ich sauer!

Eines hat das Ganze aber gebracht, ich habe die Wartezeit mir sinnvoll vertreiben können. Mit einem wohlerzogenen, geradezu entzückenden jungen Mann namens Hannibal Lecter. Das Buch ist guuuuuuuut. Und vor allem BLUTIG! Bon appetit.

Und jetzt werde ich vermaldedeiten Antrag fertig machen.



geschrieben von: Hrefnadis

NACH dem Antrag und der ellenlangen Liste, was eigentlich alles so in Kopie und Original und wie auch immer mitzubringen ist, erinnere ich mich fast wolllüstig der Zeiten, da - Hannibal Lecter lässt schön grüßen - an meinen Schreibtisch gelehnt stets ein schönes schlankes Katana zu finden war. Sam kennt diese Zeiten noch, hmm? Ja. Damals. Schön verziert die Scheide mit roten und schwarzen Bändern umflochten, Messingbeschläge. Nelkenöl. Keine Zierklinge, o nein. Scharf.

Oft saß ich nachts, wenn ich keine Menschenseele um mich ertragen konnte, mit dem gezogenen Schwert auf der Fensterbank im Fastpenthouse. In der anderen Hand ein funkelndes Rotweinglas, auf meinen Beinen die Miezen, deren Gesellschaft ich zumeist vorzog. Im Hintergrund vielleicht schwermütige Choräle und Weihrauchduft.

Persönliche Beziehungen, die fast nur übers Netz liefen. Fast. Leben für die Nächte, frei von allem. Frei von Menschen. Bis auf einige wenige.

Der Anruf, der mich dann doch hinunter scheucht. Zu einem von ihnen, DEM einen. Grüne Augen, die mir entgegen leuchten. Damals, vor so unendlich langer Zeit.

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Wolf hat übrigens auch so ein Katana neben dem Schreibtisch.


http://www.artstorm.net/portfolio/2007/katana-sword/katana-sword.jpg

Quelle steht auf dem Bild.



geschrieben von: Hrefnadis

Da erlebt man selbst als alter Hase noch Überraschungen.

Universitäts-Ping-Pong, die zweite.

Heute wieder beim Prüfungsbüro. Dieses Mal weigert sich die Dame schlicht und einfach komplett, die bestandenen Prüfungen zu beglaubigen. Ohne Grund. Die Annahme des Antrages auf Zwischenprüfungszeugnis lehnt sie hingegen mit der erlogenen Begründung ab, es fehlten Scheine. Diesmal war ich wirklich nahe dran, Amok zu laufen. Wirklich. Sie schickt mich zur Studiendekanin. (!) PING

Die Dame hat Goth sei Dank heute auch noch Sprechstunde. Ich muss allerdings mehrere Stunden überbrücken, bis diese beginnt. Sie schüttelt verwirrt den Kopf ob meiner Leidensgeschichte (wir kennen uns aus mehreren Veranstaltungen und sie weiss, dass ich regulär meine Magisterarbeit bald schreiben könnte), unterschreibt mir immer noch ein wenig ratlos den Zettel mit der Beglaubigung der Prüfungen, ohne sie auch nur eingesehen zu haben. Wegen des Zwischenprüfungszeugnisses kann sie mir aber auch nicht weiterhelfen, wenngleich sie mich anhand meiner Scheinflut beruhigt, dass eher zu viel als zu wenig vorhanden sei. PONG

Kurz vor Kassenschluss sprinte ich atemlos ins Immabüro und lasse mir den Schein schnell gegenlesen, ob auch nichts fehlt. Keine Beanstandungen. PING

ABER: Mitte August gibt es eine neue Sachbearbeiterin im Prüfungsbüro. Ich werde abwarten, bis diese anfängt, um meinen Antrag auf Zwischenprüfung NOCH EINMAL einzureichen. In der Hoffnung, dass diese Dame willens und fähig ist, eine Studienordnung zu lesen. PONG

Ich hoffe INSTÄNDIG, dass die Studentenausweise, die Mitte August versandt werden, meine neue KORREKTE Fächerkombination aufweisen. Sonst ... Sonst ....

Ergebnis des Tages: 6 1/2 Stunden Wartezeit, 1 Zettel ! Und eine Migräne.

Ich könnte vor Wut heulen.

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Freund B. Nachtschwärmer. Danke fürs da sein Samstag. So kurzfristig. Wieder einmal über hunderte Kilometer. Nur um mit mir essen und tanzen zu gehen. Nur für eine Nacht.

Baal (hebr. בעל), auch Bhaal, Bel (Bēl) ist im Altertum eine Bezeichnung für verschiedene Gottheiten im syrischen und levantinischen Raum und bedeutet: Herr, Meister, Besitzer, Ehemann, König oder Gott. Baal war ein Titel, der für jeden Gott verwendet werden konnte.

Als Baal wird gewöhnlich der oberste Gott des örtlichen Pantheons bezeichnet und ist meist ein Berg-, Wetter- und Fruchtbarkeitsgott. Mit Baal gleichgesetzt wurde oft der babylonische Wettergott Hadad.
(Quelle: Wikipedia)

Ich mag den Namen. Wettergott. Soso. Dann wird es wohl Samstag gutes Wetter geben. Es wird mir eine Ehre sein, das Restaurant auszuwählen. Wie immer, werde ich auf gute Küche und das nötige Ambiente achten. Und wie immer wird es schön sein, Deine beruhigende, sichere Gegenwart zu spüren. Kein reissender Wolf, sondern Stabilität. Seit jetzt auch schon zwei Jahren immer mal wieder für eine Nacht, wenn ich sie brauchte. Das rituelle Abendessen und dann Haare ausschütteln. Und im Morgenlicht nach durchtanzter Nacht bringe ich Dich dann zum Zug. Wie immer. Verrückt. Aber schön.

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Ich schleiche ums Telefon .... ob sie heute entlassen wurde? Wie geht es ihr?



geschrieben von: Hrefnadis

Entwarnung. Vorläufig. Meine Tante scheint es zu packen. Es - den Krebs. So lange es keine Metastasen gibt. Erleichterung, Hoffnung und weiterhin Sorge. Noch ist nicht alles geschafft, noch nicht ...

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Musiker. Ich habe gerade viel zu viel wieder mit ihnen zu tun. Der Zufall will es. Oder das Schicksal. Mittwoch war mir nach den Dudelsäcken und Trommeln. So sehr! Der Unistress und Ärger musste verdaut werden. Überraschend war ein ganzer Teil der Musiker nicht da - erkrankt. Und ebenso überraschend war ein Teil des Fanvolks der hiesigen Mittelalterrockgruppen anwesend. Augenzwinkernd wurde ich gefragt, ob man denn auch den einen oder die andere aus dieser musikalischen Ecke hier spielen lassen würde. Ich fragte nach und erhielt ein vorsichtiges Ja. Keine halbe Stunde später erklang der Dudelsack eines alten Bekannten auf der Bühne. Ich hatte den jungen Mann seit bestimmt 3 Jahren oder mehr nicht mehr spielen gehört, den Aufstieg der dazugehörigen Band aber sehr wohl mitbekommen. DAMIT hätte ich ja nun überhaupt nicht gerechnet.

Eine wohltuende Ergänzung des Ensembles, wenngleich es auch ein paar Misstöne gab, als wenn reine Mittelaltermusiker und Mittelalterrockmusiker sich wirklich Konkurrenz sein könnten! Und wie sagte sowohl rockiges als auch mittelalterliches Publikum hinterher: Das SCHREIT geradezu nach einer Wiederholung. Hihi. Eine freundschaftliche Umarmung zum Ende des Abends/der Nacht von unserem "Stargast". "Wenn ich gewusst hätte, dass man uns hier auf die Bühne lässt, wären wir schon häufiger mal vorbei gekommen." Und das nächste Mal dann wohl mit ein wenig Bandverstärkung. Die Freude und das Leuchten in den Augen der Anwesenden waren nicht zu übersehen. Bin ja mal gespannt, ob unsere Altstars das auch so toll finden, wenn sie wieder gesund sind. Das werden wir dann wohl sehen. Hihi. Im besten Falle entwickelt sich daraus eine Jamsession, die sich in mehr als einer Beziehung sowas von gewaschen hat.

Auf jeden Fall waren zwei Damen direkt vor der Bühne sehr mit sich zufrieden. Wenngleich es etwas Neidigkeiten gab. Ich MAG Musiker nun mal. Die, die was können und mir ins Auge fallen als kreative, schöpferische Talente, die es wert sind, ein bisschen näher beäugt zu werden. Die Musikrichtung ist dabei erst einmal völlig egal. Und deswegen kenne ich auch so viele von ihnen. Hey, den jungen Mann kenne ich noch aus Zeiten, da lernte er gerade mal Dudelsackspielen! Neidisch auf das merkwürdige Beziehungsgeflecht zu sein, das sich in meiner Gegenwart immer ergibt, ist kindisch. Es IST einfach so. Immer gewesen. Und neidisch zu sein auf die etwas erfolgreicheren Berufsmusiker, ist noch kindischer. Keiner von denen hat noch wirklich Zeit, an einem Lagerfeuer mitten in der Pampa draussen einfach mal für sich und ein Dutzend Anwesender aus Jux und Laune Musik zu machen - oder nur noch sehr selten. Und auf die Jugend dieses Mannes eifersüchtig zu sein? Kann man sich nicht an einem Stern freuen, den man strahlen sieht? Muss man ihn überstrahlen WOLLEN? Weshalb? Seien wir doch froh, dass es junge Bands gibt, die Anregungen der Alten aufgreifen und sie neu vermitteln. Das Leben geht weiter. Manchmal überholt es uns auch.

Musiker! "Sag mal, eine von den Bands, die Du kennst, hätte die Lust ...?" Öhm. Engels Vorschlag am Telefon. Ich bin erst einmal perplex. "Morgen ist Konzert. Frag den Sänger und sag ihm einen schönen Gruß vom Berliner Stammtisch." Einfach so. Die zweite Band, die ich vorschlage, ist die des jungen Dudelsackspielers. Und ich frage mich zum wiederholten Male, ob verschiedene Dinge nicht einfach wirklich Schicksal sind. Aber ich bezweifel, ob das angedachte Event in DIESER Konstellation zustande kommt. Zu weit weg. Aber wenn doch .... "Meine" Münchner und die Berliner auf einer Bühne zu sehen. Die Lieder zu hören, die ich aus ihrer Entstehungsphase noch kenne, die mir am Telefon vorgespielt wurden. Und das MIT den Fans der Berliner Gruppen. Die neue Formation, ihr unverwechselbarer Sound. Ach, Träume! Aber mal schauen. Engels Überzeugungskraft ist nicht zu unterschätzen ....

*träum*

Musiker ...

"Von wem wurdest Du eigentlich musikalisch beeinflusst?" Da könnte ich alles nennen, von Nirvana, ACDC bis Guns'n Roses, Metallica bis hin zu System of a Down aktuell. Heavy Metal! Plus alle möglichen und unmöglichen Abzweigungen *schmunzel* Doch wirklich beeinflusst in dieser Richtung hat mich ein Mann, eine Band. Skid Row mit damaligem Frontmann Sebastian Bach. Lang, lang ists her. Er prägte maßgeblich mein Männeridol und mein Musikeridol. Hab heute erst einmal geschaut, was er aktuell so macht. Rockt durch Amerika. Schön. Im wahrsten Sinne.

http://www.sebastianbach.com/archives/barcelona18.jpe

Quelle: www.sebastianbach.com, Foto Barcelona 2004

Irgendwie wird der Mann weder reizloser noch älter. Und musikalisch .... der geneigte Leser wird beim MySpace oder YouTube einiges über ihn finden und selbst urteilen können. Er trifft immer noch meinen Nerv.

Musiker ... Musik - Lebenselixier.

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Wolf. Vielleicht ist es besser so. Ich weiss, ich sollte mich auf die Hinterbeine stellen und um unsere Freundschaft kämpfen. Sollte. Geht grad nicht. Es gibt zu viele Menschen in meinem Leben, die weniger weh tun. Und der eine, der es mehr könnte, weiss darum und vermeidet es möglichst. Ich weiss auch, dass dies der Weg des geringsten Widerstands ist. Ich hab grad keine Kraft für Grabenkämpfe, deren Sinn ich nicht sehe. Vielleicht sind wir auf dem nächsten Markt nicht oder nur temporär dabei. Vielleicht. Fang den Wind, dann fängst Du mich.

Schade. Aber was soll ich machen? Von Dir kommt nichts mehr ...



geschrieben von: Hrefnadis

Bels hohe, beruhigend dunkle Gestalt auf dem geleckten, crom- und glasblitzenden Bahnsteig des Hauptbahnhofs. Wir beschließen, aus Zeitmangel nun doch nicht mehr feudal essen zu gehen, sondern eher bei McDoof zu dinieren und die gesparte Zeit zu vertanzen. Während ich über meinen McFlurry sitze, klingelt mein Handy. Nach den ersten zwei Worten des Anrufers bin ich aufgesprungen, lasse Freund und Eis zurück und suche mir ein Eckchen, wo ich rastlos hin- und herlaufen kann und Dich trotzdem halbwegs verstehen, durch den Bahnhofslärm auf der einen, und den Festivallärm auf der anderen Seite. Ich weiss, ich strahle und ich weiss, dass Du das heraushörst, Nemesis.

Ein wirres Telefonat, hochemotional, völlig gegensätzlich zu den kurzen Rückmeldungen der letzten Wochen. Trunken vor Sehnsucht. Mein Herz schlägt schwer und ich habe den Eindruck, es könnte schier zerplatzen vor Freude. Doch es kommt noch besser. "Telefonieren wir nachher weiter? Ich hab die ganze Nacht Dienst." Ich äußere mich zurückhaltend, immerhin bin ich mit Bel unterwegs. Doch ich sage auch nicht ab.

Die Welt hat ihre Farben wieder, als Du auflegst. Und mit meiner plötzlich enormen guten Laune stürze ich mich mit Bel ins Getümmel. Doch so wirklich kann ich mich nicht konzentrieren. Wir springen von einer Tanzfläche zur nächsten. Elektronik ist mir zu lasch. Dabei kommen zu viele Gedanken hoch. Ich brauche was, was mir das Gehirn leer fegt. Death Metal von der übelsten Sorte tuts. Auf der Tanzfläche ein attraktiver Mann, der Dir von der Figur her gleicht, mit genauso viel Temperament für Musik. Ich schaue ihm zu, seinen Bewegungen, das dunkle, schweissnasse peitschende Haar ... ich ertappe mich bei halb erotischen Phantasien, jedoch sind die Haare dieses Phantasiemannes deutlich heller "straßenköterblond mit hellblonden Strähnen" "die das Licht so herrlich einfangen?" "wenn sie mal Licht zu sehen kriegen" Dein Lachen im Ohr. Ich teile Bel mit, dass ich Dich unbedingt umgehend sprechen muss. Für meinen Seelenfrieden oder so. Er leiht mir lachend das Geld, dass ich mein Handy aufladen kann und so sitze ich um 2 Uhr nachts in einem Park und telefoniere.

Ich sage Dir alles, was Du hören wolltest, als Du das erste Mal anriefst und vielleicht auch ein bisschen mehr. Alles, was mir stocknüchtern schwer über die Lippen kommt. Deine Stimme vibriert, das kann ich selbst mir einer Metalband im Hintergrund noch hören. Wir sind wieder bei der Vergangenheit, bei verpassten Chancen, bei uns, in der Gegenwart, alles zusammen. Ich sage Dir, wie sehr ich Bayerns Sterne vermisse, das Rauschen richtiger Wälder, der Geruch nach frisch gemähtem Gras. Du erinnerst mich an unsere Landpartien. Ich frage nach dem treuen Vehikel, um überrascht festzustellen, dass es den Wagen noch gibt. Du sollst ihm einen Kuss auf den Kühlergrill von mir geben. "Das machst Du nächsten Monat gefälligst selbst!" Dein Lachen. Wie sehr habe ich gehofft auf diese Zusage, die nun aus heiterem Himmel kommt. Und wie wenig damit wirklich gerechnet. Es kann immer noch so viel dazwischen kommen. Bei zwei so dermaßen ausgefüllten Leben.

Mehr als einmal wird meine Stimme rauh bei diesem Telefonat, mehr als einmal habe ich Tränen in den Augen, aber es sind gute Tränen. Es tut so verdammt gut, so zu fühlen. Eine wahnsinnige Kombination aus rasendem Schmerz, bittersüßer Sehnsucht und allumfassender Liebe. Und Du bist da, bei mir. Deine Worte, die besser trösten, als es jedem anderen gelungen wäre, die meine geheimsten Ängste, die ich niemandem sonst anvertraue, bloß legen. Und heilen. "Wie kannst Du das nur glauben?" fragst Du und ich sehe Dein Kopfschütteln am anderen Ende vor mir. Deine Sonne hat das Strahlen verlernt, mein Schöner. Gib mir mein Leuchten zurück, lass mich in Deinen Augen nach meinem Spiegelbild dort suchen. Du lachst wieder. Wir beide wissen, dass es noch immer so ist, wie es war. Wirklich? 5 Jahre. Inzwischen sogar etwas mehr. Unsicherheiten beiderseits und doch ... Deine Worte zaubern die Hand, die ich in meinen Haaren spüre.

Wie unter Drogen fege ich kurze Zeit später über die Tanzflächen des Clubs. Bei meinem Erscheinen verklingt gerade "Paradise City", was mich ewig an München erinnern wird. Aus einem Impuls heraus wünsche ich mir "Breaking the Law". Dein Lied. Ich tanze mit geschlossenen Lidern. In Gedanken an Deine herrlichen Augen. "Die sind doch gar nicht grün!" "Helles Grün mit hellem Blau eben." "Vergiss das Grau nicht!" Lachen. "Also doch so gut wie kein Grün!" "Einigen wir uns auf Gletschergrün?"

Bel:"Hast Du keine Angst, dass es wieder so wird, wie es früher war, wenn Ihr Euch seht?" Ich überlege. "Ich glaube, es ist unsere größte Angst dass es NICHT so sein könnte." Was ich nicht aussprach: Wofür leben wir denn sonst? Wenn nicht zum Beispiel für diesen winzigen Moment, wenn das Herz aussetzt, weil eine Nuance im Timbre einer Stimme sich verändert. Wofür ist ein spektakulärer Sonnenaufgang gut, wenn man ihn mit niemandem teilen kann, der diesen auch zu schätzen weiss? Und trotzdem gibt es auch andere Dinge, die fast noch wichtiger sind. Das Alltagsleben. Das wir niemals haben werden. So oder so nicht.

Ich hoffe, ich kriege mich so weit ein, dass ich nicht die ganzen nächsten Tage auf rosa Wölkchen durch die Lande schwebe. Zur Vorfreude auf München kommt nun auch massive Nervosität. Was ist, wenn nun doch die 5 Jahre alles ausradiert haben, was früher war? Ich in diesen Augen nur die distanzierte Freundlichkeit eines Fremden finde? Kann nicht sein, sage ich mir .... nun. wir wollen es wohl beide wissen, was und wieviel noch übrig ist. Du hast einen Teil meiner Seele mitgenommen, als Du gingst damals. Fakt ist, dass er sich mitunter sehr verändert haben könnte, wenn Du ihn mir zurück gibts.

"Telefonieren wir Morgen?" Klar. Wann immer.



geschrieben von: Hrefnadis

Wir kommen um die Ecke der Operationsbasis. Neben mir einer der Dudelsackspieler, den Sack auf dem Rücken verstaut und in der Hand den großen Reiterbogen, mein eigener ist über den Rücken geschnallt, sachtes Rauschen von Pfeilfedern, die aneinander reiben, begleitet uns. Das Hallo, das uns empfängt, ist groß. Eine gewisse Erleichterung, dass ich wieder da bin, schimmert durch. Und dass ich auch noch einen bekannten und geschätzten Gast mitbrachte.

Wolf. Ein Lächeln und eine Umarmung auch für ihn. Wir haben uns entfremdet in der kurzen Zeit. Ein bisschen zumindest. Und doch ist da noch Wärme und Zuneigung. Ein großer Rest. Vielleicht wieder ausbaufähig. "Kümmerst Du Dich?" Klar, tue ich das. Mit meiner Energei und meinem Know-How war ich eine der starken Stützen der Gruppe und bin es wieder. Es tut gut, ihre Achtung zu spüren. Das regelmäßige Plopp der Pfeile im Hintergrund, nippe ich an meinem Bierchen. Später kommen auch Mann und Sohn noch vorbei. Stolz zeigt mein Angetrauter den neuen Schild und die neuen Gewandungsteile. Und ich bin ebenso stolz auf ihn. Die Gruppe tut ihm sichtlich gut. Wolf ist überrascht über diesen Fakt, je mehr ich mich zurück nehme, desto engagierter wird mein Mann. Ich lächle in mich hinein. So unterschiedlich wir als Paar auch sind, glaubt wirklich jeder, mein Angetrauter wüsste nicht über jeden meiner Schritte Bescheid, kennte nicht jeden meiner Gedanken? Im Gegensatz zu vielen anderen Paaren besteht unsere Beziehung vorrangig aus dem miteinander Reden. Wenn meine Tatkraft nachlässt, ist mein Mann es, der dies auffängt, so lange er selbst dazu in der Lage ist. Wir sind ein Team. Bestes auf Welt. Mindestens! Vielleicht gerade deswegen, weil wir so wenig typisches Liebespaar sind und auch nie waren.

Meine Gedanken kreisen träge um neue Pfeile, die Schuhbestellung und den neuen Anderthalbhänder für meinen Mann, während ich unserem Dudelsackspieler beim Schießen zusehe. Gute Hand-Auge-Koordination. Wir haben wohl einen Neuen unter uns. Vorsichtig wird gefragt, ob er gruppentechnisch gebunden ist. Ich verneine. Seine hat sich vor drei Wochen aufgelöst. Verschmitztes Grinsen. "Bring ihn bald wieder mit." Werd ich tun. Ich lächle. Mein gutes Auge für Menschen. Auch die neuen "Rekruten", die ich brachte, sind noch dabei, nächstes Wochenende auch auf Markt.

Am Abend die große Tafel. 15 (!) Personen darum, wobei drei/vier schon aus Zeitgründen fehlten. Gebratenes Fleisch, selbst gemachte Salate. Geschichten aus den Lagern, Planungen für nächstes Wochenende. Wir sind. Immer noch, immer wieder. Die Männer größtenteils patschnass, weil sich die großen Krieger, die keine Herausforderung fürchten, mit den Kids eine schwere Wasserschlacht geliefert hatten. Wir nehmen uns ganz furchtbar ernst und haben Spaß dabei.

Auf der Rückfahrt fallen mir fast die Augen zu. Zwei Stunden Schlaf waren etwas wenig für ganze zwei Tage Aktion. Aber es tut gut, jeden Muskel, den man benutzt hat, zu spüren. Wohlige körperliche Erschöpfung.

Doch die Gedanken sind weit weg. Ich war ungewöhnlich schweigsam und introvertiert das ganze Treffen hindurch. Es fiel mir schwer, mich auf die Anwesenden zu konzentrieren und das lag nicht nur an der Müdigkeit, sondern daran, dass die Erinnerungen gerade viel mehr Farbe haben als selbst das ungewöhnliche Alltagsleben, dass ich bestreite.

Erinnerungen ... kann Sehnsucht körperlich weh tun? Ja. Heimweh.



geschrieben von: Hrefnadis

Wacken ... "Ich wünschte, Du wärst hier. .. Sind in großer Gruppe unterwegs, auch Bandmitglieder ... Du fehlst." Wacken war und ist mir immer schon eine Nummer zu groß gewesen. Zu viele Menschen einfach. Kleine Konzerte mit maximal einigen Hundert der Gattung Homo Sapiens und mindestens einem, der mich da wieder raus bringen kann, sind akzeptabel. Mehr nicht. Auch, wenn Du mich behüten würdest Bredhyu (kleiner Bruder), auch wenn Du womöglich dem einen oder anderen Münchner über den Weg läufst. Wacken - nein. Aber bring mir das versprochene Autogramm mit.

Es werden heute wohl doch eher wieder die Dudelsäcke sein, die mich rufen. Der überschaubare Kreis, bereichert um einige, die nur wegen mir ihren Weg dorthin finden und fanden. Letztlich tue ich nichts anderes als Wolf für mich tat, neue Horizonte eröffnen. Ich bin unabhängig von ihm geworden, in vielerlei Beziehung. Meine Kontakte tragen mich inzwischen selbst. Aber er fehlt mir. So wie ich manchmal den meinen fehle. In Wacken oder sonst wo.

Ein Königreich für den Blick in gletschergrüne Augen.



geschrieben von: Hrefnadis

Wieder habe ich Dinge über Wolf erfahren, die ich eigentlich nicht wissen wollte und doch eh schon wusste. In gewisser Weise ist es wie mit meiner Nemesis, da habe ich mir auch ganz gern die Ohren zugehalten, wenn man mir Dinge über ihn zutrug, die ich weder sehen noch zugeben wollte. Hätte alles zu sehr an der Lichtgestalt gekratzt, die ich sowohl in ihm als auch in Wolf sah und immer noch sehe, trotz der Fehler, die beide Männer haben. Nur mit Grünauges Fehlern habe ich immer leben können, mit seiner aggressiven Ader, seiner schaurig-schwarzen Seite, seinen Abgründen inside. An seiner Loyalität war nie zu rütteln, an seiner Geradlinigkeit, seiner Auffassung von Ehre und Wahrhaftigkeit. Selbst, wenn er die eigenen Regeln brach, dann konsequent. Halbherzigkeiten machten und machen ihn - glaub ich - heute noch verrückt. Das ist bei Dir anders Wolf, hmm? Du bist es gewohnt, dass hinter Dir aufgeräumt wird. Mit Deinem Charme kommst Du häufig um eigentlich nötige Konsequenzen herum. Derzeit bin ich ein wenig verärgert, weil Du mich - uns - mit der Planung des Marktes am WE so hängen gelassen hast. Andere hast Du übler hängen gelassen, fürchte ich. Wie weit kann ich Dir noch trauen/vertrauen, jetzt, wo Du auch emotional so weit weg bist? Ich sehe Dich, und weiss immer noch, was hinter diesen dunklen Augen vor sich geht. Ich weiss auch, dass es nicht Deiner Absicht entspricht, die Menschen zu vergrätzen, die Dich umgeben, die Dich mögen, zu Dir aufschauen, aber Du tust es. Sehr erfolgreich übrigens.

Ich bin geneigt, auf Abstand zu gehen. Sehr geneigt. Die Gruppenbindung auf das Niveau einer lockeren Partnerschaft herunter zu fahren. Auf eine Entfernung, die mir sowieso zuträglicher zu sein scheint. Jeder macht seins und wenn man größere Mengen an Menschen braucht, um gewisse Sachen zu stemmen, ruft man sie halt heran.

Vielleicht war das aber auch die erste und letzte Saison in dieser Konstellation. Auch mein Mann ist wütend. Und wenn dieses WE auch nur ein kleiner Tropfen das Fass zum Überlaufen bringt, dann kann man ihn evtl. auch mal richtig in Fahrt erleben. Seltener Anblick, aber sehr beeindruckend. Vor allem möchte ich persönlich dann gaaaanz weit weg sein. Und vor allem nicht im Wege stehen. Könnte ungesund sein, sowas.

Gestern kam die Zusage aus München für einen Krippenplatz für meinen Sonnenschein. Wir hätten wirklich gehen können .... wäre mein Mann jetzt fertig mit seiner Diplomarbeit. Hätten, wäre, wenn .... Heimweh. Nach Münchens Schickeria, nach einem Maß gescheitem Bier, nem Hendl, dem Tegernsee im Abendrot, nach Engels E-Gitarre, D. s dunklem Lachen mit Gänsehautfaktor, der Hexenmama und ihren Weisheiten, nach der dunklen Mähne meines Lieblingsmünchners, nach Sam und Geronimo (der sich sein langes Haar grad abgeschnitten hat, wie furchtbar!), nach meinem Lieblingsrausscchmeisser, nach Sir Robert mit seinem Oldtimer-Fuhrpark und, und, und. Nach den Bergen, der klaren Luft, nach dem Zirpen der Grillen am Abend, nach ....

"Berlin ist verdammt weit weg." Ein Seufzen. Ja. Ist es. Von München aus betrachtet zumindest. Und München ist ebenso verdammt weit weg, von Berlin aus gesehen. Es wird schwierig werden, sich auch nur zwei oder drei Mal im Jahr zu sehen für die nächste Zeit. Wenn überhaupt. Nachtwind, der durch blonde Locken fährt. Ich weiss, woran Du denkst Nemesis, was Du aber niemals aussprechen würdest, es sei denn, ich frage Dich persönlich und sehr direkt. Manchmal höre ich dieses Satz förmlich zwischen den Worten am Telefon hindurch schimmern. "Komm zurück!" Ich wünschte, das ginge so einfach, manchmal wünschte ich das wirklich, und wahrhaftig nicht nur, um Dich häufiger sehen zu können, sondern weil Berlin immer noch nicht mein Pflaster ist und wahrscheinlich auch niemals wirklich werden wird.



geschrieben von: Hrefnadis

Unverhofft kommt oft.

Junior ist krank. Übel. Die Hitze hat ihn schwer erwischt, den kleinen Inbegriff alles Nordischen. Über 30 Grad und dieser Haushalt ist nicht mehr funktionstüchtig. Wir drei gefühlte Norweger klappen zusammen wie Liegestühle, deren Aufbauanleitung vergessen wurde.

Das Lager wird ohne uns aufgebaut und wenn sich die Situation nicht entspannt, müssen wir schon wieder ganz fehlen. Brechdurchfall bei diesen Temperaturen, damit ist nicht zu spaßen.

Schön. Fast zu schön auch: Ich habe die neuen Studienausweise bekommen, natürlich mit meiner ALTEN (!) Fächerkombination. Oh Goth, schenke mir ein Katana, etwas Motivation und ein paar Temperaturgrade weniger ...

So ein bisschen sterben wäre grad ganz angenehm.



geschrieben von: Hrefnadis

Ich habe meine Männer alleine rausgeschickt auf Lager, nachdem es beiden wieder besser geht. Selbst mein Mann hatte zwischenzeitlich Fieberschübe. Warum bin ich nicht mitgegangen? Das frage ich mich jetzt, traurig und einsam, ein wenig. Ich bin so verdammt müde. Völlig aus dem Schlafrhythmus, antriebslos, maulig, verpeilt, latente Kopfschmerzen und was weiss ich alles. Mir geht es nicht gut. Vielleicht hätte das Lager ein paar Dinge wieder geheilt. Vielleicht. Möglicherweise wäre ich auch nur allen mit meiner Art auf den Zeiger gegangen. Ich hatte das Gefühl, das mich niemand wirklich da haben wollte. Niemand zumindest, der MIR wichtig gewesen wäre. Kein Anruf von Wolf. Selbst mein Mann eher darauf erpicht, seine schöne neue Gewandung vorzuführen. Keine weitere Rückfrage, als ich sage, ich bleibe hier. Er hat mich nicht mal angesehen.

In Selbstmitleid zerfließen. Klar. Was soll ich sonst tun? Aller Welt vorspielen, mir ginge es gut? Ich würde alles so einfach wegstecken, wie man das von mir gewohnt ist? Klar tue ich das. Ich kann alles. Nur nicht heute, nur nicht die letzten zwei Wochen fast durchgängiger Migräneschübe, schlafloser Nächte, halbwacher unproduktiver Tage, permanentem Stress. Ich bin kein Roboter. Ich spüre, wie sich alles bereits dem Herbst zuneigt. Dieses Jahr etwas früher, ausgelöst durch die Diagnose, die meine Tante traf und das Zerwürfnis mit Wolf. Es wird dunkler um mich. Ich könnte noch mit Leichtigkeit dagegen ankämpfen, es gibt genügend andere Menschen auch hier in Berlin, die es leicht machen zu kämpfen ... Doch ich sehe keinen Sinn, meinen müden, ausgelaugten, schmerzenden Körper zu ihnen zu schaffen. Ich verbarrikadiere mich hier und werfe ihnen meine Familie zur Ablenkung vor die Füße. Niemand soll mich so sehen. Die, die es dürften, zu weit weg. In Wacken, bei den heiligen Festen oder schlicht in München.

Vielleicht werde ich nachher noch raus gehen. Allein, in Alltagskleidung, mich auf die Suche nach einem Latte Machhiato begben und einem Wasser, dass tief und ruhig ist um meine düsteren Gedanken zu verschlucken und sie im hellen Sonnenlicht gewandelt zu mir zurückzuwerfen.



geschrieben von: Hrefnadis

Die Woche verplätschert. Ja, auch mit Dudelsäcken, mit dem Kauf einer Batterie neuer Pfeile mit Unistress ... nix Neues. Allenfalls hier ein fieses Schmunzeln entlockt und so etwas wie Aufmerksamkeit erkämpft worden. Seit langem las ich kaum noch nachdenkenswerte Beiträge. Diesmal schon. Aber das wird nicht reichen, tut es nie. Wie war das? Die Welt ist kein Wunschkonzert? Vor allem besteht die Welt aus realem Leben. Dies hier sind nur Buchstaben weiss auf schwarz, die damit häufig genug nichts, aber auch gar nichts zu tun haben.

Woanders vielleicht. Hier in meinen Pfaden nicht. Hier ist mein Leben, mein Rückzugsort, meine Pinnwand für alles, was mich bewegt. Bewegt mich grad was? Immer noch die unklare Zukunft. Auch ich sah mir Häuser an in den letzten Tagen. (Mit schönem Gruß an Odessa.) Perlen. Zum Basteln abzugeben. Sowas in der Art. Und doch wissen wir beide - mein Mann und ich - dass Berlin nicht das non plus ultra ist. In unserer kleinen Gruppe die beiden Neuankömmlinge, er ist ebenfalls Münchner, manchmal schwelgen wir in Heimweh, baden darin.

Das andere Haus im Erzgebirge ... die Familie meines Mannes, die letztens anrief, um mitzuteilen, dass die allererste unserer Perlen, für die wir uns ernsthaft interessierten zum Verkauf bzw. zum Verschleudern angeboten wird. Die kleine Stadt, die uns so gerne zurückholen würde, weil sie ausstirbt. Ein wahrhaft lächerlicher Preis. Viel Arbeit und der wahrscheinliche Verzicht auf akademische Würden, die über unsere Studienabschlüsse hinaus gehen. Klein Sonnenschein in einer Dorfschule, weitab von den Verlockungen und Einflüsterungen der Großstadt.

Ich würde so gern etwas grundlegend ändern, doch noch über zwei Jahre sind wir hier festgenagelt, angebunden. Das macht mich rasend.

Ich hab das gleiche gespürt, als ich mit Dir sprach Nemesis. SO hattest Du Dir Dein Leben nicht vorgestellt, hmm? Die gleichen no go's, die Du früher schon abschaffen wolltest, zwingen Dich erneut zu einem Vagabundenleben ohne Heimat. So ähnlich, so verfahren alles.

Du fehlst mir. München fehlt mir. Oder das Erzgebirge sogar manchmal und ganz schlimm: es fehlt mir - häufig genug - meine eigene ursprüngliche Heimat. Apfelbäume und Pferdegewieher, ein schwarzbrauner kniehoher Schatten an meiner Seite und das Rauschen des Baches am Wehr. Über uralte Ruinen klettern, der Geruch nach Zigarre und der Klang der dunklen Stimme meines Großvaters. Abends das Ploppen der Pfeile auf der Scheibe, das Lachen meiner Tante und meines Onkels, als sie merken, dass ich ihnen - statt zu schlafen - beim Schießen zusehe. Dinge, die weh tun, beim bloßen Erinnern. Nicht mal bittersüß. Verloren, tot. Getötet.

"Wo gehörst Du hin? - Tanz mein Kind!" (Duke)



geschrieben von: Hrefnadis

Die Perle sah früher mal so aus:

http://www.picpaste.de/Ansicht_2_1.jpg

Quelle: eigene Unterlagen (irgendwann verhaue ich die Technik, die nicht so funzt, wie ich das haben will)

Es ist ein grandios verschrobener Bau. Und geradezu herrlich heruntergekommen, wenn auch noch in Teilen bewohnbar. Heute sieht sie natürlich anders aus, wenngleich der Urzustand noch wiederherzustellen wäre. Mehr als genug Platz für alle Träume und Wünsche. Einzelstehend, keine Nachbarn. Und doch ist der Ort in 10 Minuten zu Fuß erreichbar.

Irgendwann möchte man einfach mal wissen, wo man hin gehört, derzeit weiss ich nur - wissen WIR nur - wo wir NICHT hingehören.

Nicht alles lässt sich mit Tanzen regeln. Nicht alles kann der Klang der Dudelsäcke und Trommeln heilen. Ich will ein zu Haus. Mein Mann lästerte heute, dass es eh schon schwierig werden wird, meinen partiellen Urwald hier in der Wohnung woanders hin zu verpflanzen. Nur zweieinhalb Jahre haben genügt, um aus wenigen kleinen Ablegern deckenhohe ineinander verflochtene Gewächse zu schaffen. Ich brauche einen Garten. Damit ich auch andere Haustiere halten kann wie meine Lieblingskreuzspinne Paula, die aus meinem Balkon absolute Narrenfreiheit genießt.

Ich will aus dem Fenster sehen können und meinem Kind im Garten beim Spielen zuschauen. Ich möchte wenigstens in meiner Freizeit Dinge mit meinen Händen schaffen. Ich will mich austoben mit meinen kreativen Ideen. Ich brauche definitiv mehr Raum in jeder Hinsicht, als mir Berlin je bieten kann. Allenfalls das Berliner Umfeld verlockt ein wenig.

Ach, München ..... und ewig lockt der Süden. Der TEURE Süden, aber auch der schöne. Es wird doch wohl irgendwo ein Plätzchen für zwei Menschen geben, die Arbeit gewohnt sind, sich nicht scheuen, gute Abschlüsse und Kind(er) mitbringen und sich was Neues zutrauen? Vielleicht. Momentan müssen wir uns erst einmal so einrichten, dass wir zumindest noch zwei Jahre aushalten hier. Wahrhscheinlich geht das nicht ohne Umzug ab. Klein Sonnenschein wird älter und bekommt von diesem unseren Lieblingsghetto schon zu viel mit. Alles liegt mal wieder im Fluss. Kein Ankerpunkt, um den sich mein Leben über das Studium und Familie hinaus dreht, kein Ort, der zu mir gehört.

Bayerns Sterne ....



geschrieben von: Hrefnadis

Seit Tagen die Träume ... bedrängend, müde machend, schlaf raubend. Nemesis, lass mich in Ruhe! Ein bisschen zumindest. Es reicht, wenn Du meine Gedanken des tags oft genug beherrschst, nachts brauche ich meine Ruhe, um die Kraft zu tanken, die Tage durchzustehen.

Und heute Abend großes Aufgebot. Dudelsäcke, Trommeln und dieses Mal eine große Abordnung der Mittelalterrockfraktion.

Dabei würde ich gerne einfach nur träumen ....welch Widerspruch.



geschrieben von: Hrefnadis

Zwar fast ohne Musik, aber mit jeder Menge Menschen lief der Stammtisch. Ich in Gewandung diesmal, obwohl meine Laune Definitionssache war und blieb. Hab mich quer durchgeknuddelt durch die Menge. Schön wars. Auch wenn ich festgestellt habe, dass ich mein Versprechen: Bis nächsten Mittwoch! gar nicht einhalten kann. Nächste Woche bin ich schon on the road. Weiss gar nicht, wie ich all die Arbeit noch bewältigen soll. Wie immer, Stressfaktor pur. So viel Unizeugs noch zu erledigen. Die Hausarbeiten rufen. Ich werde mir wohl Arbeit mitnehmen müssen ins schöne Bayern. Bisher keine weitere Nachricht von Grünauge, was nichts heissen muss. Keine Nachricht heisst auch: keine Absage. Sam musste mir leider schon halb absagen. Doch wir sehen uns. Spätestens im Dezember. Und dann hast Du mich den ganzen Konzertabend für Dich allein.

Ich sollte mich freuen, aber momentan spüre ich nur den wachsenden Druck des auslaufenden Semesters und der vielen unerledigten Arbeit. So viel Zeit ist für Organisatorisches drauf gegangen! Zu viel. Jetzt muss ich ackern. Den Kopf zwischen die Buchdeckel klemmen. Alles erscheint mir so irreal. Ich muss nachher erst einmal die Tickets ansehen, um es zu glauben.

Gestern. Wann hört man auf, sich zu fragen, ob Entscheidungen richtig waren? Der gesunde Menschenverstand sagt: Wenn die Entscheidungen richtig waren, fragst Du erst gar nicht nach sowas. Aber so funktioniert das nicht. Nicht bei mir zumindest. Und bei anderen anscheinend auch nicht. Schwere Hände um meine geschnürte Taillie. "Du bist die Art von Frau, die einen Mann schon verwirren kann." Ich lache und bedanke mich artig für das Kompliment. So lange ich das noch hin bekomme, ist die Welt in Ordnung für mich. Amüsiert funkelnde Kriegeraugen und die Erinnerungen an die eine oder andere scherzhafte Diskussion über Inhalt und Bedeutung des Wortes Nein. Aber heute ist ihm nicht nach Scherzen, sondern nach Seelentrost. Ich geb von meiner Wärme ab, was ich kann, doch derzeit ist das nicht so viel, wie ich selbst gern hätte. Der Alltag schluckt grad den Großteil meiner Kraft. Ich bin so urlaubsreif. "Manchmal möchte man ausbrechen können." sagt er. Er meint seine Beziehung, ich brauche Urlaub gleich von meinem ganzen Leben.

Ich werde häufig gefragt, ob ich glücklich bin, manchmal auch direkter, wie ich in einer solchen Konstellation glücklich sein kann, in "dieser" Art von Ehe. Glück ist etwas enorm Flüchtiges und macht sich nicht an Institutionen fest. Glück ist das Lachen meines Kindes, der so seltene Anblick von Sternen über Berlin, der Klang von Dudelsäcken oder das Funkeln in den Augen eines Freundes, aber auch durchaus morgens aufzuwachen, die Arme um den Menschen zu schließen, den man am meisten auf dieser Welt vertraut, den man schätzt und durchaus auch liebt und den man schlicht niemals missen möchte. Und der vor allen anderen das Rückrat und das Stehvermögen besitzt, es mit so einem Hausdrachen wie mir auszuhalten. Respekt. Ich würde es umgedreht mit mir nicht so lange aushalten.

Glück. Naja. Zufriedenheit. Meistens.

Und manchmal zu viel Fragen. Geb ich zu. Aber ich fürchte, diese Rastlosigkeit und die Tendenz, enge Beziehungen immer wieder auf den Prüfstand zu heben, ist einfach Teil von mir geworden. Selbstschutz. Genau wie die Weigerung, sich so fest zu binden, dass es mich töten würde, DEN Einen zu verlieren. Ich kenne diesen Abgrund und ich will ihn nie wieder zu Gesicht bekommen. "Diese" Art von Beziehung kann nämlich durchaus tödlich sein.

Schwere Gedanken mit Blick auf zu viel Arbeit. Augen zu und durch! Versinken im hoheitsvollen Blick und der stolzen Gestik der Uta von Naumburg. Nun, es gibt Schlimmeres.



geschrieben von: Hrefnadis

http://www.mhoefert.de/images/Radeltour_2003/Naumburg/w_Naumburg_Uta_1.jpg

Motiv: Postkarte aus dem Dom zu Naumburg



geschrieben von: Hrefnadis

Ich fange an, mich abzumelden. Stück für Stück. Nur für diese eine Woche klar. Dennoch. Erstaunt es sie, dass es noch ein anderes Leben gibt außer das hier in Berlin? Ich weiss es nicht, will es gar nicht wissen. Heute sollte ich zum Training fahren ... das Ploppen der Pfeile, Lagerfeuer you know. Die Entscheidung zwischen der Arbeit für die Uni und dem Training fiel erstaunlich leicht. Ich habe Wolf seit Wochen nicht gesehen und werde das auch heute nicht tun. Ich werde meinen Kopf in die Bücher vergraben und so tun, als sei ich das unsozialste Wesen on planet Earth, was ich durchaus auch sein kann. Meine Gedanken kreisen träge um München, das Konzert, "meine" Jungs. Die ersten Tage werde ich bei Hexenmama verbringen, die letzten unter Engels Flügelpaar. Ich habe letzte Nacht von Sir Robert geträumt, vielleicht sollte ich auch ihn anrufen und mich zurückmelden für eine Oldtimer-Ausfahrt und ein Bierchen in Andechs oder am Tegernsee. Dinge, so lange her, so weit weg. Ein ganz anderes Leben fürwahr.

Und jetzt einen Tee gegen die geschwollenen Mandeln und das Buch über fundatio et memoria. Mich hinter der Arbeit verstecken, ist eine Sache. Aber sie ist ja wirklich vorhanden und sie muss erledigt werden. Andere können es sich vielleicht leisten, während ihrer Semesterferien blau zu machen, ich nicht. Und ich will es mir auch nicht leisten können.

Der Gedanke an Wolf schmerzt immer noch ein wenig. Vielleicht werden wir über den Herbst/Winter wieder mehr zusammen rücken. Vielleicht auch nicht. Inzwischen ist es fast egal.

Die kleine sms am Freitag mit der Frage, ob wir uns sehen werden ... bisher keine Antwort. Die wird kurzfristig kommen oder schlicht damit beantwortet, dass eine gewisse Nemesis genau an dem Ort zu finden sein wird, wo ich zufällig auch bin. Oder auch nicht.

Ich sollte mich auf München freuen, doch derzeit habe ich weder Zeit noch Ernergie selbst dafür. Ich werde mein Söhnchen vermissen .... das ist auf jeden Fall schon mal sicher. Auch ein ganz anderes Leben fürwahr.



geschrieben von: Hrefnadis

Magie .... dass ich nicht lache. Magie! Ist die Welt nicht voll davon? Nach Magie zu suchen bedeutet doch kurz vorm Ertrinken nach einem Glas Wasser zu fragen. Magie ist zum Beispiel, dass mein Sohn schon seit Tagen weiss, dass ich verreisen werde. Er weiss es einfach mit seinen 21 Monaten. Er hat noch keine abstrakte Vorstellung davon, was das heisst (von sinnvoller verbaler Kommunikation sind wir noch Meilen entfernt), aber er weiss es trotzdem und klebt an mir wie die berühmte Klette. Es wird weh tun, ihn zurücklassen zu müssen, und wenn es nur eine Woche ist. Die Alternative wäre Stunden über Stunden Bahnfahrt, die er niemals durchstehen würde. Zu unruhig, zu rastlos. Wie Mama, die sich natürlich fleissig Arbeit für die Bahnfahrt mitnimmt.

Bibliothekshopping heute. Mit guter Ausbeute. 14 Bücher a 20 Kilo insgesamt nach Hause verfrachtet. Jetzt muss ich sie nur noch sortieren nach wichtig, wichtiger, am wichtigsten. Und wieder weiss ich sehr genau, warum ich so ungern in der Bib unserer eigenen Fakultät arbeite. Ich kenne zu viele Leute. 15 mins anwesend, 4 Leute getroffen, wovon eine mich auch gleich wieder um Hilfe bat. Irgendwann sollte ich Geld dafür nehmen. Dafür wuchs mein Ego gleich 2 cm, als mich die Mädchen in den Bibs mit der Hochachtung, die sie wahrscheinlich vor einer Dozentin hätten, behandelten. Ich schmunzelte in mich hinein. Was anderes Outfit, dezente Schminke und damenhaft hochgestecktes Haar so bewirkt. Und natürlich die Thematiken der bestellten Bücher. An sowas wagen sich jüngere Studenten in der Regel nicht heran. Zu theoretisch, zu viel Quellenarbeit. Genau mein Fall.

Ich kanns immer noch nicht glauben, dass ich morgen fahren soll. Ich mache mir sorgen, dass meine Männer eine Woche alleine klar kommen, zumal die Kita Betriebsferien hat und Sonnenscheinchen absolut unausgelastet deswegen ist. "Ich hole Dich dann ab." Die klare, zuverlässige Stimme von Hexenmamas Gefährten. Ein Mann, ein Wort. Wir lernten uns damals beim Konzert von D. kennen. Er sprach mich an, weil ich alle Texte mitsang und D. von der Bühne aus zu mir herunter winkte. "Kennst Du ihn auch?" Klar kannte ich. Und wir stellten schnell fest, dass wir noch andere gemeinsame Bekannte im Publikum hatten. Wer hätte damals ahnen können, dass dies die letzte Begegnung dieser Art unter so vielen Freunden sein würde. Alles zerbrochen.

Von D. habe ich jetzt auch schon seit einigen Wochen nichts mehr gehört. Er kümmert sich um seinen Clan - neben der Tour natürlich. Dennoch ... er sollte sich bald wieder melden, nur für meinen Seelenfrieden. Trotz der vielen Verluste sind Dinge geblieben, unverrückbar. Und das ist gut und richtig so.

Ich fahre. Morgen. Unglauben. Aber absolut! Endlich! Will ich wirklich?

Magie, manche Arten davon hat man am liebsten von ganz weit weg. Und dennoch möchte ich in keinem Falle ohne sie leben wollen.

Immer noch keine Nachricht von Grünauge. Macht nichts. Wir werden sehen. Irgendwie.

Verdammt, ich glaub, ich brauch nen Beruhigungstee.



geschrieben von: Hrefnadis

So viele alte/neue Eindrücke. Erinnerungen, aktuelle Erlebnisse .... Was mir fehlt in Berlin ist auch nur EIN Mensch (Schandor und meinen Mann ausgenommen), der mich mit dieser Art von Zuneigung in den Augen ansieht, wie es "meine" Münchner tun.

Damals

Wir saßen auf den Steinen des Amphitheaters nebeneinander und folgten dem Diskurs, der hart und erbittert geführt wurde. Unten der Sänger D., ganz in schwarz damals, die lange Gestalt ausgestreckt, Federn in die dicken Locken geflochten. Ab und an streifte mich aus seinen blauen Augen ein lächelnder Blick. Rechts von uns auf der Anhöhe schräg gegenüber die dunkle, weit tragende Stimme meines Bruders. Stolz und kompromisslos. Die schwarzen, brennenden Augen glitten ebenfalls ab und an herüber und dann bekamen sie einen weichen, warmen Ausdruck. Vor ihm, ein paar Reihen tiefer unser damaliger Mentor, dessen analytischer, forschender Blick bei jeder unserer Wortmeldungen auf uns ruhte. Ein Diskurs auf hohem Niveau. Zerstörerisch, wie sich später herausstellen sollte. Das letzte gemeinsame Treffen der Drei und ihrer jeweiligen Anhängerschaften. Alles zerbrach. In meinem Leben hielten sich nur der Sänger und der Mann neben mir, dessen Frau meine Hexenmama werden sollte.

Heute

"Pass auf, wo Du hintrittst, Hrefna." Die Warnung kommt nicht von ungefähr. Wir kraxeln auf glitschigem Fels über 30 bis 50 Meter Abhängen herum. Zwischen uns schießt der schwarze Schatten vom "Hauswolf" hin und her. Die Pudelriesenschnauzermischung ist fit und deutlich trittsicherer als wir Zweibeiner. Wir turnen zwischen den Felsen hin und her und suchen die alten Opferplätze auf. Heiliger Grund. Älter als unsere Geschichtsschreibung. Wir finden Reste eines Lagerfeuers und Opferkränze und grinsen. "Da schau her .." Naturrreligiosität ist kein singuläres Phänomen mehr. Klar freue ich mich, dass ich die Plätze mal zu Gesicht bekomme, aber das ist nicht das schönste Geschenk des Tages. Das war das "Hrefna", das den den Menschen nordischen Glaubens so leicht über die Lippen kommt. Ein ganzes Stück Heimat. Meinen "richtigen" Namen höre ich sonst kaum noch. Und hier ist er die Regel. Ich werde auch anderen so vorgestellt. Das erste Mal seit ewigen Zeiten bin ich wieder stolz auf diesen Namen, den man mir verlieh. Clanfeeling. Zu Haus.



geschrieben von: Hrefnadis

Damals

Die schöne, füllige, so unendlich charismatische Frau kommt mir entgegen, umarmt mich und sagt: "Auf Dich habe ich lange gewartet." So ähnlich jedenfalls. Ihre Ausstrahlung wirft mich um und ich bin wahrlich bei Frauen nicht so leicht zu beeindrucken. Wir sitzen mit einer ihrer Kolleginnen im Biergarten und schwatzen. Der Kellner beäugt uns mistrauisch. Pumps, Business-Kostüme, dezente Schminke. Aber die Amulette missfallen ihm, die Symbole auf den Ringen und das Blitzen des einen oder anderen Tatoos unter dem Stoff. Als wir drei uns spontan an den Händen fassen, weil wir uns schlicht mögen, schickt er einen anderen Kellner zu unserer Bedienung. Wir lachen herzhaft und lassen keine Gelegenheit aus, das nunmehr erkorene Opfer unserer guten Laune zu verunsichern. "Was glaubt ihr, wofür der uns hält?" "Für das, was wir SIND!" sagt Hexenmama grinsend. Später gehen wir Hand in Hand durch den Park. In der Mitte diese unglaublich attraktive, strahlende Frau, an der einen Hand ihre Kollegin und Schülerin, an der anderen mich, ihre Tochter. Und das bin ich bis heute geblieben.

Heute

Die Jahre waren sanft mit ihr. Ihr wahres Alter ist kaum zu schätzen. Das dichte, früher schwarze Haar ist jetzt silbern und leuchtet aus sich heraus wie ein Diadem, wenn sie es hoch steckt. Ihre Stimme ist warm, voll und mit Weisheit gefüllt. Sie ruht vollkommen in sich. Hexenmama. Die einzige Mutter, die ich mir je wünschte. Sie erkundigt sich nach ihrem Enkel und ihrem Schwiegersohn und trägt mir auf, die beiden das nächste Mal mitzubringen. Ich verspreche es. Auch sie sollen des tiefen Friedens teilhaftig werden, der an diesem Ort herrscht, den sie sich so sehr erkämpft hat. Ihr zu Hause. Das auch meines werden könnte. Überall Blumen ..... so viel Grün, die herrliche Luft. Das lang vermisste Bayrisch. Diese freundlichen, aufrechten Menschen. Mir blutet das Herz vor Heimweh. Und doch ist alles Balsam für meine Seele.



geschrieben von: Hrefnadis

Damals

Der Finger fährt über die Landkarte, zeichnet die kleinen, gewundenen Bergstraßen nach. Der Wind lässt meine blonde Mähne um meinen Kopf wedeln, dass ich kaum was erkennen kann. Plötzlich bremsen wir, ich werde in den Sicherheitsgurt gedrückt und schaue etwas verärgert zum Fahrersitz hinüber. Sir Robert, souverän am Steuer meines Blaubeerkörbchens (himmelblaues metallic-glänzendes Cabrio mit Überrollbügel) grinst breit und macht eine Geste. Vorn zeichnet sich der dunkle Schlund eines Tunnels ab. Ich schnalle mich ab und knie mich rücklings auf den Beifahrersitz, halte mich am Überrollbügel fest, als mich der Fahrtwind voll erwischt und sehe mir die Kolonne an, die uns folgt. Auch die blitzenden Fahrzeuge hinter uns bremsen vorm Tunnel ab, die Fahrer geben Lichthupe oder winken mir zu. Wir passieren den Tunneleingang. Schlagartig wird es dunkel, ich spüre, wie mein so vertrauter Wagen für einen Moment im Leerlauf schnurrt, um dann zornig aufzuheulen, als er in einen Gang tiefer gezwungen wird und mit durchgetretenem Gas einen Satz nach vorne macht. Der Tunnel hallt wider von infernalischem hellen Motorengeheul. Hell? Ohja, denn hinter uns zieht der Morgan das gleiche Manöver durch. Die 8 Zylinder lassen das Bergmassiv über uns erbeben, danach kommen die Italiener mit ihren wieder etwas höheren Stimmen, die einfallen in den Chor. Ich zähle nach, erst die Wagen, die ich noch sehen kann, danach warte ich nur noch auf das Motorengedonner am Tunneleingang, das uns hinterher schallt. "Vollzählig." stelle ich befriedigt fest und kehre auf meinen Sitz zurück. Vor uns wird es wieder hell. Der Blick auf den Gardasee wird frei gegeben. Blaugrüner Edelstein umhüllt von schnellbekrönten Bergen. Und doch sitzen wir im Shirt im offenen Cabrio und frieren nicht im geringsten. Der nächste Tunnel. Ich wechsle einen amüsierten Blick mit Sir Robert am Steuer. Diesmal überrascht mich das Bremsmanöver nicht. Lauthals lachend sausen wir mit aufheulendem Motor in den nächsten Schlund, um ihn mit dem Sound unserer Pferdestärken zu erfüllen.

Heute

"Wo bist Du?" fragt mich die altbekannte Stimme am Telefon. Ich wende mich suchend um. Sir Robert lehnt an seinem Dienstwagen, das Handy in der Hand und grinst sein jungenhaftes Grinsen. Ich laufe ihm entgegen, die Umarmung ist fest und der übliche Kuss sanft wie eh. "Darf ich das überhaupt noch?" frage ich etwas verspätet. Er lacht. "Wir sind doch verheiratet, da darf man das." Immer noch dieser spitze, zweideutige Humor mit noch viel mehrdeutigem Hintergrund. Wir reden lange, auch wenn es uns nicht lange genug ist. Wenig Zeit, die er sich hat abschwatzen können mit seinem Charme. "Das nächste Mal machen wir ne Ausfahrt an den Tegernsee." Höre ich da Wehmut in seiner Stimme? Ich lächle. "Darf ich mir das Auto aussuchen?" "Klar, was hättest Du denn gern? Der BMW (das Schnuffelstück) ist jederzeit ausfahrbereit, einige andere auch, aber bei einigen müsste ich auch noch was tun, bevor sie wieder fahrtüchtig sind. Du kannst auch Deine eigenen nehmen." Ich setze zu einer Frage an, den BMW betreffend, der mit seiner eleganten Schwärze und den klassichen Formen schon immer mein Liebling war, bevor ich realisiere, was ich da eben hörte. "Meine eigenen?" Perplex schaue ich in lachende Augen. "Das Blaubeerkörbchen und der Angsten stehen bei mir, seitdem Du gegangen bist. Ich habe aus Platzgründen nur den anderen kleinen Renner verkaufen müssen." Ich brauche ein paar Sekunden, bis ich diese Nachricht verkrafte. "Du hast die Wagen fast 6 Jahre aufgehoben?" Er lacht. Und ich kann seine Gedanken lesen. Er hat den Gedanken nie aufgegeben, dass wir vor allem den Angsten zusammen wieder flott machen könnten, dass ich zurück kommen würde und dass mir High Heels ganz gut stehen, genauso gut wie der Blaumann mit den Ölflecken. Ich frage mich, wieviel er nehmen würde, wenn ich beide Wagen zurück kaufen wollen würde. Und er liest meine Gedanken. Dieses Lockmittel wirkt auf jeden Fall. Sir Robert. Der ewige Junge. Inzwischen auch Vater von zwei Kindern, Geschäftsmann im mittleren Alter. Der zuverlässigste Mensch auf diesem Planeten. Ältestbester Freund, seit 11 Jahren. Und immer nur halb so solide, wie er aussieht. Mindestens.

Irgendwo da draussen steht mein Blaubeerkörbchen, dessen Verdeck erneuert werden müsste und das einige kleinere Reparaturen nötig hätte, dann ist es wieder straßentauglich. In der Sonne gleißt es richtiggehend. Noch kein richtiger Oldtimer, aber nahe dran. Mit einem gescheiten Doppelvergaser und einem neuen Fahrwerk sowie den passenden Felgen sieht die kleine Perle richtig böse aus und macht auch beim Fahren was her. Ich wurde immer belächelt, dass ich viersitzige Cabrios bevorzugte ... auf dem Rücksitz kriegt man auch Kindersitze unter. Gedanken, die einfach so kommen ...

Der Angsten, KEIN Alltagsauto, kein Vier- oder Zweisitzer. Eine Rennmaschine, gedacht für einen einzigen Piloten. Giftgrün. Ein Sanierungsfall ohja. Aber der Wagen ist einfach nur der Hammer. Die Fahrer der großen Renner nannten ihn schlicht: getunter Einkaufswagen oder Rennhandtasche. Aber schnell war er! Schneller als ihre Maschinchen oft genug, denn viel, viel wendiger.

Der Angsten, ebenfalls irgendwo da draussen, abgedeckt mit einer Plane, die ebenfalls grün getönten (!) Scheiben matt und staubig. Aber ich kann mich sehr genau des Gefühls erinnern, wie es war, dieses Minigeschoss zu fahren. Kommt nahe an Sex ran. Wenn man Spaß an Sex hat zumindest.

In meiner Vitrine im Wohnzimmer liegen die Abarth-Zeichen. Neben dem Pokal von damals. Der Skorpion auf gelb-rotem Grund. Gedacht für die Kotflügel des Angsten. Auch ich habe sie nie wieder her gegeben, auch wenn sie an genau dieses Fahrzeug gehören und nirgendwo anders hin. Und ich niemals auch nur dachte, ich würde das kleine grüne Miststück jemals wiedersehen. Man kann sogar nach Autos Sehnsucht haben.


Das ist ein Autobianchi Abarth. Der Angsten ünterscheidet sich dahingehend, dass es die Straßenrennen-Version dieses Fahrzeugs ist. Kurz: breiter, tiefer, härter, schneller. Für den Angsten musste sogar die kleine Motorhaube nach außen ausgebeult werden, damit der Doppelvergaser noch in den Motorraum passte. Er hat bei um die 500 kg mindesten 110 PS, aus denen man aber noch was rausholen kann. ... Rennhandtasche eben.

http://farm3.static.flickr.com/2129/2318013395_807e41fa10.jpg?v=1214946914



geschrieben von: Hrefnadis

Damals

Der junge Mann ist mir vor ein paar Stunden aufgefallen. Ganz in schwarz, langer Ledermantel, blondes feines Haar, das locker über seinen Rücken fällt. Still und in sich gekehrt hält er von allen Abstand. Er strahlt pure Melancholie aus. Mitten im dicksten Trubel steht er einsam am Rand der Tanzfläche, völlig in die harte, aufpeitschende Musik versunken, gar nicht wirklich da. Ich gehe zu ihm, stupse ihn an und die blauesten, schönsten Augen, die ich jemals sah, richten sich auf mich. "Lach einfach mal!" fordere ich ihn auf. "Ähm ...!?"

Ein paar Tage später treffen wir uns bei einer anderen Veranstaltung. Wir stehen am Tresen und unterhalten uns. Eine dieser etwas merkwürdigen Unterhaltungen, die man nur mit Engeln führen kann. "Irgend etwas hast Du mit Deinen Augen gemacht, die glänzen verdächtig." stellt mein Gegenüber fest. Ich lache. "Du bist eine Hexe, oder?" Ich lache noch mehr. "Ich werde auf jeden Fall nicht mit Dir schlafen." Es dauert eine Weile, bis mein Lachkrampf abebbt. Nachdem ich Worte finden kann, frage ich, wie man(n) denn darauf kommt, dass ich an sowas Interesse hätte. Mit einem nachdenklichen Blick in meinen Ausschnitt verkündet mein Gesprächspartner: "Ich hatte da so eine Ahnung." Ein Mann zum Verlieben, aber echt!

Zwei Jahre später. "Oh Engel, Deine Frustanfälle gehen mir auf den Zeiger! Such Dir was zum Fi**** oder nimm endlich wieder eine Gitarre in die Hand, das ist ja nicht auszuhalten!" Nunja, Frauen sind deutlich komplizierter als Gitarren.

Heute

Ich sitze am fremden Rechner, gehe die Mails durch. Hinter mir ertönt leise (ohne Verstärker) das melodiöse Spiel auf einer Gitarre. "Das ist neu." stelle ich fest. Engel legt das Instrument weg. Er ist sichtlich nervös. "Das wird schon!" sage ich und es wurde - natürlich. Stolz bin ich schon auf ihn, als ich ihn auf der Bühne sehe. Sie reissen die Menge mit. Aus dem Stand quasi. Die Luft kocht fast. Auch andere moshen wie ich, aber so gut wie keiner kennt die Lieder, denn die Band ist neu. Ich kenne fast jeden Tempowechsel, manche Stücke könnte ich mitsingen, bei anderen ist mir jede Note vertraut. Oft hat mir Engel in der Kompositionsphase Melodien und Stücke vorgespielt am Telefon, oft bekam ich halbfertige Abmischungen, um sie zu beurteilen. Und es wird ein voller Erfolg. Nichts ist mehr mit Melancholie, ein vor innerer Gesundheit strotzender, strahlender Engel bezaubert die Gäste. Zum Verlieben schön. Ich bin sehr zufrieden, wenn ich auch immer noch den kleinen, feinen Stich links von der Mitte spüre, den ich immer empfinde, wenn ich diesen einen Engel fliegen sehe. Aber Engel sind nichts für mich. Nur zum Anschauen und zum lieb haben. Selbst wenn sie die schönsten Augen der Welt besitzen. Dennoch halte ich es für ein Privileg, einen solchen Menschen Freund nennen zu dürfen. Und ich hoffe für ihn, dass er sein privates Glück noch finden wird, wenngleich es viele Dinge schwerer machen dürfte. Such is life. Was man liebt, lässt man eigene Wege gehen, in der Hoffnung, dass man sich auf ihnen mal wieder begegnet. Und liebenswert ist er, keine Frage.





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