Die Glocken spielen mein Lied. Mein Grabgeläute. Ich liege hier in meinem Sarg und bin froh, endlich tot zu sein. Über mir höre ich meine Eltern weinen. Es tut mir leid für sie. Aber ich weiß, sie werden es überleben. Bald werden sie erkennen, dass sie auch ohne mich leben können, in einer Woche werden sie sich wahrscheinlich lustige Geschichten über mich erzählen. Währenddessen werde ich in meinem Grab liegen und mich freuen, dass ich tot bin.
Jetzt werden mein Sarg und ich (wir beide sind in den letzten Tagen die besten Freunde geworden) in die Grube gelassen. Die Erde, die mit rostigen Schaufeln über mir ausgeschüttet wird, klingt fast wie Regen. Wie oft lag ich abends bei Gewitter im Bett und habe geweint. Ich räkle mich zufrieden, denn ich weiß, dass wird nie wieder passieren.
Schritte über mir. Sie verlassen das frische Grab langsam, einer nach dem anderen. Der Freund meiner Großmutter ist bestimmt als erster gegangen. Einer der vielen, die mich gehasst haben.
Bestimmt stehen meine Eltern noch da und trauern. Sollen sie nur. Ich habe ihnen vergeben, in dem Moment, als ich die Pillen geschluckt habe.
Ich bin so glücklich. Die Stimmen der Menschen, die alle vor mir gestorben sind oder gerade sterben, klingen sanft in meinem Ohr. Wenn ich will, darf ich sogar meine Lieben im Himmel besuchen. Richtig rein darf ich nicht, der liebe Gott ist nachtragend. Aber da es keine Hölle gibt (ich hab's ja immer gewusst), darf ich tun und lassen, was ich will. Ich darf als Geist durch die Straßen spuken, mich mit anderen Ausgestoßenen unterhalten (es gibt mindestens 6 Billionen). Aber wenn ich will, kann ich auch einfach die Augen zumachen und schlafen. Für ein paar tausend Jahre.
Aber noch will ich nicht. Lieber noch ein paar hundert Jahre hier liegen und den Tod genießen. Zeit genug habe ich ja.