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Nicht die Moral fordert etwas, sondern Menschen. Die Forderung ist auch nicht in sich völlig widersprüchlich, denn Menschen können sehr wohl freiwillig gehorsam sein. Ich denke, es gibt Menschen, die in den herrschenden moralischen Normen Halt und Orientierung suchen und finden. Sie vertrauen auf die Vorgaben ihres Staates oder ihrer Religion.Zitat:
Die Moral fordert etwas in sich völlig widersprüchliches und ist daher auch nicht zu gebrauchen: Den freiwilligen Gehorsam.
Meiner Ansicht nach kann man den moralischen Appell durchaus als Ratschlag ansehen, weil es nicht ausgeschlossen werden kann, dass er im Interesse dessen sein soll und womöglich sogar ist, an den er gerichtet wird. Moralische Grundsätze können Ergebnis langjähriger Erfahrung sein und das Bedürfnis, diese Werte an Jüngere weiterzugeben, ist nachvollziehbar. Einige wenige von diesen sind willens und in der Lage, ohne Widerspruch Grundsätze von Älteren anzunehmen: freiwillig. Man kann nicht sagen: junge Leute sind von Natur aus widerspenstig und unfolgsam. Man könnte höchstens meinen, dies sei heutzutage erfahrungsgemäß häufig so. Die Appelle sind auch begründbar. Lügen z.B. zerstört das Vertrauen, welches für das zwischenmenschliche Miteinander von hohem Wert ist. Wo kämen wir hin, wenn wir uns ständig belügen würden?!Zitat:
Der moralische Apell (z.B. ''Du sollst nicht lügen!'') unterscheidet sich von dem Gesetz, da hinter ihm keine Strafe steht, und er hat auch nichts von einem Ratschlag, denn der Apell richtet sich gegen das eigene Interesse. Warum also befolgen?? Entweder man macht etwas aus eigenem Willen heraus, dann braucht man aber den Apell nicht, oder aber man wird dazu gezwungen, dann ist es aber nicht mehr freiwillig.
Um ihrer selbst willen? Grundlos? Das ist nicht unbedingt gesagt. Es kann auch sein, dass sie im Vertrauen auf (lebens)erfahrenere Menschen und im eigenen Interesse befolgt werden sollen.Zitat:
Moral ist die Gesamtheit der Regeln menschlichen Verhaltens, der Gebote menschlichen Verhalten, die um ihrer selbst willen, also grundlos, befolgt werden sollen.
Das halte ich nicht unbedingt für richtig. Ein moralischer Appell könnte durchaus begründet sein bzw. werden und könnte auch ein Ratschlag sein, sowie auch ein Appell ans Interesse. Man könnte annehmen, dass junge Leute oft selbst (noch) nicht so genau wissen, was wirklich in ihrem Interesse ist. Nicht selten kommt ihre Reue zu spät. Einige von ihnen denken dann "Hätten wir mal darauf gehört…"Zitat:
Es ist das Wesen des moralischen Apells, dass er nicht begründet werden kann -- denn sonst wäre er ja ein Ratschlag, also ein Apell ans Interesse.
Das setzt voraus, dass derjenige glaubt, die Gebote anderer richteten sich stets gegen sein Wohlergehen. Dies muss jedoch nicht zwangsläufig jeder glauben. Übrigens stellt sich die Frage, was der Begriff "Wohlergehen" meint. Nicht jeder versteht dasselbe darunter.Zitat:
Wer an sein Wohlergehen denkt, will sich nicht Geboten unterwerfen.
Was nicht bedeuten muss, dass es kein echtes moralisches Verhalten gibt. Seine Wurzel kann natürlich nicht die Moral (Normen) sein, sondern nur die Einfühlung.Zitat:
Hegel hat daraus geschlossen, dass das Hochhalten bzw. Einklagen moralischer Handlungsmotive (=Moral) seiner Natur nach Heuchlerei sei.
Zitat:
Original geschrieben von CuteCreature
Man soll sich allein des Prinzips willen, also grundlos an etwas halten...
Zitat:
aber die Moral ist doch einfach nur eine Richtlinie für Menschen, um besser miteinander auszukommen, die jeder selbst definieren kann wie er will, bzw. die durch die Meinung der Mehrheit bestimmt wird.
Zitat:
Original geschrieben von CuteCreature
Der moralische Apell (z.B. ''Du sollst nicht lügen!'') unterscheidet sich von dem Gesetz, da hinter ihm keine Strafe steht,
Zitat:
Original geschrieben von CuteCreature
Moral ist die Gesamtheit der Regeln menschlichen Verhaltens, der Gebote menschlichen Verhalten, die um ihrer selbst willen, also grundlos, befolgt werden sollen. Ein moralisches Gebot fordert frewilligen Gehorsam, also etwas, was sich selbst widerspricht.
Zitat:
Es ist das Wesen des moralischen Apells, dass er nicht begründet werden kann -- denn sonst wäre er ja ein Ratschlag, also ein Apell ans Interesse.
Zitat:
Der moralische Appell fordert also dazu auf, dem von ihm genannten Prinzip (z.B. Du sollst nicht lügen! oder Übe Rücksicht!) zu folgen, obwohl es in den Augen des Adressaten doch gerade zweckmäßig erscheint, das eigene Interesse auf Kosten des anderen zu verfolgen -- ansonsten bedürfte es ja des Appells nicht.
Zitat:
Es geht also darum sein Handeln des Prinzips willen zu ändern, somit ohne Grund!
Zitat:
Wenn in der Bibel steht, dass die 10 Gebote das Wohlergehen des Menschen befördern sollen, dann ist das eben ein Widerspruch: Moralische Genbote stehen, darauf hat Kant zu recht insistiert -- ihrem Begriffe nach im Gegensatz zum Standpunkt des Nutzens. Wer an sein Wohlergehen denkt, will sich nicht Geboten unterwerfen.
Zitat:
Wer nicht das moralisch Gebotene tut, wird als Egoist gescholten.
Zitat:
(Egoismus ist also eine moralische Kategorie, ein e moralrichterliche Schuldzuweisung, nichts Objektives. Man sollte sich also überlegen, ob man diese ''Vorwurfskategorie'' überhaupt verwenden will.)
Zitat:
Wir haben hier also das Phänomen, dass ein moralischer Appell zwar keine Wirkung haben kann, das Moral aber durchaus als Bewusstsein existiert. (Dieses Phänomen wäre noch zu erklären, jedoch an anderer Stelle.)
Zitat:
Fest steht:
Moral kann kein Grund für menschliches Handeln sein: Um des Prinzips willen hält sich der Wille nicht ans Prinzip. ABER: er tut so, wenn er moralische Prinzipien hochhält. Moral ist also etwas, was in der Sphäre des Redens und auch Urteilens existiert (auch des Selbstbeurteilens: Gewissen), nicht in der Sphäre der Handlungsgründe. Hegel hat daraus geschlossen, dass das Hochhalten bzw. Einklagen moralischer Handlungsmotive (=Moral) seiner Natur nach Heuchlerei sei.
Zitat:
Original geschrieben von Gezeichneter
Freiheit und Notwendigkeit schließen einander aus.
Zitat:
Original geschrieben von Fichu
Ich wüßte nicht, wieso.
Zitat:
Original geschrieben von Fichu
»Nie gelesen, den Quatsch.«
-- Walter Moers, Die Stadt der Träumenden Bücher
Zitat:
Original geschrieben von Fichu
Nietzsche habe ich ebenfalls nicht gelesen.
Zitat:
Original geschrieben von Xenomorph
...der Grund ist doch offensichtlich...weil "Moral" immer in einem gesellschaftlichen Gesamtkontext steht, in Bezug zu den Ansprüchen und Zielen der herrschenden Klasse...die "Moral" ist darauf zugeschnitten und perfektioniert...auf die Ziele, Absichten und Interessen hinter dieser sozialen Schicht...sie erhebt ihr Ideal zum Mass aller Dinge...
Zitat:
Richtig ist, daß verschiedene Leute zu verschiedenen Zeiten Verschiedenes für moralisch richtig gehalten haben. Das begründet zwar einen reflektierten Umgang mit den eigenen Moralvorstellungen, es begründet aber keinen moralischen Relativismus.
Zitat:
Original geschrieben von Fichu
Richtig ist, daß verschiedene Leute zu verschiedenen Zeiten Verschiedenes für moralisch richtig gehalten haben. Das begründet zwar einen reflektierten Umgang mit den eigenen Moralvorstellungen, es begründet aber keinen moralischen Relativismus. Um es mal etwas unpolemischer zu formulieren.
Um zum Thema dieser Veranstaltung zurückzukommen, ich vermute, daß das Kernproblem des Lehrers das Verhältnis zwischen freiem Willen und moralischen Maximen ist, s. o.
Zitat:
denn selbstverständlich ist jede "Moral" relativ
Zitat:
es gibt daher auch keinen aus der Natur irgendwie ableitbaren Einwand gegen das Töten beispielsweise
Zitat:
denn von einem übergeordneten, d.h. amoralischen Standpunkt aus gesehen ist der Kannibale nicht "böse" und der Vegetarier nicht zwangsläufig "gut"
Zitat:
jede "Moral" lässt sich daher widerlegen, sie sagt nur viel darüber aus, was ihrem Verfechter nicht behagt
Zitat:
es gibt daher viele "Moralen" - und sie alle sind nur für ihre jeweiligen Verfechter geschaffen worden, um ihnen zu nützen und ihren Interssen zum Sieg zu verhelfen...
Zitat:
Original geschrieben von Fichu
@Gezeichneter: Es ist ein schmaler Grat zwischen Tiefsinn und Unsinn.
Zitat:
Original geschrieben von Fichu
(tut mir leid, daß ich mich hier im Forum wiederhole):
Zitat:
Original geschrieben von Fichu
Irgendwie trotzdem alles leicht OT, oder? Was sagt der Threadersteller?
Zitat:
Original geschrieben von noire désir
Hmm, wie wäre es, statt moralischem Verhalten den Begriff des ethischen Verhaltens zu gebrauchen?
Mir scheint, daß dies etwas weniger aktuellen Moden unterliegt und eine etwas grundlegendere Sache ist.
Zitat:
Original geschrieben von Philon
wir leben nicht allein in diesem Universum, insofern ist die Existenz einer moralischen Begründung berechtigt. Denn eine Maxime der Ordnung „du sollst töten“ würde zur Auslösung der menschlichen Spezies führen, was auch unserer Natur widerspricht.
[/B]
Zitat:
Wikipedia Moral bezeichnet meist die faktischen Handlungsmuster, -konventionen, -regeln oder -prinzipien bestimmter Individuen, Gruppen oder Kulturen, sofern diese wiederkehren und sozial anerkannt und erwartet werden. So verstanden, sind die Ausdrücke Moral, Ethos oder Sitte weitgehend gleichbedeutend und werden beschreibend (deskriptiv) gebraucht. Daneben wird mit der Rede von "Moral" auch ein Bereich von praktischen Urteilen, Handlungen oder deren Prinzipien (Werte, Güter, Pflichten, Rechte) verbunden. So verstanden, wertet eine Unterscheidung von Moral und Unmoral. Eine solche Bewertung kann als bloßer Ausdruck subjektiver Zustimmung oder Ablehnung verstanden werden (vergleichbar zu Applaus oder Buhrufen), oder als Beurteilung von Handlungen, deren Maximen oder sonstige Prinzipien in moralischer Hinsicht, d.h. als moralisch gut oder moralisch schlecht. Letzteres entspricht einem metaethischen Realismus. Die theoretische Ausarbeitung unterschiedlicher methodischer Vorgehensweisen und Kriterien moralischer Urteile sind Gegenstand der philosophischen Disziplin der Ethik.
Moral in den Wissenschaften [Bearbeiten]
Moral ist Gegenstand diverser Wissenschaften.
* Ethik ist eine Disziplin der Philosophie, die moralische Prinzipien, Werte, Tugenden, Geltungsansprüche, Forderungen, Begründungen etc. untersucht und oft auch formuliert und begründet.
* Metaethik untersucht die metaphysischen, erkenntnistheoretischen, semantischen und psychologischen Voraussetzungen und Implikationen moralischen Denken, Sprechens und Handelns.[3].
* Moraltheologie (auch Theologische Ethik) untersucht die Beziehungen zwischen Moral und Religion.
* Moralpsychologie untersucht, welche moralische Meinungen, Handlungsweisen und Emotionen Individuen faktisch haben.
* Moral im Kontext sozialer Einheiten oder Organisationen ist einer der Gegenstände der Gesellschaftswissenschaften.
Zitat:
Original geschrieben von CuteCreature
Ich weiss nicht inwiefern das, was ich damit ausdrücken wollte auch rübergekommen ist, aber versteht ihr den Widerspruch?? Man soll sich allein des Prinzips willen, also grundlos an etwas halten...
Zitat:
Original geschrieben von Xenomorph
"Ethik" ist universeller als "Moral" - und ich sehe in ihr sogar etwas von der "Moral" grundverschiedenes..."Moral" basiert immer auf Zwängen und Konventionen innerhalb der Gesellschaft - und ist daher größtenteils scheinheilig und bigott..."Ethik" hingegen sehe ich als das Produkt eines inneren Reifungsprozesses den ein Mensch durchläuft - und der von diesem äusseren Rahmen der "Moral" unabhängig stattfindet..."Moral" ist etwas äusseres und fremdes - "Ethik" ein individueller Prozess...
Zitat:
Original geschrieben von Wikipedia
Moral ist Gegenstand diverser Wissenschaften.
* Ethik ist eine Disziplin der Philosophie, die moralische Prinzipien, Werte, Tugenden, Geltungsansprüche, Forderungen, Begründungen etc. untersucht und oft auch formuliert und begründet.
Zitat:
Original geschrieben von Fichu
[B]Oder anders gewendet: Wie funktionieren moralische Sätze, zum Beispiel: »Man soll nicht lügen.« Weiß ich auch nicht genau. Aber was mich interessieren würde: Hat der Lehrer einen Führerschein? Wenn ja, fährt er auf der rechten oder auf der linken Straßenseite?
Zitat:
Denn eine gewisse Ähnlichkeit von »Man soll nicht lügen.« und »Man soll auf der rechten Straßenseite fahren.« ist ja nicht ganz von der Hand zu weisen: Ich vertraue bei meinem eigenen Handeln darauf, daß andere sich an diese Sätze halten (obwohl ich weiß, daß sie es nicht zwangsläufig tun).¹ Wer lügt (oder links) fährt, verletzt das Vertrauen, daß andere ihm entgegenbringen. Und auf irgendeine wundersame Weise führt das alles dazu, daß ich nicht lüge, obwohl ich das nervige Telefonat dadurch früher beenden könnte, und nicht links fahre, obwohl ich dadurch die Ideallinie fahren könnte.
Zitat:
Keins von beidem steht im Widerspruch zu meinem freien Willen, würde ich behaupten.
Zitat:
Original geschrieben von Xenomorph
...es gibt keinen Widerspruch - denn du hast keinen "freien Willen" - weil es ihn nicht gibt...
Zitat:
Original geschrieben von Fichu
Liebe(r) Xenomorph, viele Leute, die so reden, sind sich gar nicht im klaren darüber, was der von ihnen verneinte »freie Wille« denn überhaupt sein soll. Beziehungsweise, sie machen den Begriff so stark (»von nichts beeinflußt« o. ä.), daß er 1. völlig am Thema vorbeigeht (denn von einem »durch gar nichts beeinflußten Willen« redet niemand) und 2. ggf. sogar selbstwidersprüchlich wird (hurra!).
Ich sage nicht, daß das bei dir so ist, aber wir sollten doch auf jeden Fall vermeiden, daß hier der Eindruck entsteht, du würdest nur populärnihilistische Thesen nachplappern, die du nicht verstehst. Oder?
Zitat:
Original geschrieben von hagzissa13
was das Thema Moral angeht, komme ich zu folgendem Schluß: Moral entsteht für mich aus dem, wie man selbst behandelt werden möchte von anderen, frei nach dem Spruch
"Was Du nicht willst, daß man Dir tut, das füg' auch keinem andren zu....."
Das heißt, ich schätze es nicht wirklich, angelogen zu werden, also lüge ich auch nicht, denn ich kann von niemandem erwarten, daß er nicht lügt, wenn ich es mache. Und so entsteht für mich Moral. Es ist in meinen Augen ein Konsens einer Kohorte zu dem, was allgemein gerne gewünscht ist oder eben auch nicht, beziehungsweise, wie man selbst gerne durch andere behandelt werden würde, oder eben auch nicht.
Zitat:
Original geschrieben von Cagliostro
...nein, nicht unbedingt, aber "freier Wille" ist ein Begriff der Rationalisten, die davon ausgehen, dass der Wille sozusagen im Verstand sässe und weniger in der Emotion, die ja total unnötig ist usw.
Zitat:
Original geschrieben von Cagliostro
...es gibt keinen Widerspruch - denn du hast keinen "freien Willen" - weil es ihn nicht gibt...
Zitat:
Original geschrieben von Philon
Guter Trick um sich schlauer erscheinen zu lassen, Wikipediazitate als Eigene zu präsentieren. Was für eine Blamage!!
Vor allem, wenn du Ahnung hättest, dann hättest du deinen groben Fehler gemerkt, denn das was Hargissa meinte, hat nichts mit dem kategorischen Imperativ zu tun. Mehr dazu nur unter Bezahlung!
Zitat:
Original geschrieben von Philon
Erstens, hast du es immer noch nicht verstanden. Es ging nicht darum, was sie vielleicht meinte sondern in dem Sinne was sie geschrieben hat, also das von ihr Gemeinte.