du heiliges Martyrium, dieser Brief ist nur für dich.
Am 15. August 1997 lernte ich dich kennen, und seit dem ist kein Tag
in meinem Leben auch nur Ansatzweise so gewesen wie vorher.
Mit der Zeit hast du dich immer tiefer in meiner Seele eingenistet,
zuerst mein Herz in Besitz genommen, später dann meine Gedanken.
Inzwischen sind wir beide alte Freunde, wenn auch von meiner Seite unfreiwillig, den oft
habe ich versucht dich loszuwerden, aber ach, wie töricht war es von mir.
Seit diesem Schicksalstag gehörst du zu mir, seitdem brauche ich dich wie die Luft die
ich atme. Bist nicht du es, die mich im Arm hält wenn ich nicht schlafen kann? Bist nicht du
es die dafür sorgt das ich mit Tränen in den Augen aufwache ... Tag für Tag, Woche für Woche,
Monat für Monat, Jahr für Jahr ...? Wer ausser dir weiss wie zerkratzt mein Herz aus Stahl ist?
Wenn die Menschen mir in die Augen schauen, dann sehen sie dich. Wenn sie meine Stimme vernehmen,
dann hören sie dich. Was wäre ohne dich aus mir geworden, kannst du mir das sagen? Nein, natürlich
nicht, den du sprichst nie offen zu mir, sondern immer nur als flüsternde Stimme die mir das
sagt, was ich nicht hören will. Oh ja, das kannst du besonders gut, mir meine Träume und
Hoffnungen kaputt reden, den Samen des Zweifels in mich pflanzen und ihn gedeihen lassen
bis auch der letzte Traum gestorben ist.
Früher dachte ich das du von meiner Qual lebst, heute weiss ich das du von meiner Hoffnung
lebst, die du zerstörst und durch Qual ersetzt. Wir tanzen den Walzer der Agonie, und du meine
Liebe, du führst.
Und eifersüchtig bist du, den sobald ich glücklich bin kommst du, und versuchst mir alles
zu nehmen. Obwohl du weisst das du mich niemals besiegen wirst versuchst du permanent
mich in die Vergessenheit zu stossen. Ach, wann verstehst du endlich den Sinn des Spruches
"A metal heart is hard to tear apart"? Ist meiner Kämpfernatur nicht der Grund für deine
Liebe zu mir? Natürlich! Es macht mehr Spass einen starken Gegner leiden zu sehen als
einen schwachen zu zerschmettern. Wie ähnlich du mir doch bist ....
Aber wenn du mich für kurze Zeit verlässt, vermisse ich dich dann nicht? Wünsche ich mir
nicht das du zurück kommst und mein Herz umklammerst weil ich Angst vor der Freiheit habe?
All meine Tränen, mein Blut und mein Schweiss sind dein Lohn, die Essenz all deines Seins.
Ich bin nur der Spielball deiner Launen, und trotzdem liebe ich dich, oder besser gesagt,
liebe ich es dich zu hassen. Aber das ist eine sehr ehrliche Form der Liebe, das weisst du
selbst am besten.
In wievielen einsamen Nächten warst du meine einzige Gefährtin? Vieles in meinem Leben kam
und ging ... Glück und Pech, Freundinnen, Weggefährten, Erfolge, Bekanntschften und Feinde, aber
nur du warst von Dauer. Wie ein Felsen in der Brandung hast du immer wieder auf deine Chance
gewartet, mir zu zeigen wo mein Platz ist. Und dieser Platz, wehrlos in deinen Armen, ist
inzwischen mein einzig wahres Zuhause geworden. Egal wo ich hingehen oder was ich tun
würde, niemals wirst du mich verlassen.
Du hast mir all meine Angst genommen, den was kann mich schon noch schocken nachdem ich dir
in dein Gesicht gesehen habe und alles von dir erfahren habe was ich nie wissen wollte?
Was wirst du nur tun wenn ich meinen letzten Herzschlag getan habe? Mich in die Ewigkeit begleiten
oder dir ein anderes Opfer, einen anderen Ehemann, suchen? Warscheinlich ersteres, den wir beide
sind so untrennbar geworden das keiner ohne den anderen existieren kann
Am liebsten würde ich dir das Messer ins Herz rammen wenn wir uns küssen, aber ich weiss das
es mein eigenes Herz wäre, das vom Messer durchbohrt werden würde. Du bist ich, ich bin du, wir
sind ein Wesen.
Auf ewig zusammen, in schlechten wie in schlechteren Zeiten. Wie das Licht der Sterne, das uns so hell
erscheint obwohl es längst verglüht ist.
Die Jahre werden verfliegen, aber du wirst mich weiter quälen ... dafür hasse ich dich ... dafür
danke ich dir.
My Dying Dream
geschrieben von: MyDyingDream
Gefühlstot
Der Wind bliess kalt durch die dunklen Strassen. Der Regen prasselte in kleinen Tropfen auf die Erde ... der Himmel weinte. Im gegensatz zum ihm. Er weinte nicht, das hatte er weit hinter sich. Genau wie der schneidende Wind ihm nichts anhaben konnte, liessen ihn Gefühle völlig kalt.
Die wenigen Leute die ihm auf der Strasse entgegenkamen bemerkten ihn nicht, den er war nicht mehr als ein Schatten. Manche bekamen eine Gänsehaut als sie an ihm vorbeigingen, aber niemand konnte sich das plötzliche Gefühl von Trauer erklären. Er gehörte einfach nicht mehr in die Welt der Menschen, und deswegen war er für sie nicht mehr vorhanden.
Er ging an hell erleuchteten Fenster vorbei, in denen er glückliche Menschen sah. Sich liebende Ehepaare, glückliche Eltern ... wärme, geborgenheit, Liebe.
Es gab eine Zeit in der auch geliebt hatte und geliebt wurde, aber diese Zeit war nur ein Schemen einer Erinnerung, verborgen hinter Wänden aus Schmerz, welche mit Fenstern aus Enttäuschung versehen waren. Wie lange war es her das er glücklich gewesen ist? Er wusste es nicht mehr ... er wusste nicht einmal ob er es jemals gewesen ist. Das einzige was in seiner Erinnerung deutlich zu spüren war, war der Schmerz. Diese persönliche Geschichte der Agonie. Er hatte sie bekämpft und letztendlich doch verloren, so wie man immer verliert.
Nun versuchte er die Gedanken, die ihn wie Dämonen quälten, abzuschütteln, aber es gelang ihm nicht vollends. Eine weiter Wahrheit: Man kann sie nicht abschütteln, sie überwinden jede Barriere, und selbst der Tot verspricht keine besserung.
Damals dachte er das sich seine Tränen mit seinem Blut mischen müssen bis sein Herz aufhört zu schlagen, um so dem Schmerz zu entkommen. Jetzt wusste er es besser .... blutige Tränen wischen den Schmerz nicht weg, sondern sie geben ihm eine Gestalt. Und niemand konnte diese Tränen trocknen, nicht in Jahren, und nicht in Jahrhunderten. Schmerz ist zeitlos, ewig und unbarmherzig.
Endlich erreichte er das Eiserne Tor, welches den Eingang zu seinem Ziel darstellte. Es stand offen, wie es immer offenstand ... aber für ihn machte es natürlich keinen Unterschied ob es nun offen oder geschlossen ist.
Der Regen wurde stärker, aber da wo er ging fiel kein Tropfen auf die Heilige Erde. Selbst die Natur wusste das er nicht zu dieser Welt gehörte. Und er selber hatte nicht die geringste Ahnung wohin er überhaupt gehörte.
Seelenlos
Körperlos
Heimatlos
Er ging durch die Reihen der in friede ruhenden Menschen, sah sich die verschiedenen Inschriften im flackernden Kerzenlicht an, ohne das gelesene wirklich wahr zu nehmen. Er kannte seinen Weg, und sein Ziel. Nach 5 minuten erreichte er es.
Ein kleines, unscheinbares Grab, mit einem sehr schlichten Grabstein. Oh wie er diesen Grabtsein hasste, wie er dieses Grab hasste und die Gestalt die in ihm zerfiel. Der Bewohner dieses Grabes war es, der für all seinen Schmerz, alle seine Enttäuschung und all seine düsteren Gedanken verantwortlich war.
Dies war sein erster Besuch an diesem Grab, er hatte vorher nie den Mut gefunden an diesen Ort des Schreckens zu gehen. Genau vor einem Jahr war der Todestag, und es war das schlimmste Jahr überhaupt. Die Todesursache war Selbstmord gewesen. Eine feige Art abzutreten, aber passend. Wieder wallte ein lodernde Welle HASS in ihm hoch. Er würde die Gestalt am liebsten selbst ausgraben und sie zur Verantwortung ziehen, für jeden Fehler den er begangen hatte. Aber er wusste das es sinnlos gewesen wäre ...
Seine Barriere aus körperlosem Selbstschutz zerbrach wie ein Glas das von einem Hochhaus fällt, und schnell füllten die Tränen seine Augen und fielen auf das Grab. Als die erste Träne den Grabstein berührte fühlte er wie ihn der Schmerz verliess und nur ein grosses Schwarzes Nichts zurückblieb. Endlich Frieden ...... dachte ER, der Geist, und löste sich an seinem eigenen Grab für immer auf.
geschrieben von: MyDyingDream
Fassungslos
Bewegungslos ... seit über einer Stunde. Er sass da in nachdenklicher Pose, das Kinn auf die Hand gestützt und die Augen Ausdruckslos in die Ferne gerichtet. Wenn es stimmt das die Augen die Fenster zur Seele sind, dann war er in diesem Moment seelenlos.
Seine Gefühlswelt war genau das Gegenteil seiner äusseren Erstarrnis. Die Gedanken wallten sich zu einem Orkan auf, fegten durch seinen Kopf und hinterliessen nichts als Chaos. Und sein Geist war vollkommen in diesen Orkan eingetaucht während sein Körper keine Regung zeigte, als gehörte er nicht mehr in diese Welt.
Irreal ... genauso kam er sich vor. Er hatte zuviel Schmerz gesehen, sich aber an den schönen Zeiten festgehalten. Und von einem Moment auf den anderen wurde ihm eröffnet das die schönste Zeit seines Lebens nicht mehr als ein Theaterspiel mit einer Hauptdarstellerin und vielen Masken war.
Gefühle ... die mit den Gedanken nicht mehr mithalten können. Er fühlte sich so tot wie seine Augen in die Nacht blickten. Alles hatte den letzten Sinn verloren. Die Sonne würde nie wieder aufgehen ... nicht für ihn.
Tag .... ein wirklich guter Tag ... zum sterben, genau wie jeder Tag auf diesem Planeten. Wer den Qual des Lebens am eigenen Leib erlebt hat brauch keine Angst mehr vor dem Tot zu haben. Die Hölle auf Erden nimmt dem Dahinscheiden seinen Schrecken. Das erklärte auch das völlige fehlen von Angst bei ihm.
Fassungslos ... weil sein Herz gebrochen war und er wie eine Marionette benutzt wurde. Aber die Stricke die ihn hielten würde er zerreissen und sich selbst befreien aus diesem Gefängnis des Daseins. Es gibt zwar genug Hände die ihm aus dem Sog der Traurigkeit ziehen wollen, aber er weiss aus bitterer Erfahrung das diese helfenden Hände nur die Hände der Puppenspieler sind die ihn wiederrum zur Marionette machen wollen.
Ein sehr weiser Mann sagte einmal das ein Feiger Mensch jemand ist, bei dem der Selbsterhaltungstrieb richtig funktioniere. Dieser Mann hatte vollkommen recht ... aber er hat nicht bedacht das Selbsterhaltung genau dasselbe wie Selbstzerstörung ist.
Schwarz ... war sein letzter Blick, Schwarz seine Träume, schwarz seine Hoffnungen und Schwarz seine Begierde. Ein letzter Blick bevor er die Augen schloss um sie nie wieder zu öffnen. Sein Herz hörte einfach auf zu schlagen, weil es gebrochen war. Ein gebrochenes Herz. Manchmal ist es gerade das undramatische und unscheinbare was uns das wahre Grauen der Welt vor Augen führt
geschrieben von: MyDyingDream
Einsamkeit
"Ein langer Weg" Ein Gedanke wie ein Blitz .... plötzlich da und elektrisch geladen. Was meinter er eigentlich? Den Weg den er gerade Gedankenverloren entlangschlenderte oder doch sein Leben. Was bedeutet dieser Begriff eigentlich? Leben, nur ein biologischer Zustand von Zellen oder doch mehr?
Er wusste es nicht, und letztendlich war es ihm egal. Was immer Leben ist, er mochte es nie. Jahrelang ermutigte er sich ... stand immer wieder auf, egal wie gross der Widerstand war. Es muss in allem einen Sinn geben, das machte Mut. Bis die Ernüchterung ihm zeigte das der einzige Sinn das Leid ist.
Andere hatten immer neunmalkluge Antworten auf die Frage ...
Die Liebe ist der Sinn.
Das Geld ist der Sinn.
Die Gesundheit ist der Sinn.
Die Kinder sind der Sinn.
Liebe enttäuscht, verletzt und hinterlässt tiefe Wunden ... Wunden werden narben, und Narben bleiben hässlich.
Geld macht Habgierig und letztendlich unglücklich.
Gesundheit verfällt letztendlich immer.
Kinder? Wieso sollte man dazu beitragen das sich der Virus Mensch ausbreitet?
Alle Wege führen nach Rom, oder in seinem Fall: Alle Wege führen zum Leid.
Wir sind nicht selbstlos ... jeder ist ein Egoist, bei jeder Tat. Und dadruch vemehrt sich das Leid bis es jeden ergriffen hat. Wir sind Herdentiere, und trotzdem alle einsam. Der Mensch kann der Einsamkeit nicht entfliehen. Manche leben damit so gut es geht ... und manche brechen zusammen. Aber wer hat es letztendlich eigentlich besser? Sind nicht die schwachen letztendlich die stärkeren?
So verdammt viele Fragen, und niemand gibt einem Antworten. Soviele Menschen opfern sich für Religion und Gott auf, und das aus Angst vor dem unausweichlichen. Zufall oder Schicksal sind so schreckliche Worte die uns klarmachen wie unbedeutend wir sind, aber Göttliche Fügung ist ja etwas mit einem Sinn, einem Sinn für unser Sinnloses Leben. Diese Selbstlüge ganzer Völker die letztendlich wieder viele Menschen tötet... die Religion als Teufelskreis? Sarkastisch, aber passend.
Aber egal welchen Weg man geht, er endet immer auf dem grossen Platz namens TOT. Reich, alt, jung, arm, glücklich, depressiv .... sterben tun alle. Und dann? Ein weisser Tunnel mit dem Licht am Ende? Das Paradies? Das Fegefeuer? Oder schlimmstenfalls ein weiterer Lebenslanger Aufenthalt auf diesem Planeten? Vielleicht auch endlich der verdiente Friede ... endloses schwarz ohne jede Erinnerung, der Punkt an dem die Gegenwart sich mit der Zukunft zur Vergangenheit vereint ...
Das lustigste ist doch das es keiner weiss aber alle drüber reden. Er nicht. Er weiss das er nichts weiss und weiss somit schon mehr als wenn er nicht wüsste das er nichts wüsste. Aber nicht mehr lange, bald würde er es wissen ....
geschrieben von: MyDyingDream
Ironie des Lebens
"Wieso? Das ist doch die Zentrale Frage in allem. Wieso ist alles so wie es ist? Wieso nicht anders? Wieso leben wir? Wieso müssen wir alles zerstören was wir haben ... die Natur, unseren Planeten, uns Menschen, unsere Liebe, unsere Hoffnungen? Die Antworten weiss niemand, und wenn man ehrlich ist, will sie auch niemand wirklich wissen."
Er stand einfach da und fühlte das kalte Metal in seinem Mund während er das dachte. Er war nicht wirklich traurig, es war einfach nur komisch für ihn. Diese Ironie des Lebens. Man muss sich das mal vorstellen: Millionen Menschen verrecken täglich mit grossen Qualen. An Hunger und Krankheiten. Und was zeigen die Nachrichten? Das mal wieder ein Fussballspieler für 20 Millionen den Verein gewechselt hat. Wenn das nicht witzig ist, was dann? Die gesamte Welt tickt so. Es ist alles ein grosser Kosmischer Witz. Und wir sollten das alle viel mehr würdigen .... Während ein kleines Kind vor schmerzen schreit und elendig verblutet weil es auf eine Landmine getreten ist, die von religiösen Fanatikern gelegt wurde, isst der Papst in seinen Palastähnlichen Gemäuern ein feines Mahl. Und da sag nochmal einer die Welt wäre ungerecht.
Und während diese Ironie immer grausamer wird, halten wir uns mit unseren kleinen Problemen auf. Er dachte an seine Abschlussprüfung. Er hatte sie bestanden ... nein mehr als das, er hatte sie gut bestanden. Viel besser als der Durchschnitt. Aber was bedeutet das wenn man Arbeitslos ist? Man wollte ihn nicht in der Bank behalten. Er hat seine eigene Meinung, sowas wird nicht gerne gesehen. Angepasste Arbeitsroboter die immer mehr leisten und immer weniger dafür bekommen, das wollen sie, keine Individuen. Wieso auch? Individuen machen Fehler, und Fehler mag die Gesellschaft nicht. Wieso auch ... man muss an das Shareholder Value denken. Geld allein macht nicht glücklich sagt man, und das stimmt. Es gehören Aktien, Immobilien und Goldbarren dazu. Womit wir wieder zur Ironie kommen: Die Bilanzsumme mancher Betriebe ist höher als das Bruttosozialprodukt armer Länder. Auch das findet er unglaublich belustigend.
Seine hand fängt an zu zittern, er hat einen Krampf im Arm. Er nimmt die Pistole aus seinem Mund, legt sie auf den Stuhl und zündet sich eine Zigarette an. "Rauchen ist ungesund" sagt er laut und muss ein hysterisches lachen unterdrücken. Welch Ironie an seine Gesundheit zu denken wenn man den Tot vor Augen hat. Zur Feier des Tages trank er noch einen Whiskey ... man gönnt sich ja sonst nix. Er überlegt ob er nicht noch Musik anmachen sollte. Eines dieser depressiven Lieder die er immer wieder hörte ... Texte über Tot und seelischen Qualen. Aber nein, das wäre zu Klischeehaft. Und würde jeder Ironie entbehren. Er entschied sich für einen Titel Names "Bullet Ride" ... ja, das hat Stil. Der Song hat Power und der Titel entbehrt nicht der notwendigen Ironie. Er stellte ihn auf Endlos-Repeat
Durch den Rauch der von seiner Zigarette aufstieg sah er das Foto seiner Verlobten. Naja, Ex Verlobten. Vor zwei Wochen ging es ja in die Brüche. Nach über einem Jahr. Und er wusste nicht einmal warum. Es fehlte nicht an Liebe, es gab auch keinen ernsthaften Betrug. Es funktionierte nur einfach nicht mehr. Und da er glaubte das es für seine Geliebte besser sei ohne ihn weiter zu machen, machte er schluss. Das war das beste was er für sie tun konnte. Eine echte Tat aus Liebe. Nun konnte sie glücklich werden. Manche Leute muss man auch zu ihrem Glück zwingen dachte er und kicherte.
Er wollte weinen, aber er konnte nicht mehr. Keine Tränen, keine Angst, keine Traurigkeit. Nur Leere. Er schaute zur Pistole. Sie glänzte im einfallendem Sonnenlicht, deswegen zog er den Vorhang zu. Die Sonne war ein Feind. In ihrem Licht zeigt sich die Wahrheit, und die Wahrheit war etwas das ihm verhasst war. Wieder und wieder dachte er an die Ironie. Die Sonne, die alles verbrennt was ihr zu nahe kommt schenkt uns das Leben. Tot und Leben, Hand in Hand. Ein weiterer Grund die Sonne draussen zu lassen.
Sein Herz schlug gleichmässig und auch sein Puls war im grünen Bereich. Plötzlich drückte ihm der Whiskey auf die Blase und er ging ins Bad ... wäre doch ne Schweinerei wenn er nach seinem Ableben in einer Pfütze von Urin gefunden wird ... obwohl es eine tolle Ironie wäre. Im Bad sah er sein gesicht im Spiegel. So schlecht sah er garnicht aus. Kein zweiter Brad Pitt, aber immerhin recht gut. Leicht überdurchschnittlich. Aber irgendwas in seinem Gesicht fehlte ... ein blutiges Loch zum Beispiel. Er musste wieder lachen.
Früher hätte er sich für feige gehalten wenn er an die Pistole gedacht hätte. Heute war es ihm egal. Alles war ihm egal. Es gab nur ihn und die Ironie, und die wollte er herausfordern. Würde ihn jemand vermissen? Er wollte sich zwar das Gegenteil einreden, aber wahrscheinlich würden ihn einige Leute vermissen. Seine Mutter, sein kleiner Bruder, sein bester Freund und vielleicht seine Ex-Freundin. Er bekam kurz einen Anflug von schlechtem Gewissen, dachte dann aber an die Ironie das alle erst weinend am Grab stehen und 2 Wochen später in ihren Betten liegen und sich liebkosen lassen ohne einen Gedanken an ihn zu verschwenden. Aus den Augen, aus dem Sinn wie es so schön heisst.
Erst war der Gedanke da sich den Dolch, den er von seiner Schwiegermama, naja, Ex-Schwiegermama, geschenkt bekam direkt in sein Herz zu stossen, wegen der Ironie, ihr wisst schon. Aber zu so einer Aktion war er einfach zu feige. Deswegen entschied er sich für die schnellste und sicherste Methode: Tod durch Erschiessen. Ist eine saubere Methode.(Naja, bis auf das Gehirn an der Wand, aber das fällt wieder unter Ironie)
Sein Zimmer hatte lange nicht so aufgeräumt ausgesehen .... aber wenigstens etwas Stil muss man ja beim Tod haben. Er hatte sein Lieblings Shirt an, das mit dem bezeichnendem Spruch auf dem Rücken: "Fuck Posers". Er war wohl selbst immer ein Poser ... deswegen passte das Shirt heute besonders gut. Er hatte halt einen Sinn für Ironie. Schade das niemand diese Ironie mit ihm teilen konnte.
Er wechselte noch kurz das Lied bevor er die Waffe wieder zur Hand nahm. Diesmal spielte er "Afraid to shoot Strangers" ab, was wohl noch am besten passte. Noch ein letztes mal dachte er seine Träume. Sein Traum einer glücklichen Beziehung, eines beruflichen Aufstiegs, von Reichtum und macht, oder einfach nur vom glücksichsein. Er verabschiedete sich von seinen Träumen, es zählte nur noch der Traum vom Tod. Träume zerplatzen immer wie Seifenblasen und Glück haben immer die falschen. So dreht sich die Welt und so wird sie sich noch ein ganzes Stück weiter drehen. Er wollte sich nicht mit ihr drehen.
In Gedanken schickte er einen letzten Gruß an seine grosse Liebe los. Er wünschte ihr alles gute für ihr Leben. Glücklich soll sie werden. "Ich liebe dich immer noch" war der letzte Gedanke bevor er die Pistole wieder zum Mund führte. Es sah aus wie ein gehauchter Kuss auf das kalte Metall, genauso wie er seine Freundin so oft geküsst hatte. Welch wunderbar grausame Ironie.
Er drückte ab und sank einfach ins Dunkel. Sein Blut lief über den Boden, trocknete aber recht schnell. Nun gab es keine Gedanken mehr. Die Ironie war zuende, zumindest für ihn.
Wer war er? Er war nicht mehr als ein sterbender Traum ...