[Das Fundament der Moral] - German Gothic Board

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Das Fundament der Moral

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geschrieben von: Kirillow

Aussagen über die Welt werden durch empirische Indizien bestätigt oder falsifiziert. Das ist keine unfehlbare Methode, aber sorgt immerhin für eine gewisse Objektivität. Wenn wir uns über die Höhe eines Berges streiten, dann gibt es Wege, wie wir unseren Streit aus der Welt schaffen können.

Wie ist es mit der Moral? Was ist hier das Fundament, mit dem wir unsere Meinungen begründen können? Mit welcher Methode können wir erkennen, welche moralischen Meinungen richtig sind und welche falsch?

Gibt es überhaupt moralische Wahrheit oder ist ein moralisches Urteil nur Ausdruck eines subjektiven Geschmacks?

Aber wäre letzteres nicht unerträglich?



geschrieben von: Heph

Zitat:
Zitat von Kirillow

Wie ist es mit der Moral? Was ist hier das Fundament, mit dem wir unsere Meinungen begründen können? Mit welcher Methode können wir erkennen, welche moralischen Meinungen richtig sind und welche falsch?




"Moral" ist an sich ein Abstrakter begriff und für sich nicht eindeutig Messbar. Zur Begründung eines Standpunktes einer Aktion ist sie aber teils sehr Essentiell. Man sollte allerdings sollte man etwas moralisch begründen auch die Moralischen Vorstellungen die man vertritt kurz umreißen.

Um eine Moralische "Richtigkeit" zuerkennen gibt es mehrere Methoden. Ich will hier aber nur meine Interpretation darlegen.

Viele orientieren sich an Religiösen Vorstellungen die als Regelwerk dienen. Auch von Religion losgelöste Gesetze sind ein Regelwerk um die Moralität einer Aktion zu "bewerten" meist wird aber nur auf extrem negativ empfundenes reagiert.

Ganz ohne kulturelle Regelwerke geht es auch. Um die Moralische "Richtigkeit" meiner Taten für mich selbst zu bestimmen muss ich abwägen wem ich schade und wem ich nutzte. Auch muss ich bestimmte Werte, wie den wert des eigenen Lebens abstecken und auf basis dessen ein Kosten-nutzen-Rechnung aufmachen.

Wenn ich zum Beispiel etwas stehle nutzt das mir und schadet einem anderen. Ist es aber so das ich aus einem triftigen Grund stehle, zum beispiel um meines oder anderes Leben zu schützten (Medikamenten-Diebstahl, Mundraub), hat sich die ganze Kosten-Nutzen-Rechnung schon hin zum stehlen verschoben, zumindest aus meiner Sichtweise.

Daneben werden wir auch von Außerhalb beeinflusst. Die meinungen und Sichtweisen anderer verändern auch die Moralische wertung die man hat im vor oder nachhinein je nachdem wann wir diese Meihnungen und Sichtweisen einholen/ zugetragen bekommen.

Zitat:
Zitat von Kirillow

Gibt es überhaupt moralische Wahrheit oder ist ein moralisches Urteil nur Ausdruck eines subjektiven Geschmacks?

Aber wäre letzteres nicht unerträglich?




Eben dafür gibt es Kulturelle/religiöse Regelwerke um das zusammenleben vieler Persönlicher Moralvorstellung unter dem Konsens der überwiegenden Mehrheit zusammenzufassen. Meist ist das ein kleinster gemeinsamer Nenner von wenigstens 2/3 der Gesellschaft. Dieser Konsens ist an sich auch nicht fest und verändert sich mit der zeit oder sollte es zumindest.



geschrieben von: Seelenreise

Moralisch richtig sind zumeist Handlungen die der Gesellschaft zu Gute kommen und ihr Fortbestehen garantiert. So begründen wir unsere Moral auf gelerntem, soll heißen auf der Erziehung und auf dem was wir sind. Erziehung begründet sich immer, oder zumeist sollte sie zumindest, auf die Werte der Gesellschaft. Unser Wesen auf jenes was in uns steckt und was Andere und wir selbst daraus machen.

Was ist also richtig oder falsch? Es gibt Dinge die sind allgemein als falsch anerkannt. Man stiehlt nicht, man lügt nicht, man tötet nicht etc. All dies sind Grundvorraussetzungen für eine funktionstüchtige Gesellschaft. Sie gründen sich auf die Religionen, aber auch auf den gesunden Menschenverstand. Für mich ganz persönlich waren oder sind Religionen nur Mittel zu Zweck gewesen, dazu eine zivilisierte Gesellschaft zu errichten und aufrecht zu erhalten. Dann gibt es Taten die werden als richtig erachtet, denn sich machen das Leben angenehmer und leichter wie z.B. Liebe deinen Nächsten, hilf deinen Mitmenschen, usw.
Dann gibt es unsere ganz persönliche Moral. Und diese ist mehr oder weniger subjektiv, meist begründet auf was wir uns wünschen und was uns das Leben so leicht und angenehm wie möglich macht.

Die eine Wahrheit gibt es so gut wie nicht, nicht im Bezug auf Moral. Feststellen kann man nur: Was ist für mich persönlich richtig und falsch? Und kann ich verwantworten was ich tue und kann ich damit leben?

Pluralismus, auch in Hinsicht auf Moral ist weder falsch noch schlecht, solange wir unsere Moral auf den selben Grundregeln, wie oben genannt bauen und bereit sind auch etwas zu akzeptieren auch wenn es nciht mit unserem Verständiss vereinbar ist.

Was ich als viel schlimmer erachte ist der scheinbare wegfall von Moral und Rücksicht. Nur noch handeln wie es einem selbst beliebt ohne Rücksicht auf Verluste.



geschrieben von: equipoise

Guten Tag,

Welche Moral, als Entscheidungsfaktor und als Schablone, prägt das angeforderte Relief...:rolleyes:


Zitat:
Zitat von Kirillow

Wie ist es mit der Moral? Was ist hier das Fundament, mit dem wir unsere Meinungen begründen können? Mit welcher Methode können wir erkennen, welche moralischen Meinungen richtig sind und welche falsch?



Den moralischen Grundpfeiler als notwendigen Konsenz der Gesellschaft zu betrachten, würde mir persönlich in etwa so subjektiv erscheinen, wie die Fragestellung nach der Höhe eines Berges.
Auch wenn manch ausgereifte, womöglich auch notwendige, Moralvorstellung die Meinungen und Betrachtungsweisen unserer Gesellschaft in eine positive Bahn lenken, ist es letztendlich der gesunde Menschenverstand, welcher den vertretbaren Blickwinkel durch die Empirie und dem Interesse (warum/wofür einschätzen?; habe ich eine Wunschvorstellung?) modifiziert.
Woraus ich schließe, dass sich eine kulturell etablierte Moral(-Vorstellung) kaum anfechten, geschweige denn als Fundament oder genormten Wert sich mit anderen Parabeln vergleichen ließe.

Zitat:
Zitat von Kirillow

Gibt es überhaupt moralische Wahrheit oder ist ein moralisches Urteil nur Ausdruck eines subjektiven Geschmacks?

Aber wäre letzteres nicht unerträglich?



Der subjektive Geschmack rechtfertigt die persönliche Moral, wogegen sich die moralische Wahrheit bei sich ähnelnden Betrachtungsweisen existiert.
Neben den selbstverständlichen Moralvorstellungen, die aus unbefangener Sicht den Mord und den Diebstahl z.B. für keine vernünftige o. zumutbare Option betrachten, tritt der gesunde Menschenverstand hervor und beginnt ethische Fragen mithilfe empathischer Gehversuche in fremde Terretorien zu bewerten.
- Wie wirkt sich etwas auf mögliche Betroffene aus bzw. inwiefern kann ich mir durch eine Grundvorstellung bedienlich sein. -

Korrekt ist immer das, was die persönliche Sicherheit nicht gefährdet. Mord, Diebstahl u.a. Delikte werden strafrechtlich/argwöhnisch verfolgt, und signalisieren eine ungefestigte Zukunft. Ob eine Tat ausgeübt, eine Moral übergangen wird, ist eher mit dem Einvernehmen der Konsequenzen und/oder des Verstandes, der persönlichen Moralvorstellung, bemessen.
- Und wann man wofür in welchem Maße eine Konsequenz, durch Missachtung der Moral, in kaufzunehmen bereit ist.

Die moralische Wahrheit als die empfundene, einzig korrekte Betrachtung einer Sache liegt, soweit ich dies beurteilen kann, im Interesse der gegenseitigen und selbsterhaltenden Absicherung des eigenen Individuums.


Nun.. Unerträgliche wäre, wenn sich jegliche Moralvorstellungen durchsetzen würden und bestehen.
Glücklicherweise lehrt die Vergangenheit, dass faule Birnen eher vom Ast fallen, als ausgereifte Äpfel - Welche man bekanntlich nicht mit Birnen verwechseln sollte. ;-)



geschrieben von: DarkHaze

Ich finde den Ansatz von Heph sehr einleuchtend.

Hauptsächlich lese ich da heraus, dass Moral ein individualistisch-ökonomischer Einscheidungsprozess ist.

Das bedeutet erst einmal, dass Moral kein internes Handbuch ist, sondern dass Moral prozessartig ist und stets vom zu fällenden Urteil und der situativen Gegebenheit abhängig ist. Determinanten der moralischen Entscheidung unterliegen sind ebenfalls abhängig vom Gegenstand und von situativen Gegebenheiten.

Interessant finde ich vor allem den Gedanken, dass moralische Entscheidungen eine Art Kosten-Nutzen-Rechnung sind. Ich denke, alleine dieser Satz ist hinreichend, um Moral zu erfassen, wenn man unter Kosten und Nutzen auch weitere zugehörige Facetten versteht. Beispielsweise stellt eine strikt religiös bedingte Moral keine ökonomische Entscheidung dar, wenn man versucht, Kosten und Nutzen auf materielle oder finanzielle Ebenen runterzubrechen. Die Annahme einer ökonomischen Entscheidung macht aber wohl Sinn, wenn man subjektive Kosten und Nutzen berücksichtigt. So ist ein Verstoß gegen religiös bedingte Moral auf jeden Fall ein perzipierter Kostenfaktor - verträgliches Verhalten ist hingegen perzipierter Nutzenfaktor.

Moral ist also rational ist meine These.
Rationales muss dabei nicht richtig sein.
Die Richtigkeit hängt also von der Ratio des Urteilers ab.
Diese ist wiederum ewig stark beeinflusst von dynamischen Faktoren.
Moral ist also das Resultat der Situation.
Moral ist also das Gegenteil von stabil.
Moral ist variabel, unbeständig, brüchig.
Moral ist eine Vorstellung von einem Werte-Konstrukt.
Und dieses Werte-Konstrukt unterliegt der Moral.
Moral bedingt sich also selbst.
Moral ist also nur ein Faktor der Moral.

Um eine Art Beleg dafür zu bringen, denke man nur an das Milgram-Experiment oder das Stanford-Prison-Experiment.



geschrieben von: Hellscream

Zitat:
geschrieben von Kirillow
Aussagen über die Welt werden durch empirische Indizien bestätigt oder falsifiziert. Das ist keine unfehlbare Methode, aber sorgt immerhin für eine gewisse Objektivität. Wenn wir uns über die Höhe eines Berges streiten, dann gibt es Wege, wie wir unseren Streit aus der Welt schaffen können.

Wie ist es mit der Moral? Was ist hier das Fundament, mit dem wir unsere Meinungen begründen können? Mit welcher Methode können wir erkennen, welche moralischen Meinungen richtig sind und welche falsch?

Gibt es überhaupt moralische Wahrheit oder ist ein moralisches Urteil nur Ausdruck eines subjektiven Geschmacks?

Aber wäre letzteres nicht unerträglich?


Ich trenne zwei Begriffe sehr strikt, Moral auf der einen Seite und Ethik auf der anderen.
Wobei wenn man sich Ethik anschaut diese auch irgendwo wieder in das moralische übergeht, wenn man die ganze Sache auf seinen Ursprung hin verfolgt. Das mag auf den ersten Blick verwundern, aber nicht viel mehr als das Altruismus und das soziale begründet liegt im Vorteil des Individuum selbst.

Für eine Moral gibt es keine Methode der Prüfung. Es kann sie nicht geben da Moral keiner Begründung Unterliegt und sich stark Perspektiven abhängig zeigt. Anders als bei der Ethik die immer einer methodischen Begründung Unterliegen sollte. Die Kirchen und Religionen leiten Beispielsweise ihre Moral aus dem nichts ab oder besser Formuliert, sie nutzen eine These (Gott) die nicht bewiesen werden kann als Basis für eine Moral. Moral kann es eben auch sein Ehebrecher steinigen zu wollen, jemanden die Giftspritze zu verabreichen oder Menschen einen Selbstbestimmen Tod zu verweigern usw. Evangelikale, Moslems und viele andere Gruppen führen uns Tag für Tag vor Augen was Moral sein kann. Massenmord, Terror, Ausgrenzung, Hinrichtungen, Entmündigung, Diktatur können eben auch als Moralische Handlung Begriffen werden. Man nehme sich als einfachstes Beispiel Moses Massenmorde heraus, oder aber die anderen mit Gott gerecht fertigten Handlungen in der Geschichte, die Vernünftigerweise von der Mehrheit der Bevölkerung in Europa als Barbarisch angesehen werden. Deswegen erkenne ich die Moral im Gegensatz zur Ethik auch als Minderwertig, der Moral fehlt die Methode. Eine Moral in diesem Sinn die sich weder an Wissenschaft, Methode, Vernunft hält ist mir zu wieder. Der Moral ist eine Religion genüge, einer Ethik der wissenschaftlichen Philosophie im Sinne der Aufklärung nicht. Kurz ich halte Moral für ein unelegantes Instrument, das meist auf noch uneleganteren Thesen errichtet ist Das Fundament der Moral ist faul und stinkt zu meist ganz widerlich nach Hokuspokus.





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