Vielfach oscarnominiert, von den Kritikern gelobt - da hat man schon einige Erwartungen an David Finchers neuem Film, insbesondere, wenn man weiss, dass Fincher eigentlich keine schlechten Filme macht (wobei Zodiac durchaus einige Schwächen hatte).
Benjamin Button kommt alt zur Welt und wird im Laufe seines Lebens jünger. Klingt vielleicht erst unspektakulär, aber genau daran sin soviele Dinge geknüpft, dass der Film einfach viel Potential hat, das er auch vollkommen ausschöpft. Denn Benjamin ist nicht nur ein Außenseiter, er muss auch mit zusehen, wie andere Menschen älter werden, während er immer jünger wird. Insbesondere für die Liebe scheint dies ziemlich schwierig zu sein.
Was Fincher hier abgeliefert hat, ist zurecht vielfach oscarnominiert. Denn der Film hat mich fast 3 Stunden lang einfach nur verzaubert. Jede einzelne Minute des Films war auch dringend notwendig und nicht zuviel. Stets werden die Themen Leben, Tod und Vergänglichkeit thematisiert und durch Benjamins Augen bekommt man eine neue Perspektive.
Von lustig und unterhaltsam bis rührend und melancholisch-traurig ist in dem Film alles vorhanden. Und das in einer sehr ausgewogenen Mischung.
Und dennoch geht man mit einer nachdenklichen Miene aus dem Kino, aber eben nicht verstört-nachdenklich, sondern irgendwie auch optimistisch.
Die Darsteller überzeugen restlos alle, Pitts Nominierung für den Oscar ist berechtigt, allerdings glaube ich, wird es nicht reichen.
Die Ausstattung, die Kostüme und das Make Up passen immer.
Fincher hat wirklich gute Arbeit geleistet. Auch wenn ich seine typischen Kamerafahrten ein wenig vermisste, er hat sich hier ein wenig zurückgehalten, allerdings war dies bei der ruhigen, märchenhaften Atmosphäre des Films schon notwendig.
Der Score rundete die Atmosphäre ebenfalls ab und verstärkte den etwas märchenhaften Eindruck.
Wenn ich den Film mit einem Wort beschreiben müsste, wäre dieses: Schön.
Wer Forrest Gump schon mochte, sollte sich diesen Film ebenfalls anschauen, da sich die beiden Filme in vielerlei Hinsicht ziemlich ähnlich sind, da man beginnt, die Welt mit Benjamin Buttons Augen zu sehen. Abtauchen ist hier definitiv angesagt.
Nicht nur die Story ist gut, alles andere ebenfalls gelungen. Ganz großes Kino. Und trotzdem bin ich immer noch dabei, das alles irgendwie zu verdauen.
geschrieben von: Odessa
Danke Dir! Eben saß ich an einer pn an Dich mit der Bitte um Berichterstattung, da ich diesen Film wirklich sehr freudig erwarte, Du ja in Deiner Arbeit im Kino immer die Erste bist die alle neuen Filme sieht und ich hoffe so sehr, Benjamin kommt bald auf DVD raus damit ich ihn dann auch sehen kann :-).
Die Ausschnitte, die ich bisher in Vorschauen sah, bestätigen Deine Meinung und Kritik; es muß ein unglaublich intensiver, anrührender und liebevoller Film sein, mit diesem leicht bitter-melancholischem Touch auf den man als alter "Ur-Gruftl" ja eh so steht ;-). Die Oscar-Nominierung für die Maske/Make up wurde in den Vorschauen auch erwähnt, und wenn man sieht wie Brad da vom uralten Greis zum jungen Mann wird, und sich vorstellt daß das täglich - so ein Bericht - 5-7 Stunden allein an Arbeit waren... was da an mühsamer Kleinarbeit dahintersteckt, nur für teilweise wenige Minuten dauernde Filmsequenzen - beeindruckend :) .
edit:
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wer Forrest Gump mochte
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Einer der besten Filme die jemals gedreht wurden, meiner Meinung nach, die ich mich ohne Scham gerne als weiblicher Forrest Gump bezeichne, in manchen Situationen :D
geschrieben von: Trauerwesen
Intensiv ist der Film definitiv. Und er war halt auch keineswegs zu lang. Die Parallele zu Forrest Gump ist halt, dass man hier genauso wie Forrest das Leben durch die Augen des Protagonisten sieht. Und Benjamin sieht das Altern, den Tod und das Leben eben anders. Ich hatte ja schon immer ein eher ambivalentes Verhältnis zum Tod, aber irgendwie hat der Film es geschafft, dass ich ihn nun doch ein wenig anders sehe. "Wenn das Ende naht, muss man loslassen" sagt benjamin. Und dennoch, obwohl es sehr viel Tod im Film gibt, ist er eigentlich eine Ode an das Leben.
Bei Spiegel Online steht in der Kritik auch noch was davon, dass es in einer Beziehung wichtig ist, auf gleicher Augenhöhe (denken wir gerade das selbe :D?) ist. Und das ist die eigentliche Tragik des Films, dass er jünger wird, während seine große Liebe eben altert. Und sein Verjüngerungsprozess vielleicht für manche toll erscheint, er aber selbst unglaubliche Probleme damit hat.
Ja, der Film ist hochphilosophisch, ohne aber irgendwelche Sprüche an den Kopf zu knallen. Was man selbst aus dem Film zieht, ist dabei jedem selbst überlassen, aber es gibt eben viel, was man rausziehen könnte.
Und, was sehr wichtig ist: Die Liebesgeschichte ist zwar zentral, aber nicht zu aufgedunsen und ohne jeden Kitsch. Ich mag Schnulzen ja eigentlich gar nicht, aber hier war das eben ein wichtiges Element, das passend inszeniert wurde, ohne jeden Kitsch.
Und wie bereits gesagt, auf der handwerklichen Ebene stimmt auch alles. In dem Sinne echt ein fast perfekter Film. Die 13 Oscarnominierungen sind schon berechtigt.
Und dir dürfte der Film wirklich gefallen ;).
geschrieben von: Odessa
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auf gleicher Augenhöhe - denken wir gerade das selbe? :D
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Ich antworte darauf erst nächste Woche, wenn gewisse vertikal benachteiligte huttragende Zwerghasen in ein Land das mit T anfängt und mit ei aufhört, entschwunden sind...
Das mit dem Loslassen können ist eine sehr schöne Botschaft, sie zu verinnerlichen versuche ich seit ich 16 war und meinen Mann verlor. Aber es gelingt nicht so einfach, auch nicht immer. Irgendwo ist mein Verhältnis sehr ambivalent - dem eigenen Tod blicke ich recht gelassen entgegen, zu oft schon sprang ich ihm von der Schippe sozusagen. Und ich mache mir einfach jeden Tag, mehr und mehr, bewußt, WIE kostbar jede Stunde ist und wie ich sie nur noch zu verbringen gedenke: positivst, friedlich, zu-frieden. Der Tod ist das natürliche Ende des Lebens, man weiß es von klein auf und so schließt sich dann der Kreis, im besten Fall so daß man jeden Tag sagen kann "wenn mich der Sensenmann jetzt holt - ich habe nichts versäumt, ich habe meinen Frieden mit der Welt gemacht". Dann kann man auch, glaube ich, sehr gut loslassen ;-). Probleme habe ich immer nur, wenn die sterben, die ich liebe - und ich denke daß das in dem Film, wie Du ansprachst, auch gut rüberkommt: der Verlust eines geliebten Menschen, der ungleich tragischer ist wie der Verlust des eigenen Lebens allein deswegen, weil man bei Letztgenanntem "es hinter sich hat", bei Erstgenanntem aber der alleine zurück bleibende Trauernde ist. Das Wissen darum, daß es immer auf das hinausläuft, bei jeder Liebe, ist schon schlimm genug. Dann noch mit diesem "umgekehrten Alterungsprozeß" der sich auch noch entgegenläufig bewegt, wie gesagt: reizvolles gutes Thema :-).
geschrieben von: Trauerwesen
Im Prinzip sagt der Film ja auch das aus, dass man wirklich jede Minute genießen sollte, die man hat, und dementsprechend auch gewisse Dinge in Erinnerung behalten werden sollten, weil sich Dinge nun mal ändern. Es gibt da eine ganz bestimmte Szene, die das sehr gut zum Ausdruck bringt, aber der ganze Film tut es.
Nochmal zu Forrest Gump: Gleicher Drehbuchautor, wen wundert es nun ;).