~
There are those nights we want to rip our skin off
just to feel that we are still alive
There are those nights we can no longer wait
for an accident love or lover
we are the lost ones searching for a home
(ASP - Dancing)
~
Karmesin, unstillbar. Eine ewige Suche, ein weiterer Schritt, ein weiterer Schritt gen Norden und Süden. Süden und Norden.
Der Kompass dreht im Kreis.
Richtungslos, unentschlossen, doch bereit.
"Where to go...?"
Keine Zeit zu schlafen, keine Zeit tief durchzuatmen, keine Zeit, die Augen zu schließen. Ich kann nicht warten. Warten frisst mich auf. Es brennt eisig in mir und ein großes, pulsierendes Herz schreit nach Aus.bruch, Auf.bruch.
Heimatlos und sehnsuchtsschwer. Euphorisch wild und schutzlos. Mir fehlt der Sturm und die Flut, mir fehlt das Nitroglycerin und der Tanz verlorener Worte. Ein frierendes Feuer und ein Wanken am Abgrund. Zwei Schritte tiefer, sieben Nächte höher.
Feel me, touch me, heal me. Take me, cure me, kill me. Alles. Und alles zur gleichen Zeit. Jetzt.
geschrieben von: Carcas999
.Totally freaked out.
Wenn zwei nicht zwei ist, sondern etwas völlig Anderes, gänzlich Unerwartetes.
Und was?
Das spielt keine Rolle; denk dir etwas, wünsch dir etwas. Etwas abgedrehtes, ein tanzendes Kaninchen auf einem einsamen Highway, ein lichtloser Raum am Boden deiner Seele, ein Sturz von einer Brücke, oder auch nur ein alter Mann, der das Ende der Welt bewacht.
Ich wünschte, ich hätte die Dinge mehr im Griff. Ein Schritt nach dem anderen. No way. Eigentlich liebe ich die Haltlosigkeit, die Unberechenbarkeit. Aber manchmal, wenn alles zugleich auf mich einströmt, wirft es mich von den Füßen und ich liege weinend lachend am Boden. Grinse, während alles in mir bebt.
Ich suche nach billigen Flügen, durchschaue Bilder von fernen Zielen und einen Haufen Papierkram. Ich weiss nur ungefähr, wo es hingehen wird. Und meine Vorstellungen stammen größtenteils aus Filmen, Fotos und wahnsinnigen Träumen. In meinem Kopf fliegt ein Sturm von Dingen dureinander, die zu erledigen wären und die ich doch vor mir herschiebe. Dazu kommt die Angst, Angst vor überfüllten und dennoch verdammt leeren Flughäfen, vor Anforderungen, die ich vielleicht nicht erfüllen kann, vor dem Verlorengehen, nicht nur in einer großen Stadt, sondern direkt einem ganzen Land, dessen Sprache ich nicht verstehe.
Ich weiss nichtmal, warum ich das eigentlich mache. Es ist nicht sicher, dafür umso weiter weg, ich könnte mir die wildesten Krankheiten fangen und ich brauche Geld, das ich nicht habe. Es ist anders. Unberechenbar. Fremd und neuartig. Und genau darum so wunderbar.
Ich will nicht wieder die ganzen Tränen weinen, will nicht wieder allein durch eine unbekannte Stadt irren oder mit Herzklopfen in einem Flugzeug voll fremder Menschen sitzen. Who cares, ich werde es trotzdem tun.
Wenn es schiefgeht, bin ich selbst schuld. Aber wenn es auch nur einen Bruchteil so schön und interessant wird, wie ich es mir wünsche, dann hat es sich schon gelohnt. Dann nehme ich die Tränen gern in Kauf. Das Bangen, das rasende Herz.
Weil ich weiss, dass ich jederzeit zurückkehren kann, in offene Arme. Weil es mir nicht guttun wird, wenn ich bleibe und darüber nachdenke, was wäre, wenn... Und weil ein tolles Land auf mich wartet.
"There are no words to express the abyss between isolation and having one ally. It may be conceded to the mathematician that four is twice two. But two is not twice one; two is two thousand times one."
(G.K. Chesterton)
geschrieben von: Carcas999
.Breathing under water 'til the end.
Du hörst noch immer dieses Lied,
das Dich in meine Arme trieb,
ganz kratzig schon - ein jeder Ton.
Ich würde warten. Hundert Jahre und länger. Hunderte gefühlte Ewigkeiten in denen ich mich verliere, wieder und wieder. Ich würde dir alle Zeit der Welt geben, alle Zeit, die du brauchst um zu tun und zu werden.
Bis dahin würde ich tanzen und spielen. In kleinen Stücken sterben und den alten Mann am Ende der Welt besuchen. Ich würde dich verteufeln und trotzdem an dir festhalten. Ich würde an Wände malen, singen, lachen und schreien. Das Leben in seiner Unersättlichkeit bis zum letzten Tropfen auskosten und doch nur zur Hälfte leben. Ich würde dir schreiben, an einem jeden Tag meines Lebens und würde die Briefe zu einem Päckchen schnüren und sie dir geben, wenn du an der Türe klopfst. Damit du sagen kannst, dass du dabei warst, in jeder Minute, bei jedem Schritt.
Ich würde warten. Und nicht fragen, was du denn getan hast, all die lange Zeit. Selbst, wenn wir dann alt und grau wären, ich würde mich an deine Seite legen, in der Gewissheit, ein glückliches Leben gehabt zu haben. Wenn ich mir denn sicher sein könnte, dass es sich lohnen wird, dass du wirklich eines Tages vor dieser Tür stehst. Dass du nach all den Jahren mein bist, für alle Zeit.
Doch du bist es nicht und du wirst es nie. Ich weiss es, was du auch sagst. Wir hatten kaum Zeit und doch ist sie längst abgelaufen. Du bist frei. Dein Haar wird im Wind wehen und deine Augen in eine andere Richtung sehen, fort vom Meer, von den peitschenden Wellen. Den Wogen, die mich kaum atmen lassen.
Under water... 'til the end.
...in dem man sich versteckt
und trauernd zusieht,
wie sich der andere die Wunden leckt.
(Eric Fish - 100 Jahre)
geschrieben von: Carcas999
.Rip my skin off.
Zieh' mir die Haut vom Leib, wenn es dir gefällt. Wenn es dir Erfüllung bringt. Es wird mir nichts ausmachen, nicht jeder Schmerz tut wirklich weh. Vielleicht hilft es mir, mich lebendiger zu fühlen. Ich kann nicht. Ich tobe in Stille und hasse mich dafür.
Es ist die Angst vor Deiner Stärke,
die zurückkommt, wenn es tagt.
Es ist die Furcht vor Deiner Ruhe,
die am Krieg in meiner Seele nagt.
(Samsas Traum)
Wir sind einander zu ähnlich und doch zu verschieden. Und was noch schlimmer und zugleich noch besser ist, wir kennen uns oder bilden es uns zumindest ein und liegen damit doch meistens richtig. Wahrscheinlich würden wir uns die Köpfe einschlagen, wenn wir zu lange Zeit miteinander verbringen würde. Ich würde in meiner Sturköpfigkeit verstummen und du mit rotverweinten Augen zu mir blicken.
Aber räumliche Nähe ist eher rar und darum wertvoll. Und alles andere könnte näher kaum sein, fliegende Gedanken und ein wild pochendes Herz. Ein Märchen war es nie, für Märchen sind wir nicht gemacht... aber darum war es nicht weniger schön.
Ich werde dich vermissen, auch wenn es wahrscheinlich nur der Gedanke an die Entfernung ist, der es schlimmer macht. Du wirst endlich losgelöst sein, freier, glücklicher und hoffentlich ein wenig unbeschwerter. Und ich werde ein bißchen Angst haben, dass du ein anderer Mensch wirst.
Doch wenn du dann zurückkommst, wird es immer ein bißchen sein wie an einem Tag vor fast fünf Jahren...
geschrieben von: Carcas999
.Unberührt.ungerührt.
Ich fand ein Herz. Heute Morgen, auf dem Weg nach Hause, zwischen Bahnschienen und Asphaltstraßen. Es lächelte mich an und ich hob es auf. Ich wollte nicht. Herzen finden tut weh und den Stürmen wollte ich eigentlich ausweichen, mich nicht zerreissen lassen. Aber ich tat es, es pochte schwach und ließ mich nicht los.
Was tue ich nun damit? Lieben bewahren heiligen fortwerfen hassen vergessen zerfetzen. Ich glaube, ich werde es einfach nur in den Händen halten und mit mir tragen, bis... an die Mauer, an das Ende der Sackgasse, to the point of no return. Dort wo allein dein Name geschrieben steht, rotverblasst, aber nicht schwindend. Einfrieren, in Flammen setzen. Zu dir kommen, zu mir machen. Eins sein, herzverschmelzend.
I fly like paper, get high like planes...
Vielleicht sollte ich dir doch einiges erzählen. Es ist viel in mir gefangen gehalten, doch wenn ich länger darüber nachdenke und nach Worten suche, wird es nichtig und ich verstumme.
Und wenn ich sterbe, dann vielleicht in dieser Nacht. Das Herz in der Hand und die Seele auf der Zunge. Die Wand wird sich gänzlich rot färben und dein Name wird darunter nicht mehr sichtbar sein, für niemanden. Die Spur im Sand... Es geht nicht mehr um diese eine, einzige Wort. Du wirst es explodieren sehen, drei Sekunden weiter. Oder es vielleicht auch nur spüren, wie einen Windhauch, eine Ahnung, die dich durchfährt wie warmer Regen und dich an meinen Namen denken lässt.
geschrieben von: Carcas999
.If you had a heart. If you were a word.
Ich will die Nacht mit dir erobern, zerstören, unterwerfen und mich in ihr verlieren. Du bist ein Wort und schwirrst in meinem Kopf, nimmst Gedanken und Träume vollends ein. Ich bin Regen, warm und sanft an einem Sommermorgen, an dem weiße Vorhänge in offenen Fenstern langsam geschmeidig flattern, wild und peitschend im nebligen Herbst, in dem Kälte durch dich kriecht.
Du bist ein Wort und baust Gedankenschlössser auf mein Sein, ich bin du, bin Autor und Lesende, eingenommen einnehmend.
Du bist ein Wort und ich brenne. Brenne in Tränen, ein vernichtendes Feuer, ich brenne dich mit mir nieder in meinem Kopf. Du - Ich, Grenzen verschwimmen.
Ich kehre zurück, drei Schritte hinter den Spiegel und das Stundenglas, nur wegen dieses einen, dir selbst so unwichtigen Moments. Seit dem Abend davor bist du alles und ich will näher bei dir sein als jemals und alte Lieder schluchzend hören neben deinem Seufzen und dich wieder loswerden, lös' dich auf in Endlichkeit und ich vergesse, vergesse langsam - vergesse leider nie und hasse mich so sehr wie ich froh darüber bin. Du hast nicht viel und nichts greifbares, doch du hast ein paar der wertvollsten Dinge, die ich geben konnte. Mindestens, es geschah einfach so, ich habe mir dich nicht ausgesucht doch es konnte niemand besseren geben um diese Dinge loszuwerden, abzugeben.
Die Musik wird lauter und geht über in Mark und Bein, rauschendes Blut, bebender Bass.
Ich schrieb es in dein Gesicht...
Sie ist ein Fluss aus Armen und Beinen, ein Fluss zwischen Bewegung und Musik. Ich schaue ihr zu, mit dem bunten Zucken der Lichter wird die Träne in meinem Augenwinkel zu ihrer Leidenschaft und Hingebung. Ich stampfe und sehne und schreie, sie tanzt für mich, um dich, bewegt sich geschmeidig und schnell, ist ganz bei sich wie ich bei dir.
Such mein Lied in deinem Haar...
Sprich zu mir, damit ich wieder weiß, wie deine Stimme klingt, ich erinnere mich kaum. Mehr will ich nicht, ich will dich nicht, auch wenn ich ewig unersättlich war bin bleibe. Du hast mich für den Rest der Zeit, der Ewigkeit, auch wenn alles andere um dich endet. Du bist ein Wort in meinem Kopf, aus meiner Feder, aus dir in mich. Nicht wie einst und doch nicht weniger. Du bist gold und rot. Und atlantis.blau. Ich habe versucht, es zu ändern, das Wort zu brechen und ihnen ein Lächeln zu schenken, doch sie langweilen mich schnell und ich lasse sie nicht nah genug an mich zu mir in mich.
Ich bin Regen und wasche hinfort, alles und mehr. Doch du bist nur ein Wort. Worte sind Waffen, nicht stofflich doch unermeßlich weit.reichend, tief.tragend.
geschrieben von: Carcas999
.Big, big world.
Ich bin ein Fass ohne Boden. Mein Herz schlägt bis zum Hals und höher. Ich will Geschirr an Wände werfen, das klirrend zu Boden geht, ich will die Dinge zu Ende bringen und mich in ihnen verlieren, ohne sie gleich aufzugeben. Aber ich bin nicht mutig... die Dinge sind zu groß für mich. Ich kann luxuriös leiden und darin genießend zugrunde gehen. Ich sehe all die Dinge vor mir, sich rasch bewegende Bilder im luftleeren Raum. Bild im Bild im Bild, doch welches Bild ist das echte, reale? Vielleicht alle oder keines, doch wenn ich sie greifen will, erscheint stets ein neuer Rahmen, ein weiteres Bild im Bild.
Ich habe jemanden geschaffen, der mir nicht mehr gefällt. Ich sehe nicht unglücklich aus, aber ich komme nicht mehr raus. Eingesperrt in alten Mustern. Ich will nicht hier sein um grundlos zu leiden, um gefühllos zu lieben und lustlos zu begehren, um Träume nicht in Taten umzusetzen ohne zuvor ein paar tausend mal innerlich in Ohnmacht gefallen zu sein.
Es ist nicht echt genug. Ich bin nicht echt genug, ich schaue mir selbst zu und sehe mich tatenlos verirrt im zu großen Raum von Bild zu Bild eilen. Ich sehe sie alle an, sehe sogar hinein, doch ich bin nicht dieses Bild, bin nicht darin, bin unzufrieden und durcheinander. Keine Ordnung in mir, kein Kampfschrei. Ich stehe vor der Brücke, sie ist klein und das Wasser darunter nicht sehr tief, doch... Ewig aber.
Die Dinge sind schön, sie sind greifbar nah und wunderbar bunt, doch zu groß für meine Hände, zu groß auch für meine Augen. Ich will mein Leben nicht träumen, ich will es leben, jeder Atemzug, und große Sprünge wagen. Aus dem Rahmen. In das kaputte Geschirr springen. Ich will keine ruhigen Abende und keine Konstanz, ich will fallen ohne Aufprall und mich nicht verbraucht fühlen und falsche Namen in meinen Träumen flüstern. Ich will keine Kompromisse. Kein vielleicht.
Doch mein Herz schlägt zu laut. Es zerspringt, wenn ich versuche zu wagen, wird zu einem großen, pochenden, gedankenfressenden Monster, zu einem kleinen ängstlichen Tier, dass sich unter der Bettdecke versteckt.
Zu groß für mich.
geschrieben von: Carcas999
.Fucking unholy life.
We live on front porches and swing life away
We get by just fine here on minimum wage
Die Veranda aus Holz mit einem quietschenden Schaukelstuhl, ein alter Baum im verwilderten Vorgarten, eine im Wind schwingende Schaukel an roten Seilen daran. Ein perfekter Platz zum Sterben. Einer davon, kurz hinter dem klippenüberwucherten Mohnland. Einer der Orte, die ich jetzt auf der Stelle und ohne zu zögern eintauschen würde gegen "hier".
Ich vermisse euch. Ich könnte eure Namen nennen, aber es würde doch nichts ändern. Ich vermisse dich. Es ist das Gefühl, das ihr in mir hervorruft, das fehlt. Das Gefühl von Nähe und Geborgenheit, von Unbeschwertheit und sekundenlangen Höhenflügen, Lachanfällen und auch Herzschmerzmomenten.
Es war später Fürhling oder vielleicht auch Frühsommer, wir lagen auf der Wiese auf einer Decke, meine Haare waren noch nass und du lagst mit dem Kopf auf meinem Rücken und hast uns aus einem Buch vorgelesen. Ich hatte die Augen geschlossen, weil die Sonne so blendete. Wir lachten so viel.
Wir stapften durch das Wasser, durch den kleinen Fluss, ganz nah dort bei der unglaublichen Brücke. Meine Schuhe rutschten von den Steinen ab und meine Füße waren klatschnass. Du liefst platschend und spritzend vor mir, hinter mir, neben mir her und strahltest, dass ich mir so genau vorstellen konnte, wie du als kleiner Junge hier mit ebenso leuchtenden großen Augen Staudämme gebaut hast.
Auf dem fremden Sofa in der großen Stadt las ich deine Briefe und war so froh, dass du mir geschrieben hast, du mit deiner verschnörkelten Schrift. Ich lächelte und wünschte, du wärst bei mir und schrieb alles in diesen Brief, was ich so gerne erzählen wollte und nicht konnte wegen dieser endlosen Kilomenter zwischen uns.
Wir rannten durch das Maisfeld und mein Herz schlug bis zum Hals und lachend rufend laufend brannten meine Augen und ich kam aus dem Niesen nicht mehr heraus. Wir schliefen abends zwischen Sternenhimmel, Schlafsäcken und Lagerfeuer ein und es fröstelte ein wenig.
Wir saßen im großen Kofferraum deines alten Autos, die Sonne schien und du beobachtest einfach nur mein ausgestrecktes Bein in den schwarzen Strümpfen, warst aufgewühlt, wortlos und wusstest nicht wohin mit dir und mir.
Ich lag auf der engen Pritsche im ruckelnden Zug und war müde, so müde. Du atmetest gleichmäßig irgendwo neben mir. Für einen Moment nur öffnete ich die Augen im Halbschlaf und zog den Vorhang zur Seite, weil es so hell schimmerte von draußen. Den Anblick werde ich nie wieder vergessen. Endlose Weite, endloser als ich sie mir je erträumt hätte. Und darüber, noch viel weiter der Himmel mit einem Meer aus Sternen, wie ich es hier noch nie gesehen habe und bisher auch nirgendwo sonst sah. Überwältigend, für nur ein paar Sekunden. Ich schlief sofort wieder ein.
An einem dieser langen Tage saß ich auf deinem kleinen Bett am Fenster und weinte, heulte mir die Augen aus. Ich lag in deinem Arm und erzählte dir schluchzend. Ich saß lange so dort und schwieg und hielt dein Stofftier im Arm.
Wir liefen zusammen die verlassene Straße entlang auf dem Weg nach Hause, es dämmerte gerade. Ich torkelte müde vor mich hin und verfluchte den Himmel, weil er einfach heller wurde und so frisch und unverbraucht war, so ganz anders als ich mich fühlte.
Es war so falsch und zugleich so gut und ich war so jung. Die Musik wurde automatisch leiser oder lauter, wenn man sie gerade brauchte und die Sonne drehte sich mit. Alles war ein wenig echter.
Wir sind erwachsen geworden, auch wenn es sich nicht immer so anfühlt. Jetzt sitze ich oft allein in der Straßenbahn, und frage mich wo ihr seid. Warum wir uns so selten sehen und so wenig erzählen. Gedanklich oft so meilenweit auseinander leben. Wo diese verfluchten Tage geblieben sind. Und was aus mir wird, wenn ihr einfach fort seid. Ihr habt mir die Welt gezeigt, auch wenn ich sie mir selbst angemalt habe. Mit euch steht und fällt mein Sein. Heimat, in jedem von euch, in manchem mehr, in manchem weniger. Niemals nie.
But we've had some times I wouldn't trade for the world
We chase these days down with talks of the places that we will go
Swing life away
Swing life away...
(Rise Against - Swing life away)
geschrieben von: Carcas999
.Don't you dare.
Wie schaffst du es nur mich zum Schreien und Weinen und Toben zu bringen, ohne mich überhaupt zu kennen, ohne mich je gesehen zu haben? Wie kannst du es nur wagen...?
Du hast sie nicht verstanden, die Warnung damals. Oder, was wahrscheinlicher ist, verstanden, aber das Ausmaß dieser Worte nicht in seiner vollen Größe greifen können. Vielleicht be-greifst du nun ein wenig mehr, was es bedeuted mit mir, näher bei mir zu sein.
Es ist nicht, als würde ich dich nicht verstehen. Gerade ich, die ich fucking Wertschätzung und Integrität mit Löffeln und Trichtern eingeimpft bekomme. Die ich Loyalität als eines der höchsten Güter für mich angenommen habe. Und die ich selbst zu genüge weiß, wie sich die allumfassende Angst anfühlt, aber auch gelernt habe, mich ihr nicht auszuliefern, sondern größer und stärker zu sein als dass, was mich niederwerfen.untenhalten möchte.
Du hast mich enttäuscht, ganz einfach. Es ist in Ordnung, Furcht zu empfinden. Es ist auch in Ordnung, Zweifel zu äußern. Aber die Angst überhand nehmen zu lassen und mir die Schuld dafür zu geben, geht zu weit. Geht dann vor allem schnell an meine Grenze von Geduld und Ruhe. Und ich bin froh, dass du meinen sprühenden, giftigen Blick nicht sehen musstest.
Ich brauche und nehme mir alles, was du geben kannst und willst und mehr. Es gibt nicht "ein wenig Nähe" oder "halbes Vertrauen". Nicht, wenn du denkst was ich denke das du denkst. Nicht mit mir. Nicht wenn...
Entweder es bleibt dabei, dass ich die eine Seite von dir sehe und du mir nur diese zeigst. Dann bekommst du meine Wertschätzung, mein Interesse, mein Verständnis, Mitleid. Und Distanz. Oder aber ich sehe dich als Menschen, als Freund. Dann bekommst du Nähe und Vertrauen. Aber auch Krallen und Wut und einen Punkt, an dem meine Toleranz endet. Es liegt bei dir. Nur beides zugleich. Funktioniert einfach nicht.nie. Ich habe es versucht.
Ich will wissen, was du willst. Wirklich willst. Was du fühlst, wünschst, begehrst. Nur das. Und nicht, was die Angst dir sagt, was du sollst und musst und beenden solltest bevor es überhaupt begonnen hat. Und ich glaube, es sogar gesehen zu haben, als du innehieltest und nicht mehr wusstest, was du mir entgegnen solltest.
Vielleicht habe ich mich auch verschätzt und es geht einfach nicht und ich werde mich nur aufregen und angegriffen fühlen und irgendwann langweilen. Vielleicht ist es schwerer als ich dachte. Denn dann kannst du mich nicht er-tragen, nicht halten und ich werde wie eine Flutwelle sein, die über kleinen Klippenpflanzen zusammenbricht, sie gewaltsam niederreißt. Und das möchte ich nicht, du hast auch so genug mit dir zu kämpfen.
Du bist so anders. So rational und zur gleichen Zeit unschuldig und unbedacht, voller Furcht. Und ich? Ich bin zuviel. Zuviel Gefühl und Zynismus und Kraft und doch zugleich zu schwach um dich zu tragen.
Wach' endlich auf und kämpfe. Vergiss Prinzipien, ich brauche Offenheit. Ich brauche Halt und Ewigkeit und kein Vögelchen, dass ziellos getrieben im Wind umherflattert und die Augen vor der Welt verschließt. Tu es oder lass es. Bleib' und sei stärker als jemals oder dreh' dich um und vergiss mich. Aber was auch immer du tust - sei dir sicher dabei.
geschrieben von: Carcas999
.turn your head: south.
Süden. Wieder Süden. So sehr Süden.
Und wieso hält mich eigentlich niemand auf? Niemand stellt sich mir in den Weg und sagt mir, was für einen riesigen Wahn- und Unsinn ich wieder anstelle. Niemand zerrt an meinem Arm und hält mich zurück. Weil die Idee so wunderbar ist oder weil ich doch nicht hören würde..?
Ich rase mit dem Zug haltlos einer Mauer entgegen und bin dabei auch noch begeistert, kurz vor dem Zerschellen. Nur, dass dort keine Mauer ist. Dafür Ungewissheit und Farbentaumel und kaum Zeit für all die Dinge, die warten und noch getan werden wollen. Mein Kopf pocht schmerzhaft und pocht laut, wenn ich zu lang darüber nachdenke. Ich will mich wieder eins fühlen, Gegenwart, kein diffuses Zusammenspiel aus Seilen, die in unterschiedliche Richtungen ziehen, sein.
Nimm' mir die Angst. Setz' dich neben mich in das Flugzeug und leg' deinen Kopf auf meiner Schulter nieder. Bring' mich wohlbehalten ans Ziel, damit ich keine Mauern mehr fühlen muss. Kein Rasen und Zerschellen sehe, sobald ich die Augen schließe. Welt übersteigt mich. Dabei will ich doch nur aufgenommen werden, aufge.hoben sein.
geschrieben von: Carcas999
.over-whelm. me.
Peridon. Wie ein Ort in meinem Kopf, zwischen kastanienfarbenen Augen und blitzenden Zähnen, die nicht selten zubeissen. Wie Leben auf der Zunge, Worte tanzen und dein Blick tobt in mir. Ich bin ein Blütenmeer und du der Felsen, an dem sich des Nachts Wellen tosend brechen. Der Name zerfließt zwischen meinen Fingern, wenn ich ihn langsam ausspreche. Er zerfällt zu Farbe und einer rauen Stimme, die leise singt.
Wäre ich nur schon dort und hätte das sanfte Streicheln des Windes auf meinem Haar, würde die Zunge schweigen, sich nicht zwischen fremden Lippen verlieren. Ich glaube, es ist weit bis dahin, ich rieche deine Haut und spüre die Gischt, doch sehe. nichts. Auf dem Weg liegt zu viel Krieg verstreut. Waffenloser Kampf um Körper und Seelenlosigkeit. Ich wollte kreischen und Tränen schossen mir in die Augen wie ein plötzlicher Schmerz, zu sehr warst du und so wenig warst du bei mir, ich kann dich nicht ansehen. Es ist wie Seelenvergewaltigung, du machst mich hässlich und nimmst jedes Gefühl von mir, ich wollte mich wegdrehen, aber deine Arme waren stärker als meine Schreie. Zuviel Krieg, den ich begonnen und sofort verloren habe, kleine Kiesel knirschend im Mund.
Ich möchte gern lächeln, wenn ich das Licht ausschalte, und mich auf deinen Atem betten. Wenn du schläfst, ist die Welt so friedlich. So, dass es nichts mehr ausmacht, wenn ich wachliege, Minuten zähle und mit der Nacht verschmelze, bis sie mich um den letzten Rest Verstand bringt.
...I've got two tickets to Peridon, just can't sleep.
"Leave me out with the waste
This is not what I'd do
It's the wrong kind of place
To be thinking of you"
Ich will Feuer:rot und Sturm.orange, Chaos-gelb und alles in einem Blätterregen. Es ist kalt draußen, Lichter tanzen einsam und in meinem Kopf läuft geräuschlos Musik, ich nicke mit dem Kopf zu einem Takt aus Herbst und Leben und ich denke, ich bin nicht richtig hier. Allzu sehr abwesend.
Manchmal denke ich an dich, immer seltener und doch nicht weniger. Und dann vermisse ich dich trotzdem. Es hat sich wenig verändert, ich werde älter und du ebenso, die Zeit bleibt nur noch selten stehen.
Es geht mir gut, ich lebe und bin meistens so etwas wie glücklich. Und wenn ich morgen sterben müsste, dann könnte ich guten Gewissens sagen, dass es in Ordnung ist. Dass es nichts gibt, was ich bereue und nichts, was mir im Kopf umherschwirrt und keine Ruhe lässt. Nichts, wovon ich denke, ich müsste es unbedingt noch tun. Ich habe eine Menge Dinge und Menschen, die mein Leben lebenswert machen. Ich habe viel gesehen und bin trotzdem noch immer naiv idealistisch, wenn auch zynischer als je zuvor. Es gibt keine offenen Rechnungen mehr und kaum gebrochene Herzen. Ich kann stolz auf mich sein und auf den Punkt, an dem ich stehe. Ich würde in den Garten gehen und die orangefarbenen Mohnblüten in die Hände nehmen. Ich würde laut traurige Musik hören, vielleicht leise weinen. Und du?
Caliban ist nicht mehr der junge Wilde. Er ist erwachsen und weniger verträumt, vielleicht ein wenig desillusioniert. Und gelehrt habe ich ihn nie etwas, es war genau umgekehrt und ich unwissend. Wenn ich an die Zeit zurückdenke, sind es gute Erinnerungen, bunt und wild, aber nicht mehr ganz lebendig. Ich will nur Gutes für dich, alles Glück der Welt und nicht weniger.
Ich bin das Meer, wie jeher, bin der Herbst und das Eis. Bin das Feuer und die Seelenlosigkeit. Es ist kalt im Wasser und hätte ich deinen Namen geschrieen, hätte es nichts geändert. Ertrunken wäre ich dennoch. Es gibt niemanden, der ist wie du. Und es gibt niemals etwas, was genauso wird wie wir. Und das ist gut so.
Die drei Worte gibt es nicht mehr, schon lange nicht, ich möchte dir nur manchmal schreiben und ein paar Dinge loswerden, ohne zu wissen ob du verstehst. Es macht nichts. Du weisst, wer ich bin. Oder wusstest es mal. Das genügt.
Es ist Herbst und draußen ist es neblig. Ich lag gern unter deinem Fenster, unter dem Himmel, den Sternen, es war oft kalt. Seitdem sind so viel mehr als nur hundert Jahre vergangen.
Peridon ist still heute Nacht und hört nur meinem Atem zu. Meinem Herzschlag. Auf meinem Grab sollen einmal Blumen wachsen, wild und bunt und duftend. Wie Mohn auf weißen Laken.
Was ich eigentlich sagen wollte: Ich hoffe, es geht dir gut.
"It's a small crime
And I've got no excuse"
(Damien Rice - 9 Crimes)
geschrieben von: Carcas999
.un:conditional love.
Stay with me,
Shut out the world, live underneath the city
Stay with me
I'll be Peter Pan and you just be pretty
In mir ist mehr Gefühl als in ein kleines Herz passen würde, sollte. Dann passiert es, dass ich in Tränen ausbreche, obwohl ich nur sauer bin und meine Meinung sagen will; schreie, weil ich glaube, dass mich sonst niemand wahrnimmt und vollkommen verstumme, weil ich sonst vielleicht explodieren würde oder abstumpfen. Wer bringt mir bei, an welchem Punkt ich Gedanken und Gefühle auseinander halten kann? Gibt es einen Unterschied, wenn ich beides nicht in Worte fassen kann?
Um meinen Kopf schlagen Flammen, wenn ich wütend bin und brennen nieder was ich mit Worten nicht kann. Ich sage einen Satz und breche ihn mittendrin ab, weil ich mir plötzlich nicht mehr sicher bin, ob ich es ernst meine, ob ich es bin, der da spricht, ob nicht alles in Belanglosigkeit versinkt und dann keinen Sinn mehr ergeben würde. Der Fixpunkt ist dann fort, so wie der Wegweiser, auf dem eben noch dein Name stand oder vielleicht der meiner Heimat. Dann bin ich nicht mehr sicher, ob das wofür ich gekämpft habe in drei Sekunden überhaupt noch existiert, ob der Kampf nicht schon vor dem Ziehen der Waffen verloren war. Und unwichtig. Im Kopf formen sich die Worte neu, hinterlassen leere Umrisse und stehen wie Vorwürfe im Raum, unausgesprochen.
Die Wände beginnen zu bröckeln, kleine Steinchen sammeln sich zu meinen Füßen. Wenn ich traurig bin, wird der Raum um mich herum zu einem Meer in dem ich ertrinke. Dann trage ich alles Leid der Welt und der Himmel kann nicht wolkig genug sein, um mein Herz weich zu betten, wenn es fällt.
Irgendwann findet man zurück, zur Realität, zur Bedeutungsschwere des Seins, mit diesem Stück Leere im Herzen. Wie das Gefühl der Kälte, die im Zimmer steht, wenn man morgens neben einem fremden Menschen erwacht und sich nicht so schnell anziehen kann, wie man fortlaufen möchte.
Liebe an sich ist doch bedingungslos.
To the lovers we left behind
Bad days, good nights
In the great shipwreck of life
We all fall down
(IAMX - Great shipwreck of life)
geschrieben von: Carcas999
.could be wrong.
Du bist weiß, so weiß. Blass, nicht blütenweiß. Meine Träume sind bunt und rot, nur aus deinem Haar schwindet die Farbe, Lippen in schwarz-grau.
Es regnet einen kalten, erbarmungslosen Novemberregen. Seit Tagen schon, vielleicht. Die letzten gelben Blätter machen die Welt nicht mehr farbenfroher, denn nur grauer Himmel vor grauen Häuserfronten, dazwischen graue Regentropfen auf grauem Asphalt, auch das gelb wird fahl.
Ich bin stark, jung und unabhängig. Ich kann alles und tue alles, was ich will. Unaufhaltsam.
Aber was, wenn ich gar nicht stark sein will? Ich möchte Schwäche zeigen können, weich sein, mich zwischen Kissen verstecken, im Regen stehen und weinen können. Ich wäre gern mehr ich selbst, mehr als nur eine starke Hülle. Mehr der leuchtende, verletzliche Kern. Ich möchte zurück in das Zimmer, in dem die Zeit stillsteht und langsam bunte Seifenblasen um mich her fliegen, auf meiner Haut leise zerplatzen. Dort war es niemals farblos, alles hell, alles leuchtend.
Es soll sich wieder richtig anfühlen.
Blauer Dunst und eine verblasste Erinnerung.
geschrieben von: Carcas999
.Atlan.tic.
Das Herz von Atlantis ist geschmolzen, tief unter dem Meer. Die Jahre haben es nicht begraben, nur zu Eis gemacht, zu einer eisigen Kälte, in der nicht nur Pandora sondern auch die Augen des kleinen Jungen zersplittern.
Und nun schmilzt all das, in der Kälte, in Meer, zerfließt zu Nichts in seiner unendlichen Haltlosigkeit. Geschichten enden dort woe sie beginnen, im Herzen. Atlantis zerfließt, zerfließt zu Tränen, zu Hoffnungslosigkeit und Mutlosigkeit, zerfließt zu grau statt blau, zu Elend und müden Augen.
Ich stehe noch immer dort wo ich zurückgelassen wurde, nur drei Schritte über mir und doch kaum weiser. Viel verloren und keine Minute gewonnen, Zeit verstreicht im Sekundentakt, viel schneller als zuvor, hier, wo Zeit im Überfluss war.
The kiss, the kill, the poetry, the freak way.
~
.gone.
It’s about you and the sun – wie immer, seit Jahren, Tagen, Minutenweise. Ich hätte gern noch einen Wunsch frei. Einen Wunsch für die Stürme, die Wunder, um Naturgewalt zu sein, um wüten zu können ohne mich zu verstecken – und Regen und Meer und Taumel.
There is no room where I can go and
you`ve got secrets too
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.make a home.
Ich sitze am Ufer des kleinen Kanals, die Beine baumeln über dem Wasser, und esse Erdbeeren aus einer braunen Papiertüte. Es ist Sommer, sicher irgendwo.
In dem kleinen kargen Raum stehen zwei hölzerne Betten, dazwischen ein großes Fester, hinter dem es noch kälter und karger ist, mit gräulichen Schneeresten an den Straßenecken und dem leeren Kopfsteinpflaster. Ich sehe kleine Fischerboote durch die Zwischenräume der Häuser, die im vereisten Hafen liegen und bis zum Frühjahr schlafen werden.
Auf dem Bett liegt eine ausgeblichene gelb-pinkfarbene Bettdecke. auf einem hölzeren, niedrigen Tisch steht mein grüner Rücksack und in ihm mein Leben für diese Woche. Ich fühle mich einsam, aber nicht gottverlassen und für Sekunden zwischen den Atemzügen großartig. Vor meiner Tür hängt eine Wäscheleine, quer über den betonierten Hof gespannt, ich bin so müde und vermisse die Musik. Ich bin froh, dass du im Zimmer nebenan liegst.
Ich liege in einem Zelt und friere. Zittere. Es ist kalt, selbst in dem Schlafsack, dessen Reißverschluss ich nicht zubekomme, trage zwei zu dünne Hosen und ein paar Oberteile übereinander. Unvertrautes Hufgetrappel vor dem Zelt, ich will schlafen und kann nicht. Kann mich nicht mal entscheiden, ob ich Angst haben soll oder mich freuen, ich bin zu müde.
Ich werfe mich lächelnd, fast grinsend auf ein großes Bett auf dem Dachboden. Der Soundtrack von Aladdin läuft, ich weiß nicht mehr, ob er tatsächlich lief, oder nur in meinem Kopf. Ich bin 14, schwankend, aber in diesem Moment so euphorisch, wie man es mit 14 nur sein kann.
Ich stehe mit eingezogenem Kopf an einem kleinen schrägen Dachfenster, sternenklare, eisige Nacht. Kalte Luft, die viel tiefer dringt als bis zur Lunge, irgendwo am Horizont Richtung Süd Süd West kann man die Lichter einer Stadt ausmachen. Manchmal stehst du hinter mit oder streckst auch deinen Kopf durch das Fenster.
Gegenüber des Hauses sind weitere graue Betongebäude zu sehen und dreckige Straßen. Vom Balkon aus ist der Ausblick trostlos, man ahnt den Alkohol und die Arbeitslosigkeit und ich weiss nicht mal, im wievielten Stockwerk ich mich befinde. Aber abends im Dämmerlicht sieht man Fledermäuse um die blassen Laternen flirren und ich stehe gerne auf diesem Balkon.
Ich will mich nicht jeden Tag neu erfinden, nicht schmelzen, zerfließen - tropf, tropf.
An all diesen Orten, in all den kleinen und größeren Zimmern stand ein Bett für mich. Dieses Bett war niemals meins, auch wenn es sich immer für kurze Zeit so anfühlte. Und ich habe in meinem eigenen Bett niemals besser geschlafen als in diesen - selbst wenn es Pritschen waren, alte Sofas, harte Matratzen. Ich kann mein Leben in einen Rucksack packen und überall zu Hause sein, nicht immer glücklich, aber oft euphorisch, oft ängstlich, immer frei.
Mohn. Kleine karmesinrote und purpurne Blüten rieseln auf mich nieder. Blütenblätter wie Wasser, fließend langsam auf Somas Haut. Fahles Sonnenlicht scheint durch sie durch wie durch Somas Haut. Blutig rot kriechen Farbflecke an ihrem weißen Kleid empor. Durch den Wind geht ein Bruch und ihre Augen funkeln giftig, während sie zum Himmel starrt und auf etwas wartet, was niemals sein wird. Die Tränen sind längst getrocknet, sie sind der Leere gewichen, trübe und glanzlos die Augen und noch immer schwarz wie der Hass, der in ihr pulsiert. Schwarz wie die kleinen Samen, die auf den Boden tröpfeln und kleine Wellen schlagen. Sie glaubt nicht mehr, nur noch an den Regen und diese eine ferne Erinnerung, die grau zwischen ihren zerbissenen Fingerkuppen zerdrückt wird, wieder und wieder. Sie ist der violette Ekel, so wunderschön wie tödlich, am meisten für sich selbst. Schau hin, schau hin wie die kleinen Blumen Muster auf ihre Haut malen. So schön, so falsch, glutrotpurpurmagenta, Farbenfeuer. Die Mauern wachsen höher um sie.
Du kannst sie fragen, wie es ihr geht, dann lächelt sie ein kleines verzerrtes Lächeln: I am-ok, but you're in danger. Sie macht drei Schritte auf dich zu und der Wind weht die kleinen schwarzen Samen springend sanft von ihren Wimpern auf deine Lippen.
Danach ist nur noch Herbst. und Seide. und Nichts.
Ich möchte, dass du mich fragst, wie es war, wie es sich angefühlt hat. Ich würde antworten, es war, wie nach Hause zu kommen. Ankommen.
Ich hatte ein wenig Angst, wurde von Gefühlen und Erinnerungen schwer wie Blei überrollt. Wir kamen an dem Bahnhof an, an dem ich dich einst abholte und ich zitterte innerlich. Tobte und wollte mich wieder umdrehen, zwei Schritte zurück. Es war wie damals, allein in der riesigen Stadt, die so sehr die meine war und in der ich dennoch so sehr Fremdkörper war, an manchen Tagen. Bilder kehrten wieder und wieder, Bilder die längst vergilbt hätten sein sollen. Ich schlief schlecht, drehte mich von einer Seite auf die andere, das Bett knarrte. Der Himmel war hell in dieser, wie in jeder Nacht hier, fast weißlich und von dem offenen Fenster her tönten laute Stimmen. Ich wollte weinen, vielleicht ein wenig. Weinen, schlafen und vor allem nicht mehr hier sein, an diesem Ort, nach dem ich mich immer wieder sehne.
Am nächsten Morgen war die rote Angst verschwunden, die schweren Gedanken und auch der graue Schleier vor meinen Augen. Die Sonne strahlte zwischen Häuserwänden hervor und die anderen nahmen mich bei der Hand und rissen mich mit. Es war laut und hektisch, ganz wie immer. Ich möchte nicht jeden Tag hier sein müssen, jeden Tag in vollen Straßen, an touristenübersäten Plätzen und in stickigen Bahnhofshallen. Aber ich möchte ein Refugium, hoch über den Straßen, mit Möwen vor dem Fenster und alten Bäumen. Einen Ort, an dem ich jederzeit ich selbst sein kann, mit einer breiten Fensterbank, auf der ich sitzen und lesen oder auch nur das geschäftige Treiben beobachten kann.
Zwischen den Hochhäusern und alten Bauten standen kleine Obststände mit Erdbeeren und Kirschen. In der Bahn fragte mich ein altes Ehepaar nach dem Weg und ich musste lächeln, weil ich ihn tatsächlich kannte. Es war windig, als wir über die Themse liefen und der Weg vom Pub zurück in die zwei Straßen entfernte Herberge wurde ein langer und taumelnder Spaziergang, mit Schokolade und viel Gelächter. Meine graustufige Erinnerung gewann wieder an Farbe, wurde versetzt mit roten und grünen Tupfern.
Hier war ich frei und glücklich und hatte kaum Zeit durchzuatmen. Es war mehr ein kurzes aufatmen und einsaugen der Luft, der Atmosphäre, des ewigen Strebens nach Unerreichbarem, des immerwährenden Laufens zum nächsten Ziel. Ein Rausch, der beim Aufwachen nur Kopfschmerzen mit sich bringt, daher lässt man die Nacht am besten gar nicht erst enden. Oder verschwindet beim ersten Sonnenstrahl am morgendlichen Himmel.
Es sind 13 Jahre vergangen, seit ich zum ersten Mal auf englischem Boden stand und mein Herz verlor. Ich war jung und überwältigt. Ich bin nun älter, und bin mir meines Weges sicherer, eine große Stadt kann mich vielleicht ins Wanken bringen, jedoch nicht mehr von den Füßen reißen. Die Geschichte ist noch da, ganz nah und lebendig. Eine Geschichte in Bildern und Worten, in Lachen und Tränen, in Raserei, Streit und Einsamkeit, aber auch in Wind und Schönheit und hüpfendem Herzen.
Doch sie ist auch etwas anderem gewichen, etwas Befreitem, Leuchtenden. Etwas, das mehr Hier und Jetzt und ein warmes, wenn auch schweres Gefühl ist, statt einer Erinnerung.
Frag mich nicht, ob ich wiederkommen werde, das werde ich immer. Frag lieber, ob ich dich mitnehmen werde. Mitnehmen und ankommen. London, my strangelove.
Ich halte deine Hand im Regen, im Sturm, im unendlichen Brand. Himmel brennt. Brennt auf uns nieder, prasselt flammend. Sturm, im violettrotorangegelbweißlicher Wut. Deine Augen brennen ebenso lichterloh wie der Himmel über uns, ich will versinken. Berauscht. Feuerrot in Flammen aufgehen. Wahn.sinn sein.
geschrieben von: Carcas999
...fortnahm. Mit einer Geste..
I will never forget.
Mal wieder der Herbst. Die Tage werden kürzer. Draußen ist der Himmel dunkelgrau und die herbstfarbenen Blätter strahlen im abendlichen Sonnensterben. Ich kann dem Kerzenwachs beim Tropfen zusehen und die Luft ist eisig und wehmütig.
Ich bin weit davon entfernt anzukommen.
Meine Koffer und Kartons waren gepackt, die schwerste Tasche war die mit den Büchern, natürlich mussten sie mit. Ich hatte mich eingerichtet, es war fast schon heimisch, die Matratze lag auf dem Boden mit meinen bunten Kissen und vor dem Fenster stand ein Apfelbaum, mit Äpfeln so rot und schwer.
Und dann bricht plötzlich mitten aus dem Nichts einfach alles zusammen, was man sich aufbaut, und es tut ein bißchen weh und macht sprachlos und machtlos. Selbst dann, wenn es noch kein imposantes Gemäuer, sondern mehr eine windschiefe, baufällige Hütte war, es lag doch Kraft und Mut darin. Jetzt bin ich wieder hier, die Hütte abgerissen, meine Bücher liegen noch in ihrer Tasche und alles fühlt sich seltsam an.
Ich weiss, es wird sich wieder gut anfühlen, in ein paar Tagen spätestens und vielleicht wird es sich bald schon viel besser anfühlen, als es das jemals hätte, hätte ich nicht wieder alles aufgegeben und mich erneut ins Chaos gestürzt.
Warum nur immer der Herbst? Ich mag das rotbraunherbstbunte Chaos und das Verlangen ebenso sehr, wie ich es hasse. Dann sehne ich mich nach dem Wind, der die letzten Blätter fortträgt. Nach der Zuflucht, die vielleicht mal da war, aber eben so vergänglich war, wie der Herbst es ist. Nach dem nächsten Sturm, der alles reinwäscht und am folgenden Tag nur die Ahnung eines entfernten Bebens hinterlässt. Nach der Freude, die vielleicht erst wieder im Frühjahr aus ihrer Winterstarre kriechen und leise lachen wird. Doch Bereuen ist nicht. Weinen und Wundern, Toben und Ärgern und Schreien, Zögern und Planen und Scheitern und Hoffen. Aber Bereuen? Nein.
Und die Herzen am Fenster? Mit dem Finger gezogen auf beschlagene Scheiben. So viel Herbst in mir.
I will never regret.
geschrieben von: Sternenstaub
Der Herbst. Ist unsere beste Zeit. Sagte Goethe. Ich habe das Zitat damals hier bekommen, aus einer längst vergangenen Dekade, als November Abgrund war und die Nächte endlos wie schwarzer Honig.
Herbst ist Chaos und Erinnerung, aber vielleicht doch nicht nur er, sondern das Leben an sich, man baut Heimat-Orte, sie fallen zusammen, man plant und baut neue.
Ich habe mir mein Leben nun auch anders vorgestellt. Aber eigentlich ist es wie Lola, die rennt und es hängt drei Mal von verschiedenen Faktoren ab, ob sie Manni retten kann, immer anders.
Du hast die Entscheidung getroffen, ich hätte an Deiner Stelle auch so gehandelt - und auch dort kannst Du Dir einen neuen Ort erschaffen, der besser sein wird, Du musst Dich nur trauen.
Chaos ist Leben. Und ein Genie beherrscht es. Sagte Sherlock Holmes. Und nun reicht es mit klugen Zitaten zur später Stunde...
minä rakastan sinua!
geschrieben von: Carcas999
.Thousand times one.
Ich habe mit dir gesprochen heute. Von Ferne zu Ferne, Gedanken wandern südlich. Du hast mit mir gesprochen und es war wie damals, im Sommer letztes Jahr. Ich erinnerte mich an das Lied. Das Lied, welches damals aus deinem kleinen Zimmer tönte und mich zum lächeln brachte während ich über den Hof zur Dusche ging. Das Lied von Placebo, dessen Namen ich noch immer nicht weiss, doch dessen Melodie mir wieder im Ohr hängt.
Der Sommer im letzten Jahr.
Ich bin froh, dass ich euch habe, noch immer. Ihr wart Ersatzfamilie, Brüder und Schwestern. Wir waren einander fremd, sind es noch immer auf gewisse Art und Weise, aber wir sind uns auch nah. Ihr habt diese Zeit für mich unvergesslich gemacht.
Wie der Mann in diesem Film sagte: Das ist die Heimat. Du wirst Afrika niemals verlassen.
Niemals so ganz. Ich werde zurückkehren, ganz selbstverständlich, eines Tages. Es wird dauern, bis meine Augen und Ohren sich an die wahnsinnige Schönheit und Qual gewöhnt haben, doch dann wird es sein wie zuvor. Frei und gottverlassen, laut und aufdringlich, kunterbunt und herzensnah. Und ich werde wieder das Mädchen sein, das mit ihrem Buch und einem Reiseführer in einem viel zu vollen Bus sitzt und nicht sicher ist, ob sie Angst haben oder sich von der Landschaft überwältigen lassen soll. Das Mädchen, das mit wehendem Haar und hüpfenden Herz an Deck der Fähre steht und die Wale weit draußen springen sieht. Im Sommer, bestimmt. Wellenschlagen und Franchipaniblüten.