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Zu zart
schmiegt sich das Gras
an unsre winterblinde Haut
ich schmecke Birkenlicht
und als mein Blick
sich zärtlich senkt
zerbricht das Bild
im Wasserspiel
flechte mir Disteln ins Haar
mein Scherenschnitt
j' entends ton coeur
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geschrieben von: Mondin
Honigraub
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Du
verschlag das Wort mir
Atemkind
sieh mich
auf Linnen taumelnd
nach den Wandervögeln flehn
sieh wie tief ich meine Hand begrab
die Feuer trägt
die Wange still
ans Herz gelehnt
versagt mein Mund:
mal mir Ranunkeln
in die Stirn
und sei mein Bodentraum
tagaufwärts
meine Tür
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geschrieben von: Mondin
Schaumgeflüster
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Im Olchon schlafen schwere Hände
tausend Jahre schon und Tage
und rollend rauscht die Ewigkeit
in die Schwielen ihrer Bucht
trage mich, mein Herz,
und sei mir Muschelrausch
in meinem ersten Schrei
sei Tier, sei Wacht
und leg die karge
flache Nacht an meinen Mund
wo Zeitenstaub mir Formeln spricht
verschwärzt und brennend
niederbricht
und ich
am grossen Fels
ein helles Flattern nur
dann nichts
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geschrieben von: Mondin
Nestchen
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Ich habe eine alte Stehlampe gefunden. Irgendwo im Dreck hat sie gestanden. Als habe sie auf mich gewartet. Einen ganzen Tag habe ich damit verbracht, ihr hier einen Platz zu suchen, wo sie zur Geltung kommt, wie es ihr gebührt. Sie ist nämlich wunderschön, mußt du wissen. Ihr Schirm ist aus einem gelben Stoff. Nunja, ursprünglich war er wohl mal gelb. Inzwischen ist es ein bräunlicher Senfton, aber ich erkenne die richtige Farbe ganz genau. Warmes Mondgelb. Ihr Stoff ist rau wie ein Sofabezug. Sogar mit Muster. Das mag ich. Die Stange ist ein schlichtes Dunkelirgendwas, der Fuß aber dafür wundervoll verziert, als habe er damit mal in einem noblen Wohnzimmer gestanden. Eine Birne hat die Lampe nicht mehr. Aber das braucht sie auch nicht. Ich finde, sie leuchtet auch so schon schön von Innen. Meinst du nicht?
Und weißt du was? Sie soll einen besonderen Platz bekommen. Gleich neben deinem Gedenkstein. Siehst du? Dann ist's fast wie Heimkommen..
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geschrieben von: Mondin
Die Malerin
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Manchmal, da hat sie diesen Blick, diesen sonderbaren. Als würde sie aus der Welt einen Schritt zurücktreten und alles durch eine große Glasscheibe betrachten. So ungläubig und staunend, und man ist versucht zu sehen, wie sie tastend die Finger hebt. Doch die meisten schauen sie nicht richtig an. Und sie drängt sich nicht auf.
Sie verschenkt gerne Bilder. Papierlose. Wenn ihr jemand ein Zeichen gibt, dass er ihr zuhören möchte, dann beginnt sie leise zu lächeln und hält für einen Moment verlegen den Atem an. Dabei fallen ihr ein paar Haarsträhnen ins Gesicht und das ist gut so. Dann beginnt sie zu malen. Mit Worten. Und berichtet von einem Ort am See, einem Raubvogelpärchen, das am Himmel tanzt, von dem Gefühl von Erde in ihren Händen. Und ihre Augen leuchten, wenn sie erzählt. Vom Duft frischgemähter Wiesen und Sonnenflirren auf den Dächern der Stadt, vom Fliegen und von Menschen mit bunten Hüten, Weltenwanderern, von Liedern und Steinen. Sie weiß um die Geheimnisse, die in Schneckengehäusen rauschen, kann für Sekunden die Zeit anhalten, um einen winzigen Moment einzufangen, so wie man Grillen fängt, und sie weiß immer, welche Farbe der Wind hat, wenn er ihre Wange streift.
Die meisten haben ihr Gesicht schon wieder vergessen, wenn sie des Abends diese Bilder noch einmal hervorholen und mit einem Lächeln unter ihre Kissen legen.
Und wenn es dunkel wird, ist sie allein. Mit sich und den Bildern, die sie niemandem schenken kann. Die sich groß und drohend vor ihr aufbauen. Dann wünscht sie sich wieder diesen Schritt zurück aus der Welt, eine ihrer verschenkten Geschichten zurück. Doch die Nacht hat keine Farben.
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