So, nach viel Trulala um die Freigabe steht dieses Monstrum nun seit heute in den Videotheken, und der Film ist definitiv kein Aprilscherz.
Märtyrer heißt übersetzt "Zeuge", weil der echte Märtyrer im Schmerz einen Zustand der Ekstase erreicht, der sich Normalsterblichen verschließt. Es geht dabei allerdings weniger um den 178. Aufguß blöder Saw-Fallen oder Hostel-Übernachtungen, "Martyrs" ist formalästhetisch und auch vom intellektuellen Anspruch ein ganz anderes Kaliber. Aber gerade darum ist der (Dario Argento gewidmete) Film auch extrem schwer verdaulich und für den schnellen Horror-Kick zwischendurch ebensowenig geeignet wie für den Durchschnitts-DVD-Schauer.
Wer jedoch der "New French Extreme" (High Tension, Inside, Frontiers) etwas abgewinnen kann, sich mal wieder so richtig fertigmachen lassen will (hach was sind wir doch für Märtyrer), kann und sollte durchaus einen Blick riskieren.
Aber ich habe das Ding bis vorhin ertragen und bin immerhin so bedient, daß ich jetzt dazu absenfen muss.
Wahnsinnsfilm...
geschrieben von: Odessa
Okay Du weißt ja, daß wir dahingehend den gleichen Geschmack teilen und wenn Du den Film schon mit "ich hab ihn ertragen" umschreibst, weiß ich daß ich ÜBER meine Grenzen gehen muß und auch werde, denn natürlich muß ich den sehen. Die Kritik dazu ( http://www.mannbeisstfilm.de/kritik...rtyrs/1210.html ) war schon mal nicht schlecht, aber noch mehr interessierte mich dann das: http://www.filmstarts.de/kritiken/99054-Martyrs.html :
Aber was macht „Martyrs“ denn nun so hart, dass selbst abgebrühte Allesgucker benommen aus dem Kino torkeln? In „Martyrs“ geht es – im Gegensatz zu den meisten Genre-Verwandten - nicht um Sadismus. Das mag paradox klingen bei einem Film, der wegen seiner ausufernden Gewalt- und Folterszenen für Aufsehen sorgt. Doch Regisseur Pascal Laugier ist nicht am billigen Blutrausch oder an der Triebbefriedigung durchgeknallter Hobby-Metzger interessiert. „Martyrs“ hingegen macht aus Schmerz Wissenschaft und aus Folter System. Am Ende blicken wir fassungslos auf ein kaum noch menschliches Wesen, das einmal ein junges Mädchen war. „Es ist so leicht, ein Opfer zu schaffen“, sagt jemand an einer Stelle des Films. Es braucht nur Gewalt; Schläge, Schnitte und Demütigungen, immer wieder, bis ein Mensch endgültig gebrochen wird, körperlich und geistig. „Martyrs“ führt uns das mit einer Konsequenz vor Augen, die ungeheuerlich ist. Muss das sein? Muss man brutalste Misshandlungen zu einer viertelstündigen Sequenz ausdehnen, um das Ausmaß menschlichen Leidens begreifbar zu machen?
In diesem Fall lautet die Antwort jedoch: Ja, das muss man. Wäre Pascal Laugier so feige gewesen wie viele seiner Regie-Kollegen, die im letzten Moment gnädig abblenden und ihren geschundenen Protagonisten die Möglichkeit auf Erlösung einräumen, hätte „Martyrs“ nicht funktioniert. So aber trifft er mit der Wucht eines Dampfhammers – er zwingt uns hinzusehen, wenn wir wegsehen wollen. Er zeigt das Unzeigbare. Er inszeniert den Schmerz so unmittelbar, dass wir ihn im Kinosessel körperlich mitfühlen. Das ist schwer zu ertragen (nicht selten verlassen ganze Zuschauergruppen die Vorführungen), aber brutal ehrlich und konsequent. So wie auch Gaspar Noes großartiger Irréversible, der die Vergewaltigung im Mittelteil nicht ausspart, weil sie integraler Bestandteil der Geschichte ist. Wer die Qual begreiflich machen will, muss sie auch zeigen. Bis zur Schmerzgrenze. Und darüber hinaus. „Martyrs“ wird erbitterte Diskussionen auslösen. Darüber, was man in einem Film zeigen kann, zeigen muss und ob man einen derart mitleidlosen, fast schon asozialen Film überhaupt zeigen darf. Laugier selbst bezeichnete in einem Interview den Horrorfilm als das freieste aller Genres. Diese Freiheit hat er in „Martyrs“ ausgenutzt, ohne falsche Rücksicht auf erzählerische Konventionen oder ethische Tabus. In seiner Radikalität löst er damit ein Versprechen ein, an das wir kaum noch glauben wollten: Er zeigt uns etwas, das wir garantiert noch nie gesehen haben. „ (..) Dieser Film wird nur einen Bruchteil der Zuschauer erreichen und ist doch einer der wichtigsten und besten des Jahres. Ganz große Filmkunst, die weh tut, aber an der man nicht vorbeikommt. Ansehen auf eigene Gefahr – das ist ausnahmsweise kein Werbespruch, sondern eine ernst gemeinte Warnung vor einer filmischen Schocktherapie. Sagt hinterher nicht, wir hätten euch nicht gewarnt.
Ich bin mir relativ sicher, daß auch hierzulande die üblichen Sprüche von vermeintlich "anständigen" Menschen kommen werden in den Diskussionen zu diesem Film allerorten, von wegen "wer sowas guckt ist ein Perverser" oder "wer sowas anschaut hat noch nie Gewalt erlebt und geilt sich dran auf" blablabla. Mag ja sein daß es viele Menschen gibt die so sind - ich für meinen Teil stelle immer wieder klar: für mich sind solche Filme gelebte Psychotherapie, und zwar die beste weil die SELBSTgelenkte. Ich verarbeite meine Gewalterlebnisse genau dadurch dass ich mir sowas ansehe und dabei mich selbst "entkörpere", mich selbst an diese Schmerz-Erlebnis-Grenzen wieder und wieder ranführe bzw. sie überschreite. Das ist eine harte Therapie, das ist eine Schocktherapie, aber sie half mir seit Jahren. Mein Mitleid mit jedem Lebewesen dem auch nur ein Haar gekrümmt wird und meine Abneigung gegen jegliche Form von Gewalt hat sich durch den "Genuß" solcher Filme noch verstärkt, in keinster Weise trat bei mir das Gegenteil ein. - Solche Erfahrungen kenne ich von einigen anderen Menschen, leider spielen "wir" nie eine Rolle wenn es um Entscheidungen für Zensuren etc. bei solchen Filmen geht. Wäre die Lobby der Menschen, die mit diesen Filmen ihre eigenen Gewalterlebnisse zu überwinden sucht, größer, wäre unser Filmmarkt um einige wirklich intelligente und grenzüberschreitende Meisterwerke reicher (unzensiert, ungeschnitten).
Just my 2 cents... und danke Dir für den Tipp, wieder mal :-)
geschrieben von: coma_black
In einer Welt der Fritzls und ihrer Gruselkeller hat die Realität doch ohnehin schon jeden Film überholt. Ähnlich sieht es mit der Handy-Filmerei aus, die jetzt aktuell aus der Verkaufsversion des eher durchschnittlichen "Eden Lake" entfernt werden musste (für die 18er-Freigabe!).
Ich frage mich dabei immer wieder, in was für einer Welt die Vertreter unserer nicht stattfindenden Zensur so leben, lesen die keine Zeitung? Oder versuchen sie einfach nur, die Leute in Sicherheit zu wiegen?
Martyrs gebe ich jedenfalls in Anbetracht der Verbote von Hostel 2 und Stormwarning, bzw der drastischen Schnitte in Inside und Frontier(s), nur eine relativ kurze Zeit in den Videotheken. Denn irgendwie waren die genannten Filme im Direktvergleich einfach nur "Lällabäp" (schwäbisch, vergleichbar mit "Pille-Palle").
geschrieben von: Odessa
Das fürchte ich auch. Mal schauen wie ich an die ungekürzte Version (noch) rankomme.. ich werde mir den Film auch nicht allein anschauen, klar. Kannst Du mir in etwa (ein bißchen kennst Du mich vom Schreiben ja nun auch) sagen, ob ich es durchhalten kann? Du weißt, ich konnte bis heute Clockwerk Orange nicht anschauen weil ich vor Jahren beim ersten Mal über diese Stelle, wo der Mann gezwungen wird der Vergewaltigung seiner Frau zuzusehen, nicht hinwegkam. Das war definitiv meine Grenze. Von daher wäre ich um kleine "spoiler" dahingehend dankbar, damit ich annähernd einschätzen kann auf was ich mich mit dem Film einlasse (gerne in pn wenns Dir lieber ist).
geschrieben von: coma_black
Naja, ich weiß nicht so recht... SPOILERWARNUNG falls sich den Film jemand unvoreingenommen ansehen will.
Martyrs verzichtet komplett auf sexuelle und auch auf sexualisierte Gewalt. Der Film ist kalt, freudlos und systematisch und hat zum Glück ein paar Drehbuchschwächen, die ihn erträglich machen. Ich denke, zumindest die erste Hälfte könntest Du durchstehen, weil es sich dabei um eine knallharte Racheaktion handelt.
Schlimm wird es halt, wenn es in den Keller runtergeht. Das liegt vielleicht auch daran, daß ich die Marokkanerin Morjana Alaoui ziemlich schnuckelig finde http://data3.blog.de/media/834/2215834_0672290bbb_m.gif - einer etwa zwanzigminütigen Filmsequenz beizuwohnen (die einem viiieeel länger vorkommt - auch weil unklar ist, wieviel Filmzeit dabei verstreicht, es könnte sich dabei locker um Wochen und Monate handeln) in der ihr Wille und Körper gleichermaßen ge- bzw- zerbrochen werden war jedenfalls kein Spaß (auch weil das Mädel schauspielerisch recht talentiert ist und nicht die übliche Scream-Queen-Vorstellung liefert).
Filmisch gesehen ist Martyrs halt der Endpunkt einer Entwicklung, die seit Thomas Edisons "Electrocution of an Elephant" versucht, das Sterben und den Moment des "Übergangs" zu dokumentieren bzw. zu (re-)inszenieren. Die "Transzendenz" des leidenden Körpers, die vermutlich nichts weiter als ein letzter Abwehrmechanismus ist, macht nebenbei ja sogar den Dreh- und Angelpunkt des Christentums aus (von diversen anderen Mythen fange ich jetzt mal gar nicht mehr an). "Zerbreche deinen Leib" schreibt schon Paulus in einem seiner Briefe und Pascal Laugier schafft in Martyrs das, was Mel Gibson in seiner Passionsgeschichte nicht hinbekommen hat: diesen Moment der "Offenbarung" (=Apokalypse) festzhalten, in dem man als Zuschauer auf die eigene Kreatürlichkeit zurückgeworfen wird und etwas erlebt, das man als "Katharsis" bezeichnen könnte.
(Hmmm, etwas Metaphysisch, aber ich tue mich schwer, das in Worte zu fassen, was der Film bei mir an Denkprozessen ausgelöst hat).
Bei dem Gedanken, daß Herr Laugier das Remake von Hellraiser übernommen hat, wird mir jedenfalls recht flau im Magen...
geschrieben von: Odessa
Ich denke, zumindest die erste Hälfte könntest Du durchstehen, weil es sich dabei um eine knallharte Racheaktion handelt.
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:eek: Erschreckend WIE gut Du mich analysiert hast... naja, Dein "Fach" läßt sich nicht verleugnen, stimmt genau: solange es um (von meiner Seite aus betrachtet, somit natürlich völlig subjektive) gerechte Rache und ausgleichende Gerechtigkeit handelt (worin das "Böse" und "Unrecht" verurteilt wird), kann ich es ertragen ohne Grenzen.
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"Zerbreche deinen Leib" schreibt schon Paulus in einem seiner Briefe und Pascal Laugier schafft in Martyrs das, was Mel Gibson in seiner Passionsgeschichte nicht hinbekommen hat: diesen Moment der "Offenbarung" (=Apokalypse) festzhalten, in dem man als Zuschauer auf die eigene Kreatürlichkeit zurückgeworfen wird und etwas erlebt, das man als "Katharsis" bezeichnen könnte.
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Keine Sorge, ich versteh Dich völlig und Du hast das ganz gut hingekriegt mit der Umschreibung - das ist es auch was ich suche: das sich Zurückwerfen wollen, können und dann auch geschehen lassen auf sich selbst, auf seine Ur-Menschlichkeit und aber auch Ur-Triebhaftigkeit... die Anima, die Bestie, und doch der Heilige in sich selbst.
Gibson - guter Vergleich mit seiner Passion Christi. Das war ein Film den ich wiederum sehr mochte obgleich er massive "Defizite" hatte, und wenngleich ich da wirklich mit Übelkeit kämpfte und mit den Tränen ständig sowieso.
geschrieben von: coma_black
Das Problem ist aber, daß man Martyrs mit Kinderquatsch wie Hostel und Konsorten gar nicht vergleichen kann, immerhin hat sich die französische Kultusministerin persönlich für eine Jugendfreigabe des Films eingesetzt, weil er eben künstlerisch wertvoll und nicht einfach nur zweifelhafte Unterhaltung ist (wobei ich wie schon öfter gesagt kein Problem mit Exploitationfilmen habe, diese "Schmuddelware" ist halt so verlogen oder ehrlich wie wir alle auch - James Ballard meinte sogar in seinem Vorwort zu CRASH, daß eigentlich Pornographie die ehrlichste Kunstform sei, weil sie am deutlichsten zeigt, wie sich die Menschen täglich mißbrauchen).
Es geht auch gar nicht darum, Leid erfahrbar zu machen - was hätte man auch davon, wirklich nachfühlen zu können, wie man sich jahrzentelang im Keller eines Fritzl fühlt (außer einem Dachschaden hinterher).
Beim Splatter geht es eigentlich eher darum, aus sicherer Distanz "mitzuleiden" bei all den überlebensgroßen Gräueln, gleichzeitig aber auch durch den Voyeurismus zu einer Art Mittäter zu werden, also die dunklen Stellen im eigenen Selbst zu erkunden. Die Ablehnung vieler Zuschauer gegen die Saw-Reihe und ihre Epigonen rührt ja genau davon her, daß man sich über die eigenen Schattenseiten klar wird. Man kann in einem Film immer nur das sehen, was man bereits in sich hat.
Aber eigentlich sollte ich mit ArrogantNick lieber gar nicht erst diskutieren...
geschrieben von: lioba
Ich habe ihn vorhin angesehen. Erhlich gesagt hatte ich es mir schlimmer vorgestellt. Lag vielleicht daran, dass ich mich irgendwann emotional abgeschottet habe und begann das zu analysieren. Heftig daran zu denken, dass es genug Menschen gibt, für die diese "Visionen" Alltag sind.
Ich finde den Grundgedanken des Filmes ziemlich interessant. Einwenig mehr Psycho, ein bisschen weniger bloße Gewalt hätten den Film eventuell noch besser gemacht. Aber nun fragt mich um Himmels willen nicht, wie ich das umgesetzt hätte :D
Zitat:Nein danke! Ich fand Hostel schon zum Kotzen, da brauche ich sowas erst recht nicht mehr.
Tut mir ja Leid aber... Hostel ist einfach nur.. ja, lächerlich schon fast. Martyrs hat meiner Meinung nach eine völlig andere Qualität und zielt nicht nur auf "schau mal wie sehr die bluten etc." ab.
geschrieben von: coma_black
@ArrogantNick:
Hmmmm...
Die Faszination für Horror (bzw. im Fall der "Torture Porn"-Welle im Grunde genommen für SM) lediglich darauf zurückzuführen, was man schon erlebt hat (bzw. was man in der Realität noch nicht durchleiden musste) ist nicht per se falsch, aber halt etwas zu kurz gedacht. Andersherum könnte man auch sagen, daß es Leuten, die Komödien oder Liebesfilme schauen, ziemlich bescheiden gehen müsste. Das mag zwar schon zutreffen (ich vertrete ja auch die These, daß mittels Mario Barth & Co. die frustrierten Massen ruhig gestellt werden sollen), aber letztlich ist es eine unscharfe Verallgemeinerung.
Das "Problem" für mich war, daß Du ohne ihn gesehen zu haben, Martyrs in den gleichen Korb wie Hostel usw. wirfst. Die Thematik ist zwar schon ähnlich, aber man könnte dann auch behaupten, daß es sich bei "Satan der Rache" und "Erbarmungslos" um Western handelt. (Das stimmt zwar, und ich finde beide Filme total geil, aber der eine ist naiv-harte Exploitation und der andere Kunst).
geschrieben von: coma_black
Ein SPIEL-Film ist ja letztlich auch nur ein Spiel, das in beidseitigem Einverständnis funktioniert. Ice Age (cool!) "Kitzelt" den Zuschauer nur an anderen Stellen, das Prinzip dahinter ist aber eigentlich dasselbe.
Während sich aber halt der Spielbergianismus (oder auch die Disney-Philosophie) bei diesem Spiel mit der emotionalen Manipulation an gewisse eingeschliffene Konventionen hält, stürmt der exploitative Horrorfilm deine Wohnung und kackt auf den Teppich. Darum wird auch im König der Löwen ständig der "Circle of Life" beschworen, beim Fressen sieht man aber nur die "Bösen".
Diese unvermittelte "Ehrlichkeit" innerhalb eines Spiels, bei dem es ja nur um die Erzeugung von Illusionen geht (selbst die bewegten Bilder bewegen sich ja eigentlich gar nicht), macht dieses Genre für mich so spannend. Ich kann mich einerseits darauf verlassen, daß mir nichts geschieht (ist ja nur ein Film), gleichzeitig kann ich vor allem den intelligenteren Horrorfilmern (oder auch einem Quentin Tarantino) nicht über den Weg trauen, weil sie sich nicht an die von Hollywood etablierten Spielregeln halten.
Anders sieht es dann mit Dokumentationen oder Pornographie aus, denn hier fällt der Spiel-Aspekt weg.
geschrieben von: coma_black
edit: (das wäre jetzt zu sehr in mein Privatleben abgedriftet)
Ich kann dazu nur feststellen, so mit 14/15 habe ich angefangen Stephen King zu lesen und Metallica zu hören. Später kam dann richtiger Horror von Clive Barker, Nancy A. Collins usw. dazu und mit 18 die diversen guten und weniger guten Filme.
Ich behaupte, daß mir all dies geholfen hat, die Pubertät zu überstehen und nicht mit 25 schizophren zu werden, die paar Scheißeflecken in meinem Leben als lachhaft zu erkennen und meine relativ selbstbewußte Persönlichkeit auszubilden.
Mit "pädagogisch wertvollen" Jugenbüchern wäre das wohl nichts geworden...
geschrieben von: Odessa
Wer mit dieser Seite in sich, jedoch bereits zur Genüge auf anderem Wege konfrontiert wurde, der braucht keine Filme mehr
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Mit dieser als auch anderen ähnlichen Aussagen von Dir in dem thread habe aber auch ich, liebste Mischa, grad etwas ein Verständnisproblem, denn es ist sehr pauschalisierend und, sorry, auch etwas abwertend, was Du da schreibst (vielleicht empfinde ich es nur so weil ich DIch ja sehr liebe und mir deswegen "Kritik" von Dir sehr nahe geht und ich sie verstehen will).
Ich für meinen Teil z. B. "brauche" diese Filme nicht, ich WILL sie mir ab und an aber gerne und dann auch ganz bewußt ansehen weil ich es als Cineast einfach generell liebe, mir Filme mit Inhalt, menschlich nahegehender Thematik und mit REALITÄTsnaher (und Gewalt ist nun mal Realität) Darstellung anzusehen - ich kann mit diesem oberflächlichem Kram wie Liebeskomödienschmonzens und "Heile Welt"-Gedudel halt nix anfangen. Ich sehe mir Filme an, um mich mit den realen Dingen im Leben, auch mit denen in meinem früheren Leben, auseinanderzusetzen - und Gewalt war ein Teil davon und ist es, in politischer Hinsicht (die Nahostkriege etc.) für mich immer noch und immer wieder mal. Ein Teil den ich längst aber sehr gut aufgearbeitet habe, denn sonst wäre ich ja gerade NICHT die Person die Du kennst, die so furchtbar lebensliebend, "mittig", zufrieden und friedlich-harmonisch Wärme und Liebe abstrahlt wie ein Ofen (um Dich selbst mal zu zitieren) und die schon seit Längerem das Prinzip "ich lebe die Schönheit des Lebens" real verinnerlicht hat. Und das OBWOHL ich für meine Leben gerne Filme wie Hostel, Saw etc. sehe und anscheinend damit doch sehr gut zurechtkomme - mit der Grenzüberschreitung die ich mir bewußt zumute UND mit der ganz realen friedlichen Zu-frieden-heit und Gewaltfreiheit in meinem eigenen Leben ;)
Ich für meinen Teil weiß übrigens aus meinem mittelbaren Umfeld, daß z. B. einige palästinensische und libanesische Filmemacher - die selbst z. B. in den NahostKriegen täglich Menschen töten mußten - auch in ihren Filmen explizit die Gewalt zeigen wie sie ist, eben weil sie es als ihr Bedürfnis empfinden, nicht irgendwas "heile Welt-verlogenes" vorzugaukeln was da in einem Krieg (und somit auch in einem Film, der davon handelt) auch gar nicht da ist. Ich finde das ehrlich, ich finde das erwachsen und ich finde das als Cineast vor allem (denn darum geht es mir bei Filmen ja in erster Linie: die künstlerische Umsetzung eines Themas) äußerst wichtig.
Wie gesagt - wenn Du diese Filme "nicht brauchst", wunderbar. Doch es heißt noch lange nicht, daß jemand der sie gerne ansieht, sie 1. "braucht" und 2. psychisch irgendeinen Defekt hätte oder selbst noch nie Gewalt erlebt hätte. Es ist genauso unwahr wie die pauschalisierenden Unterstellungen, daß "jeder der Gewaltspiele spielt, mal Amokläufer wird" oder daß jeder, der SM liebt, ein komplexbeladenes unsicheres Häufchen Verklemmtheit ist.
geschrieben von: coma_black
Mir fällt da gerade noch ein Zitat aus einem Buch über David Cronenberg ein:
"Dieses Buch widme ich Mikey, Donald und den anderen Bewohnern von Entenhausen, weil sie in einer besseren Welt leben, die keine Horrorfilme nötig hat"
(oder so ähnlich, weil ich das Buch nicht besitze und darum nicht nachschlagen kann)
geschrieben von: Odessa
Meine Mischa guckt ja selbst gerne Horrorfilme, grad Splatter und Zombies... also sie weiß wie kein Zweiter, daß man vom Filmgeschmack nicht auf den Charakter schließt. Ich verstehe auch WAS sie meint, von wegen wenn man genug Gewalt erlebt hat, hat man die Nase voll davon es auch noch zu sehen. Es geht mir in Teilen ja ähnlich, ich kann z. b. gewisse Gewalt-Dinge eben wirklich nicht sehen weil sie - trotz Aufarbeitung - "zu nah" an mir dran sind. Aber ich würde trotzdem halt einfach nicht sagen, daß es bei JEDEM so sein muß, denn jeder Mensch ist anders in seinen Befindlichkeiten und darin, wie er mit Erlebtem oder auch nicht Erlebtem umgeht.
Ich bezeichne es für mich als "Schocktherapie", gerade weil es mich aus meiner jetzigen "friedlich-mittigen" gewaltfreien Welt (ohne Missbrauch, ohne tägliche Prügel, Hunger, Psychoterror, Krieg/Tod/Elend etc.) für eine Stunde rausholt und mir zeigt, daß es NICHT selbstverständlich ist was ich jetzt erreicht habe und "lebe". Natürlich weiß ich das auch so, natürlich genieße ich ja gerade deswegen weil ich es weiß, jede Minute meines Lebens so intensiv. Für mich ist jeder Sonnenaufgang täglich neu ein Wunder, ein Geschenk, und jede zärtliche Berührung eines geliebten Menschen ein immer wieder neu erfolgendes Geschenk.... aber wie gesagt, trotz all diesen Wissens und der Verarbeitung möchte ich immer wieder mal meine "alten" Grenzen betreten bzw. sie überschreiten dahingehend, daß ich mich der Erinnerung stelle.
Denn ich möchte niemals vergessen. Und auch wenn ich sicher bin daß ich es nie täte (vergessen was ich Erlebte), so ist es mir trotzdem ab und an ein Bedürfnis, es mir im wahrsten Sinne "vor Augen" zu führen (Film). Bei mir läuft eben sehr viel über Visuelles, über Visualisiertes.
Ich bin mir allerdings auch sicher, daß ich diesen Film NICHT werde ganz anschauen können bzw. daß ich ständig wegschauen werde, denn ich kann ja schon nicht hinschauen wenn bei harmlosen Splattern Jemand ein Messer reingerammt wird oder wenn jemand die Hand verdreht wird... schon da krieg ich das Würgen und fange an zu Weinen.
Ich bin ein Hardcore-Filme-guckendes Teletubbie-Weichei, holy bimbam :D
geschrieben von: Odessa
Mischa, das hab ich auch so in etwa verstanden, ich schrieb nur daß mir - weil Du mir so nah stehst und wichtig bist - wiederum wichtig ist daß gerade Du keine schlechte oder falsche Meinung von mir hast nur weil ich diese Filme mag ;). Danke für die Erklärung nochmal, wir begackeiern (schreibt man da so - me the Grammatik-Fascho *g*) das eh bei nächster Filmquak-Gelegenheit am Telefon, reden ist immer besser als tippseln ;-).
geschrieben von: coma_black
@ArrogantNick:
Ich ziehe aus negativen Emotionen die Kraft zum Weitermachen, wie ich aus persönlicher Erfahrung mit allerlei "positiver" Energie (Joseph Murphy, Carnegie, The Secret usw.) bestätigen kann, die mir nichts gebracht hat, außer mich tiefer in Depressionen reinzureiten.
geschrieben von: Odessa
Übrigens mussten wir doch noch 'nen neuen Kühlschrank ordern heute, das ist bestimmt rückwirkend die Strafe für 300 ...*gackernd ab*
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"isch liebää disch"... ja siehste mal! ALLES darfst Du gucken sprach der Herr, aber NIEMALS 300 ;) - bis später.. ich muß jetzt eine ganz reale Gewalt/TrauerErfahrung hinter mich bringen, Moritz Beerdigung im Garten... (sorry coma fürs ot, ich meld mich später wieder zum Thema, versprochen).
geschrieben von: coma_black
Mit negativen Emotionen meine ich eine zielgerichtete Kanalisierung von Trauer, Zorn, Hass und was halt sonst so auf der Gefühlsskala ganz weit unten angesiedelt ist. Also wenn ich zum Beispiel "Antichrist Superstar" oder "The Downward Spiral" von vorne bis hinten anhöre... oder eine Oper von Richard Wagner.
Das bewirkt (wie auch ein guter Metzgerfilm) eine "Reinigung vom Affekt", also diese Sache mit der Katharsis, durch die dann ein Spaziergang mit dem Hund, oder eine Zigarre, oder was es sonst so schönes gibt, eine ganz neue Bedeutung erhält.
Außerdem bin ich dadurch insgesamt ausgeglichener und weniger jähzornig ;)
Ich habe das vorhin falsch verstanden, ich bin davon ausgegangen, daß du irgendwie so Eso-mäßig auf "positive thinking" machst. Sorry!
geschrieben von: coma_black
Also entweder haben
a) jetzt alle Angst, sich den Film anzuschauen,
b) sind nach dem Film so traumatisiert, daß sie hier nicht mehr mitdiskutieren können oder
c) mögen uns nicht
:D
geschrieben von: Odessa
:D
d) haben schon alles gesagt.
Ne im Ernst - ich verstehe völlig, Mischa, wie Du das meinst und siehst, und auch wie Du reagierst, das ist eh klar weil wir uns ja sehr eng kennen und um diese Befindlichkeiten wissen. Bei mir ists generell auch so, daß ich mich immer körperlich abreagieren muß (warum sind wohl meine Fenster so sauber und mein Haushalt tiptop *grins*) wenn ich Aggressionen oder andere Streßmomente habe, wo ich was "rauslassen" muß. Aber die Ergänzung dazu bzw. eine Art Ausnahme sind bei mir dann halt noch manchmal Filme, wo ich mich auch auf eine andere Art vermutlich abreagiere aber eher, indem ich mich "fallenlasse" und mich ausliefere, also auch mal "passiv" bin und mich dadurch auf den eigenen "Film im Kopf" zum Film nebenher konzentrieren kann.
Wie gesagt - ich kann noch nicht mal bei vermutlich für anderen Leuten harmloseren Gewaltszenen richtig hinschauen, ich dreh ständig den Kopf weg oder halt mir die Augen zu... aber allein die Imagination und das WISSEN, was da im Film gerade läuft, macht mir dann (wieder) klar daß ich niemals selbst sowas machen könnte (von ganz furchtbaren Extremsituationen wie "Notwehr, Verteidigung geliebter Wesen" etc. abgesehen), ich niemals wieder mehr möchte Gewalt an mir selbst oder Anderen erleben (müssen)... und das alles sind Dinge die ich natürlich eh auch ohne Film weiß, die ich auch real lebe.... aber mich interessiert immer wieder mal die filmische Herausforderung, mich dem zu stellen, auch weil ich wie erwähnt generell sehr "visualisiert" bin in meinem ganzen Empfinden und immer Filme im Kopf habe.
Ich kanns einfach nicht besser erklären, ich könnte es aber sofort verfilmen in einer Art David-Lynch-meets-Hitchcock-meets-Fellini-including-Visconti-Streifen :D
Ob ich mir nun diesen Film ansehe, hängt davon ab ob ihn ein bestimmter Mensch mit mir ansieht (der eher "mmmh nein" sagt dazu, weil er mit solchen Filmen nicht sooo klarkommt) - denn nur wenn ich jemand neben mir habe, in den ich mich dann reinkrallen und festklammern kann und mit dem ich vor allem dann über all meine Empfindungen reden kann, geht das bei mir.
geschrieben von: solipsismus
Ich fand den Film, verglichen mit High Tension (der jetzt auch nicht perfekt war), nicht so gut. Das liegt in der Sinnlosigkeit der Sache. Es wird zwar erklärt, warum man die Mädchen foltert, aber nie klar, wer diese Organisation ist und warum genau deren Mitglieder dies wissen möchten. Reine Neugierde könnte eine mögliche Erklärung sein, aber ohne irgend einen logischen Grund am Ende, finde ich es wirklich ... dämlich.
Der Film war zwar größtenteils gut gemacht, aber ich bevorzuge entweder ganz sinnlos oder ganz sinnvoll.
geschrieben von: smart_hicks
Ein guter Horrorfilm, den man auch wirklich als "Horror" bezeichnen kann. Während des Anschauens des letzten Drittels habe ich echt überlegt, den Film abzubrechen und das ist mir so noch nie passiert. Dieser Film hat mich geradezu seelisch gefoltert, in Anbetracht der Handlung wörtlich zu nehmen. Es war eine wichtige Erfahrung, Katharsis-Theorie hin oder her. Nach diesem Trauma hat ein Verdrängungs- und Distanzierungsmechanismus in mir statt gefunden, was wohl kaum verwunderlich sein dürfte. Aber meine Fähigkeit zur Empathie hat darunter nicht gelitten (warum auch?), im Gegenteil. Ein sehr guter Film.
Gruß
Hicks
geschrieben von: coma_black
Ich habe den Film nochmal angeschaut, mit etwas mehr Distanz.
Das perfide an Martyrs ist, daß er die desorientierte Zeitstruktur, wie sie mir ein ehemaliger Insasse von Hohenschönhausen mal ansatzweise erklärt hat, auf den Zuschauer überträgt. Man war in dieser Zelle, man ist dort, und man wird dort bleiben - auch Jahrzehnte nach der Entlassung.
Fällt die lineare Zeit ersteinmal weg (durch ewiges Halbdunkel und einen ermüdenden Zyklus aus Erniedrigungen), dann verabschiedet sich zwangsläufig irgendwann auch das Ego, weil wir unser Selbst nur durch den linearen Zeitablauf aufrechterhalten können, durch unsere "Geschichte".
Im Film wird trotz der angeblichen zeitlichen "Sicherheit" (15 Jahre später) nicht klar, wie lange sich die Mädels in dem Haus und später im Keller aufhalten. Durch die zahlreichen Brüche fällt gleichzeitig auch die Bezugsperson weg und konsequent fies steht am Beginn des Films die "Befreiung" des Opfers und die aufgestoßene Tür.
Mich wird Martyrs jedenfalls noch lange heimsuchen...
geschrieben von: Davy Crockett
Obwohl ich mir geschworen hatte, diesen Film niemals anzuschauen - habe ich es nun doch getan - und ihn mir in voller Länge "gegeben"...vor genau einer Woche, ausgerechnet dem Karfreitag...
...doch nun habe ich ein Problem, wie mir scheint...nämlich das, irgendetwas dazu sagen zu müssen...fange ich daher am besten mit dem an, was sich leicht in Worte fassen lässt, formalistischen/formalästtätischen Gesichtspunkten wie Aufbau und Erzählstruktur, da dieser Film bereits an diser Stelle ein paar Fragen und Probleme aufwirft, die nicht ohne Auswirkung auf den inhaltlichen Teil/die story bleiben...ich kannte bereits ein paar Szenen daraus, bevor ich dieses Ding nun endlich in voller Länge "geniessen" durfte - ja, ich weiss, das ist genau der falsche Ausdruck, um die Wirkung dieses Films zu beschreiben, doch dazu später mehr...die wenigen Szenen, die ich zuvor schon kannte, spielen sich fast alle im ersten Teil des Films ab, und daraus geht überhaupt nichts Eindeutiges hervor, worum es in dem Film geht, und irgendwie haben diese wenigen Eindrücke mich auch nicht sonderlich für den Film begeistern können... mir nach "Hostel " I und zwei, "SAW" und "Frontier(s)" und "High Tension" noch einen weitereren "Folterfilm" anzutun erschien mir extrem sinnfrei und dredundant, war das Thema in all diesen Filmen und etlichen Weiteren doch schon in allen nur erdenklichen sadistischen und perversen Variationen und Nuancen durchgespielt worden...was sollte also noch ein weiterer Film dieser Sorte für einen "Erkenntnisgewinn" auslösen wo die übrigen es schon nicht vermocht hatten, mehr zu sein als ein wenig Nervenkitzel und Gänsehaut für zwischendurch, jedenfalls ohne jeden nachhaltigen Effekt auf den Zuschauer...?
...nun, um es kurz zu machen, unverhofft kommt oft - und nach diesem Film ist nichts mehr so, wie es vorher war...die wenigen echten Schwächen des Films liegen im Handlungsaufbau und in dem nicht wirlich gelungenen Versuch, eine nichtlineare, alogische Zeitstruktur zu schaffen und zwei Geschichten/Handlungsstränge unter einen Hut zu bekommen: ein ambitioniertes Experiment, dass hier aber - im Gegensatz etwa zu "Lost Highway" oder auch "Mulholland Drive" - an die dieses Verfahren zumindest oberflächlich erinnert, nie ganz gelingt...wobei der erste Teil des Films ohnehin von etlichen "Lynchismen" (vgl. Georg Sesslen) nur so wimmelt, man denke an das "Eraserhead"- ähnliche Fabrikgelände (wie es ähnlich ja auch bei "Hostel" vorkommt...) zu Beginn und die Villa der Familie...die Einstellung auf das Haus ist z.B. fast 1:1 aus der ersten Szene von "Lost Highway" entnommen, wo das Haus von Fred und Renee Madison erstmals zu sehen ist...doch am Ende bleiben zu viele logische Fehler übrig, die verhindern, dass die zweite Storyline die erste zu Ende führt, bzw, zu deren Bedingung wird und umgekehrt...im Gegenteil, bei "Martyrs" annullieren sie sich gegenseitig: der zweite Teil, das eigentlich namensgebende "Martyrium", ist der entschieden wichtigere, und der hätte die Vorgeschichte - Lucies Rache - eigentlich nicht nötig gehabt...es hätte den ganzen Film zumindest wesentlich spannender und "linearer" gemacht, auf eine der beiden Geschichten ganz zu verzichten...entweder einen reinen "Rache ist Blutwurscht" - Streifen im Stil von "Kill Bill" durchzuziehen - oder aber sich ganz auf den zweiten, den Folterteil, zu beschränken, auf dem Thema und Kernaussage des Films ohnehin einzig und allein basieren...was diesen - entscheidenden - Teil aber nicht wirklich glaubwürdig macht, ist wiederum der erste Teil...denn dieser hat ja gar kein "eigenes" Ende...ähnlich, wie der zweite keinen eigenen Anfang hat...es bleiben weiterhin die besagten logischen Fehler: warum bleibt Anna weiter in dem Haus, auch nachdem sie die schreckliche Wahrheit über das Haus und Lucies Vergangenheit endlich herausgefunden hat? - bis dann die wahren Bösewichter endlich eintreffen und es keine Chance zur Flucht mehr für sie gibt, etc...hier ist der Film kaum gescheiter als "Fronier(s)", wo man/frau garantiert immer genau das falsche tut, nämlich alles, um seinen/ihren Mördern direkt in die Arme zu laufen...eine weitere Unzulänglichkeit bildet die Seite der Täter: diese "Sekte" ist nicht im mindesten glaubwürdig -selbst die reichen Sadisten-Psychos aus den beiden "Hostels" waren da irgendwo weit näher an der Realität....nur furchteinflössend, das ist er schon, dieser Club ergrauter Tattergreise, die da zum Schluss in ihren fetten Bonzenschlitten vor der Villa vorfahren - und reich sind sie offensichtlich auch - denn sonst wären sie ja wohl auch kaum die abgrundtief verkommenen Faschisten, bar jeder Menschlichkeit...dieser Film schafft eine Atmosphäre universeller, allgegenwärtiger Bedrohung...das ist hier tatsächlich wie in kaum einem anderen gelungen...
...es ist daher auch müßig, irgendeine Interpretation anbieten zu wollen oder nach dem "Sinn" zu fragen...denn es gibt keinen Sinn in diesem Film - und das ist die einzige "Pointe", die er überhaupt zu bieten hat...das endlose Martyrium, das nun erfolgt - es ist völlig sinnlos...wer einen "Sinn" darin sucht, einen Menschen auf die allerperfideste Art zu Tode zu quälen.. .der findet auch einen...wie ebenjene Gruppierung...es ist ein absolut nihilistischer Film...was nun die Folterszenen selbst angeht - so sind diese in ihrer Eindringlichkeit in ähnlicher Weise kaum irgendwo zu finden... der hier schon erwähnte Effekt, dass es einem einfach nicht mehr gelingt, wegzusehen, die Augen abzuwenden oder den Film einfach abzuschalten, hat sich schon nach kurzer Zeit bei mir eingestellt...der allmähliche Identitäts- und Persönlichkeitsverlusst der Frau, nachdem sie wieder und wieder und stets derselben Abfolge von Schikanen und Erniedrigungen ausgesetzt wird - ist hier sehr glaubwürdigig vermittelt...noch intensiver ist es nur noch bei den Folterszenen in Radfords vErfilmung von Orwells "1984" gelungen - und hier waren es die Giganten Richard Burton und John Hurt, die sich dabei ein Täter- Opfer - Duell auf allerhöchstem intellektuellen Niveau lieferten...
geschrieben von: Davy Crockett
...irgendwie lässt mich dieser Film nicht mehr los - vielleicht läuft deswegen bei mir ständig "To our Martyrs" von Samael...:Ddas habe ich ja zuvor schon von einigen gehört, die ihn gesehen haben...und doch zeigt er vermutlich nur die Spitze eines Eisberges...das, was in den KZs und Folterknästen dieser Welt tagtäglich geschieht, stellt sicher selbst diesen Film weit in den Schatten...dabei werden hier in Folterknästen durchaus übliche Praktiken gezeigt, die zumindest ansatzweise, wenn auch weniger drastisch zuvor schon in anderen Filmen zu sehen waren (vgl. z.B. Natalie Portman in "V for Vendetta", der rein von der psychologischen Situation des permanent-eingesperrt und gefoltert-werdens diesem hier schon recht nahe kommt...auch die sehr einförmigen, sich tagein tagaus wiederholelnden Folterrrituale, "waschen und füttern mit anschließender Tracht Prügel" sind in chinesischen Folter-KZs und US imperialistischen Folterknästen in der gezeigten Form so durchaus realistisch...
...und es gibt sicher noch weit schlimmeres...es wäre hier jedoch sinnvoller und besser gewesen, das Ganze ähnlich wie "V for Vendetta" in den Rahmen eines Orwell-ähnlichen Terrorstaates zu verlegen...doch verstehe ich irgendwie auch, dass P.Laugier hier möglicherweise der Gefahr, einen "politischen" Film daraus werden zu lassen, aus dem Wege gehen wollte, indem stattdessen diese Geheimorganisation einführte, was das Ganze allerdings recht unglaubwürdig macht...
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geschrieben von: coma_black
Davy, ich habe doch gesagt, daß der Film eine unvergleichliche Langzeitwirkung hat. ;)
Ich habe es jedenfalls seither nicht mehr fertiggebracht, ihn nochmal anzusehen.