Ein schwarzes Licht, geboren aus der Vergessenheit, zieht seine Bahn. Es bleibt stehn, rührt sich nicht.
Donnerndes Getöse erschallt aus dem Nichts. Wut und Hass seine Aura. Ein greller Blitz...
Es herrscht Ruhe.
Eine Straße durchquert das Land, traurig und verlassen. Gepeinigt vom Sturm der Zeit, gprägt von ihrer Geschichte.
Kleine vertrocknete Sträucher leisten ihr Gesellschaft. Es ist still, kein Laut ist zu hören, nur ein Schleier aus schwarzen Dunst,
der das Land in sich birgt, ist zu sehen.
Nichts... nur Felsen und Staub...
Leere...
Und diese eine alte Straße. Wo führt sie hin? In die Verdammnis? In die Unendlichkeit? Oder endet sie hier?
Nur sie selbst vermag es dies zu beantworten, jedoch sie schweigt. Kälte bricht herein, kalt und warm zugleich.
Die Kälte der Vernichtung, die durch die Reihen zieht und jene Wärme lodernder Flammen, die mit einem Knistern,
sich drohend hin und her bewegen. Ein modriger Geruch zieht auf.
Er wird stärker...
Hinter einem großen, knochigen Baum liegt etwas.
Ein Wesen... es bewegt sich nicht, gibt keinen Laut von sich. Wo kommt es her? Was macht es hier? Ist es tot? Lebt es noch?
Schweigen...
Nur die Geschichte vermag zu erahnen, was hier vor langer Zeit geschah.
In dieser Welt aus Horror und Schrecken leben sie, die Schwarzen Engel.
Jeder für sich, allein,unnahbar und doch im Krieg vereint. Glänzende Schwerter mit mystischen Symbolen ihrer Familien,
tragen sie auf ihren Rücken. Ihre großen Flügel, von Narben aus früherer Existenz übersät, erstrecken sich kampfeslustig in die Höhe.
Ein täuflisches Glühen erfüllt ihre Augen. Keiner vermag sich an sie zu erinnern, niemand kannte ihr wahres Dasein,
obwohl sie, seit jenem Erwachen, ein Teil von uns sind...
existierend in unserer Seele
Allein unter einem Baum, dessen Wurzeln längst tot waren, da sah ich ihn...
Ein Engel so hell und rein wie kein anderer, graue Augen die mich meiner Sinne beraubten, so stand er da und lächelte mich an. Langsam streckte er seine schmalen Hände zu mir aus, um mich zu berühren. Immer wieder summte er eine Melodie wie ich sie nie zuvor gehört hatte. Sein langes weißes Haar umhüllte leicht seinen schmalen hellen Körper und streichelten sanft seine schneeweißen Flügel. Langsam schwebte er auf mich zu und lies sich um meinen hals fallen. Ich verfluchte ihn und mich wie konnte ich mich nur dazu herablassen einen Engel in meine Arme zu nehmen, und doch spürte ich eine tiefe Geborgenheit die ich nie zuvor her kannte. Seine weiche Haut, seine Augen und sein Lächeln ließen mich für diesen kurzen Augenblick alles vergessen. Nur die schweren Trommelschläge aus der Ferne rissen mich aus diesem Traum. Schwere Geschütze wälzten sich wie eine Welle über die Hügel am Horizont. Eine Armee von Dämonen die singend und jubelnd direkt auf uns zu steuerten. Ihre Schreie nach Vergeltung und Rache spürte ich wie Peitschenhiebe auf meiner Haut. Mein Engel in weiß hörte auf zu summen, sein Lächeln verschwand und seine strahlenden Augen wurden trübe. Ängstlich presste er sich an meine Rüstung und schnitt sich an den scharfen Kannten. Erschrocken und mit starrem Blick stierte er in den Himmel und sah einen hellen Lichtschweif durch die dunklen Wolken gleiten. Die Engel hatten ihn ausfindig gemacht und lechtsten nach seinem Blut. Keinem Wesen war es erlaubt sich mit dem Feind zu verbünden. Er sah mich an und weinte... -verzeih mir- wisperte er immer wieder und versuchte sich noch enger an mich zu drücken. Ich hielt dem ganzen nicht mehr stand und drückte ihn fest an mich...
...es ist nicht deine Schuld...
Nie werde ich zulassen dass dich ein anderer berührt, dich nie ein anderer bekommt, nur ich allein konnte dir Liebe schenken, eine Liebe wie sie dir nur ein Dämon schenken kann. Nun da uns keine andere Wahl mehr bleibt, sollst du sterben allein durch meine Hände. Jene die dich innig liebten und hassten.
Und wenn dein Blut meinen Körper erwärmt, empfange ich hoch erhobenen Hauptes
meine Strafe, stelle mich dem Kampf und sterbe als wahrer Krieger...
...Und nun liege ich hier und starre hinauf zum Himmelszelt wo einst tausend Sterne hingen und jetzt nur noch einer sein Licht zur erde sendet... So viele Seelen sind verloren. Ich spüre wie die Träume brechen, fühle die Angst hinter jedem Sein, eine Gewalt gespickt mit tausend Scherben. Die Ruhe vor dem Sturm...
2004
geschrieben von: Calla
Dunkelheit
Als ich in deine Augen sah, erblasste ein Stern am Firmament. Eine tiefe Leere untergrub dein Bewusstsein und drohte es in die Vergessenheit zu stürzen. Nur ein Abbild vergangener Tage enthüllt den Augenblick eines glücklichen Moments. Wie starr blickst du in die Zukunft und kannst den blauen Himmel nicht sehen. Alles ist grau in grau. Still beobachte ich dich und versuche zu ergründen welchen Abstieg dein Herz unternahm, doch bist du ein geschlossenes Buch mit sieben Siegeln. Du hast deinen Weg verlassen und irrst umher als ob es keine Hoffnung gebe… Ich reiche dir die Hand so wie viele andere vor mir, doch kannst du sie nicht sehen. Wache auf und höre mich, ich weis welchen Schmerz deinen Leib bekleidet, ich spüre wie dein Herz weint.
Grob fasse ich dich am Arm, schreie dich an: Hörst du mich nicht?! Kannst du mich denn nicht sehen?!
Noch immer rieche ich den Duft deines Haares, spüre deine sanfte Haut…was ist passiert? Warum blickst du durch mich durch, als wäre ich nur ein Schatten? Ein dunkler Nebel trennt dein Antlitz von meinen Augen, nimmt dich in sich auf, und lässt mich allein in diesen düsteren Hallen. Wo bist du? Lass mich nicht zurück! Warum hast du mich verlassen? Was habe ich getan?
Stille… nur das schwerfällige Geräusch des Nebels der dich von mir genommen hat ist leise zu hören. Kälte bricht herein, eine Kälte die so schwarz ist, dass mein goldenes Licht erlischt.
Wo soll ich nun hingehen? Ich kenne den Weg nicht mehr, erkenne keinen Ort der Zuflucht, nur unendliche Weite düster und kalt. Ich sinke auf die Knie und heiße Tränen benetzen mein Gesicht… Hilf mir! Ich habe Angst! Hörst du nicht wie deine Seele schreit?! Komm zurück ich brauche dich!
geschrieben von: Calla
Verfallen
Ich kann den Fluss nicht stoppen, der unaufhörlich fließt und tausende meiner Tränen beherbergt, als gäbe es keine Hoffnung.
Selbst mein Herz vermag nicht aufzuhören… zu schreien.
Wie eine magere Kreatur die mehr verkrüppelt wandelt als zu laufen, trage ich meine Gedanken spazieren mit der Absicht, sie gänzlich zu vernichten, als sie weiter zu ertragen um mich nicht mehr ewig fragen zu müssen, warum es mich so quält, wo doch nichts ist. Ich muss hinaus unter freien Himmel, hinaus in mein Heiligtum…
Tief in die natur um mich zu heilen.
Blind stolpere ich durch die Nacht und finde mich auf einem kleinen schier unauffälligen Friedhof wieder. Nur spärlich nehmen meine müden Augen die kantigen Umrisse einiger Grabsteine wahr.
Feuchter Erdgeruch steigt mir in die Nase und wieder erinnere ich mich an die sanften Berührungen… flüchtig nur… doch leidenschaftlich genug um meine Seele in Fetzen zu zerreißen.
Eine magere Kreatur, ja so mag mein Bewusstsein wohl aussehen, mit langen knochigen Fingern und hageren Beinen, die den geschundenen Körper mit sich schleifen um sich überhaupt fortzubewegen. Eine armselige Gestalt, die nichts als Leid im Körper trägt und jegliches Glück längst vergessen hat.
Ich will dieses Spiegelbild nicht sehen…
Warum kann ich nicht los lassen, warum schmerzt es mich, wo doch nichts ist?
Diese Augen brachten mich um den Verstand und trübten, die meinen. Das was ich liebte zu sehen, schwindet zusehends stund um stund.
Ich taste mich langsam an den Gräbern vorbei und versuche nur kurz einige Namen zu lesen.
Alle gleich… jeder Einzelne von ihnen… Warum tut ihr mir das an? Ist es euch nicht genug mich zu quälen? Reichen meine Tränen nicht aus?
Mein pochendes Herz schmerzt in meiner Brust und ich spüre wie meine Kräfte schwinden. Ich fühle etwas hartes an mir, in meiner Kleidung, ein Ding, ein Rahmen.
Ich fürchte mich es aus der Jackentasche zu ziehen, fürchte etwas zu sehen, was ich nicht sehen sollten, fürchte das letzte bisschen Verstand zu verlieren…
Ich wage es nicht… noch nicht…
Kraftlos breche ich an einem Baum zusammen und blicke mit leer gebrannten Augen in den Himmel.
Wieder spüre ich den Gegenstand an meiner Seite und ich frage mich ob ich es wagen sollte ihn zu betrachten. Mit zitternden Händen greife ich danach und bringe das unheilvolle Ding zum Vorschein, doch ich wage es nicht es anzusehen. Schnell versuche ich es wieder in meinen Lumpen zu vergraben während mein Blick auf ein nahe gelegenes Gemäuer fiel.
Endlich… Ich bin am Ziel…
Es war eine kleine Kapelle am oberen Ende des Friedhofes, klein und alt. Seit Jahren hatte sie kein Mensch mehr betreten und hier konnte ich seit jeher im Stillen vor mich hin existieren und mich vom Übel der Menschheit heilen.
Ich schleppe mich in die Halle und ließ mich erschöpft auf eine der Bänke nieder.
Regungslos verweile ich liegend mit festen Griff an meiner Jackentasche.
Mutig zog ich das kleine Ding hervor und betrachtete es…
Es tötete mich fast mit Schrecken, Freude und unermesslicher Trauer…
Es war ein Spiegel… mit dem Bildnis meines begehrens. Ein Abbild jener Augen, die die meinen stahlen, ein Abbild jenes Lächelns, die das meine schwinden lies.
Und wieder spüre ich die sanften, flüchtigen Berührungen an meinem Körper.
Nein… bitte… lass mich gehen…
Und mit letzten Kräften stoße ich die Worte hinaus: Ich liebe Dich!
Ich liebe dich sollen die Worte sein, die du niemals zu hören bekommen wirst, jene Worte die ich in den letzten vorhandenen Teil meines Herzens eingesperrt lies und die mich seither so quälen. Ich leugne keines dieser Worte bis zum letzten Atemzug und still hoffe ich auf Erlösung meiner Folter.
Wie Dämonen kreisen meine Gedanken um ihn, düster und bedrohlich mit Trauer erfüllt. Unmöglich auszudrücken was man empfinden kann, wenn nichts bleibt außer dem was man Leere nennt. Missmutig starre ich auf den zerstörten Altar und ergötze mich kurz an den zerbrochenen Gesichtern einiger heiligen Figuren. Doch mein Schmerz sitzt tief und ich kann nicht aufhören daran zu denken, es zieht mich ins Dunkel hinab und lässt mich langsam sterben. Ich habe keine Gewissheit, nichts brauchbares um diesem Schicksal zu entkommen…
Nur kaputte Träume…
Leere Erinnerungen…
Schmerz…
Diese Augen, dieses Lächeln, ich kann es nicht ertragen und doch würde ich jetzt alles geben um es noch einmal sehen zu dürfen…
Ein letztes mal…
Ich sehe keinen Sinn für meine Existenz, keinen Sinn für diese Kreatur…
Wutentbrannt zerbreche ich den Spiegel auf kargem Stein und greife nach einer der Scherben.
So muss es sich wohl anfühlen, wie es ist zu zerstören, zu töten und Schmerz zuzuführen.
Langsam dringt sie scharf in mein weißes Fleisch und ein müdes Gefühl überkommt still und heimlich… wie ein Schatten…
Ein Tropfen
Zwei Tropfen
Drei Tropfen
Jeder Tropfen ein Gedanke für dich…
Jeder Tropfen ein Gefühl für dich…
Jeder Tropfen ein Leben für dich…